Österreich - die ganze Geschichte

ORF III
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Jan 16, 2026 • 20min

Vom Opfermythos zur Restitution

Nur sehr schwerfällig und auch unter immer stärker werdendem internationalem Druck rückte die Zweite Republik letztlich von der bequemen Opferthese ab. Ausgangspunkt ist die internationale Kontroverse um Kurt Waldheim, die das Land zwang, sich mit seiner tatsächlichen Rolle in der NS-Zeit auseinanderzusetzen. Dadurch gewann die Anerkennung der österreichischen Mitschuld erstmals breiteren politischen und gesellschaftlichen Rückhalt. Das Gespräch Mariella Gittlers mit Heinz Fischer, Bundespräsident a.D., zeigt, welche moralischen, rechtlichen und diplomatischen Konsequenzen diese Neubewertung nach sich zog. Schließlich mündete der Prozess in konkrete Restitutionen und einen neuen Umgang mit der eigenen Vergangenheit, was Jörg Haider und seine FPÖ nicht daran hinderte, in den 1990er-Jahren einen bis dahin beispiellosen Höhenflug für das rechte Lager hinzulegen.
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Jan 9, 2026 • 31min

Stunde 0 der 2. Republik

Heinz Fischer spricht über seine Kindheit und Schulzeit während des Zweiten Weltkriegs sowie über die traumatischen Erfahrungen, die die unmittelbare Nachkriegszeit prägten. Er schildert die Unsicherheit, den Hunger und die Wohnungsnot jener Jahre und wie diese Bedingungen das Leben einer ganzen Generation bestimmten. Zugleich beschreibt er den Wiederaufbau des Landes, der jedoch oft um den Preis des kollektiven Verdrängens der eigenen Kriegsvergangenheit erfolgte. Die anfänglich konsequente Verurteilung von NS-Verbrechern geriet bald ins Stocken, als ein neuer nationaler Schulterschluss wichtiger erschien als die Aufarbeitung. In diesem Umfeld wurden auch Figuren wie Taras Borodajkewycz zu Symbolen für die ungelösten Konflikte der noch jungen Zweiten Republik. Mariella Gittler im Gespräch mit Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident a.D.
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Jan 2, 2026 • 18min

Koloniales Österreich?

Der Mythos eines kolonialfreien Österreichs wird hinterfragt. Neue Forschungen zeigen Österreichs Verstrickungen im Kolonialismus, auch als Binnenkolonialismus in Bosnien. Die Episode beleuchtet historische Ambitionen, eigene Kolonien zu gründen, sowie die Rolle von Engelbert Dollfuß im Austrofaschismus. Diskussionen über Nachkriegsanalogien zur Dekolonisierung globaler Länder zeigen, wie koloniales Erbe bis heute Einfluss auf Gesellschaft und Museen hat.
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Dec 26, 2025 • 15min

Aktiv neutral

Lucile Dreidemy, eine Zeithistorikerin mit Fokus auf Österreichs Nachkriegs- und Neutralitätspolitik, diskutiert die Nuancen der österreichischen Neutralität. Sie erläutert, wie diese zunächst als Bedingung zur Souveränität betrachtet wurde, sich aber schnell als zentraler Identitätsbaustein etablierte. Besonderer Fokus liegt auf Bruno Kreiskys aktiver Außenpolitik und der Rolle Österreichs in der UNO. Dreidemy analysiert die fortdauernde Bedeutung der Neutralität nach dem Kalten Krieg und die Spannungen mit EU-Sicherheitsverpflichtungen.
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Dec 19, 2025 • 18min

Kanzlerdiktatur oder doch Austrofaschismus?

Die Diskussion über die österreichische Diktatur zwischen 1933 und 1938 sorgt für kontroverse Meinungen. Zeithistorikerin Lucile Dreidemy argumentiert für den Begriff 'Austrofaschismus' und erläutert die Merkmale wie Antisemitismus und Antiparlamentarismus. Sie hebt die schwache Natur des Regimes trotz seiner totalitären Ansprüche hervor. Nach 1945 wurde der Umgang mit dieser Vergangenheit stark vernachlässigt, während Gedenkzeremonien für Dollfuß bis in die 2000er stattfanden. Auch die politischen Folgen und interne Spannungen in der SPÖ werden thematisiert.
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Dec 12, 2025 • 16min

Die andere Machtergreifung 1933

Lucile Dreidemy, Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Wien, beleuchtet die politische Radikalisierung in Österreich der 1930er-Jahre. Sie erklärt, wie die Christlichsoziale Partei unter Engelbert Dollfuß am 4. März 1933 die Macht übernahm, nutzt dazu eine Parlamentssitzung und wirft ein Licht auf die autoritäre Wende. Dreidemy thematisiert die rasche Demontage des Rechtsstaats sowie das Versagen der Sozialdemokratie, was zu einem ausbleibenden Widerstand führte. Ein spannender Einblick in eine dunkle Zeit der österreichischen Geschichte.
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Dec 5, 2025 • 17min

Von der Opferthese zur Erinnerungskultur

Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und Expertin für Erinnerungskultur. Im Gespräch beleuchtet sie die Moskauer Deklaration von 1943 und wie die Opferthese zum politischen Instrument wurde. Sie skizziert den Wandel der Narrativen ab den 1960er Jahren, die Diskussion um die Mitschuld Österreichs während des Waldheim-Wahlkampfs 1986 und die heutige Vielfalt der Erinnerungskultur. Der Dialog über die aktuellen Formen der Erinnerung und den Bezug zur Gegenwart soll gegen den Rechtsextremismus wirken.
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Nov 28, 2025 • 16min

Simon Wiesenthal

Simon Wiesenthal war ein entscheidender Lichtblick im Kampf gegen die NS-Verbrecher. Eine Zeitungsanzeige über Eichmann entfachte seine Suche nach Gerechtigkeit. Mit seinem Zentrum in Wien und dem Motto 'Recht, nicht Rache' forderte er Reformen für NS-Prozesse. Seine Netzwerkarbeit führte zur Ergreifung von Verbrechern wie Eichmann und Murer. Trotz Kritik blieb Wiesenthal ein unbequemer Mahner der Geschichte und hinterließ ein bedeutendes Vermächtnis im Bereich Menschenrechte und Gerechtigkeit.
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Nov 21, 2025 • 20min

Der Schwund des Willens – Die Ahndung von NS-Verbrechen

Die Diskussion beleuchtet den schwindenden Willen Österreichs zur Ahndung von NS-Verbrechen nach dem Krieg. Politische Amnestien und der Einfluss des Kalten Krieges behinderten die Justiz. Der Fall Franz Murer wird als Paradebeispiel für die mangelnde Konsequenz in der Aufarbeitung betrachtet. Zudem wird erläutert, warum ältere Zeugenaussagen oft nicht ausreichten und die Rolle von Beweisen in den Verfahren thematisiert. Ein eindringlicher Blick auf die Herausforderungen der Erinnerungskultur und der juristischen Aufarbeitung.
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Nov 14, 2025 • 19min

Die Mühlen der Nachkriegsjustiz

Claudia Kuretsidis-Haider, Leiterin der Abteilung historischer Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, entführt in die Komplexität der Nachkriegsjustiz in Österreich. Sie diskutiert die Entstehung von Verbots- und Kriegsverbrechergesetzen und die Arbeit der Volksgerichte bis 1955. Zahlreiche Urteile wurden gefällt, doch es gab auch erhebliche rechtsstaatliche Bedenken. Zudem thematisiert sie, wie Täter ermittelt wurden und den Rückgang der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Verfahren. Ein aufschlussreicher Einblick in die Herausforderungen der Gerechtigkeit nach dem Krieg!

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