

Österreich - die ganze Geschichte
ORF III
Der Podcast zur großen History-Dokureihe von ORF III. Eine Spurensuche nach den großen Themen von heute in unserer Geschichte. Die namhaftesten Historikerinnen und Historiker des Landes stehen Mariella Gittler Rede und Antwort über gegenwartsrelevante Themenkomplexe wie „Klima und Umwelt“, „Gesellschaft und Frauen“, „Ernährung und Gesundheit“, „Migration und Minderheiten“, „Demokratie und Menschenrechte“ u.v.m.
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Jan 2, 2026 • 18min
Koloniales Österreich?
Der Mythos eines kolonial unbefleckten Österreichs bröckelt heute in Teilen der Geschichtsforschung. Neue Forschungsrichtungen untersuchen die Verstrickungen Österreichs in den Kolonialismus der vergangenen Jahrhunderte. Dabei geht es nicht nur um die vielfältige Involvierung in den überseeischen Kolonialismus anderer europäischer Mächte, sondern auch um Formen des Binnenkolonialismus in Europa – etwa in Bosnien. Sowohl in der Monarchie als auch in der Ersten Republik gab es Gruppierungen, die sich für die Schaffung eigener österreichischer Kolonien einsetzten, und während der Zeit des Austrofaschismus spielte Engelbert Dollfuß sogar konkret mit dem Gedanken, eine ehemals deutsche Kolonie zu übernehmen. Während der Besatzungszeit von 1945 bis 1955 ziehen österreichische Politiker Analogien zur Dekolonisierung weiter Teile des globalen Südens, während Österreich selbst weiterhin fremdbestimmt bleibt. Mariella Gittler im Gespräch mit der Zeithistorikerin Lucile Dreidemy.

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Dec 26, 2025 • 15min
Aktiv neutral
Lucile Dreidemy, eine Zeithistorikerin mit Fokus auf Österreichs Nachkriegs- und Neutralitätspolitik, diskutiert die Nuancen der österreichischen Neutralität. Sie erläutert, wie diese zunächst als Bedingung zur Souveränität betrachtet wurde, sich aber schnell als zentraler Identitätsbaustein etablierte. Besonderer Fokus liegt auf Bruno Kreiskys aktiver Außenpolitik und der Rolle Österreichs in der UNO. Dreidemy analysiert die fortdauernde Bedeutung der Neutralität nach dem Kalten Krieg und die Spannungen mit EU-Sicherheitsverpflichtungen.

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Dec 19, 2025 • 18min
Kanzlerdiktatur oder doch Austrofaschismus?
Die Diskussion über die österreichische Diktatur zwischen 1933 und 1938 sorgt für kontroverse Meinungen. Zeithistorikerin Lucile Dreidemy argumentiert für den Begriff 'Austrofaschismus' und erläutert die Merkmale wie Antisemitismus und Antiparlamentarismus. Sie hebt die schwache Natur des Regimes trotz seiner totalitären Ansprüche hervor. Nach 1945 wurde der Umgang mit dieser Vergangenheit stark vernachlässigt, während Gedenkzeremonien für Dollfuß bis in die 2000er stattfanden. Auch die politischen Folgen und interne Spannungen in der SPÖ werden thematisiert.

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Dec 12, 2025 • 16min
Die andere Machtergreifung 1933
Lucile Dreidemy, Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Wien, beleuchtet die politische Radikalisierung in Österreich der 1930er-Jahre. Sie erklärt, wie die Christlichsoziale Partei unter Engelbert Dollfuß am 4. März 1933 die Macht übernahm, nutzt dazu eine Parlamentssitzung und wirft ein Licht auf die autoritäre Wende. Dreidemy thematisiert die rasche Demontage des Rechtsstaats sowie das Versagen der Sozialdemokratie, was zu einem ausbleibenden Widerstand führte. Ein spannender Einblick in eine dunkle Zeit der österreichischen Geschichte.

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Dec 5, 2025 • 17min
Von der Opferthese zur Erinnerungskultur
Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und Expertin für Erinnerungskultur. Im Gespräch beleuchtet sie die Moskauer Deklaration von 1943 und wie die Opferthese zum politischen Instrument wurde. Sie skizziert den Wandel der Narrativen ab den 1960er Jahren, die Diskussion um die Mitschuld Österreichs während des Waldheim-Wahlkampfs 1986 und die heutige Vielfalt der Erinnerungskultur. Der Dialog über die aktuellen Formen der Erinnerung und den Bezug zur Gegenwart soll gegen den Rechtsextremismus wirken.

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Nov 28, 2025 • 16min
Simon Wiesenthal
Simon Wiesenthal war ein entscheidender Lichtblick im Kampf gegen die NS-Verbrecher. Eine Zeitungsanzeige über Eichmann entfachte seine Suche nach Gerechtigkeit. Mit seinem Zentrum in Wien und dem Motto 'Recht, nicht Rache' forderte er Reformen für NS-Prozesse. Seine Netzwerkarbeit führte zur Ergreifung von Verbrechern wie Eichmann und Murer. Trotz Kritik blieb Wiesenthal ein unbequemer Mahner der Geschichte und hinterließ ein bedeutendes Vermächtnis im Bereich Menschenrechte und Gerechtigkeit.

Nov 21, 2025 • 20min
Der Schwund des Willens – Die Ahndung von NS-Verbrechen
Die Diskussion beleuchtet den schwindenden Willen Österreichs zur Ahndung von NS-Verbrechen nach dem Krieg. Politische Amnestien und der Einfluss des Kalten Krieges behinderten die Justiz. Der Fall Franz Murer wird als Paradebeispiel für die mangelnde Konsequenz in der Aufarbeitung betrachtet. Zudem wird erläutert, warum ältere Zeugenaussagen oft nicht ausreichten und die Rolle von Beweisen in den Verfahren thematisiert. Ein eindringlicher Blick auf die Herausforderungen der Erinnerungskultur und der juristischen Aufarbeitung.

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Nov 14, 2025 • 19min
Die Mühlen der Nachkriegsjustiz
Claudia Kuretsidis-Haider, Leiterin der Abteilung historischer Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, entführt in die Komplexität der Nachkriegsjustiz in Österreich. Sie diskutiert die Entstehung von Verbots- und Kriegsverbrechergesetzen und die Arbeit der Volksgerichte bis 1955. Zahlreiche Urteile wurden gefällt, doch es gab auch erhebliche rechtsstaatliche Bedenken. Zudem thematisiert sie, wie Täter ermittelt wurden und den Rückgang der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Verfahren. Ein aufschlussreicher Einblick in die Herausforderungen der Gerechtigkeit nach dem Krieg!

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Nov 7, 2025 • 30min
Der zerrissene Jörg Haider
Oliver Rathkolb, Zeithistoriker und Professor, beleuchtet die faszinierende und umstrittene Figur Jörg Haider, der ursprünglich Schauspieler werden wollte. Er diskutiert Haiders widersprüchliche Herkunft und seine strategische Verlagerung nach Kärnten. Sein Machtmotiv und das Geschick, Themen wie Migration zu politisieren, sind weitere Schwerpunkte. Rathkolb beschreibt auch Haiders Medienstrategie der Provokation sowie die Rolle seiner loyalen Gefolgsleute. Schließlich wird Haider als prägenden Einfluss der neuen Rechten in Österreich eingeordnet.

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Oct 31, 2025 • 18min
Korruption made in Austria
Oliver Rathkolb, ein Historiker mit Schwerpunkt Zeitgeschichte, enthüllt die düstere Welt der Korruptionsaffären der Zweiten Republik. Er spricht über den Missbrauch der Marshallplan-Gelder und das Korruptionsnetzwerk rund um Fritz Polzer. Der Gewerkschaftsskandal um Franz Olah und die dunkle Geschichte des Club 45 mit Udo Proksch ziehen besondere Aufmerksamkeit auf sich. Rathkolb betont die Notwendigkeit von Transparenz und einer unabhängigen Justiz, um zukünftige Skandale zu verhindern.


