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Mar 27, 2025 • 15min

DDR-Jugendweihe: die sozialistische Alternative zur Konfirmation

Am 27. März 1955 finden in der DDR die ersten Jugendweihen statt. Neben Hochzeiten etabliert sich das Staatsritual als absoluter Höhepunkt im familiären Alltagsleben.In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:mit welchen Methoden die FDJ den DDR-Nachwuchs auf die Jugendweihe vorbereitet,wie viele Mädchen und Jungen 1955 die erste Jugendweihen durchlaufen,in welchem Tonfall die Zeremonien ablaufen,wie die Gelöbnisse über die Jahre verändert werden,welches Ritual die Jugendweihe jeweils abschließt.Erwachsenwerden beginnt etwa mit 14 Jahren. Zeremonien wie Kommunion und Konfirmation sollen die Jugendlichen auf ihre Zukunft vorbereiten. In der DDR ist es die Jugendweihe, die im ostdeutschen Realsozialismus Teil der Staatsideologie ist.Dabei ist die Jugendweihe keine Erfindung der DDR. Es gibt sie schon seit 1857 in Deutschland - zunächst bei freireligiösen Gruppen, später in der Arbeiterbewegung. In der DDR wurde sie zum staatstragenden Pflichtprogramm für Jugendliche der achten Klassen. Offiziell ist die Teilnahme an der Jugendweihe freiwillig.Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:Petra Lange (Zeitzeugin)Evelyn Geist (Zeitzeugin)Wolf-Steffen Weißker (Zeitzeuge)Kornelius Ens: Die Jugendweihe als zentrales Konfliktfeld des Erziehungsanspruchs zwischen Staat und evangelischer Kirche - Entwicklungen in der Zeit von 1954 bis 1959. Deutschland Archiv 02.11.2015Weiterführende Links:DDR-Fernsehen: 10 Jahre Jugendweihe - Festveranstaltung in BerlinJugendopposition in der DDR: JugendweiheSWR Kultur: Jugendweihe - Renaissance eines RitualsARD-Morgenmagazin: Jugendweihe heute - Eintritt in ein neues Leben?Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas KlugRedaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
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Mar 26, 2025 • 15min

Nackt im Museum: George Smith und seine Sintflut-Sensation

George Smith, am 26.3.1840 in London geboren, bringt sich selbst die Keilschrift bei und entdeckt das Gilgamesch-Epos, die babylonische Version der Sintflutgeschichte.In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:wie sich George Smith selbst Hebräisch und die assyrische Schrift beibringt,wie er Assistent der Assyriologie-Abteilung des Britischen Museums in London wird,mit welcher freizügigen Aktion Smith seine Entdeckung der Keilschrift-Tafel feiert,welche britische Prominenz sich über die Entdeckung informieren lässt,wie George Smith mit 36 Jahren zu Tode kommt.Die Zeichen auf der zerbrochenen Tontafel sind winzig, dennoch gut erkennbar. Sie sehen aus wie eingeritzte oder eingedrückte Muster - eine Mischung aus Symbolen und Buchstaben. Es ist Keilschrift, an die 5.000 Jahre alt. Ausgegraben wird sie 1840 während einer Expedition in Mesopotamien, dem heutigen Irak.Doch gelesen wird die Tafel erst mehr als 30 Jahre später - von George Smith, der als Assistent im Britischen Museum in London arbeitet: "Ich sah sofort, dass ich mindestens einen Teil der babylonischen Sintflutgeschichte entdeckt hatte." Es wird sich als das letzte Kapitel des umfangreichen und heute berühmten Epos über den sagenhaften König Gilgamesch entpuppen. Eine der ältesten literarischen Texte der Menschheitsgeschichte. Viel älter als die Bibel.Das sind unsere wichtigsten Quellen:Sabina Franke (Hg.): Das Gilgamesch-Epos. Ditzingen 2023George Smith: Assyrian Discoveries. London 1875Cornelius Heinrich: Schreiberübungen aus neuassyrischer Zeit. Wiesbaden 2023Weiterführende Links:Stichtag 23.10.4004 v. Chr.: Gott erschafft die WeltSWR: Die Keilschrift - Faszinierendes KulturerbePlanet Wissen: BabylonienZDF: Mythos - Das Geheimnis der SintflutARD: Griechische Mythen: Sintflut - Deukalion und PyrrhaWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang MeyerRedaktion: Christoph Tiegel und David Rother
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Mar 25, 2025 • 15min

Ein Gesetz, das Hitler hätte stoppen sollen

Das "Gesetz zum Schutze der Republik" soll die Weimarer Demokratie vor inneren Feinden schützen. Am 25.3.1930 wird es neu beschlossen, ist gegen die NSDAP aber letztlich erfolglos.In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:wie ein Gericht Adolf Hitler vor der Ausweisung aus Deutschland bewahrt,von einer Weimarer Republik, die von Verschwörungstheorien, Gewaltexzessen und Inflation bestimmt wird,in welchen Fällen das Republikschutzgesetz zu harten Urteilen führt,vom "Thüringen-Projekt", das heute vor autoritär-populistischen Parteien warnt.In den Anfangsjahren der Weimarer Republik verüben rechtsextremistische Verschwörer 354 politische Morde. Einer, der für besonderes Aufsehen sorgt, ist der an Reichsaußenminister Walther Rathenau. Nach seinem Tod wird 1922 das erste "Gesetz zum Schutze der Republik" verabschiedet. Es verbietet Organisationen, die sich gegen die "verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform" richten. Zudem verschärft es die Bestrafung politisch motivierter Gewalttaten gegen Regierungsmitglieder und schreibt die Einrichtung eines Staatsgerichthofs fest.Am 25. März 1930 wird das Gesetz durch eine zweite - deutlich abgeschwächte Version - ersetzt. Letztlich scheitert der Versuch, die Republik zu stabilisieren. Vor der Machtübernahme durch die NSDAP kann auch das Republikschutzgesetz die Weimarer Republik nicht schützen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:Martin Sabrow, HistorikerJuliana Talg, JuristinMartin Sabrow: Gewalt gegen Weimar. Zerreißproben der frühen Republik, 2023Martin Sabrow: Der Rathenaumord und die deutsche Revolution, 2022Verfassungsblog: Das Thüringen-ProjektWeiterführende Links:Planet Wissen: Die Weimarer RepublikZeitzeichen: 15.03.1920 - Wie ein Generalstreik Deutschlands Demokratie rettetWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina MeißnerRedaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci SuvakTechnik: Moritz Raestrup
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Mar 24, 2025 • 15min

10 Jahre Germanwings-Absturz: Der Umgang mit dem Unfassbaren

Zeitzeichen-Sonderfolge zum Germanwings-Absturz: Am 24.3.2015 sterben alle 150 Insassen des Flugzeugs. Der Co-Pilot habe die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht, verkündet die Staatsanwaltschaft schon zwei Tage später.In diesem Zeitzeichen erzählt Nikolaus Steiner:dass die Justiz die Frage nach der Verantwortung bis heute beschäftigt,wie der Vater des Co-Piloten für den Ruf seines Sohnes kämpft,von Klagen der Angehörigen gegen Ärzte und die Lufthansa,von Schadensersatz und der Frage: Wie viel ist ein Menschenleben wert?Am 24. März 2015 erschüttert eine Katastrophe Deutschland und die Welt. Ein deutsches Passagierflugzeug stürzt ab und zerschellt an einem Berg in den französischen Alpen. An Bord der Maschine sind 150 Menschen, 150 Leben, 150 Geschichten.Der Germanwings-Absturz ist die größte Katastrophe in der Geschichte der bundesdeutschen Luftfahrt. Und für die Angehörigen der Beginn eines scheinbar nicht enden wollenden Albtraums. Laut Staatsanwaltschaft hat der Co-Pilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht.Entstanden ist diese Zeitzeichen-Sonderfolge in Zusammenarbeit mit dem Team des WDR-Podcasts "Der Germanwings-Absturz - Zehn Jahre ohne euch". Darin erzählen Angehörige, wie sie die schreckliche Nachricht erreicht hat - und wie sie seitdem versuchen, mit dieser Katastrophe klarzukommen.Hörtipp:Podcast: Der Germanwings-Absturz - Zehn Jahre ohne euchDas sind unsere wichtigsten Interviewpartner:Klaus Radner, AngehörigerChristoph Kumpa, StaatsanwaltElmar Giemulla, RechtsanwaltWeiterführende Links:Stichtag: 24. März 2015 - Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525WDR-Reportage: Trauer, Entsetzen, Fassungslosigkeit - Absturz von Flug 4U9525Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Nikolaus SteinerRedaktion: Matti Hesse
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Mar 24, 2025 • 15min

Eine Literatur aus Technik und Abenteuer: Jules Verne

Bernhard Krauth, Schiffskapitän und Vorsitzender des deutschen Jules-Verne-Clubs, taucht tief in das faszinierende Erbe von Jules Verne ein. Er erklärt, wie Vernes Werke den Entdeckergeist prägten und den naturwissenschaftlichen Roman einführten. Krauth beleuchtet Vernes literarischen Durchbruch mit 'Fünf Wochen im Ballon' und seine visionären Ideen wie das Faxgerät. Zudem diskutiert er die Herausforderungen in Vernes Privatleben und seine kritische Auseinandersetzung mit Technik und Natur. Ein spannender Blick auf einen literarischen Pionier!
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Mar 23, 2025 • 15min

Die Challenger-Expedition: die tiefste Meeresstelle der Welt

Die Herausforderung der Challenger-Expedition zur Erforschung der tiefsten Meeresstelle im Marianengraben erfolgt im Jahr 1875. Unterstützt von Dampfmotoren, reist das Forschungsschiff über 130.000 Kilometer. Die britische Königin Victoria investierte erheblich in das Projekt. Ein Telegraf spielte eine überraschende Rolle in der Tiefseeforschung. Bei über 8.000 Metern zeigt das Thermometer erstaunliche Wassertemperaturen an. Fast ein Jahrhundert später tauchen Menschen mit der Trieste tiefer als je zuvor und entdecken neue Geheimnisse der Tiefsee.
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Mar 22, 2025 • 14min

Seitensprung mit grausamen Folgen: Das Pfählen von Ehebrechern

Im Jahr 1340 wird im Wiener Stadtrecht das Pfählen von Ehebrechenden erlaubt. Das soll abschrecken, aber auch die Institution der Ehe schützen.In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:wie im 12. Jahrhundert aus dem weltlichen Bund der Ehe eine kirchliche Angelegenheit wird,was die sogenannte Ausnahmeregel für den Sex von Eheleuten bedeutet,was Gott im mittelalterlichen Denken mit den Strafandrohungen zu tun hat,welche Strafen für Ehebrecher:innen in Südfrankreich und in den Kreuzfahrerstaaten gelten,wie König Lothar II. seine Gemahlin des Ehebruchs bezichtigt, um sie loszuwerden.Ehebruch gehört zu den Dingen, die Menschen einander am wenigsten verzeihen. Das ist auch im Mittelalter schon so. Während Untreue heute als Privatangelegenheit betrachtet wird, ist sie im Mittelalter jedoch mit harten Strafen bedroht.So ließ der österreichische Herzog Albrecht II. 1340 im Wiener Stadtrecht festschreiben, dass ehebrecherische Männer und Frauen mit einem Pfahl durchbohrt und auf diese Weise grausam ermordet werden sollen. Obwohl das Gesetz für beide Geschlechter gilt, werden deutlich mehr Frauen wegen Ehebruchs bestraft.Der Grund dafür liegt in der fast schon panischen Angst von Männern und Familien, man könnte ihnen einen illegitimen Erben unterjubeln. Um das zu verhindern, werden Mädchen und Frauen streng überwacht. Außerdem sollen sie durch die Androhung harter Strafen vom Ehebruch abgehalten werden.Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:Klaus van Eickels (Geschichtsprofessor, Universität Bamberg)Linda Dohmen (Historikerin, Universität Bonn)Leah Otis-Cour: Lust und Liebe - Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter. Frankfurt am Main 2000Georges Duby: Die Frau ohne Stimme. Berlin 1989Michael Dallapiazza (Hrsg.): Wie ein Mann ein fromm Weib soll machen - Mittelalterliche Lehren über Ehe und Haushalt. Frankfurt am Main 1984Weiterführende Links:Zeitzeichen 8.8.869: Der fränkische König Lothar II. stirbt in PiacenzaStichtag 28.11.1996: Österreich streicht Ehebruch als StraftatBR-Podcast "Die Frage": Verheiratet & Affäre mit dem besten Freund: Ab wann ist es Fremdgehen?ZDF "37 Grad": Abenteuer Affäre - Leben mit dem SeitensprungWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren GottschalkRedaktion: Sefa Inci SuvakTechnik: Sarah Fitzek
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Mar 20, 2025 • 15min

Rettet ein Scharlatan Johann Sebastian Bach vor der Erblindung?

Johann Sebastian Bach droht zu erblinden, die Folge wäre der Ruin. Im März 1750 lässt er sich vom Augenarzt und Scharlatan John Taylor operieren: ein riskanter Entschluss!In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:vom Augenleiden Bachs, das rasend schnell zur Erblindung führt,wie genau die schmerzhafte Tortur des "Starstichs" funktioniert,wer sonst noch zu den namhaften Patienten des John Taylor zählt,vom einsamen Ende des Augenarztes: blind, in einem Kloster.Im März 1750 erreicht eine Kutsche die reiche Handelsstadt Leipzig. Sie ist über und über bemalt mit Augen. Der Mann in der Kutsche ist John Taylor, selbst ernannter "Oculist", "Augen-Operateur" und "Chevalier". Vor allem aber ist er Werbeprofi, zelebriert die großen und pompösen Auftritte.Taylor hat eine - sehr schmerzhafte und risikoreiche - Operationsmethode zur Behandlung des Grauen Stars entwickelt. Einer seiner Patienten ist der Komponist Johann Sebastian Bach. Dieser übersteht die OP und auch die anschließende Nachbehandlung mit Aderlässen und Augentropfen aus Taubenblut. Doch das Licht, das die erste Operation in Bachs Leben zurückbringt, schwindet nach wenigen Tagen.Taylor operiert ein zweites Mal - ohne Erfolg und wohl mit fatalen Folgen. Fast ein halbes Jahr kämpft Bach mit Infektionen und starkem Fieber. Dann jedoch scheint sich alles zum Guten zu wenden, er kann tatsächlich wieder sehen. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Zehn Tage später ist Bach tot. Die genaue Todesursache ist unklar.Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:Prof. Dr. Michael Maul, Intendant des Leipziger Bachfests, Mitarbeiter im Bach-Archiv Leipzig, Prof. an der Martin-Luther-Universität HalleChristoph Wolff: Johann Sebastian Bach. Frankfurt am Main, 2000Michael Maul: Bach - Eine Bildbiographie. Leipzig, 2021Richard H. C. Zegers: The Eyes of Johann Sebastian BachWeiterführende Links:Stichtag: 28. Juli 1750 - Johann Sebastian Bach stirbt in LeipzigZeitzeichen: 22. August 1949 - Erste Netzhaut-Operation mit SonnenlichtWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian KosfeldRedaktion: Matti Hesse
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Mar 19, 2025 • 15min

Sviatoslav Richter: Ein Pianist zwischen Kunst und Kaltem Krieg

Er gilt als einer der besten Pianisten der Welt. Scheu, eigenwillig - ein Künstlerleben im Kalten Krieg. Am 20.03.1915 wird Sviatoslav Richter in der heutigen Ukraine geboren.In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:von Richters Abneigung gegen Schule und den väterlichen Klavierunterricht,wie Richter in Zeiten des Kalten Kriegs zum musikalischen Botschafter aus der Sowjetunion wird,von Richters Schwanken zwischen Selbstzweifeln und Selbstinszenierung, von seiner besonderen Beziehung zu Richard Wagner und Marlene Dietrich.Auf der Bühne wirkt Swjatoslaw Richter wie einer, der lieber woanders wäre. Der mächtige Mann mit kantigem, kahlem Schädel und gewaltigen Händen spielt lieber im Dämmerschein einer Stehlampe als im Licht der Scheinwerfer.Dabei ist der am 20. März 1915 im damals russischen Schytomyr geborene Richter eine musikalische Legende. Er hat sich früh einen Namen gemacht, wegen der Ekstase und Klarheit seiner Musik - und wegen seiner rigiden Strenge, vor allem sich selbst gegenüber. Doch es dauert bis 1960, ehe der russische Pianist erstmals den Westen besucht.Je berühmter Richter wird, desto scheuer reagiert er auf medialen Rummel, hat zeitweise Depressionen. Immer seltener lässt er sich zu Studioaufnahmen überreden, verweigert auch den kommerziellen Konzertbetrieb. Stattdessen etabliert er in Frankreich ein Festival im Nirgendwo. Mit 82 Jahren stirbt Swjatoslaw Richter in der Nähe von Moskau an einem Herzinfarkt.Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:Elisabeth Leonskaja, PianistinBruno Monsaingeon: Swjatoslaw Richter. Mein Leben, meine Musik. Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Anne Feichtner von Ian. Düsseldorf, 2005Ingo Harden/Gregor Willmes: PianistenProfile. 600 Interpreten: ihre Biographie, ihr Stil, ihre Aufnahmen. Unter Mitarbeit von Peter Seidle. Kassel, 2008Weiterführende Links:Zeitzeichen: 28. März 1943 - Todestag des Komponisten Sergej RachmaninowZeitzeichen: Beeindruckte Mozart: Die blinde Pianistin Maria Theresia ParadisWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph VratzRedaktion: Sefa Inci Suvak
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Mar 18, 2025 • 15min

Arthur J. Balfour und sein Beitrag zum Nahost-Konflikt

Am 19.3.1930 stirbt der britische Ex-Premier Arthur J. Balfour, Verfasser der "Balfour-Deklaration": sie befürwortet "eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk".In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:vom Durchgangsland Palästina und seiner ethnisch und kulturell gemischten Bevölkerung,warum der Zionismus auch unter Jüdinnen und Juden heftig umstritten ist,an welche Bedingungen die britische Sympathiebekundung für eine jüdische Heimstätte geknüpft ist,von einem Konflikt, der bis heute ungelöst ist. Die "Balfour-Deklaration" von 1917 bahnt den Weg für die Gründung des Staates Israel und legt damit den Grundstein zum noch immer andauernden Konflikt zwischen Juden und Arabern.Namensgeber der Deklaration ist Arthur James Balfour. Der britische Außenminister sendet während des Ersten Weltkriegs das folgenreiche Schreiben an den britischen Zionisten Lionel Walter Rothschild. Dahinter steckt vor allem eins: Interessenspolitik. Denn die Briten brauchen im Krieg die Unterstützung der Juden weltweit.Lord Balfour stirbt am 19. März 1930. Den zunehmenden Widerstand der Araber gegen die jüdische Einwanderung erlebt er noch mit, auch die immer blutiger werdende Gewalt auf beiden Seiten. Nicht aber die Gründung Israels 1948 und die langfristigen Folgen der "Balfour-Deklaration". Die Hoffnung, dass es einen Ort gebe, an dem Juden vor Gewalt sicher wären, ist bis heute unerfüllt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:Prof. Miriam Rürup, Historikerin, Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, Universität PotsdamProf. Gudrun Krämer, Historikerin, ehemals Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft, FU BerlinGudrun Krämer: Geschichte Palästinas. München, 2015Tom Segev: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels. München, 2005R. J. Q. Adams: Balfour. The Last Grandee. London, 2007Weiterführende Links:Zeitzeichen: Vor 75 Jahren - Die Staatsgründung IsraelsZeitzeichen: "Baumeisterin Israels" - Die Architektin Lotte CohnZeitzeichen: 16. Oktober 1886 - Der israelische Politiker David Ben Gurion wird geborenWelches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut FinckRedaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci SuvakTechnik: Annette Skrzydlo

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