Archivradio – Geschichte im Original

SWR
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Feb 3, 2025 • 8min

So entstand "Lili Marleen": Verschollenes Interview mit Lale Andersen aufgetaucht | 26.1.1942

Lied wurde durch Soldatensender Belgrad berühmt Im Jahr 1939 hat Lale Andersen dieses Soldatenlied gesungen: Lili Marleen. Es wurde ein Mllionenseller und in viele Sprachen übersetzt. Gespräch mit der Sängerin geriet im Institut für Rundfunkwissenschaft in Vergessenheit Hier nun etwas Ungewöhnliches im Archivradio: Wir machen einen doppelten Zeitsprung, denn es gibt ein Interview von Lale Andersen vom 26. Januar 1942, in dem sie die Entstehung des Lieds erzählt. Das ist aber nie gesendet worden, sondern gehörte zum Bestand des Freiburger Instituts für Rundfunkwissenschaft. SWR-Redakteur bereitete in den 1980ern Interview-Ausstrahlung vor Erst mehr als 40 Jahre später wurde die Aufnahme gefunden und geriet in die Hände von Stephan Krass, damals Kulturredakteur im Südwestfunk. Stephan Krass wollte die Aufnahme veröffentlichen und erzählte – ähnlich wie im Archivradio – vorher die Geschichte. Ob und wann sein Beitrag gesendet wurde, ist unklar, er wurde nicht archiviert. Aber er hat ihn aufbewahrt. Inzwischen ist er längst im Ruhestand und als er kürzlich bei sich aufräumte, fand er die Aufnahmen wieder. Stephan Krass erinnert sich: Für mich war dieses Interview mit Lale Andersen eher ein Zufallsfund. Ich war damals auf der Suche nach erhaltenen Archivbeständen des Freiburger Rundfunkinstituts, weil ich dessen Rolle in der Rundfunkpolitik der Nationalsozialisten beleuchten wollte. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich damals eine Gesprächsrunde zu dem Thema im "Forum im Zweiten" zusammengestellt und moderiert. Die Witwe von Prof. Roedemeyer lebte jedenfalls noch in Freiburg und ich habe sie interviewt. Einer der Teilnehmer war Arnulf Kutsch. Er hatte gerade über das Thema "Rundfunkwissenschaft im Dritten Reich. Geschichte des Instituts für Rundfunkwissenschaft der Universität Freiburg" promoviert. Die Platte mit dem Lale-Andersen-Interview hat mir ein Winzer in Bickensohl übergeben. In den Kirchturm von Bickensohl im Kaiserstuhl waren ja mehrere Dokumente aus dem Archiv des Rundfunkinstituts ausgelagert worden. Irgendwie muss Lale Andersen dann den Weg zum Winzer gefunden haben. Nun ist sie jedenfalls im Archivradio angekommen, und da wird sie überleben. Quelle: Stephan Krass, Kulturredakteur des SWR im Ruhestand Historisches Interview mit Lale Andersen nun im Archivradio veröffentlicht Das also ist die Geschichte einer Aufnahme, die zuerst 40 Jahre verschollen war, dann kurz auftauchte, dann weitere 40 Jahre verschütt ging und die Stephan Krass jetzt dem Archivradio zur Verfügung gestellt hat. Deshalb hören wir zunächst Stephan Krass, wie er in den 1980er-Jahren die Geschichte einer Aufnahme von 1942 erzählt – und dann das historische Interview mit Lale Andersen. Danke an Christian Collet für den wertvollen Tipp!
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Feb 3, 2025 • 4min

Claire Waldoff singt Soldatenlied: "Wenn der Tambour" | Oktober 1917

Im dritten Jahr des Ersten Weltkriegs singt Claire Waldoff (1884 - 1957) das Soldatenlied "Wenn der Tambour" aus der Operette "Drei alte Schachteln" des Komponisten Walter Kollo (1878 - 1940). Die Texte stammen von Rideamus (1874 - 1956) und Hermann Haller (1871 - 1943). Das Lied nimmt auf den Krieg bezug. Dort heißt es: Der Soldat muss hinaus in die weite Welt Dort ist kein Platz für sein Mägdelein Sein Herz bleibt bei ihr Quelle: Aus: "Drei alte Schachteln" (Operette) Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
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Feb 2, 2025 • 7min

Erste erfolgreiche Nerventransplantation | 2.2.1970

Es war eine medizinische Sensation am 2. Februar 1970: Ein Handwerker, dessen Hand gelähmt war, kann sie nun wieder voll einsetzen, dank Nerventransplantation. Zwar wurden schon 1876 in Österreich Nerven verpflanzt, doch erst jetzt gelingt es dem Münchener Chirurgen Walter Jacoby das so hinzubekommen, dass der Erfolg auch von Dauer ist. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
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Feb 1, 2025 • 45min

Bundespräsident Horst Köhler: "Müssen uns in Afrika engagieren" | 1.12.2004

Im Mai 2004 wurde Horst Köhler Bundespräsident. Zuvor er vier Jahre lang Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. Der CDU-Politiker ist der erste Bundespräsident, der einen Akzent auf eine nachhaltige globale Entwicklung setzt. Afrika gehört zu seinen Herzensthemen. Eine seine ersten großen Reden im Amt hält er bei der Weltethos-Veranstaltung am 1. Dezember 2004 in Tübingen. Auch dort steht Afrika im Mittelpunkt. Horst Köhler bleibt Bundespräsident bis zu seinem Rücktritt 2010. Er stirbt am 1. Februar 2025.
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Jan 30, 2025 • 9min

Thomas Kemmerich (FDP) wird mithilfe der AfD Ministerpräsident in Thüringen | 5. und 6.2.2020

Regierungsbildung schwierig nach Thüringer Landtagswahl 2019 Nach der Landtagswahl in Thüringen im Oktober 2019 gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Der bis dahin regierende linke Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt mit Grünen und SPD auf keine Mehrheit mehr. Die CDU lehnt es ab, Ramelow zu unterstützen, bekommt aber sonst auch keine Mehrheit zustande. Mit der AfD zu regieren – der zweitstärksten Kraft im neuen Parlament – schließen alle aus. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bietet CDU und FDP an, dass sie doch eine Minderheitsregierung bilden könnten, die von der AfD unterstützt wird. Darauf gehen CDU und FDP aber nicht ein. Thomas Kemmerich im 3. Wahlgang dank AfD zum Ministerpräsidenten gewählt Am 5. Februar 2020 kommt es zur Ministerpräsidentenwahl. Grüne und SPD unterstützen Bodo Ramelow von der Linkspartei. Die AfD stellt einen eigenen Kandidaten auf. Erwartungsgemäß bekommt keiner eine absolute Mehrheit. Im dritten Wahlgang, wo die einfache Mehrheit reicht, stellt die FDP zusätzlich ihren Fraktionschef Thomas Kemmerich auf. Dank der AfD bekommt er eine Stimme mehr als Ramelow und wird Ministerpräsident. Die Aufregung ist groß. Bundesweite Empörung: Kemmerich tritt zurück, Bodo Ramelow wird gewählt Tags drauf kündigt Thomas Kemmerich seinen Rücktritt an. Vorausgegangen war bundesweite Empörung, auch innerhalb von Union und FDP. Bundeskanzlerin Merkel nennt den Vorgang unverzeihlich. Wie ging es weiter? Kemmerich bleibt kommissarisch bis zum 4. März 2020 im Amt. Bis dahin einigen sich CDU und FDP zusammen mit Linken, Grünen und SPD auf das weitere Vorgehen. Bodo Ramelow soll eine Minderheitsregierung führen. Auch wenn die CDU ihn nicht wählt, kommt er im dritten Wahlgang auf mehr Stimmen als der von der AfD nun neu aufgestellte Björn Höcke.
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Jan 26, 2025 • 6min

Zuschauerreaktionen auf US-Fernsehserie "Holocaust" | 28.1.1979

Die US-amerikanische TV-Miniserie "Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss" erzählt in vier Episoden die Geschichte zweier Familien in der Zeit des Nationalsozialismus – einer jüdischen und einer nationalsozialistischen. Im Januar 1979 wurde die Serie auch in Westdeutschland ausgestrahlt. Die Aufarbeitung und öffentliche Erinnerungskultur hat damals erst begonnen. Die Resonanz auf die Serie war überwältigend – aber auch gespalten, wie die Zuschauerreaktionen zeigen.
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Jan 25, 2025 • 4min

Anschlag auf SWF, um "Holocaust"-Ausstrahlung zu verhindern | 18.1.1979

Am 18.1.1979 detonierte ein Sprengsatz am Sender Koblenz des Südwestfunks – an jenem Abend, als die erste Folge von "Holocaust" im Fernsehen lief. Ähnliches passierte beim WDR in Münster. Der Verdacht fiel schnell auf Neonazis, die schon zuvor in Publikationen dazu aufgerufen hatten, die Ausstrahlung der Serie zu verhindern. Der Verdacht bestätigte sich: Ein Nazi aus Wiesbaden wurde schließlich als Täter ermittelt und zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt.
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Jan 14, 2025 • 28min

Albert Schweitzer erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels | 16.9.1951

Albert Schweitzer: Missionsarzt in Lambaréné Nach seinem Theologiestudium geht Albert Schweitzer (1875 - 1965) 1900 als junger Gemeindepfarrer nach Straßburg. Dort wird er bald Leiter des theologischen Seminars und studiert Medizin. Anschließend arbeitet er in Lambaréné im heutigen Gabun als Missionsarzt. Er gründet ein Krankenhaus mitten im Urwald, wo er vor allem Leprakranke behandelt. Ethik des Friedens und Ehrfurcht vor dem Leben In Europa wird er außerdem berühmt als Philosoph und Theologe, der in seinen Vorträgen für eine Ethik des Friedens und der Ehrfurcht vor dem Leben einsteht. Während der Hochphase des Kalten Kriegs wirbt Albert Schweitzer für eine einseitige atomare Abrüstung. Friedensnobelpreisträger 1952: "Der Geist muss Tat werden" Sein Engagement bringt ihm etliche Ehrungen ein. 1952 erhält er den Friedensnobelpreis, bereits ein Jahr zuvor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 16. September 1951 bedankt sich Albert Schweitzer in der Frankfurter Paulskirche auf seine unaufgeregt nüchterne Art: Seine Rede trägt den programmatischen Titel "Der Geist muss Tat werden".
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Jan 12, 2025 • 15min

Bundeswehr startet mit 101 Soldaten | 12.11.1955

"Amt Blank" ging dem Bundesverteidigungsministerium voraus 1950 gab Bundeskanzler Konrad Adenauer den Anstoß zum Aufbau einer eigenen Armee. Das geschah zunächst geheim, denn die Alliierten hatten ein Wörtchen mitzureden. Den Auftrag gab er dem CDU-Politiker Theodor Blank. Sein Job war ziemlich verklausuliert, er leitete die "Dienststelle für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen", im allgemeinen Sprachgebrauch einfach "Amt Blank" genannt. Daraus wurde später das Bundesverteidigungsministerium. Ehemalige Generäle der Wehrmacht unter den ersten Bundeswehrsoldaten Die Gründung der Bundeswehr ist offiziell erst möglich, als am 5. Mai 1955 das Besatzungsstatut aufgehoben und die Bundesrepublik ein souveräner Staat wird. Ein halbes Jahr später treten die ersten 101 Soldaten in Bonn ihren Dienst an. Unter ihnen auch ehemalige Generäle der Wehrmacht wie Hans Speidel und Adolf Heusinger. Heusinger kommt im Beitrag auch zu Wort, ebenso wie Theodor Blank, der inzwischen erster Bundesverteidigungsminister ist. 200. Geburtstag des Generals von Scharnhorst wird Gründungstag der Bundeswehr Das Datum, der 12. November 1955, war bewusst gewählt. Es ist der 200. Geburtstag des preußischen Generals Gerhard von Scharnhorst. Scharnhorst hatte Anfang des 19. Jahrhunderts das Heer reformiert, die Adelsprivilegien abgeschafft und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Auf ihn geht somit das Konzept vom Bürger in Uniform zurück. An seinem Ehrentag also treten die ersten Soldaten ihren Dienst an. Der Name "Bundeswehr" existiert zwar schon, ist aber offenbar noch nicht etabliert ist. WDR-Reporter Hans Jesse spricht von den Deutschen Streitkräften.
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Jan 10, 2025 • 22min

Alfred Wegeners Grönlandexpedition 1930 | 29.9.1931

Alfred Wegener: Eis vermessen, um Gletscher zu verstehen Von Alfred Wegener stammt nicht nur die Theorie der Kontinentalverschiebung. Er war auch ein leidenschaftlicher Polarforscher. Auf seiner dritten und letzten Expedition nach Grönland im Jahr 1930 wollte Wegener unter anderem das Eis vermessen, um das Verhalten von Gletschern zu verstehen. Zu diesem Zweck sollten die Mächtigkeit des Festlandeises und ganzjährige Wetterverläufe erhoben werden. Seinen Plan konnte Alfred Wegener nicht bis zu Ende führen. Wohl aufgrund körperlicher Überanstrengung kam er während einer Versorgungsfahrt, vermutlich am 16. November, im Alter von 50 Jahren ums Leben. Expeditionsteilnehmer Johannes Georgi berichtet nach der Rückkehr Expeditionsteilnehmer Johannes Georgi berichtete unmittelbar nach der Rückkehr am 29. September 1931 im Rundfunk von der Reise und Wegeners Tod. In einer weiteren Aufnahme vom 7. Januar 1932 schildert Expeditionsteilnehmer Ernst Sorge die Suche nach Wegener und wie sein Grab schließlich gefunden wurde.

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