

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
Episodes
Mentioned books

Jan 10, 2025 • 5min
Alfred Wegeners Tod in Grönland 1930 – Ernst Sorge berichtet 1932
Wir verdanken ihm die Theorie von der Kontinentalverschiebung, doch zu seinen Lebzeiten war Alfred Wegener vor allem als Polarforscher bekannt. Auf seiner dritten großen Grönlandexpedition kam er im Alter von 50 Jahren ums Leben.
Expeditionsteilnehmer Ernst Sorge schildert am 7. Januar 1932 die Suche nach Wegener und wie sein Grab schließlich gefunden wurde.
"Offene Augen, freundlichen Blick, wie stets im Leben. Die Gesichtszüge ruhig, entspannt, ohne jedes Anzeichen von Krampf. (...) Nach allen genannten Kennzeichen muss Wegener im Zelt, aber wohl nicht im Schlaf, schmerzlos gestorben sein. (...) Wegener hat die Verwirklichung seiner Pläne nicht mehr erlebt. Sein Werk aber lebt, solange Wissenschaft betrieben wird und solange Forschungsreisen hoch geschätzt werden."
Im Bild: Alfred Wegener

Jan 10, 2025 • 15min
Reichsrundfunk berichtet über Alfred Wegener und die Kontinentalverschiebung | 30.8.1944
Wegener hatte die Theorie 1912 vorgestellt, allerdings waren seine Belege noch schwach. 1930 kam er bei einer Grönlandexpedition ums Leben – deshalb gibt es von Wegener selbst kaum Tonaufnahmen.
Obwohl im von den Nazis kontrollierten Reichsrundfunk ausgestrahlt, handelt es sich um eine völlig undogmatische Sendung. Und nebenbei zeigt sie, wie Schulfunk damals klang.
In den 1950er Jahren wurde dank neuer Entdeckungen die Hypothese der Kontinentalverschiebung zur Theorie der Plattentektonik weiterentwickelt. Sie ist heute die Grundlage, um Vulkanismus, Erdbeben und viele andere Prozesse an der Erdoberfläche und in der Tiefe zu verstehen.

Jan 5, 2025 • 2min
"Rätselhafter Krankheitsausbruch" – Erster ARD-Bericht über Corona | 7.1.2020
Am 31. Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation WHO über eine Reihe ungewöhnlicher Fälle von Lungenentzündung in der chinesischen Stadt Wuhan informiert. Am 7. Januar 2020 geben die chinesischen Behörden bekannt, dass es sich offenbar um ein neuartiges Coronavirus handelt.
Hier der erste Hörfunkbericht zum Thema im deutschen Radio von China-Korrespondent Steffen Wurzel.

Jan 5, 2025 • 5min
Franz Oehlecker über die moderne Bluttransfusion | 5.1.1932
Franz Oehlecker (1874 - 1957) gilt als Pionier der modernen Bluttransfusion. Als Hamburger Chirurg am Krankenhaus Barmbek sammelte er Erfahrungen mit der Verträglichkeit und der Hygiene bei der Übertragung von Spenderblut. 1933 erschien sein Buch "Bluttransfusion".
In diesem Vortrag der Reichsrundfunkanstalt vom Januar 1932 erklärt Franz Oehlecker den Stand der Wissenschaft und wendet sich gegen das verbreitete Vorurteil, bei der Transfusion übertrügen sich auch Charaktereigenschaften des Spenders. Nein, sagt der Chirurg, "es ist das Zentralnervensystem und Gehirn, nicht das Blut."
Er spricht von "köstlichen neuen Blutstoffen", die das Gehirn besser ernährten. Nach der Blutübertragung werde der Kranke "auch im Triebleben lebhafter", bekomme zudem mehr geistige Spannkraft. Nie jedoch ändere sich das Denken, Fühlen, Wollen des Empfängers in eine ganz andere Richtung. Das Blut sei nur vorübergehend neu und werde durch Eigenblut ersetzt. "Von den roten Blutkörperchen wissen wir, dass sie nur 2 bis 3 Wochen leben."
Franz Oehlecker war einer der ersten bekannten deutschen Chirurgen, der 1933 das "Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler" unterzeichnete.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Dec 31, 2024 • 6min
Doch keine Katastrophe: Befürchtetes Jahr-2000-Problem bleibt aus | 1.1.2000
Echte und selbsternannte Computerexperten hatten gewarnt, was um 0:00 Uhr des Jahres 2000 alles drohen würde: Börsencrash, Flugabstürze, nukleare Fehlfunktionen, defekte Geräte, Weltwirtschaftskrise.
Vom "Millenium-Bug" war die Rede, vom "Jahr-2000-Problem", kurz auch "Y2K" genannt. Hintergrund war: In alten Programmen und Computersystemen wurden Jahreszahlen – um Speicherplatz zu sparen – nur mit zwei Ziffern abgebildet. In den 1960ern und 1970ern dachte niemand soweit voraus, dass auch mal irgendwann ein neues Jahrhundert oder gar Jahrtausend anbrechen würde.
Die Befürchtung war nun: Die alten und immer nur weiterentwickelten Programme verstehen nicht, dass mit den Ziffern 00 die Zeit nicht zurückgedreht wird, sondern normal weiter läuft. Und weil niemand einen Überblick hat, in welchen Programmen das Problem noch schlummert, könnte Menschheit am 1.1.2000 eine böse Überraschung erwarten.
Doch zur Überraschung vieler blieb die böse Überraschung aus. Es war das Top-Thema von SWR3 am 1. Januar 2000.

Dec 31, 2024 • 3min
Älteste erhaltene Silvesteransprache – Adolf Rechenberg begrüßt das Jahr 1900 | 31.12.1899
Nachdem Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg seiner Frau zu Weihnachten einen Edison-Phonographen geschenkt hat, beeindruckt er damit schon eine Woche später die Gäste seiner Silvesterfeier. Er hält um kurz vor Mitternacht eine kleine Ansprache, die er auch auf dem neuen Gerät festhält. So entsteht die älteste erhaltene Silvesteransprache der Welt. Und zugleich: Neujahrsansprache – denn am Ende begrüßt er das Jahr 1900.
Transkript der Ansprache von Adolf Rechenberg
"Hört, hört, hört diese Stimme aus diesem wesenlosen Apparat zu euch erschallen [...] Hochverehrte Anwesende! Ein langes, langes Jahr und doch in der Ewigkeit nur ein Blitz liegt soeben in den letzten Zügen. In wenigen Minuten ist es dahin. Die Jugend freut sich, sie ist mannbarer geworden, das Alter grauer, ist der Ewigkeit näher gerückt. Nicht alle wird es und kann es befriedigt haben, aber uns doch insofern, als wir vom ersten bis zum letzten Tage gesund und froh hier versammelt sind. Darum in der letzten Minute einen stillen Dankbarkeitsschoppen auch dem scheidenden geweiht! Nun aber, nachdem das alte Jahr auf Nimmerwiedersehen in die Ewigkeit zurückgetaucht, frisch aufgeschaut auf das jungfräuliche [...] Jahr! Und wir blicken dem (ersten) Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts vertrauensvoll entgegen. Grüßen wir es mit dreifachem Hurra! Das neue Jahr: Hurra! Hurra!"

Dec 30, 2024 • 16min
Luftfahrtpionier August Euler: erster Deutscher mit Flugschein | 31.12.1934
Erster Deutscher mit Flugschein
Ausgestellt wurde das Patent vom Deutschen Luftschifferverband. Seit 1908 betrieb Euler Flughäfen bei Darmstadt und später bei Frankfurt, auf dem er selbst Motorflugzeuge konstruierte, baute und erprobte und zugleich eine Fliegerschule leitete.
Die Anfänge der Luftfahrt
Da Anfang des 20. Jahrhunderts der Luftraum über einem Grundstück noch seinem Besitzer gehörte, musste man spezielle Genehmigungen haben. Nachdem der Flugschüler Prinz Heinrich von Preußen, Bruder des Kaisers Wilhelm II., bei einem Probeflug so nah an ein Ulanen-Regiment herangeflogen war, dass er einem der Reiter die Waffe mit dem Flügel aus der Hand riss, musste sich Euler einen neuen Flugplatz suchen.
Ruhestand im Schwarzwald
Nach seinem Ruhestand im Jahr 1922 ließ Euler sich auf dem Feldberg im Schwarzwald nieder, im sogenannten "Euler-Haus", wo er am 1. Juli 1957 starb.
Das Interview stammt von Silvester 1934. Euler spricht über die Anfänge der Luftfahrt und singt ein selbst komponiertes Lied: "Ihr könnt mich mal".
Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv

Dec 30, 2024 • 3min
Älteste Weihnachtsaufnahme: Kaufmann Adolf Rechenberg schenkt seiner Frau einen Phonographen | 24.12.1899
Weihnachten 1899 beglückt Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg aus der Niederlausitz seine Frau Anneliese mit dem neuesten Hightech-Spielzeug: Einem Edison-Phonographen. Und er hat die originelle Idee, sich selbst bei der Geschenkübergabe aufzunehmen.
Zunächst mahnt er seine Kinder mit einem "Silentium" zur Ruhe und weist ihnen ihren jeweiligen Platz auf dem Sofa zu. Anschließend spricht er zu seinem "lieben, guten Weib".
Transkript der Aufnahme von Adolf Rechenberg
"Silentium! Ruhig, Kinder! Joachim, setze dich auf das kleine Sofa. Annemarie da rechts, links zur Seite auf den Sessel Walter, rechts Egon, sodann Anne-Dorothee und Anneliese links dahinter, rechts Adolf und Karl, in der Mitte aber Mutter. Und nun hört, was Vater zu Mutter sagen wird:
Mein liebes, gutes Weib! Weil du doch selten dich zu trennen vermagst von deinen lieben Kindern in treuster mütterlicher Besorgnis und somit auf viele Genüsse der Welt verzichten musst, so schenke ich dir heute am heiligen Weihnachtsfeste des Jahres 1899 diesen wunderbaren Apparat, der dir zu jeder Zeit auf deinen Wunsch auch in dem trauten Heim erzählen und vortragen wird, wie es in der Welt zugeht, was in den Konzerten gespielt, was in den Theatern gesungen wird. Und so, wie ich heute, liebe Anna, zu dir spreche, aus diesem geheimnisvollen Dunkel, so werde ich zu dir sprechen jederzeit, sobald du mich rufst, auch dann, wenn ich längst von dir gegangen sein werde in die Ewigkeit. Und so grüße ich dich, mein heißgeliebtes, treues Weib, viele, viele tausend Mal. Adolf Rechenberg." (Edison-Walze)
Auch wenn Adolf Rechenberg den Phonographen seiner Frau geschenkt hat, hat er vielleicht auch ein bisschen an sich selbst gedacht. Eine Woche später jedenfalls hält er mit diesem Phonographen eine Ansprache an seine Silvestergäste fest. Es ist die älteste erhaltene Silvesteransprache überhaupt.

Dec 26, 2024 • 8min
Deutsch-indonesisches Tsunami-Frühwarnsystem installiert | 11.11.2008
GITEWS-Bojen sollen Veränderungen der Meereshöhe registrieren
Vier Jahre nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean geht das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem (GITEWS) offiziell in Betrieb. Neun deutsche Forschungsinstitute sind daran beteiligt, unter anderem das Geoforschungszentrum in Potsdam und das Geomar in Kiel.
Das Frühwarnsystem besteht aus Bojen, die auffallende Veränderungen in der Meereshöhe registrieren, in Verbindung mit seismischen Messungen.
Mit den Bojen gibt es allerdings immer wieder Probleme. Auch das wir schon im folgenden Hintergrundbeitrag angesprochen.
2011 wird das Frühwarnsystem ganz an Indonesien übergeben.

Dec 26, 2024 • 16min
Tsunami im Indischen Ozean – 200.000 Tote von Indonesien bis Afrika | 27.12.2004
Katastrophe an den Küsten des Indischen Ozeans
Um die Jahrtausendwende konnte man den Eindruck gewinnen, nach Weihnachten kommen immer die großen Katastrophen: 1999 der Orkan Lothar, 2003 das große Erdbeben im Iran, 2004 schließlich die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean.
Viele Deutsche haben damals das Wort "Tsunami" überhaupt erst gelernt. Der Tsunami ist verheerend – mehr als 200.000 Menschen, darunter viele internationale Urlauber, kommen an den Küsten des Indischen Ozeans ums Leben, weil sie sich nicht rechtzeitig retten können.
Sumatra besonders betroffen
Besonders betroffen ist die indonesische Insel Sumatra. Aber die Wellen, die das Seebeben im indischen Ozean ausgelöst haben, erreichen auch Thailand, Sri Lanka, Indien und nach sechs Stunden schließlich auch das ostafrikanische Somalia, wo ebenfalls 300 Menschen sterben.
Schon am ersten Tag wird diskutiert: Hätte sich diese Katastrophe nicht verhindern lassen? SWR1 sendet am Abend des 27.12.2004 diese Schwerpunktsendung.


