Rätsel der Wissenschaft

DER STANDARD
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Jan 28, 2026 • 22min

Axolotl-Superkraft: Wie lässt man Körperteile nachwachsen? | Inside Science

Er regeneriert Beine, Organe und Teile seines Nervensystems. In Wien wird erforscht, warum der Axolotl kann, was dem Menschen fehlt Der Axolotl hat es weit gebracht. Lange war dieser mexikanische Schwanzlurch ein weitgehend unbekanntes Tier, das ausschließlich in den Kanälen und Seen rund um Mexiko-Stadt lebte und kaum jemandem ein Begriff war. Heute ist er ein Superstar der Regenerationsforschung und eine Ikone der Popkultur: Der niedliche Salamander, der stets zu lächeln scheint, taucht in Videospielen, Memes und Kinderzimmern auf. Noch mehr steht der Axolotl im Rampenlicht der Forschung. Er kann verlorene Körperteile vollständig nachbilden – eine Fähigkeit, die ihn zu einem der wichtigsten Modellorganismen der modernen Biologie gemacht hat. In seiner angestammten Umgebung allerdings geht es dem Axolotl schlecht. Das natürliche Habitat des Salamanders schrumpft, Trockenlegungen, verschmutztes Wasser und invasive Fischarten haben ihn an den Rand des Aussterbens gebracht. Heute leben sehr viel mehr Axolotl in menschlicher Obhut als in ihrem ursprünglichen Lebensraum. Die größte bekannte Axolotl-Kolonie außerhalb Mexikos ist in Wien zu Hause, genauer gesagt im Vienna Biocenter im dritten Wiener Gemeindebezirk. Hier befindet sich ein Hotspot der Axolotl-Forschung. 3000 Wiener Axolotl Der Axolotl gehört zu den wenigen Wirbeltieren, die komplexe Körperstrukturen immer wieder regenerieren können. Beine, Schwanz, Teile des Rückenmarks, Herzgewebe und sogar bestimmte Hirnregionen wachsen bei Verlust voll funktionsfähig nach. Anders als beim Menschen entsteht dabei kein Narbengewebe. Statt auf Reparatur setzt der Körper des Tieres auf Erneuerung – ein Prozess, der Biologinnen und Mediziner seit mehr als 150 Jahren fasziniert. Zu den international führenden Forscherinnen auf diesem Gebiet zählt Elly Tanaka. Die Biochemikerin leitet seit 2024 das Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und arbeitet seit Jahrzehnten mit Axolotln. Ihr Labor beherbergt rund 3000 Tiere – adulte und juvenile –, die in spezialisierten Anlagen gehalten, gezüchtet und beobachtet werden. Zelluläres GPS "Der entscheidende Unterschied zwischen Axolotl und Mensch aus regenerationsmedizinischer Sicht ist, dass erwachsene Zellen im Axolotl wieder genetische Programme aktivieren können, die eigentlich nur im Embryo ablaufen", sagt Tanaka. Nach einer Verletzung kehren spezialisierte Zellen in einen stammzellähnlichen Zustand zurück und starten jene Entwicklungsprogramme, die einst ein Organ entstehen ließen. "Beim Menschen scheint dieser Weg blockiert zu sein." Diese Blockade sei wahrscheinlich ein Preis unserer Komplexität, sagt Tanaka. Säugetiere hätten komplexere Organe und strengere Kontrollmechanismen entwickelt, ein Schutz vor unkontrollierter Zellteilung, aber auch eine Einschränkung der Regenerationsfähigkeit. Der Axolotl ist viel einfacher gebaut. Und genau das macht seine Flexibilität möglich. Seine Regeneration ist ein streng organisierter Vorgang. Nach einer Amputation bildet sich beim Axolotl ein sogenanntes Blastem – ein Zellverband, in dem der Regenerationsprozess koordiniert wird. Zellen kommunizieren miteinander, orientieren sich an Signalen im Gewebe und folgen einer Art inneren Lageplan. ** Grenzen der Erneuerung** "Diese Positionssignale sind entscheidend", sagt Tanaka. "In der regenerativen Medizin hat man lange geglaubt, es reiche aus, Stammzellen zu transplantieren. Aber ohne diese Orientierung wissen die Zellen nicht, was sie tun sollen." Erst neuere Technologien haben diese Prozesse sichtbar gemacht. Einzelzell-Sequenzierung, genetische Marker und hochauflösende Mikroskope erlauben es, die Regeneration Zelle für Zelle zu verfolgen. Dadurch wurde klar, welche Zelltypen an den erstaunlichen Axolotl-Fähigkeiten beteiligt sind und welche nicht. Doch auch beim Axolotl ist Regeneration nicht grenzenlos. Manche Hirnregionen regenerieren schlecht, manche gar nicht. Und selbst nachgewachsene Gliedmaßen sind nicht immer ganz identisch mit dem Original. "Wir sehen inzwischen, dass Muskeln sehr ähnlich, aber nicht exakt gleich zurückwachsen", sagt Tanaka. "Jetzt untersuchen wir, ob das funktionelle Konsequenzen hat." Anwendungen im Blick Was lässt sich aus den Axolotl-Fähigkeiten für die Medizin lernen? Niemand rechnet damit, dass Menschen in absehbarer Zeit verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen können. Die Axolotl-Forschung eröffnet aber Perspektiven für eine bessere Heilung – von stabiler zusammenwachsenden Knochen über besser vernetzte Nerven bis zu Gewebe, das sich nach Verletzungen zumindest teilweise erholen kann. Für Tanaka steht dabei nicht eine einzelne Anwendung im Vordergrund, sondern das grundlegende Verständnis dafür, wie Gewebe aufgebaut ist und wie Zellen ihre Entwicklung koordinieren. Tanaka arbeitete lange am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie der ÖAW in Wien, ehe sie 2024 als erste Frau die Leitung des Schwesterninstituts Imba übernahm. "In den vergangenen zehn Jahren ist es deutlich leichter geworden, Frauen in der Wissenschaft sichtbar zu machen und in Führungspositionen zu bringen. Ich denke, es ist eine sehr gute Zeit für Frauen in der Wissenschaft", sagt die Biochemikerin. Weiterhin bestehende Hürden für Frauen sieht Tanaka in gesellschaftlichen Erwartungen, etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. "Viele Frauen stellen sich selbst die Frage: Will ich eine sehr fordernde Karriere, wenn ich Kinder habe? Und die Gesellschaft stellt sie ebenfalls. Das ist natürlich eine persönliche Entscheidung, aber es ist sehr wichtig zu zeigen, dass beides möglich ist: ein erfülltes Berufsleben und eine erfolgreiche Familie." Entscheidend seien funktionierende Unterstützungsstrukturen – in Institutionen, in der Politik und im privaten Umfeld. Sympathische Salamander Strukturelle Veränderungen passieren selten schnell. Das gilt für Institutionen ebenso wie für die Gesellschaft als Ganzes. Einen langen Atem braucht man aber auch in der Grundlagenforschung, so auch bei der Entschlüsselung der Axolotl-Geheimnisse. Immerhin machen die Tiere einen sehr sympathischen Eindruck und erfreuen sich in- und außerhalb des Labors großer Beliebtheit. "Ich denke, zum einen liegt das an ihrem Aussehen", sagt Tanaka. "Mit ihren federartigen Kiemen und der Tendenz zu lächeln sorgen sie dafür, dass sich alle gut fühlen." Dazu kommen die regenerativen Superkräfte, die dem Axolotl etwas Positives, fast Magisches verleihen. "Und sie sind einfach süß." Dieser Podcast ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD. STANDARD-Podcast LIVE: Wollt ihr einmal live dabei sein, wenn wir unsere Podcasts aufzeichnen? An folgenden Terminen habt ihr Gelegenheit dazu. Die Liste wird laufend aktualisiert. Wien, am 25. Februar 2026, ab 18:00 Inside Austria: Frauenmorde - bei der Missing Link Podcastnacht Wien, am 15. Juni 2026, 19:30 Uhr Besser leben: Ist Veganismus tot? - bei Theater im Park Wien, am 26. Juli 2026, 11:00 Uhr Edition Zukunft: Die autofreie Stadt - bei Theater im Park Wien, am 14. September 2026, 19:30 Thema des Tages: Amerikas Schicksalswahl - bei Theater im Park Hat Ihnen dieser Podcast gefallen? Mit einem STANDARD-Abonnement können Sie unsere Arbeit unterstützen und mithelfen, Journalismus mit Haltung auch in Zukunft sicherzustellen. Alle Infos und Angebote gibt es hier: abo.derstandard.at
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Jan 14, 2026 • 30min

Warum ist Grönland seit Jahrhunderten so begehrt?

Marcus Gräser, Historiker an der Universität Linz, beleuchtet die geopolitischen Begehrlichkeiten Grönlands über die Jahrhunderte. Er erklärt, wie US-Präsident Trumps Übernahmepläne historische Wurzeln haben und thematisiert frühere Kaufversuche der USA. Zudem diskutiert Gräser die Einwanderung von Inuit und Wikingern sowie die wirtschaftlichen Interessen Dänemarks. Aktuelle Herausforderungen durch den Klimawandel und die strategische Bedeutung Grönlands als Rohstoffquelle machen die Diskussion besonders spannend.
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Dec 31, 2025 • 26min

Replay: Wovon träumen Tiere?

Aktuelle Forschungen zeigen, dass Tiere durchaus träumen könnten, was sich in ähnlichen Schlafphasen wie beim Menschen äußert. Wissenschaftler fanden heraus, dass während des REM-Schlafs Vögel neuronale Muster zeigen, die mit Fliegen oder Singen verbunden sind. Ratten scheinen im Schlaf Labyrinthlösungen zu wiederholen, während Zebrafinken im Traum ihre Gesänge reißen. Sogar bei Kraken und Springspinnen wurden REM-ähnliche Schlafphasen entdeckt. Die ethischen Implikationen dieser Erkenntnisse werfen neue Fragen zur Tiermoral auf.
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Dec 17, 2025 • 38min

Warum konnte die Physikerin Marietta Blau in Österreich nie Karriere machen? | Inside Science

Francesca Ferlaino, Professorin für Experimentalphysik und Gründerin der Plattform AtomInnen, beleuchtet das faszinierende Leben der Physikerin Marietta Blau, die entscheidende Beiträge zur Teilchenphysik leistete, jedoch kaum Anerkennung erhielt. Sie diskutiert, wie Blaus innovative Methoden die Sichtbarmachung von Kernreaktionen revolutionierten. Darüber hinaus wird die Diskriminierung von Frauen in der Physik thematisiert, sowie die aktuelle Situation und Maßnahmen zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft.
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Dec 3, 2025 • 30min

Wie verändern Gravitationswellen unser Bild vom Kosmos?

Die Entdeckung der Gravitationswellen 2015 mit dem LIGO-Detektor revolutionierte unser Verständnis des Universums. Die Verschmelzung massereicher schwarzer Löcher bestätigte Einsteins Relativitätstheorie und öffnete das Tor zur Gravitationswellenastronomie. Die Hosts diskutieren, wie man Raumzeit-Verzerrungen misst und warum mehrere Detektoren nötig sind. Furthermore, neue Erkenntnisse über Neutronensterne zeigen die Vielseitigkeit dieser Wellen und ihre Bedeutung für die Astronomie. Technische Fortschritte und internationale Kooperationen bieten spannende Einblicke in die Zukunft dieser Forschungsrichtung.
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Nov 19, 2025 • 26min

Replay: Was passiert im Gehirn, wenn man stirbt?

Neurologische Studien bringen erstaunliche Einblicke in die Gehirnprozesse beim Sterben – und könnten auch Nahtoderfahrungen erklären Was passiert, wenn wir sterben? So grundlegend diese Frage ist, so schwierig ist es, eindeutige Antworten darauf zu finden. Viele Faktoren beeinflussen, wie Menschen sterben und wie der Tod subjektiv erlebt wird. Diese Vorgänge wissenschaftlich zu erforschen ist aber alles andere als einfach. Physiologische Untersuchungen zum Vorgang des Todes bringen schwerwiegende ethische Fragen mit sich. Und Erfahrungsberichte von reanimierten Patienten liegen zwar zahlreich vor, stammen aber eben von Überlebenden. Wie aussagekräftig sind sie? In den vergangen Jahren konnte die Hirnforschung erstaunliche Einblicke in die neurologischen Prozesse des Todes gewinnen. So konnte die elektrochemische Entladungswelle, die das Gehirn Sterbender durchflutet, detailliert beobachtet werden. Dabei zeigte sich, dass dieser Vorgang, anders als lange angenommen, nicht unumkehrbar ist. Außerdem wiesen Forschende nach, dass die Hirnaktivität bei Sterbenden rapide ansteigen kann. Das könnte wiederum für Nahtoderfahrungen verantwortlich sein. Welche Funktionen haben diese Vorgänge? Sind Nahtoderfahrungen Teil eines neuronalen Notfallprogramms? Und was bedeutet das für die Reanimationsmedizin? Darüber sprechen David Rennert und Tanja Traxler mit dem Neurologen Jens Dreier (Charité Berlin) in der neuen Folge des STANDARD-Podcasts "Rätsel der Wissenschaft". Hat Ihnen dieser Podcast gefallen? Mit einem STANDARD-Abonnement können Sie unsere Arbeit unterstützen und mithelfen, Journalismus mit Haltung auch in Zukunft sicherzustellen. Alle Infos und Angebote gibt es hier: abo.derstandard.at
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Nov 5, 2025 • 23min

Was trieb die römische Weltwunderstadt Ephesos in den Untergang?

Julia Sica, Wissenschaftsredakteurin und Reporterin, sowie Martin Steskal, Grabungsleiter am Österreichischen Archäologischen Institut, decken die faszinierende Geschichte von Ephesos auf. Sie diskutieren die wechselhafte wirtschaftliche Entwicklung der einst blühenden Hafenstadt und die zentrale Rolle des Artemis-Tempels. Spannende Einblicke in Erdbeben, den Niedergang des heidnischen Glaubens und die Bedeutung von Gladiatorenkämpfen runden das Bild ab. Aktuelle Funde wie das Choressische Tor zeigen, dass Ephesos noch viele Geheimnisse birgt.
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Oct 22, 2025 • 23min

Halloween-Special: Wer war Graf Dracula wirklich?

Die Welt der Vampire wird erforscht, beginnend mit einem schockierenden vampirischen Vorfall im 18. Jahrhundert. Mediziner erklären, wie Verwesung und Seuchen mit dem Vampirmythos verknüpft sind. Kulturelle Unterschiede zwischen Habsburgern und Serben fördern das Vampiergeflüster. Bram Stokers Dracula wird als literarisches Meisterwerk enttarnt, mit Verbindungen zu Vlad III. Und trotz des Verbot von Vampirr Ritualen finden sie ihren Platz in der Literatur. Vampire faszinieren uns auch heute noch – warum, das erfahren wir hier!
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Oct 8, 2025 • 22min

Wie überleben Bärtierchen die extremen Bedingungen im All?

Bärtierchen, auch Wasserbären genannt, sind erstaunliche Überlebenskünstler. Sie überstehen extreme Temperaturen und sogar das Vakuum des Weltraums. Mit ihrer Fähigkeit zur Kryptobiose können sie jahrelang ohne Nahrung auskommen. Forscher untersuchen, wie spezielle Proteine ihre Zellen vor Dehydration schützen. Furthermore, die Möglichkeit ihrer Anwendung in der Medizin, wie zum Beispiel bei Impfstoffen, wird diskutiert. Auch die Frage, ob Bärtierchen Außerirdische sind, wird humorvoll beleuchtet.
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Jul 9, 2025 • 23min

Die Verbrechen eines NS-Massenmörders nach dem Krieg

Philipp Born, Geschäftsführer bei Bitpanda und Experte für Public Affairs, beleuchtet die dunkle Geschichte des NS-Massenmörders Walther Rauff. Er diskutiert, wie Rauff nach dem Zweiten Weltkrieg in Chile für Pinochets Geheimdienst aktiv wurde. Born erzählt von den jahrzehntelangen Recherchen zum Verbleib Rauffs und den Beweisen für seine Verstrickung in Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Seine Erkenntnisse, unterstützt durch Philippe Sands' Forschungsarbeit, werfen ein neues Licht auf die Rolle von Rauff in den 1970er Jahren und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen.

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