

Auf den Punkt
Süddeutsche Zeitung
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Dec 17, 2022 • 28min
„Am Wochenende“: „Das war kein Transparenzproblem“ – Katarina Barley über den EU-Korruptionsskandal
Die Europäische Union hat ja schon den einen oder anderen Korruptionsfall erlebt. Aber selten war ihre Glaubwürdigkeit wohl so sehr in Gefahr, wie jetzt. Nachdem die EU-Parlamentsabgeordnete Eva Kaili und drei andere Personen wegen Korruptionsverdacht festgenommen worden sind. Sie sollen von Katar geschmiert worden sein. Die belgische Polizei hat in dem Fall insgesamt 1,5 Millionen Euro Bargeld sichergestellt.
Katarina Barley von der SPD war Fraktionskollegin von Eva Kaili. Und sie ist, genauso wie die verhaftete Eva Kaili es war, eine der Vize-Präsidentinnen des EU-Parlaments. Sie sagt: “Eva Kaili war immer eine schräge Figur.” Sie sei entsetzt und fassungslos über diesen Korruptionsskandal. Das Transparenzregister des EU-Parlaments sei eines der schärfsten überhaupt – ”aber Kriminelle können sie nur abhalten, indem sie schonungslos aufklären und wenn auch hoffentlich wirklich eine harte Strafe folgt.”
Trotzdem, so Barley, müssten sich Dinge ändern, zum Beispiel müsse auch der Schutz von Whistleblowern besser werden. Ziel für das Parlament sei es nun, die Fälle aufzuklären und die geltenden Regeln auf den Prüfstand zu stellen. “Das ist absolut erforderlich, damit wir als Parlament, als Europäische Union, aber auch als Politik insgesamt Vertrauen wiedergewinnen können.”
Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, 16.12.2022 um 18 Uhr.
Moderation, Redaktion: Tami Holderried
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Johannes Korsche
Produktion: Benjamin Markthaler
Zusätzliches Audiomaterial über Reuters, ZDF, AFP, YouTube (Vaandervik).

Dec 16, 2022 • 13min
Twitter: “Elon Musk missbraucht seine Macht"
Seit dem Kauf von Twitter hat Elon Musk Massenentlassungen, Entsperrung von Hetzern und Chaos um verifizierte Accounts zu verantworten. Jetzt hat der Kurznachrichtendienst die Accounts mehrerer Journalisten der Washington Post, New York Times und CNN gesperrt. Die hatten nach Meinung des Twitter-Chefs “Doxxing” betrieben, weil sie persönliche Informationen über ihn weitergegeben haben sollen. Die Journalisten haben über den Twitter-Account eines 20-jährigen Amerikaners berichtet, der dort frei zugängliche Informationen zu Bewegungen von Musks Privatjet veröffentlicht hatte. Journalistenverbände sehen die Pressefreiheit gefährdet. Kritik kommt auch von der Bundesregierung und der EU-Kommission.
Vor allem habe ihn Musks Umgang mit seinen Angestellten und Mitarbeitern schockiert, sagt Simon Hurtz vom Digital-Team der SZ. Er habe “Menschen wie Dreck” behandelt. Es sei ihm “komplett egal” gewesen, “ob irgendjemand chronisch krank war oder schwanger” – er habe sie trotzdem gefeuert. Jeden Tag zeige sich aufs Neue, “dass Musk seine Mitmenschen vollkommen egal sind”. An der jüngsten Sperrung von Journalisten-Accounts zeige sich zudem, wie scheinheilig die angebliche Rückkehr zur “vollen Meinungsfreiheit” sei, die Musk garantieren wollte. “Er hat ja mehrfach getwittert im Laufe der vergangenen Wochen, dass er sich dafür einsetzt, dass selbst seine schärfsten Kritiker auf Twitter bleiben dürfen. Und jetzt hat er ja gerade den Account eines 20-jährigen jungen Mannes aus den USA gesperrt, der es gewagt hat, die Flugbewegungen seines Privatjets auf Twitter zu teilen.”
Dies sei ja noch nachvollziehbar gewesen, aber es sei “wirklich vollkommen absurd”, dass er nun die Berichte über diesen Fall sperren lasse. Hier zeige “sich mit aller Dramatik”, was es bedeutet, dass Twitter Musk gehört. Musk sei “ein sehr spezieller Fall des Alleinherrschers" und der Erste, “der diese Macht nicht nur nutzt, sondern sie einfach offensiv missbraucht”.
Weitere Nachrichten: Chaos in Peru, Riesenaquarium am Berliner Dom geplatzt, freie Tage wegen Regelschmerzen in Spanien.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried, Lea Gittermann
Produktion: Jakob Arnu
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Dec 15, 2022 • 13min
Gaspreisbremse: Wem hilft sie am meisten?
Ein wichtiger Bestandteil des Entlastungspakets der Regierung für diesen Winter ist die Gas- und Strompreisbremse. Denn durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine sind die Energiepreise stark gestiegen und der Staat will die Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Er übernimmt darum den Monatsabschlag für Gas im Dezember und ab März greift dann – auch rückwirkend für die Monate Januar und Februar – die Gaspreisbremse. Das bedeutet: Für 80 Prozent des prognostizierten Verbrauchs wird der Gaspreis bei 12 Cent gedeckelt. Bei Fernwärme liegt diese Grenze bei 9,5 Cent, bei Strom bei 40 Cent.
Bastian Brinkmann, stellvertretender Leiter der SZ-Wirtschaftsredaktion, hält die Bremse für sinnvoll. „Manche Leute werden dadurch 1000 Euro bekommen und das ist nicht alltäglich bei staatlichen Hilfsprogrammen“, sagt er. Schwierig sei allerdings noch die Umsetzung durch die Gasversorger. „Manche sind technisch so aufgestellt, dass sie nur ein paar Knöpfe drücken müssen und dann funktioniert es schon. Andere Versorger werden Probleme haben, überhaupt den Termin am 1. März zu schaffen.“
Auf die Frage, ob die Gaspreisbremse fair ist oder auch denen hilft, die eigentlich keine Unterstützung brauchen, sagt Brinkmann: „Dass die Politik nur den Leuten hilft, bei denen das Geld besonders knapp ist, wäre sehr wünschenswert. Allerdings liegen die Daten dafür gar nicht vor.“ Niemand wisse, ob hinter einem Gasanschluss mit viel Verbrauch eine fünfköpfige Familie stecke, die gerade so über die Runden kommt, oder eine Luxusvilla mit zwei Pools. „Aber ich kenne keine bessere Variante als die beschlossene, um den Menschen in diesem Winter zu helfen.“
Hier geht es zum SZ-Gaspreisbremsen-Rechner und hier zu den 25 Energiespar-Tipps.
Unter diesem Link finden Sie den SZ-Podcast „Geschichte Daily“ auf Spotify.
Weitere Nachrichten: Nato erhält 2023 deutlich mehr Budget, Ex-Tennisspieler Boris Becker aus Gefängnis entlassen
Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter
Redaktion: Tami Holderried
Produktion: Imanuel Pedersen
Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix, ARD und ZDF
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Dec 14, 2022 • 12min
UN-Weltnaturkonferenz: Artenschutz ist eine existenzielle Frage
In den vergangenen dreißig Jahren ist die Biomasse der Insekten um 76 Prozent zurückgegangen. Auch 41 Prozent aller Amphibienarten und fast ein Drittel aller Säugetierarten sind bedroht. Evolutionsbiologen sprechen vom sechsten Massensterben der Erdgeschichte. Schuld daran ist der Mensch. In Kanada tagt gerade die 15. Weltnaturkonferenz der Vereinten Nationen. Dort wird darum gerungen, ob bis 2030 30 Prozent der Landfläche und der Ozeane Schutzgebiet werden. Eine überlebenswichtige Entscheidung, meint Hans Pörtner. Der Experte für Biodiversität gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung an und war unter anderem für den Sonderbericht des Weltklimarates zur Erderwärmung mitverantwortlich.
“Der Mensch ist dabei, in die letzten Lebensräume einzudringen”, sagt der Biologe. Und habe als Preis für dieses Verhalten zum Beispiel die Corona-Pandemie kassiert. Der Klimawandel führe zu Stresssituationen für Tiere und Pflanzen, denn ändern sich an ihrem bisherigen Standort die Lebensbedingungen, müssten sie ihrem “Temperaturfenster” hinterher wandern, sagt Pörtner. Das führe zum Mischen von Arten und Stress. Das Ergebnis: eine “abnehmende Population.” Sterbe eine Art aus, habe das auch Folgen für jene Tiere, die sich von dieser ausgestorbenen Art ernährt haben. Davon sei auch der Mensch betroffen. Pörtner: “Wir gehen durch ein Tal mit Blick auf die natürlichen Lebensbedingungen.”
Die Artenvielfalt ist ein Indiz für eine gesunde Erde, gewissermaßen “der Kanarienvogel in der Kohlemine”, der früher als Frühwarnsystem den Bergarbeitern durchs Zwitschern anzeigte, ob es noch genug Sauerstoff im Stollen gibt. “Es gibt sicherlich noch Hoffnung.” Selbst wenn Ziele nicht einhalten werden, sei das kein Grund, die Hände in den Schoß legen, sagt Pörtner. Aber: “Wir müssen alles tun, um unsere Lebensbedingungen auf der Erde vor dem Klimawandel zu schützen.” Und vor dem Artenverlust zu schützen. “So weitermachen wie bisher geht nicht”, das sei “eine existenzielle Frage”. “Der Weg in eine nachhaltige Zukunft ist alternativlos.”
Weitere Nachrichten: Regierungserklärung von Scholz, weiterhin wenige Väter in Elternzeit.
Unseren Podcast "Das Thema" finden Sie hier.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Johannes Korsche, Tami Holderried
Produktion: Imanuel Pedersen
Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix
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Dec 13, 2022 • 13min
Kernfusion: Zu schön, um wahr zu sein?
Immer wieder wird verkündet, dass die Forschung zur Kernfusion vor dem Durchbruch stehe. Und immer wieder wird verkündet, dass ihr Einsatz zur Energiegewinnung noch zehn Jahre entfernt ist. Mindestens. Das geht schon seit Jahrzehnten so. Wäre ja auch zu schön: unglaublich viel Energie, die auch noch klimaneutral und sicher ist. Potenziell also die Lösung sehr vieler weltlicher Probleme.
Nun aber wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Kalifornien wirklich einen historischen Durchbruch erzielt haben. Im Auftrag der US-Regierung soll ihnen eine Kernfusion gelungen sein, bei der tatsächlich mehr Energie gewonnen als verbraucht wurde. Ein "Fusionskraftwerk steht noch nicht vor der Tür", sagt die Physikerin Marlene Weiß, die das SZ-Wissenressort leitet. Darauf müssen wir noch bis in 2030 oder eher bis 2050 warten. Mindestens.
Bei der Fusion passiert genau das Gegenteil einer Kernspaltung, sagt Weiß. Anstatt Atome zu spalten wie in einem AKW, verschmelzen bei der Kernfusion Atomkerne. Dazu brauche es wahnsinnig hohe Temperaturen von 15 Millionen Grad Celsius oder aber unfassbar hohen Druck. Auch die in den USA dafür eingesetzten Laser verbrauchen netto "noch eine Menge Energie". Erzeugt aber wurde bislang wohl nur eine Energiemenge von "ungefähr 2,5 Megajoule". Das sei "die Energie, die man braucht, um ein paar Tage lang eine LED-Lampe laufen zu lassen". Man rede also "noch von sehr kleinen Mengen". Trotzdem halte sie "es für sinnvoll, das weiter zu verfolgen", sagt Weiß. "Wenn es irgendwann klappt, dann wäre es fast zu schön, um wahr zu sein." Und schließlich sei "Forschung immer gut für Überraschungen".
Weitere Nachrichten: Kaili nach Korruptionsskandal als EU-Parlamentsvize abgesetzt, acht Jahre Haft für “Mr. CumEx”, Reallohnverluste.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried
Produktion: Jakob Arnu
Seit 1949 hilft der SZ-Adventskalender Menschen in München und Umgebung, die unverschuldet in Not geraten sind. Jeder gespendete Euro hilft. Weitere Informationen unter sz-adventskalender.de.
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Dec 12, 2022 • 13min
Fabio De Masi über EU-Korruption: “Der moralische Kompass ist im Eimer”
Das Entsetzen im EU-Parlament ist groß: Freitag wurden in Brüssel 16 Häuser durchsucht. Insgesamt sind laut belgischer Staatsanwaltschaft dabei 600 000 Euro und mehrere Handys beschlagnahmt worden. Die griechische Abgeordnete Eva Kaili von der sozialdemokratischen Pasok sitzt in Untersuchungshaft. Bei der Hausdurchsuchung der Vizepräsidentin des EU-Parlaments sollen Säcke voller Bargeld gefunden worden sein. Das Geld soll aus Katar kommen. Dafür soll sich Kaili, so der Vorwurf, positiv über den WM-Gastgeber geäußert und womöglich auch Einfluss auf politische Entscheidungen genommen haben. Kaili wurde zusammen mit vier anderen festgenommen. Der Vorwurf: Korruption, Geldwäsche, Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung sowie versuchte Einflussnahme aus dem Ausland.
"Das ist natürlich ein großer Schaden", sagt Fabio De Masi, der für die Linke von 2014 bis 2017 im Europäischen Parlament und danach bis 2021 im Bundestag saß. Dort hat er sich in mehreren Ausschüssen zu Finanzskandalen einen Namen gemacht. Mittlerweile ist er aus der Linken ausgetreten. Er habe Kaili "nicht als überaus engagierte Abgeordnete wahrgenommen", sagt De Masi weiter, der mit der Griechin 2014 ins EU-Parlament eingezogen war. "Sie hat aber trotzdem eine beachtliche Karriere gemacht."
Der Lobbyismus im Europäischen Parlament sei “sehr, sehr ausgeprägt”, sagt der 42-Jährige. Aber auch in Deutschland seien die “Gesetze gegen Abgeordnetenbestechung ungeheuer schlecht”. Man erinnere sich nur an die Masken-Deals, “wo quasi das Bundestagsmandat genutzt wurde, um nebenbei noch Kasse zu machen mit der Not in der Pandemie”. Da “gab es überhaupt keine Verurteilung”. Es brauche viel härtere, “knallharte Regeln”, um Interessenkonflikte zu vermeiden. “Es geht auch nicht darum, dass jetzt irgendeine politische Partei die besseren Menschen hat, sondern wir alle sind schwach.” Besonders schlimm findet er, dass jetzt auch Gewerkschafter verdächtigt werden, sich “von Katar schmieren zu lassen, wo Arbeiter auf Baustellen umgekommen sind”. De Masi: “Ich weiß auch nicht, was so alles im Leben persönlich falsch gelaufen sein muss, dass der moralische Kompass da so im Eimer ist.”
Weitere Nachrichten: Zweite Hinrichtung in Iran, Wirecard-Prozess.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried
Produktion: Imanuel Pedersen
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Dec 10, 2022 • 28min
“Am Wochenende”: Notstand in den Kinderkliniken – was hilft dem überlasteten System?
Die Kinderkliniken in Deutschland sind gerade komplett überlastet, weil so viele Kinder gleichzeitig krank sind und die Plätze sowie das Personal nicht reichen. Corona, Grippe und das RS-Virus – aktuell kommt vieles zusammen. Passenderweise hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach diese Woche eine allgemeine Krankenhausreform vorgestellt. Lauterbach nennt sie eine “Revolution”. Was halten die Betroffenen in den Kliniken davon?
Der Kinderarzt und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Burkhard Rodeck, sagt: “Es ist insofern eine Revolution, als dass es eine Disruption ist. Man löst sich vom bisherigen Finanzierungssystem.” Bislang finanzieren sich die Kliniken nämlich vor allem über die sogenannten Fallpauschalen – einen Fixbetrag, der je nach Diagnose von den Krankenkassen bezahlt wird. Das soll sich jetzt ändern: Krankenhäuser sollen nicht mehr so stark auf die Wirtschaftlichkeit von Behandlungen achten müssen. In Zukunft sollen statt der Fallpauschalen sogenannte Vorhaltekosten eine wichtigere Rolle spielen. Also: ein fester Betrag für Personal und Geräte, egal welche Eingriffe die Kliniken durchführen und bei wie vielen Menschen.
“Das System wurde aufgrund der Fallpauschalen in den letzten Jahren Stück für Stück abgebaut”, so Rodeck. Deshalb sei die Situation auch aktuell so prekär: Viele Patienten stürmten gerade auf Versorgungsstrukturen ein, die dafür nicht gerüstet seien. Die angekündigte Reform sei aber auf jeden Fall Grund zur Hoffnung: “Wir haben erstmals das Problem auch im politischen Bereich anerkannt. Jetzt wird nach Lösungen gesucht. Das ist gut.”
Link zum Podcast “Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen”: https://www.sueddeutsche.de/politik/podcast-wirecard-sz-spotify-1.5265298
Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, 09.12.2022 um 18 Uhr.
Moderation, Redaktion: Tami Holderried
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Nadja Schlüter
Produktion: Benjamin Markthaler
Zusätzliches Audiomaterial über Auswärtiges Amt, ARD, Bundespressekonferenz, DIVI, Reuters, phoenix, BR.

Dec 9, 2022 • 12min
Illerkirchberg: Tödliche Attacke und viele offene Fragen
Bislang schweigt der mutmaßliche Angreifer: Laut Erkenntnissen der Polizei hat ein 27-jähriger Mann am Montagvormittag in Illerkirchberg zwei Mädchen mit einem Messer angegriffen. Eine 14-Jährige ist gestorben, eine 13-Jährige wurde schwer verletzt. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl erlassen - wegen Mordes und versuchten Mordes. Den Angaben zufolge stammt er aus Eritrea und ist seit 2016 in Deutschland. Zuletzt hat er in einem Heim für Asylbewerber gelebt, direkt gegenüber vom Tatort. Bislang gibt es kein Motiv und auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Mann und die Opfer kannten.
"Man weiß zwar relativ genau, wie der Ablauf war, aber zu den Hintergründen weiß man praktisch nichts", sagt Max Ferstl, SZ-Korrespondent für Baden-Württemberg. "Der mutmaßliche Täter hat sich in seiner Vernehmung auf sein Recht berufen, die Aussage zu verweigern." Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) habe gesagt, dass es "keine Hinweise auf ein politisches oder religiöses Motiv" für die Tat gebe.
Doch im Internet habe es schnell "viel Hetze" gegeben. Und "es gab Politiker von der AfD, die versucht haben, diesen Fall in Verbindung mit der Asylpolitik zu bringen". Das vorherrschende Gefühl in Illerkirchberg sei "Trauer und Schock". "Es gibt aber auch wütende Menschen, die auf das Asylbewerberheim schimpfen, die die Asylpolitik verantwortlich machen für das, was dort geschehen ist."
Aber warum berichtet eigentlich auch die SZ in diesem Fall über die Nationalität des mutmaßlichen Täters? "Es ist bei der Berichterstattung über Straftaten immer eine Frage der Abwägung, ob man die Nationalität eines Täters nennt", sagt Ferstl. Die SZ orientiere sich da an den Leitlinien des Presserates. "In dem Fall ist es so, dass es bei besonders schweren Straftaten wie in diesem Fall zulässig ist. Und im speziellen Fall ist es wohl auch nötig, sie zu nennen, weil man sonst die Fragen, die den Ort beschäftigen, oder die Debatten, die sich daraus ableiten, nicht verstehen kann."
Weitere Nachrichten: 49-Euro-Ticket kommt, Hinrichtung in Iran, “Zeitenwende” ist “Wort des Jahres”.
Die Leitsätze des Presserates zur Berichterstattung über die Herkunft von Straftätern finden Sie hier.
Die Podcasts über Iran bei “Geschichte Daily” finden Sie hier
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried
Produktion: Jakob Arnu
Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix, Reuters.
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Dec 8, 2022 • 13min
Reichsbürger-Razzia: "Tiefe Verachtung gegenüber der Demokratie"
Deutsche Sicherheitsbehörden wollen am Mittwoch einen rechten Staatsstreich vereitelt haben. Bei einer der größten Razzien in der Geschichte der Bundesrepublik nahmen Ermittler am Mittwoch 25 Personen fest. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor. Die Ermittlungen richten sich gegen mehr als 50 Beschuldigte.
Zu den Verhafteten zählt der Unternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß, Mitglied eines früheren Adelshauses in Thüringen. Ihn sehen die Ermittler als zentrale Figur des Netzwerks. Ebenfalls festgenommen wurde die ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete und Richterin Birgit Malsack-Winkemann. Da sie weiter Zutritt zum Reichstagsgebäude hat, sollte sie den Umstürzlern offenbar den Weg ins Parlament frei machen und in einer neuen Regierung das Justizressort übernehmen.
Möglicherweise sei durch die Razzia "ein Blutbad verhindert worden, denn durch diese ehemalige AfD Abgeordnete gab es die Möglichkeit ins Parlament zu kommen", sagt Jörg Schmitt, Redakteur im Investigativ-Ressort der SZ. Abseits des "Operetten-Prinzen und Möchtegern-Juristen” beunruhige, dass unter den Verdächtigen "viele Militärs" sind. "Und zwar nicht irgendwelche einfachen Soldaten, sondern Menschen, die bei Elite-Einheiten der Bundeswehr gekämpft haben", sagt Schmitt. Es habe sich da "eine ganz eigenartige Melange aus Reichsbürgern, Rechten, Verschwörungstheoretikern und Esoterikern gefunden". Alle eine "ein tiefer Abschaum und eine tiefe Verachtung gegenüber dem demokratischen Staat, in dem wir leben".
Weitere Nachrichten: Kroatien tritt Schengen-Raum bei, US-Basketballerin Griner durch Gefangenenaustausch frei, Klimaaktivisten stören Betrieb am Münchner Flughafen, Wirecard-Prozess.
Den Text zur Wirecard “Markus Braun - gekommen, um zu kämpfen” finden Sie hier.
Informationen zu den zwei Podcast-Serien “Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen finden Sie hier.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried, Nadja Schlüter, Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Benjamin Markthaler
Zusätzliches Audiomaterial über transparent-beraten.de, worldwebforum.
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Dec 7, 2022 • 14min
Long Covid: Wie behandelt wird und woran es fehlt
17 Millionen Menschen leiden in Europa unter Long Covid, so die Schätzung der Weltgesundheitsorganisation. Bisher bekommen sie aber häufig kaum Unterstützung, weil es noch nicht genug Erkenntnisse über diese Krankheit gibt – und weil sie oft nicht ernst genommen wird. Viele gehen zum Beispiel davon aus, dass sie rein psychosomatisch ist.
"Völliger Quatsch", sagt Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg, der auch an der interdisziplinären Post-Covid-Ambulanz in Marburg beteiligt ist. Psychologische Unterstützung brauchen die Betroffenen seiner Meinung nach aber trotzdem, da Post Covid typischerweise auch mit Panikattacken und ähnlichen neuropsychiatrischen Störungen einhergehe. "Die Behandlung eines Long-Covid-Patienten erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise, die von Patient zu Patient unterschiedlich ist. Denn nicht jeder hat die gleichen Symptome", sagt Schieffer. Außerdem fordert er bundesweite Anlaufstellen, mehr Geld für klinische Studien und vor allem eine Long-Covid-Initiative des Bundes.
Weitere Nachrichten: Razzia gegen Reichbürger-Szene.
Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter
Redaktion: Lars Langenau
Produktion: Imanuel Pedersen
Zusätzliches Audiomaterial über NDR und SWR.
Hier geht es zum Hintergrundbericht über die Razzia gegen die Reichsbürger-Szene.
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