Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Jan 12, 2023 • 12min

Lützerath: Wie sehr schadet die Räumung den Grünen?

Im Rheinischen Braunkohlerevier wird das besetzte Dorf Lützerath geräumt. Der Energiekonzern RWE will die Kohle, die unter dem Dorf liegt, abbaggern. Genehmigt haben das neben der CDU auch die Grünen, die den Deal mit RWE mitverhandelt haben: Der Energiekonzern steigt im Rheinland schon 2030 aus der Kohle aus, statt erst 2038, wie ursprünglich geplant. Fünf Dörfer im rheinischen Braunkohlerevier fallen deshalb doch nicht dem Tagebau Garzweiler II zum Opfer – aber Lützerath, das sechste Dorf an der Abbruchkante, soll doch noch der Kohle weichen. Deswegen wird es von Klimaschützern besetzt gehalten. Bei der Räumung dieses Protestcamps wird gerade besonders deutlich, dass vor allem viele junge Grüne gegen den Kompromiss sind, den ihre Parteispitze ausgehandelt hat. Teilweise beteiligen sie sich sogar an der Besetzung Lützeraths. Thomas Hummel, der für die SZ über Klimapolitik berichtet, sieht hier einen Generationenkonflikt: „Gerade junge Leute, die im Klimaschutz aktiv sind, sind da sehr entschieden dabei. Aber für eine Partei in einer Koalition ist es halt nicht immer leicht, sich hundert Prozent durchzusetzen. Da entsteht ein enormes Spannungsfeld.“ Dass es wegen dieses Themas „zum großen Knall“ für die Grünen kommt, erwartet er aber nicht – vor allem nicht, was die Wählerschaft angeht. Denn da fehle es an Alternativen: „Das ist das Dilemma für Klimaschützer: Wen sollen sie sonst wählen?“ Hier geht es zum SZ-Magazin-Podcast „Wer ist Joni? Meine Suche nach einem Phantom“. Weitere Nachrichten: Wohnungsmangel in Deutschland, seltene Erden in Schweden entdeckt Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter Redaktion: Johannes Korsche, Lars Langenau Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Twitter (@LuetziBleibt, @Dzienus), ZDF
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Jan 11, 2023 • 13min

Panzer für Kiew: "Leopard 2 sind eine ganz andere Kategorie"

Gerade sieht es noch nicht nach einem Kurswechsel in Berlin bei der Übergabe von Kampfpanzern aus. Allerdings berichten Medien, dass London die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Challenger 2 erwägt. Großbritannien wäre damit das erste Land, das moderne westliche Kampfpanzer an Kiew abgibt. Das würde den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, Leopard-2-Panzer abzugeben - oder dies zumindest den Nato-Partnern zu erlauben. Der Kampfpanzer Leopard 2 ist “noch mal eine ganz andere Kategorie”, als die Lieferung von Schützenpanzern des Typs Marder oder andere militärische Ausrüstung, sagt SZ-Militärexperte Joachim Käppner. Letztendlich seien sie aber auch "keine große Steigerung in ethischer oder waffentechnischer Hinsicht" zu den bisherigen Lieferungen. Über diese Kampfpanzer würden die Ukrainer bisher nicht verfügen, sie aber benötigen. "Nicht um zu gewinnen, weil sie das an sich gar nicht können, sondern einfach, um zu überleben." Deutschland sei da "etwas zurückhaltend" und vermeide einen Alleingang. Aufgrund des “entsetzlichen Vernichtungskrieges Deutschlands gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg” sei das auch verständlich. "Man muss allerdings sagen, es waren ja neben den Russen auch die Ukrainer selbst, die unter diesen Verbrechen gelitten haben, auch wenn es dort viel Kollaboration gab." Deswegen halte er das historische Argument für "ein wenig zweifelhaft", sagt Käppner. Denn: "Die Ukraine kämpft um ihr nacktes Überleben. Und wenn wir ihr helfen können, sollten wir das tun." Schließlich greife auch Putins Armee vom ersten Tag an mit solchen schweren Kampfpanzern an. Die rote Linie sei aber ein Nato-Kampfeinsatz. "Bei aller Solidarität mit der Ukraine darf die Nato in diese Gefahr nicht geraten." Noch aber sei Deutschland längst “nicht Kriegspartei”, meint Käppner. "Es unterstützt die angegriffene Seite." Das sei "völkerrechtlich vollkommen legitim". Weitere Nachrichten: Lützerath wird geräumt, Wieler verlässt Robert-Koch-Institut, Geheimunterlagen bei Biden entdeckt. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Sabrina Höbel, Johannes Korsche Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über ARD
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Jan 10, 2023 • 13min

Lützerath: Das Dorf, durch das die 1,5-Grad-Grenze geht

Der Energiekonzern RWE will auch in dem Dorf Lützerath Braunkohle fördern. Deshalb ist der Ort für einige zum Mekka der Klimabewegung geworden. Seit zwei Jahren besetzen Aktivistinnen und Aktivisten das Dorf. Aktuell haben sich dort mindestens 300 Menschen in Häusern und Baumhäusern verbarrikadiert und Blockaden aufgebaut. Doch mit dem Widerstand könnte es bald vorbei sein. Denn juristisch ist nichts mehr zu machen: Die letzte Eilentscheidung ist nicht mehr anfechtbar. Am Dienstag hat die Polizei Barrikaden zur Zufahrt entfernt. Mittwoch könnte die Räumung beginnen. Einem harten Kern der Besetzer gehe es um eine Alternative zum Kapitalismus, sagt Christian Wernicke, SZ-Korrespondent für Nordrhein-Westfalen. Dabei sei die Wahl von Lützerath als Ort des Widerstandes “reiner Zufall”. Dass die Zerstörung des Dorfes noch aufgehalten wird, hält Wernicke für unmöglich. Aber der Kampf könne die “Sensibilität für Klima und Klima-Gerechtigkeitsfragen” erhöhen. Man könne aber “sehr wohl darüber streiten, ob die sogenannte 1,5-Grad-Grenze durch Lützerath läuft”. Der für die Räumung zuständige grüne Polizeipräsident von Aachen sucht zwar den Dialog und will eine friedliche Räumung schaffen. “Dennoch scheint es mir unmöglich zu sein, eine wirklich friedliche Räumung durchzukriegen, weil es einen harten Kern von Besatzern gibt”, sagt Wernicke. Weitere Nachrichten: Franzosen sollen länger arbeiten, “Containern” soll straffrei werden, “Klimaterroristen” ist Unwort des Jahres. Die Besprechung der Biografie von Prinz Harry finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über WDR und Reuters Korrektur: In der Anmoderation wurde Lützerath fälschlicherweise in den Ruhrpott gelegt. Stimmt aber nicht, wie ein aufmerksamer Hörer angemerkt hat: "Das Braunkohlerevier in NRW liegt zwischen Köln und Aachen. Das ist weit entfernt vom Ruhrpott. Der Chiemsee liegt auch nicht in Tirol."
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Jan 9, 2023 • 13min

Ausschreitungen in Brasilien: Warum es kein Putschversuch war

Ende Oktober 2022 hat bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien Lula da Silva knapp gegen den rechtsextremen Amtsinhaber Jair Bolsonaro gewonnen. An Neujahr ist der linke Politiker vereidigt worden - und am 8. Januar dann hat sich der ganze Hass der Rechten entladen: Ein Mob ist in staatliche Institutionen in Brasilia eingedrungen und hat Verwüstungen hinterlassen. Das alles erinnert an den Sturm aufs US-Kapitol am 6. Januar 2021. Nur, dass sich Bolsonaro nicht aktiv eingeschaltet hat, wie der damalige Wahlverlierer Trump - und Lula bereits im Amt war. Für den Präsidenten sind die Randalierer “Vandalen” und “fanatische Faschisten”, die wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen hätten wüten können. Jedenfalls war es wohl kein Putschversuch, meint SZ-Südamerika-Korrespondent Christoph Gurk. Vielmehr sei es ein Versuch der Rechten gewesen, “Randale zu machen”. Denn es habe “überhaupt keinen Sinn” gemacht, was da am Sonntag passiert ist. Man hätte da niemanden stürzen können, da die Politiker alle weg waren. Sie haben Angst verbreiten wollen und zeigen wollen, dass sie trotz des neuen linken Präsidenten noch da seien. Auch bei den Straßenblockaden nach der Wahl hätten “große Geldgeber aus der Agrarindustrie” hinter den Protesten gesteckt. Spannend wird, wie sich das Militär in naher Zukunft verhalten wird. Der nach Florida geflüchtete Bolsonaro sei “insofern verantwortlich für die Gewalt, weil er im Vorfeld von den Wahlen schon seit Monaten, teilweise sogar seit mehr als einem Jahr immer wieder Zweifel an diesem Wahlsystem geschürt hat”. Für diese Behauptung gibt es keine Hinweise. “Seine Anhänger glauben es trotzdem”, sagt Gurk. Es werde für Lula “sehr schwierig werden, dieses Land zu einen, was er eigentlich versprochen hatte”. Weitere Nachrichten: Räumung von Lützerath wohl noch diese Woche, Anti-Terror-Einsatz in Castrop-Rauxel: Bislang keine Beweise gefunden. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderrieth, Sabrina Höbel, Johannes Korsche Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über AFP
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Dec 27, 2022 • 30min

Jahresrückblick 2022: „Der runde Tisch ist das Möbelstück der Deutschen und nicht der Panzer“

Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat, wie Olaf Scholz es nennt, eine “Zeitenwende” markiert. SZ-Politikchef Stefan Kornelius sagt: “Das Wort war sehr gut gewählt.” Der Krieg habe unser Leben nachhaltig verändert. Das Jahr 2022 war natürlich von diesem Krieg und seinen Auswirkungen auf Menschen auf der ganzen Welt geprägt. Deutschland musste als Folge des Kriegs unter anderem mit einer Energiekrise und einer extrem hohen Inflation umgehen. Kornelius sagt, man müsse der Bundesregierung zu Gute halten, dass sie “aus dem Stand” in den Krisenmodus umgeschaltet habe. Man habe verstanden, dass es hier um eine existenzielle Bedrohung für uns alle gehe. Aber: “Wir kämpfen bis heute mit der Frage: Was heißt Zeitenwende eigentlich?” Ein Ende des Kriegs ist für Kornelius aktuell nicht in Sicht: “Kriege enden häufig in Erschöpfung. Auch dieser Krieg könnte in Erschöpfung enden.” Putin schaffe sich als Aggressor keine Freunde – Russland sei aber bislang trotzdem nicht bereit, die Kriegslogik aufzugeben und habe noch eine enorme Kampfkraft parat. Außerdem haben Menschen in Iran für Freiheit und gegen Unterdrückung und Diskriminierung protestiert – und sich bis heute nicht vom harten Durchgreifen des Regimes gegen die Demonstrationen einschüchtern lassen. Kornelius sieht darin ein Symbol für das ganze Jahr: “Diesen Freiheitswunsch gibt es auf der ganzen Welt”. Er hofft, dass wir mit diesem Jahr den Anfang vom Ende des populistischen Zeitalters erlebt haben. Redaktionsschluss für diese Sendung war Donnerstag, 22.12.2022 um 18 Uhr. Hier geht’s zum Podcast „Die Kunst zu stehlen“. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Johannes Korsche Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über Reuters, BBC News, phoenix, IranWire, Youtube (PresidentGovUA)
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Dec 23, 2022 • 14min

Mehr Armut, höhere Kosten: Was sich 2022 bei den Tafeln verändert hat

Mehr als zwei Millionen Menschen bekommen in Deutschland regelmäßig Lebensmittelspenden von den 964 Tafeln – und noch mehr Menschen wären eigentlich darauf angewiesen. Denn die Zahl der von Armut Betroffenen steigt. Aktuelle Zahlen der Tafeln aus dem vergangenen Sommer zeigen, dass zu den mehr als 2000 Ausgabestellen in diesem Jahr mehr Menschen gekommen sind als in den Vorjahren. „Viele sagen: Ich habe nie gedacht, dass ich mal zur Tafel kommen muss. Wir müssen also annehmen, dass Menschen, die bisher gut selbst mit ihrem Geld zurecht kamen, jetzt kommen“, sagt Sirkka Jendis, seit einem Jahr Geschäftsführerin des Dachverbands „Tafel Deutschland e.V.“. Besonders hoch sei der Anteil an Rentnerinnen und Rentnern und Familien mit Kindern. „Und es kommt eine Gruppe, bei der man das oft nicht vermutet: Studenten. Weil jetzt die Preise so extrem gestiegen sind, dass auch hier eine Unterstützung notwendig ist.“ Zudem hätten sich bei allen Tafeln in Deutschland im Laufe des Jahres ukrainische Geflüchtete angemeldet. Um die Situation für die Menschen zu verbessern, fordert Jendis „armutsfeste Löhne“. Das neue Bürgergeld sei ein erster Schritt, „aber die Erhöhung von ein bisschen mehr als 50 Euro reicht natürlich nicht aus.“ Außerdem wünscht Jendis sich, dass sich das Menschenbild in Deutschland ändert: „Wir haben oft die Vorstellung, dass Menschen selbst schuld sind an der Armut. Aber jeder und jede kann damit konfrontiert werden. Die Menschen suchen es sich nicht aus, arm zu sein.“ Hier geht es zum Text über die Bad Tölzer Tafel. Weitere Nachrichten: BND-Mitarbeiter soll Informationen an Russland verraten haben, Schüsse und Tote in Paris Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter Redaktion: Johannes Korsche, Monika Rathmann Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über HR, SWR und MDR Mit dem Code PODCAST10 bekommen Sie einen 10 €-Gutschein auf Ihren Einkauf im SZ-Shop (der Mindestbestellwert beträgt 25 €): https://szshop.sueddeutsche.de/
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Dec 22, 2022 • 12min

Selenskij in den USA: Schulterschluss trotz Differenzen

Es war ein historischer Besuch: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ist in die USA gereist und hat dort vor dem Kongress eine Rede gehalten. Er betonte, dass die beiden Nationen Verbündete im Krieg mit Russland seien und bedankte sich für die Unterstützung durch die USA. Die USA haben bisher mehr als 20 Milliarden Dollar an Militärhilfe an die Ukraine geleistet, jetzt sollen noch einmal 1,85 Milliarden Dollar dazukommen. Vor allem aber hat Joe Biden zugesagt, der Ukraine Flugabwehrraketen vom Typ "Patriot" zu liefern. Um die hatte Selenskij schon lange gebeten. In seiner Rede vor dem Kongress hat er auch klar gemacht, dass die Ukraine sich eigentlich mehr und vor allem mehr offensive Waffen wünscht. "Der Schulterschluss zwischen Biden und Selenskij war praktisch physisch sichtbar und insofern stand die Einigkeit schon im Vordergrund", sagt Hubert Wetzel, der aktuelle Nato- und ehemalige US-Korrespondent der SZ. "Aber es gibt natürlich Differenzen. Die hat man in den letzten Monaten gesehen. Da geht es um Fragen der Taktik, um das Kriegsziel und darum, welche Waffen geliefert werden." Für die Bündnispartner, darunter auch Deutschland, seien die USA der "Taktgeber", so Wetzel. "Wenn die USA sich beschränken und zum Beispiel keine schweren Kampfpanzer liefern, dann tut die Bundesregierung das auch nicht. Wenn die USA aber vorangehen, erweitert sich auch der Spielraum für andere Länder." Der Druck, mit den USA gleichzuziehen, werde jetzt auch für Deutschland steigen. Weitere Nachrichten: Füllstand der Gasspeicher aktuell stabil, Regierungsbildung in Israel Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter Redaktion: Johannes Korsche, Lars Langenau Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Youtube / President of Ukraine Mit dem Code PODCAST10 bekommen Sie einen 10 €-Gutschein auf Ihren Einkauf im SZ-Shop (der Mindestbestellwert beträgt 25 €): https://szshop.sueddeutsche.de/
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Dec 21, 2022 • 12min

US-Waffenlieferungen: "Patriots" sind ein Signal, es kommt noch viel mehr

Die erste Auslandsreise des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij seit dem russischen Überfall vor knapp zehn Monaten führt zu Joe Biden nach Washington. Auf der Tagesordnung: Die Lieferung der Patriot-Flugabwehrsysteme. Dessen Raketen können Flugzeuge, Marschflugkörper, Drohnen und andere Raketen bis zu einer Entfernung von 160 Kilometern abwehren. Ohne die US-Hilfe würde es die Ukraine wohl nur noch geografisch geben, sagt SZ-Osteuropa-Korrespondent Florian Hassel, “sicherlich nicht militärisch, als unabhängiges Land ohne Putin.” Die USA hätten bereits Milliarden Dollar und Unmengen an Waffen geliefert. Diese Hilfe sei “ganz klar entscheidend” für den Widerstand. Im Unterschied zu anderen Waffensystemen sei das Patriot-System in der Lage, “Raketen und Marschflugkörper abzuschießen, die die anderen Systeme nicht abschießen können”, sagt Hassel. Aber auch Patriots könne man “nur an einem Ort aufstellen”, wohl in oder nahe Kiew. Die Ukraine sei eben nach Russland das größte Land Europas und deshalb könnten auch die Patriots nicht überall Schutz bieten. Viel eher sei das ein “Signal”. Aber: “Es kommt noch sehr viel mehr.” Weitere Nachrichten: Uni-Verbot für Frauen in Afghanistan, Trumps Steuerunterlagen sollen veröffentlich werden. Den Podcast “Geschichte Daily” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried, Johannes Korsche Produktion: Jakob Arnu Mit dem Code PODCAST10 bekommen Sie einen 10 €-Gutschein auf Ihren Einkauf im SZ-Shop (der Mindestbestellwert beträgt 25 €): https://szshop.sueddeutsche.de/
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Dec 20, 2022 • 13min

Verfahren gegen Trump: “Ein Politikverbot wäre die Höchststrafe”

Behinderung eines offiziellen Vorgangs, Beeinflussung von Zeugen, Anstiftung oder Beihilfe zum Aufstand und Verschwörung gegen die US-Regierung. Das wirft ein Untersuchungsausschuss des US-Kongress zur Erstürmung des Kapitols Donald Trump vor. Am 6. Januar 2021 kamen fünf Menschen ums Leben, mehr als 140 Polizisten wurden verletzt, Abgeordnete und Mitarbeiter fürchteten um ihr Leben. Auch Vizepräsident Mike Pence entkam nur knapp dem brutalen Mob. Jetzt empfiehlt das Gremium dem Justizministerium, ein Strafverfahren gegen den Ex-Präsidenten und mehrere Komplizen einzuleiten. “Im Zweifelsfall” sollte Trump angeklagt werden, sagt der USA-Korrespondent der SZ, Fabian Fellmann. Allein für die “Verschwörung für einen gewaltsamen Aufstand” könnte Trump bis zu zehn Jahren Haft drohen. Zudem würde ihm ein lebenslanges Politikverbot drohen. Fellmann: “Das wäre für Trump eine Höchststrafe.” Obwohl die Indizienkette “sehr dicht” sei, gebe es im US-Strafrecht durchaus Möglichkeiten, dass sich Trump selbst da noch herauswinden könnte. Obwohl das Gremium eine “politische Schlagseite” hatte, sei es “an Verfassungsgrundsätze gebunden” gewesen und habe “große Transparenz walten lassen”. Die Frage sei, “wie das die große Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner sieht”. Die Republikaner jedenfalls hätten sich nicht geschlossen “hinter Trump gestellt”, sagt Fellmann. So habe Mitch McConnell, der Führer der Republikaner im Senat, verlauten lassen, dass “ganz Amerika wisse, wer für diesen Tag verantwortlich” sei - und habe darüber hinaus keinen Kommentar abgegeben. Bei moderaten Republikanern mehren sich Zweifel daran, “ob Trump noch einmal wählbar sein könnte und noch einmal mehrheitsfähig ist”. Für Trump gehe es jetzt “Schlag auf Schlag” weiter: So veröffentlicht der Ausschuss am Mittwoch seinen Abschlussbericht und beginnt, die Unterlagen zu veröffentlichen. Das seien mehr als “eine Million Dokumente, in denen Trumps Verhalten an jenem Tag in allen Details beschrieben wird'', sagt Fellmann. Eine “Fundgrube für Geschichten und Anekdoten”, die die amerikanische Öffentlichkeit noch Monate beschäftigen werde. “Und dabei wird Trump immer als der dastehen, der sich gegen die Verfassung, gegen die Rechtsordnung der USA gestellt hat.” Weitere Nachrichten: Kali soll Teilgeständnis abgelegt haben. Bewährungsstrafe für frühere Sekretärin des KZ-Stutthof. Den Text des SZ-Magazins über die Midlife-Crisis und wie man sie meistern kann, finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried, Johannes Korsche Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über den Untersuchungsausschuss https://january6th.house.gov Wenn Sie noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk sind, dann überraschen Sie Ihre Freunde oder Ihre Familie dieses Jahr doch mit einem Geschenk für jeden Tag: einem Gutschein für die digitale SZ oder schauen mal in den SZ-Shop. Mit dem Code PODCAST10 bekommen Sie da einen 10 €-Gutschein auf Ihren Einkauf (der Mindestbestellwert beträgt 25 €).
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Dec 19, 2022 • 14min

Weltmeister Argentinien: Was der Titelgewinn in Katar dem Land bedeutet

Argentinien ist Fußballweltmeister. Zum dritten Mal nach 1978 und 1986. Gewonnen hat die Mannschaft um Lionel Messie am Sonntagabend in einem spannenden Endspiel gegen Frankreich. Bei einer ganz besonderen WM im Emirat Katar. Argentinien ist ein “fußballfanatisches Land”, sagt Christoph Gurk, Südamerika-Korrespondenten der SZ mit Sitz in Buenos Aires. “Die Argentinier lieben Fußball über alles.” Es sei das Land der “Panini-Bilder-Knappheit”. Von Anfang an habe man ein entspanntes Verhältnis zu dieser in Deutschland so umstrittenen WM gepflegt: “Hier in Argentinien gab es nicht so eine große Diskussion darüber, wer da diese WM macht und warum.” Auch die in Deutschland gerade so umstrittene Szene, als der Emir von Katar dem argentinischen Kapitän Lionel Messi ein arabisches Gewand um die Schultern legt, sei locker genommen worden: “Ich glaube, das wichtig war, dass Messi den Pokal in der Hand hatte. Was er da an hatte, war Leuten dann doch ein bisschen Wurst.” Man sei es eben schon gewohnt, “dass zweifelhafte Staaten eine WM austragen dürfen”. So sei auch die WM 1978 in Argentinien selbst während einer Militärdiktatur ausgetragen worden, unter der 30 000 Leute verschwunden sind. Seit Jahrzehnten erlebe Argentinien eine Wirtschaftskrise. Gerade liege die Inflation bei 90 Prozent. “Es gibt ganz viele Leute, die sich nicht mal mehr das Essen leisten können. Vor den Suppenküchen werden die Schlangen immer länger.” Dazu geselle sich auch noch eine politische Krise. Deshalb sei der Titelgewinn “ein riesengroßer Glücksgriff”, der das Land zumindest ein bisschen vereinen könnte, so Gurk. Weitere Nachrichten: 30 Prozent der Land- und Meeresflächen sollen unter Naturschutz, Nachkauf von Schützenpanzer Pumas vorerst ausgesetzt, Twitter-Nutzer stimmen für Musk-Rücktritt. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Lea Gittermann Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über ARD Mit dem Code PODCAST10 bekommen Sie einen 10 €-Gutschein auf Ihren Einkauf im SZ-Shop (der Mindestbestellwert beträgt 25 €): https://szshop.sueddeutsche.de/

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