Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Jul 22, 2022 • 12min

Warum Atomkraft keine Lösung für die Gaskrise ist

Drei Atomkraftwerke erzeugen in Deutschland noch Strom. Sie alle sollen Ende 2023 vom Netz gehen – eigentlich. Denn in den vergangenen Wochen wird immer intensiver darüber diskutiert, ob die AKWs nicht doch noch weiterlaufen sollten. Wegen der aktuellen Gaskrise und weil deshalb auch der Strom im kommenden Winter knapp werden könnte. Aber könnten die Atomkraftwerke mögliche Engpässe überhaupt gut ausgleichen? SZ-Redakteur Christoph von Eichhorn sagt: “Nur sehr begrenzt.” Denn: Dass Strom diesen Winter kurzfristig knapp wird, hält er für unwahrscheinlich. Vielmehr fehle es an Gas – das Atommeiler wiederum nicht ersetzen könnten. Und er sagt auch: Um den Strom aus den Gaskraftwerken zu ersetzen eignen sich Braunkohlekraftwerke besser als Atomkraftwerke – auch wenn sie schlechter für das Klima sind. Denn der Weiterbetrieb der Atommeiler über 2023 hinaus würde viel Aufwand bedeuten: neue Brennstäbe, aufwendige Wartung und Sicherheitschecks. Außerdem müsste der Staat die komplette Verantwortung für die Kraftwerke übernehmen. Langfristig sei die einzige Lösung der Ausbau der erneuerbaren Energien. Weitere Nachrichten: Scholz zu Energiepolitik, Einigung bei Getreideexporten. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl, Antonia Franz, Charlotte Honold Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
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Jul 21, 2022 • 13min

Regierungskrise in Italien: Nach Draghi droht Chaos

Jetzt tritt er also doch zurück: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi. Nachdem er eigentlich schon letzte Woche seinen Rücktritt eingereicht hatte, dann aber von Staatspräsident Sergio Mattaralla wieder ins Parlament zurückgeschickt worden war. Nun ist aber auch Draghis zweiter Versuch gescheitert, die Mehrparteienregierung geschlossen hinter sich zu bringen. Am Ende sei es vor allem an einem wichtigen Gesetzespaket gescheitert, sagt Andrea Bachstein, SZ-Italien-Expertin. Das sei zumindest der offizielle Grund, warum drei der mitregierenden Parteien Draghi das Vertrauen verweigert hätten. Tatsächlich, sagt Bachstein, hätte es aber auch noch einen anderen Grund gegeben: “Die Rechtsparteien haben im Moment die größten Aussichten, Neuwahlen zu gewinnen.” Für Italien sei die Situation gefährlich: Die Regierung von Mario Draghi hätte trotz allem einige wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Jetzt sei fraglich, ob das alles auch umgesetzt werde. Und auch über Italien hinaus sieht Bachstein negative Auswirkungen: Eine rechtsorientierte italienische Regierung sei für ganz Europa schlecht. Weitere Nachrichten: EZB erhöht Leitzins um 0,5 Prozentpunkte, Nord Stream 1 wieder in Betrieb. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Franziska von Malsen, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Prime Ministry of Italy
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Jul 20, 2022 • 12min

Vor EZB-Entscheidung: Wie höhere Zinsen wirken

Es ist das Ende der Nullzinsära, wenn die EZB am Donnerstag nach elf Jahren eine Zinserhöhung verkünden wird. Doch vor allem der rasante Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordniveau getrieben. Die US-Notenbank Fed hat viel früher auf die anhaltende Inflation mit höheren Zinsen reagiert. Die EZB hat das verschlafen, kritisiert Markus Zydra, SZ-Finanzkorrespondenten in Frankfurt am Main. Es gebe eine "goldene Zentralbank-Regel, wenn die Inflation steigt, dann muss die Notenbank den Leitzins hochsetzen". Die EZB sei die einzige der großen Notenbanken, die noch nicht erhöht habe. Dabei sei der Leitzins "die Elle der Geldwirtschaft". Banken werden ihre Zinsen erhöhen - schon die Ankündigung habe die Immobilien-Zinsen steigen lassen und Verbraucher-Kredite verteuert. Sehr wahrscheinlich werde es deshalb bald auch schon erste Verkäufe geben. "Denn viele Kredite wurden ja an Kunden vergeben, die Spitz auf Knopf praktisch ihre gesamten Finanzen kalkuliert haben." Manche Haushalte würden sich Finanzierung ihres Immobilienkredits bald nicht mehr leisten können. Allerdings sei dann auch die Zeit der Negativzinsen vorbei, sagt Zydra. Weitere Nachrichten: Gaslieferung aus Russland, Dieter Wedel tot. Den neuen Podcast “München persönlich” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen
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Jul 19, 2022 • 10min

Rekordtemperaturen: Hitze tötet leise

In weiten Teilen Europas herrschen gerade Rekordtemperaturen. In Großbritannien steigen sie zum ersten Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf mehr als 40 Grad Celsius. Auch Deutschland stöhnt unter hohen Temperaturen. Sozialverbände wie der VdK fordern Hitzeschutzpläne. An solchen Plänen hat Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz Institut mitgearbeitet. Dies sei "ein Bündel von Maßnahmen, damit die Auswirkungen von Hitze auf die Menschen möglichst gering gehalten werden". Von der kommunalen Verwaltung bis zum Gesundheitswesen solle bei solchen Temperaturen zusammengearbeitet werden, um den Tod durch Hitze zu verhindern. Doch das sei in der Vergangenheit zu wenig passiert. "Deutschland hat sich nicht vorbereitet auf diese Hitzewelle", kritisiert Matthies-Wiesler. Besonders ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen, Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch für Säuglinge und Schwangere sei die Hitze gefährlich. Zentral ist der Klimaschutz, um solchen Extremwetterereignissen entgegenzuwirken. "Klimaschutz ist Gesundheitsschutz", sagt die Biologin. Weitere Nachrichten: Petersberger Klimadialog, Halbzeit 9-Euro-Ticket. Den Text von Dunja Ramadan darüber, was wir von Menschen in nordafrikanischen Ländern lernen können, für die diese Temperaturen ganz normal sind, finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über BR1, BR2, BR3, BR 34, SWR 3, SWR1
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Jul 18, 2022 • 13min

Streit um zweiten Booster: Warum viel nicht gleich viel hilft

Im Kampf gegen Corona scheint Gesundheitsminister Karl Lauterbach scheint zu denken "viel hilft viel" - und so empfiehlt der SPD-Politiker den zweiten "Booster" auch jungen Menschen. "Ist man zum vierten Mal geimpft, dann infiziert man sich nicht so schnell." Widerspruch kommt von der Ständigen Impfkommission. Denn die Stiko empfiehlt einen zweiten Booster bislang nur Über-70-Jährigen - und einigen anderen Risikogruppen. "Karl Lauterbach hat da seine persönliche Meinung propagiert", sagt auch SZ-Wissensredakteurin Christina Berndt. Bei Älteren sei der zweite Booster durchaus sinnvoll. Berndt erwartet, dass die Stiko das bald auch Über-60-Jährigen empfehlen wird. Aber sollen sich auch Jüngere zum vierten Mal impfen lassen? "Keinesfalls!" sagt Berndt. Eine Impfung sei immer ein medizinischer Eingriff und es gebe einfach keine Studien über die Wirkung der zweiten Booster-Impfung für jüngere, gesunde Menschen. Immungesunde Unter-60-Jährige seien bestens geschützt mit drei Impfungen, diese würden zu einer langanhaltenden Immunität führen. "Viel hilft hier nicht viel", sagt die SZ-Expertin. Die dritte Impfung sei ein wirklicher Booster, die vierte Impfung aber setze da nur wenig oben drauf. Wer sie aber brauche, der solle sie sich bereits schon jetzt vom Hausarzt holen und nicht auf einen Omikron-Booster warten, empfiehlt Berndt. Es ergebe keinen Sinn noch länger zu warten - und so das Risiko einer Infektion in Kauf zu nehmen. Weitere Nachrichten: Milliardenkosten durch Klimawandel auch in Deutschland, Hitze, Ukraine. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ZDF
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Jul 15, 2022 • 12min

Biden in Saudi-Arabien: Das Öl und das Problem mit dem Kronprinz

US-Präsident Joe Biden reist gerade durch den Nahen Osten. In Israel ging es unter anderem um die Bedrohung Israels durch Iran. Die USA sagen Israel deswegen weiter Militärhilfe zu: 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Möglich sind darüber hinaus auch Extrazahlungen, insbesondere für die Raketenabwehr. Sowohl Joe Biden, als auch der Israelische Premierminister Lapid wollen außerdem verhindern, dass Iran Atomwaffen herstellen kann. Ungemütlicher wird es für den US-Präsidenten nun allerdings bei seinem nächsten Halt: In Saudi-Arabien. Das liegt unter anderem an einem geplanten Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Und daran, dass Saudi Arabien derzeit weniger Öl fördert als es könnte. Die dadurch gestiegenen Ölpreise setzen Biden auch innenpolitisch unter Druck. Was ist also von dem Treffen zu erwarten? Und warum sieht Biden trotzdem schon jetzt einen “historischen Erfolg”? Das erklärt in dieser Folge die SZ-Expertin Dunja Ramadan. Weitere Nachrichten: Urteil gegen Franco A., Regierungskrise in Italien. Den Podcast “Vor aller Augen” finden Sie hier unter sz.de/voralleraugen. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über den Youtube Kanal des Weißen Hauses
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Jul 14, 2022 • 14min

Ein Jahr nach der Flut: Wie geht es den Menschen heute?

Exakt ein Jahr ist es jetzt her, als im Westen von Deutschland, in der Region zwischen Bonn und Trier, die Ahr durch krassen Starkregen über die Ufer getreten ist. Das kleine, eigentlich unauffällige Flüsschen wird in nur Stunden zu einer reißenden Flut, die einen ganzen Landstrich mit sich reißt. Mehr als 180 Menschen sterben. Jana Stegemann, SZ-Korrespondentin in NRW, war seit der Flut mehrmals in der Region unterwegs. Sie spricht darüber, wie es den Menschen dort seither ergangen ist und ob die Hilfe wirklich ankommt. Sie sagt: "Es gibt Leute, die haben ihre Anträge gestellt und haben relativ schnell und unkompliziert das Geld auch bekommen. Es gibt Leute, die haben monatelang immer wieder ihre Anträge zurückbekommen, mussten wirklich kleinteilig da Dinge aufführen, ausweisen. Das hat zu viel Frust geführt.” Wie ein Polizei-Taucher duzenden Menschen das Leben gerettet hat. Weitere Nachrichten: Inflation in der EU, Waldbrände Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen _Zusätzliches Audiomaterial über _ AFP, dpa
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Jul 13, 2022 • 12min

Inflation: Wird wenigstens das Wohnen billiger?

Fast alles wird ständig teurer. 7,6 Prozent, das ist die Inflationsrate von Juni. Nur in einem Bereich ist gerade nicht so leicht vorherzusehen, wie sich die Preise entwickeln: Und zwar beim Wohnen. Vor allem bei den Immobilienpreisen. Wer sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, der muss dafür in der Regel bei der Bank einen Kredit aufnehmen. Anfang des Jahres, also vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine, lagen die Zinsen für solche Kredite noch bei um die 1% bei 10 Jahren Zinsbindung, mit Glück sogar etwas drunter. Inzwischen liegen sie bei rund 3,5%. Ein enormer Anstieg für so wenige Monate. Gleichzeitig könnten die Preise für Immobilien zum ersten Mal seit vielen Jahren nach unten gehen. Ob es so kommt und was dabei eine Rolle spielt, darüber spricht Stephan Radomsky aus dem SZ-Wirtschaftsressort. Sein Fazit: “Für Mieter wird es vor allem in den Großstädten schwierig bleiben in den kommenden Jahren. Für Immobilienkäufer ist es eine sehr persönliche Abwägung. Da muss man auch sehr genau regional gucken, wo kauft man, wie viel Geld hat man auf der Seite und wie viel Geld braucht man von der Bank?” Den Text von Marlen Weiß über die sensationellen Fotos aus dem All, lesen Sie hier. Weitere Nachrichten: Katastrophenschutz, Biden in Israel Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler
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Jul 12, 2022 • 10min

Bis zu 45 Grad: Wie heiß wird es wirklich?

41,2 Grad. Das ist bislang die höchste Temperatur, die in Deutschland je gemessen wurde. 2019 war das. Kommende Woche könnte dieser Rekord aber überholt werden: 45 Grad tauchen in Modellrechnungen zum ersten Mal als mögliches Szenario auf. Was bedeuten diese Rechnungen? Darüber spricht Marlene Weiß, Leiterin des SZ-Ressorts Wissen. Sie sagt: “Die 45 Grad, die sind das Ergebnis einer Modellrechnung. Das ist nicht die fertige Vorhersage, aber es ist trotzdem was Neues, dass das einfach in den Bereich des Möglichen rückt.” Daran sehe man sehr deutlich, wie sehr die Klimakrise selbst Mitteleuropa jetzt schon verändert habe. Das Wichtigste sei jetzt, das Schlimmste noch zu verhindern, so Weiß. SZ-Klimatool, mit dem Sie schauen können, wie sich das Wetter am Ort Ihrer Wahl verändert. Weitere Nachrichten: Misstrauensvotum UK, weltweiter Hunger Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de. Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried Produktion: Jakob Arnu
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Jul 11, 2022 • 13min

Nord Stream 1: Dreht Russland den Gashahn endgültig zu?

Seit Montagmorgen fließt kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1. Das war zuletzt die wichtigste Erdgasverbindung von Russland nach Deutschland. Jetzt ist sie wegen geplanter Wartungsarbeiten für mindestens zehn Tage abgeschaltet. Aber viele befürchten, dass Russland auch danach kein Gas nach Deutschland schicken könnte. Russland hatte die Gaslieferungen nach Deutschland ja sowieso schon seit Mitte Juni reduziert. Zuletzt kamen nur noch 40 Prozent der Menge an, die eigentlich vereinbart ist. Offiziell wegen “technischer Probleme”. Tatsächlich aber wohl als Reaktion auf die Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs. Und jetzt befürchten eben viele, dass Russland die aktuelle Wartung auch wieder als Vorwand benutzt, um einfach dauerhaft kein Gas mehr nach Deutschland zu schicken. Wie wahrscheinlich das ist und welche Folgen das haben würde, darüber spricht Roland Preuß, SZ-Korrespondent in Berlin. “Russland ist kein zuverlässiger Lieferant mehr”, so Preuß. Der Kreml werde immer Vorwände finden, um die Gaslieferungen zu reduzieren oder sogar ganz einzustellen. Preuß sagt, dass niemand sicher sagen kann, ob in zehn Tagen wieder Gas durch Nord Stream 1 läuft. Die Politik habe “viel getan” um sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten – aber das reiche nicht aus, um sicherzustellen, dass wir gut durch den Winter kommen. Das Problem sei auf die Schnelle kaum zu lösen. Die neuen Gesetze und Sonderregelungen seien dazu da “die Not zu lindern, aber sie können sie nicht abwenden.” Es drohe ein harter Winter, in dem das Gas im schlimmsten Fall nicht mal mehr für alle Privathaushalte reichen könnte. Die Gasknappheit könnte außerdem eine Wirtschaftskrise auslösen. Preuß sagt aber auch: “Es gibt verschiedene Szenarien” – und es hänge alles von Russland ab. Weitere Nachrichten: Ukrainischer Botschafter Melnyk abberufen, Baerbock in Tokio. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ARD

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