Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Feb 28, 2023 • 12min

Neue Gewalt in Israel: “Im Kern eine Siedler-Regierung”

Die Stimmung in Israel und den besetzten Palästinensergebieten ist so aufgeheizt wie seit langem nicht mehr. Auch von extremen jüdischen Siedlern geht Gewalt aus. Mittlerweile leben etwa 600 000 Menschen in den Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten. Das sind Leute mit einer Mission, die in ihren Augen der Bibel folgen - "und nicht unbedingt dem Gesetz", sagt der Israel-Korrespondent der SZ, Peter Münch. Die Extremen wollen Israel "in den Grenzen vom Mittelmeer bis zum Jordan". "Und in diesen Grenzen ist dann kein Platz mehr für einen Palästinenserstaat." Immer stärker forciere die neue israelische Regierung die "konsequente, permanente Normalisierung des Siedlungswesens", obwohl das ein "ernster Verstoß gegen das Völkerrecht" sei. "Es ist im Kern eine Siedler-Regierung." Die Siedler hätten durch ihre Vertreter in der Regierung inzwischen ein "Sieges-Bewusstsein". "Die Siedler sind angekommen in den Machtpositionen", sagt Münch. "Und da haben sie jetzt auch einiges vor." Palästinenser hätten hingegen das "deprimierende Gefühl verloren zu haben". Mit dieser Regierung könne auch Berlin "kein business as usual machen", weil sie "in Teilen eindeutig rechtsextrem und rassistisch ist". Die Bundesregierung müsse klare Kritik üben. Das sei man "den eigenen Werten schuldig und auch all den Israelis schuldig, die seit zwei Monaten zu Zehntausenden gegen ihre eigene Regierung Straße gehen". Weitere Nachrichten: Streiks im Nahverkehr in mehreren Städten, Murdoch: Fox News hat Wahllügen verbreitet Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Johannes Korsche, Léonardo Kahn Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Reuters, ZDF, DW, ARD, YouTube, Twitter @talschneider
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Feb 27, 2023 • 13min

Friedensdemo von Wagenknecht: "Eine Spaltung der Linkspartei ist unabwendbar"

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Bundesregierung die deutsche Sicherheits- und Außenpolitik radikal neu ausgerichtet. Doch Waffen ins ukrainische Kriegsgebiet zu liefern, ist in der Bevölkerung nach wie vor sehr umstritten. Am Samstag gab es auch gegen diese Waffenlieferungen einen "Aufstand für Frieden". Zur Demo aufgerufen hatte auch die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Sahra Wagenknecht. Teilgenommen haben "klassisch Friedensbewegte, Altlinke, Familien, die einfach Angst vor Krieg haben, diverse Spinner aller Couleur, Corona-Leugner und Russland-Fans", sagt Boris Herrmann aus der Berliner SZ-Parlamentsredaktion. Ganz wenig aber habe er ukrainische Flaggen gesehen. Insgesamt habe er bei der Demo "Solidarität und Mitgefühl mit den Opfern dieses Krieges" vermisst. Auch die Abgrenzung gegen Rechts habe nicht vollständig geklappt. Eine "Querfront" aber sehe er da nicht. Wagenknecht habe "eine enorme Zugkraft über alle Parteigrenzen hinweg". In ihrer eigenen Partei, bei den Linken, verschärfe Wagenknecht aber "die ohnehin schon existierende Spaltung". In der Parteiführung habe sie kaum Unterstützung, aber "beim Wählerklientel und in die Partei hinein ist die Unterstützung deutlich höher". "Für die Linke wäre es eine Erleichterung", wenn Wagenknecht aus der Partei austrete, so Herrmann. Eine Spaltung komme aber früher oder später. Er sei sich sicher, "dass bei der nächsten Bundestagswahl Sahra Wagenknecht nicht mehr für die Linke antreten wird". Weitere Nachrichten: London und Brüssel einigen sich im Streit um Nordirland-Abkommen, Nahost-Konflikt flammt wieder auf, Endergebnis Berliner Wiederholungswahl Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Léonard Kahn Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix
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Feb 25, 2023 • 27min

Am Wochenende: Angst, Raketen, drohender Fronteinsatz: Wie ein Ukrainer ein Jahr Krieg erlebt hat

Am Morgen des 24. Februar 2022 beginnt der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine. Denis Trubetskoy ist da in seiner Kiewer Wohnung, hört kurz nach Putins Ansprache die ersten Explosionen. “Ich habe dann so eine gute Viertelstunde gezittert”, erinnert er sich. “Natürlich war das der schlechteste Morgen meines Lebens.” Dann sei er zu Kollegen in der Innenstadt gegangen. Denn “wenn die Russen wirklich in die Stadt eingefahren wären, wäre das vermutlich sogar über meine Straße erfolgt.” Soweit kam es nicht. Aber seitdem fliegen regelmäßig bis zu 60 Raketen auf Kiew, sagt er. “Luftalarm gibt es eigentlich fast jeden Tag.” Trubetskoy ist in Sewastopol auf der Krim geboren, seit 2015 lebt er in Kiew. Er arbeitet dort als freier Journalist, er hat Journalistik studiert. Als Ukrainer darf er nicht ausreisen. Das Militär kann ihn einziehen und an die Front schicken. “Ich habe Angst”, sagt er, als er darauf angesprochen wird. “Ich kann auch kaum etwas im militärischen Bereich.” Trotzdem: “Wenn ich dran bin, renne ich auch nicht weg.” Ob er auf die Krim zurückkehren will, wo er geboren ist? “Ich will definitiv meine Eltern wiedersehen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe”, sagt Trubetskoy. Sie leben noch auf der Krim. “Und ich würde gerne einfach mal ein Bier in Sewastopol trinken.” Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, 24.02.2023 um 18 Uhr. Moderation, Redaktion: Johannes Korsche Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ZDF, AFP und DW News.
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Feb 24, 2023 • 14min

Wie der Krieg in der Ukraine die Weltpolitik verändert hat

Am 24. Februar 2022 haben russische Truppen die Ukraine angegriffen und damit den größten Landkrieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Nicht nur für Deutschland und Europa war das eine Zeitenwende. “Ich wusste bereits am Vortag, dass der Krieg beginnen wird. Trotzdem waren wir alle geschockt,” sagt Stefan Kornelius, Ressortleiter Politik bei der SZ. Viele hätten erwartet, dass es ganz schnell gehen würde – auch der russische Präsident Putin. Dass es ganz anders gekommen ist, zeigt laut Kornelius, dass “wir alle sehr vorsichtig sein müssen mit Prognosen. Überraschungen gibt es in diesem Krieg immer.” Die große Aufgabe sei es jetzt, die Weltordnung für die Zeit nach dem Krieg vorauszudenken. Deshalb sei es wichtig, dass möglichst viele Länder die russische Aggression verurteilen: “Wir leben in einer Welt, die sich entscheiden muss, ob sie sich an Rechtsprinzipien hält, ob sie sich an das Völkerrecht hält, ob sie sich an die UN-Charta hält – oder eben nicht.” Dabei gehe es um mehr als um Russland und die Ukraine, nämlich auch um “zwei Systeme, die gegeneinander stehen” – Demokratie und Autokratie. Weitere Nachrichten: Steinmeier verspricht Ukraine weitere Unterstützung, BIP sinkt um 0,4 Prozent. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Nadja Schlüter Produktion: Julia Ongyerth Zusätzliches Audiomaterial über Deutscher Bundestag, AFP, ARD, telegraph.
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Feb 23, 2023 • 13min

Berichten aus der Ukraine: Ein Jahr Reporter im Krieg

Am 24. Februar 2022 jährt sich der russische Angriff auf die Ukraine. Der Tag, den Kanzler Olaf Scholz "Zeitenwende" genannt hat - und der so ziemlich alle Gewissheiten auf den Kopf gestellt hat. Anlass für uns, mit SZ-Osteuropa-Korrespondent Florian Hassel zu reden, wie es ist, seit einem Jahr immer wieder aus dem Kriegsgebiet zu berichten. "Wenn es die Flugalarme nicht geben würde, dann würde man hier denken, es sei wie vor dem Angriff", sagt Hassel am Telefon in Kiew. Mit Blick auf andere Berichterstatter aus dem Gebiet kommt er zu Einschätzung: "Wir können uns mit der BBC oder großen US-TV-Networks nicht vergleichen." Die hätten eine richtige Infrastruktur aufgebaut. An die reiche die SZ "nicht im entferntesten” heran, "weil wir uns das schlicht und ergreifend nicht leisten können". Diese Berichterstattung koste Millionen Euro, sagt Hassel. Florian Hassel hat bereits für die Frankfurter Rundschau aus dem Tschetschenienkrieg (1999 bis 2009) berichtet. Damals aber sei das Kriegsgebiet im Kaukasus sehr begrenzt gewesen - und "da ging es oft um Häuserkampf". Im aktuellen Krieg in der Ukraine "aber geht es um den Kampf an der Front" und "um den Versuch der Unterjochung der Ukraine durch die Zerstörung ihrer Infrastruktur". Aber im Vergleich zu seiner Zeit als Russland-Korrespondent der FR sei die Arbeit in der Ukraine "ungleich freier". Das Problem sei "nicht an Menschen ranzukommen", sondern an Militärs oder militärische Objekte, das sei "sehr viel schwerer". Deutsche Aufrufe zum Frieden wie den aktuellen von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht seien "abseits der Realität", sagt Hassel. Friedensverhandlungen seien schön, "wenn es auf beiden Seiten Menschen gibt, die verhandeln wollen". Das aber sei bei Putin "ganz eindeutig nicht der Fall, wahrscheinlich auch nicht auf lange Zeit hinaus". Die jüngste Reportage von Florian Hassel aus der Ukraine finden Sie hier. Die Recherche zur PFAS-Chemikalien hier. Den Podcast mit dem Arzt Peter Kaup im Erdbebengebiet von der Hilfsorganisation I.S.A.R. hier. Weitere Nachrichten: Ewige Chemikalien PFAS weit verbreitet, Israel reagiert mit Raketen auf Angriff aus Gaza Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Johannes Korsche Produktion: Julia Ongyerth Zusätzliches Audiomaterial über Welt
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Feb 22, 2023 • 12min

Putins Krieg gegen den "kollektiven Westen"

In seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag hat Russlands Präsident Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine gerechtfertigt. Putin behauptet, dass Russland gegen einen "kollektiven Westen" kämpft, sagt SZ-Russland-Korrespondentin Silke Bigalke. "Dieser Westen greife", laut Putin, "Russland auf allen Ebenen an, also militärisch, wirtschaftlich, ideologisch." Bigalke: "Und das nennt er dann eben Krieg." Putin versetzte Russland zudem in eine Opferrolle. "Der Krieg ist inzwischen normal geworden." Doch vielen russischen Soldaten sei nach wie vor völlig unklar, wofür sie sterben. "Vielleicht ist es den meisten russischen Soldaten auch nicht so wichtig, weil sie nicht für ein Projekt oder aus Patriotismus in diesen Krieg ziehen, sondern aus Verzweiflung oder weil sie keine andere Option haben." Sie ziehen in diesen Krieg, "vor allen Dingen mit dem Ziel zu überleben". Putin habe auch am Dienstag abermals "sehr viele fabrizierte Rechtfertigungen für seinen Krieg" genannt. Aber auf die Frage, was er damit erreichen will, womit er sich zufrieden gibt und Krieg aufhört? "Das kann niemand sagen." Und das werde "zunehmend zum Problem für Putin, weil es die Elite und die Menschen, auf die er sich ja auch stützt, verunsichert". Als er den Satz "es geht um die staatliche Existenz Russlands" verwendet habe, spielte Putin wieder auf das russische Atomwaffenarsenal an. Mit dieser Angst spiele er "und hofft, dass er dadurch westliche Entscheidungen beeinflussen und womöglich lähmen kann." Das Problem: "Wenn wir wüssten, wie ernst er diese Drohung meint, dann würde sie nicht mehr funktionieren", sagt Bigalke. Weitere Nachrichten: Scholz verurteilt Todesurteil gegen Deutsch-Iraner, Karlsruhe rügt Stiftungsförderung, Inflationsrate steigt wieder auf 8,7 Prozent Den Artikel über den Politischen Aschermittwoch finden Sie hier. Korrektur: In der Sprechfassung wird einmal "im Vergleich zum Vormonat" gesagt, tatsächlich ist es aber der Vorjahresmonat. Die korrekte Meldung lautet wie folgt: Im Dezember ist die Inflation in DE noch gesunken. Anfang dieses Jahres hat sie aber wieder zugenommen. Die Verbraucherpreise stiegen im Januar laut Statistischem Bundesamt gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,7 Prozent. Im Dezember hatten staatliche Maßnahmen den Anstieg auf 8,1 Prozent gedämpft. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über Guardian News, Reuters, BR, DPA
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Feb 21, 2023 • 13min

Bidens Besuch in Osteuropa: “Die Bedeutung kann man eigentlich kaum überschätzen.”

In ein paar Tagen ist der traurige Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine, am 24. Februar. Und je näher dieser Tag rückt, desto wichtiger sind den Kriegsparteien und ihren Verbündeten auch symbolische Signale an die Welt. US-Präsident Biden hat am Montag überraschend Kiew besucht, und dort nochmal die fortwährende Unterstützung der Amerikaner zugesichert. Am Dienstag hat Putin eine Rede an die Nation gehalten. Und verkündet, den “New Start”-Abrüstungsvertrag auszusetzen. Matthias Kolb, SZ-Sicherheitsexperte, ordnet das Geschehen vor dem Jahrestag ein. Putin “hat geschimpft, hat geprahlt und er hat - muss man, glaube ich, auch sagen: Fakten verdreht”, sagt Kolb zu Putins Rede, in der der russische Präsident wieder die Schuld für den Krieg, dem Westen gegeben hat. Das Aussetzen des New Start-Vertrags, der Stück für Stück die nukleare Abrüstung von Russland und den USA vereinbart, nennt er “sehr besorgniserregend”. Putin mache das “sehr bewusst, einfach um Debatten bei uns auszulösen”. Zu Bidens Besuch in Kiew sagt er: “Die Bedeutung des Besuches kann man eigentlich kaum überschätzen.” Biden unterstreiche damit auch, dass eines für die USA nicht verhandelbar sei: “Die Unabhängigkeit, territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine.” Und es sei auch ein Zeichen an Osteuropa: “Da sagen nämlich ganz viele, so quasi die größte Abschreckung gegen Russland ist eigentlich die Stars-and-Stripes-Flagge.” Hier geht es zur Analyse des geleakten Dokuments aus dem Kremlund zu den Details, wie Russland sich Belarus einverleiben will, geht es hier entlang. Die Auf den Punkt-Folge vom Montag hören Sie hier. Weitere Nachrichten: Russland will wohl auch Belarus eingliedern, Baerbock und Faeser ins Erdbebengebiet gereist Moderation, Redaktion: Johannes Korsche Redaktion: Nadja Schlüter, Antonia Franz Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über Deutsche Welle, Telegraph und Guardian.
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Feb 20, 2023 • 13min

Warum China kein Vermittler im Ukraine-Krieg sein kann

Chinas Top-Diplomat Wang Yi hat am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine chinesische Friedensinitiative für die Ukraine angekündigt. Er sagte, China werde etwas vorlegen. Und zwar die “chinesische Position zur politischen Beilegung der Ukraine-Krise”. China will also eine Art Friedensplan präsentieren, wahrscheinlich zum Jahrestag des Kriegsbeginns am Freitag. “Dass sie so etwas Konkretes ankündigen, das hat mich schon überrascht,” sagt Lea Sahay, SZ-Korrespondentin in Peking. “Das bedeutet, dass China jetzt etwas liefern muss – darauf kann man nur gespannt sein.” Die chinesische Führung inszeniere sich gerne als Friedensbotschafter – tatsächlich habe sie den russischen Angriffskrieg aber bislang nicht eindeutig verurteilt. Vom Friedensplan erwartet Sahay, dass er nicht mit Kiew abgestimmt sein werde – sondern “Pekings Vorstellung, wie es laufen könnte”. China und Russland einige der gemeinsame Feind USA. Dass China Russland allerdings tatsächlich auch mit Waffenlieferungen unterstützen könnte, hält Sahay für unwahrscheinlich. Denn dadurch würde China endgültig seine Beziehungen zu Europa gefährden. Und: “China braucht Europa dringender als Russland.” Weitere Nachrichten: Biden in Kiew, Pistorius besucht Panzer-Ausbildung. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz Produktion: Imanuel Pedersen. Zusätzliches Audiomaterial über LCI, CBS, YouTube.
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Feb 18, 2023 • 25min

Am Wochenende: Migration in die EU: „Eine historische Ausnahmesituation“

In Deutschland haben im vergangenen Jahr fast 220 000 Menschen Asyl beantragt, das sind so viele wie seit 2016 nicht mehr. Außerdem haben mehr als eine Million Ukrainer und Ukrainerinnen hier Schutz gesucht. Auch im Rest von Europa kommen gerade besonders viele Menschen an. Der Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus spricht deshalb von einer "historischen Ausnahmesituation". "Wenn der Krieg in der Ukraine ungünstig verläuft, dann kann es sehr leicht sein, dass noch einmal Hunderttausende oder sogar mehr auch in diesem Jahr wieder nach Deutschland kommen." Man brauche darum jetzt konkrete Lösungen. Für die Menschen aus der Ukraine schlägt Knaus eine Förderung der privaten Unterbringung vor allem in Deutschland und Frankreich vor. Die Bereitschaft dazu sei da: "Eine Umfrage Ende letzten Jahres hat gezeigt, dass 20 Prozent der deutschen Haushalte sich vorstellen können, privat jemanden aufzunehmen." Wer das mache, so Knaus, solle als Unterstützung 500 Euro im Monat steuerfrei vom Staat bekommen. Die Zahl der Menschen aus anderen Ländern, die 2022 in die EU eingewandert sind, sei hingegen gar nicht ungewöhnlich hoch, sagt Knaus. Dass trotzdem so viele einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, liege daran, dass sie aus anderen EU-Staaten weitergewandert seien: "Das Recht auf menschenwürdige Behandlung in anderen EU-Ländern funktioniert nicht mehr", sagt Knaus, etwa in Griechenland oder Ungarn. Er plädiert dafür, dass im gesamten Asylverfahren die Rechte eingehalten werden – auch schon an den Außengrenzen, wo es weiterhin immer wieder zu illegalen Pushbacks komme. Hier geht es zum Text über die Erstaufnahmeeinrichtung für Menschen aus der Ukraine im Dorf Frommenhausen. Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, 17.02.2023 um 18 Uhr. Weitere Nachrichten: Aktuelle Lage im Erdbebengebiet, abgeschossene Flugobjekte waren keine Spionageballons, Rücktritt der schottischen Regierungschefin, Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über ZDF, dpa, Guardian News, Independent und Welt
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Feb 17, 2023 • 12min

Sicherheitskonferenz: Sprechen über Russland ohne Russland

Etwa 40 Staats- und Regierungschefs und 1000 Journalisten nehmen am Wochenende in München an der Sicherheitskonferenz teil. Neben Bundeskanzler Olaf Scholz und der amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris ist auch der französische Präsident Emmanuel Macron vor Ort. Wolodimir Selenskij wird aus der Ukraine zugeschaltet. Und auch Vertreter aus China und dem globalen Süden werden auf der Sicherheitskonferenz erwartet. Die russische Regierung ist in diesem Jahr nicht mehr eingeladen. Sie soll die Veranstaltung nicht für ihre Propaganda nutzen können. Was die Sicherheitskonferenz in diesen Zeiten leisten kann, darüber spricht im Podcast SZ-Politikexperte Paul-Anton Krüger. Er sagt, die Konferenz wird “dieses Mal in stärkerem Maße als bisher eine Selbstvergewisserung des Westens sein”. Aber auch die Beteiligung von Ländern aus dem globalen Süden hält er für sehr wichtig: “Wir können nicht Solidarität von Ländern einfordern, die weit weg sind vom Ukrainekonflikt, ohne, dass wir bereit sind, auch auf deren Probleme einzugehen. Und das ist, glaube ich, ein Gespräch, das hier relativ stark stattfinden wird.” Hier finden Sie die exklusive SZ-Recherche zu den Wochen zwischen Scholz’ Amtsantritt und dem Kriegsbeginn. Den Link zu unserer Umfrage finden Sie hier. Den Podcast "Verzockt - Das System Sportwetten" können Sie hier hören. Weitere Nachrichten: Streiks an Flughäfen, SZ-Recherche zu Wochen vor Kriegsbeginn. Moderation, Redaktion: Antonia Franz Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über die Bundesregierung.

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