Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Sep 16, 2022 • 13min

Oktoberfest: Kollateralschäden des Bierkonsums

Es geht wieder los: Nach zwei Jahren Pandemie-Pause startet am Samstag in München das Oktoberfest. Und bei der Wiesn – wie man das größte Volksfest der Welt in Bayern nennt – geht es vor allem: ums Bier. Beim letzten Mal, 2019, wurden auf der Wiesn 7,3 Millionen Maß Bier getrunken. Alkohol gilt hierzulande immer noch eher als Kulturgut denn als gefährliche Droge. Dabei gibt es laut jüngstem Drogenbericht der Bundesregierung in Deutschland rund 1,8 Millionen Alkoholabhängige. Etwa 74 000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Alkoholkonsums, auch, weil viele Verkehrsunfälle durch Trunkenheit am Steuer verursacht werden. Jeder und jede Deutsche trinkt durchschnittlich mehr als zehn Liter reinen Alkohol pro Jahr. Während sich in diesem Jahr die meisten Wiesn-Besucher und -Besucherinnen vor allem Sorgen wegen Corona im Bierzelt machen, haben wir uns gefragt: Was bedeutet es eigentlich, wenn sich Tausende mit Ansage betrinken? Wie viel Alkohol ist in Ordnung – und ab wann wird es gefährlich? Der Münchner Toxikologe und Arzt Florian Eyer von der TU München bestätigt, dass während der Wiesn in den Münchner Kliniken vermehrt Menschen mit akuten Alkoholvergiftungen eingeliefert werden. Einen einmaligen Rausch stecke der Körper zwar relativ gut weg. Gefährlich sei er aber trotzdem: "Die Koordination ist stark eingeschränkt, Sie können stürzen oder einen Unfall haben. Und Menschen, die durch Alkohol aggressiv werden, sind gefährdet, in Schlägereien zu geraten oder andere Straftaten zu begehen." Generell werde die Gefahr von Alkohol unterschätzt, so Eyer, denn er sei "letztendlich ein Gift". "Der Alkoholkonsum trägt immens zur Krankheitslast und zu gesellschaftspolitischen Problemen bei. Wir haben viele Patienten, die Alkoholmissbrauch betreiben, und damit nicht nur ihren Körper schädigen, sondern auch ihr soziales Umfeld." Er selbst, sagt Eyer, trinke auf der Wiesn maximal zwei Maß – und empfiehlt, dazu immer ausreichend Wasser zu trinken. Link zum Text über die Infektionsgefahr auf dem Oktoberfest finden Sie hier. Alles weitere zu Wiesn hier. Weitere Nachrichten: Massengrab in der Ukraine entdeckt, Rosneft Deutschland unter Treuhandverwaltung. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial aus Bierzelten
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Sep 15, 2022 • 10min

Stadtwerke: Womit Strom- und Gaskunden rechnen müssen

Angesichts extrem gestiegener Energiepreise machen sich viele Menschen Sorgen, wie teuer Strom und Gas für sie wird. Und ob sie die Rechnungen der Stromversorger künftig noch bezahlen können. Denn für auch für sie hat sich der Einkauf stark verteuert. Große Gasimporteure wie Uniper oder die Leipziger VNG müssen bereits mit staatlichen Milliarden gestützt werden. Kurzfristig seien noch keine hohen Rechnungen zu erwarten, sagt Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München. Aber wie auch Verbraucherschützer bereits warnten, müssten Privathaushalte in naher Zukunft "etwa mit einer Verdreifachung der Energiepreise rechnen". "Diese Prognose ist leider nach wie vor sehr plausibel", bekräftigt Bieberbach. Speziell in München gebe es einen Unterstützungsfonds in Höhe von derzeit 20 Millionen Euro für Haushalte, die "wirklich in wirtschaftlicher Not" seien. Ergänzend dazu gebe es "diverse Maßnahmen seitens des Bundes, die auch noch aufgestockt werden sollen". "Die Leute machen sich Sorgen, ob noch Gas ist, ob noch Strom kommt. Aber sie sind nicht wütend. Sie verstehen gut, woher die hohen Preise kommen und möchten insbesondere wissen, wie sie vorsorgen können durch Anpassung der Abschläge, durch Energieeinsparung oder ähnliches, ergänzt Bieberbach. Auch er könne nicht ausschließen, dass "Stadtwerke in Deutschland insolvent gehen". Die Stadtwerke München aber seien "momentan noch finanziell stabil". Weitere Nachrichten: Weitere Waffen für die Ukraine, Regierungswechsel in Schweden. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über DLF
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Sep 14, 2022 • 12min

Bergkarabach: Krieg in Russlands Hinterhof

Seit Montag schießen Soldaten der Ex-Sowjetrepubliken und Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan wieder aufeinander. Abermals geht es um Bergkarabach, eine Gebirgsregion im Südkaukasus. Nach dem Zerfall der UdSSR vor 30 Jahren war das Gebiet an das muslimische Aserbaidschan gefallen. In Bergkarabach aber wohnen überwiegend Armenier, deshalb erhebt das christlich geprägte Armenien ebenfalls Anspruch auf das Gebiet. Vor zwei Jahren gab es den letzten Krieg, jetzt melden beide Seiten abermals Dutzende tote Soldaten. Der Krieg im Herbst 2020 habe das Problem nicht endgültig gelöst, sagt Istanbul-Korrespondent Tomas Avenarius. Aus Aserbaidschans Sicht sei nur ein Teil von Bergkarabach zurückerobert worden. An einer Ausweitung des Konflikts in einen Krieg können deshalb im Moment nur Baku und seine Garantiemacht Türkei haben. Russland, die Schutzmacht Eriwans, aber habe in der Ukraine so große Probleme, "dass es sich dem Kaukasus kaum widmen kann". Viele ehemaligen Sowjet-Republiken hätten sich immer weiter von Moskau entfernt, sagt Avenarius weiter. Ankara betrachte den Südkaukasus als sein Einflussgebiet, während Moskau den gesamten Kaukasus als russischen Hinterhof sehe. Aserbaidschan sei eine "Rohstoff-Großmacht" und im Gegensatz zu Armenien ein sehr wohlhabendes Land. "Aserbaidschan ist ein wichtiger Exporteur und ein wichtiges Pipeline-Land. Wichtig nicht nur für Russland, sondern auch für die Türkei." Es sei "eine hochexplosive Region" mit brutalen Konflikten. Das würde sich auch weiter östlich in Zentralasien an den aktuellen Schusswechseln an der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgisistan zeigen. Dort habe sich der "afghanische Bürgerkrieg" in Teilen auf Nachbarländer ausgedehnt. "Diese ganze Region ist komplett instabil, besonders seit sich der Westen zurückgezogen hat." Auch dort könne Moskau wegen des Ukraine-Kriegs "seinen Aufgaben als Stabilitätsfaktor nicht mehr nachkommen". Avenarius fügt hinzu: "Der abgegriffene Begriff vom Pulverfass, der passt leider." Unseren älteren Podcast über den historischen Konflikt finden Sie hier. Weitere Nachrichten: Von der Leyens will EU-Bürger mit Übergewinnen entlasten, Kabinett beschließt Bürgergeld. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Immanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über die EU-Kommission
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Sep 13, 2022 • 12min

Neues Schuljahr: Wenige Lehrer, viele Probleme

Lehrerinnen und Lehrer in ganz Deutschland sind frustriert. Zu wenig Lehrkräfte, zu viel Arbeit und Verwaltungsaufgaben und keine Aussicht auf Besserung, auch nicht nach zwei Jahren Corona-Notbetrieb. In Bayern sind die Grund-, Mittel- und Förderschulen die, an denen besonders viele Lehrkräfte fehlen sollen. Das zumindest will der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband erhoben haben. Das Kulturministerium sagt, die Unterrichtsversorgung sei gesichert. Wer hat recht und wie könnte man das Problem lösen? Darüber spricht in dieser Folge Paul Munzinger, SZ-Bildungsexperte. Weitere Nachrichten: Strompreisbremse für Unternehmen, Urteil Tankstellenmord Unseren China-Podcast "The great Firewall" finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried Produktion: Jakob Arnu _Zusätzliches Audiomaterial über _ BR, Bayerisches Kultusministerium
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Sep 12, 2022 • 12min

Deutsche Kampfpanzer für die Ukraine?

Am Wochenende hat die russische Armee zumindest eine schwere taktische Niederlage in der Ukraine erleben müssen. Nach eigenen Angaben hat die ukrainische Armee seit Anfang September mehr als 3000 Quadratkilometer zurückerobert. Durch den Erfolg der ukrainischen Armee lebt die Debatte um die deutschen Waffenlieferungen wieder auf. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij fordert weiter eine stärkere Bewaffnung, dann "könnten wir auch die Befreiung schneller vorantreiben". Insgesamt aber wächst die Skepsis in der deutschen Bevölkerung. Es geht dabei vor allem um die Lieferungen der Kampfpanzer Leopard 1 und 2 sowie um Marder-Schützenpanzer, sagt SZ-Sicherheitsexperte Paul-Anton Krüger aus dem Berliner Parlamentsbüro. Der russische Präsident Wladimir Putin habe dafür gesorgt, dass kaum noch Gas nach Deutschland kommt. Eine weitere große Befürchtung sei der möglicher Einsatz taktischer Nuklearwaffen. Er aber glaube, sagt Krüger, dieses immer wieder beschworene Risiko, sei "genau die Taktik, mit der Putin psychologisch" arbeite. "Der militärische Nutzen eines solchen Schlages wäre gering. Das wissen seine Leute auch und er würde natürlich Russland dauerhaft zu einer Paria machen." Er wisse dann nicht, wie Russland jemals "in irgendeiner Form in das internationale System zurückkehren könnte". Weitere Nachrichten: Deutschland steht vor einer Rezession, geologische Gründe für Schweizer Atommüll-Endlager. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Nadja Schlüter Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Reuters
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Sep 9, 2022 • 13min

Die Queen ist tot, wie lange überlebt die Monarchie?

Seit Donnerstagabend läuft das Leben der Queen weltweit in den Medien rauf und runter. So lange wie niemand vor ihr hat sie ihrem Land gedient. Man sieht die Queen in jedem Alter, ihre Krönung, wie sie wichtige Menschen aus aller Welt trifft. Darunter natürlich auch die allein 15 britischen Premierminister, die sie erlebt hat, angefangen von Winston Churchill über Margaret Thatcher bis zu Liz Truss, die die Queen nur zwei Tage vor ihrem Tod noch ernannt hat. Die Queen mit ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln. Auch mal beim Jagen und mit ihren Hunden – und vor allem natürlich beim Repräsentieren vor ihrem Volk. 70 Jahre hat die Queen ihre Nation zusammengehalten. Mal besser, mal schlechter. Was bedeutet der Wechsel auf dem Thron für das Vereinigte Königreich? Das erklärt in dieser Folge Stefan Kornelius, Leiter des SZ-Politikressorts. Weitere Nachrichten: Staatshilfe für VNG, NDR-Frau Rossbach lässt Tätigkeit ruhen Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Nadja Schlüter _Zusätzliches Audiomaterial über _ BBC
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Sep 8, 2022 • 12min

Atomkraft gegen Blackout: Helfen die AKW im Winter?

Je näher der Winter rückt, desto erbitterter wird der Streit darüber, wie man das Land ohne weitere Gaslieferungen aus Russland über die kalten Monate bringen soll. Vor allem, wenn dann auch noch der Strom knapp werden könnte. Besonders ungünstig: Das alles fällt jetzt auch noch mit dem letzten Stück des Atomausstiegs zusammen. Eigentlich sollen Ende des Jahres die letzten drei Meiler den Betrieb einstellen. Um einen Blackout selbst dann zu verhindern, wenn der Strom besonders knapp würde, hat Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck deshalb vorgeschlagen, zwei der drei AKW erstmal nur in eine sogenannte Kaltreserve versetzen zu lassen: das bayerische Isar 2 und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Technisch bedeutet das, dass diese beiden AKW keinen Strom mehr erzeugen, aber in einem Zustand gehalten werden, in dem sie innerhalb von einer Woche wieder ans Netz gehen könnten. Die Union will stattdessen den Ausstieg lieber nochmal ganz vertagen. Welche Idee ist die bessere? Und wie wahrscheinlich brauchen wir überhaupt eine Backup-Lösung? Darüber spricht Atomkraft-Experte Michael Bauchmüller aus dem Berliner Parlamentsbüro. Weitere Nachrichten: Leitzinserhöhung, kranke Queen Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Nadja Schlüter Produktion: Jakob Arnu _Zusätzliches Audiomaterial über _ Bundestag
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Sep 7, 2022 • 11min

Das Dilemma steigender Staatsverschuldung

In der Generaldebatte nach der Sommerpause des Bundestags haben sich Kanzler Olaf Scholz und Oppositionschef Friedrich Merz verbal scharf angegriffen. Hauptthema sind diese Woche die Etats der Ministerien mit Ausgaben in Höhe von 445,2 Milliarden Euro. Das ist deutlich weniger als in den vergangenen Jahren während der Corona-Pandemie. 2020 nahm der Staat rund 130 Milliarden Euro neue Kredite auf. 2021 waren es 215,4 Milliarden Euro und fast 139 Milliarden Euro neue Schulden in diesem Jahr. Finanziert werde das über Kredite, sagt Claus Hulverscheidt, Volkswirt und SZ-Korrespondent in Berlin. Eine erhöhte Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer oder Spitzensteuersatz schließe Finanzminister Christian Lindner kategorisch aus. "Die Absage an jede Form von Steuererhöhung gehört zum Markenzeichen der Liberalen." Insofern habe sich der FDP-Chef da "ein bisschen selbst eingemauert". Um die Debatte, ob man Vermögen insgesamt nicht höher besteuern muss, werden man sich aber absehbar nicht drücken können. Vor Beginn der Pandemie habe der Bund auch seine Schuldenquote über viele Jahre kontinuierlich gesenkt. "Das vielzitierte Narrativ, dass Politiker gar nicht anders können, als die Schulden immer weiter zu erhöhen, das stimmt so nicht", sagt Hulverscheidt. Angesichts von Corona, dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise hätten Lindner und Olaf Scholz, sein Vorgänger im Finanzministerium, handeln müssen. Und zwar indem der Staat "das glatte Gegenteil dessen tut, was eine Privatperson tun würde": Wer als Privatmensch in Schwierigkeiten gerät, muss entweder seine Einnahmen erhöhen oder die Ausgaben senken. Der Staat aber verzeichne geringere Steuereinnahmen und müsse zugleich die Ausgaben erhöhen. Aber nur so könne die sinkende Kaufkraft der Bürger und der Unternehmen ausgeglichen - und die Wirtschaft am Laufen gehalten werden. Tatsächlich sei der Schuldenberg inzwischen so hoch, dass ihn kaum die kommenden drei Generationen abtragen könnten. Doch die Alternative sei verheerend: Würde der Staat jetzt keine Hilfspakete schnüren, keine Hunderte von Milliarden in die Hand nehmen, dann bekämen wir "eine massive Rezession mit Millionen an zusätzlichen Arbeitslosen und Steuerausfällen in zwei oder gar dreistelliger Milliardenhöhe". Somit wären die Kosten für künftige Generationen noch viel höher. "Das ist also ein Dilemma, aus dem man im Moment einfach nicht rauskommt", sagt Hulverscheidt. Weitere Nachrichten: Brisantes Material in Trumps Villa, Premierministerin Truss tauscht Kabinett aus. Unseren Podcast “The Great Firewall” über Tiktok finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix
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Sep 6, 2022 • 12min

Großbritannien: Was will Liz Truss?

Fast zwei Monate nach seiner Rücktrittsankündigung erhält Boris Johnson seine Entlassungspapiere von der Queen. Zuvor äußerte er sich noch vielsagend über ein mögliches Comeback. Elizabeth II. hat dann Liz Truss, 47, zur neuen Regierungschefin ernannt. Unter May war sie Justizministerin und unter Johnson erst Ministerin für internationalen Handel und dann Außenministerin. Truss übernehme die Führung des Landes in einer großen Krise, sagt SZ-London-Korrespondent Michael Neudecker. "Bisher aber hat sie relativ wenig Anhaltspunkte geliefert, dass man sie für übermäßig kompetent halten müsste." Er sei da "sehr skeptisch". So habe Truss weder als Außenministerin noch zuvor Dinge auf den Weg gebracht, die annehmen lassen würden, dass sie die Richtige sei, das Land aus der Krise zu führen. Truss vergleiche sich gern mit ihrem Vorbild Margaret Thatcher, doch ob die Tory-Ikone der 80er Jahre noch Antworten auf Fragen von heute liefere? Mit Boris Johnson sei sie freundschaftlich verbunden. Allerdings biete auch dieses angeblich so gute Verhältnis Widersprüche. Denn andererseits tue sie so, "als würde sie gerne alles anders machen, als wäre alles, was bisher passiert ist, schlecht". Es bleibe die große Frage, ob die erklärte Konservative ideologisch oder pragmatisch reagieren werde. Im parteiinternen Wahlkampf um den Vorsitz der Tories habe sie dazu "wenig Konkretes" gesagt. "Sie hat lediglich gesagt, dass sie die Steuern senken will." Ansonsten seien da nur viele Phrasen und Floskeln zu hören gewesen. Weitere Nachrichten: Porsche geht an die Börse, Streik bei Lufthansa abgewendet. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen Produktion: Joschka Moravek Zusätzliches Audiomaterial über ABC News, The Telegraph
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Sep 5, 2022 • 12min

Trotz Entlastungspaket: "Für viele wird es ein schwieriger Winter"

22 Stunden hat der Koalitionsausschuss aus den Spitzen von SPD, Grünen und FDP am Wochenende um ein drittes Entlastungspaket gerungen. Dann war klar: Um 65 Milliarden Euro sollen die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen wegen der gestiegenen Preise, vor allem im Energiesektor, entlastet werden. Dazu gehören Strompreisdeckel, 300 Euro Energiepreispauschale für Rentner, 200 Euro für Studierende, weniger Sozialversicherungsbeiträge für kleine Einkommen, Erhöhung des Arbeitnehmerpauschalbetrags, höheres Kindergeld, mehr Wohngeld, mehr Mieterschutz, Abschaffung der Kalten Progression. Zudem soll Anfang kommenden Jahres ein Bürgergeld von 500 Euro pro Monat Hartz IV ablösen. Tatsächlich sei es ein "wuchtiges" Entlastungspaket, sagt SZ-Parlaments-Korrespondentin Constanze von Bullion. "Mit 65 Milliarden ist das dritte entlastende Paket doppelt so groß wie die anderen beiden vorherigen zusammen." Es sei erkennbar, dass sich die Bundesregierung große Mühe gegeben habe, dass Privathaushalten nicht wegen der hohen Energiepreise in Schwierigkeiten kommen. Allerdings herrsche in Teilen auch hier wieder das Gießkannen-Prinzip, "weil es nicht gezielt die Leute in den Blick nimmt, die wenig Geld haben". So werde für alle bei den Strompreisen ein Grundbedarf beim Stromverbrauch vergünstigt. Aber künftig würden etwa sehr viel mehr Menschen mit keinem oder wenig Einkommen Wohngeld bekommen. Zudem werde mit dem Bürgergeld eine Grundsicherung für die Menschen eingeführt, die am wenigsten Geld haben. Es bleibe abzuwarten, ob diese Entlastung tatsächlich auch bei denen ankommen werde, die es dringend benötigen würden. Trotz aller Maßnahmen, sagt Bullion, könnte wohl für Leute mit geringem Einkommen "ein sehr schwieriger Winter bevorstehen". Eines der "großen Geheimnisse" bleibe auch die Finanzierung des Pakets. Grundsätzlich wolle die Bundesregierung aber dafür sorgen, "dass Energieunternehmen, die im Moment sehr viel Geld verdienen, von diesem Gewinn etwas abgeben". Der Klimaschutz, sagt Bullion, sei trotz vergünstigter Bahnfahrten und Investitionen ins Schienennetz "etwas zu kurz gekommen". Weitere Nachrichten: Liz Truss wird Nachfolgerin von Boris Johnson, Olympia-Attentat 1972: Steinmeier bittet um Vergebung. Den Link zu unserem Podcast über das Olympia-Attentat finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Julia Ongyerth _Zusätzliches Audiomaterial über Bundespressekonferenz, BR _

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