

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
Episodes
Mentioned books

Aug 3, 2024 • 2min
Erster Weltkrieg: Ein Soldat nimmt Abschied von seiner Familie | 3.8.1914
Der Soldat heißt Alfons Baffrey, er kommt aus Wien. Er muss gleich in der ersten Kriegswoche in den Landsturm einrücken und hinterlässt seinen Angehörigen einen Abschiedsgruß auf einer Wachswalze. Diese ist stark beschädigt, die Aufnahme daher schwer verständlich. Er richtet sich an seine "lieben Kinder" und sein "liebes Weiberl". Er bittet seine Frau, auf Gott zu vertrauen und auf ihre Gesundheit zu achten. Alles andere "wird dann recht werden".
Abschiedsgrüße auf der Edison-Walze
Die Aufnahme wurde auf einer "Edison-Walze", einer Wachswalze (Wachszylinder) aufgezeichnet. Phonographen, die Walzen aufnehmen und abspielen konnten, gab es auch in privaten, wohlhabenderen Haushalten.
Aufgenommen am 3.8.1914 in WienQuelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Aug 2, 2024 • 5min
Ansprache des Reichstagspräsidenten Kaempf zu Beginn des Krieges | 4.8.1914 / 22.1.1918
Reichspräsident Johannes Kaempf
1912 wählte der Reichstag Johannes Kaempf an der Spitze eines rein liberalen Präsidiums zum Reichstagspräsidenten.
Unter seiner Ägide wurde 1916 die Inschrift "Dem deutschen Volke" am Giebel des Reichstagsgebäudes angebracht. Kaempf war der bisher letzte liberale Präsident eines nationalen Parlaments in Deutschland.
Der linksliberale Politiker Johannes Kaempf sah in seiner Rede – wie viele andere deutsche Politiker auch – Deutschland unverschuldet in den Krieg ziehen.
Rede
"Meine Herren! Der Ernst der Lage, über den niemand unter uns sich mehr hat täuschen können, ist in seinem vollsten Umfange und in seiner ganzen Schwere in den Worten des Herrn Reichskanzlers zum Ausdruck gekommen. Wir befinden uns mächtigen Gegnern gegenüber, die uns von rechts und links bedrohen, die ohne Kriegserklärung über unsere Grenzen hereingebrochen sind und uns den Kampf zur Verteidigung unseres Vaterlandes aufgezwungen haben.
[...] Aus den Augen unserer Brüder und unserer Söhne blickt der alte deutsche Kampfesmut. Besonnen und in eiserner Tatkraft, aber gerade deswegen siegesfroh und siegesgewiss, sehen wir die Leitung unseres Heeres und unserer Marine an ihrer großen Arbeit. Alles aber, die Einmütigkeit der ganzen Nation, die Stärke des Volkes in Waffen, die Kaltblütigkeit der Heeres- und Marineleitung verbürgt uns den Sieg in dem Kampfe, den wir im Bewusstsein der Gerechtigkeit unserer Sache führen, für die Verteidigung der Ehre und der Größe unseres Vaterlandes."
Nachgesprochene Studioaufnahme
In der Zeit des Ersten Weltkriegs waren nur Studioaufnahmen, keine Liveaufnahmen möglich. Jedes Wort musste unmittelbar vor einem großen Trichter erzeugt und der richtige Abstand musste eingehalten werden. Ein regelmäßiger Rundfunkbetrieb in Deutschland fand erst ab dem 29. Oktober 1923 statt.
Aufnahmedatum: 22.1.1918 (nachgesprochen) Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Jul 31, 2024 • 7min
Anschnallpflicht wird eingeführt – Gurtmuffel zahlen 40 Mark | 1.8.1984
Weniger Verkehrstote, aber Gurtmuffel sind dennoch nicht überzeugt
Seit sich Autofahrer und -fahrerinnen anschnallen, ist die Zahl der Verkehrstoten deutlich zurückgegangen. Dieser Trend hatte schon in den 1970ern begonnen, als viele die Gurte freiwillig anlegten. Und mit der Einführung der Anschnallpflicht am 1. August 1984 gingen die Opferzahlen noch weiter zurück.
Wer von diesem Tag an unangeschnallt erwischt wurde, musste mit einem Bußgeld von 40 D-Mark rechnen. Trotzdem gab es am ersten Tag noch etliche Gurtmuffel.
Erste Bilanz nach drei Wochen
Drei Wochen nach der Einführung zog das Stuttgarter Innenministerium eine erste Bilanz. Fazit: Im Großen und Ganzen ist das Anschnallen akzeptiert, aber vor allem im innerstädtischen Verkehr hapert es noch hier und dort.

Jul 26, 2024 • 20min
Konrad Adenauer plant "Deutschland-Fernsehen" | 27.7.1959
Deutschlandfunk, Deutsche Welle und ein "Deutschland-Fernsehen"
Mit einem Gesetz will die Adenauer-Regierung die rechtlichen Voraussetzungen für drei länderübergreifende Rundfunkprogramme. Mit diesem Bundesgesetz setzte sich die Regierung über den Grundsatz hinweg, dass Kultur – und damit der Rundfunk – Ländersache ist.
Die Argumentation in Kurzfassung: Die Kulturhoheit sei zwar Ländersache, aber die Rundfunk-Verbreitung erfolge durch die Deutsche Bundespost – einer Bundesbehörde.
Regierungsfreundliches Deutschland-Fernsehen?
Insbesondere das geplante Deutschland-Fernsehen stößt auf Kritik. Adenauer will damit offenkundig ein Gegengewicht schaffen zur ARD – dass ihm deren Berichterstattung zu regierungskritisch ist, daraus machte er nie einen Hehl.
Konzept: Werbefinanzierte Privat-Produktionen
Das Deutschland-Fernsehen – umgangssprachlich auch Adenauer-Fernsehen genannt – sollte dem Bund unterstellt sein und keine eigenen Sendungen produzieren. Die Inhalte sollten vielmehr von privaten Gesellschaften erstellt werden, die sich aus Werbeeinnahmen finanzieren.
Am 27. Juli 1959 stellte der damalige Innenminister Gerhard Schröder – nicht zu verwechseln mit dem späteren Bundeskanzler – den Gesetzesentwurf vor.
Nach Verabschiedung des Gesetzes wird die Deutschland-Fernsehen GmbH gegründet, in der auch die Länder vertreten sein sollen. Doch das Bundesverfassungsgericht entscheidet 1961, dass dieses Konstrukt gegen das Grundgesetz verstößt – die Urteilsbegründung hören Sie hier.

Jul 20, 2024 • 5min
Nach Hitler-Attentat: "Warnkuckuck" warnt vor Luftangriffen | 21.7.1944
Einen Tag zuvor hatte die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht, Adolf Hitler umzubringen, doch der Führer überlebte. Darum geht es in der Nachrichtensendung, als ein Warnzeichen ertönt, der sogenannte Warnkuckuck. Ein Fliegerangriff steht in Stuttgart bevor. Der Sender wird deshalb abgeschaltet.
Zuvor sind, wie üblich gegen Kriegsende, die Luftlagemeldungen zu hören, hier im Reichssender Stuttgart. Nach den Lagemeldungen folgen die Nachrichten vom 21. Juli 1944.

Jul 16, 2024 • 11min
Angela Merkel kündigt Rückzug an | 29.10.2018
Nach mehreren für die Union verlustreichen Landtagswahlen kündigt Angela Merkel an, den CDU-Vorsitz niederzulegen und sich nach der nächsten Bundestagswahl aus der Politik zurückzuziehen.

Jul 16, 2024 • 5min
Ältestes Angela-Merkel-Interview im SWR Archiv: DDR-Regierungssprecherin unter Lothar de Maizière | 6.6.1990
Vor der Wiedervereinigung war Angela Merkel – zunächst stellvertretende – Regierungssprecherin unter dem DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière.
Das älteste Interview mit ihr im SWR Archiv stammt vom 6. Juni 1990. Darin äußert sie sich zu Presseberichten, wonach die DDR-Regierung angeblich noch kurz vor der Wiedervereinigung eine Verfassungsänderung plane.
Merkel weist das zurück und spricht lediglich von einem „Verfassungsgrundsätzegesetz“, das offenbar für Irritationen gesorgt habe. Das diene aber lediglich dazu, die Wiedervereinigung überhaupt erst möglich zu machen.

Jul 16, 2024 • 6min
Buxtehude führt als erste Stadt Tempo 30-Zone ein | 15.11.1983
Revolution im Verkehr
Was heute in vielen Orten selbstverständlich ist, war 1983 fast eine Revolution: Die Stadt Buxtehude führt in einem großflächigen Kernbereich Tempo 30 ein. Die Straßen in den Wohnbezirken werden durch Pflanzkübel schmaler gemacht und dadurch gleichzeitig begrünt.
Vorhaben stößt auf Abwehr – weckt aber auch Sympathie
Das Ganze ist noch ein wissenschaftliches Experiment. Der Gedanke, den Verkehr zu beruhigen, stößt damals auf einigen Widerstand. Stadtbaurat Otto Wicht, der die Maßnahme vorantreibt, macht sich um die Akzeptanz dennoch keine Sorgen, wie er im Gespräch mit dem Südwestfunk erzählt.

Jul 15, 2024 • 11min
Bundesregierung zieht von Bonn nach Berlin | Juli 1999
Umzug in der parlamentarischen Sommerpause
Solange Deutschland geteilt war, war Bonn die Hauptstadt der Bundesrepublik. Mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde es Berlin. Allerdings zunächst nur auf dem Papier. Es dauert noch bis 1999, bis Bundesregierung und Parlament tatsächlich nach Berlin umziehen. Dazu wird die parlamentarische Sommerpause genutzt. Denn es ist ja doch ein gewaltiger Umzug, der da zu stemmen ist.
38.000 Meter Bücher und Akten, 1.300 Computer
Endet damit die beschauliche Bonner und beginnt die Berliner Republik? Das weisen die Betroffenen in Regierung und Opposition in diesem Bericht vom 1. Juli 1999 weit von sich.
Am 4. Juli ist der Umzug bereits in vollem Gang. SWR3 schildert, was das praktisch bedeutet.

Jul 14, 2024 • 20min
Krebsforschung: Gerhard Domagk über Chemotherapie als neue Hoffnung | 14.7.1954
Welche Substanzen fördern Krebs? Welche verhindern ihn? Bei diesen Fragen stand man in den 1950er-Jahren ganz am Anfang.
Zigaretten könnten ein Hauptgrund für den drastischen Anstieg an Lungenkrebserkrankungen sein. Diese damals noch erstaunliche These vertritt der Bakteriologe Gerhard Domagk auf der Nobelpreisträgertagung in Lindau im Juli 1954. Vor allem spricht er darüber, wie sich Krebs möglicherweise mit Medikamenten – sprich mit Chemotherapie – bekämpfen lässt.
Chemotherapie – mit diesem Begriff wurden früher generell auch Antibiotikabehandlungen gegen Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose bezeichnet. Denn das Prinzip ist dasselbe: Medikamente werden eingesetzt, um unerwünschte Zellen zu bekämpfen.
Nobelpreis 1939: Hitler verbot die Annahme
Den Nobelpreis bekam Domagk 1939, weil er in den 1930er-Jahren Sulfonamide als Wirkstoffe gegen Infektionen entwickelte. Doch Adolf Hitler hatte verboten, dass deutsche Forscher den Nobelpreis annehmen. So konnte Domagk erst nach dem Krieg nach Stockholm fahren und ihn entgegennehmen. Zu diesem Zeit widmete er sich bereits dem Kampf gegen Krebs.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte


