Archivradio – Geschichte im Original

SWR
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Oct 2, 2024 • 56min

Die Gründung der DDR

Was wenige wissen: Bei ihrer Gründung stand die DDR noch zum Ziel einer deutschen Wiedervereinigung. Die Staatsgründung selbst wurde maßgeblich von Moskau orchestriert – bis auf den großen Fackelzug am 11. Oktober 1949, den selbst der Kreml befremdlich fand. Stefan Nölke im Gespräch mit dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk (MDR 2024) | Mehr zur Sendung: http://swr.li/gruendung-ddr | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen und https://ard.social/@Archivradio
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Oct 2, 2024 • 1h 32min

Großer Fackelzug zur Wahl von DDR-Präsident Wilhelm Pieck in Berlin | 11.10.1949

Wilhelm Pieck – erster und einziger Präsident der DDR In ihren Anfängen hatte die DDR einen offiziellen Präsidenten, das war Wilhelm Pieck (1876 - 1960). Ins Amt gewählt wurde er am 11. Oktober 1949, vier Tage nach der Staatsgründung. Zu diesem Anlass veranstaltete die Freie Deutsche Jugend (FDJ) einen großen Fackelzug. FDJ-Vorsitzender war der spätere Staatsratsvorsitzende Erich Honecker. Mehrere zehntausend FDJ-Mitglieder (die FDJ selbst sprach von 200.000, aber die Zahl ist nicht belegt) marschierten an der Ehrentribüne vor der Berliner Humboldt-Universität vorbei. Margot Feist überreicht Blumen Sowohl in der Reportage von der Wahl als auch in der Übertragung des Fackelzugs ist Margot Feist zu hören – besser bekannt unter ihrem späteren ehelichen Namen Margot Honecker. Sie gratuliert Pieck öffentlich im Namen der Pionierorganisation Ernst Thälmann zu seiner Wahl und überreicht ihm einen Blumenstrauß. Am Ende der Aufnahme vom Fackelzug äußert sie sich noch einmal. Fackelzüge – eine deutsche Tradition? In Moskau, wo die Staatsgründung der DDR eigentlich orchestriert wurde, stieß der Fackelzug auf Skepsis. Denn 1933 gab es schon einmal einen Fackelzug der NSDAP unter den Linden. Jetzt wieder einer – wie soll das zum Bild eines antifaschistischen Staates passen? Doch Walter Ulbricht und Erich Honecker argumentierten, Fackelzüge seien nun mal deutsche Tradition – so ließ Moskau sie gewähren. Und so wurde das Ereignis im DDR-Rundfunk übertragen. Erich Honecker und Margot Feist kannten sich zu dem Zeitpunkt noch nicht näher. Sie lernten sich erst zwei Monate später kennen, als beide als Mitglieder einer DDR-Delegation zu den Feierlichkeiten von Stalins 70. Geburtstag nach Moskau reisten.
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Oct 2, 2024 • 8min

Berliner protestieren gegen Gründung der DDR | 8.10.1949

Am Tag nach der Gründung der DDR kommt es vor dem Schöneberger Rathaus zu einer großen Kundgebung. Den West-Berlinern steckt noch die überstandene Berlin-Blockade in den Knochen, die Gründung der DDR zementiert die deutsche Teilung aufs Neue. Der Vorsteher der Berliner Stadtverordnetenversammlung, der Sozialdemokrat Otto Suhr, bringt seine Perspektive auf den Punkt: Zwei deutsche Staaten haben sich gegründet, die Berliner gehören keinem von ihnen an. Er meint die Bewohner im Westen der Stadt. Aber das Wort West-Berlin nimmt damals offiziell so noch niemand in den Mund. Die Reportage lief am 8. Oktober 1949 ab 16 Uhr in RIAS Berlin.
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Oct 2, 2024 • 10min

Gründung der DDR: Karl-Eduard von Schnitzler kommentiert | 7.10.1949

Friedensvertrag und vereintes Deutschland am Horizont? Am 7. Oktober 1949 wird aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR. Die provisorische Volkskammer wird ins Leben gerufen, freie Wahlen für das folgende Frühjahr angekündigt. Die neue DDR-Regierung nimmt für sich in Anspruch, das gesamte deutsche Volk zu vertreten. Das ist auch der Tenor des Kommentars von Karl-Eduard von Schnitzler im Berliner Rundfunk – dem Rundfunk der sowjetischen Besatzungszone. Schnitzler sieht einen Friedensvertrag und ein vereinigtes Deutschland am Horizont, dank der Unterstützung der Sowjetunion. Karl-Eduard von Schnitzler – ein linientreuer Journalist Karl-Eduard von Schnitzler zeigt sich hier bereits als linientreuer agitatorischer Journalist – eine Rolle, die er später weiter verfolgt als Moderator der Propaganda-Fernsehsendung des DDR-Rundfunks "Der Schwarze Kanal". In diesem Kommentar erklärt er: Durch die Gründung der DDR sei der deutsche Staat wiedererstanden. Dass sich fünf Monate zuvor bereits die Bundesrepublik als Staat gebildet hat, verschweigt er.
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Oct 2, 2024 • 8min

Die DDR bekommt eine Verfassung | 7.10.1949

Als die provisorische Volkskammer der DDR am 7. Oktober 1949 ins Leben gerunfen wird, wird Johannes Dieckmann ihr Präsident. Seine wichtigste Aufgabe an diesem Tag ist es, die Abgeordneten über die neue Verfassung der DDR abstimmen zu lassen.
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Oct 2, 2024 • 15min

Gründung der DDR | 7.10.1949

Am 7. Oktober 1949 wird aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR. Dazu wird in der Ost-Berliner Wilhelmstraße die provisorische Volkskammer ins Leben gerufen, provisorisch, weil die Wahlen erst im Folgejahr stattfinden sollten. Wichtigster Redner an diesem Gründungstag der DDR ist Wilhelm Pieck. Er ist zusammen mit Otto Grotewohl Vorsitzender der SED – und Präsident der Volkskammer. Vier Tage später wird er zum Präsidenten der DDR gewählt. Nach seinem Tod 1960 wird dieses Amt abgeschafft.
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Oct 1, 2024 • 11min

Nachruf auf Alfred Herrhausen | 30.11.1989

Am Tag der Ermordung des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen: ein Nachruf von Sibylle Krause-Burger (SDR).
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Oct 1, 2024 • 15min

Mord an Alfred Herrhausen | 30.11.1989

Alfred Herrhausen war ein untypischer Bankchef, der sich der Öffentlichkeit stellte, sich in Osteuropa engagierte und für einen Schuldenerlass gegenüber afrikanischen Ländern warb. Auch war er ein persönlicher Vertrauter des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Kurz vor seiner Ermordung – unmittelbar nach der Maueröffnung – sprach sich Herrhausen in einem Interview für eine rasche Wiedervereinigung aus. Das nährte Spekulationen, wonach die Stasi in den Mord verstrickt war. Der Anschlag, so ein Argument, war viel zu perfekt geplant gemessen an den sonstigen Methoden der RAF. War die Stasi beteiligt? Oder palästinensische Terroristen? Es ist bekannt, dass die DDR in früheren Jahren RAF-Mitgliedern Unterschlupf bot, und auch, dass die Stasi Sondereinheiten hatte, die Sabotage und Terrorakte in der Bundesrepublik trainierte. Doch ob sie tatsächlich auch aktiv wurde, ist bis heute unklar. Von Seiten der Ermittler wird der Mord der "dritten RAF-Generation vorgeworfen, zu der auch die im Februar 2024 festgenommene Daniela Klette gehörte. Eine weitere Spur führt nach Recherchen des ARD-Journalisten Egmont Koch in den Nahen Osten. Nach seiner Darstellung spreche vieles dafür, dass die Bombe, die Herrhausen tötete, von der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) konstruiert wurde.
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Sep 27, 2024 • 1h 54min

Hitlers Machtübernahme im Parlament: Das Ermächtigungsgesetz | 23.3.1933

Die Parlamentsdebatten der 5. Wahlperiode bahnten das an, was im März 1933 zum sogenannten Ermächtigungsgesetz führte. Als die Nationalsozialisten Anfang 1933 die Macht übernahmen und die 8. Wahlperiode begann, wurde das Parlament unwichtig. Wie von der 6. und 7. ist auch von der 8. Wahlperiode wenig Originalton überliefert. Aber die entscheidende Sitzung der Machtübernahme am 23. März 1933 ist in größeren Teilen erhalten. Im Zentrum steht Adolf Hitlers erster Auftritt in diesem Parlament. Das Protokoll vermerkt, dass sich einige Abgeordnete der linken Fraktionen von Kommunisten und Sozialdemokraten demonstrativ in den "Urlaub" abgemeldet hatten. Tatsächlich waren mehr als 100 Abgeordnete vor allem der KPD, aber auch der SPD inhaftiert, geflohen oder untergetaucht.* Vor dem Interim-Parlamentsgebäude, der Kroll-Oper, trugen SA und SS zur Einschüchterung der Parlamentarier bei. Gleichheit vor dem Gesetz gilt nicht für jeden Hitler beginnt ruhig. Die Wissenschaftliche Dokumentarin im Deutschen Rundfunkarchiv Muriel Favre führt das unter anderem darauf zurück, dass er erst seinen Ton finden musste, wie er diesem Parlament gegenübertrat. Hitler bekommt seinen ersten Applaus, als er ankündigt, den vermeintlichen Reichstags-Brandstifter hinrichten zu lassen. Wenig später legt er programmatisch die Politik der Folgejahre dar. Er droht als erstes die Abrechnung mit den "Marxisten" an, will die Föderalstruktur des Reichs abschaffen, ebenso die Wahl des Parlaments. Die Gleichheit vor dem Gesetz, so Hitler, gelte nicht für jeden, sondern nur für bestimmte Kreise. Hitler nimmt Stellung zu Außenpolitik und Kultur Die Siegermächte müssten sich darauf einrichten, dass sich das Deutsche Reich gegen sie stelle, wenn sie weiter auf Reparationsleistungen bestünden. Die Kunst habe sich komplett an "Blut und Rasse" zu orientieren. Religiöse Grundwerte würden zwar von der neuen Regierung respektiert, aber auch die Gläubigen müssten sich nationalsozialistischen Gedanken beugen. Die zukünftig von den Nationalsozialisten eingesetzten Richter dürften nicht (zum Beispiel wegen Befangenheit) absetzbar sein. Ende der Weimarer Demokratie In der zweiten Hälfte, immer häufiger von großem Applaus seiner Fraktion unterbrochen, nähert sich Hitlers Ton dem seiner Reden im Sportpalast und anderswo an. Er wird aggressiver. Jeder Landesverrat werde "künftig mit barbarischer Rücksichtslosigkeit ausgebrannt werden". Man werde die Armee aufrüsten, bis die Nachbarländer abrüsten. Es müsse ein Ende haben, von Siegern und Besiegten zu reden. Der eigentliche Sinn dieser Debatte war, dem neuen Reichskanzler und der NSDAP uneingeschränkte Macht zu geben. Die NSDAP setzte an diesem Tag mit Zustimmung des Zentrums das Ermächtigungsgesetz durch, einen Tag später trat es in Kraft. Damit war die Weimarer Demokratie abgeschafft. Die Redner: Hermann Göring (Reichstagspräsident)Franz Stöhr (NSDAP)Adolf Hitler (Reichskanzler)Thomas Esser (Zentrum)Otto Wels (SPD)Ludwig Kaas (Zentrum) 8. Wahlperiode. 1931/32 ---*In einer früheren Fassung des Artikels wurden die Angaben des Protokolls als Tatsachen dargestellt. Wir haben die Formulierung deshalb präzisiert.
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Sep 22, 2024 • 24min

Hitlers erste Reichsautobahn: Spatenstich bei Frankfurt am Main | 23.9.1933

Vorgeschichte Hitler hat die Autobahn nicht erfunden, Pläne für eine solche Schnellstraße gab es schon in den 1920er-Jahren: Eine Straße von Hamburg bis Basel. Und Konrad Adenauer eröffnete bereits 1932 als Kölner Oberbürgermeister eine vierspurige kreuzungsfreie Fahrbahn zwischen Köln und Bonn. Hätte es diese Pläne und Vorleistungen nicht gegeben, hätte Hitler nicht schon ein Dreivierteljahr nach der Machtübernahme den Spatenstich für die erste Reichsautobahn setzen können. Hitlers Rede Hitlers Rede ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Sie zeigt einen weitgehend ruhig sprechenden, nicht brüllenden Reichskanzler, der erst ein halbes Jahr im Amt, aber sich seiner Macht bewusst ist. Er spricht diese Macht an, und zwar im Zusammenhang mit seiner Herkunft als einfacher Arbeiter: Das "Verständnis", das er daraus ableitet, geht so weit, die Arbeiter vor den harten Wintern zu warnen, in denen sie nicht verzagen dürfen, worauf ihn das Publikum mit einem Sieg-Heil-Gruß bestätigt. "Dann sorgt Ihr dafür, dass durch Eure gesteigerte Konsumkraft wieder hunderttrausend andere in Fabriken und Werkstätten Arbeit bekommen. Es ist unser Ziel, die Konsumkraft der Massen langsam zu heben." Hitlers Autobahnbau war von Anfang an zur Ankurbelung der Wirtschaft gedacht. Historiker sind sich uneinig, ob das Projekt, 6400 Kilometer dieser "neuen großen Verkehrsstraßen" primär der Kriegsvorbereitung diente, wie viele Wirtschaftsprogramme Hitlers das taten. Er konnte sich dabei auf die zur Zeit seiner Machtübernahme extreme Arbeitslosigkeit stützen und gibt in dieser Autobahnrede die Schuld für "schwerste Not und das tiefste Unglück" nicht der Wirtschaftskrise, sondern pauschal den "letzten 15 Jahren" – also der Weimarer Republik. Später in der Rede kommt er auf seine "völkischen" Ideen zu sprechen, auf den "Prozess des inneres Zusammenschmiedens unseres Volkes", leistet sich aber keine Ausfälligkeiten gegen Bevölkerungsgruppen, die er davon ausschließen würde. Er fordert eine internationale starke Position Deutschlands, die der Autobahnbau symbolisiere, nämlich als "Markstein […] für den Bau der deutschen Volksgemeinschaft, einer Gemeinschaft, die uns als Volk und als Staat das geben wird, was wir mit Recht auf dieser Welt fordern und verlangen dürfen." Nach dem Ende der Rede beschreibt der Reporter, wie Hitler sich symbolisch mit Spaten und Lore an die Arbeit macht. Zur Aufnahmetechnik Die Tonaufzeichnungstechnik war damals so weit fortgeschritten, dass man in der freien Natur Reden und Reportagen in guter Qualität aufnehmen und speichern konnte. Die Nationalsozialisten wussten diesen technischen Durchbruch, der dem Rundfunk eine Nähe zur Realität verlieh, die er zuvor nicht besaß, zu schätzen und hatten im Sommer 1933 bereits die wesentlichen Teile des föderalen Rundfunkwesens in Deutschland zerschlagen und alles dem Propagandaministerium unterstellt. Auch diese Reportage mit anschließender Rede diente der Rundfunkpropaganda. +++++ Reporter: Paul LavenQuelle: Deutsches Rundfunkarchiv

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