ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Oct 16, 2024 • 27min

Wird die Versorgung mit Sensormedizin in Zukunft besser, Jonathan Chmiel?

Über Apps und Wearables Viele Menschen nutzen ihre Smartwatch, das Smartphone oder auch Ringe am Finger, um Vitalwerte zu tracken, das fängt mit Schrittezählen an, geht über den Schlaf, aber auch Temperatur, Sauerstoffgehalt im Blut und ein EKG lassen sich damit aufnehmen. Viele große Anbieter besetzen heute schon dieses Feld. Das Unternehmen biopeak vertreibt Wearables und will mit Sensormedizin Veränderungen lostreten und die ambulante wie stationäre Versorgung zukunftsfähig machen, wie Geschäftsführer Jonathan Chmiel im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet. Beim ersten Innovation Pitch auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress hat biopeak mit einem Blutdrucksensor den ersten Platz gemacht. In einem Videobeitrag zeigte biopeak, welche Vorteile der Sensor gegenüber der klassischen Blutdruckmanschette hat. Der große Unterschied zu den Produkten auf dem Markt ist, dass Wearables von biopeak zertifizierte Medizinprodukte sind. „Wir sind aktuell das Waerable mit den meisten Vitalparametern im medizinisch zertifizierten Markt. Das bedeutet, wir haben 13 Parameter, die insgesamt mit nur einem einzigen Gerät zertifiziert aufgenommen werden können. Zu den wichtigsten Parametern zählen der Blutdruck, die Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Temperatur“, so Chmiel. Weitere Kriterien seien zum Beispiel Schlagvolumen oder Herzzeitvolumen. „Es ist verwunderlich, dass Wearables zwar im Consumer Markt sehr verbreitet sind und jeder so etwas mittlerweile nutzen kann, das aber im Krankenhaus-Setting oder im Ärztebereich noch eine absolute Startup-Technologie ist – im Sinne von sie ist noch nicht weit verbreitet.“ Deutschland sei ein sehr konservativer Markt, berichtet Chmiel im Podcast. Alles, was in Amerika oder woanders schon groß gespielt werde, dauere in Deutschland länger und auch die Skepsis sei relativ groß. 150 Euro pro Sensor für eine 24-Stunden-Blutdruckmessung fallen derzeit an Kosten an, die von den privaten Krankenkassen komplett erstattet werden. „In der gesetzlichen Versorgung ist das natürlich aktuell ein Posten, der sehr hoch ist im Vergleich und dementsprechend noch nicht übernommen wird. Aber wir sehen auch, dass immer mehr Patienten bereit sind, das Geld zu zahlen.“ (Länge: 27:28 Minuten)
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Oct 7, 2024 • 21min

„Anima“ – ein Tool zum Screening psychischer Störungen: Wie funktioniert es, Herr Havrysh?

Der Krieg in der Ukraine hinterlässt tiefe Spuren in der psychischen Gesundheit der Menschen: Angststörungen, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind in der ukrainischen Bevölkerung inzwischen weit verbreitet, wie Forscher der Nationalen Universität der Vorkarpaten in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, berichten (Lancet Reg Health Eur 2024; online 6. November). In Erwartung der Folgen entwickelten der Kommunikationsexperte Roman Havrysh und der Neurophysiologe Dr. Sergiy Danylov das Tool „Anima“. Es kann laut Havrysh psychische Veränderungen mit einer Genauigkeit von „80 bis 95 Prozent“ erkennen und sogar vorhersagen. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber herkömmlichen Tests, die „30 bis 80 Prozent falsch positive Ergebnisse“ lieferten, so Havrysh. Die Besonderheit von „Anima“ liegt in der Verwendung eines besonderen Biomarkers – der „Aufmerksamkeitsverzerrung“. Dieser misst, worauf sich eine Person in alltäglichen Interaktionen im Vergleich zum Gesamtbild konzentriert. „Eine Person, die zum Beispiel an einer Depression leidet, achtet mehr auf traurige oder negative Ausdrücke und sieht die Welt durch diese Brille“, erklärt Havrysh. Eine Person mit einer Angststörung hingegen suche ständig nach möglichen Bedrohungen in ihrer Umgebung“, fügt er hinzu. Dieser Biomarker wird mithilfe eines Blickverfolgungstests ermittelt, der die Aufmerksamkeit einer Person bei der Betrachtung von verschiedenen Bildern, Fotos oder sogar Texten misst, so Havrysh. Derzeit kann das Tool Depressionen, Angststörungen und Stress bewerten, bald werden auch Tests für Essstörungen und Gehirnerschütterungen verfügbar sein. Im Podcast erläutert Havrysh auch, wofür der Test aktuell vom ukrainischen Militär eingesetzt wird und warum die Ergebnisse valider sind als Fragebogen-Tests.
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Oct 2, 2024 • 23min

Braucht die HZV jetzt schon eine Werbekampagne, Frau Professorin Buhlinger-Göpfarth?

Über den Stand der Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) spricht die Co-Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands „Ein bisschen Werbung tut immer gut, auch der HZV“: Professorin Nicola Buhlinger-Göpfarth nimmt im „ÄrzteTag“-Podcast kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) geht. Aber es gehe mit dem jetzt ausgerufenen „Power-Monat“ für die HZV nicht darum, ein mittelmäßig laufendes Produkt besser anzuschieben. Ziel ist es, den Schwung der vergangenen Monate mitzunehmen und zu verstärken, berichtet die Co-Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands über die Entwicklung der freiwilligen primärärztlichen Versorgung. Bereits beim Hausärztinnen- und Hausärztetag hatte Buhlinger-Göpfarth berichtet, dass man sich bei der HZV der Schallmauer von zehn Millionen eingeschriebenen Patientinnen und Patienten nähere. Allein im zweiten Quartal seien netto 300.000 Patienten hinzugekommen. Buhlinger-Göpfarth spricht im Podcast über aktuelle Untersuchungen, die belegten, dass Primärprävention wie Impfquoten und auch Sekundärprävention wie Vorsorgeuntersuchungen von Patienten in der HZV mehr in Anspruch genommen werden als in der Regelversorgung. aktuelle Trends im Vertragsgeschehen mit den Krankenkassen. über die Honorarsteigerungen in der HZV in diesem Jahr. Probleme in Praxen, die gleichzeitig Patienten in unterschiedlichen Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung betreuen. die im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz angedachte Entkoppelung des hausärztlichen Honorars vom Arzt-Patienten-Kontakt in jedem Quartal. Im Gespräch geht sie auch darauf ein, wo die Kolleginnen und Kollegen in der Herbst- und Winter-Impfkampagne aktuell der Schuh drückt: Es gibt immer noch keine Einzeldosen bei der Corona-Impfung, geschweige denn ein Kombinationsimpfstoff Corona/Influenza. Zusätzlich fehlen Impfvereinbarungen für die RSV-Impfung: Alles Orga-Aufwand in den Praxen, klagt Buhlinger-Göpfarth. Und die Teams dort arbeiteten bereits jetzt am Limit.
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Sep 18, 2024 • 24min

Warum reichen 8,95 Euro für die RSV-Prophylaxe nicht, Dr. Hubmann?

Der BVKJ-Präsident spricht über den Honorarbeschluss Das Grummeln unter den Ärztinnen und Ärzten über die Honorarbeschlüsse von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband wird lauter. Das macht sich nicht nur an der jüngst beschlossenen Erhöhung des Orientierungswertes um 3,85 Prozent auf künftig 12,3934 Cent fest, sondern auch an den Beschlüssen zu einzelnen Leistungen. Den Ärger der Kinder- und Jugendärztinnen und Ärzte erregte Anfang der Woche der Beschluss zur Honorierung der neu geschaffenen Leistung nach GOP 01941 mit 8,95 Euro zum aktuellen Orientierungswert 11,9339 Cent. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ), warum mehr als nichts immer noch zu wenig ist. Hintergrund ist, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zunächst mitgeteilt hatte, dass das Honorar für die RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab mit der Versichertenpauschale abgegolten sei. Da aber keine Versichertenpauschale bei rein präventiven Leistungen abgerechnet werden kann, ruderte das BMG zurück und gab der Selbstverwaltung auf, eine neue Leistung für die RSV-Prophylaxe zu schaffen – es kam die GOP 01941, flankiert von den GOP 01943 (32 Punkte, 3,82 Euro) für die ausschließliche Beratung ohne anschließende Prophylaxe und der 01942 (34 Punkte, 4,06 Euro) bei zusätzlichem Beschaffungsaufwand. Hubmann macht im Podcast eine betriebswirtschaftliche Rechnung auf und führt aus, warum Praxen dabei auf keinen Fall auf ihre Kosten kommen können. Er versucht eine Erklärung dafür zu geben, warum mit dem aktuellen System trotz Entbudgetierung auch Kinder- und Jugendarzt-Praxen immer wieder ins Hamsterrad getrieben werden. Dabei werde zugleich immer wieder beklagt, dass zu wenig Zeit für die Patienten sei.
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Sep 12, 2024 • 36min

Wieso führt die Honorarentwicklung zum Tod der kassenärztlichen Einzelpraxis, Herr Scheel?

Ein Praxisinhaber über die prekäre Situation in Kinderarztpraxen Für Einzelpraxen wird die Lage immer prekärer. Zu dieser Überzeugung ist Pädiater Michael Scheel aus dem Cuxland an der niedersächsischen Nordseeküste bei Cuxhaven nach den Honorarabschlüssen der vergangenen zehn Jahre gelangt. Scheel, der eine als magische Unterwasserwelt für Kinder konzipierte Kinder- und Jugendarztpraxis mit drei angestellten Kolleginnen und Kollegen betreibt, hat einmal nachgerechnet, wie sich der Orientierungswert seit 2016 entwickelt hat und wie diese Erhöhungen im Vergleich zu den Kosten in seiner Praxis und im Vergleich zu Inflation und Gehaltsentwicklung ausgefallen sind. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Scheel die Ergebnisse: Bei identischer Leistungserbringung wäre in dieser Zeit sein eigenes Einkommen durch die schneller als das Honorar steigenden Kosten um 72,5 Prozent geschrumpft – bei 1.677 Fällen und 2.765 Patientenkontakten von knapp 8.150 auf 2.230 Euro. Um ein reales Einkommen in derselben Höhe zu erzielen – immer bei identischer Leistungserbringung –, „hätte ich die Scheinzahl auf fast 2.100 steigern müssen“. Die Konsequenz: Statt 8,8 Minuten pro Patientenkontakt wären nur noch 7,1 Minuten möglich. Sein Fazit: „Praxisinhaber in der Kinderheilkunde verdienen im gesetzlichen System jedes Jahr weniger und können ihren Gewinn nur durch Mehrarbeit halten.“ Im Podcast erläutert er die genaue Rechnung, und warum es Einzelpraxen härter trifft als Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) oder medizinische Versorgungszentren (MVZ). Er selbst habe sich für die Expansion aus der Einzelpraxis heraus entschieden und viel Geld in die neue Praxis investiert. Mit mehr Ärzten könne er jetzt zum Beispiel sein Leistungsspektrum erweitern und mehr Arbeit innerhalb des Teams delegieren. Aber die Art und Weise, wie Vertragsärztinnen und -ärzte – und nicht nur Pädiater – bei vielen Leistungen im Honorar gedrückt werden, so dass es sich betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnen könne, das trage sicher nicht dazu bei, die Lust auf Niederlassung bei den jungen Ärztinnen und Ärzten zu steigern. Am Beispiel des Honorars nach EBM für die Lungenfunktionsdiagnostik (LuFu) rechnet er vor, dass damit eine Praxis mit ihren Kosten nicht hinkommen könne. Die Konsequenz werde sein: „Irgendwann kriegen Sie keine LuFu mehr, weil auch nicht mehr genug Pneumologen da sein werden.“
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Sep 10, 2024 • 33min

Ist die gematik nicht doch das bessere Gesundheits-IT-Unternehmen, Frau Wendling?

Die Geschäftsführerin des Bundesverbands Gesundheits-IT bvitg über die Digitalisierung des Gesundheitswesens Mit dem Digitalagenturgesetz GDAG will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Kompetenzen der gematik erweitern. Dadurch soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigt werden. Bei dem Ziel – schnellere Digitalisierung – ist die Industrie mit dem BMG einer Meinung. Allerdings hegen die Unternehmen erhebliche Zweifel, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Warum das so ist, erläutert Melanie Wendling, Geschäftsführerin des Bundesverbands Gesundheits-IT – bvitg e. V., im „ÄrzteTag“-Podcast. Das Gesetz sei „hinreichend unkonkret“, klagt Wendling im Gespräch. Der Branchenverband stört sich vor allem an der Formulierung, die gematik könne Produkte zertifizieren, aber auch selbst entwickeln. Welche Produkte selbst entwickelt werden könnten, das werde nicht näher ausgeführt. Wenn die zukünftige Digitalagentur aber selbstständig Anwendungen auf dem Markt anbieten werde, dann könnte dies zu Wettbewerbsverzerrungen führen. „Der Staat hat bisher bei der Digitalisierung nicht bewiesen, dass er es besser kann“, sagt Wendling. Ob eine gematik zum Beispiel ein besseres Praxisverwaltungssystem zustande bringe, sei fraglich. Die Industrie sei in der Vergangenheit gerne als der Buhmann hingestellt worden, wenn etwas in der Telematikinfrastruktur nicht sofort funktioniert habe. Aber „Digitalisierung heilt nicht die schlechten Prozesse, die wir im Gesundheitswesen haben“, betont die bvitg-Geschäftsführerin. Die vielen Brüche zwischen den Sektoren spiegelten sich in den komplexen digitalen Anwendungen. Im Podcast beschreibt Wendling, wie eine Spezifikation für eine neue Anwendung der Telematikinfrastruktur entsteht: „Es gibt keinen definierten Prozess“, klagt sie. Die gematik spreche mit allen, dann entwickele sie daraus eine Spezifikation. Auch die Industrie gebe ihre Anmerkungen dazu, aber ob diese ankomme, wahrgenommen werde und was damit passiere – darüber gebe es keine Transparenz. Am Ende werde meistens einer vergessen. Dann müsse die Spezifikation verändert werden, und das verlängere den Prozess. Wendling erläutert im Gespräch ebenfalls die Erwartungen der Industrie an das Kompetenzzentrum für Interoperabilität, sie beschreibt, welche Defizite die ePA am Anfang noch haben wird und wie sie hofft, dass die Fehler der Vergangenheit in der nächsten Stufe der Telematikinfrastruktur nicht wiederholt werden.
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Sep 5, 2024 • 32min

Raketenangriff auf das Kinderkrankenhaus OHMATDYT – wie geht es jetzt weiter, Dr. Serhii Chernyshuk?

Ein ukrainischer Arzt berichtet, wie die Arbeit in einem schwer geschädigten Krankenhaus funktioniert Am 8. Juli erwachte die ukrainische Bevölkerung zum Klang von Sirenen, die einen weiteren russischen Raketenangriff ankündigten. Diesmal schlugen die Geschosse im Herzen von Kiew ein und trafen OHMATDYT, das größte und am besten ausgestattete Kinderkrankenhaus der Ukraine. In OHMATDYT setzen Eltern schwer erkrankter Kinder ihre gesamte Hoffnung. Hier werden Kinder aus dem ganzen Land behandelt, die an Krebs in allen Stadien erkrankt sind, mit seltenen Erkrankungen zu kämpfen haben oder komplexe mikrochirurgische Eingriffe benötigen. Trotz des andauernden Kriegs erfülle das Kinderkrankenhaus seine Aufgaben und entwickele und verbessere seine Pflege kontinuierlich weiter, berichtet Dr. Serhii Chernyshuk, medizinischer Leiter von OHMATDYT im „ÄrzteTag“-Podcast. Der Podcast ist in ukrainischer Sprache aufgenommen worden und wird in Simultanübersetzung ausgestrahlt. Einige Wochen nach dem Angriff spricht er über die Lage im Krankenhaus während des Krieges, die Strategien der Ukrainer, auch ohne funktionierende Stromversorgung ein halbwegs normales Leben zu führen, über die Folgen des Raketeneinschlags und über seine Erinnerungen an die ersten Monate des Krieges im Jahr 2022. Chernyshuk teilt auch seine Erfahrungen, wie es dem großen Krankenhaus gelingen konnte, in diesen schwierigen Zeiten zu überleben, Fortschritte zu machen und sich weiterzuentwickeln – und was deutsche Einrichtungen daraus lernen können.
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Sep 3, 2024 • 30min

NIS-2: Was müssen Praxen und Kliniken in Sachen IT-Sicherheit tun, Dr. Grosmann?

Ein Anwalt über Cybersicherheit für Ärzte Praxen und MVZ mit mehr als 50 Mitarbeitern oder mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz haben zu ihrer IT-Sicherheit schon bald neue Regeln zu beachten: Die zweite EU-Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit soll noch in diesem Herbst in nationales Recht umgesetzt werden. Technisch, so beschreibt es Dr. Patrick Grosmann im „ÄrzteTag“-Podcast, sei die neue Richtlinie weniger spezifisch als die bisher bereits geltende IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Es gehe eher um organisatorische Maßnahmen, um Risikomanagement und um „geeignete technische Maßnahmen“, die zu ergreifen seien, um den Anforderungen gerecht zu werden. Im Podcast geht der Rechtsanwalt und zertifizierte Datenschutzbeauftragte aus Frankfurt am Main darauf ein, wie die Betroffenheitsgrenzen zu verstehen sind, wie MVZ-Verbünde, die in einer GmbH zusammengeschlossen sind, gewertet werden, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglicherweise nicht mitgezählt werden müssten – und warum sich Gesundheitseinrichtungen generell immer wieder mit den Problemen der Cybersicherheit befassen müssen. Großpraxen und MVZ, die unter das neue Recht fallen könnten, müssten zunächst eine Betroffenheitsprüfung machen und, falls sie betroffen sind, sich dann beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik registrieren, so Grosmann weiter im Gespräch. Zu beachten seien auch neue Meldepflichten bei Hackerangriffen, die zu den Meldepflichten beim Datenschutzbeauftragten aus der Datenschutzgrundverordnung hinzukommen, berichtet der Rechtsanwalt. Er führt auch weiter aus, was unter einem angemessenen Risikomanagement und unter „geeigneten technischen Maßnahmen“ zu verstehen sei; er erklärt zudem, welche Bedeutung die NIS-2-Richtlinie in der Lieferkette einer BAG oder eines MVZ in diesem Zusammenhang hat, und er schätzt ab, wie hoch der Aufwand für eine MVZ-Gruppe sein könnte – und warum es sich am Ende dennoch lohnen könnte, den zusätzlichen bürokratischen Aufwand zu betreiben: Denn wer sich gut gegen Angriffe schützt, spart am Ende jedenfalls die weit höheren Kosten der Schadensbeseitigung ein. Das hätten die vergangenen Jahre zur Genüge gezeigt bei Hackerangriffen auf Einrichtungen im Gesundheitswesen. (Dauer: 29:43 Minuten)
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Aug 28, 2024 • 21min

Was nimmst du von deinem Einsatz als Seenotretter mit, Jörg Schmid?

Der Arzt in Weiterbildung war auf Seenotrettungsmission im Mittelmeer und schildert seine Erfahrungen Bis er die Erlebnisse der Seenotrettungsmission richtig verarbeitet hat, wird wohl noch einige Zeit vergehen – eine erste Bilanz seines Einsatzes an Bord der Humanity 1 kann Jörg Schmid aber bereits ziehen. Der Arzt in Weiterbildung war gut fünf Wochen als Mitglied des Care Teams auf dem Schiff im Mittelmeer unterwegs. Warum die Triage nach einer Rettung eine der größten Herausforderungen des Einsatzes war, erzählt Jörg im Podcast. Er berichtet außerdem im Detail, wie MedEvacs, also medizinische Evakuierungen, abgelaufen sind und welche Krankheitsbilder ihm in der Bordklinik am häufigsten begegnet sind. „Das meiste konnte ich gut einschätzen“, erzählt Jörg. Neben dem Wissen aus Studium und Weiterbildung habe er sich aber vieles auch selbst beigebracht – denn schon seit dem Studium habe er gewusst, dass die humanitäre Arbeit ihn interessiert. „Deswegen habe ich auch immer schon – wo möglich – darauf gepocht, mir extra Wissen anzueignen“, sagt der angehende Arzt für Allgemeinmedizin. Ob er noch einmal auf Seenotrettungsmission gehen würde und was er jungen Kolleginnen und Kollegen rät, die über ein Engagement nachdenken, verrät Jörg Schmid in der Bilanz seines Einsatzes.
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Aug 27, 2024 • 31min

Wieso fallen Honorarrunden für Ärzte oft so enttäuschend aus, Dr. Bartels?

KV-Vize in Rheinland-Pfalz erklärt, warum er die Systematik der Verhandlungen ändern möchte. Ein Plus von 1,6 Prozent bieten die Krankenkassen im Bewertungsausschuss, 5,7 Prozent fordern die Vertragsärzte: Es geht um die Entwicklung des Orientierungswertes, der aktuell bei 11,9339 Cent liegt. Angesichts des enttäuschenden Angebots des GKV-Spitzenverbands der Krankenkassen hatte die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz eine Reform der Finanzierungsverhandlungen gefordert. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert KV-Vize Dr. Andreas Bartels die Systematik der Verhandlungen und wieso trotz enger Vorgaben des Gesetzgebers und eigener Regularien im Bewertungsausschuss Angebot und Forderung der Vertragsärzte so weit auseinanderliegen können. Es sei eine „schwarze Stunde für die Ärzteschaft“ gewesen, als die Kassenärztliche Bundesvereinigung in den Zeiten der Stagnation den Morbiditätsbezug der Gesamtvergütung durchgesetzt habe, so Bartels im Gespräch. Nachdem in den vergangenen Jahren die Grundlohnsumme relativ stark gestiegen ist, habe sich die Vergütung der Krankenhäuser seit 2013 um rund 43 Prozent erhöht – die der Vertragsärzte dagegen nur um 20 Prozent, hatte Mitte August KBV-Chef Dr. Andreas Gassen vorgerechnet. Der Anästhesist führt auch aus, warum eine zu geringe Steigerung des Orientierungswertes den ambulanten Sektor im Wettbewerb mit den Krankenhäusern entscheidend benachteiligt: So könnten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht nur bei den MFA-Gehältern nicht mit den Kliniken mithalten; vielmehr würden auch die angestellten Ärztinnen und Ärzte von der Tariflohnentwicklung in den Krankenhäusern abgekoppelt. Mittlerweile seien aber 40 Prozent der Arztsitze von angestellten Ärztinnen und Ärzten besetzt. Bartels erläutert außerdem im „ÄrzteTag“ an welchen Stellen die Kassen- und die Ärzteseite besonders weit auseinander liegen, zum Beispiel beim kalkulatorischen Arztlohn, wie sich die Entwicklung der Gehälter der Medizinischen Fachangestellten auf den Anteil der Technischen Leistungen niederschlagen, warum die Effizienzreserven in den Praxen längst ausgereizt seien, wieso der Schlichter Professor Jürgen Wasem die KBV mit seinen Entscheidungen immer wieder in die Bredouille bringt, den Zusammenhang von akkurater Diagnosen-Kodierung und ärztlichen Honoraren, und warum die Neiddebatte um die ärztlichen Honorare in die Sackgasse führt.

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