

SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Jul 6, 2025 • 19min
Barbi Marković: Stehlen, Schimpfen, Spielen | SWR Bestenliste
Im Mai 2022 bekommt Marković die Anfrage für eine Poetikvorlesung. Sie sagt zu – es sind ja noch zwei Jahre Zeit bis dahin. Die Monate gehen ins Land, die Zeit drängt. Noch vierzehn Tage. Von genau denen handelt diese Vorlesung. Sie handelt von Selbstzweifeln, kleinen Tricks und allem sonst, was Marković durch den Kopf geht.

Jul 6, 2025 • 22min
Jonathan Lethem: Der Fall Brooklyn | SWR Bestenliste
Ein Porträt von Brooklyn und ein kunstvolles Wimmelbild quer durch die Jahrzehnte. Lethem zeigt, wie Jugendliche in Brooklyn in selbstverständlicher Kriminalität aufgewachsen sind. Manchmal nostalgisch, nie verklärend – und exzellent geschrieben.

Jul 6, 2025 • 19min
Gesa Olkusz: Die Sprache meines Bruders | SWR Bestenliste
Eine Mutter, die mit ihren Kindern in den USA ein neues Leben anfangen will. Zwei Brüder, die nach dem Tod der Mutter neu anfangen müssen. Eine Familiengeschichte, die vieles offenbart, doch wenig erklärt. Und ein elegantes Buch über Ankünfte, Aufbrüche, Verluste und Familiendynamiken.

Jul 6, 2025 • 18min
Eva H.D.: Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen | SWR Bestenliste
Gedichte aus Kanada, konkret, anschaulich, gegenständlich. Eva H.D. schreibt Lyrik, in denen die Zeilen aber auch plötzlich abschweifen können, ins Persönliche, ins Fantastische. In einem melancholischen Grundton umkreist die Dichterin die Störfaktoren des Lebens und Liebens.

Jun 29, 2025 • 12min
Streitkultur auf der Bühne – Wie die Arbeit in der Bachmann-Jury den Blick auf Literatur verändert
Seit fast einem halben Jahrhundert fährt die Literaturbranche ins sommerliche Klagenfurt zum Bachmann-Wettbewerb:
Dabei wird nicht nur auf der ORF-Fernsehbühne über Literatur diskutiert, auch jenseits der Scheinwerfer gehen die Gespräche unter Verlagsleuten und Journalisten weiter. Was aber denkt ein Juror über die Debatten im Fernsehstudio und über die Diskussion nach der Diskussion?

Jun 29, 2025 • 6min
Kritik der Kritik: Wie war die Bachmann-Jury?
Als „charmantester Gerichtshof Mitteleuropas“ wurden die Jury-Diskussionen bei der feierlichen Eröffnung des diesjährigen Wettbewerbs bezeichnet. Dabei erinnert mich das Ganze weniger an ein ehrwürdiges Gericht, als an ein Familientreffen, das alle Jahre wieder – in ähnlicher Besetzung - über die Bühne geht. Denn so wie die ewig jammernde Cousine und der ständig Witze reißende Onkel nicht aus ihrer Haut können, scheinen auch hier alle festgelegte Rollen zu haben.
Es wurde gemutmaßt: Hat Thomas Strässle ein Bauchnabelpiercing?
Wenn sich der Juryvorsitzende Klaus Kastberger einmal mehr als „Erklärer der österreichischen Literatur“ für seine Kandidaten in die Bresche wirft oder ihn die Frage beschäftigt, ob sein stets umsichtig und moderat argumentierender Mitstreiter Thomas Strässle wohl ein Bauchnabelpiercing hat, ist dieser furiose Grant, wie man in Österreich sagt, beim dienstältesten Juror inzwischen so erwartbar wie unterhaltsam.
Auch das notorische Gezänk zwischen Philipp Tingler und Mithu Sanyal gehört längst zum festen Repertoire dieses Juroren-Ensembles, das diesmal deutlich mehr diskutiert und viel weniger ins Monologisieren verfällt als im Vorjahr.
Auch hat sich Philipp Tingler vom giftigen Polemiker, der sich vor allem am liebsten selbst in Szene setzt, zu jemandem entwickelt, dem es doch häufig gelingt, subtilen Witz mit scharfer Kriitk zu vereinen.
Etwa, wenn er nach dem Vortrag von Max Höflers post-avantgardistischem Text zugibt, er hätte noch vor wenigen Jahren gesagt, er würde sich lieber Taranteleier ins Ohr stecken, als weiter zu zuhören, während er heute so einen Text höre und sich denke, das „das wird’s wahrscheinlich nicht mehr lange geben, das ist irgendwie eine bedrohte Form“.
Unterschiedliche Herangehensweisen an Literatur
Persönliche Veränderungen sind also doch möglich, wobei Tingler ja noch immer am liebsten wie in Beton gegossene Sätze raushaut, im Stil von: „Ein literarischer Text muss sich die Frage gefallen lassen, worum es geht.“ Und Mithu Sanyal unterstreicht mehr denn je ihre gefühlsgrundierten Betrachtungen mit großen Gesten und bleibt schlüssige Argumente schuldig.
Was in diesem Jahr sichtlich alle nervt und dann doch fast zum Debakel führt, als Sanyal einwirft, man könne doch Verständnis für den russischen Präsidenten Putin aufbringen. Unterm Strich führen diese unterschiedlichen Herangehensweisen an Literatur (und damit an die Welt) doch immer wieder zu ausgesprochen anregenden Grundsatzdebatten.
Etwa darüber, ob es Nähe oder Distanz zum Gegenstand brauche, um ihn kritisieren zu können, was sich bald wie ein Leitmotiv durch die Debatten zog – so wie im Vorjahr Johanna Seebauers „Gurkerl“-Motiv oder noch früher mal das Putzen.
Und wenn z.B. darüber diskutiert wird, was es heißt, sich als Schriftsteller bei einem historischen Stoff seiner Verantwortung bewusst zu sein – wie nach der Lesung von Stefan Bissinger – zeigt sich deutlich, dass mit dem Niveau der Texte auch das der Diskussionen steigt.
„Unwohlsein“ bei einigen Texten
Ohnehin sind die Jury-Diskussionen der interessanteste Teil des Wettbewerbs, ganz besonders in diesem Jahr, wo man in Anbetracht der ausgewählten Texte den Eindruck hat, der aus Kostengründen abgeschaffte Nachwuchs-Kurs ist diesmal ins Hauptprogramm gerutscht.
Aber so dürftig und unfertig das von den Autoren Vorgetragene häufig ist – es gelingt den Jurorinnen und Juroren immer wieder, mit vielschichtigen, oft erhellenden Betrachtungen zu überraschen. Selbst wenn ein Text mal fast alle mehr oder weniger verständnislos kapitulieren lässt, wie nach dem Auftritt der Wiener Schriftstellerin Verena Stauffer, als gleich mehrere Jurymitglieder ihr „Unwohlsein“ mit diesem Text äußerten, in dem es scheinbar „um alles“ ging, was eben auch „nichts“ sein kann.
Öffentlich zuzugeben, dass etwas nicht sofort und vollständig verstanden und eingeordnet werden kann, hat in unseren Zeiten, wo sehr schnell und reflexhaft geurteilt und wegsortiert, sprich gecancelt wird, eine hohe Qualität. Zweifel und Widerspruch zuzulassen, sich einander doch noch anzunähern oder auch bereits geäußerte Ansichten öffentlich zu revidieren, das ist vorbildlich – auch im Hinblick auf andere Gespräche und Diskussionen, zu denen uns die komplizierte, oft überfordernde Weltlage herausfordert.
Hier geht es um tiefere Erkenntnis
Der boomende Podcast Markt zeigt, dass es ein Bedürfnis gibt, anderen beim Diskutieren zuzuhören. Was die Jury-Debatten hier in Klagenfurt von den meisten Podcasts unterscheidet, ist, dass hier eben nicht möglichst locker und niedrigschwellig geplaudert wird. Hier geht es - in den besten Momenten - doch um tiefere Erkenntnis, um das Aushalten von Widersprüchen und Ambivalenzen und auch darum, diese möglichst pointiert und unterhaltsam zu formulieren.
Dass das natürlich immer noch viel besser gehen kann, weiß jeder, der schon länger an den Klagenfurter Familientreffen teilnimmt.
Selige Zeiten, als sich hier noch unter dem Vorsitz des stets klug argumentierenden und nie um eine Pointe verlegenen Burkhard Spinnen gezankt wurde und die kluge Daniela Strigl mit ihren humorvollen Einlassungen die Runde und das Publikum bereicherte.
Und da wahrscheinlich jeder seine Lieblingsjuroren hat, wäre es doch vielleicht eine nette Idee, für den 50. Geburtstag des Wettbewerbs im nächsten Jahr eine Art Jubiläums-Jury zu berufen – über deren Zusammensetzung die Zuschauer abstimmen dürfen. Und danach dann bitte – neues Spiel, neues Glück – und mit einer frisch zusammengewürfelten Familie in die nächsten Jahrhunderthälfte starten.

Jun 29, 2025 • 6min
Natascha Gangl gewinnt das Wettlesen um den Bachmannpreis
Der Bachmannwettbewerb beginnt grundsätzlich mit allerlei Reden von Politikern und Preisstiftern, die das Engagement ihrer Institutionen ausgiebig loben. In diesem Jahr störte Jury-Präsident Klaus Kastberger die aufgesetzt gute Stimmung, indem er auf den kulturellen Kahlschlag der rechtspopulistischen Regierung in der Steiermark hinwies. Die kulturfeindlichen Sparmaßnahmen in Österreich betreffen längst auch Renommierveranstaltungen wie das Wettlesen am Wörthersee.
Der traditionelle Bürgermeisterempfang wurde dieses Mal genauso gestrichen wie der Literaturkurs für den schreibenden Nachwuchs.
Eröffnungsrede von Nava Ebrahimi
Nach der Auslosung der Lesereihenfolge wird in Klagenfurt die Rede zur Literatur gehalten – in diesem Jahr von einer ehemaligen Gewinnerin des Wettbewerbs, nämlich von der in Teheran geborenen und in Graz lebenden Schriftstellerin Nava Ebrahimi. Mit „Drei Tage im Mai“ war die Rede überschrieben, die sich über weite Strecken in einer Wehklage über die politischen Verhältnisse der Gegenwart erschöpfte.
Das ist vermutlich der größte Erfolg aller, die nicht mehr an die Bewohnbarkeit dieses Planeten glauben und ihn aufgegeben haben: dass wir dem Sog der Alternativlosigkeit erliegen. Es ist leicht, sich ihm hinzugeben. Es ist bequem. Dem Sog zu entkommen, ist anstrengend. Und wenn wir ihm entkommen sind, was dann? Dann darf da keine Leere sein. Dann erfordert es unsere ganze Vorstellungskraft, mit anderen, besseren Geschichten die Lücke zu füllen.
Quelle: Auszug aus Nava Ebrahimis Eröffnungsrede „Drei Tage im Mai“
Es ging um Krisen und Kriege, um den Klimawandel und mächtige Milliardäre, die sich dem „Endzeit-Faschismus“ verschrieben hätten und die den Rest der Menschheit zur Passivität verdammen würden. Um ästhetische Fragen ging es nur am Rande. Literatur solle unter diesen Prämissen eine aktivistische Position einnehmen, um die Lesenden von anderen, verantwortungsvolleren Narrativen zu überzeugen.
Nostalgietexte, literarische Höhepunkte und stilistische Überraschungen
Wie aber sah es nun mit der widerständigen und innovativen Kraft der Literatur im Wettbewerb aus? Auf den ersten beiden Lesetagen wurden erstaunlich viele Nostalgietexte vorgetragen.
Da gab es klassische Familienerkundungen, Mutter- und Vatersuchen sowie viele Gewaltgeschichten. Eine Nachwende-Erzählung mit ideologisiertem Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte, eine alberne Mediensatire in Form einer Slam-Poetry-Suada, die popliterarische Satire einer ernährungsbewussten Abendgesellschaft, ein etwas biederes Sterbe-Drama mit surrealem Ende und ein Avantgarde-Gedicht mit Politformeln.
Unfaire Geschlechterverhältnisse und fluide Körperidentitäten wurden in den Geschichten beschrieben, die oft in einem hohen Ton gehalten waren und keineswegs neu klangen, sondern eher wie Variationen schon mal gehörter Bachmann-Texte.
Ingeborg-Bachmann-Preis und Publikumspreis für Natascha Gangl
Immerhin gab es sie noch, die literarischen Höhepunkte und stilistischen Überraschungen. Etwa von Almut Tina Schmidt und ihren Story-Splittern aus einem großstädtischen Wohnhaus, ausgezeichnet mit den 3-sat-Preis.
Die filigrane Reflexion über die Sprache in autoritären Systemen von Boris Schumatsky erhält den Deutschlandfunk-Preis.
Und Natascha Gangl wird für ihre kunstfertige, nämlich audiovisuelle Poesieprosa über Verbrechen im österreichisch-slowenischen Grenzgebiet mit dem Ingeborg-Bachmann-Hauptpreis ausgezeichnet. Außerdem erhält sie den begehrten Publikumspreis für ein Werk, in dem sich auch nach mehrfacher Lektüre immer wieder neue Gedanken und im wahrsten Sinne des Wortes grenzgeniale Formulierungen über eine kontaminierte Landschaft entdecken lassen.
Die Jury war von Gangls und Schumatskys Texten euphorisiert, nachdem sie zuvor eher durch erratische Urteile und dahinplätschernde Diskussionen aufgefallen war.
Selbst ein Beinahe-Skandal rund um die Jurorin Mithu Sanyal, die angesichts von Verena Stauffers unmissverständlichem Anti-Putin-Text aus welchen Gründen auch immer „Mitleid“ für den angeblich einseitig beschriebenen Kriegstreiber bekundete, belebte die Debatte nur kurzzeitig. Ernsthaft, unterhaltsam und auch literarisch treffsicher vermochte auch in diesem Jahr nur der einst umstrittene Juror Philipp Tingler sprechen.
Bachmann-Preis-Jubiläum steht 2026
Im nächsten Jahr findet der Bachmannwettbewerb zum 50. Mal statt. Wenn sich die Veranstaltung nicht endgültig in ein Literaturmuseum verwandeln möchte, müssen insgesamt bessere, originellere, sprachlich wie inhaltlich wirklich mitreißende Texte ausgewählt werden. Vielleicht wird rechtzeitig zum Jubiläum auch die Jury neu aufgestellt, um alte Rollenmuster gar nicht erst bedienen zu müssen.
Ansonsten lässt sich diese für den Literaturbetrieb und das interessierte Publikum gleichermaßen so wichtige Veranstaltung schon bald wegsparen, ohne dass es in der deutschsprachigen Kulturwelt groß auffallen würde.

Jun 29, 2025 • 55min
Ingeborg-Bachmann-Preis 2025
Eine Sondersendung zur 49. Ausgabe der legendären Tage der deutschsprachigen Literatur am Wörthersee.

Jun 29, 2025 • 10min
Mitmachen ist alles? Was die Autorinnen und Autoren sagen
Wie war das Lesen? Mit welcher Erwartung sind die Autoren und Autorinnen nach Klagenfurt gereist? Und: Wie empfanden die Lesenden die Jury-Diskussion?

Jun 29, 2025 • 11min
Gute und schlechte Texte: Eine Klagenfurt-Bilanz
Das Wettlesen um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis im österreichischen Klagenfurt stand oft am Anfang literarischer Karrieren.
Zwar nehmen immer wieder auch etablierte Autorinnen und Autoren teil, doch ein besonderes Augenmerk liegt seit Gründung der Veranstaltung auf den Neuentdeckungen. Denn in diesen Texten zeigt sich womöglich schon vor einer Buchveröffentlichung, was später einmal stilprägend sein kann.


