Maja Göpel (2025) - Wie gewinne ich das Vertrauen in die Politik zurück?
Mar 16, 2025
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Maja Göpel, Transformationsforscherin und Politökonomin, spricht über die drängenden Fragen der politischen Vertrauenskrise. Sie beleuchtet, wie Ohnmacht und Frustration in der Gesellschaft wachsen und wie die Politik Verantwortung neu denken muss. Themen wie der Einfluss von Technologie auf Wahrheiten und die Bedeutung respektvoller Kommunikation werden diskutiert. Zudem ermutigt sie zu positiven Visionen für die Zukunft und betont, wie Gemeinschaften nachhaltige Veränderungen vorantreiben können.
Das Gefühl der Ohnmacht in der Politik entsteht durch fehlende Verbindlichkeit und mangelnden Respekt von Politikern gegenüber den Wählern.
Die Entfremdung zwischen Politik und Zivilgesellschaft wird durch populistische Bewegungen und das Versagen rationaler Diskurse verstärkt.
Technologische Entwicklungen wie Deepfakes führen zu Verwirrung über die Realität und gefährden somit das gesellschaftliche Vertrauen.
Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind untrennbar verbunden, weshalb gemeinsame Lösungen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl wichtig sind.
Deep dives
Ernsthaftigkeit in der Politik
Die Diskussion über die Ernsthaftigkeit und Leistung der Politiker wird angesprochen. Ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber der aktuellen politischen Lage wird vermittelt, da es an Verbindlichkeit und Respekt für die Wähler mangelt. Insbesondere die Art und Weise, wie Politiker mit gesellschaftlichen Herausforderungen umgehen, spiegelt eine besorgniserregende Verachtung wider. Diese Haltung führt zu einer distanzierten Beziehung zwischen der Politik und der Zivilgesellschaft, die sich fragen muss, wie sie mit dieser Entfremdung umgehen kann.
Weltverlust und Krisenbewusstsein
Es wird das Gefühl des Weltverlusts thematisiert, das viele Menschen empfinden, insbesondere in Bezug auf Umwelt- und soziale Themen. Die wachsende Unsicherheit über die Stabilität globaler Klima- und Wirtschaftsstrukturen verstärkt dieses Gefühl. Dabei wird auf die historische Emanzipation von Frauen verwiesen, die Erfolge errangen, und wie diese Errungenschaften nun in Gefahr sind. Diese Dynamik zeigt sich auch in der Zunahme populistischer Bewegungen und einer Abkehr von rationalen Diskursen.
Veränderungen durch Technologie
Die aktuelle Herausforderung durch technologische Entwicklungen wie Deepfakes wird besprochen, die die Wahrnehmung von Realität und Wahrheit in Frage stellen. Dadurch entsteht Verwirrung über den Unterschied zwischen echtem und falschem Inhalt. Die Diskussion hebt hervor, dass diese Veränderungen nicht nur die persönliche Integrität, sondern auch die Vertrauensbasis der Gesellschaft im Allgemeinen beeinflussen. Die Unfähigkeit, klare Realitäten zu definieren, macht den Weg für Manipulation und Verwirrung frei.
Der gesellschaftliche Kontrakt
Der gesellschaftliche Kontrakt, der die verbindliche Erwartung an Leistung und Verantwortung von Bürgern und Führungskräften beschreibt, steht zur Diskussion. Es wird betont, dass eine Leistungsgesellschaft nicht funktionieren kann, wenn einige Akteure ständig aus dem Raster fallen. Die Fragen, wie Verantwortung verteilt wird und was Versprechen wert sind, stehen im Raum. Die Notwendigkeit eines strukturellen Wandels wird als essentiell erachtet, um Fähigkeiten und Ressourcen gerecht zu verteilen.
Populismus und Misstrauen
Ein zentrales Thema ist das zunehmende Misstrauen in politische Institutionen, das von populistischen Kräften instrumentalisiert wird. Die Bedingungen, unter denen Bürgerpolitiken wahrnehmen, sind nicht mehr klar, was die Akzeptanz von Entscheidungsträgern erschwert. Die Vergänglichkeit demokratischer Werte und das Gefühl des Ausgeliefertseins an machtpolitische Strömungen führen zu einem nachlassenden Vertrauen in Regierungsversprechen. Es wird ein Plädoyer für mehr Transparenz und partizipative Mechanismen gefordert, um das Vertrauen wiederherzustellen.
Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit
Die Themen Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit werden als zwei Seiten derselben Medaille betrachtet. Es wird betont, dass eine ungelöste soziale Ungleichheit auch ökologische Fortschritte behindert. Die Notwendigkeit, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, wird angesprochen. Eine klare Zukunftsvision ist essential, um sowohl ökologischen als auch sozialen Herausforderungen zu begegnen und eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen.
Die Rolle der Kunst und Kultur
Kunst und Kultur werden als wichtige Mittel zur Bewältigung von Gefühlen der Ohnmacht und Entfremdung hervorgehoben. Sie ermöglichen die Verarbeitung von Erfahrungen und fördern den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Veranstaltungen, Konzerte und gemeinsames Erleben stärken das Gemeinschaftsgefühl und helfen dabei, positive Akzente zu setzen. Durch solche kollektiven Erfahrungen können Menschen inspiriert werden, sich aktiv in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.
Zukunftsorientierte Lösungsansätze
Zukunftsorientierung und das Streben nach Lösungen für gegenwärtige Herausforderungen sind zentrale Anliegen der Diskussion. Es wird betont, wie wichtig es ist, positive Beispiele und Initiativen zu fördern, die für gesellschaftlichen Wandel stehen. Der Fokus soll dabei auf gemeinschaftlichen Projekten liegen, die sinnvoll zur Transformation beitragen. Ein mutiger und kooperativer Ansatz wird als Schlüssel zum Erfolg der sozialen und ökologischen Transformation angesehen.
Maja ist Transformationsforscherin, Politökonomin und Nachhaltigkeitsexpertin.
Gerade erschien ihr neuestes Buch Werte. Ein Kompass für die Zukunft.
Das erste Mal war sie im April 2021 im Hotel Matze. Nun haben wir uns eigentlich nur auf einen Kaffee verabreden wollen und dann kurzfristig entschieden, die Mikros (und Kameras) dabei laufen zu lassen.
Ich wollte von Maja wissen, wie sie auf die politische Heimatlosigkeit und die Ohnmachtsgefühle blickt, die so viele Menschen (mich inklusive) gerade umtreiben.
Wir sprechen über Gewissenhaftigkeit und -losigkeit in der Politik, über die neue Konservative, das vermeintlich Progressive in der Destruktion und darüber, wie man es dieser Tage schaffen kann, dafür statt dagegen zu sein.