Hassverbrechen-Serie in Österreich: Das erste Opfer - #1356
Apr 3, 2025
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Matthias Winterer und Eva Konzett sind Journalisten beim Falter, die sich intensiv mit einer erschreckenden Reihe von Hassverbrechen in Österreich beschäftigen. Sie beleuchten den Fall Zero, in dem ein 16-Jähriger ein schwules Opfer über ein Fake-Profil angreift. Die beiden diskutieren die problematische Selbstbezeichnung von Tätern und die Medienberichterstattung über solche Taten. Zudem wird auf die internationalen Wurzeln des Pidohunter-Phänomens eingegangen, das aus Brutalität und Geldgier entsteht und die Herausforderungen für die Polizei thematisiert.
Die neuen organisierten Hassverbrechen in Österreich, die von sogenannten 'Pädoyägern' begangen werden, sind eine ernsthafte Bedrohung für die Gesellschaft.
Der Fall Zero verdeutlicht die schwerwiegenden Folgen von Fake-Profilen und deren Nutzung zur Falle von Opfern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.
Deep dives
Organisierte Hassverbrechen und ihre Täterschaft
Eine neue Form von organisierten Hassverbrechen, die von jungen Tätern begangen wird, stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Diese Täter, die sich selbst als "Pädoyäger" bezeichnen, jagen gezielt Männer wegen deren sexueller Orientierung und nutzen dazu oft Falschaussagen, um ihre Opfer in die Falle zu locken. Die Polizei hat festgestellt, dass ihre Aktivitäten nicht nur aus einem Verlangen nach Gewalt bestehen, sondern auch eine Pseudolegitimation für ihre Taten darstellen. Die verwendeten Begriffe wie "Pädohunting" verdecken die wahre Natur dieser Verbrechen und schüren damit Vorurteile in der Öffentlichkeit, weshalb ein präziserer Begriff wie "Hassverbrechen" gefordert wird.
Der Fall Zero und seine Bedeutung
Der sogenannte Fall Zero stellt den ersten dokumentierten Fall dar, der die stringente Vorgehensweise dieser Gewaltverbrechen aufdeckte und die Ermittlungen der Polizei in Gang setzte. Der Haupttäter, ein 16-jähriger Junge, erstellte ein gefälschtes Profil auf einer Dating-Plattform und lockte ein schwules Opfer an einem Badeteich in eine Falle, wo er brutal angegriffen wurde. Der Fall zeigte ein Muster auf, welches sich bei anderen Opfern wiederholte, bei denen die Angst vor Outing und Scham dazu führte, dass viele nicht zur Polizei gingen. Diese Problematik verdeutlicht, dass ein Großteil der Opfer unter erheblichem Druck steht und oft keine Hilfe suchen.
Die Rolle von sozialen Medien und internationaler Einfluss
Die Täter nutzen Plattformen wie Telegram, um sich zu organisieren und ihre Taten zu planen, was auf einen internationalen Einfluss hindeutet, besonders inspiriert durch ähnliche Phänomene in den USA. Dort führen selbsternannte Pädohunter ebenfalls brutale Selbstjustiz durch, die als Unterhaltung präsentiert wird, was einen gefährlichen Trend zur Idealisierung solcher Gewaltakte schafft. In Österreich ist dies ein neues Phänomen, das sich jedoch in seiner Brutalität stark von den amerikanischen Vorbildern unterscheidet. Diese Videos von den Überfällen erreichen, trotz ihrer Veröffentlichung nur in geschlossenen Gruppen, eine weite Verbreitung und zeigen die potenzielle Gefährlichkeit der Online-Entwicklung in der Tätergemeinschaft auf.
Am 21. März decken Polizisten in Razzien in sieben Bundesländern ein österreichweites Serienverbrechen auf: Schlägertrupps stellen Männern Fallen, um sie zu misshandeln, zu erniedrigen und zu jagen. Unter dem Deckmantel gefakter Pädophilievorwürfe leben sie Gewaltphantasien aus.
Der Falter konnte den Fall Zero rekonstruieren. Im Gespräch mit Barbara Tóth sprechen Matthias Winterer und Eva Konzett über die Recherche und erschreckende Erkenntnisse.
Die Recherche aus dem FALTER 14/25 können Sie hier lesen.