buch|essenz

Friedrich-Ebert-Stiftung
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Jun 21, 2024 • 14min

Kohei Saito (2023): Systemsturz

Der Sieg der Natur über den Kapitalismus Die im Zusammenhang mit der Klimakrise geführte Diskussion um Wirtschaftswachstum ist in vollem Gange. Während viele Regierungen auf grünes Wachstum setzen, gibt es in Teilen der wissenschaftlichen Community erhebliche Zweifel, ob dieser Plan aufgehen kann. Saitos Kernthese, die Aufgabe von Kapitalismus und Wachstum bedeute keineswegs Verzicht, sondern garantiere ein besseres Leben für alle, bietet eine verlockende Alternative. Der Kapitalismus ist nicht zukunftsfähig. Nicht nur weil er zu sozialer Ungleichheit und globaler Ausbeutung führt, sondern weil er mit seiner Wachstumslogik die Klimakrise verursacht. Um zu überleben, müssen wir Kapitalismus und Wirtschaftswachstum aufgeben. Auch grünes Wachstum ist eine Illusion. Eine echte Alternative hingegen bietet der Degrowth-Kommunismus. In diesem erfolgt eine Neuausrichtung der Produktion: weg von dem, was dem Kapital Profit bringt, und hin zu dem, was den Menschen nutzt. Die Wirtschaft muss entschleunigt, die Umwelt entlastet und der öffentliche Wohlstand wiederhergestellt werden.
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May 20, 2024 • 14min

Aladin El-Mafaalani (2021): Wozu Rassismus?

Von der Erfindung der Menschenrassen bis zum rassismuskritischen Widerstand Über Jahrhunderte hinweg haben rassistische Denk- und Verhaltensweisen das Zusammenleben in Deutschland, Europa und weltweit geprägt. „Wozu Rassismus?“ ist ein zum Nachdenken anregendes Buch von Aladin El-Mafaalani, das die Ursprünge des Rassismus und die Notwendigkeit des Widerstands dagegen untersucht. Das Buch befasst sich mit dem Konzept der menschlichen Rassen und betont, dass es sich bei ihnen um ein soziales Konstrukt ohne wissenschaftliche Grundlage handelt. Durch seine Analyse beleuchtet El-Mafaalani die negativen Folgen von Rassismus für Einzelpersonen und Gesellschaften, wie Diskriminierung, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit. Rassistische Überzeugungen und Einstellungen müssen hinterfragt und in Frage gestellt werden. „Wozu Rassismus?“ stellt auch verschiedene Formen des Widerstands gegen Rassismus vor, sei es durch individuelle Aktionen oder kollektive Bewegungen. El-Mafaalani zeigt inspirierende Beispiele antirassistischen Aktivismus, die zu positiven gesellschaftlichen Veränderungen beigetragen haben. Insgesamt regt das Buch die Leser dazu an, über den Zweck und die Auswirkungen des Rassismus nachzudenken, und fördert so ein tieferes Verständnis seiner Ursprünge und der dringenden Notwendigkeit kollektiven Engagements.
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May 6, 2024 • 9min

Felix Heidenreich (2023): Nachhaltigkeit und Demokratie. Eine politische Theorie

Die Klimakrise verändert Gesellschaften auf fundamentale Weise. Ein gesellschaftlicher Wandel kann nur dann langfristig gelingen, wenn Nachhaltigkeit als politisches Ziel definiert wird – und wenn wir begreifen, dass sich dabei nicht nur die Gesellschaft verändern muss, sondern sich auch die Prozesse und Institutionen unserer Demokratie wandeln müssen. Nachhaltige Politik darf nicht von Expert_innen bzw. Gerichten ‚verordnet‘ werden. Sie muss vielmehr von Bürger_innen für Bürger_innen gemacht werden. Ein klimaverträglicher Wandel unserer Gesellschaft kann weder vom Markt noch von Technologie allein getragen werden kann, sondern bedarf auf grundlegende Weise politischer Regulation – einer Regulation allerdings, die nicht ‚von oben‘ durchgedrückt werden darf, sondern zu der sich die Bürger_innen selbst verpflichten.
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Apr 22, 2024 • 14min

Valentina Kerst & Fedor Ruhose (2023): Schleichender Blackout.

Wie wir das digitale Desaster verhindern Mit Blick auf die digitale Transformation hinkt Deutschland weit hinter dem EU-Durchschnitt her. Komplexe Regulierungen hemmen den Fortschritt, und es besteht die Gefahr eines digitalen Blackouts, wenn diese Hindernisse nicht beseitigt werden. Die Lösung liegt in einer nutzerorientierten, resilienten und kooperativen Digitalisierung. Zu ihrer Umsetzung ist es notwendig, eine klare Datenstrategie zu entwickeln, angemessene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und die digitale Bildung zu fördern. Die Autor_innen formulieren klare Richtlinien, um eine effiziente und soziale Digitalisierung in Zukunft zu ermöglichen. Das vorliegende Buch bietet fruchtbare Analysen und Impulse für das Gelingen einer effizienten und sozial gerechten Digitalisierungsstrategie.
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Apr 11, 2024 • 17min

Johannes Plagemann und Henrik Maihack (2023): Wir sind nicht alle.

Der Globale Süden und die Ignoranz des Westens Aus Sicht des Westens beginnt die Moderne mit der Aufklärung, die mit der industriellen Revolution zu Wohlstand und Entwicklung führte. Der Blick des Globalen Südens auf die Geschichte unterscheidet sich fundamental: Der wirtschaftliche Aufstieg Europas wurde durch Raubbau an Rohstoffen, Versklavung und Ausbeutung ermöglicht – eine Erfahrung, die bis heute prägt. Während der Westen auf werteorientierte Bündnisse setzt, bevorzugen die Staaten des Globalen Südens pragmatische Ansätze der Zusammenarbeit. Daher wird Europa verstärkt in themenorientierte Allianzen investieren müssen – ein typisches Phänomen einer multipolaren Weltordnung. Kompliziert dabei: Die Grenzen zwischen Demokratien und Autokratien, Regierungen und Gesellschaften, Partnern und Rivalen sind zunehmend fließend, sowohl im Globalen Süden als auch im Westen.
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Mar 25, 2024 • 18min

Şeyda Kurt (2023): Hass.

Von der Macht eines widerständigen Gefühls Hass ist überall und allgegenwärtig – und doch darf er nicht existieren. Es ist ein ungemütliches Gefühl, das häufig als Gefahr empfunden wird. Gleichzeitig kann er aber auch emanzipatorisch sein und transformativ wirken. Die Reaktion auf Hass ist häufig Verachtung, in der Abwendung und Gleichgültigkeit zum Ausdruck kommen. Doch diese Reaktion verdeckt, dass Hass auch ein politischer Akt sein kann – indem er die strukturellen Ursachen menschlichen Leids und die Anliegen marginalisierter Menschen sichtbar macht. Doch nicht jeder Hass ist legitimer Ausdruck von Unterdrückung und emanzipatorisch. Den Hass und die Wut marginalisierter Menschen als Ausdruck ihrer Unterdrückung gilt es jedoch ernst zu nehmen und erforderliche materielle sowie strukturelle Veränderungen anzugehen.
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Mar 19, 2024 • 19min

Isabella Weber (2023): Das Gespenst der Inflation.

Wie China der Schocktherapie entkam Inflation gilt als eine Gefahr für Wohlstand und politische Stabilität. Ein häufig von liberalen Wirtschaftswissenschaftlern empfohlenes Gegenmittel ist die Schocktherapie. Die Grundidee: Wenn eine zu große Geldmenge die Preise in die Höhe treibt, dann besteht die Lösung in einer Verknappung der Geldmenge, auch wenn dies negative Folgen haben kann, z.B. hohe Arbeitslosigkeit. Vielen Ländern wurde nach Wirtschaftskrisen oder beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft eine solche Schocktherapie verordnet. Allerdings ist der Ansatz weniger effektiv als oft behauptet und zudem führt er nicht selten zu politischer Instabilität. Mit ihrer Analyse der chinesischen Preiskontrollen zeigt Isabella M. Weber neue Gestaltungswege auf. Dafür wurde das Buch ausgezeichnet mit dem Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik 2024.
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Mar 19, 2024 • 15min

Alexander Hagelüken (2023): Schock-Zeiten.

Wie Deutschland den wirtschaftlichen Abstieg verhindert Deutschlands Wirtschaft leidet unter Schocks infolge von Inflation, Energiekrise, Klimawandel und demografischen Wandel. Zudem hat die Ungleichheit in Deutschland deutlich zugenommen. Die 45 reichsten Familien des Landes besitzen heute so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. In Verbindung mit den gegenwärtigen Krisen treibt diese Ungleichheit die Menschen in die Arme von Populisten. Sie bremst zudem die Konsumnachfrage und damit das Wirtschaftswachstum. Diese Herausforderungen können allerdings gemeistert werden, durch eine entschlossene Modernisierung von Staat und Unternehmen. Die nötigen Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und eine innovationsfördernde Industriepolitik können durch eine gerechtere Steuerpolitik und eine Lockerung der Schuldenbremse finanziert werden. Ausgezeichnet mit dem Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik 2024.
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Mar 8, 2024 • 13min

Stefanie Lohaus (2023): Stärker als Wut.

Wie wir feministisch wurden und warum es nicht reicht Das Wort „Feminismus“ ist mittlerweile fest in unserem Alltag verankert. Eine Selbstverständlichkeit die von Feminist_innen über viele Jahrzehnte hart erkämpft wurde. Und trotzdem: Die faktische Gleichstellung ist längst nicht erreicht. Ein wesentlicher Treiber der feministischen Bewegung(en): Wut auf die bestehenden Verhältnisse. Doch auch wenn diese Wut berechtigt ist, verstellt sie immer wieder den Blick auf die vielen Erfolge. Eine solche Erinnerungskultur ist aber wichtig, um Kraft und Zuversicht für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen zu schöpfen.
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Mar 4, 2024 • 17min

Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser (2023): Triggerpunkte

Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft Die Analyse der Einstellungen und Stimmungen in der Gesellschaft beeinflusst öffentliche Diskussionen und politisches Handeln. Dabei erfreut sich die These einer immer weiter zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft großer Popularität – aber trifft die Spaltungsdiagnose überhaupt zu?. „Triggerpunkte“ zeigt: In Deutschland ist das bislang nur bedingt der Fall. Die Autoren untersuchen vier zentrale Ungleichheitsarenen: Oben-Unten (Sozioökonomie), Innen-Außen (Nationenzugehörigkeit), Wir-Sie (Identitätsdebatte), Heute-Morgen (Klimadiskussion). Der Befund: In allen Bereichen lässt sich keine klare Polarisierung feststellen, vielmehr besteht ein Grundkonsens in der Mitte der Gesellschaft. Doch es gibt auch Triggerpunkte auf die Menschen besonders heftig und emotional reagieren und an denen sich Konflikte schnell intensivieren können. Ein wichtiger, empirisch fundierter Beitrag zum politischen Diskurs in Deutschland, von uns ausgezeichnet mit dem Preis "Das Politische Buch“ 2023.

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