buch|essenz

Friedrich-Ebert-Stiftung
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Oct 28, 2024 • 17min

Steven Levitsky & Daniel Ziblatt (2024): Die Tyrannei der Minderheit

Die Experten beleuchten die drohenden Gefahren für die amerikanische Demokratie. Sie diskutieren, wie die Tyrannei der Minderheit die Politik beeinflusst und welche historischen Ursachen dies hat. Darüber hinaus werden Reformansätze vorgestellt, um die Bürgerbeteiligung zu verbessern. Besonders spannend ist die Analyse der autoritären Tendenzen seit 2016 und deren Auswirkungen auf eine mögliche multiethnische Demokratie. Gibt es noch Hoffnung für die US-Demokratie?
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Oct 15, 2024 • 16min

Steffen Mau (2024): Ungleich vereint

Warum der Osten anders bleibt. Geprägt durch die Erfahrungen in der DDR und die Weichenstellungen in den Wendejahren wird der Osten anders bleiben – ökonomisch und politisch, aber auch mit Blick auf Mentalität und Identität. In Ostdeutschland waren lange eher apolitische, abwartende, teils apathische Haltungen vorherrschend. Unter Bedingungen gesellschaftlichen Stresses kam es jedoch zu einem Politisierungsschub. Menschen mit schwachen Loyalitäten für die etablierten Parteien und das politische System insgesamt wanderten in ein rechtsextremes Gesinnungslager ab. Zukünftig muss es darum gehen, die Gesellschaft enger mit der Politik zu verbinden und Entscheidungs- und Partizipationsmöglichkeiten jenseits der klassischen Parteien zu vergrößern.
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Sep 30, 2024 • 18min

Christina Morina (2023): Tausend Aufbrüche

Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren Aus bislang unerforschten Selbstzeugnissen wie Bürgerbriefen, Petitionen und Flugblättern rekonstruiert die Autorin die Demokratievorstellungen und das Selbstverständnis normaler Bürger_innen in Ost und West seit den 1980er Jahren. Die jüngste deutsche Demokratiegeschichte wird üblicherweise als rein westdeutsche, von 1949 über die Vereinigung bis in die Gegenwart reichende Teilgeschichte erzählt. Die ostdeutsche Gesellschaft wurde 1989 Teil dieser Geschichte, musste die Demokratie aber erst erlernen. Doch diese Lesart wird der Demokratieanspruchsgeschichte der DDR nicht gerecht. Morinas Untersuchung – die mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2024 ausgezeichnet wurde – offenbart die Grenzen der westdeutschen Liberalisierung ebenso wie die Vielfalt der ostdeutschen Demokratieaneignungsversuche und liefert so wichtige Einsichten zum Verständnis der gegenwärtigen Lage unserer Demokratie.
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Sep 16, 2024 • 14min

Daron Acemoglu, Simon Johnson (2023): Macht und Fortschritt

Unser 1000-jähriges Ringen um Technologie und Wohlstand. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrtausends sind das Ergebnis der Auseinandersetzung über die Ausrichtung und Nutzung von Technologie. Da der Fokus des Buchs auf Technologie liegt, bezieht sich der Großteil der Untersuchung auf jene Weltregionen, in denen die wichtigsten und folgenreichsten technologischen Veränderungen stattfanden. Unter dem Fokus der Kontrolle über die jeweiligen Technologien, wird der Bogen von der Entwicklung der Landwirtschaft in Westeuropa und China über die industrielle Revolution in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bis zum Siegeszug der digitalen Technologien in den Vereinigten Staaten und China geschlagen. In den Schlusskapiteln werden die sozialpolitischen Implikationen der jüngsten Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz und die damit verbundenen Gefahren für die Demokratie diskutiert. Am Ende skizzieren die Autoren den Rahmen für eine zukünftige wirtschaftlich, sozial und demokratische Neuausrichtung der Technologieentwicklung.
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Sep 2, 2024 • 15min

Axel Honneth (2023): Der arbeitende Souverän

Eine normative Theorie der Arbeit Wenn der Souverän, also die Bürger_innen, im Kapitalismus so sehr mit Arbeit beschäftigt sind, gehen Zeit und Räume für demokratische politische Prozesse verloren. Dies ist nicht kein bloß quantitatives, sondern auch und primär ein qualitatives Problem. Die gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse beanspruchen die Menschen nicht nur übermäßig, vor allem sind sie alles andere als demokratisch organisiert. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Menschen die Demokratie und die eigene Diskussions- und Gestaltungsmacht immer weniger erfahren. Nur mit einer Demokratisierung von Wirtschaft und Arbeit kann eine echte Demokratie entstehen.
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Aug 19, 2024 • 19min

Christina Clemm (2023): Gegen Frauenhass

Frauenhass und die daraus resultierende patriarchale Gewalt sind allgegenwärtig. Sie trifft Frauen in der Sprache, im Netz, in der Medizin, im Beruf, in der Familienplanung und in der Altersversorgung. Frauenhaus ist in der Familie genauso verbreitet wie in der medialen Berichterstattung, in der Kulturindustrie, in den Polizeistationen, im Internet, im öffentlichen Raum und in der Sprache. Ohne viel Fachjargon benennt Clemm patriarchale Strukturen und macht klar, dass es Frauenhass ist, der dieser Gewalt zugrunde liegt. In ihren Forderungen nimmt Clemm alle in die Verantwortung, adressiert aber vor allem Politik und Justiz sowie diejenigen, die von der Ungleichheit im binären Geschlechtersystem so häufig profitieren – Männer.
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Jul 22, 2024 • 13min

Jean-Philippe Kindler (2023): Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf

Eine neue Kapitalismuskritik. Wenn jeder nur an sich denkt, ist an niemanden gedacht. Viele Lebensbereiche sind heute entpolitisiert – ein Effekt neoliberaler, konservativer Leistungsideologie. Dieser neoliberale Glaube an den sozialen Aufstieg durch Leistung ist selbst in linken Kreisen tief verankert. In dieser Logik ist jeder „selbst schuld“, wenn das Leben missrät – so, als gäbe es Chancengleichheit. Mit dieser Erzählung zieht sich die Politik aus der Verantwortung, anstatt allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Gebraucht werden neue Konzepte jenseits des Kapitalismus für ein gutes Leben für alle. Kindler hat ein wütendes, in Teilen nachdenkliches Buch verfasst. Es ist ein scharfes Plädoyer gegen woke washing und für mehr Klassenbewusstsein und die Repolitisierung zentraler Lebens- und Politikbereiche, das viel nachvollziehbaren Stoff zur linksaktivistischen Selbstreflexion bietet.
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Jul 15, 2024 • 7min

Eva Menasse (2023): Alles und nichts sagen

Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne Verliert die liberale Gesellschaft, den Boden auf dem sie steht? Die globale Digitalisierung hat weitreichende Auswirkungen auf unser Zusammenleben. Unter anderem hat die digitale Massenkommunikation maßgeblich zur Polarisierung der Gesellschaft beigetragen. Eine der problematischsten Phänomene ist dabei die Beschleunigung, die auch bewusst verlangsamte Strukturen wie politische Institutionen betrifft. Auch hat die digitale Massenkommunikation den Boden für Wissenschaftsskepsis und Irrationalität bereitet, die sich während der Corona-Pandemie stark ausbreiteten
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Jul 2, 2024 • 15min

Anton Jäger (2023): Hyperpolitik

Extreme Politisierung ohne politische Folgen. Die 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren in der öffentlichen Selbstwahrnehmung westlicher Gesellschaften eine Zeit zunehmender persönlicher und politischer Freiheit. Sie wird auch mit dem Begriff der „Postpolitik“ beschrieben. Ab etwa 2010 änderte sich dies allerdings: Anstelle offener Grenzen entstanden wieder Zäune. Doch das neue Zeitalter erlebte keine Wiederkehr der „Massenpolitik“, wie sie bis Ende der 1980er Jahre bestanden hatte – geprägt durch kollektive Organisationen wie Kirchen, Parteien und Gewerkschaften. Zwischen dem Privatem und öffentlichen Angelegenheiten tat sich zunehmend eine Kluft auf. Die Zeit der Hyperpolitik ist so hoch politisch, aber soziale Bewegungen bleiben weitgehend folgenlos, politische Konsequenzen blieben aus. Um dem entgegenzuwirken, braucht es neue Formen der kollektiven Organisation.
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Jun 27, 2024 • 19min

Herfried Münkler (2023): Welt in Aufruhr

Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert Im 21. Jahrhundert wird die Welt weder wie zu Zeiten des Kalten Krieges bipolar geordnet sein noch wird es eine Dominanz der USA geben. Stattdessen wird sich wahrscheinlich eine multipolare Ordnung entwickeln, wobei mit einer Fünfer-Konstellation aus den Polen USA, EU, China, Russland und Indien zu rechnen ist. In dieser Konstellation wird es zwar nicht mehr um die Universalität westlicher Werte gehen, wohl aber um konsistente Narrative zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie. Die Fünfer-Konstellation wird nur dann eine Friedensordnung sein können, wenn alle Akteure sich flexibel auf notwendige Reformen bezüglich der Aufrüstung, einer progressiven Entwicklungszusammenarbeit und neuer Bündnisse mit dem globalen Süden einstellen. Außerdem wird die Verteilungsfrage angesichts geopolitischer Kosten neu gestellt.

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