

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Apr 5, 2025 • 8min
Erste Koalitionsverhandlungen der Bundesrepublik – Handschlag reicht | 23.8.1949
Nach der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 muss der CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer Koalitionspartner suchen. Adenauer bevorzugt eine Koalition mit der FDP. Die Koalitionsgespräche laufen allerdings etwas anders ab als heute. Man trifft sich in Adenauers Haus in Rhöndorf.
Die ersten Koalitionsgespräche: sehr informell
Es geht relativ schnell, drei Wochen nach den ersten offiziellen Gesprächen wird Adenauer schon mit Unterstützung der FDP und der rechtsgerichteten DP, der Deutschen Partei zum Kanzler gewählt. Ein schriftlicher Koalitionsvertrag entsteht dabei nicht, nur ein informeller, nie veröffentlichter Schriftwechsel. Ansonsten reicht den Beteiligten ein Handschlag. Und anders als heute, dringt von Koalitionsgesprächen kaum etwas nach außen.
Nur ein Beitrag in den Rundfunkarchiven der ARD
Das folgende Interview vom 23. August hat WDR-Reporter Walter Steigner mit Adenauer geführt. Es ist der einzige Beitrag zu den Koalitionsgesprächen, der sich heute in den Archiven der ARD findet.

Mar 30, 2025 • 8min
Chefredakteur von Radio Stuttgart warnt vor politischem Einfluss wie in Bayern | 21.7.1949
Bis 1949 war Radio Stuttgart der US-amerikanischen Besatzung unterstellt. Am 22. Juli 1949 geht der Sender in deutsche Verwaltung über und wird eine öffentlich-rechtliche Anstalt: der Süddeutsche Rundfunk.
Hanns Küffer: Bayern-Landesregierung fordert Intendanten-Absetzung
Am Tag vor der Übergabe äußert sich Chefredakteur Hanns Küffner mit deutlichen Worten: Er warnt vor Vorgängen wie im Nachbarland Bayern, wo die Landesregierung aus Unzufriedenheit über die Berichterstattung schon die Absetzung des Intendanten fordert und es offenbar keine Gesprächsgrundlage mehr zwischen ihr und dem Sender gibt.
Gleichzeitig widerspricht Küffner Forderungen, der künftige Intendant müsse ein dynamischer Freigeist sein. Wichtiger sei, dass er in der Lage ist, ordentlich Geschäfte zu führen und den Betrieb zusammenzuhalten.

Mar 30, 2025 • 13min
Der Rundfunk wird öffentlich-rechtlich: Ansprache von Hans Bredow | 27.12.1947 / 1.1.1948
Rundfunk soll unabhängig vom Staat sein
Hans Bredow betont, dass der Rundfunk unabhängig vom Staat sein soll, warnt aber auch vor Einflussmöglichkeiten über die Gremien. Die Süddeutschen Rundfunkanstalten sollten hier für noch mehr Unabhängigkeit sorgen.
Angesichts der großen Unterschiede zwischen West- und Norddeutschland macht Bredow deutlich, dass er die Vereinigung in einer großen Anstalt wie dem NWDR für ungünstig hält und plädiert für eine Sendeanstalt im Westen.
"Sender sollen sich zusammenschließen": Zwei Jahre später gibt es die ARD
Grundsätzlich sei es notwendig, dass die Sendeanstalten zwar unabhängig sind, aber sich zusammenschließen, um eine einheitliche Rundfunkstruktur zu gewährleisten. Damit nahm Bredow den Gedanken der ARD vorweg. Sie wurde dann am 9.6.1950 gegründet.
Der Nordwestdeutsche Rundfunk macht den Anfang
Den Anfang macht der in der britischen Besatzungszone sendende Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR). Seit Kriegsende war er die gemeinsame Rundfunkanstalt für die gesamte britische Besatzungszone mit Hauptsitz in Hamburg und einem Funkhaus in Köln. Er ging aus der Nordischen Rundfunk AG (NORAG) hervor und war 1950 Gründungsmitglied der ARD.
Nach dem Vorbild der BBC soll ein gebührenfinanzierter Rundfunk entstehen
Geprägt wurde der NWDR durch den Briten Hugh Carlton Greene: Er plante, eine Rundfunkanstalt nach dem Vorbild der britischen BBC aufzubauen, unabhängig von politischem Druck, kommerziellen Interessen und durch Gebühren finanziert.
In seiner Rundfunkansprache anlässlich der Übergabe des NWDR von der britischen Militärregierung in deutsche Hände zum 1. Januar 1948, berichtet Hans Bredow am 27.12.1947 vom Wiederaufbau des deutschen Rundfunks nach dem Krieg und der Konzeption einer unabhängigen Rundfunkanstalt.
"Freiheit und Selbstverwaltung" für den deutschen Rundfunk
Bredow würdigt das Engagement von Hugh Carlton Greene, den zusammengebrochenen Rundfunk in der britischen Zone wieder aufzubauen und ihn wieder zu seiner einstigen Größe zu bringen, vor allem aber "die Schaffung eines Organisationsstatuts für den Nordwestdeutschen Rundfunk", das die Übertragung an eine deutsche Verwaltung regelt und dem Rundfunk "Freiheit und Selbstverwaltung" bringt.
Bredow will eine demokratische, kollegiale Verwaltungsstruktur
Hans Bredow fordert in seiner Ansprache ein besonderes Fingerspitzengefühl für die Ansprüche von Nord- und Westdeutschland. Zudem schlägt er vor, einen Verwaltungsrat nur mit Vertretern nichtamtlicher Organisationen zu besetzen und statt eines Generaldirektors ein kollegiales, demokratisches Direktorium zur Verwaltung der Rundfunkanstalt einzusetzen.

Mar 30, 2025 • 58min
Diskussion: Soll der Rundfunk staatlich oder unabhängig werden? | 30.1.1947
Nach dem Krieg gab es im Südwesten Radio Stuttgart – den Vorläufer des Süddeutschen Rundfunks – und den Südwestfunk. Beide wurden aber noch von den Militärverwaltungen kontrolliert. Auch die Nachrichten wurden zensiert.
Doch zeichnete sich schon bald ab, dass das nur eine Übergangslösung ist, und dass die Rundfunksender eigenständig werden sollten. Doch was ist damit gemeint? Soll der Rundfunk unter Aufsicht des Landtags gestellt werden? Soll die Post die technische Verbreitung übernehmen?
Das Konzept eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks war den Deutschen damals noch nicht so recht vertraut. Und so kam es am 30. Januar 1947 im Programm Radio Stuttgart zu einer Grundsatzdiskussion unter dem Titel: Wollen wir ein staatliches oder ein unabhängiges Radio? Vor dem Hintergrund der heutigen Diskussionen ein aufschlussreicher Schlagabtausch.
Es diskutieren:
Joseph Ersing, MdL, CDUErwin Schöttle, MdL, SPDAlbrecht W. MainholtWalter Brucker
Moderator war Dr. Waldemar Reichelt

Mar 25, 2025 • 2min
Ferdinand Sauerbruchs Entnazifizierungsverfahren | 22.4.1949
Nach dem Krieg setzte die sowjetische Militärverwaltung in Berlin Ferdinand Sauerbruch als Stadtrat für das Gesundheitswesen ein. Sauerbruch unterstützte die Gründung der CDU in Berlin und engagierte sich für den Wiederaufbau. Doch seine Rolle während der NS-Zeit wirft Fragen auf: Sauerbruch war immerhin Generalarzt des Heeres und wusste offenbar auch von Senfgasversuchen an KZ-Häftlingen.
Es kommt zu einem Entnazifizierungsverfahren. Allerdings erst 1949, weshalb er im folgenden Ausschnitt beklagt, dass er vier Jahre lang mit dem schlechten Ruf, der ihm anhaftete, leben musste. Die Vorwürfe selbst weist er von sich.
Wie im Audio zu hören, nahm Sauerbruch das Verfahren nicht wirklich ernst. "Ich nehme das so auf die leichte Schulter, dass es mich ankotzt", sagte er selbst. Ihn entlastete schließlich der Umstand, dass er nicht Mitglied der NSDAP war. So konnte er weiter als führender Chirurg an der Charité arbeiten. Allerdings wurde er zunehmend dement. 1951 starb er.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Mar 25, 2025 • 12min
Ferdinand Sauerbruch über die Chirurgie | 1942
In einem Vortrag aus dem Jahr 1942 spricht der Arzt Ferdinand Sauerbruch über seinen Werdegang und über die Geschichte der Chirurgie.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Mar 25, 2025 • 6min
Ferdinand Sauerbruch freut sich über Nationalpreis | 29.1.1938
1937 nimmt der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch den deutschen Nationalpreis entgegen. Auch das sollte ihm nach dem Krieg vorgeworfen werden, als seine Rolle in der Nazizeit untersucht wurde.
Der Nationalpreis verstand sich als nationalsozialsozialistisches Gegenstück zum Nobelpreis.
Sauerbruchs Dankesrede vom 29. Januar 1938 gerät zu einer Hymne auf den Nationalsozialismus.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Mar 25, 2025 • 6min
Ferdinand Sauerbruch begrüßt "Erwachen" Deutschlands | 11.11.1933
Ferdinand Sauerbruch (1875 - 1951) war einer der einflussreichsten deutschen Chirurgen im 20. Jahrhundert. Er entwickelte an der Charité und am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin zahlreiche neue chirurgische Verfahren.
Sauerbruchs Verhalten in der Nazi-Zeit war ambivalent
Sauerbruch war nach heutigem Stand kein Parteimitglied. Mal unterstützte er das Regime mit entsprechenden Aufrufen, mal übte er auch Kritik, etwa am sogenannten Euthanasieprogramm der Nazis. Es gibt Hinweise, dass er Hitler für eine Gefahr hielt.
In dieser Rundfunkansprache ist davon nichts zu hören. Sie stammt vom Anfang der Nazi-Diktatur, dem 11. November 1933. Das war ein Tag vor der Volksabstimmung zum Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Am selben Tag fand auch die Reichstagswahl statt, bei der nur noch eine nationalsozialistische Einheitsliste zugelassen war. Sauerbruch spricht dennoch von der Möglichkeit zum freien politischen Bekenntnis.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Mar 24, 2025 • 53min
Hans Rosenthal spricht über seine "Zwei Leben in Deutschland" | 24.5.1981
Hans Rosenthal (1925 - 1987) war jahrzehntelang einer der beliebtesten Showmaster des deutschen Rundfunks. Mit Sendungen wie "Allein gegen alle" oder "Dalli Dalli" zog er ein Millionenpublikum in seinen Bann. Dass er in der jüdischen Gemeinde aktiv war und dem Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland angehörte, war zwar bekannt. Es wurde aber kaum in der Öffentlichkeit thematisiert – auch nicht von Rosenthal selbst.
Zwei Leben in Deutschland
Erst in seiner Autobiografie "Zwei Leben in Deutschland", die 1980 erschien, machte er sein Publikum darauf aufmerksam, dass es noch eine andere Seite gab. Der als fröhlicher Unterhalter bekannte Hans Rosenthal hatte den Holocaust nur knapp überlebt. Der Vater war 1937 gestorben. Nach dem Tod der Mutter 1941 kamen Hans, geboren am 2. April 1925, und sein jüngerer Bruder Gert Rosenthal (1932 - 1942) in ein Berliner Waisenhaus. Der 10-jährige Gert wurde von dort nach Riga deportiert und ermordet. Rosenthal selbst überlebte – ab März 1943 versteckt in einer Berliner Kleingartenanlage und unterstützt von drei nichtjüdischen Frauen.
Nachdem Rosenthals Buch erschienen war, stellte er sich im Saarländischen Rundfunk in der Sendung "Fragen an den Autor" den Fragen des Interviewers Heinrich Kalbfuß.
Nachwirkungen eines TV-Vierteilers
Zwei Ereignisse wurden in der Sendung mehrfach aufgegriffen: Zum einen der vierteilige Film "Holocaust", den die ARD zwei Jahre zuvor ausgestrahlt hatte und der – wie zu hören – immer noch nachwirkte. Zum anderen eine Äußerung des israelischen Ministerpräsidenten Begin. Der kritisierte nicht nur die deutschen Panzerlieferungen an Saudi-Arabien, sondern auch Bundeskanzler Helmut Schmidt. Diesen beschimpfte er als geldgierig, arrogant, kaltschnäuzig und geschichtsvergessen. Vor allem die Hörerinnen und Hörer sprachen Hans Rosenthal in der Sendung immer wieder auf diese beiden Ereignisse an.
Sendung "Fragen an den Autor" Quelle: Archiv des Saarländischen Rundfunks

Mar 16, 2025 • 4min
Der junge Christian Drosten identifiziert 2003 SARS-Virus | 7.5.2003
Der 30-jährige Drosten identifiziert zusammen mit Kollegen den tödlichen Erreger und entwickelt früh einen Test. NDR-Reporter Oliver Rabieh hat ihn damals getroffen.
Hintergrund
Im Frühjahr 2003 löst die aus China stammende Lungenkrankheit SARS eine Pandemie aus. Christian Drosten forscht damals am Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, identifiziert dort zusammen mit Kollegen den tödlichen Erreger und entwickelt sehr früh einen Test. NDR-Reporter Oliver Rabieh hat ihn damals getroffen.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte


