

Carls Café
Michael Carl
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
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Dec 8, 2022 • 43min
#132 Ralf Gladis – Wer will morgen schon noch Bargeld?
Diese Woche in der Zukunft: Ralf Gladis ist Gründer und CEO von Computop. Computop? Haben wir alle genutzt, wahrscheinlich sogar diese Woche. Computop ist der führende Payment Service Provider in Deutschland. Wer bislang dachte, die Banken würden das Geld von A nach B bringen: Nein. Über viele Jahre haben zumindest europäische Banken die Entwicklung verschlafen und heute kommen sie kaum hinterher. So schließen andere diese Lücke. Ralf sagt: Bargeld ist für die meisten Menschen heute schon völlig überflüssig, für kleine wie für große Summen. Es ist nicht sicherer und schon gar nicht bequemer als diverse digitale Zahlungsoptionen. Allerdings erinnert Ralf daran: Auch in Europa gibt es nennenswert viele „unbanked people“, die keinen vollen Zugang zu Bankdienstleistungen haben. Für diese Menschen braucht es auf Sicht weiter Bargeld. Woher kommt das Märchen, die Deutschen würden das Bargeld so sehr lieben? Ein Faktor, da ist Ralf sich sicher, liegt bei den Banken. Die haben uns nie wirklich vor Augen geführt, welche Möglichkeiten im Digitalen entstehen. Wir hatten ja nichts außer einer ziemlich dummen Girocard. Und wer die Alternative nicht kennt, der liebt das, was er oder sie hat. Und wenn es Bargeld ist.Eine wichtige Erkenntnis aus dem Gespräch mit Ralf: Die wirklich wichtigen Veränderungen entstehen auf Seiten der Verkäufer und des Handels. Auf Kundenseite muss bezahlen heute wie morgen individuell bequem und sicher sein. Das können wir heute schon. Aber was sind die Daten wert, die beim Bezahlen entstehen? Was lernt ein Anbieter aus den Daten? Wo ist der Supermarkt, der aus seinen Bezahlten lernt, wie viel Fleisch und Milch er am nächsten Wochenende in einer bestimmten Filiale braucht? Spart Logistik, senkt Verschwendung, schont das Klima. Technisch ist das heute schon machbar. Allein, die meisten Supermarktbetreiber denken eher an Gurken und Nudeln als an Kunden und deren Daten. In gewisser Weise offen geblieben ist die Frage nach Kryptowährungen. Wenn alle sicher und bequem können, worin liegt der Mehrwert? Spannender Entwicklungskandidat ist der Kryptoeuro, also eine Digitalwährung, die von der jeweiligen Zentralbank herausgegeben wird. Der traut Ralf sogar zu, einen guten Teil des Bargelds abzulösen. Der Gast in dieser Woche:Ralf Gladis, Founder & CEO at Computop Paygate GmbH

Dec 1, 2022 • 50min
#131 Eva Stock – Goldene Zeiten für HR
Diese Woche in der Zukunft:Vor uns liegt die goldene Zeit von HR. Transformation überall, Arbeit im Wandel, Personal- und Entwicklungsbedarfe ohne Ende. Weiß HR schon davon? Leider kommt man auch mit einem 08/15-Job in der Personalstelle durch das eigene Berufsleben. Eva Stock ist Personalerin mit Leidenschaft und ihr Blog „HR is not a crime“ de facto Pflichtlektüre. Sie sagt: Jede:r wartet auf den großen Veränderungsknall; man spürt es, es liegt etwas in der Luft. Aber was? HR ist eine Aushandlungsstelle. Will heißen: HR sorgt dafür, dass die Menschen im Unternehmen miteinander aushandeln, was sie wollen und was sie brauchen, professionell wie persönlich. Und das aber bitte so, dass es das Geschäft nicht lähmt. Was ein wenig wie Bullerbü klingt, ist anspruchsvoll: Wie sorge ich für smoothe Prozesse von Entwicklung, damit das Unternehmen Zeit für wichtiges hat? Wie kann HR auf Dauer Störenfried sein und Luftschlösser einreißen – und zugleich als Entwicklungspartner im Unternehmen ernst genommen werden? Und was sagt Eva zur Klassikerfrage? Wie steht es um Recruiting und Hiring? Vergleichen und doch nicht vergleichen. HR muss dafür sorgen, dass das Unternehmen genau weiß, was um es herum geschieht. Und HR muss dafür sorgen, dass das eigene Unternehmen das Umfeld nicht kopiert, sondern der Unterscheidbare findet, die Differenz kennt und herausstellt. Bleibt die Frage nach Namen: HR oder Personalstelle? Hauptabteilung Personal oder oder People&Culture? Zu Gast in dieser Woche:Eva Stock, Chief People & Marketing Officer Comspace, Blog: HR is not a crime

Nov 24, 2022 • 36min
#130 Marco Scheel – Wir können nicht alle mit dem MacBook in Kreuzberg im Café sitzen
Diese Woche in der Zukunft: Ein YouTube-Held der anderer Art. Marcos Schimpftiraden über die Schwierigkeiten, seinen alten Gutshof bei Wismar ausbauen zu dürfen, sind längst viral gegangen. „Nordwolle“ platzt aus allen Nähten; ein alter Stall soll zur Produktionshalle für Wolljacken werden. Ein konsequent nachhaltiges Unternehmen in der mecklenburgischen Provinz, lokale Wertschöpfung, ökologischer Mehrwert, Arbeitsplätze. Marco setzt auf Wolle von Schafen, die vor kurzem noch als Dünger auf dem Acker untergepflügt wurde. Keiner wollte sie haben oder gar verarbeiten. Schon gar nicht tragen. Stattdessen gehen Funktionsjacken aus Kunstfasern über den Ladentisch. Marco sagt: „Die Leute sehen mit ihrer Ausrüstung aus, als könnten sie gerade den K2 besteigen, schieben aber einen Kinderwagen durch Kreuzberg. Da denken wir: Es muss jetzt nicht unbedingt die faserverstärkte Mülltüte sein. Wolle kann das auch supergut leisten und in den meisten Anwendungsgebieten sogar besser.“Nachhaltigkeit ist für ihn selbstverständlich – aber eben nicht genug. Wenn wir nur künftig keinen Schaden anrichten wollen, was wird dann aus den Schäden, die wir dem Planeten bereits zugefügt haben? Marco schaut hier vor allem auf die Schafe: Richtig gehalten, geben sie der Welt einen ökologischen Mehrwert, heilen das Ökosystem, in dem sie leben. Marco hat Nordwolle ohne jede Anschubfinanzierung aufgebaut; schon Jacke #1 musste Geld verdienen, um die nächste herstellen zu können. Inzwischen, nach knapp zehn Jahren, hat er 30 Mitarbeiter:innen und macht mehrere Mio € Umsatz pro Jahr. Das Wachstum wird auch noch weitergehen, allerdings nicht mehr lange. Seine These: Vernünftig wirtschaften kann man nur bis zu einer bestimmten Unternehmensgröße. Noch ist alles transparent. Noch kann Marco genau sagen, woher die Wolle kommt, wie die Schafe gehalten werden, wer die Jacke genäht hat und was alles drin ist. Die Großen der Branche können das nicht. Sie verlassen sich auf Zertifikate. Aber Zertifikate sollen nur den Mangel intransparenter Märkte ausgleichen. Marco will die intransparenten Märkte abschaffen. Das ist, neben einigem anderen, vor allem: Arbeit. „Wenn wir unseren Planeten so heilen wollen, wie ich das hier schildere, dann geht das nur mit extrem viel Arbeit - und wir brauchen jede Hand, die wir kriegen können.“ Auch das ist Zukunft von Arbeit, nicht nur der Chai Latte am MacBook in Berlin-Mitte.Zu Gast in dieser Woche:Marco Scheel, Gründer von Nordwolle Rügen

Nov 17, 2022 • 49min
#129 Sebastian Seiffert, Maren Urner, Daniel Baldy - Es ist ein Klimanotstand, Baby!
Diese Woche in der Zukunft: Was muss eigentlich geschehen, damit endlich etwas geschieht? Eine Folge über die Suche nach Kompromissen und die Härte von Naturgesetzen. Zwei Wissenschaftler:innen und ein Politiker im Gespräch über den Klimanotstand und unsere Schwierigkeit, eine angemessene Antwort zu finden. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie und Neurowissenschaftlerin, Sebastian Seiffert ist Professor für physikalische Chemie und bei Scientists for Future engagiert, Daniel Baldy sitzt für die SPD im Deutschen Bundestag. Erste Frage: Wissen wir eigentlich genug über das Klimaproblem? Jedenfalls wohl nicht das Richtige. Was klingt wie die Einleitung zu einer Querdenkerbroschüre, fußt auf der Neurowissenschaft. Wir Menschen müssen Wissen be-greifen. Wir müssen etwas Fühlen, damit es bei uns ankommt. Die nächste Publikation der Klimaforschung ist es eben noch nicht. Wir brauchen Nähe: Räumliche Nähe, zeitliche Nähe, soziale Nähe. Unser Hirn ist nicht gut darin, langfristige Entwicklungen zu erkennen, wohl aber sehr gut bei kurzfristigen. Das Problem der Klimakrise: Wenn wir wirklich spüren, wie sie wirkt, ist es wohl zu spät, um noch gegensteuern zu können. Überhaupt: Klimakrise. Klimawandel. Die Begriffe an sich leiten noch nicht zum Handeln an. Maren schlägt vor, konsequent von der Klimanotlage zu sprechen. Sebastian unterstützt das aus naturwissenschaftlicher Sicht: Wenn wir auch nur eine Chance haben wollen, die Welt im Rahmen der Pariser Verträge zu halten, dann müssen wir in einen Notfallmodus wechseln. Er sieht die Wissenschaft in der Pflicht, stimmgewichtiger zu werden, der Politik deutlicher zu vermitteln, worin der Unterschied zwischen menschlichen Gesetzen (Darfst du nicht!) und Naturgesetzen (Kannst Du nicht!) zu vermitteln. Eine objektive Schwierigkeit für die Politik, deren Wesen es ist, Kompromisse auszuhandeln und Mehrheiten zu finden. Die Wirkmechanismen der Natur verhandeln eben nicht. Wir leben gesellschaftlich in einer Art Realitätsverweigerung und Normalitätssimulation. Die gute Nachricht ist: Wenn wir beginnen, Strukturen zu ändern, klimagerechtes Verhalten auch so zu belohnen, dass Menschen sich aus rein praktischen Gründen für angemessenes Verhalten entscheiden, und langfristiges Denken zu etablieren, dann geht es uns objektiv besser. Unser Hirn liebt das. Entscheidung auf das Wohlergehen von nach-nachfolgenden Generationen auszurichten, macht unser Denken glücklich. Neben allem anderen. Zu Gast in dieser Woche:Sebastian Seiffert, Chemiker, Physikalische Chemie der Polymere, Professor der Johannes Gutenberg-Universität MainzMaren Urner, Neurowissenschaftlerin, Professorin für Medienpsychologie, Autorin & Mitgründerin von Perspective DailyDaniel Baldy, Bundestagsabgeordneter für Mainz und Mainz-Bingen

Nov 10, 2022 • 46min
#128 Benjamin Fredrich – Die erfolgreichen Plagegeister von Katapult
Diese Woche in der Zukunft: Spannend auf so vielen Ebenen: „Katapult“ zeigt, dass es möglich ist, ein Printmagazin erfolgreich auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig ein Lehrstück über Beharrlichkeit, Streitlust und das Zutrauen in die eigene Haltung. Ein Erfahrungsaustausch über die eigenen Grenzen des Wachstums. Bei unserem ersten Aufnahmetermin steckte Benjamin Fredrich, Kopf und Gründer von Katapult, noch in der Ukraine fest. Leider ohne gültigen Reisepass. Aber was sind schon Grenzen? Machen wir halt einen neuen Termin …Katapult macht das, wovon eine ganze Branche träumt: Ein gedrucktes Magazin, das seine Leser_innen findet und immer mehr Abonnements verkauft. Ein Magazin, das dazu noch nicht den Erkenntnissen von Marktforschung und Marketing folgt, sondern schlicht das ist, was seine Macher für richtig halten. In diesem Fall: Ein Magazin, das wissenschaftliche Studien verständlich übersetzt, transparent mit seinen Quellen umgeht, originelle Grafiken und aufschlussreiche Landkarten bietet. Wie geht das? Warum kann Katapult das, woran viele in der Medienbranche schlicht verzweifeln? Eine Quelle: Weil sie konsequent das tun, was sie für richtig halten. Eine weitere: Weil sie mit ihren lustigen Postkarten („Orte, die nach Ikea klingen“) auch weit über die eigene Bubble hinaus Aufmerksamkeit erzeugen. Immer wieder bekommen sie das Feedback: Eure Karten sind ja lustig, schade, dass ihr nicht mehr rechts seid. Ja schade, sind sie nicht bei Katapult. Aus ihrer Haltung zu Themen wie Rechter Politik, Klimakrise, Feminismus machen sie zu keinem Zeitpunkt einen Hehl. Und sind – trotzdem oder gerade deswegen – erfolgreich.Inzwischen haben die Gründer ein ganzes Universum um das Magazin entwickelt: Postkarten, ein eigener Verlag, ein regionales Medium, ein Gebäude mit jeder Menge Land drum herum, eine Redaktion in der Ukraine, nächstes Jahr folgt eine Journalistenschule. Benni sagt: Eine Triebfeder für Wachstum und Entwicklung ist der Streit. Weil sein Verlag nicht bereit war, die Kalkulationen offenzulegen und ihm 50% der Einnahmen zu geben, hat er einen eigenen Verlag gegründet. Dann müssen wir eben selber herausfinden, wie das geht …Die Ratschläge an den jungen Gründer waren: Geht nach Berlin, nennt das Magazin „Karten“ und zeigt das im Logo. Stattdessen sind sie in Greifswald (ausgerechnet!) geblieben, haben das Magazin „Katapult“ genannt und das Logo ist eine Waffel Eis. Benni würde das Logo am liebsten in jedem Jahr ändern (zu viel Aufwand, sagt das Team) und auch sonst weiter jede Regel brechen. Darum auch das inzwischen große Grundstück in Greifswald: Eine Spielwiese, im wahrsten Sinne ein Lernfeld, wo Katapult Dinge ausprobieren kann. Ist das Modell kopierbar? Auf jeden Fall. Benjamin Fredrich: Vertraut auf das, was ihr wollt und könnt. Und macht. Timecodes:Begrüßung1:46 – Ukraine6:57 – Entstehung des Magazins Katapult11:49 – Erfolgsgeschichte13:47 – USP und DNA21:24 – Wissenschaftliches Arbeiten24:36 – Regelbrecher30:56 – Start-up-Szene35:15 – In 10 JahrenZu Gast in dieser Woche:Benjamin Fredrich, Gründer und Chefredakteur des Katapult Magazins

Nov 3, 2022 • 43min
#127 Jess Koch – HR der Zukunft macht sich überflüssig
Diese Woche in der Zukunft: Wofür brauchen wir HR in der Zukunft? Verträge? Nein. Gehälter? Nein. Alle technischen Vorgänge lassen sich perfekt automatisieren, mindestens auslagern. Coaching für das ganze Unternehmen läuft vielfach ins Leere, die Verantwortung für die persönliche und fachliche Entwicklung der Mitarbeiter:innen gehört in die Hände eben dieser Mitarbeiter:innen. Bleibt die Recherche nach guten Kursen und Trainer:innen. Aber sich dafür eine ganze Abteilung leisten? Jess Koch, Agile Coach und eine der inspirierendsten und leidenschaftlichsten Streiter für gutes HR beschreibt „die HR“ der Zukunft als weißes Blatt Papier. Die gute Personalabteilung arbeitet hart daran, sich selbst überflüssig zu machen. Auf dem Weg dahin liegt eine ganz handfeste Verschiebung von Macht, weg von der Hierarchie oder Zentralabteilungen hin zum:r einzelnen Mitarbeiter:in. Warum sollte es jemals eine gute Idee gewesen sein, dass diejenigen, die selbst am besten wissen, was sie für ihre Arbeit und die eigene Entwicklung brauchen, andere fragen müssen, ob sie das auch dürfen. Andere, die sich logischerweise weniger gut mit den individuellen Bedürfnissen auskennen. Die latent patriarchale Haltung einer zentralen HR – „Wir wissen schon, was gut für euch ist. Und für unser Budget.“ – hat ebenso ausgedient wie pyramidale starre Strukturen. Jess schildert: Fragt er 10 Personaler:innen, wer ihre Kunden sind, so werden mindestens 9 von 10 antworten: Meine Kunden sitzen im Unternehmen, die wichtigsten in der Geschäftsleitung, dazu Betriebsrat, Führungskräfte, vielleicht noch die Mitarbeiter:innen. Am Ende sind zehn unterschiedliche Gruppen genannt. Die einzige Gruppe, die allerdings regelmäßig fehlt, sind die Kunden des Unternehmens. Das ist vielfach das Kernproblem von HR: In der alten, vorhersehbaren Welt waren die Prozesse so angelegt, dass Sie nur für HR intern funktionierten. Beliebig zu optimieren und in der Effizienz zu steigern – und werden doch mit der Komplexität der Gegenwart nicht fertig. Und schon gar mit der Komplexität der Zukunft.Unser Fazit: Wir sollten alle dafür sorgen, uns überflüssig und transparent zu machen, dann können wir entspannt in den Urlaub fahren und müssen unsere Kollegen und Vorgesetzte auch nicht mehr damit erpressen, Wissen zurück zu halten und uns damit unkündbar zu machen.Zu Gast in dieser Woche:Jess Koch, Agile Trainer, Coach und Berater bei HR Pioneers

Oct 27, 2022 • 34min
#126 Oliver Voigt und Sven Damm - Es gibt keinen Fachkräftemangel
Diese Woche in der Zukunft: Der Fachkräftemangel. Warum wir glauben, dass wir einen haben, und was tatsächlich dahintersteckt. Natürlich: Etliche Unternehmen suchen neue Mitarbeiter:innen und finden sie nicht. Was bis vor kurzem noch ein Phänomen bestimmter Branchen und einzelner Regionen war, greift um sich. Überall Fachkräftemangel. Michael Carl im Gespräch mit den People & Culture-Spezialisten Oliver Voigt und Sven Damm. Eine Folge direkt von unserem diesjährigen Future Camp „Zukunft der Arbeit“ in den portugiesischen Bergen. Das Angenehme im Unangenehmen: Wenn der Fachkräftemangel schuld ist, dass mein Unternehmen keine Mitarbeiter:innen findet, haben wir einen externen Faktor. Um den sich dann auch jemand Externes kümmern sollte, die Politik zum Beispiel. Oder die IHK. Und alle demografischen Indikatoren weisen ja auch darauf hin, dass die Annahme eines solchen Mangels plausibel ist. Gegenrede: Es sind vor allem die Grenzen unseres eigenen Denkens, die unseren Talentpool beschränken. Vergrößern wir den Pool, in dem wir suchen, können wir auch wieder aus dem Volleren schöpfen. Anstatt schnell einen externen Mangel verantwortlich zu machen, so der Appell des Zukunftscamps, könnten wir uns auch den unangenehmen Fragen stellen: Warum soll denn ein neuer Mitarbeiter bei uns arbeiten wollen? Was können wir der einen Kandidatin bieten, dass sie sich für uns entscheidet? Geld natürlich, aber noch wichtiger bei Themen der Kultur, der Entwicklung, der Zusammenarbeit, etc. Oder wir schauen gleich auf die vorhandenen Mitarbeiter:innen. Eine kurze Abwägung der Zahlen: Bis jemand Neues wirklich produktiv ist, vergeht alles in allem fast ein Jahr. In der Zeit können wir fast jede:n interne:n Mitarbeiter:in auch zu neuen Aufgaben hin entwickeln. Wenn wir denn wollen.Um Missverständnisse zu vermeiden: Der „War for Talents“ ist ganz real. Das kriegerische Sprachbild ist zwar wohl etwas martialisch, aber der Wettstreit um die besten und geeignetsten Mitarbeiter ist ganz handfest – und muss höchste Priorität genießen. Nur eines ist wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens, als die richtigen Talente zu gewinnen: Talente halten.Die Phase, in der Unternehmen gelernt haben, sich auf ihre Kunden einzurichten, geht ihrem Ende zu. Das können wir, dafür haben wir die Tools, die Methoden und die Daten. Jetzt geht es darum, diese Kenntnisse auf Mitarbeiter:innen anzuwenden. Wer heute noch glaubt, ein einzelnes jährliches Mitarbeitergespräch würde ausreichen, um die einzelnen im Team wirklich zu kennen, darf sich an den Gedanken gewöhnen: Das reicht nicht. Zu Gast in dieser Woche:Sven Damm, Gründer und CEO von BrainsworkOliver Voigt, Director Talent Management, Pipedrive

Oct 20, 2022 • 34min
#125 Paul Wilhelm von Preußen – 2023: Odyssee im Boomerraum
Diese Woche in der Zukunft: Wer sich bei dieser Folge alt fühlt, hebe die Hand. Digitale Muttersprachler treffen auf erfahrene Manager - je nach dem, zu welcher Seite du dich zugehörig fühlst, wirst du diese Folge mit anderen Ohren hören. Paul von Preußen hat ein Netzwerk namens Digital8 gegründet und bringt junge Menschen mit erfahrenen Führungskräften ins Gespräch. TikToker, Fridays-Aktivisten, Nerds, Sportler, ganz unterschiedliche junge Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie sind digitale Muttersprachler. Im Mentoring ist es nicht ihre Aufgabe, erfahrenen CEOs und Führungskräften auf den Kopf zuzusagen, dass sie ihren Job nicht richtig machen würden. Wohl aber geht es um neue Perspektiven auf die künftigen Kund:innen und Mitarbeiter:innen. Jung trifft auf alt? Womöglich eher: Digital Native trifft auf erfahrenes Management. Zahllose Unternehmen werben mit ihrer langjährigen Erfahrung, man frage Google nur einmal nach „150 Jahre Erfahrung“ fragen. Das Problem: In vielen Bereichen des professionellen und unternehmerischen Handels geht es nicht mehr um Erfahrung, das war die Welt linearen Denkens. Im Bereich von Disruption und Adaption zählt Innovation, Geschwindigkeit und Adaption. Über diese Graben gilt es, eine Brücke zu bauen. Pauls Ziel: Aus Gegen- und Nebeneinander unterschiedlicher Perspektiven ein Miteinander machen. Idealerweise wird später ein Füreinander daraus, aber ein Miteinander ist schon mal besser als nichts. Wie schaut der 27 jährige Paul auf die nachfolgende Generation? Das Handy ist schon bei den jüngsten wie an der Hand festgewachsen, ein zusätzliches Körperteil. Für die übernächste Generation gibt es keinen Unterschied mehr zwischen digitaler und physischer Welt. Oder jedenfalls noch viel weniger als bei der Gen Y und der Gen Z. Wie entwickelt sich der Wert persönlicher Begegnung? Pauls Einschätzung: Wir sind physische Wesen. Allen digitalen Möglichkeiten zum Trotz ist die persönliche Begegnung nicht zu ersetzen. Allerdings ist das in vielen Organisationen und Unternehmen nicht das Problem, sondern eher die mangelnde digitale Durchdringung. Daran müssen wir arbeiten. Ist es eigentlich unfair, bei der Suche nach Innovation immer auf die junge Generation zu schauen? Und wollen junge Menschen überhaupt denen helfen, die erst eine Welt mit Klimakrise, sozialer Ungleichheit etc geschaffen haben und nun mit der nächsten Generation nicht zurechtkommen? Paul setzt auf Dialog: Solange wir miteinander im Gespräch sind und voneinander lernen, können wir eine gute Zukunft gestalten. So kann man von dem digitalen Muttersprachler auch Optimismus lernen. Zu Gast:Paul Wilhelm von Preußen, Co-Founder Digital8, Speaker, Real Estate

Oct 13, 2022 • 39min
#124 Ingemar Bühler – Die Industrie von ihrer Sucht nach Öl und Gas heilen
Diese Woche in der Zukunft:Reden wir über Plastik. In dieser Folge wird der Abschied von Öl und Gas in der Industrie ganz praktisch. Wo immer wir um uns schauen, wir sehen Plastik. Wir sitzen oder stehen drauf, halten es in der Hand, kleiden uns damit, kaum ein Gerät kommt ohne aus. Ebenso finden wir es im Wald, im Straßengraben, im Meer – und darüber schließlich auch auf unserem Teller. Das mit dem Plastik in der Umwelt sollten wir als allererstes lassen, sagt Ingemar Bühler. Er leitet den Herstellerverband „Plastics Europe“ in Deutschland und schildert im Podcast seine Vision einer Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff. Ein Gespräch über alternative Rohstoffquellen, Etikettenschwindel und die Mühlen der Genehmigungsverfahren. Der Reihe nach: Wenn wir eine Chance haben wollen, die Erhitzung des Klimas einzudämmen, müssen Öl und Gas künftig dort bleiben, wo sie heute sind: Unter der Erde. Das hat Folgen für die Energieversorgung, so weit so lautstark diskutiert. Oft übersehen, obwohl im Grunde genauso entscheidend: Das hat ebenso Folgen für die Industrie, die Öl und Gas als Rohstoff nutzt. Die Quelle von Kunststoffen aller Arten. Ohne Kohlenstoff kein Kunststoff. Hier wird es spannend: Wir alle – Industrie, Produzenten, Kunden – haben uns daran gewöhnt, dass der Kohlenstoff für die Industrie aus fossilen Rohstoffen stammt. Ging auch immer, war verfügbar und günstig. Als wären wir süchtig danach. Einen sachlichen Grund dafür gibt es allerdings kaum. CO2 in der Luft, Kohlenstoff in Pflanzen, Kohlenstoff in vorhandenen Produkten sind ebenso sinnvolle Quellen. Und damit können wir den Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft gehen. Kohlenstoff, der immer wieder stofflich genutzt wird, verbleibt im Kreislauf, entlastet die Atmosphäre und hilft uns, die anderen Kohlenstoffe in der Erde zu lassen. Kohlenstoff aus zum Beispiel Stroh ist massenhaft vorhanden und steht nicht einmal in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln. Ingemar schildert im Gespräch, wie er die Entwicklung hin zu einer solchen Kreislaufwirtschaft treibt. Sein Ziel: In 20 Jahren sind wir bei 80% plus x kreislaufgeführtem Kohlenstoff. Wie viel davon haben wir schon in zehn Jahren? Da kommt dann die Bürokratie von Genehmigungsprozessen für chemische Anlagen ins Spiel. Was treibt den Wandel der Industrie? Oder wie Michael fragt: Was unterscheidet diese Vision von den Greenwashing, dem wir allerorten begegnen? Ingemar benennt die Alternative: Schaffen wir diesen Turnaround nicht, wird es keine Kunststoffindustrie mehr geben. Das treibt.Zu Gast:Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer der PlasticsEurope Deutschland e.V. (VKE).

Oct 6, 2022 • 48min
#123 Carlo Masala – Warum der Krieg eine Zukunft hat
Diese Woche in der Zukunft: Ein Podcast mit allem, das wir über den Krieg wissen müssen. Na gut: Mit vielem. Grundlagen, nachdem weite Teile der Gesellschaft (Michael zählt sich hier ausdrücklich dazu) über die Jahre des heimischen Friedens verlernt haben, den Krieg als reales Mittel der Politik zu betrachten. Und die offene Frage nach dem Danach in der Ukraine: Was geschieht, wenn irgendwann im kommenden Jahr alle Granaten abgefeuert, alle Patronen verschossen und alle Budgets aufgebraucht sind? Ein Gespräch über das Phänomen Krieg im Generellen und über Russland im Speziellen mit Carlo Masala, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München. Irgendjemand hat angefangen, ihn als „Militärexperten“ zu bezeichnen. Das ist haften geblieben. Jedenfalls einer klügsten Köpfe zum Thema. Krieg ist rational. Nicht auf dem Schlachtfeld, aber die Tatsache des Krieges an sich. Eine beteiligte Seite hat seine Sicherheit neu kalkuliert und ist zu dem Ergebnis gelangt: So irrsinnig teuer ein Krieg auch sein mag, mit Verlusten an Menschen und auch schlicht an Geld, hier lohnt er sich unter dem Strich. Krieg ist normal. Nicht in dem Sinne, dass wir Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen akzeptieren müssten. Wohl aber normal in der Beziehung zwischen Staaten. Bei zwischenmenschlichen Beziehungen gehen wir zunächst vom positiven Fall aus; Streit und gar Kampf sind die Ausnahme von einer wohlmeinenden Normalität. Zwischenstaatliche Beziehungen funktionieren genau andersherum: Alle Seiten unterstellen sich stets das schlechtest mögliche. Das erklärt nebenbei die Komplexität internationaler Verträge, die nicht nur den Gebrauch regeln, sondern auch den Missbrauch ausschließen wollen. Krieg ist ein Dilemma; es kann minimiert, aber niemals ganz aufgelöst werden. In diesem Sinne ist Krieg immer eine reale Option zwischen Staaten – und Frieden die Ausnahme. Carlo spricht in diesem Kontext von Zyklen von Krieg und Frieden. Hat Krieg also eine Zukunft? Sicher ja. Wird er auch Teil unserer Zukunft sein? Wohl auch sicher ja. Wobei Michael und Carlo ausführlich diskutieren, ob der Krieg a) konventionell oder b) nuklear wieder nach Mitteleuropa kommen kann. Carlos Einschätzung: a) Nein und b) sehr unwahrscheinlich. Carlo schätzt, dass der russische Krieg in der Ukraine noch bis in den kommenden Sommer hinein dauern wird. Ausgang offen, bei aller Initiative, die die Ukrainer derzeit haben. Aber was kommt dann? Das tatsächlich Beunruhigende ist: Diese Zukunftsfrage muss derzeit offen bleiben. Es existiert kein belastbares Bild zur Zukunft nach diesem Krieg. Was hat Russland im konkreten dazu geführt, seine Rechnung neu aufzumachen und Krieg in die Ukraine zu tragen. Carlo analysiert: Putin ist fast eine Ausnahme, weil er so genau ankündigt, was er zu tun gedenkt. Seit Jahren legt er dar, dass er die staatliche Existenz der Ukraine für einen Irrtum der Geschichte und einen Fehler seiner Amtsvorgänger hält. Seine rationale Rechnung wird daher auch erst zu einem anderen Ergebnis führen, wenn er diesen vermeintlichen Irrtum korrigiert hat oder der Preis für seinen Krieg so in die Höhe schnellt, dass er zu einem umgekehrten Ergebnis kommt. Zu Gast:Carlo Masala, Politikwissenschaftler und Professor für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr MünchenTwitter: @CarloMasala1


