

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
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Aug 23, 2023 • 44min
Was stört Sie an der Budgetierung eigentlich am meisten, Dr. Heinz und Dr. Bartels?
Die KV Rheinland-Pfalz würde Budgets und Bedarfsplanung am liebsten abschaffen
Vor etwas mehr als 30 Jahren wurden in Lahnstein weitreichende Maßnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen beschlossen. Auch die Grundsteine für Budgetierung und Bedarfsplanung wurden damals gelegt. Das, was eigentlich nur für eine begrenzte Zeit gedacht war, blieb teilweise bis heute – und jetzt gehöre „einfach Schluss gemacht mit dem ganzen Mist“, sagt der Vorstandsvorsitzende der KV RLP, Dr. Peter Heinz, im „ÄrzteTag“-Podcast.
Wohl am dringendsten brauche es für die Kolleginnen und Kollegen in Praxen wieder Verlässlichkeit, sagt KV-Vize Dr. Andreas Bartels – und meint damit vor allem die finanzielle Lage. Budgets, immer wieder neu verhandelte Orientierungspunktwerte – all das gehöre abgeschafft.
„Man sollte Ärzten einfach zugestehen, dass sie für ihre Leistung Euro bekommen und keine Punkte“, sagt Heinz. Auf konkrete Summen kommt Bartels zu sprechen: Es könne nicht sein, dass selbstständigen Ärzten am Ende „nur ein Oberarztgehalt“ übrigbleibt. Seine Begründung: Durch die Niederlassung seien auch Kredite zurückzuzahlen, während im Angestelltenverhältnis diese Last keine Rolle spiele.
Veränderungsbedarf sehen die KV-Chefs auch bei der Bedarfsplanung, die aus heutiger Sicht ein nicht mehr gebrauchtes „Niederlassungsbehinderungsinstrument“ sei. Warum sich ohne dieses Instrument eher eine gerechtere Verteilung von Niederlassungen zwischen Stadt und Land ergeben könnte und warum mehr Vertrauen in die Marktwirtschaft helfen könnte, erklärt Heinz im Podcast. Und er spricht darüber, warum er hofft, mit einer Protestaktion am 13. September in Lahnstein Gehör zu finden.

Aug 21, 2023 • 28min
Können Sie im iMVZ weisungsungebunden arbeiten, Dr. Will?
Augenarzt über die Kritik an Investoren-getragenen MVZ
Die Debatte um investoren-getragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) wogt in Deutschland hin und her. Gespannt warten Vertreter von KVen, MVZ, Investoren und andere auf die Vorschläge der Bundesregierung, wie die Regulierung von MVZ verändert werden könnte, um die wachsende Macht von Investoren im Gesundheitswesen durch iMVZ zu begrenzen. Immer wieder wird kritisiert, Investoren würden die Gewinne aus den MVZ herausziehen und so dem Gesundheitswesen entziehen, und ökonomische Zwänge erschwerten es Ärztinnen und Ärzten, frei zu agieren.
Im „ÄrzteTag“-Podcast sprechen wir mit Dr. Thomas Will über dieses Thema. Will arbeitet seit gut 30 Jahren in Fürth als Augenarzt bei der Ober-Scharrer-Gruppe, die – hervorgegangen aus einer kleinen Gemeinschaftspraxis – mittlerweile Teil einer der größten Augenarztketten geworden ist.
Dr. Thomas Will beschreibt im Podcast, wie in der Gruppe gearbeitet wird und wie Ärztinnen und Ärzte in der Gruppe gehört werden. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf, Ärzte müssten in iMVZ nach ökonomischen Vorgaben des Arbeitgebers arbeiten und könnten nicht frei als Arzt über die gewählte Therapie entscheiden. Er weiß sich da auch einig mit den Autoren zweier Briefe, die darauf verwiesen haben, dass sie sich das als Ärztinnen und Ärzte gar nicht gefallen lassen würden, nach ökonomischen Vorgaben des Arbeitgebers zu handeln.
Im Podcast diskutiert Will darüber, wie in der Ober-Scharrer-Gruppe für Qualität gesorgt wird, etwa beim Linsenmaterial, und er beschreibt, wie sich die Methoden in der Ophthalmologie in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben – und was Investorengeld dazu beigetragen hat. Nicht zuletzt gibt er Antworten auf Fragen, ob iMVZ Rosinenpicken betreiben und versuchen, nur die leichten Fälle zu betreuen.

Aug 10, 2023 • 30min
Sechs Monate nach dem Erdbeben: Wie geht es den Menschen in der Türkei, Dr. Fröschl?
"Ärzte der Welt"-Vorstandsmitglied im Gespräch
Vor sechs Monaten erschütterten mehrere Erdbeben den Süden der Türkei und den Norden Syriens. Mindestens 50.000 Menschen in der Türkei und 6.000 Menschen in Syrien starben aufgrund der Erdbeben. Doch die Auswirkungen des Naturereignisses werden auch weiterhin die Gesundheit der Menschen in den betroffenen Gebieten beeinflussen. „Der Schaden ist nicht behoben“, erinnert Dr. Günther Fröschl, Vorstandsmitglied bei „Ärzte der Welt“, im „ÄrzteTag“-Podcast. Er war kurz nach den Beben für einige Wochen in Antakya in der Region Hatay und steht nun im engen Austausch mit den Helferinnen und Helfern vor Ort.
Die Bedingungen in den stadtnahen Gebieten seien zwar deutlich besser als noch vor sechs Monaten – Viele lebten mittlerweile immerhin in „Containerstädten“ mit einer geregelten Frisch- und Abwasserversorgung – doch gerade für die Bewohner ländlicher Gebiete, habe sich wenig verändert. „Entlegenere Ortschaften werden durch die groß angelegten Hilfsstrukturen der Türken nicht erreicht“, schildert Fröschl. Daher kümmere sich die türkische Sektion von „Ärzte der Welt“ mit mobilen Einsatzteams um diese Menschen.
Mit Blick auf die vergangenen Monate gibt Fröschl an, stark enttäuscht von der Berichterstattung zum Erdbeben zu sein. „Die Aufmerksamkeit ist international rasant schnell zurückgegangen.“ (Dauer: 29:37 Minuten)

Aug 8, 2023 • 30min
Warum sehen Sie im Digital-Gesetz eine vertane Chance, Professor Marx und Herr Beckers?
Die DGTelemed über das Telemonitoring
Vitalwerte wie Gewicht, Glucose, Sauerstoffsättigung oder ähnliches mehr lassen sich heute mit Mini-Sensoren und Mobilfunktechnik problemlos am Körper der Patienten erheben und so durch Ärztinnen und Ärzte engmaschig überwachen. Bei Risiko-Patienten kann so eine Verschlimmerung ihres Zustands auf diese Weise frühzeitig erkannt werden, Klinikeinweisungen lassen sich vermeiden, die Lebensqualität der Patienten steigt. Für Rainer Beckers und Professor Gernot Marx von der DGTelemed liegen die Vorteile einer solchen Fernüberwachung auf der Hand, doch in Deutschland ist Telemonitoring außer in der Kardiologie noch nicht in der Regelversorgung angekommen, wie beide im „ÄrzteTag“-Podcast berichten.
Die Hoffnung der Gesellschaft war es nun gewesen, dass mit dem Digital-Gesetz mehr Schwung in die Sache kommen würde. Doch weit gefehlt, so die beiden Vorstandsmitglieder der Fachgesellschaft. Im Podcast bedauern beide, dass sich keine klaren Ansätze im Referentenentwurf zum Digital-Gesetz finden, um Telemonitoring zu fördern. Und dort, wo es Ansätze gibt, seien diese zu unkonkret, etwa wenn es darum geht ein digitales Disease-Management-Programm zu Diabetes zu gestalten.
Es sei eine große Chance, dass mithilfe konkreter Formulierungen im Gesetz in der medizinischen Versorgung von Risikopatienten ein Sprung nach vorne getan werden könne, sagt Professor Marx, der an der RWTH in Achen Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care ist.
Im Podcast erklären Beckers und Marx, warum es beim Telemonitoring trotz der ersten Erfahrungen mit Herzinsuffizienz-Patienten nicht schneller vorangeht und was die Einstufung des Telemonitorings als innovativer Prozess statt als neue medizinische Methode bewirken könnte. Auch für Digitale Gesundheitsanwendungen habe sich der Gesetzgeber bekanntlich für ein abgespecktes Verfahren in der Bewertung neuer Methoden entschieden, dies könne ähnlich auch für das Telemonitoring umgesetzt werden, dann würde es nicht für jede Indikation Jahre dauern, bis der Gemeinsame Bundesausschuss eine Entscheidung trifft.
Auch zur Frage des Honorars äußern sich die Vertreter der DGTelemed. Da häufig sowohl der stationäre als auch der ambulante Sektor beteiligt seien, wäre weder eine Lösung über den EBM noch über DRG sinnvoll, glauben sie. Im Podcast erläutern Beckers und Marx, wie eine Honorierung aussehen könnte – und ob auf lange Sicht durch Telemonitoring nicht sogar die Kosten für die Behandlung von chronisch Kranken sinken könnten.

Aug 1, 2023 • 43min
Sind die Radiologen wirklich keine „Bestverdiener“ mehr, Dr. Witt und Dr. Mott?
Über Umsätze und Kosten in der Radiologie
Radiologenpraxen sind so groß wie ein mittelständisches Unternehmen – aber die Bedingungen, aus hohen Umsätzen auch Gewinne zu ziehen, verschlechtern sich aktuell zusehends. Darauf verweist das Radiologienetz Deutschland, ein Zusammenschluss von 100 Radiologenpraxen, in einem aktuellen Positionspapier.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutern die Radiologen Dr. Jürgen Witt, Aufsichtsrat des Netzes, und Netz-Sprecher Dr. Klaus Mott, was sie dazu bewogen hat, sich als Radiologen an die Politiker in Berlin und in den Regionen zu wenden. Radiologen seien zwar umsatzstark, aber aufgrund der hohen Kosten für Personal und Geräte sei das „Bestverdiener“-Image mittlerweile schädlich, weil nicht mehr zutreffend, sagen die Ärzte, die beide in Baden-Württemberg in größeren Radiologen-Praxen niedergelassen sind.

Jul 28, 2023 • 23min
Wer sind eigentlich die Bremser bei der Ambulantisierung, Herr Schneider?
Wie sich der SpiFa ein eher ambulantes Gesundheitssystem vorstellt
Mit einem dramatischen Tweet machte vor Kurzem der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) darauf aufmerksam, dass die Ampel-Koalition bei ihrem erklärten Ziel, für unnötig im Krankenhaus erbrachte Leistungen „zügig“ eine sektorengleiche Vergütung zu schaffen, nicht weiterkomme. Abgebildet wurde zuerst das Luftschloss Ambulantisierung, das sich dann unter Donnerhall in der Wirklichkeit auflöst, in der sich nichts bewegt.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert der SpiFa-Hauptgeschäftsführer Robert Schneider, was den Spitzenverband aktuell umtreibt, dass er zurzeit auf vielen Kanälen für die Ambulantisierung trommelt. Die Fachärzte haben innerhalb der SpiFa-Mitgliedsverbände einen Katalog von nahezu 1500 Leistungen erarbeitet, die nach medizinischer Beurteilung ambulantisierbar sind und auf die die Auswahlkriterien nach Paragraf 115f SGB V zutreffen.
Der mit dem Krankenhauspflegeentlastungsgesetz beschlossene Paragraf 115f regelt die spezielle sektorengleiche Vergütung, die unabhängig davon erfolgen soll, ob eine Leistung ambulant oder stationär erfolgt – die „gleichlangen Spieße“, die von den Vertragsärzten schon lange gefordert werden.
Keine Einigung in der Selbstverwaltung
Dieser konsentierte Katalog der ambulant zu erbringenden Leistungen liege im Ministerium vor, sagt Robert Schneider im Podcast. Im internationalen Vergleich hänge Deutschland bei der Ambulantisierung weit hinterher, im Ausland würden viel mehr Leistungen regelhaft ambulant erbracht, die in Deutschland noch überwiegend im Krankenhaus verortet seien.
Über die Regelung im Paragraf 115f gebe es endlich die Chance, die Ambulantisierung voranzubringen, so Schneider weiter. Nachdem sich die Selbstverwaltung aus Deutscher Krankenhausgesellschaft, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen nicht geeinigt habe, sei nun der Bundesgesundheitsminister am Zug, eine Rechtsverordnung zu erlassen, aber die werde immer wieder verschoben.
Im Podcast erklärt Schneider die Hintergründe für die Hängepartie. Der SpiFa agiert bei dem Thema gemeinsam mit der KBV, die Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft stünden dagegen auf der Bremse. Warum es nicht sinnvoll wäre, zuerst die Klinikreform abzuwarten und dann die Ambulantisierung anzugehen, wie gerade bei den ambulanten Operationen der stationäre und der ambulante Sektor integriert werden könnten, wie ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte eine zusätzliche Nachfrage nach ambulanten Op bewältigen könnten und wie sich der SpiFa ein Gesundheitssystem vorstellt, in dem „ambulant vor stationär“ tatsächlich gilt, diesen Fragen stellt sich der SpiFa-Hauptgeschäftsführer im Podcast. _(Dauer: 22:39 Minuten)
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Jul 25, 2023 • 42min
Können die Ärzte mit dem E-Rezept jetzt einfach loslegen, Herr Scholz?
Der Geschäftsbereichsleiter IT & Digital Health bei KVWL zur Digitalisierung
E-Rezepte können seit 1. Juli in manchen Apotheken über das Stecken der elektronischen Gesundheitskarte von Patienten abgerufen und eingelöst werden. Ende Juli sollen alle großen Apotheken-Systeme dazu in der Lage sein. Damit ist für einige Kassenärztliche Vereinigungen (KVen), darunter auch die KV Westfalen-Lippe, der Startschuss für den Pilotbetrieb gefallen, um den Rollout des E-Rezepts in allen Praxen vorzubereiten.
Im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet Jakob Scholz, Geschäftsbereichsleiter IT & Digital Health bei der KVWL, über erste Erfahrungen im Pilotbetrieb und darüber, wie es in der Region gelungen ist, dass die 60 Pilotpraxen ohne große Hürden mit dem E-Rezept arbeiten können. Gleichzeitig hält Scholz es für „unrealistisch“, dass Anfang Januar 2024 „auch nur annähernd 100 Prozent der Kassenrezepte“ als E-Rezepte ausgestellt werden. Viele Ärztinnen und Ärzte würden sich voraussichtlich erst später im Jahr mit dem Thema E-Rezept beschäftigen. Und es sei auch jetzt noch mehr als „ein Klick für die Umstellung“ erforderlich, so Scholz weiter.
Im Podcast erläutert der IT-Spezialist außerdem, wie Praxen ihre Prozesse organisieren können, damit der Betrieb mit dem E-Rezept als ebenso komfortabel empfunden wird wie beim Ausstellen des Papierrezepts heute, wie unterschiedlich hoch der Reifegrad der Praxisverwaltungssysteme bei der Umsetzung der Anwendung ist und wann die Kommunikationsoffensive zum E-Rezept beginnen wird. (Länge: 41:38 Minuten)

Jul 20, 2023 • 24min
Wie reagieren Patienten auf individuelle Honorarvereinbarungen, Dr. Singe?
Höhere Steigerungsfaktoren als Druckmittel für eine neue GOÄ haben Grenzen
Wie kann eine neue Gebührenordnung für Ärztinnen und Ärzte (GOÄ) in näherer Zukunft durchgesetzt werden? Ende März haben sich Bundesärztekammer und viele Berufsverbände in einer konzertierten Aktion dafür eingesetzt, dass vermehrt Privatleistungen mit erhöhten Steigerungssätzen berechnet werden. Vor allem bei Gesprächs- und Betreuungsleistungen könnten Ärztinnen und Ärzte auch auf das Instrument der individuellen Honorarvereinbarung zurückgegriffen werden.
Wie sind die Erfahrungen der ersten drei Monate dieser Aktion? Das haben wir im „ÄrzteTag“-Podcast den privatärztlich tätigen Internisten und Abrechnungsspezialisten Dr. Conrad C. Singe gefragt. Im Gespräch zeigt sich Singe eher skeptisch: „Ich glaube, dass diese Aktion der Bundesärztekammer ins Leere läuft.“
Rechnungen über ärztliche Leistungen seien im Arzt-Patienten-Verhältnis eine sensible Angelegenheit, erläutert der Vorstandsvorsitzende des Vereins PVS Kurpfalz und Vorstandsmitglied im Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen.
Gerade wer ein enges Verhältnis zu seinen Patienten habe, könne Probleme bekommen, wenn er plötzlich generell höhere Steigerungssätze nehme, so Singe weiter. Entscheidend sei, dass höhere Sätze individuell aus den Umständen der Behandlung begründet werden – bedingt zum Beispiel durch einen erhöhten Zeitaufwand oder einen höheren Schwierigkeitsgrad.
Ganz schwierig werde es, wenn individuelle Honorarvereinbarungen ins Spiel kommen. Singe erklärt im Podcast, auf welche Punkte Ärztinnen und Ärzte bei diesen Abdingungserklärungen zu achten haben, wie wichtig ihm wie auch seiner PVS eine GOÄ-konforme Rechnung ist, was in den Arbeitshilfen der Bundesärztekammer für die Aktion steht und warum nach seiner Meinung eine Honorarvereinbarung rechtlich auf dünnem Eis steht, wenn letztlich Ziel dabei ist, eine Honorarhöhe zu erreichen, die über die GOÄneu in Zukunft erreicht werden könnte.
Nicht zuletzt gibt Singe im Gespräch auch Auskunft darüber, wie weit die Gespräche zwischen Versicherern und Ärzten über die arzteigene GOÄ gediehen sind.

Jul 13, 2023 • 33min
Sind die Gesundheitsregionen ein Konjunkturprogramm für Berater, Dr. Hildebrandt?
Zum Entwurf des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes
Sind die Gesundheitsregionen, wie sie im Entwurf zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) vorgesehen sind, eine Möglichkeit, die Versorgung nachhaltig zu verbessern, oder sind sie nur ein Konjunkturprogramm für Berater, weil niemand weiß, was die wirklich machen sollen?
Im „ÄrzteTag“-Podcast bricht Dr. Helmut Hildebrandt, Berater und Gesundheitsunternehmer, eine Lanze für die Gesundheitsregionen, auch wenn der Entwurf für ihn immer noch zu kurz springt, wie er sagt. Er plädiert dafür, von Geschäftsmodellen wegzukommen, die zusätzliche Leistungen honorieren und führt im Gespräch ein Beispiel an: „Wenn ich erreiche, dass ein Diabetes-Patient weniger angiologische Probleme hat, dann hat eine Krankenkasse weniger Kosten durch den Versicherten. Diese Optimierung der Kosten und gleichzeitig der Gesundheit von Patienten müsste vergütet werden“, so die Idee Hildebrandts.
Im Gespräch führt er weiter aus, wie aus dem Modell des Netzprojekts „Gesundes Kinzigtal“ Lehren gezogen werden könnten, wie ein Berater sich selbst einbringt und Risiken mit übernimmt und woher der Frust in vielen Ärztenetzen kommt, weil sie keine Mittel dafür bekommen, die Versorgung zu optimieren, etwa über zusätzliche Kräfte im Case-Management.
Er zeigt sich auch überzeugt, dass und warum trotz der „Kann“-Regelung zu den Gesundheitsregionen der Druck auf das System steigen könnte, dass Krankenkassen solche Verträge mit Ärztinnen und Ärzten und mit anderen Leistungserbringern schließen werden – und warum für diese Verträge auch das Geld von Investoren sinnvoll eingesetzt werden könnte.
Auch zu anderen Punkten im GVSG nimmt Hildebrandt Stellung, zum Beispiel zur weiteren Entwicklung bei den Gesundheitskiosken, zu Primärversorgungszentren auf dem Land und zu den neuen Möglichkeiten für kommunal getragene Medizinische Versorgungszentren – wenn die Versorgung auf dem Spiel steht.
(Dauer: 32:33 Minuten)

Jul 10, 2023 • 27min
Was halten Sie von Transparenz für die Qualität von Klinikleistungen, Herr Lindemann?
Wie sich die FDP den Wettbewerb zwischen Ärzten im ambulanten Sektor und Krankenhäusern vorstellt
Die wirtschaftliche Lage in den Krankenhäusern ist teilweise desaströs, die finanziellen Wirkungen der geplanten Krankenhausreform werden aber nach Ankündigung des Bundesgesundheitsministers erst 2026/27 spürbar sein. In dieser schwierigen Lage unterstützt der FDP-Gesundheitspolitiker Lars F. Lindemann Forderungen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach mehr Transparenz für die Qualität von Krankenhausleistungen. „Wir brauchen eine große Offenheit darüber, was bestimmte Strukturen im Krankenhaussektor zu leisten in der Lage sind“, sagte Lindemann der „Ärzte Zeitung“ im „ÄrzteTag“-Podcast.
Krankenhäuser, die nicht in der Lage seien, bestimmte Leistungen auf einem bestimmten Qualitätsniveau zu erbringen, müssten dann im Zweifel damit aufhören und ausscheiden, so der FDP-Gesundheitspolitiker weiter. „Das ist schmerzhaft, aber es ist so.“ Die Koalitionsfraktionen stünden „eins zu eins“ hinter den Positionen Lauterbachs zur Krankenhausreform, betonte Lindemann.
Lindemann: Schnellere Ambulantisierung wichtig
Um ungeordnete Insolvenzen von Krankenhäusern zu verhindern, fordert Lindemann im Gegenzug, dass die Ambulantisierung von Krankenhausleistungen beschleunigt vorangetrieben wird.
Die gesetzliche Grundlage für die Ambulantisierung sei mit dem Paragrafen 115f bereits geschaffen worden, so der Bundestagsabgeordnete. Die Selbstverwaltung hatte den Auftrag, bis Ende März für bestimmte Leistungen eine spezielle sektorengleiche Vergütung zu vereinbaren, nicht erfüllt. Nun ist das Bundesgesundheitsministerium am Zug, eine Verordnung zu diesem Thema zu erlassen. Erst am vergangenen Freitag hatten KBV und Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) in einer gemeinsamen Mitteilung gefordert, dass diese Verordnung mehr sein müsse als eine „Alibiveranstaltung“.
Lindemann sieht die Krankenhauslandschaft in den kommenden zehn Jahren vor einer großen Umstrukturierung: „Man wird in der aktuellen Lage nicht jeden Wegbruch verhindern können“, sagt er im Podcast-Gespräch. Krankenhäuser, die einen Großteil ihrer Umsätze mit Prozeduren erbringen, die eine Liegedauer von drei bis vier Tagen erfordern, bräuchten eine Perspektive, Leistungen mit Ambulantisierungspotenzial auch in Zukunft zu erbringen.
Im Podcast erläutert Lindemann weiter, wie sich die FDP den Wettbewerb zwischen Ärztinnen und Ärzten im vertragsärztlichen Sektor und Krankenhäusern vorstellt, wie eine Vergütung ausgestaltet werden könnte, um Anreize zu setzen, dass sich tatsächlich etwas verändert, wie Krankenkassen langfristig vom Trend zur Ambulantisierung profitieren könnten und warum die Koalitionsfraktionen in Sachen Klinikreform „eins zu eins hinter der Position Karl Lauterbachs stehen“. (Dauer: 27:20 Minuten)


