

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
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Aug 22, 2025 • 34min
Müssen Praxen Angst vor Sanktionen wegen der ePA haben, Herr Naumann?
Der bvitg-Vorstand spricht über die Herausforderungen rund um die E-Patientenakte.
Werden die Praxisverwaltungssystem-Hersteller bereit sein, wenn die elektronische Patientenakte (ePA) zur Pflicht wird und dann ab 1. Januar Sanktionen drohen? Und schaffen die Programmierer auch den Umstieg bei den Verschlüsselungssystemen? Im „ÄrzteTag“-Podcast gibt Jens Naumann, Vorstand im Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), Auskunft darüber, wie weit die PVS-Unternehmen in der Umsetzung sind und ob die Sorgen der KBV berechtigt sind.
Naumann äußert sich außerdem zum aktuellen Nutzen der ePA im Praxisalltag – und dazu, inwiefern Praxisinhaberinnen und -inhaber sowie Praxisteams aktiv werden sollten, damit bei den Umstellungen spätestens zum Jahreswechsel Fallen vermieden werden können. Nicht zuletzt sieht Naumann die Umsetzung der E-Patientenakte als Wettbewerbsfaktor, der auch darüber entscheidet, welches System ein Arzt am Ende nimmt.

Aug 15, 2025 • 21min
Warum wird in Deutschland besonders viel operiert, Prof. Tauber und Herr von Hummel?
Orthopäde Mark Tauber und Klinikmanager Martin von Hummel diskutieren
Operierende Orthopäden stehen sehr häufig mit einem Bein in eigener Praxis, mit dem anderen in einer Klinik, wo operiert wird. Die Modelle der Kooperation sind dabei ganz unterschiedlich – belegärztliche Tätigkeit, honorarärztliche Tätigkeit, Teilzeit-Modelle etc.
Im aktuellen „ÄrzteTag“-Podcast beschreiben Schulterspezialist Professor Mark Tauber, Orthopäde am Deutschen Schulterzentrum in München, und Martin von Hummel, CEO der auf orthopädische Indikationen spezialisierten ATOS Kliniken, wie eine solche Kooperation an der Schnittstelle von Kassenmedizin und Privatmedizin funktionieren kann.
Im Gespräch geht es auch um die Frage, welche Anreize dazu beitragen, dass in Deutschland so häufig operiert wird, was bei der Indikationsstellung schief läuft und wieso die konservative Therapie als Alternative häufig übergangen wird. Sowohl Tauber als auch von Hummel reden einer Spezialisierung innerhalb der Fachdisziplin das Wort, weil sie zu einer konstant höheren Qualität beitrage.
Im Podcast diskutieren beide über die potenziellen Auswirkungen der jetzt geplanten Krankenhausreform, warum das Modell der Klinikreform in Nordrhein-Westfalen fast schon Planwirtschaft genannt werden könne und wie sich die Curricula der Weiterbildung ändern müssten, damit genügend junge Ärztinnen und Ärzte die zunehmende Spezialisierung schaffen können.

Aug 11, 2025 • 30min
Wie sollten sich Praxen auf die nächste Hitzewelle vorbereiten, Herr Fuchsig?
Der Umweltmediziner gibt Tipps zum Hitzeschutz.
Wenn die Temperaturen in der Nacht kaum unter 30 Grad Celsius fallen, wenn die Trockenheit die Flüsse austrocknen lässt und dadurch die Stromversorgung gefährdet ist, und wenn der „Hitze-Dom“ chronisch kranke Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt, dann sollten Praxisteams wissen, was zu tun ist: um die Praxis grundsätzlich am Laufen zu halten, aber auch um die eigenen Patienten präventiv zu betreuen.
Im „ÄrzteTag“-Podcast empfiehlt Arbeits- und Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig seinen Kolleginnen und Kollegen in den Praxen auf jeden Fall, einen Hitzeschutzplan aufzustellen, um für katastrophale Wendungen des Wetters gewappnet zu sein. Das müsse gar nichts mit einem langen bürokratischen Prozess zu tun haben, sagt der Lehrgangsleiter Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer.
„Vielmehr muss man sich einfach mal die Frage stellen, was wäre, wenn es jetzt noch einmal fünf Grad wärmer wäre?“ Er habe sich ohnehin gefragt, warum es in Deutschland nur um das „Heizungsgesetz“ gegangen sei, richtiger wäre „Heizungs- und Kühlungsgesetz“ gewesen. Denn ohne Kühlung werde es vielerorts auf längere Sicht nicht mehr gehen.
Der Gutachter für Arbeits- und Umweltmedizin und Keynote-Speaker beschreibt im Podcast unter anderem die Möglichkeiten, die sich aus dem Einsatz von Wärmepumpen für Praxen und Kliniken ergeben, zum Beispiel die Bereitstellung von Warmwasser.
Das Mitglied im Club of Rome Austria gibt dabei ganz praktische Hinweise, wie hoch die Kosten für solche Wärmepumpen sein könnten, wie ein Elektroauto dafür genutzt werden könne, die Praxis bei Stromausfall mit Strom zu versorgen. Ihm geht es auch um unkonventionelle Lösungen wie etwa ein gekühltes Zelt, in dem Patienten bei großer Hitze warten und sich ein bisschen erholen können.
Im Gespräch empfiehlt Fuchsig, für besonders vulnerable Patientengruppen wie Lungenkranke entweder in die Morgenstunden mit den Terminen auszuweichen oder ganz auf eine Videosprechstunde auszuweichen.
„Für einen Heat-Dome wären wir bis jetzt noch nicht wirklich vorbereitet“, glaubt er. Wichtig sei auch, die Bevölkerung vorzubereiten und Klimakompetenz zu fördern, damit vulnerablen alleinstehenden Menschen auch in der Nachbarschaft geholfen wird.

Aug 6, 2025 • 34min
Sepsis – was sind die neuen Empfehlungen zu Diagnose und Nachsorge, Professor Brunkhorst?
Sepsis-Experte zur neuen Leitlinie
Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Rund ein Drittel der Sepsis-Patienten stirbt daran, bei einem septischen Schock ist es etwa jeder Zweite. Insbesondere bei der Diagnose einer Blutvergiftung kommt den ambulant tätigen Kolleginnen und Kollegen eine wichtige Rolle zu, betont Professor Frank M. Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena. Er ist Koordinator der S3-Leitlinie Sepsis und Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Hilfe.
Drei Red Flags nach Infekt sollten Hausärztinnen und Hausärzte kennen: die erhöhte Atemfrequenz ≥ 22/min, den erniedrigten systolischen Blutdruck ≤ 100 mmHg und die neu auftretende Verwirrtheit. Sie werden im qSOFA-Test abgefragt. Brunkhorst: „Wenn zwei dieser Kardinalzeichen auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit einer Sepsis relativ hoch – und das ist bei lokalisierten Infektionen nicht der Fall.“ Der Einsatz des qSOFA-Tests wird jedoch auch kritisch gesehen. Wieso? Das erklärt Brunkhorst im „ÄrzteTag“-Podcast.
Zweiter Schwerpunkt des Podcast-Gesprächs ist die Nachsorge von Sepsis-Überlebenden. Wurden sie längere Zeit intensivmedizinisch behandelt, sind sie in der Regel mit einem langen und komplizierten Genesungsprozess konfrontiert. Das Screening auf Folgeerkrankungen fällt in den Aufgabenbereich der Hausärzte, sie sollten bei Auffälligkeiten an eine neurologische Praxis überweisen. „Die neurologische Mitbetreuung von Sepsis-Patienten ist extrem wichtig, weil die meisten Folgen einer Sepsis im neurologischen oder psychologischen Bereich liegen“, erklärt Brunkhorst.

Aug 1, 2025 • 21min
Der hypogonadale Patient in der Hausarztpraxis
Gesponsert von Besins Healthcare
In der Hausarztpraxis fällt ein Testosteronmangel daher mitunter durchs Raster. Denn das bekannteste Symptom, die erektile Dysfunktion, tritt meist erst auf, wenn der Testosteronmangel bereits weit fortgeschritten ist. Dabei bietet eine Testosterontherapie, die auch problemlos von Hausärztinnen und Hausärzten verschrieben werden kann, die Chance, den Teufelskreis aus Testosteronmangel und seinen möglichen Folgeerscheinungen zu durchbrechen.
Dr. Jörg Sandmann erläutert im Podcast, wie der hypogonadale Mann in der Hausarztpraxis identifiziert werden kann und was Hausärztinnen und Hausärzte bei Diagnose und Therapie beachten sollten.
Bildunterschrift:
Dr. Jörg Sandmann ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Urologie und praktiziert in der Praxis am Dreilingsberg in Travemünde. Copyright: [M] © Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com
Impressum
Der hypogonadale Patient in der Hausarzt-Praxis
Podcast
Moderation: Caroline Ring, Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Corporate Publishing (verantwortlich i.S.v. § 18 Abs. 2 MStV):
Ulrike Hafner, Europaplatz 3, 69115 Heidelberg
Redaktion: Dr. Andreas Strehl
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Jul 27, 2025 • 22min
Wie rechnen Sie bei Risikopatienten den HBV- und den HCV-Test ab, Dr. Khaykin?
Ein Frankfurter Infektiologe gibt Tipps
Screening einmal im Leben oder regelmäßige Testung? Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Pavel Khaykin, niedergelassener Internist in Frankfurt, wie er in seiner Praxis mit vielen Risikopatienten mit dem Thema Hepatitis B und C umgeht.

Jul 24, 2025 • 25min
Ein Regress über eine dreiviertel Million Euro – wie kann das heute noch passieren, Frau Vogtmeier?
Eine Anwältin für Medizinrecht im Interview
Milde und Juristen – das passt offenbar nicht immer zusammen: Zu einem Regress von fast 750.000 Euro hat das Sozialgericht Dortmund eine Psychiaterin verurteilt, nachdem Verordnungen der Praxis über Jahre hinweg nur mit einem Paraphenstempel oder einem Unterschriftenstempel versehen worden waren. Damit verstieß die Fachärztin gegen die Regeln des Bundesmantelvertrags Ärzte, dass Verordnungen eigenhändig vom Arzt oder von der Ärztin unterschrieben werden müssen. So weit, so juristisch wenig spektakulär. Aber muss es dann, wenn doch die Verordnungen am Ende von den Patientinnen und Patienten eingelöst worden sind und ein echter Missbrauch nicht feststellbar ist, tatsächlich zu so einer hohen Regress-Summe kommen, die tatsächlich den Ruin der Ärztin bedeuten könnte?
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Katharina Vogtmeier, Fachanwältin für Medizinrecht bei der Kanzlei D+B Law in Berlin, warum ein solcher formaler Fehler, ohne dass den Krankenkassen ein Schaden auch nur in annähernder Höhe entstanden wäre, zu sechsstelligen Regressen führen kann. Die Krankenkassen hätten „etwas gezahlt, was sie, streng genommen, nicht hätten zahlen müssen“, die Juristen sprechen laut Vogtmeier hier von einem „normativen Schaden“.
Die Rechtsanwältin berichtet im Podcast über Diskussionen in der Literatur, ob die Krankenkassen nicht die eingesparten Summen durch die nicht bezahlten Verordnungen aufrechnen lassen müssten – vor Gericht, so Vogtmeier, sei dies aber noch nicht durchgefochten worden. Auch warum die mittlerweile geltende Differenzbetrachtung bei der Schadenermittlung für den Fall der Fachärztin für Psychiatrie nicht gegriffen hat, diskutiert Vogtmeier. Im Gespräch geht es auch darum, inwieweit körperliche Gebrechen, die die Psychiaterin vorschützte, ein solches Vorgehen mit Unterschriftenstempel entschuldigen könnten.
Ein normativer Schaden kann für die Krankenkassen auch durch andere formale Fehler entstehen. Im Podcast erläutert die Fachanwältin, warum auch bei Kooperationen Regresse in ähnlicher Höhe drohen, wenn formale Fehler gemacht werden – und wie diese vermieden werden können.
Und ist das Urteil in der aktuellen Zeit überhaupt noch relevant, in der E-Rezepte längst mit digitaler Signatur rausgehen? Auch hier hat Vogtmeier eine Antwort parat: Zum einen seien noch nicht alle Verordnungen digital, zum Beispiel Hilfs- und Heilmittelverordnungen oder BtM-Rezepte. Im Gespräch beschreibt sie zudem eine Vorgehensweise zur vermeintlichen Arbeitsentlastung, die Ärztinnen und Ärzte teuer zu stehen kommen kann.

Jul 14, 2025 • 40min
Wo hakt es am meisten zwischen Pflege und Arztpraxen, Frau Schülke?
Die Vorsitzende des VDAB im Gespräh
Kontrolle der Medikamenteneinnahme, Blutzuckermessung, Blutdruckmessung, Stützstrümpfe anlegen: Ambulante Pflegedienste haben sehr kleinteilige Aufgaben vor Ort bei den Patienten – alles von A bis Z durchreglementiert, inklusive Verordnung durch den behandelnden Arzt oder die Ärztin. Über den „alltäglichen Wahnsinn“ der Zusammenarbeit zwischen Praxen und ambulanten Pflegediensten berichtet im „ÄrzteTag“-Podcast Petra Schülke, die stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB).
Die Pflegerinnen und Pfleger seien die Augen und Ohren der Praxen bei den Patienten und nähmen Veränderungen im Krankheitsbild wahr, erzählt Schülke, die einen ambulanten Pflegedienst in der Region Hannover führt. Dabei gebe es Praxen, mit denen sie gerne zusammenarbeitet, und solche, bei deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Pflegerinnen und Pfleger sich nicht wertgeschätzt fühlen – oder die überhaupt nicht erreichbar seien. Wie gerade bei Fragen der Erreichbarkeit die Telematikinfrastruktur zukünftig helfen könnte und woran es hängt, ist ebenfalls Thema im Gespräch.
Vor allem aber erzählt die Pflegemanagerin über die Probleme mit dem Muster 12, dem Formular für die Verordnung häuslicher Krankenpflege (HKP), zum Beispiel die Begründung der Veränderung einer Verordnung mit der richtigen Diagnose – zum Beispiel nicht I10 bei einer hypertensiven Krise, sondern eher I16.9. Leider gebe es zu wenig Hilfe von den Praxisprogrammen in diesen Fragen, klagt Schülke.
Vor allem die „Misstrauenskultur“ und die Kontrolle durch Bürokratie erschwerten den Alltag. So fragten Kassen parallel bei Praxen und in Pflegediensten über einen Patienten an – anstatt zur Kontrolle den Medizinischen Dienst einzuschalten. „Pragmatismus und Augenmaß“ vermisse sie am meisten bei Mitarbeitern von Krankenkassen, zum Beispiel in der Interpretation der HKP-Richtlinie. Im Podcast erläutert die Pflegemanagerin auch, wie häufig es zu Beanstandungen von Verordnungen durch Krankenkassen kommt.
Nicht zuletzt berichtet Schülke über die (Nicht-)Erfahrungen mit der Blankoformularverordnung, die seit einem Jahr eigentlich gesetzlich vorgesehen ist. Sie erlaubt Pflegediensten theoretisch eigenverantwortliche Entscheidungen über die Dauer von Pflegehilfen im Alltag. Sie beschreibt ausführlich, warum die Pflegerinnen und Pfleger nach wie vor ausgebremst werden und was dagegen zu tun wäre. (Länge: 39:43 Minuten)

Jul 10, 2025 • 35min
Warum sollten Ärzte mehr über Suchterkrankungen wissen, Dr. Scholz-Hehn?
Die CharityAward Gewinner im Podcast
Suchterkrankungen sind in Deutschland kein Randphänomen: Millionen Menschen sind abhängig von Alkohol, illegalen Substanzen oder auch Glücksspiel. Jeder Arzt und jede Ärztin hat im Alltag mit Suchterkrankten zu tun. Dennoch spielt das Thema in der medizinischen Ausbildung eine zu kleine Rolle – das zumindest finden die Initiatoren der Aktion „Junge Suchtmedizin“. Sie setzt sich dafür ein, Suchterkrankungen aus der Tabuzone zu holen. Im vergangenen Jahr hat die Initiative den zweiten Platz beim Springer Charity Award belegt.
Entstanden ist die Idee vor einigen Jahren, als sich Dr. Deborah Scholz-Hehn mit anderen jungen Kolleginnen und Kollegen auf einem Kongress ausgetauscht hat. „Dabei haben wir festgestellt, dass Suchtmedizin im Studium sehr wenig vorkommt – vor allem wenn man bedenkt, wie relevant das Thema ist“, blickt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Oberärztin am Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main zurück. „So sind wir dann auf die Idee gekommen, Online-Seminare zu planen und zu organisieren.“ Das Angebot richtet sich an Medizinstudierende, aber auch an alle anderen Berufsgruppen, die mit dem Thema in Berührung kommen.
Die „Junge Suchtmedizin“ ist kein Verein oder eine Organisation, sondern eher ein interdisziplinäres Netzwerk. Die Vorträge und Seminare werden nicht nur von medizinischen Fachleuten geleitet, sondern auch von ehemaligen Suchterkrankten, die den Teilnehmern eine völlig andere Perspektive vermitteln können. Jennifer Blaine und Dominik Schütze sind zwei von ihnen. Beide haben eine Vergangenheit mit Suchterfahrung und haben viel Stigmatisierung erfahren. Heute sind sie in Sachen Aufklärung unterwegs und sorgen manchmal für Erstaunen, wenn sie auf Ärztekongressen auftreten. Im Podcast sprechen die Initiatoren von „Junge Suchtmedizin“ über Stigmatisierung, Wege aus der Tabuzone und was sich in Sachen Drogenprävention dringend ändern muss. (Länge: 34:44 Minuten)

Jul 6, 2025 • 46min
Das Gesundheitssystem ist kein KaDeWe-Buffet, oder, BVKJ-Präsident Hubmann?
9. Folge „Kindergarten Gesundheitspolitik“
Die neunte Folge von „Kindergarten Gesundheitspolitik“ führt uns diesmal direkt zum Kinder- und Jugendärztetag nach Berlin. Dort spricht Dr. Michael Hubmann, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ), über die Lage der Pädiatrie – aber wie immer geht es um viel mehr als das. Es geht in dieser Podcast-Reihe ums große Ganze: die Frage, ob unser Gesundheitssystem ein Selbstbedienungsladen bleibt – oder endlich eine Strategie bekommt.
Den Einstieg? Ein Rückblick – auf den Kongress selbst: eine Mischung aus Fortbildung, Jahrespressekonferenz und politischer Standortbestimmung. Themen wie das Primärarztsystem, Antibiotic Stewardship und Verhältnisprävention zeigen, dass die Kinder- und Jugendmedizin nicht nur über Impfpläne und U-Untersuchungen redet, sondern systemisch denkt. Und: Sie handelt. Beim Kindergesundheitsgipfel in Berlin wurde der sogenannte „Pakt“ erneut unterzeichnet – ganz physisch. Mit dabei: Holetschek, Storm, DGKJ, DGSP, Bundesärztekammer. Die Botschaft: Kindergesundheit muss mitgedacht werden, in jeder Debatte.
Dann geht es ans Eingemachte – nämlich an die Finanzierung. Der Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil lässt im Gesundheitsministerium und bei den Krankenkassen gleichermaßen die Alarmglocken schrillen. Die Milliarden Euro, die es geben soll, kommen als Darlehen – und führen zur altbekannten Frage: Was ist eigentlich mit den versicherungsfremden Leistungen?
Michael Hubmann bringt es auf seine typische Weise auf den Punkt – mit einem Bild aus dem Fußballfernsehen: „Das war wie damals, als Lothar Matthäus in ein Stadion geschickt wurde, aber keiner mit ihm sprach.“ Der Vorwurf: Ausweichmanöver statt Ehrlichkeit. Politik müsse sagen dürfen: Wir haben das Geld nicht. Punkt. Dann könne man wenigstens damit umgehen.
Gesundheitsministerin Warken bekommt von Hubmann Unterstützung. Ihr Einsatz sei spürbar, aber sie werde im Kabinett schon jetzt ausgebremst. Wo sei eigentlich ihre Fraktion, fragt Hubmann. Und was ist eigentlich die Strategie in der Mauerstraße? Er findet keine.
Hubmanns Befund: Unser Gesundheitssystem ist auf Kante genäht, aber keiner traut sich an die Substanz. Notfallreform, Rettungsdienstreform, Primärarztsystem – alles dringend notwendig, alles im Koalitionsvertrag verankert. Aber kaum etwas davon kommt voran. Stattdessen: Flickwerk, Angst, Lobbydruck. Besonders die ambulante Versorgung sei gefährdet – nicht nur finanziell, sondern strukturell.
Hubmann warnt: Wenn die Politik nicht handelt, werden viele Praxen schlicht früher schließen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Erschöpfung.
Ein zentrales Thema: das All-you-can-eat-Prinzip. Jahrzehntelang wurde den Versicherten suggeriert, sie könnten sich ihre Versorgung zusammenstellen wie ein Buffet im KaDeWe. Nun aber, wo die Ressourcen schrumpfen, fehlt der Mut, die Nachfrage zu steuern. Hubmann bringt es auf ein prägnantes Bild: „Wenn Sie 27 weiße Hemden kaufen, sagt vielleicht Ihre Frau zu Hause irgendwann: Sag mal, geht‘s noch?“ In der GKV aber fragt das niemand. Dabei sei genau das nötig – auch, um Überversorgung zu vermeiden.
Was das bedeutet? Die Wirtschaftlichkeitsprinzipien müssten auch auf der Nachfrageseite gelten. Patienten müssten ein Stück weit mitverantwortlich gemacht werden für die Inanspruchnahme von Leistungen – nicht im strafenden Sinne, sondern mit klaren Regeln und Grenzen. Und: Wer sich trotz klarer ärztlicher Beratung für einen weiteren Facharztbesuch entscheidet, müsse diesen vielleicht auch mal selbst zahlen. Ganz ohne ideologischen Furor – sondern als Teil einer erwachsenen Diskussion über Verhältnismäßigkeit.
Am Ende wagt Interviewer Nößler noch eine Wette: Welche Reform kommt als erstes? Für Hubmann ist klar: Die Notfallreform könnte es noch in diesem Jahr schaffen. Beim Primärarztsystem sei man näher dran, als viele denken – auch wenn das Ministerium derzeit eher abschreckt als motiviert. Die Rettungsdienstreform sei hingegen ein echter Brocken: zu viele Zuständigkeiten, zu viel Angst. Und doch sagt Hubmann: „Eigentlich müsste alles gleichzeitig kommen.“
Denis Nößler verabschiedet sich mit dieser Folge aus seiner Rolle bei der Ärzte Zeitung – und damit formal auch aus diesem Podcast-Format. Doch „Kindergarten“ soll weitergehen. In welcher Form, bleibt offen. Aber das Fazit dieser Folge ist klar: Die Herausforderungen sind zu groß, um die Diskussion jetzt zu beenden.


