ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Feb 13, 2024 • 28min

Ist die ePA schon bereit für den Praxisalltag, Frau Dr. Spöhrer?

Sprecherin der AG Digitales des DHÄV über die Digitalisierung in den Praxen Anfang Februar hat der Bundesrat das Digitalgesetz und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz ohne Änderungen beschlossen, nun fehlen nur noch die Unterschrift des Bundespräsidenten und die Veröffentlichung im Bundesanzeiger, dann treten die neuen Regelungen in Kraft. Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA), Videosprechstunde, Interoperabilität, Digitale Gesundheitsanwendungen, Digitalisierung des DMP Diabetes Mellitus: Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Dr. Kristina Spöhrer, Sprecherin der AG Digitales des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands (DHÄV), an welchen Stellen sich Änderungen ergeben und wie sich Praxen darauf vorbereiten können. So sieht Spöhrer, die auch Mitglied des DHÄV-Vorstandes ist, bei der ePA noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wenn sie einen Patienten oder eine Patientin, die bereits eine ePA hat, einbestelle, dann immer ans Ende der Sprechstunde, beschreibt die Fachärztin für Allgemeinmedizin ihren Umgang mit der ePA. Der Grund: Der Umgang mit den ePA-Daten dauere seine Zeit. Wenn dieser nächste Schritt der Digitalisierung ein Erfolg werden solle, dann müssten gematik und Hersteller von Praxisverwaltungssystemen noch „gründlich arbeiten“, so Spöhrer. Grundsätzlich begrüße der DHÄV die ePA, aber „wir brauchen für den Alltag ePA-Ladezeiten unter drei Sekunden“. Beim E-Rezept hätten sie in ihrer Praxis das Glück gehabt, dass kurz vor dem Jahreswechsel ein Update des PVS die Geschwindigkeit bei der digitalen Signatur nochmals deutlich verbessert habe. Nun sei sie „ziemlich angetan“ von der Lösung – es gebe allerdings immer noch Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, dass der Umgang mit dem E-Rezept keineswegs „holperfrei“ laufe, so Spöhrer. Der große Aufwand in allen Praxen sei allerdings jetzt, dass die Patientinnen und Patienten über den neuen Ablauf aufgeklärt werden müssten, das sei in der aktuellen Infektwelle eine große Herausforderung. Insgesamt seien die Gesetze durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, allein weil die Digitalisierung „Teil unseres Lebens“ werde. Digitalisierung allein, etwa die Einrichtung von Videosprechstunden, reiche allerdings nicht, sie brauche immer die Einbettung in ein gutes Versorgungskonzept, zum Beispiel bei Bedarf die Möglichkeit der Weiterbehandlung vor Ort in der Praxis. An dieser Stelle sei der Bewertungsausschuss bei der Ausgestaltung der Regelungen noch gefragt, so Spöhrer.
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Feb 9, 2024 • 25min

Warum müssen Digitale Gesundheitsanwendungen so viel Geld kosten, Frau Dr. Geier?

Die SVDGV-Geschäftsführerin über DiGA 55 zugelassene Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), 370.000 Freischaltungen für Kassenpatienten, hohe Verordnungszahlen vor allem in den großen Indikationen wie Diabetes, aber auch dort, wo Versorgungslücken bestehen, etwa bei Endometriose. Im „ÄrzteTag“-Podcast beschreibt Dr. Anne Sophie Geier, Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV), wie die DiGA „peu à peu“ in der Versorgung angekommen sind, seit sie über das Digitale Versorgung Gesetz noch unter Gesundheitsminister Jens Spahn eingeführt wurden. Seit Jahresanfang hat es einige Publikationen zu DiGA gegeben, die sehr unterschiedlich ausgerichtet waren: Die DiGA-Reports des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen und des SVDGV sowie eine Umfrage der Stiftung Gesundheit, die zeigte, dass mittlerweile jeder zweite Hausarzt zumindest gelegentlich DiGA verordnet. Vor allem Kritik kam vom Spitzenverband der Krankenkassen, weil DiGA zu teuer seien und weil nur jede fünfte DiGA direkt einen nachweisbaren therapeutischen Nutzen habe. Solche tendenziösen Aussagen ärgern Anne Sophie Geier, denn tatsächlich habe etwa die Hälfte der zugelassenen DiGA den Nutzennachweis erbracht, die andere Hälfte sei noch im Erprobungsjahr, nach dessen Ende in einer randomisierten, kontrollierten Studie der Nutzen und ein „positiver Versorgungseffekt“ nachgewiesen sein müssten. Letzteres betrifft zum Beispiel eine Verbesserung der Adhärenz durch die digitale Therapiebegleitung. Die meisten DiGA, so Geier, überspringen diese Hürde, nur wenige Anbieter würden mit ihrer Anwendung nach der Erprobungsphase nicht dauerhaft zugelassen. Das Erprobungsjahr, so Geier, sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für die DiGA, betont Geier im Podcast. Bei der „kleinen Schwester“ der DiGA, den Digitalen Pflegeanwendungen, gebe es kein solches Erprobungsjahr. Die Folge: Bisher sei noch keine einzige Anwendung zugelassen. Im Gespräch erläutert Geier den Aufwand, den Hersteller betreiben müssen, um die Zulassung zu erreichen – das sei auch ein Grund für die Preise im mittleren dreistelligen Euro-Bereich für die Nutzung einer Gesundheits-App über ein Quartal hinweg. Auch Geier sieht ein Missverhältnis darin, dass die Verlaufskontrolle durch betreuende Ärztinnen und Ärzte vergleichsweise niedrig bewertet ist, in der Regel liegt die Vergütung über den EBM bei 7,50 Euro im Behandlungsfall. „Ärzte könnten hier viel lauter sein“, meint die Geschäftsführerin des SVDGV. Nicht zuletzt erläutert Anne Sophie Geier die Änderungen, die jetzt nach Verabschiedung des Digitalgesetzes auf Patienten, Krankenkassen, Ärzte und Anbieter zukommen: unter anderem DiGA in weiteren Risikoklassen, Nutzung von DiGA in DMP sowie anwendungsbegleitende Erfolgsmessungen.
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Feb 7, 2024 • 23min

Sind Ärzte als Arbeitgeber knauserig, Herr Bodendieck?

Vorsitzender der ärztlichen Arbeitgeber zum Tarifstreik der MFA Das gab es seit Menschengedenken nicht in Deutschland: Der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) will am Donnerstag (8. Februar) für höhere Löhne parallel zu den in Berlin laufenden Verhandlungen einen Warnstreik veranstalten. Zu Wochenbeginn begründete vmf-Präsidentin Hannelore König den Warnstreik vor allem mit dem drohenden Lohnabstand von Medizinischen Fachangestellten in den ersten Berufsjahren zu Hilfsberufen in der Pflege, die zuletzt auf 16,50 Euro aufgestockt wurden. Erik Bodendieck, Vorsitzender der AAA, der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten, hält im „ÄrzteTag“-Podcast kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde dagegen: Auch die AAA, die die Arbeitgeberseite bei den Tarifverhandlungen vertritt, sorgt sich nach seinen Worten um den gerade entstehenden Lohnabstand bei den Einstiegsgehältern für MFA und wolle gegensteuern. Bodendieck sieht aber aufgrund der Honorarsteigerung beim Orientierungswert um 3,85 Prozent für dieses Jahr, keinen Spielraum für eine lineare Erhöhung über alle Tarifstufen. Im Gespräch erläutert der AAA-Vorsitzende, warum er sich entschieden gegen den Begriff „knauserig“ als Eigenschaft ärztlicher Arbeitgeber verwahrt, und er fordert klare Regelungen, wie Tariferhöhungen bei MFA in höhere Honorare umgesetzt werden können. Nicht zuletzt nennt er Gründe, warum in manchen Regionen Deutschlands fast durchgängig über Tarif gezahlt werde – und warum er trotz der aktuellen Auseinandersetzung jungen Menschen weiterhin empfehlen würde, den Beruf der MFA anzustreben.
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Feb 5, 2024 • 30min

Warnstreik in Praxen: Warum verdienen MFA immer noch so wenig, Frau König?

In der Regel laufen die Tarifverhandlungen zwischen dem Verband medizinischer Fachberufe (vmf) und der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten relativ geräuschlos ab. In diesem Jahr ist das anders: Der vmf hat für Donnerstag (8. Februar) einen Warnstreik angekündigt, zugleich sind trotz Karnevals parallel zu den Verhandlungen Kundgebungen in fünf deutschen Städten geplant. Hannelore König, Präsidentin des vmf, schlägt im „ÄrzteTag“-Podcast Alarm. Sie warnt vor einer Abwanderungswelle aus dem Beruf, gefolgt von einem noch weiter verschärften Personalmangel, wenn die Stundenlöhne der MFA nicht deutlich angehoben werden. Eine Erhöhung parallel zu den 3,85 Prozent Aufschlag auf den Orientierungswert, der seit Jahresbeginn gilt, sei definitiv nicht genug, erläutert König. Nach dreijähriger Lehrzeit, bekomme eine MFA im 1. Berufsjahr nach Tarif einen Stundenlohn von 13,22 Euro – und damit nur unwesentlich mehr als der Mindestlohn von 12,41 Euro, der eigentlich für ungelernte Tätigkeiten gelte. Im Gespräch führt König weiter aus, dass in „Nachbar“-Berufen wie in der Pflege, im Krankenhaus oder für Angestellte bei Krankenkassen deutlich höhere Gehälter von mehr als 16 Euro zum Einstieg bezahlt würden. Die Folge: 39 Prozent der MFA denken nach einer Umfrage darüber nach, dem Beruf den Rücken zu kehren, und auch als Ausbildungsberuf habe die MFA deutlich an Anziehung eingebüßt und sei erst kürzlich vom Top-1-Platz verdrängt worden. „Bei 15 Euro Stundenlohn im ersten Berufsjahr können wir deshalb auch definitiv nicht zustimmen“, so die vmf-Präsidentin. Zugleich sieht auch König die Not der Praxen, die in den vergangenen Jahren trotz Inflation und steigender Kosten nur kleine Schritte beim Honorar gemacht haben. Dennoch spricht die hohe Resonanz bei den gut 20.000 Mitgliedern und darüber hinaus dafür, dass die MFA streikbereit seien und dass dieser Streik dann auch tatsächlich in den Praxen für Patienten spürbar werde, ist sie sich sicher. Im Podcast nimmt König auch Stellung zur Bereitschaft der Arbeitgeber, zusätzlich zum Tariflohn mit Prämien oder Gewinnbeteiligung die Einkommenssituation der MFA aufzubessern. Auch die Bindungswirkung der Tarife sei nicht so schlecht, betont König. Es gebe aber auch nach wie vor Ärztinnen und Ärzte in Praxen, die tatsächlich nur den Mindestlohn bezahlen.
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Jan 26, 2024 • 17min

Wie fällt Menschen mit Spritzenphobie die Impfung leichter, Professorin Erhardt?

Professorin Angelika Erhardt vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München berichtet von der Kurzzeittherapie gegen diese Phobie Wer starke Angst vor Spritzen hat – oft verbunden mit einer Phobie gegen Blut oder Verletzungen – vermeidet Arztbesuche. Das wirkt sich auf die Gesundheitsvorsorge aus: Betroffene lassen sich nicht untersuchen und verpassen etwa Impfungen. Gegen die Spritzen-, Blut- und Verletzungsphobie bietet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München eine Kurzzeittherapie an, die einem Großteil der Betroffenen hilft. Teil der Therapie sind etwa auch Blutabnahmen oder, wenn gewünscht, eine Impfung, erklärt Professorin Angelika Erhardt, Oberärztin in der Ambulanz für Angsterkrankungen des Instituts. Gerade junge Menschen suchten das Angebot auf, die sich häufig zuletzt als Kind haben impfen lassen. Und im Kindesalter liegt häufig die Wurzel für eine Spritzen-, Blut- und Verletzungsphobie: Denn wenn die Erinnerung an die ersten Arztbesuche mit Impfungen oder Blutabnahmen bleibt: „Ich wurde gezwungen, das war schrecklich, es hat wehgetan“, dann kann sich im weiteren Verlauf daraus eine Phobie entwickeln, erläutert Erhardt. Allerdings sei es in der Regel nicht eine schlechte Erfahrung allein. Was außer dem noch eine Rolle spielt und wie Kolleginnen und Kollegen Betroffenen entgegen kommen können, berichtet die Oberärztin in dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts. (Dauer: 17:21 Minuten)
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Jan 21, 2024 • 14min

Was hat sich seit Veröffentlichung der Abruptio-Leitlinie getan, Frau Hänel?

Seit einem Jahr gibt es eine S2k-Leitlinie „Schwangerschaftsabbruch im 1. Trimenon“ Bis vor einem Jahr gab es für Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, keine nationalen Empfehlungen. Dies hat sich mit Publikation der S2k-Leitlinie „Schwangerschaftsabbruch im 1. Trimenon“ am 26. Januar 2023 geändert. Die Empfehlungen entstanden unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Doch auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) war an der Erstellung beteiligt. Vertreten wurde die DEGAM von Kristina Hänel, Allgemeinmedizinerin aus Gießen. Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht Hänel über die bisherigen „Erfolge im Kleinen“ seit Veröffentlichung der Leitlinie. Außerdem erzählt sie, woran es bei der Versorgung ungewollt Schwangerer bisher noch hakt.
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Jan 15, 2024 • 30min

Genügen die Studien zur Hausarztzentrierten Versorgung allen Evidenzkriterien, Prof. Szecsenyi und Prof. Gerlach?

Das Gesundheitswesen steht vor umfangreichen Reformen – wenn sie denn gelingen: Die Klinikreform stockt; zur verstärkten Förderung der Allgemeinmedizin gibt es nach dem Krisengipfel aktuelle Absichtserklärungen von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach. In Aussicht stehen unter anderem eine deutschlandweite Entbudgetierung der Leistungen des hausärztlichen EBM-Kapitels und ein Ausstieg aus der Quartalslogik bei der Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten. Damit rückt die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) verstärkt in den Blick der Politik, denn die nun angekündigten Reformen, die über die anstehenden Versorgungsgesetze umgesetzt werden sollen, finden sich auch in vielen Verträgen zur HZV. Hier stand im vergangenen Jahr die HZV in Baden-Württemberg zum 15-jährigen Bestehen im Mittelpunkt des Interesses – auch durch neu vorgelegte Evaluationsergebnisse. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutern die beiden Versorgungsforscher und Allgemeinmediziner Professor Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg und Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität in Frankfurt und ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, die Ergebnisse ihrer umfangreichen Studien zur HZV in Baden-Württemberg, die sich durch die Besonderheit vieler angedockter Facharztverträge auszeichnet. Im Gespräch beschreiben Szecsenyi und Gerlach die Vorteile der engen Verzahnung der fachärztlichen mit der hausärztlichen Versorgung und ihre Auswirkungen für die Patientinnen und Patienten. Sie erläutern zudem die Ergebnisse der Evaluation der HZV im Vergleich zur Regelversorgung, wie sich die HZV langfristig auswirkt und ob die Untersuchungen allen Evidenzkriterien medizinischer Studien genügen. Nicht zuletzt geht es im Podcast darum, die Erfolgsfaktoren einer guten primärärztlichen Versorgung herauszuarbeiten – und um die Chancen einer primärärztlichen Versorgung in der Gesundheitspolitik.
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Jan 6, 2024 • 36min

BVKJ-Präsident Hubmann: „Das Versorgungsgefährdungs-Puzzle in der Pädiatrie besteht weiter“

Zur kinder- und jugendärztlichen Versorgung Die Entbudgetierung der kinder- und jugendärztlichen Leistungen ab April 2023 war die vielleicht wichtigste gesundheitspolitische Errungenschaft der Pädiater im vergangenen Jahr. Aber sie ist allein keine hinreichende Bedingung dafür, dass die ambulante pädiatrische Versorgung gesichert bleibt. Die Entbudgetierung habe den Kolleginnen und Kollegen schon etwas gebracht, vor allem in den Stadtstaaten, wo die Budgetierung besonders stark griff. „Das Versorgungsgefährdungs-Puzzle in der Pädiatrie besteht trotzdem weiter“, beschreibt der seit Dezember 2023 amtierende Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen Dr. Michael Hubmann die aktuelle Situation für seine Fachgruppe im „ÄrzteTag“-Podcast. „Uns fehlt die Luft zum Atmen, wir verbrauchen zu viel Energie, um zu erfahren, wo es ein freies Bett auf einer Kinderstation gibt, in die wir ein akut schwer erkranktes Kind schicken können. Und wir verbrauchen zu viel Energie, um zu erfragen, welche Medikamente in der Apotheke noch vorrätig sind.“ Zu den Puzzleteilen, die eine gute ambulante Versorgung gefährden, gehörten außerdem die überbordende Bürokratie und die Misstrauenskultur, die Ärztinnen und Ärzten überall entgegenschlage. „Wieso muss ein Arzt, der einer 50-jährigen Mukoviszidose-Patientin Sauerstoff verordnet, dies vor der Krankenkasse rechtfertigen. Das macht doch keinen Sinn, es läuft doch niemand freiwillig mit einer schweren Sauerstoff-Flasche herum!“, ärgert sich Hubmann. Oder die Hilfsmittelverordnung für ein schwerbehindertes Kind, die zuerst vom MDK abgelehnt wird, weil eine Einwilligungserklärung fehlt: Hubmann: „Das nimmt einem doch den Spaß an der Arbeit.“ Positiv beschreibt der BVKJ-Chef die Arbeit in der Arzneimittel-Task-force in Bayern, zusammen mit Pharma-Industrie, Großhandel und Apotheken, die jetzt auch bundesweit aufgegriffen worden sei. Man könne nicht erwarten, dass die Lieferprobleme, die über viele Jahre hinweg entstanden sind, mit einem Federstrich beseitigt werden können. Aber die Zusammenarbeit über die Berufsgrenzen hinweg sei sehr konstruktiv. Im Gespräch fordert der Pädiater eine „enkeltaugliche Gesundheitspolitik“, die verantwortlich mit den Ressourcen umgehe. Wichtig sei es, sich dabei realistische Ziele zu setzen, damit in der immer komplexer werdenden Politik der Überblick nicht verloren geht. Dazu gehörten mehr Medizin-Studienplätze, eine gemeinsame, über die Sektorengrenzen hinausdenkende Weiterbildung, die Kinderheilkunde in Kliniken als Teil der Daseinsvorsorge zu sehen und eine Umgestaltung der Gesundheitsversorgung weg vom Quartalsdenken und von den Budgets, hin zu mehr Steuerung der Patienten. Nicht zuletzt berichtet Hubmann im Podcast auch, warum er es für so wichtig hält, sich als Pädiater in der Politik einzubringen, warum der Beruf des Pädiaters aus seiner Sicht der Schönste ist, den es gibt, und was zu tun ist, damit es auch in den nächsten zehn Jahren so bleibt.
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Jan 4, 2024 • 41min

Sind Patienten schneller zu Fuß in der Apotheke als das E-Rezept über die TI, Herr Neumann?

Der Produktmanager E-Rezept bei der gematik im Podcast 1,3 Millionen ausgestellte E-Rezepte am ersten Arbeitstag des Jahres: Die Bilanz könnte trotz gemeldeter Störungen gleich zum Jahreswechsel schlechter aussehen, meint Hannes Neumann, Produktmanager der gematik für das E-Rezept. Im „ÄrzteTag“-Podcast räumt Neumann Probleme mit der neuen Pflichtanwendung in den ersten Tagen ein. Die Kommunikation der ersten Störungen sei nicht gut gelaufen, und die technischen Probleme selbst seien ebenfalls unglücklich gleich beim Start. So betreffe die gemeldete Störung beim Einlösen der E-Rezepte für die E-Rezept-Apps der IKK-, BKK- und DAK- sowie am folgenden Tag auch der AOK-Versicherten lediglich diejenigen, die bereits eine elektronische Identität von ihrer Kasse bekommen haben. Und das sei deutschlandweit eine dreistellige Anzahl von Versicherten, so Neumann. Er räumt ein, dass in den Praxen aktuell viel Aufwand dadurch entsteht, dass die Patienten über die neue Anwendung zu wenig aufgeklärt worden seien von ihren Krankenkassen. Und er sagt, dass er nicht glücklich darüber ist, dass die neue Anwendung vom Gesetzgeber sanktionsbewehrt ist. Viel besser wäre es, wenn neue Anwendungen deshalb genutzt werden, weil sie in der Praxis und den Patienten Mehrwert bieten. Das aber sei beim E-Rezept durchaus der Fall, so Neumann weiter. So müssten Patienten nach einer Videosprechstunde dank des E-Rezepts nicht noch extra in die Praxis kommen, um das Rezept abzuholen. Auch der Aufwand am Praxisempfang reduziere sich, wenn weniger Patienten nur kommen, „um Papier abzuholen“. Neumann nimmt auch Stellung zu anderen technischen Problemen, die zuletzt aufgetreten sind im Zusammenhang mit dem E-Rezept, etwa zu den Ausfällen der TI beim Einlösen der E-Rezepte über das Stecken der Gesundheitskarte in der Apotheke. Oder zur teilweise nicht korrekten Berufsbezeichnung. Auch den Vorwurf, dass Patienten schneller zu Fuß in der Apotheke seien als das E-Rezept via Datenleitung lässt der E-Rezept-Produktmanager nicht auf sich sitzen: In allen Fällen, die die gematik untersucht habe, stehe dahinter ein falscher Umgang in der Praxis mit der Signatur. Bei der eAU sei es anders als beim E-Rezept, betont Neumann: „In einer akuten Behandlungssituation muss der Arzt oder die Ärztin das E-Rezept direkt digital unterschreiben, sonst geht es nicht auf den Server.“ Hier sei ein anderer Arbeitsablauf in der Praxis erforderlich als bei der Unterschrift unter die eAU, die am Tag anfallen: Diese sei nicht zeitkritisch – anders als das E-Rezept für einen Patienten, der seine Arznei direkt abholen will. (Dauer: 42:24 Minuten)
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Dec 30, 2023 • 35min

Praxisschließungen: Wo drückt der Schuh die Dermatologen am meisten, Dr. von Kiedrowski?

BVDD-Präsident von Kiedrowski zieht Bilanz zu den Ärzteprotesten Die Versorgungssituation in der Dermatologie spitzt sich zu, besonders auf dem Land. Auch deshalb hat sich der Berufsverband der Deutschen Dermatologen als einer von 23 Verbänden an den vom Virchowbund im Rahmen der Aktion „Praxis in Not“ initiierten Praxisschließungen und Protesten zwischen den Jahren beteiligt. Auch wenn er in Urlaub gehe, sei es bereits schwierig, eine Praxisvertretung zu bekommen, berichtet Dr. Ralph von Kiedrowski, Hautarzt in Selters im Westerwald und Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, im „ÄrzteTag“-Podcast. Vor der Praxisschließungszeit habe die Praxis rechtzeitig organisiert, dass die chronisch kranken Patienten genügend Dauermedikation vorrätig haben. Außerdem hat er in seiner Praxis mit Plakaten über die Schließung und die Gründe dafür informiert: wenig attraktive Rahmenbedingungen für die Niederlassung, hohe Bürokratielast, holprige Digitalisierung, budgetierte Honorare und Regresse. Insgesamt gehe er davon aus, dass die Praxisschließungen für den einen oder anderen Patienten „unangenehme Folgen“ gehabt haben könnten, weil „das bequeme Aufsuchen einer Praxis zwischen den Jahren“ eben nicht möglich gewesen sei. Dermatologen leiden unter Regressandrohungen Im Gespräch geht von Kiedrowski außerdem auf die spezifischen Probleme der Dermatologen ein. Diese litten besonders unter den niedrigen Fallwerten und müssten deshalb „in die Masse“ gehen – was auf Kosten der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schwereren Erkrankungen gehe, für die dann die Zeit fehle. Regresse etwa beim Sprechstundenbedarf und Regressandrohungen bei bestimmten hochpreisigen Medikamenten, beispielsweise bei Psoriasis, bei atopischer Dermatitis oder bei Allergien verschreckten die Kolleginnen und Kollegen teilweise so sehr, dass die Versorgung der Patienten nicht sichergestellt werden könne. Im Podcast geht der BVDD-Präsident auch darauf ein, wie die Proteste im Januar fortgeführt werden könnten, falls das Spitzengespräch mit dem Gesundheitsminister Anfang Januar „nur Gelaber“ bringe und keine konkreten Fortschritte. Und nicht zuletzt beschreibt von Kiedrowski auch, warum auch Dermatologen und nicht nur Hausärzte und Krankenhäuser kompetent seien, bei Maßnahmen gegen den Klimawandel und bei Hitzeschutzplänen mitzuwirken.

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