

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
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Apr 5, 2024 • 26min
Raus aus der Tretmühle Praxis-EDV – wie kann das funktionieren, Herr Gaber?
Hausarzt Sami Gaber will Kollegen von der Last Praxis-EDV befreien
Eine voll digitalisierte Praxis als Komplettlösung – mit standardisierter Hardware, Software und standardisierten Praxisprozessen: Mit dieser Idee hat Hausarzt Sami Gaber, der zuvor die Praxis von seinem Vater übernommen und modernisiert hatte, vor gut vier Jahren zusammen mit seinem Weiterbildungsassistenten Dr. Bahman Afzali und der Praxismanagerin Nina Kuhfuß das Unternehmen docport mit Sitz in Essen gegründet. Zwei weitere Gründer kamen dazu, und jetzt hat das Unternehmen mit der PVS Westfalen-Nord einen ersten, ärztlichen Investor gefunden, der die Expansion unterstützt. Mittlerweile arbeiten gut 20 Mitarbeiter für docport.
Im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet Gaber, wie sich die Idee „Praxis-as-a-Service“ über die vier Jahre seit Unternehmensgründung entwickelt hat. Die Ärztinnen und Ärzte, die den Dienst in Anspruch nehmen, bleiben weiterhin selbstständig, nur die Verwaltungsarbeit – bei Bedarf bis hin zur Abrechnung – werde ihnen und ihrem Team abgenommen. Es bleibe mehr Zeit für Patienten oder auch für Freizeit. 18 Praxen mit zusammen 40 Ärztinnen und Ärzten haben den Service mittlerweile bei docport gebucht, „das ist erst der Anfang“, sagt der Start-up-Gründer im Gespräch.
Das Thema Modernisierung der Praxisverwaltungssysteme wird aktuell auch von Gesundheitspolitikern im Bundestag immer wieder aufgegriffen. Im Hintergrund steht die Befürchtung, dass ältere Systeme den Anforderungen in der Telematikinfrastruktur nicht mehr gewachsen sein könnten, etwa wenn die (halb-)automatische Aktualisierung der elektronischen Patientenakte kommt.
Im Podcast beschreibt Gaber den Übergang von einem alten System zum neuen, ob Probleme beim Datentransfer zu erwarten sind, welche Kosten entstehen und wie die Praxisteams in Schulungen auf neue Prozesse vorbereitet werden.

Mar 28, 2024 • 35min
Warum verklagt die Kreisklinik Groß-Gerau das Bundesgesundheitsministerium auf Schadenersatz, Prof. Raab?
Die Geschäftsführerin spricht über Gründe und Aussicht der Klage gegen Lauterbach
Die Bundesregierung ist gesetzlich verpflichtet, für eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung zu sorgen. Das sagt zumindest Professor Erika Raab im „ÄrzteTag“-Podcast. Diese „auskömmliche Krankenhausfinanzierung“ sei der Hebel für eine Klage auf 1,7 Millionen Euro Schadenersatz gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als oberstem Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Erhoben hat diese Klage die Kreisklinik Groß-Gerau, deren Geschäftsführerin Raab ist.
Das Grundproblem ist für die Juristin klar: „Wenn Sie Brötchen für zwei Euro verkaufen müssen, aber die Kosten fürs Backen liegen bei drei Euro, dann erhöht jedes zusätzlich verkaufte Brötchen den Verlust.“ Für Raab ist dieser Fall in der stationären Versorgung längst eingetreten, wie sie im Gespräch weiter ausführt.
Der Landesbasisfallwert gebe gerade ein Plus von 4,32 Prozent her, aber die Energiepreise seien um neun Prozent gestiegen, Medizinprodukte lägen im Preis teilweise zweistellig höher, und auch die Personalkosten seien viel stärker gestiegen als der Fallwert.
Die Zahlen habe die Kreisklinik in Groß-Gerau gut im Griff, nachdem das 220-Betten-Haus vor ein paar Jahren erst ein geordnetes Insolvenzverfahren durchlaufen habe. Deshalb könne man auch den Schaden durch aufgelaufene Verluste aufgrund gestiegener Kosten so genau beziffern.
Groß-Gerau ist nach den Worten der Klinikmanagerin das erste Haus gewesen, das Klage gegen das BMG erhoben habe, aber mittlerweile bereiteten mehr als 80 Krankenhäuser eine Klage vor, auch größere Häuser, deren Verluste sich auf zweistellige Millionenbeträge beliefen.
Im Podcast wendet sich Raab gegen eine „Neiddebatte“, wenn niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die hohen Zuschüsse für Krankenhäuser beklagten, während sie selbst keine Förderung bekämen. Tatsächlich liege der Fall bei den Vertragsärzten ähnlich wie in den Krankenhäusern. Auch hier tue sich eine Finanzierungslücke bei den Punktwerten und in der EBM-Struktur auf. Und auch hier könnten Ärztinnen und Ärzte Klagen auf Schadenersatz in Erwägung ziehen.
Im Podcast schätzt Raab außerdem die Aussichten für einen Erfolg der Klage des eigenen Hauses ein. Sie erklärt, warum es auch Wettbewerbsklagen von Krankenhäusern gegen einzelne Kommunen gibt, die bei eigenen Häusern Verluste ausgleichen, bei anderen aber nicht.
Und nicht zuletzt erläutert sie Modelle, wie eine geordnete Krankenhausplanung auf regionaler Basis aussehen könnte – und inwieweit das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz dazu einen Beitrag leisten könnte.

Mar 27, 2024 • 21min
Im Schlaf ein Rauschen anhören – wie stärkt das das Herz, Professor Schmied?
Ein Kardiologe zur auditiven Stimulation im Schlaf
Verschiedene Geräusche wirken sich unterschiedlich auf den Schlaf aus. Während Straßenlärm einen negativen Einfluss auf die Schlafqualität hat, sorgt sogenannte „Pink Noise“ – ein Rauschen – für eine bessere Erholung. Welchen Effekt „Pink Noise“ auf das Herzen hat, untersuchte ein interdisziplinäres Forschungsteam des Universitätsspitals Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Dazu spielte das Team den Probanden immer dann das Rauschen vor, wenn sie sich in der Tiefschlafphase befanden (Eur Heart J 2023, online 5. Oktober).
Die Tiefschlafphase wurde durch die Intervention verstärkt und der Schaf stabiler gemacht, sagt Professor Christian Schmied vom Universitätsspital Zürich im „ÄrzteTag“-Podcast. Er betreute die Studienteilnehmer von kardiologischer Seite aus und beobachtete: Die systolische Funktion und einzelne Parameter der diastolischen Funktion hatten sich in den Nächten mit „Pink Noise“ verbessert.
Im „ÄrzteTag“-Podcast beantwortet Christian Schmied, ob wir uns also alle präventiv nachts „Pink Noise“ anhören sollten. Zudem appelliert er an jede und jeden, das eigene Schlafverhalten zu hinterfragen und mehr auf eine angemessene Regenerationszeit zu achten.

Mar 19, 2024 • 29min
Re-Budgetierung – wissen Sie schon, welche Kolleginnen und Kollegen es trifft, Dr. Bublitz?
Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg über die Wiedereinführung der Budgetierung
Hausärztliche Versorgung im Krankenhaus, geplant über den Referentenentwurf zur Krankenhausreform, und neue Budgetierung in Baden-Württemberg, weil die Rücklagen verbraucht sind: Für Hausärztinnen und Hausärzte könnte es zurzeit besser laufen in der Gesundheitspolitik.
Nach dem Hausärztetag in Baden-Württemberg nimmt Dr. Susanne Bublitz, Co-Landesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg, im „ÄrzteTag“-Podcast Stellung zur aktuellen Entwicklung. Konkrete Zahlen dazu, wie sich die zum vierten Quartal 2023 wieder wirkende Budgetierung auf einzelne Praxen auswirken könnte, lägen dem Verband noch nicht vor, berichtet Bublitz im Gespräch.
Allerdings habe die KV Baden-Württemberg darauf hingewiesen, dass in alten Honorarbescheiden im RLV-Zuweisungsbescheid nachgeschaut werden könne, wie stark das RLV überschritten worden sei. Bislang seien diese Überschreitungen aus den Rücklagen ausgeglichen worden, jetzt sei dies nicht mehr möglich.
Sie habe mit einer Kollegin gesprochen, die sich ausgerechnet habe, wie stark ihre Praxis betroffen sein werde, wenn die Entbudgetierung, die Gesundheitsminister Lauterbach versprochen hat, zum 1. Januar 2025 greift. In den fünf Quartalen könnte dann insgesamt ein sechsstelliger Betrag auf dem Spiel stehen – jedenfalls in dieser einen Praxis, berichtet die Landeschefin des Verbands. Genaueres werde Mitte April zu erfahren sein, wenn die Bescheide von der KV verschickt werden.
Höher bewertete Gesprächsleistungen und mehr abgerechnete Chronikerpauschalen sollen dafür verantwortlich sein, dass die Rücklagen nun aufgezehrt sind, hatte die KV berichtet. Dennoch blieben Fragen offen, warum trotz 966 nicht besetzter Hausarztsitze der hausärztliche Topf nicht für die Kolleginnen und Kollegen reiche, so Bublitz im Podcast. Klärung erhofft sich der Verband von der Sondervertreterversammlung, die im April stattfinden wird.
Im Gespräch geht Bublitz auch darauf ein, warum ihr Verband trotz der Notlage das Gesamtpaket aus Entbudgetierung und Neuordnung der EBM-Pauschalen zu den Kontaktfrequenzen abwarten will – und nicht eine beschleunigte Entbudgetierung mit späterer gesetzlicher Vorgabe zur Änderung des EBM vorzieht.
Ein Angebot hausärztlicher Versorgung in Kliniken, wie es der Referentenentwurf zur Krankenhausreform vorsieht, beurteilt wie der Bundesverband auch der Landesverband Baden-Württemberg mit Sorge. Bublitz fürchtet eine teure Überdiagnostik, weil Klinikärzte es gar nicht anders kennen. Sie nennt im Podcast auch weitere Gründe, warum ein hausärztliches Angebot in Krankenhäusern kontraproduktiv wäre.

Mar 15, 2024 • 60min
Wann ziehen Haus- und Fachärzte endlich an einem Strang, Dr. Heinrich?
Der SpiFa-Vorsitzende steht beim Fachärztetag vor Publikum Rede und Antwort.
Ein „ÄrzteTag“-Podcast einmal ganz anders: Am Ende des 10. SpiFa-Fachärztetages am Freitag stellte sich Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands, den Fragen der Ärzte Zeitung – vor Publikum vor Ort in Berlin. Die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung konnten sich einbringen und selbst Fragen stellen.
Nachzuhören in dieser besonderen Folge des „ÄrzteTag vor Ort“-Podcasts. Der Bundesvorsitzende des Spitzenverbands äußert sich zur Rivalität von Hausärzten und Fachärzten und erläutert, was er von der Ampel-Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode erwartet und wie die Fachärzte in der politischen Großwetterlage ihre Position halten können.

Mar 14, 2024 • 28min
Wie groß ist der medizinisch-ökonomische Fußabdruck der Fachärzte, Herr Schneider?
SpiFa-Hauptgeschäftsführer zur Rolle der ambulanten Facharztmedizin
Medizin nur als Kostenfaktor? Das wird der Sache nicht gerecht, sagt Robert Schneider, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) im „ÄrzteTag“-Podcast. Schneider ist auch Ko-Autor einer Studie zum medizinisch-ökonomischen Fußabdruck der ambulanten Facharztmedizin in Deutschland.
Die Arbeit stellt wichtige ökonomische Kennzahlen der Gesundheitswirtschaft in Zusammenhang mit denen aus der medizinischen Versorgung. So wird auf Basis von Zahlen aus dem Bundeswirtschaftsministerium gezeigt, dass für jeden Euro, der in die Gesundheitswirtschaft fließt, über einen Multiplikatoreffekt gut 70 Cent weitere Wertschöpfung entstehen. Insgesamt führt das zu einem ökonomischen Fußabdruck der Gesundheitswirtschaft von insgesamt rund 775 Milliarden Euro, gut ein Drittel davon geht auf die medizinische Versorgung zurück.
Schneider erklärt im Podcast, wie dieser Effekt zustande kommt und warum das ein Argument dagegen sein könnte, im Gesundheitswesen die Sparschraube immer weiter anzuziehen.
Schneider erläutert außerdem, welchen Impact die Fachärzte als Teil der Gesundheitswirtschaft für die Volkswirtschaft haben und welche Rolle sie in der medizinischen Versorgung spielen. Nicht zuletzt führt er aus, wie eine Entbudgetierung helfen könnte, die ambulante medizinische Versorgung zu stärken.

Mar 13, 2024 • 33min
Wie kommen Belegärzte mit den Hybrid-DRG zurecht, Dr. van Rhee?
Das BdB-Vorstandsmitglied im Gespräch über Abrechnungsprobleme
Kommt mit der Einigung zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zur Umsetzung der Abrechnung der speziellen sektorengleichen Vergütung nun Schwung in die Umsetzung der Hybrid-DRG? Zumindest ermöglicht die Einigung abrechnenden Operateuren, bei der Abrechnung gewohnte Wege zu gehen – mit der Eingabe von EBM-Positionen und dem Versand der Abrechnung an die KV der Region, sagt Orthopäde und Belegarzt Dr. Ryszard van Rhee im „ÄrzteTag“-Podcast.
Das Vorstandsmitglied im Bundesverband der Belegärzte und Belegkrankenhäuser benennt im Gespräch aber auch die weiter bestehenden Probleme bei der Abrechnung der Hybrid-DRG, zum Beispiel die Ergänzung der Praxissoftware um einen Grouper zur Bestimmung der korrekten DRG. Außerdem müssen sich operierende Ärztinnen und Ärzte, Anästhesisten und – falls involviert – auch Krankenhäuser darüber einigen, wer die Leistungen gegenüber der Krankenkasse abrechnet und wie die Honorare unter den Beteiligten aufgeteilt werden. Im Gespräch beschreibt der Belegarzt, wie die Akteure zu einer Einigung kommen können.
Belegärztinnen und Belegärzte, so van Rhee, seien letztlich prädestiniert für die neuen Hybrid-DRG, weil sie ohnehin an der Schnittstelle ambulant-stationär unterwegs seien und ihre Patienten von der Diagnose bis zur Op und zur Nachsorge begleiten. Er erwartet, dass Hybrid-DRG, wenn sie denn vor Ende der Legislaturperiode „mit Leben gefüllt werden“, künftig eine größere Rolle spielen als dies beispielsweise bei der Einführung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) der Fall gewesen sei. Nötig seien dafür aber auch Rahmenbedingungen, die dazu motivieren, in das neue Versorgungsmodell einzusteigen.
Kritik übt der Orthopäde vor allem daran, dass die Materialkosten in die Hybrid-DRG inkludiert sind. Die Gefahr sei, dass dann auf Kosten der Qualität gespart werde, so van Rhee. Wenn allein die Platte für eine Arthrodesenversteifung 400 Euro koste, „dann werden Op-Zentren-Betreiber, Operateur und Anästhesist nicht satt, wenn die Hybrid-DRG bei gut 900 Euro liegt“, so seine Einschätzung. Die Versuchung sei dann, mit zwei Schrauben statt mit einer Platte zu arbeiten – was letztlich zu einer schlechteren Versorgung führen könnte.

Mar 11, 2024 • 33min
Brauchen iMVZ mehr Kontrolle, damit sie nicht nur Rosinen picken, Herr Dr. Müller?
Der ALM-Chef über das Reizthema Investoren und Arztpraxen
Wie lassen sich schwarze Schafe unter Betreibern investoren-getragener Medizinischer Versorgungszentren (iMVZ) finden? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktuelles Gutachten, das die Verbände Akkreditierte Labore in der Medizin ALM e. V. und der Bundesverband der Betreiber medizinischer Versorgungszentren (BBMV) am Montag (11. März) vorgelegt haben. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Laborarzt und ALM-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Müller die Zielrichtung des Gutachtens: den Nachweis zu erbringen, dass gesetzliche Änderungen nicht nötig sind, um einen möglichen Missbrauch von Abrechnungsregeln und Rosinenpickerei durch iMVZ zu verhindern.
Hintergrund sind Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), iMVZ stärker zu regulieren. Diese Ankündigungen haben bislang aber noch nicht Eingang in einen Gesetzentwurf gefunden.
Das Gutachten, so Müller im Podcast, zeige, dass es möglich sei, Transparenz über das Abrechnungsgeschehen zu bekommen, wenn Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) nur das vorhandene Instrumentarium der Wirtschaftlichkeits- und Plausibilitätsprüfungen nutzten – zum Beispiel über den Vergleich von Fallwerten oder über die Entwicklung der Häufigkeitsverteilung bestimmter Gebührenordnungspositionen (GOP) nach Übernahme eines MVZ durch einen Investor. Sein Credo: „Evidenz hilft“ – um die Debatte zu vertiefen und Vorurteile gegen Investoren zu entkräften. Müller bekräftigt sogar die Forderung, dass die Gründung von MVZ wieder stärker dereguliert werden und der Kauf einer Klinik für nicht-ärztliche Betreiber als Bedingung für eine MVZ-Gründung gestrichen werden müsste.
Zur Wehr setzt sich Müller auch gegen „pauschale Vorwürfe“ gegen investoren-getragene MVZ, diese würden in der Abrechnung von Privatleistungen ohne Kontrolle durch die KVen häufig nicht korrekt vorgehen. Hintergrund sind Vorwürfe gegen einen Betreiber eines augenärztlichen MVZ, angestellte Ärztinnen und Ärzte angestiftet zu haben, möglichst häufig den Höchstsatz anzusetzen und auch bestimmte Leistungen, die eigentlich pauschal abgegolten sind, einzeln abzurechnen.
Ärztinnen und Ärzte hätten hier offensichtlich Störgefühle und hätten entsprechend reagiert und so erst mögliche Beugungen der Abrechnungsregeln bekannt gemacht, betont Müller im Gespräch mit Blick auf einen Bericht im ARD-Magazin „Panorama“. Hinzu komme nicht zuletzt, dass die „Ärzteschaft unter Druck“ sei bei der Abrechnung über die veraltete GOÄ. Am Ende seien Ärztinnen und Ärzte dem Gemeinwohl verpflichtet – egal, ob sie als Selbstständige oder als Angestellte in einem iMVZ arbeiten.

Mar 4, 2024 • 21min
Schließt das Digitalgesetz die Versorgungslücken in der Psychotherapie, Frau Dr. Beintner und Herr Büchtmann?
Chancen und Grenzen digitaler Lösungen für die Psychotherapie angesichts neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen
Das Digitalgesetz ist beschlossen, und es wirkt sich auf viele Bereiche des Gesundheitswesens aus, nicht zuletzt auf die Möglichkeiten für Psychotherapeuten, aber auch für Anbieter Digitaler Gesundheitsleistungen. Besonders wichtig für Psychotherapeuten ist der Wegfall der Mengenbegrenzung von Videosprechstunden, die bislang noch bei 30 Prozent „je berechneter Gebührenordnungsposition je Vertragsarzt und Quartal“ liegt. Der Gesetzgeber hat allerdings noch der KBV und dem GKV-Spitzenverband die Aufgabe gegeben, „Ausführungsbestimmungen“ für die Umsetzung festzulegen.
Im „ÄrzteTag“-Podcast sprechen Dr. Ina Beintner und Markus Büchtmann vom Unternehmen MindDoc, das sowohl Videosprechstunden als auch neuerdings eine Digitale Gesundheitsanwendung für Menschen mit depressiven Störungen anbietet, über die Chancen und die Grenzen digitaler Lösungen für die Psychotherapie angesichts der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
So hebt Dr. Ina Beintner, Chief Science and Clinical Officer des Tochterunternehmens der Schön Kliniken, den „Fortschritt“ hervor, um die „riesigen Versorgungslücken“ in der Psychotherapie zu schließen. So könnten DiGA, die ja immer „in der Hosentasche“ mit dabei seien, durch eine Nutzung bei Bedarf sehr gut dabei helfen, neue Verhaltensweisen einzuüben. In einer gesprächsbasierten Psychotherapie gebe es dagegen nur die vorgegebenen Termine. Deshalb gebe es auch so viele DiGA für den Indikationsbereich der Psychotherapie – sei es mit festen Kursen, variablen Kursbestandteilen oder auch ganz eng in der Therapiebegleitung.
Der Übergang zur Psychotherapie sollte dann erfolgen, wenn eine Patientin oder ein Patient mit der DiGA nicht weiterkomme – „in einer idealen Welt“, wie Beintner angesichts der Versorgungslücken im Gespräch betont. Markus Büchtmann, Geschäftsführer von MindDoc, erläutert, warum er einen echten Fortschritt beim Schließen der Versorgungslücken ausschließlich in einem ortsungebundenen Szenario sieht. Der Anbieter hat diese Möglichkeiten durch Selektivverträge mit einigen Krankenkassen bereits vor dem Inkrafttreten des Digitalgesetzes realisiert.
Im Podcast nehmen Büchtmann und Beintner auch Stellung dazu, wie eine Software, ein Algorithmus tatsächlich helfen kann, welche Möglichkeiten in Zukunft durch noch stärkeren Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie entstehen könnten und inwieweit Psychotherapeutinnen und -therapeuten am Ende durch solche Programme ersetzt werden könnten. Auch die neuen Möglichkeiten, probatorische Sitzungen ebenfalls per Videosprechstunde zu machen, kommen im Podcast zur Sprache.

Feb 20, 2024 • 37min
Welche sind die drei Herausforderung der Onkologie, Dr. Johannes Bruns?
Zum Start des 36. Deutschen Krebskongresses 2024
In der Fachrichtung Onkologie und Hämatologie gibt es ständige Veränderungen, möglicherweise mehr als in vielen anderen Fachgebieten. Der 36. Deutsche Krebskongress ist daher mit über 300 Sitzungen vollgepackt. Doch nicht nur in Bezug auf Moleküle, Medizin und Pflege gibt es viel Neues, auch die Struktur der onkologischen Versorgung wandelt sich. In dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts spricht Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), über drei große Herausforderungen für das Fach.
Die erste Herausforderung sind die neuen Modellvorhaben zur genomischen Medizin gemäß Paragraf 64e SGB V, die in diesem Jahr starten sollen. Bruns bezeichnet sie als „ein völlig neues Produkt in der Gesundheitsversorgung“. Diese geplanten Zentren, für die sich Klinikabteilungen bewerben können, bezeichnet er als „Vision, die wir schon immer hatten“. Denn in der Onkologie sollte „nicht jeder alles machen, insbesondere bei Hightech-Technologien“. Durch diese Modellvorhaben besteht die Chance, „ausgewählten qualifizierten Leistungserbringern das Recht zu geben, bestimmte Leistungen finanziert zu bekommen“. Gleichzeitig haben diese Zentren die Verpflichtung, sich in das übrige Versorgungsnetzwerk einzubinden, um „den Nutzen für alle möglichen Patienten“ anzubieten.
Damit greifen diese Vorhaben einen wesentlichen Punkt der noch ausstehenden Krankenhausreform auf, nämlich die Bündelung von Leistungsangeboten dort, wo sie mit hoher Qualität erbracht werden können. „In der Onkologie haben wir bereits seit vielen Jahren zertifizierte Zentren, Netzwerke und eine integrierte sektorenübergreifende Versorgung“, sagt Bruns. „Wir hoffen immer noch, dass die derzeitigen gesetzgeberischen Veränderungen den Versorgungsprozess an der Patient Journey ausrichten und nicht nur einfach Strukturen und Finanzierungen neu regeln“, fügt Bruns mit kritischem Unterton zu den aktuellen Verhandlungen zwischen Bund und Bundesländern hinzu.
Für den Generalsekretär der DKG sind die Netzwerke nicht nur Versorgungselemente, sondern auch „eine echte Chance, um aus der Versorgung besser lernen zu können“. In der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) ist die Wissen generierende Versorgung bereits angelegt, ebenso wie das Thema Survivorship. Bruns spricht von einer „Übersetzung in beide Richtungen“, die in Zukunft noch besser gestaltet werden muss. „Denn wir müssen noch mehr darüber erfahren, wie unsere Versorgung aussieht, um besser daraus lernen zu können.“


