Klinisch Relevant Podcast

Dr. med. Kai Gruhn, Dr. med. Dietrich Sturm, Prof. Markus Wübbeler
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Nov 11, 2020 • 32min

Ergotherapie: Was ist das eigentlich?! - mit Andre Eckerkunst

Warum Ergotherapie für unsere Patienten wichtig und hilfreich ist Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen der Pflegeberufe sowie Heilmittelerbringern kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um die Vorstellung unseres neuen Teammitglieds für den Bereich Ergotherapie. Andre Eckerkunst ist seit 2007 Ergotherapeut, in leitender Position seit 2010 und in eigener Praxis tätig seit 2014. In seiner Praxis in Erkrath bei Düsseldorf behandelt er mit neurologischen und pädiatrischen Schwerpunkt die unterschiedlichsten Störungsbilder. Im Gespräch mit Kai Gruhn gibt er einen kurzen Überblick über den Begriff und die Geschichte der Ergotherapie, den Eintritt in die Behandlung sowie die Verordnungsmöglichkeiten für verschreibende Ärzte. Ergotherapie Ergotherapie (griechisch: ergon, deutsch: Werk, Arbeit) ist ein Heilmittel, die sich mit der Ausführung bedeutungsvoller, konkreter Betätigung und dessen Auswirkung auf den Menschen und dessen Umwelt und somit seiner Partizipation befasst. Der deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) findet hier folgende Definition: „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jedes Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.“ In den kommenden Ausgaben werden die einzelnen Therapiemethoden sowie Arbeitsbereiche der behandelnden Ergotherapeuten einzeln beleuchtet. Für den verschreibenden Arzt wird dieses Heilmittel so greifbarer. Die gezielte Verordnung von spezifischen Maßnahmen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird so erleichtert.
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Nov 10, 2020 • 23min

TAVI- mit Dr. Christian Giebels * Kardiochirurgie/Kardiologie

Indikation, Durchführung, Komplikationen der transfemoralen Implantation einer Aortenklappe TAVI: eine elegante Form des Aortenklappenersatzes TAVI steht für "Transcatheter Aortic Valve Implantation" und ist mittlerweile ein Art Modewort geworden. Dr. Christian Giebels ist Kardiochirurg an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg und kennt sich bestens mit diesem Verfahren aus. In diesem Podcast-Interview erklärt er alles, was Du zu diesem Thema wissen musst: Indikation, geeignete Patienten, Durchführung, prä- und postoperatives Management, typische Komplikationen und alternative Therapieverfahren. Das TAVI-Verfahren ist insbesondere für Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose geeignet, die älter als 75 Jahre sind und ein höheres intraoperatives Risiko haben, z.B. aufgrund von Multimorbidität. Bei älteren und gesünderen Patienten wird weiterhin prinzipiell der "offene" Aortenklappen-Ersatz angestrebt, bei dem das Sternum durchtrennt und der Brustkorb eröffnet wird. Bei dem Eingriff, der bei unkompliziertem Verlauf 30-45 Minuten dauert, wird meistens im Bereich der Femoralis-Arterie über ein Schleusen-System eine biologische Klappenkonstruktion (Schweine- oder Kälber-Perikard, dass auf ein Gerüst aus unterschiedlichen Materialien aufgezogen und zusammengeklappt auf ein Kathetersystem aufgebracht wird) in Aorten-Position vorgeschoben und dann ausgebreitet. Dabei wird die neue Klappe mit Druck in den verkalkten Aortenring gepresst. Voraussetzung dafür ist, dass die Becken-Bein-Strombahn frei ist. Bei Patienten mit schwerer Arteriosklerose in den Leistenarterien ist allerdings auch ein Zugang über die Arteria axillaris oder die Arteria subclavia möglich. Präoperativ wird das Ausmaß der Stenose mittels tranthorakaler Echokardiografie bestimmt. Die Größe des benötigten Aortenklappen-Ersatzes kann am besten mit Hilfe des Cardio-CTs bestimmt werden. Postoperativ werden die Patienten in der Regel mit einer dualen Thrombozytenaggregations-Hemmung behandelt; nach ca. 1 Woche kann die Klinik in Richtung stationäre Rehabilitation verlassen werden. Typische Komplikationen, die beim TAVI-Verfahren auftreten können, sind die üblichen Katheter-Komplikationen (Hämatom, Dissektion), aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Da die neue Klappe in den Aortenring gepresst wird, kann auch Kalkmaterial in den Bereich des AV-Knotens gedrückt werden und einen AV-Block auslösen. Teilweise ist dann die Implantation eines Schrittmachers erforderlich. Umfangreiche Langzeit-Ergebnisse zur "Lebensdauer" von Herklappen im TAVI-Verfahren existieren noch nicht. Man geht hier von 7-10 Jahren aus. Viel Spaß beim Hören! Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
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Nov 5, 2020 • 43min

Umgang mit Konflikten im beruflichen Umfeld der Medizin - mit Dr. Tim Peters * Querschnittsthemen

Wie Du Konflikte richtig führst und zu einem guten Ende bringst Umgang mit Konflikten Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um den Umgang mit Konflikten und darüber, wo sie im Gesundheitswesen auftreten, wie man sie analysieren kann und welche Techniken und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen. Persönlichkeitstest: Die „Big Five“-Persönlichkeitsfaktoren zur Reflexion des eigenen Verhaltens im Kontext von Konflikten. Häufig fragen wir uns im Anschluss an einen Konflikt, warum dieser uns so mitgenommen hat, warum wir so emotional reagiert haben oder warum wir vielelicht so rücksichtlos vorgegangen sind. Dies kann durchaus situative Ursachen haben, aber auch mit unserer Persönlichkeitsstruktur zusammenhängen. Die so genannten „Big Five“-Persönlichkeitsfaktoren wurden von verschiedenen unabhängigen Forschergruppen über mehrere Jahrzehnte hinweg entwickelt und sie gelten heute als das am besten wissenschaftlich validierte und zuverlässigste Modell zur Beschreibung bzw. „Messung“ von Persönlichkeitsstrukturen. Cave: Natürlich treffen Typologien nie 100%ig zu und vereinfachen die Realität, um sie greifbar und schnell verstehbar zu machen. Nichtsdestotrotz können ein Test und die entsprechende Auswertung viele hilfreiche Hinweise auf das eigene Verhalten in Konflikten geben. Link: https://www.123test.com/de/Pers%C3%B6nlichkeitstest/ Konflikteskalation: Die 9 Stufen nach Friedrich Glasl Konflikte zu analysieren, von denen man selber betroffen ist, ist nicht immer einfach, da vieles emotional aufgeladen ist oder auch einfach die Begrifflichkeiten fehlen, um bestimmte Umstände zu beschreiben. Ist ein Konflikt jetzt schon dramatisch oder übertreibe ich in meiner Interpretation der Wahrnehmung? Die Konflikteskalationsskala von Friedrich Glasl ist eines der meistgenutzten Instrumente im Bereich Konfliktmanagement. Es führt klare Begrifflichkeiten und eine übersichtliche Struktur zusammen und gibt darüber hinaus mit den Kategorien „Win-Win“, „Win-Lose“ und „Lose-Lose“ erste Handlungsempfehlungen an die Hand, ob ein Konflikt noch zu klären ist, wen man dafür als Schiedsrichter braucht oder ob ggf. eine Exit-Option in Betracht gezogen werden sollte. Erklärvideo unter: https://www.youtube.com/watch?v=PI1xiMW6etk Das Eisbergmodell – Die unterschätzte Macht der nicht-sichtbaren Kommunikationsanteile Vom Eisbergmodell haben viele schon in unterschiedlichen Kontexten gehört. Das ursprünglich auf Freud zurückgehende Modell macht auf gut verständliche Weise klar, welchen Einfluss Emotionen und Werthaltungen auf unsere Kommunikation haben und wie sie die ausgetauschten Sachinhalte oder Fakten beeinflussen. Gerade längere Konflikte werden vielleicht oberflächlich über Argumente ausgetragen, finden aber letztlich zum Großteil auf der Beziehungs- und Gefühlsebene statt. Dass sie sich dort verankern, aber bei Klärungsgesprächen oft nicht entsprechend adressiert werden, macht sie so gefährlich und führt häufig zu gefühlsbetonten Kommunikationsschleifen, die den Konflikt weiter eskalieren lassen. Erklärvideo unter: https://www.youtube.com/watch?v=8UVSY20zXv0
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Nov 3, 2020 • 19min

Evidenz-basierte Dermatome - mit Prof. Omid Nikoubashman * Neurologie/Neuroradiologie

Wie es zu den Dermatom-Karten gekommen ist und wie gut Du Dich darauf verlassen kannst Dermatome In unserem heutigen Klinisch Relevant Podcast sprechen wir mit **Prof. Dr. Omid Nikoubashman **über die Dermatome. Dabei erfährst Du, wie die bekannten Dermatom-Karten zu Stande gekommen sind und warum wir nicht aufhören sollten, Dinge kritisch zu hinterfragen. Definitionen Dermatom: Hautareal, welches zu einem bestimmten spinalen Segment korrespondiert Spinales Segment: Hinterwurzel des Spinalnervs (sensibel) Relevanz Dermatome haben eine hohe klinische Relevanz bei der Beurteilung von: Querschnittsymptomen Akute Sensibilitätsausfälle Bandscheibenvorfälle Zoster-Neuralgie Übersichtsarbeit zum Thema Dermatome Lee, M.W.; McPhee, R.W.; Stringer, M.D. An evidence-based approach to human dermatomes. Clin Anat 2008, 21, 363-373, doi:10.1002/ca.20636 Angaben zu den Dermatomen und den korrespondierenden Segmenten variieren je nach Literatur. • Th5 auf der Höhe der Mamillen (Netter et al.) vs. Th4 auf der Höhe der Mamillen (Drislane et al.) • Lateraler Oberschenkel: L4 (Netter), L3 (Hacke et al.), L1+L5 (Drislane) Die Dermatom-Karten beziehen sich im Wesentlichen auf drei Primärquellen, in denen die Dermatome untersucht wurden: • Head and Campbell (1900) • Förster (1933) • Keegan and Garrett (1948) Die drei Primärquellen, auf die sich die Dermatom-Karten stützen Head and Campbell: Haben Zeichnungen verwendet, auf denen Herpes Zoster Infektionen dargestellt waren. Hierfür haben sie sich 450 Herpes Zoster Patienten angeschaut und die Rötungen nachgezeichnet. Sie haben als einzige auch den Rücken kartiert. Förster: Es handelt sich um eine chirurgische Arbeit, bei der Rhizotomien durchgeführt wurden. Das heißt, dass beidseitig eine intradurale Resektion der hinteren Spinalnervenwurzeln erfolgte. Die Anzahl der Operationen, anhand derer die Dermatome beschrieben wurden, variiert bei den einzelnen Dermatomen stark und es liegen keine Daten für den Rücken vor. Keegan and Garrett: Haben die Dermatome mit Hilfe von Patienten mit Bandscheibenvorfällen beschrieben. Für die Region bis Th1 haben sie 165 Patienten untersucht. 1264 Patienten von L3 – S2. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings noch keine CT/MRT-Bildgebung. Daher kann nicht sicher davon ausgegangen, dass alle Segmente richtig zugeordnet wurden. Interpretation und anatomische Gegebenheiten, die es erschweren Dermatome zu identifizieren Die Arbeiten sind sehr alt, lückenhaft und weisen einige methodische Mängel auf. Man hat die drei Arbeiten genommen und daraus die heutigen Dermatom-Karten zusammengestellt. Die Abbildungen, die heute in den Lehrbüchern zu finden sind, basieren nicht auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Die Überlappungen Segmentale Anastomosen: Nervenfasern, die von einem Spinalnerven zum drunter oder drüber liegenden Spinalnerv ziehen. Spinalnerven, die sich T-förmig aufspalten und sowohl nach kranial als auch kaudal zu den Foramina ziehen. Bei 60% der cervikalen und 22% der lumbalen Segmente kommen solche T-förmigen Nerven vor. Durch solche anatomischen Besonderheiten, können auch vermeintliche Kennmuskeln nicht den tatsächlichen Segmenten entsprechen. Erkenntnisse aus der Arbeit von Lee et al. Klinisch immer möglichst die Mittellinie nutzen, da dort die Überlappungen der Dermatome am geringsten ausfallen C1 hat kein sensibles Dermatom. Zu C7 gibt es wenig Evidenz. Es gibt große Überlappungen mit C6 (Daumen) und C8 (Kleinfingerseite). C7 kann aber auch den Daumen bzw. die Kleinfingerseite innervieren. Dermatome am Rücken sind schwer zu bestimmen. Für den Rücken liegt nur die Arbeit von Head and Campbell vor. Der große Zeh (dorsal) kann sowohl von L5 als auch L4 innerviert sein. Der laterale Oberschenkel wird von L2 innerviert (laut Lee et al.). Lee, M.W.; McPhee, R.W.; Stringer, M.D. An evidence-based approach to human dermatomes. Clin Anat 2008, 21, 363-373, doi:10.1002/ca.20636
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Oct 27, 2020 • 24min

LSVT : Logopädie für Parkinson-Patienten - mit Petra Hamacher * Neurologie/Logopädie

Spezifisches Sprach- und Sprechtraining zur Verbesserung von Stimmvolumen und Stimmmodulation beim primären Parkinson-Syndrom Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) : logopädische Therapie von Parkinson-Patienten Parkinson Patienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung an einer Reihe von logopädischen Auffälligkeiten bzw. Einschränkungen, die möglichst frühzeitig therapiert werden sollten. Wir sprechen daher heute in unserem Klinisch Relevant Podcast mit Petra Hamacher über die Herkunft, den Aufbau und den Nutzen der logopädischen LSVT-Behandlung für Parkinson-Patienten. Welche logopädischen Auffälligkeiten sind bei Parkinson-Patienten festzustellen? Eingeschränkte Kommunikationsfähigkeiten Dysphagie Verwaschenes Sprechen Leiseres Sprechen Monotoneres Sprechen Deutlich langsameres oder schnelleres Sprechen Besonders die jüngeren Patienten merken früh den Beginn der Einschränkungen, noch bevor ihr Umfeld diese akustisch wahrnehmen kann. Das Sprechen wird für die Patienten zunehmend ein Kraftakt. Daraus resultiert häufig eine abnehmende Teilhabe an sozialen Interaktionen, welche die Patienten zusätzlich belasten könnten (z.B. größere Gruppentreffen, bei denen es mal lauter zugeht). **Woher kommt die LSVT-Therapie? Wofür steht das Akronym? ** USA Benannt nach Lee Silverman. Die Patientin wies eine sehr verwaschene Sprache auf und wurde 1987 mit der, dann nach ihr benannten, Therapie behandelt. Seit 2007 wird die LSVT-Therapie in Workshops in Deutschland gelehrt Die LSVT-Behandlung kann nachweislich den Progress der Sprachsymptomatik bei Patienten mit hoher Compliance verlangsamen bzw. stoppen. Wie ist die LSVT-Therapie aufgebaut? Seit 2013 computerbasiert Vorher wurde mit einem Schallpegelmesser und einer Stoppuhr gearbeitet Die Therapie setzt sich aus 16 Einheiten zusammen. Vier Wochen an vier Tagen der Woche für jeweils 60 Minuten. Kontrolluntersuchungen: Nach 1 Monat + nach 6 Monaten Die Therapie ist nach dem 2. Kontrolltermin beendet Für den Therapieerfolg ist es essentiell, dass die Behandlung in diesen vier Wochen wie beschrieben erfolgt. Die LSVT-Therapie kann prinzipiell in der Praxis wiederholt werden. Allerdings ist für den Therapieerfolg ein eigenverantwortlicher Umgang mit der Technik durch die Patienten notwendig. Die Patienten müssen mehrere Übungen bei jeder Sitzung wiederholen 1. Übung: Initial müssen die Patienten 15x, so laut und so lange wie möglich, den Buchstaben „A“ produzieren. Das Programm nimmt dabei Einfluss auf die Atmung, Mimik, Artikulation und Lautstärke des Patienten. Der Bildschirm zeigt gleichzeitig den Erfolg des Patienten an und motiviert sie zusätzlich. 2. Übung: Bei der 2. Grundübung müssen die Patienten 15 x einen hohen Ton erzeugen. Dabei wird der Ton in der Mitte angestimmt und dann erhöht. 3. Übung: Der Ton wird 15x von der Mitte aus nach unten produziert. Diese drei Übungen bereiten den Patienten zu Beginn häufig die größten Schwierigkeiten, da viele bereits eine sehr monotone Sprache haben. 4. Übung: Im Anschluss werden mit dem Patienten zehn Phrasen überlegt, die sie im Alltag häufig nutzen (z.B. „Wo sind meine Autoschlüssel?“). Jede Phrase wird 5x wiederholt. Dies hat den Zweck, dass sich das Ohr, der Körper und der Kehlkopf an eine gewisse Lautstärke gewöhnt. Diese Übungen sollen zu Hause wiederholt werden. 5. Übung: Es wird zehn Minuten gelesen. Die Leseübungen werden mit der Zeit zunehmend komplexer. Thematisch sind die Texte sehr vielseitig und abwechslungsreich gestaltet. 6. Übung: Dem Patienten werden Fragen zu den gelesenen Inhalten gestellt, damit der Patient lernt, spontan in der geübten Lautstärke zu antworten. Wie können die Patienten zu Hause üben? Die Patienten können mit einem Schallpegelmesser zu Hause die Übungen durchführen. Viele Patienten geben allerdings das Feedback, dass es ohne visuelle Anweisungen für sie komplizierter sei. Es gibt eine Home-Version des Programmes, welches individuell für die Ziele des Patienten eingestellt werden kann. Es kostet 180€ (incl. Mikrofon) und ist an keine Laufzeit gebunden. **Können niedergelassen Kollegen die logopädische LSVT-Behandlung verordnen? ** Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Es müssen hierfür zwei Verordnungen über 10x SP6 (Störungen der Sprechmotorik) á 60 min ausgestellt werden. Therapeuten, die LSVT anbieten können über folgende Website gesucht werden: https://www.lsvtglobal.com/LSVTFindClinicians Fragen können an die E-Mail info@lsvt.de geschickt werden Welche Unterschiede gibt es zur ergotherapeutischen LSVT-Behandlung? LSVT-Loud: Bei der logopädischen LSVT-Behandlung geht es darum, mit großer Mundöffnung zu reden und mit einer lauten Stimme zu arbeiten. LSVT-Big: Die Behandlungsdauer und -häufigkeit unterscheidet sich nicht von der LSVT-Loud. Bei der ergotherapeutischen Behandlung geht es allerdings darum möglichst große Bewegungen, also mit großer Amplitude, durchzuführen. ​ Wichtig ist, dass die Therapien frühzeitig begonnen werden, da bereits sehr stark fortgeschrittene Einschränkungen nur sehr schwer bzw. kaum rückgängig gemacht werden können. Wird mit der Therapie früh begonnen, ist die Prognose deutlich besser. Wie wird die Dysphagie behandelt? Wird die LSVT-Loud-Behandlung ordnungsgemäß durchgeführt, wird es bei den Patienten zu deutlich weniger Schluckbeschwerden kommen. Zusätzlich kann mit Hilfe eines Ausatmungsgerätes die Atmung trainiert werden. Die Patienten müssen fünfmal am Tag fünfmal kräftig in das Gerät hinein pusten und nach jedem Durchgang 1x husten (5 Wochen). Die Hustenübung ist sehr wichtig, da den Patienten im Verlauf der Erkrankung dieser Schutzreflex fehlt. Masako-Manöver: Die Zunge wird vorne zwischen den Zähnen fixiert und anschließend einmal geschluckt. Die Übung trainiert vor allem den hinteren Teil der Zunge. Kontrollfragen Wofür steht LSVT? A: Logopaedic speech and voice therapy B: Logopädie, Sprache, Verhaltenstherapie C: Logopädische Stimm- und Vokaltherapie D: Lee Silverman Voice Treatment Welche logopädischen Symptome treten bei Parkinson-Patienten auf? A: Sigmatismus B: Stottern C: Monotones Sprechen D: Verwaschenes Sprechen Welche LSVT-Varianten gibt es? A: LSVT-Small B: LSVT-Big C: LSVT-Quiet D: LSVT-Loud Wie ist die Therapie im besten Fall aufgebaut? A: Einmal die Woche, jeweils 30 Minuten, 10 Wochen B: Zweimal die Woche, jeweils 2 Stunden, 2 Monate C: Viermal die Woche, jeweils 40 Minuten, 4 Monate D: Viermal die Woche, jeweils 60 Minuten, 4 Wochen Welche Aussagen sind richtig? A: Die LSVT-Behandlung wird von der Krankenkasse nicht übernommen B: Die LSVT-Behandlung kann vom behandelnden Arzt nicht angeordnet werden C: In Deutschland gibt es die LSVT-Behandlung nur in zwei Städten D: Die LSVT- Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen E: Für die LSVT-Behandlung müssen zwei Verordnungen über 10x SP6 (Störungen der Sprechmotorik) á 60 min ausgestellt werden
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Oct 22, 2020 • 43min

Kommunikation mit Menschen mit Demenz - mit Prof. Markus Wübbeler * Pflegewissenschaft

Wie Kommunikation trotz Demenz gelingen kann Kommunikation mit Menschen mit Demenz Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema Kommunikation mit Menschen mit Demenz, die Hintergründe der Erkrankung, die Versorgungsziele und Empfehlungen zur Kommunikation in frühen und späten Phasen der Krankheitsentwicklung. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz Die mit einer Demenz einhergehenden Veränderungen haben für Betroffene und ihre Angehörigen tiefgreifende und umfassende Folgen. Diese zeigen sich, bedingt durch Veränderungen in der Interaktion und Kommunikation, insbesondere in der Beziehungsgestaltung. Sie beeinträchtigen die Fähigkeit von Menschen mit Demenz sich orientieren, etwas verstehen oder beurteilen zu können und wirken sich auf emotionales und soziales Verhalten aus. Zielgruppe dieses Expertenstandards sind alle Menschen mit einer diagnostizierten Demenzerkrankung sowie Menschen, bei denen sich mit Beginn des pflegerischen Auftrages bzw. im Verlauf der Pflege Anzeichen von Demenz zeigen, ohne dass jedoch eine Demenzdiagnose vorliegt. Link: https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Demenz/Demenz_AV_Auszug.pdf Validation n. Naomi Feil: Impressionen zur Umsetzung Validation nach Naomi Feil ist eine spezielle, non-direktive Kommunikationsmethode mit desorientierten alten Menschen. Die Videodokumentation gibt einen Einblick in einen Workshop, den Naomi Feil im Juni 2014 in Linz gehalten hat. Produktion: Österreichische Institut für Validation (ÖIV). Link: https://www.youtube.com/watch?v=wT4MDBxqiiE&t=93s Link: https://www.youtube.com/watch?v=ESqfW_kyZq8) Hinweis: Vorstellung des Konzeptes (in englischer Sprache). S3-Leitlinie "Demenzen" Inhalt dieser evidenz- und konsensusbasierten Leitlinie sind Aussagen zu Prävention, Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen sowie zur leichten kognitiven Störung. Die Leitlinie bezieht sich auf die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz, die gemischte Demenz, die frontotemporale Demenz, die Demenz bei Morbus Parkinson und die Lewy-Körperchen-Demenz. Seltene Formen der Demenz bei anderen Erkrankungen des Gehirns und Demenzsyndrome bei z.B. internistischen Erkrankungen sind nicht Thema dieser Leitlinie. Die Leitlinie umfasst Aussagen zu Kernsymptomen der Demenz inklusive psychischen und Verhaltenssymptomen. Ziel ist es, den mit der Behandlung und Betreuung von Demenzkranken befassten Personen eine systematisch entwickelte Hilfe zur Entscheidungsfindung in den Bereichen der Diagnostik, Therapie, Betreuung und Beratung zu bieten. Dazu gehören Ärzte, Psychologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Musik-, Kunst- und Tanztherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Sozialarbeiter. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/038-013l_S3-Demenzen-2016-07.pdf Demenz - Anregungen für Partnerinnen und Partner Dieser Ratgeber bietet Anregungen, wie das Zusammenleben gelingen kann, wenn ein Partner oder eine Partnerin an Demenz erkrankt ist. Pflegende Angehörige sollen damit für den Pflegealltag gestärkt werden. Die Inhalte des Ratgebers beruhen auf aktuellem pflegerischen und medizinischen Fachwissen. Zudem wird Erfahrungswissen pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz dargestellt. Ein Teil der Informationen wurde dazu in Dialogform aufbereitet. Die Gespräche sind eine Zusammenfassung wesentlicher Aspekte aus Gruppendiskussionen. Link: https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP-Ratgeber-Demenz.pdf
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Oct 20, 2020 • 54min

Amboss: Wikipedia für Mediziner - mit Sievert Weiss * Querschnittsthemen

Ein Gespräch mit Amboss Co-Founder Sievert Weiss über seine Person, die Mediziner-Plattform Amboss und den ein oder anderen Gründer-Tip Amboss: Wikipedia für Mediziner Amboss ist zu DEM Online-Nachschlagwerk für Mediziner geworden. Mittlerweile ist das Unternehmen auf internationalem Expansions-Kurs und erobert gerade Nordamerika. Sievert Weiss ist einer der Gründer von Amboss und hat die Entwicklung dieses Unternehmens von Anfang an begleitet und hautnah erlebt. Wir wollten dieses Podcast-Interview aus dreierlei Gründen mit Sievert führen: Welche Persönlichkeit steckt hinter einem so erfolgreichen Unternehmen, welchen ungewöhnlichen Weg hat er hinter sich? Wie kann die Plattform Amboss das Leben von uns Mediziner verändern und vereinfachen? Welche Tips kann Sievert anderen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen geben, die eine gute Business-Idee haben und Ihr eigenes Unternehmen aufbauen wollen? Entstanden ist ein sehr unterhaltsames Interview mit einem sehr sympathischen und inspirierenden jungen Arzt, der einen unkonventionellen beruflichen Weg eingeschlagen hat. Die Wurzeln von Amboss liegen dabei in den eigenen Erfahrungen, die die 3 Gründer während ihres Medizinstudiums gemacht haben: Das Auswendiglernen, das "Kreuzen", die "Altfragen" haben dazu geführt, zu überlegen, wie man sich besser und gezielter auf die Examensprüfungen vorbereiten könnte. Die Erfahrungen, die Sievert in Indien bei einem medizinischen Hilfsprojekt als Student gesammelt hat, haben dazu geführt, dass er sich auch für Themen wie öffentliche Gesundheit interessiert hat. Die Vision von Amboss ist es heute Ärztinnen und Ärzten das medizinische Wissen zu liefern, dass sie brauchen, um die richtigen diagnostischen und therapeutischen Schritte für Ihre Patienten zu treffen. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, arbeiten mittlerweile mehrere hundert Mitarbeiter und ein großes Netzwerk an ärztlichen Kollegen für und mit Amboss. Auch die Prüfungsvorbereitung für die Staatsexamina gehört weiterhin zum Kerngeschäft. Dabei beschränkt sich das Angebot von Amboss, dass für seine Nutzer kostenpflichtig ist, nicht nur auf den deutschsprachigen Raum. Neben Firmensitzen in Köln und Berlin gibt es mittlerweile auch ein Büro in New York. Auch wenn das Medizinstudium in den USA sicherlich unterschiedlich strukturiert ist, möchte Amboss hier als "Wikipedia" für Mediziner fungieren. Sievert hält es für wichtig, dass eine Business-Idee ein Problem löst und dass derjenige, der dieses Problem löst, bestenfalls auch aus der eigenen Zielgruppe kommt. Amboss ist das klassische Beispiel dafür, dass aus einer kleinen Idee ein internationales Unternehmen werden kann. Viel Spaß beim Hören! Hier findet Ihr noch einen sehr schönen Artikel über die drei Amboss-Gründer aus 2017 in der ZEIT: https://www.zeit.de/campus/2017/01/medizinstudium-software-lern-app-buecher-miamed?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com
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Oct 13, 2020 • 19min

Normaldruckhydrocephalus - mit Dr. Julia Schüning * Neurologie/Neurochirurgie

Diagnose, Klinik und Therapie der NPH Im heutigen Klinisch Relevant Podcast besprechen wir die Ätiologie, Klinik, Diagnostik und Therapie des Normaldruckhydrozephalus (normal pressure hydrocephalus, NPH). Außerdem nennen wir euch wichtige Differentialdiagnosen (DD) und zeigen euch, wie ihr diese vom NPH unterscheiden könnt. Wen betrifft der NPH? Gibt es einen Altergipfel? Der NPH ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters mit einem Altersgipfel in der 6. – 8. Lebensdekade. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Aktuelle Untersuchungen führen außerdem zu der Annahme, dass ca. 6% aller achtzig Jährigen von einem NPH betroffen sind. Welche pathophysiologischen Mechanismen liegen dem NPH zu Grunde? Grundsätzlich ist zunächst die Klassifikation des NPH nötig: Idiopathisch Sekundär Die Ursache des idiopathischen NPH ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine verbreitete Theorie geht von veränderten hydrodynamischen Verhältnissen in den Liquorräumen bzw. im venösen Blutgefäßsystem aus. Durch eine Arteriosklerose ändert sich die Elastizität und der Druck in den venösen Blutgefäßen. Hierdurch kommt es zu einer gestörten Liquorresorption. Dadurch drückt der nicht resorbierte Liquor gegen die Ventrikelwände und führt zur Liquordiapedese. Ursachen für einen sekundär auftretenden NPH sind beispielsweise subarachnoidale Blutungen (SAB) oder Schädel-Hirn-Traumata (SHT). An welchen klinischen Zeichen ist der NPH zu erkennen? Die wichtigsten klinischen Zeichen werden im Hakim-Trias zusammengefasst: Gangstörung Harninkontinenz Demenz Für die Diagnosestellung sind zwei der drei Zeichen obligat. Das alle drei Zeichen positiv sind kommt bei ca. 50% aller Patienten vor. Gangstörung: Tritt als 1. Symptom auf und ist für die Diagnose obligat. Kleinschrittig und breitbasiger Gang, Füße am Boden „klebend“ (Magnetphänomen) und nach außen rotiert, erhöhte Wendeschrittzahl, es treten Retropulsionen auf Der Oberkörper ist, anders als beim Parkinson (DD), nicht betroffen. Dadurch wirken die relativ lockeren Arme so, als würden die Patienten mit den Armen rudern. Patienten nehmen die Gangstörung häufig als leichte Gangunsicherheit oder Schwindel wahr Demenz: Vigilanzminderung, Apathie, psychomotorische Verlangsamung, Feinmotorikstörung, Störungen des Arbeitsgedächtnisses und der Exekutivfunktionen Es gilt jedoch: Die Differenzierung zu anderen Demenzformen ist schwierig Erinnert stark an vaskuläre Demenzformen (z.B. subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, SAE wird heute auch Subkortikale vaskuläre Demenz genanntà DD) Zudem liegt eine hohe Komorbidität mit der Alzheimer-Demenz vor Harninkontinenz: Neurogene Harninkontinenz durch autonome Detrusorhyperaktivität und fehlender neuronaler Hemmung Urge-Inkontinenz: Häufiger Harndrang, Nykturie DD bei Männern: Benigne Prostatahyperplasie; Die Vorstellung beim Urologen kann daher sinnvoll sein Wie kann man den NPH diagnostizieren? Die Diagnose erfolgt in Zusammenschau der Anamnese, Klinik, Bildgebung und Liquordiagnostik. Diagnosekriterien: Schleichender Beginn der Symptomatik (>3 Monate, subakut) 2 von 3 Leitsymptomen des Hakim-Trias Pathologischer Bildbefund Wir haben für euch bereits einen Podcast (Nr. 6) mit Lars Kübler (Facharzt für Neurologie) aufgenommen, welcher sich ausführlich mit dem NPH aus radiologischer Sicht beschäftigt. Um mehr zur Bildgebung zu erfahren, könnt ihr sehr gerne dort reinhören. Bildgebung Die Bildgebung sollte, wenn möglich, mit einem MRT erfolgen. Ventrikel erweitert Seiten- und Vorderhörner abgerundet Evans-Index: Verhältnis maximale Ventrikelbreite der Vorderhörner in Bezug auf den Schädeldurchmesser auf gleicher Höhe. Ein Evans-Index > 0,3 spricht für einen NPH. Corpus callosum - Winkel: Wird in koronaren Schichten auf Höhe der Commissura posterior bestimmt. Winkel zwischen 40-90° weisen auf einen NPH hin. Disproportionale Erweiterung der äußeren Liquorräume mit Weitstellung der Subarachnoidalräume im Bereich der Sylvischen Fissur. Parasagittal eher enge Räume Periventrikuläre Hyperdensitäten (erschweren die Differenzierung zur SAE) Fleur void-Phänomen (wenig spezifisch) Liquordiagnostik: Spinal TAP-Test: Es wird eine Gehstrecke definiert. Vor und nach Ablassen von 30 – 50 ml Liquor erfolgt die Untersuchung des Gangbildes (Schrittzahl, Geschwindigkeit, Wendeschrittzahl). Eine Besserung der Gangstörung ist nach ca. 1-2 Stunden zur erwarten. Der größte Effekt stellt sich nach 24-48 Stunden ein. Eine Druckmessung kann einen normalen oder erhöhten Liquordruck anzeigen. Entgegen der Krankheitsbezeichnung würde ein erhöhter Druck eher für einen NPH sprechen. Ein normaler Liquordruck ist eher unspezifisch. In diesem Fall werden bevorzugt traumatische Nadeln mit höherem Durchmesser genutzt, um ein Nachlaufen des Liquors zu ermöglichen. Eine Besserung der Gangstörung um 20% wird als signifikant angesehen. Werte unterhalb einer 20%igen Besserung schließen eine NPH allerdings nicht aus. Der Test kann im Abstand von jeweils einem Tag bis zu zweimal wiederholt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die kontinuierliche Ablassung des Liquors mit Hilfe einer Drainage über 3 Tage. So können täglich 150 – 300ml Liquor abgelassen werden. Wie kann der NPH therapiert werden? Steht die NPH-Diagnose fest, ist die operative Shunt-Anlage indiziert. Hierbei gilt: Je früher der Shunt angelegt wird, desto besser die Prognose. Gangstörungen sprechen gut auf die Anlage eines Shuntes an. Wogegen die Harninkontinenz nur wenig und die Demenz kaum zu beeinflussen sind. Weiterhin ist die intermittierende therapeutische Liquorpunktion eine Alternative zur Operation. Hierfür muss der Patient allerdings ausreichend lange (z.B. >3 Monate) von der Punktion profitieren. Eine medikamentöse Therapie mit Acetazolamid wurde in Studien erprobt. Leider hat die Therapie nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Was sind wichtige Differentialdiagnosen (DD)? Subsklerotische arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) bzw. Subkortikale vaskuläre Demenz: Wenn die Klinik und Bildgebung nicht eindeutig sind, sollte für die Abgrenzung zum NPH eine Liquorpunktion erfolgen. Alzheimer: Der NPH ist häufig mit Alzheimer vergesellschaftet. Eine Liquoruntersuchung mit Bestimmung der Neurodegenerationsmarker kann hier wegweisend sind. Parkinson: Bei Parkinson sind im Gegensatz zum NPH die oberen Extremitäten ebenfalls von der Gangstörung betroffen.
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Oct 9, 2020 • 31min

Pflegerische Aufgabenfelder bei Drainagen - mit Annette Hipler * Pflegewissenschaft

Indikationen, Formen, Typen und Management von Drainagesystemen im Pflegealltag Pflegerische Aufgabenfelder bei Drainagen Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema Drainagen, die Indikation, Arten von Drainagen, Fehlerquellen und die Patientenschulung. **Artikel: Indikation der Saug-Spüldrainage und Hygienesicherheit bei Drainagen ** Drainagen stellen als Fremdkörper einen Risikofaktor für postoperative Wundinfektionen dar. Sofern sie nicht geschlossen sind und nicht komplett aseptisch gelegt werden können, erhöht sich das Infektionsrisiko. Im Ergebnis einer klinischen Analyse postoperativer Wundinfektionen nach orthopädisch-traumatologischen sowie Weichteil-chirurgischen Eingriffen betrug der Anteil Drainage-bedingter Infektionen 31%. Daher dürfen Drainagen nicht routinemäßig, sondern nur bei klarer Indikation gelegt werden. Sie sind so kurz wie nötig zu belassen und mit geschlossenen Saugsystemen durchzuführen. Für die Wundheilung sind Unterdruck regulierbare Systeme Hochvakuumsystemen überlegen. Artikel verfügbar unter: https://www.egms.de/static/de/journals/dgkh/2006-1/dgkh000027.shtml Prävention postoperativer Wundinfektionen - Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut Drainagen leiten Sekret ab und sollen damit zur Infektionsprophylaxe beitragen. Das wird primäre nur für geschlossene Drainagensysteme gezeigt. Offene Drainagen sind wegen des Infektionsrisikos nicht zu verwenden. Sofern Drainagen indiziert sind, sollen sie über eine separate Inzision ausgeleitet werden. Artikel verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Empf_postopWI.pdf?__blob=publicationFile S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax Retrospektive Untersuchungen zeigen keinen Unterschied in der Effektivität zwischen kleinlumigen (bis 14 Ch.) und großlumigen Thoraxdrainagen. Es wurde gezeigt, dass kleinlumige Thoraxdrainagen weniger schmerzhaft sind, zu weniger entzündlichen Komplikationen und Blutungen sowie zu kürzerer Verweildauer führten. Vorsicht ist geboten bei hohem Fistelvolumen und kleinen Drainagen. Leitlinie verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/010-007l_S3_Spontanpneumothorax-postinterventioneller-Pneumothorax-Diagnostik-Therapie_2018-03_01.pdf
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Oct 6, 2020 • 11min

Präklinisches Schlaganfall-Management für Nicht-Neurologen - mit Dr. Dietrich Sturm

Was spricht für einen Schlaganfall und was Du dann konkret tun solltest... Präklinischen Schlaganfall-Management für Nicht-Neurologen Im heutigen Klinisch Relevant Podcast geht es darum, in einem präklinischen Setting die Symptome eines Schlaganfalls richtig zu erkennen. Wir möchten mit unserem Beitrag von Dr. Dietrich Sturm, Facharzt für Neurologie, vor allem "Nicht-Neurologen" bzw. Pflegekräfte ansprechen, da gemäß dem Motto „time is brain“ ein frühzeitiges Erkennen für die weitere Behandlung und Prognose des Patienten essentiell ist. Wie kann sich ein Stroke initial bemerkbar machen? Häufig wird man mit der Anmerkung zum Patienten gerufen, dass dieser heute „komisch“ sei und sich untypisch äußere oder verhalten würde. Diese scheinbare Wesensveränderung sollte eine Untersuchung zur Objektivierung fokal neurologischer Defizite nach sich ziehen. Mögliche Scoresysteme zur Beurteilung eines akuten Schlaganfalls NIHSS (National Institute of Health Stroke Scale): Neurologen nutzen den standardisierten NIHSS zur Beurteilung der Schwere neurologischer Defizite. Der Score (0-42 Punkte) umfasst folgende Funktionsbereiche: Vigilanz, Orientierung, Befolgung von Aufforderungen Blickparese Gesichtsfeld Faziale Parese Armparese Beinparese Extremitätenataxie Hemihypästhesie Aphasie Dysarthrie Neglect FAST (Face, Arms, Speech, Time): Wird meist vom Rettungsdienst genutzt. Wenn eines der drei klinischen Zeichen pathologisch ist, besteht der dringende Verdacht auf einen Schlaganfall. Face: Den Patienten grinsen und die Wangen aufpusten lassen. Liegen Gesichtsasymmetrien vor oder ist das Aufpusten der Wangen nicht möglich, wäre dies als pathologisch zu werten. Arms: Den Patienten die Arme nach oben heben lassen. Die Handflächen zeigen dabei nach oben. Pathologisch wäre das Absinken der Arme und/oder das Eindrehen der Handinnenflächen nach innen. Speech: Den Patienten einen Satz sprechen bzw. nachsprechen lassen. Wenn der Patient die Sätze nicht klar formulieren kann oder eine verwaschene Sprache hat, ist das Zeichen als positiv zu werten. Time: Bei positiven Zeichen im FAST-Schema ist eine zügige Einweisung des Patienten erforderlich! Ein Nachteil des FAST-Scores ist die fehlende Abbildung der vertebrobasilären Strombahn. Daher wurde der Score um zwei weitere klinische Komponenten ergänzt. Der Score wird als BE FAST-Score bezeichnet: Balance: Ist dem Patienten schwindlig? Liegen Gleichgewichtsstörungen oder ist das Gehvermögen kompromittiert? Eyes: Liegen Sehstörungen vor? z.B. einseitiger Visusverlust, Gesichtsfeldstörung Wie kann das weitere Vorgehen optimiert werden? Für den behandelnden Arzt ist es eine große Hilfe, wenn feststeht, wann die Symptome erstmals aufgetreten sind. Ist ein exakter Zeitpunkt bekannt, an dem die Symptome aufgetreten sind? Wann wurde der Patient zuletzt ohne Symptome gesehen? (Last seen well) Beispielsweise vor dem Schlafengehen? Wenn der exakte Symptombeginn nicht feststellbar ist, orientiert man sich für das weitere therapeutische Vorgehen am „last seen well“. Die Zeit ist ein wichtiger Parameter, um geeignete Patienten für eine systemische Thrombolyse oder interventionelle Schlaganfalltherapie zu identifizieren. Liegen weitere Begleitsymptome wie Kopfschmerzen oder Hirndruckzeichen vor? Sind die Symptome dynamisch/stabil, verschlechtern sich zunehmend oder werden besser? Was noch wichtig ist: Vitalparameter wie Blutdruck und Puls erfassen Blutzuckerkonzentration und Temperatur des Patienten messen Wenn zeitlich möglich (z.B. vor einer Verlegung), ein 12-Kanal-EKG schreiben, um kardiale Ursachen (Vorhofflimmern) auszuschließen -Informationen zur medizinischen Vorgeschichte erheben: Kürzlich stattgefundene Operationen Vorerkrankungen (Krebserkrankungen, Neurodegenerative Erkrankungen, Magen- und Darmblutungen) Medikamentenliste (nimmt der Patient Thrombozytenaggregationshemmer oder orale Antikoagulanzien? Wann war die letzte Einnahme?) Prämorbider Status: Ist der Patient bettlägerig, pflegebedürftig oder selbstständig? Patienten in der Stroke Unit ankündigen Welche Maßnahmen können bzw. sollten durchgeführt werden? Blutdrücke bis 200 mmHg sind zu tolerieren. Hier liegt kein Korrekturbedarf vor. Ein entgleister Blutzucker muss dagegen korrigiert werden. Auf ausreichende Oxygenierung des Patienten achten. Falls der Patient in einer Einrichtung ohne CT liegt bzw. die Bildgebung nicht unmittelbar stattfinden kann, muss die Verlegung in eine geeignete neurologische Klinik forciert werden! Unbedingt die Telefonnummer der Verwandtschaft, Pflegeeinrichtung oder Klinik notieren! Es ist essenziell, dass der behandelnde Neurologe sich für Rückfragen bezüglich der Krankengeschichte etc. bei der entsprechenden Einrichtung/Person melden kann. Kontrollfragen Welcher Score sollte initial von einem Laien bzw. Nicht-Neurologen genutzt werden, um einen Schlaganfall festzustellen? a) qSOFA-Score b) FAST-Score c) NIHSS d) CHA2DS2-VASc-Score e) BE FAST-Score Wofür stehen die Buchstaben „BE“ im BE FAST Score? a) B: Beinparese; E: EKG b) B: Bettlägerig; E: Eyes c) B: Balance; E: Eis-Test d) B: Balance; E: Eyes Wofür steht das T im BE FAST Score? Wieso ist das T wichtig? a) T: Test  Das T steht für Test, weil die Bereiche Balance, Eyes, Face, Arms und Speech getestet werden b) T: Thrombozytenaggregationshemmer  Die Thrombozytenaggregationshemmer müssen abgesetzt werden c) T: Tilidin  Schmerzmedikation ist das, worauf man am meisten achten muss d) T: Time  Die unverzügliche Einweisung von Schlaganfallpatienten in eine geeignete neurologische Klinik ist essentiell. „time is brain“! Welche Aussagen sind richtig? a) Blutdrücke im Bereich 180-200 mmHg müssen bei Stroke-Patienten unverzüglich korrigiert werden b) Den Blutzucker misst man heutzutage nicht mehr c) Mit der Einweisung des Patienten kann man sich Zeit lassen, da die Patienten klinisch stabil sind und eine Verschlechterung der Symptomatik sehr selten vorkommt d) Blutdrücke bis 200 mmHg sind tolerierbar e) den Blutzucker sollte man bei akut neurologisch auffälligen Patienten immer bestimmen Welche Informationen hinsichtlich der Zeit sind für den Arzt wichtig? a) Primär wäre es von Vorteil, wenn ein exakter Zeitpunkt für den Symptombeginn angegeben werden kann b) Primär geht man davon aus, dass der Schlaganfall im Schlaf aufgetreten ist c) Wenn der genaue Zeitpunkt des Symptombeginns nicht klar ist, gilt das Prinzip „last seen well“ d) Für den Arzt spielt es keine Rolle wann die Symptome erstmalig aufgetreten sind

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