Klinisch Relevant Podcast

Dr. med. Kai Gruhn, Dr. med. Dietrich Sturm, Prof. Markus Wübbeler
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Dec 17, 2020 • 26min

Bobath: ein Konzept zur Mobilisation für Physiotherapeuten und Pflegende: mit Michaela Friedhoff * Pflegewissenschaft

Warum das Bobath-Konzept von der Physiotherapie auf die Krankenpflege übergegangen ist! Das Bobath-Konzept mit Michaela Friedhoff Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Bobath, konzeptionelle Einsatzgebiete, wesentliche Elemente und Praxistipps zur Umsetzung des Bobath-Mobilitätskonzepts. Bobath-Konzept-Deutschland In vielen Regionen Deutschlands treffen sich Bobath-Therapeuten um Erfahrungen auszutauschen, Schulungen anzubieten, sich fortzubilden, sich regional zu vernetzen oder einfach nur um sich kennen zu lernen. Wer mehr über die Verbandsstrukturen erfahren möchte, kann sich auf den folgenden Seiten über Angebote informieren. Link: https://www.bobath-konzept-deutschland.de/bobath-konzept.html Praxis des Bobath-Konzepts: Grundlagen - Handlings - Fallbeispiele Das Buch illustriert die Grundlagen und Techniken des Bobath Konzeptes. Hierbei wird mithilfe von Fallbeispielen, alles rund um Pflege und Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Störungen thematisiert. Link: https://www.thieme.de/de/pflege/Praxis-des-Bobath-Konzepts-58123.htm S3-Leitlinie „Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall“ der DGNR - Langversion Die S3-Leitlinie nimmt Bezug auf den Einsatz des Bobath Konzeptes bei rehabilitativen Therapien und beschäftigt sich mit der Frage: Führt bei Patienten mit einem Schlaganfall und einer Armparese die rehabilitative Therapie (z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Akupunktur, Elektrostimulation, Robot-assistierte DGNR-LL Armrehabilitation (Biofeedback-Therapie, Medikation) in unterschiedlicher „Dosierung“ (z.B. unterschiedliche Therapiedauer) oder bei unterschiedlichen Inhalten zu einer (differenten) Reduktion der Parese, einer Verbesserung der aktiven Bewegungsfähigkeit und Kraft sowie der Armaktivitäten Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/080-001l_S3_Rehabilitative_Therapie_bei_Armparese_nach_Schlaganfall_2020-07.pdf
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Dec 15, 2020 • 28min

Diagnostik zur Einordnung von Polyneuropathien - mit Dr. Jeremias Motte

Wie Du Polyneuropathien ätiologisch eingrenzen kannst! Polyneuropathien (PNP) Willkommen zu einer neuen Klinisch Relevant Podcastfolge! Wir sprechen heute mit Dr. Jeremias Motte vom St. Josef Hospital in Bochum über Polyneuropathien. Es soll hierbei unter anderen um die häufigsten Symptome, verschiedene PNP-Arten und natürlich die Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten gehen. Wie macht sich die die PNP inital bemerkbar? Was sollte untersucht werden? Kribbeln in den Füßen Gefühl als würde man auf Watte laufen Füße schlafen ein Missempfindungen strumpf- oder handschuhförmig (distal symmetrische PNP) Häufig zuerst nur sensible und noch keine motorischen Einschränkungen Reflexniveau sollte untersucht werden: • ASR fällt initial aus • PSR häufig noch vorhanden Motorische Beteiligung sind an Muskelatrophien zu erkennen. Patienten haben schlanke Füße. Thermorezeption reduziert Pallhypästhesien (Stimmgabeltest am Innenknöchel oder Großzehengrundgelenk) Gradient der Pallhypästhesien vorhanden? Stimmgabeltest wird an der Tibiavorderkante und der Spina iliaca anterior superior wiederholt. Falls kein Gradient vorliegt, könnte eine Spinalkanalstenose vorliegen (Differentialdiagnose) Distal symmetrische PNP (30% idiopathisch) Metabolische PNP: • Diabetische PNP • Alkoholtoxische PNP Immunvermittelte PNP Weitere Symptome: • Offene bzw. schlecht verheilende Wunden • Störungen der Sudomotorik • Schweißnasse Füße Red Flags Rasch progredienter Verlauf Proximale Mitbeteiligung (Hinweis auf radikuläre Beteiligung, typisch für immunvermittelte Neuropathien) Starke, plötzlich auftretende, neuropathische Schmerzen in den Extremitäten (distalbetont). Hinweis für eine Vaskulitis oder ein paraneoplastisches Syndrom. Diagnostik bei einer immunvermittelten PNP Anamnese (Zeitlicher Verlauf, Begleiterkrankungen wie z.B. Rheumatoide Arthritis oder Psoriasis) Ausführliche klinische Untersuchung Elektrophysiologische Untersuchung EFNS-Kriterien (2010) als Standard für Klinik und Studien • U.a. der elektrophysiologische Nachweis einer Demyelinisierung **Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP), weitere immunvermittelte Polyneuropathien und Therapien ** Typisch: CIDP: symmetrisch, distal und proximal, chronisch (> 8 Wochen) Atypisch: • Lewis-Sumner-Syndrom (MADSAM): asymmetrisch, multifokal, motorisch > sensibel Multifokale motorische Neuropathie mit persistierenden Leitungsblocks (MMN): keine Form der CIDP, asymmetrisch, multifokal, rein motorisch Paranodopathien: Antikörper gegen Paranodien, elektrophysiologisch Zeichen einer Demyelinisierung (verminderte Leitgeschwindigkeit, Leitungsblock, fehlende F-Wellen). Pathophysiologisch kommt es jedoch zu keiner Demyeliniserung, sondern zu einer Schädigung der Strukturen zwischen Myelin und Axon. Akuter Beginn: Guillain- Barré-Syndrom (GBS) (< 8 Wochen) Prinzipiell sind die immunvermittelten PNPs behandelbar: • Immunglobuline (i.v. und s.c.) • Glukokortikoide • Plasmapherese Diagnostik-Spezial: Nerven-Sonographie, Liquorpunktion und Suralis-Biopsie Hoher Stellenwert Ergänzend zu den Befunden der Elektrophysiologie, kann die Sonographie zusätzliche Informationen zu inflammatorischen Vorgängen (z.B. Anschwellen von Nerven bei der CIDP) liefern • Ein fulminanter Schub der CIDP lässt sich mit Hilfe der Sonographie schon vor Ablauf der charakteristischen 8 Wochen von einem GBS unterscheiden. Etablierter Standard in der Diagnostik und im Monitoring von immunvermittelten PNP Nachteil: Nicht jede neurologische Klinik hat die Nerven-Sonographie zur Verfügung Liquorpunktion hat einen supportiven Charakter in den EFNS-Kriterien Eiweißerhöhung im Liquor spricht von eine Schrankenstörung, die immunvermittelt sein könnte Zytoalbuminäre Dissoziation beim GBS Diabetische oder Alkoholinduzierte PNPs, sowie rein sensible und langsam fortschreitende PNPs müssen nicht punktiert werden Suralis-Biopsie: • Begründeter Verdacht auf eine Vaskulitis • Bei der CIDP nicht zwingend erforderlich, hilfreich bei nicht eindeutigen Fällen **Monitoring der Patienten ** Es wird weiterhin nach Biomarkern gesucht sNFL (Serum neurofilament light chain): Neuer vielversprechender, jedoch unspezifischer, Marker für axonale Schäden. Wird aktuell als Biomarker für die Multiple Sklerose intensiv erprobt und könnte auch eine Rolle bei den PNPs spielen. CCM (Corneal confocal microscopy): Korneale Nervenfasern werden als potenzielle Biomarker untersucht. Ambulante Versorgung: Regelmäßige Untersuchungen empfehlenswert, um neue Schübe und Progredienz zu erkennen. Physiotherapie und Ergotherapie: Wichtige Bausteine in der Behandlung der Patienten. Jedoch gibt es hierfür leider nur wenig Evidenz. Ausdauersport empfehlenswert Ernährungsempfehlungen: Mediterrane Kost, Alkohol meiden Kontrollfragen Welche Symptome kommen am häufigsten bei Patienten mit Polyneuropathien vor? A) Charakteristisch sind Schmerzen im lumbosakralen Bereich B) Zunehmende Parästhesien C) Füße schlafen ein D) Gefühl als würde man auf Watte laufen Welche Aussage ist richtig? A) Multifokale motorische Neuropathie mit persistierenden Leitungsblocks ist die häufigste PNP-Form B) 30% der distal symmetrischen PNP sind idiopathisch C) Die immunvermittelten PNPs sind nicht behandelbar D) GBS und CIDP sind Bezeichnungen für dieselbe Erkrankung Welche Aussagen sind falsch? A) Red Flags: Rasch progredienter Verlauf B) Red Flags: Plötzlich einsetzende neuropathische Schmerzen in den distalen Extremitäten C) Red Flags: proximale Mitbeteiligung D) Red Flags: Strumpf- bzw. handschuhförmige Parästhesien Welche Therapien kommen bei immunvermittelten PNPs zum Einsatz? A) Immunglobuline B) Glukokortikoide C) Plasmapherese D) Rituximab Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
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Dec 10, 2020 • 58min

Betätigung aus Sicht der Ergotherapie - mit Andre Eckerkunst

Betätigung Vs. Beschäftigung Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen der Pflegeberufe sowie Heilmittelerbringern wie Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen sowie Heilmittelerbringern konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um die die Gedanken eines Ergotherapeuten zum ungefähren Ablauf einer ergotherapeutischen Behandlung. Die Begriffe Beschäftigung und Betätigung haben im ergotherapeutischen Prozess eine besondere Bedeutung. An diese Begriffe tasten wir uns langsam heran. Im zweiten Teil wird das Thema durch einen anderen Bereich der Ergotherapie im Interview mit einer Kollegin abgerundet und vertieft. Sie arbeitet sowohl in einer ergotherapeutischen Praxis als auch in einer Wohn- und Begegnungsstätte. Sie erzählt uns etwas aus Ihrem Alltag und schildert Ihre Sicht auf den Themenbereich. Sinnvolle Betätigung In der Ergotherapie geschieht seit Jahren ein Wandel: Stand früher noch der Einsatz funktioneller Behandlungsmethoden im Mittelpunkt, richtet sich die Therapie heute eher an betätigungsorientierten Fragestellungen aus. Die Analyse individueller Betätigung sowie die Entscheidungen über die Ziele der Therapie muss heute immer eindeutig gemeinsam mit dem Klienten festgelegt werden. Ziele sind hierbei immer S.M.A.R.T. zu formulieren, Nah- und Fernziele der Therapie werden definiert. Ressourcen werden berücksichtigt. S.M.A.R.T. ist ein englisches Akronym und steht für Specific, Measurable, Achievable, Reasonable oder Realistic und Timed. Die Einheit im Denken und Handeln in der Ergotherapie ist dabei leider nicht immer so offensichtlich. Zum wenig einheitlichen Bild tragen die verschiedenen Behandlungsmethoden innerhalb der Ergotherapie bei. In der seit 1999 offiziellen Berufsbezeichnung „Ergotherapie“ steckt ein zentraler Punkt ergotherapeutischer Überzeugung. ergon. Bedeutung: Etwas, das durch Arbeit geschaffen wurde: Werk, Arbeit. etwas, das vollbracht wurde: Tat, Handlung, Betätigung. Wird die Teilnahme des Einzelnen an der Betätigung behindert, also seine Handlungsfähigkeit eingeschränkt, ist damit auch seine Gesundheit und somit seine Partizipation gefährdet. Ergotherapie trägt dazu bei, dem Einzelnen die Teilhabe an seinen Betätigungen zu ermöglichen bzw. zu erhalten. Mehrere Dinge sind entscheidend für eine sinnvolle Betätigung: Ihr alltäglicher und dem Einzelnen vertrauter Charakter, ihre individuelle Bedeutung für den Ausführenden und ihr gesellschaftlicher Wert. Ist sie für den Klienten von individueller Bedeutung für sein Selbstbild und für sein Leben? Ist sie im sozialen Kontext, in welchem der Klient lebt, nützlich? Betätigung ist nicht der einzige Aspekt, welcher die Gesundheit und Partizipation des Klienten beeinflusst. Eine ausgewogene Tagesstruktur ist ein weiterer wichtiger ergotherapeutischer Ansatzpunkt. Ergotherapeuten müssen sich in den Alltag ihrer Klienten hineindenken und Bogen zur Lebenswelt des zu Behandelnden schlagen. Das ist eine der größten Herausforderungen für die ergotherapeutische Profession. Sei es in ambulanten Praxen oder anderen medizinischen/ psychiatrischen Einrichtungen.
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Dec 8, 2020 • 24min

Der MedPower-Podcast: Alternative Karrierewege in der Medizin - mit Caroline Buff

Der MedPower-Podcast von Caroline Buff: Inspirierende Interviews mit Persönlichkeiten, die in der Medizin einen besonderen Karriereweg eingeschlagen haben MedPower-Podcast: Inspirierende Interviews mit Persönlichkeiten aus der Medizin Caroline Buff ist Ärztin und arbeitet in der Anästhesie. Gleichzeitig ist sie die Initiatorin hinter dem MedPower-Podcast. Nach dem Medizinstudium war Caroline auf der Suche nach alternativen Karrierewegen, die sich von der klassischen Weggabelung "Klinik" oder "Praxis" abheben. So ist Sie auf spannende Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Medizin gestoßen und hat begonnen diese in Ihrem Podcast zu interviewen. So hat sie z.B. Professor Sprotte, Erfinder der gleichnamigen Kanüle, interviewt. Oder Dr. Sebastian Darr, der von Deutschland nach Kanada gegangen ist und für ResearchGate arbeitet. Besonders am Herzen liegt ihr auch die Rolle der Frau in der Medizin. Welche Möglichkeiten gibt es für Frauen aus den typischen Rollenkonflikten zu entkommen? Darum geht es z.B. in den "WomenPower"-Folgen. Mittlerweile besteht der Podcast schon seit über 1 Jahr und die fast 50 Episoden sind überall da verfügbar, wo es Podcasts gibt. Alle 2 Wochen Donnerstags gibt es eine neue Folge. Weitere Informationen zu Caroline und Ihrem Podcast findest Du hier: www.medpower-podcast.com Viel Spaß beim Hören!
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Dec 3, 2020 • 37min

Evidence based nursing - Veränderung der Pflegepraxis - mit Kathrin Köster * Pflegewissenschaft

Wie man es erfolgreich schafft, neue Arbeitsabläufe in der Pflegepraxis zu etablieren **Evidence-based Nursing – Veränderung der Pflegepraxis ** Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Evidence-based Nursing und das Thema Veränderung der Pflegepraxis. Implementierungswissenschaft für Pflege und Gerontologie: Grundlagen, Forschung und Anwendung - Ein Handbuch Evidenzbasierte Neuerungen in pflegerischen und gerontologischen Praxissettings einzuführen ist eine komplexe Herausforderung. Insbesondere im deutschen Sprachraum ist dieses Thema bisher wissenschaftlich noch wenig bearbeitet worden. Das Buch gibt erstmals in deutscher Sprache einen Gesamteinblick in Konzepte, Theorien und empirische Befunde der internationalen Implementie-rungsforschung. Die Befunde werden vor dem Hintergrund der Pflege und Gerontologie diskutiert und mit zahlreichen Implementierungsbeispielen aus den beiden Disziplinen flankiert. Link: https://ebookcentral.proquest.com/lib/hsg-bib/detail.action?docID=4352311 **Evidence based Nursing and Caring ** Evidence-based Nursing and Caring (EBN) ist eine Pflegepraxis, die pflegerische Entscheidungen auf wissenschaftlich geprüfte Erfahrungen Dritter („externe Evidence“) und die individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Pflegebedürftigen und Pflegenden („interne Evidence“) stützt. Sie tut dies aus Respekt vor der Einzigartigkeit des Pflegebedürftigen und schließt die Unterstützung, Förderung und Sorge für pflegebedürftige Menschen (Caring) mit ein. Link: https://elibrary.hogrefe.com/book/99.110005/9783456954639 Evidenzbasierte Pflegepraxis—Diskussionsbeitrag zum Status quo Wie ist es um die Etablierung einer evidenzbasierten Pflegepraxis (EBP) in Deutschland bestellt? Was wissen Pflegende über EBP und wie ist ihre Bereitschaft, sichdamit auseinander zu setzen? Welche Barrieren der EBP bestehen und wie können diese über-wunden werden? Diese und weitere Fragen wirft der vorliegende Diskussionsbeitrag auf, umabschließend die Voraussetzungen zur nachhaltigen Implementierung von EBP zu skizzieren. Link: https://zefq-journal.com/article/S1865-9217(12)00356-X/pdf
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Dec 1, 2020 • 30min

Riesenzellarteriitis aus rheumatologisch-/neurologischer Sicht - mit PD Dr. Philipp Sewerin * Rheumatologie/Neurologie

Ein interdisziplinärer Blick auf die Riesenzellarteriitis und die Polymyalgia rheumatica als Großgefäßvaskulitis Willkommen zum Klinisch Relevant Podcast zum Thema Riesenzellarteriitis (ehemals: Arteriitis temporalis) mit Dr. Philipp Severin. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die nicht so leicht zu diagnostizieren ist und sich an der Schnittstelle zwischen der Rheumatologie und Neurologie befindet. Wir möchten euch vermitteln, welche Symptome euch hellhörig werden lassen sollten, woran ihr labordiagnostisch denken müsst und welche bildgebenden Verfahren aktuell am sensitivsten sind. Weiterhin wird es natürlich um die neuen therapeutischen Möglichkeiten und mögliche Fallstricke bei der Therapie mit Glucocorticoiden gehen. Viel Spaß! Welche Symptome haben die Patienten? Riesenzellarteriitis: Kopfschmerzen Claudicatio masticatoria (Schmerzen beim Kauen) Amaurosis fugax Visusstörungen Symptome im Grenzbereich zur Polymyalgia rheumatica (PMR) Proximal betonte Schmerzen der oberen Extremität • Insbesondere im Schultergürtel und Oberarm • Beckengürtel und Oberschenkel Einschränkungen im Alltag werden häufig beschrieben. Beispielsweise beim Entnehmen von Gegenständen aus Regalen. Labor: BSG erhöht (Sturzsenkung) CRP erhöht Procalcitonin niedrig oder im Normbereich Pathophysiologie – Sind die proximalen Extremitätenschmerzen auf eine Entzündung der proximalen Arterien zurückzuführen? Welche neuen Erkenntnisse gibt es? Isolierte Arteriitis temporalis vergleichsweise selten Bei der Anwendung sensitiver Bildgebungsverfahren sind bei fast allen Patienten weitere Manifestationen feststellbar Häufig sind die proximale Aorta oder auch die Aorta abdominalis bzw. die Iliakalgefäße betroffen. Entzündungen können weiterhin von der A. subclavia bis in die A. axillaris reichen Vereinzelt wurde auch von Entzündungen in der A. brachialis berichtet. Carotiden sind häufig betroffen Proximale Myalgien sind nicht nur auf die Arteriitiden zurückzuführen Typisch sind bei der PMR Bursitiden (insbesondere im Schultergürtel) Die Bursitis wurde als Kriterium für die Diagnose aufgenommen Insgesamt scheint das Immunsystem in seiner Aktivität hochreguliert zu sein, sodass es zu einer Betroffenheit der Arterien oder des Bewegungsapparates kommt. Eine Proliferation der Synovia, wie sie bei der Rheumatoiden Arthitis (RA) oder Psoriasisarthitis vorkommt, liegt allerdings nicht vor. Bei der late onset RA liegt als Symptom ebenfalls eine Polymyalgie vor Diagnostik Riesenzellarteriitis ist im Wesentlichen eine Ausschlussdiagnose Es müssen andere Ursachen wie z.B. eine infektiöse Genese ausgeschlossen werden Ursprünglich wurde die Arteriitis temporalis mit einer Biopsie gesichert. Aktuell wird diese allerdings kaum noch durchgeführt. • Die Biopsie ist häufig nicht zeitnah und schnell durchzuführen • Muss beidseits durchgeführt werden (min. 1 cm lang). Die Patienten haben dadurch einen relevanten Defekt an den Arterien. • Die Biopsie ist schwierig zu befunden. Das Ergebnis der Befundung hängt somit in uneindeutigen Fällen sehr stark vom Pathologen ab. • Weiterhin ist die bildgebende Technik immer besser geworden und ist leichter bzw. schneller durchzuführen. Die Diagnostik soll die Einleitung der Therapie nicht verzögern! Dies gilt insbesondere bei Patienten mit ophthalmologischen Symptomen! Arterien, die mit dem Ultraschall untersucht werden: • A. temporalis • A. carotis interna/externa • A. subclavia • A. axillaris • A. brachialis (proximal) • Aorta abdominalis • Inguinalgefäße Typische sonographische Befunde: • Halozeichen: Echoarme, konzentrische Wandverdickung, aufgrund der kreisrunden Infiltration der Gefäßwand Häufig liegt eine PMR vor, bei der festgestellt werden muss, ob zusätzlich eine Riesenzellarteriitis vorliegt. In Abhängigkeit davon, sind weitere Therapieentscheidungen zu treffen (siehe unten). Weitere Diagnostik: • PET-CET extrakraniell (sehr sensitiv): Insbesondere für die Aorta ascendens bzw. Aorta thoracica • MR-Angio: Insbesondere für Halsgefäße gut geeignet. Nicht immer zeitnah verfügbar. Nachteil: Abgrenzung Gefäßwand und Lumen schlecht möglich. Spezielle Techniken wie die black blood MRT ermöglichen die bessere Darstellung der Gefäßwand. Therapie Für die PMR reichen in der Regel 20 mg an Glucocorticoiden mit einem entsprechendem Reduktionsplan Riesenzellarteriitis: 1 mg/kgKG; Bei ophthalmologischer Beteiligung: NOTFALL à Stoßtherapie mit 500 – 1000 mg Prednisolon i.v. für 3 - 5 Tage Reduktionsplan: Es gibt keine einheitlichen Empfehlungen. Es gibt einen Reduktionsplan (52 Wochen), der in einer Studie zu deutlich weniger Rezidiven geführt hat als ein Plan mit 24 Wochen. Hierbei wird dennoch angestrebt möglichst früh unter 25 bzw. 30 mg/d an Kortison (= 7,5 mg Prednisolon/Tag als Cushingschwelle) zu kommen. Neben der eigentlichen Grunderkrankung sind auch die Nebenwirkungen einer Langzeit-Glucocorticoidtherapie schädlich für die Patienten. Exkurs: Neben klassischen Chemotherapien konnte man bis jetzt nur bei Glucocorticoiden (>10mg/d) einen Zusammenhang zwischen Immunsuppressivum und Schwere der COVID-19 Infektion feststellen. Steroidsparende Komedikationen wie z.B. mit Methotrexat werden selten genutzt, da es hierfür keine Evidenz gibt. Nur wenige Patienten profitieren davon. Bei einigen Patienten, die zusätzlich eine Rheumatoide Arthritis entwickeln, macht eine Kombination sicherlich Sinn. Therapie mit Interleukin-6 Antagonisten sind allen anderen Therapien deutlich überlegen. Thrombozytenaggregationshemmer: Es gibt hierzu kaum klinische Studien. In den hochinflammatorischen Phasen zur Thromboseprophylaxe kann z.B. ASS gegeben werden. Therapie mit Interleukin-6 Antagonisten sind allen anderen Therapien deutlich überlegen. Beide Medikamente sind für die RA zugelassen. • Tocilizumab (monoklonaler Antikörper): Zugelassen für Riesenzellarteriitis, s.c.-Injektion, 1/Woche; Nach einem Jahr (52 Wochen) kann gemeinsam mit dem Patienten überlegt werden, das Injektionsintervall zu strecken (z.B. auf zweiwöchentliche Injektionen) • Sarilumab (monoklonaler Antikörper) Biomarker/Surrogatparameter: Leider konnten aktuell noch keine Surrogatparameter festgestellt werden. Woran erkennt man einen Relapse: Ein CRP-Anstieg und klinische Symptomatik im Rahmen der Glucocorticoidtherapiereduktion sprechen für einen Schub der Erkrankung. Unter einer IL6-Antagonisten-Therapie steigt das CRP selbst bei einer Infektion nicht mehr an! Schübe/Relapses: • Es gibt keinen serologischen Parameter, der bei der Schubdiagnostik hilft. • 60-80% der Therapieabsetzer bekommen wieder einen Schub. • Es soll keine dauerhafte Glucocorticoidtherapie erfolgen! • Sehr lange galt der Grundsatz, die Therapie unter der Cushingschwelle ist tolerabel. Neue Studien zeigen jedoch, dass selbst geringe Mengen an Glucocorticoiden (z.B. 2 mg bei einer Cushingschwelle von 7,5 mg) zu signifikant mehr schweren Infektionen, die stationär behandelt werden müssen, führen. Kontrollfragen Welche Symptome sind bei der Riesenzellarteriitis am häufigsten vorzufinden? a) Hemiparesen b) Schwindel c) Kopfschmerzen d) Claudicatio masticatoria Welche Aussagen sind richtig? a) BSG und CRP spielen bei der Diagnostik nur eine untergeordnete Rolle b) Das CRP ist ein Surrogatmarker c) BSG und CRP spielen in der Labordiagnostik eine große Rolle d) Es ist immer nur die A. temporalis betroffen Welche neuen Therapien sind für die Riesenzellarteriitis zugelassen? a) B-Zell-depletierende Antikörper (Anti CD20-AK) b) Jak-Inhibitoren c) TNF-Blocker d) IL6-Antagonisten Wie erfolgt die Therapie der Amaurosis fugax? a) 500 – 1000 mg Prednisolon Stoßtherapie über 3-5 Tage b) 100 mg Prednisolon Stoßtherapie über 7 Tage c) 50 – 100 mg Prednisolon Stoßtherapie über 3-5 Tage d) IL-6-Antagonisten In welchen Arterien kommt es im Rahmen der Riesenzellarteriitis zu Entzündungen? a) A. temporalis b) A. subclavia c) A. brachialis (proximal) d) Aorta ascendens Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
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Nov 25, 2020 • 38min

Akademisierung der Physiotherapie - mit Prof. Christian Grüneberg

Beiträge aus dem Fachbereich der Physiotherapie findest Du ab sofort regelmäßig im Podcast von Klinisch Relevant Physiotherapie Fortbildungs-Inhalte: ab sofort mit Prof. Christian Grüneberg Mit dem heutigen Tag erweitern wir unser medizinisches Fortbildungs-Spektrum um den Fachbereich** Physiotherapie**. Das heißt, dass Du nun neben den ärztlichen Fortbildungen auch spannende Beiträge aus den Bereichen Ergo- und Physiotherapie, sowie Pflegewissenschaften finden wirst. Christian Grüneberg, Lehrstuhlinhaber für Physiotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum wird die Fortbildungs-Podcasts aus diesem Bereich gestalten. Im heutigen Podcast-Interview geht es darum, Euch Christian vorzustellen, das Fach Physiotherapie zu umreißen und einen Ausblick auf die kommenden Beiträge zu geben. Viel Spaß beim Zuhören!
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Nov 24, 2020 • 27min

Arterielle Hypertonie - mit Dr. Andreas Barsuhn *Kardiologie / Innere Medizin

Alles zur medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie der Volkskrankheit #1! Arterielle Hypertonie (AHT) mit Dr. Barsuhn Im heutigen Klinisch Relevant Podcast sprechen wir mit Dr. Andreas Barsuhn über die arterielle Hypertonie (AHT). Bei der AHT handelt es sich um eine Volkskrankheit, von der viele unserer Patienten betroffen sind. Daher ist es sinnvoll, auch als Nicht-Internist das Wissen zu dieser weit verbreiteten Erkrankung aufzufrischen. Im Podcast wird es um die überarbeiteten Leitlinien, die daraus resultierenden Therapieempfehlungen und den möglichen Ursaschen einer sekundären Hypertonie gehen. Epidemiologie Vermutlich gibt es 20 – 30 Millionen Deutsche mit AHT Ein großer Anteil davon hat die AHT, ohne es zu wissen Großer Anteil der Patienten, die bereits mit AHT diagnostiziert sind, erhalten eine optimale Therapie Leitlinien zu den Behandlungsempfehlungen Gemeinsame Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) und Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) von 2018: o Grundlage der Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga American Heart Association und das American College of Cardiology haben 2017 gemeinsam mit amerikanischen Gesellschaften eine eigene Leitlinie verfasst, die sich von unseren europäischen Leitlinien teilweise deutlich unterscheidet. In Europa ist die Definition der Hypertonie gleichgeblieben: o Hypertonie ab >140/90mmHg bzw. 160/90mmHg bei >80-Jährigen Amerikanische Leitlinie: o Hypertonie ab 130/80mmHg Interventionsgrenzen und Zielwerte wurden in den aktuellen Leitlinien von 2018 neu festgelegt Ab welchen Blutdruckwerten wird eine Behandlung notwendig? Wie wird der Blutdruck richtig gemessen? Die Blutdruckmessung in der häuslichen Umgebung hat einen hohen Stellenwert für die Diagnose des Blutdruckes Die richtige Anwendung der Geräte wird auf der Homepage der Deutschen Hochdruckliga erklärt: https://www.hochdruckliga.de Auswahl des Gerätes wichtig Maßnahmen die vor einer Messung getroffen werden müssen: o Ruhephase vor der Messung o Messung in sitzender Position o Richtige Manschettengröße und richtiges Anlegen der Manschette Leitlinien empfehlen eine Behandlung von Blutdrücken über 140/90mmHg (Grad 1) 160/100 – 179/109 mmHg (Grad 2) 180/110 mmHg (Grad 3) Ganz wichtig: Zunächst sollten, in Abhängigkeit der Schwere der AHT, nicht-medikamentöse Behandlungen ausgeschöpft werden Laut Leitlinie: Bei 140/90mmHg sollten zunächst Lifestylemodifikationen durchgeführt werden. o Z.B. Gewichtsreduktion o Strukturierte Sportprogramme o Entspannungstechniken Bei Grad 2 + 3 wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen Bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko (z.B. Hyperlipoproteinämie, Diabetes mellitus) kann bereits ab 135/85mmHg eine medikamentöse Therapie erwogen werden. Bereits eine Senkung um 5mmHg bewirkt statistisch eine Senkung des kardiovaskulären Risikos Zielwerte nach einem Myokardinfarkt: <130/80mmHg Zusammenhang Nikotin und AHT: o Einstellung des Nikotinkonsums gehört zu den empfohlenen Lifestylemodifikationen und kann einen positiven Effekt auf die Einstellung des Blutdruckes haben Geräte zur Blutdruckmessung am Handgelenk: o Auf CE Prüfsiegel achten o Die Möglichkeit der Selbstkontrolle hat für die Patienten einen hohen Stellenwert und trägt zum Behandlungserfolg bei. Pharmakotherapie Neue Empfehlung der Leitlinie: Start der Behandlung mit einer Kombinationstherapie o Beispielsweise: ACE-Hemmer oder AT1- Rezeptorblocker mit einem Calciumantagonisten bzw. Diuretikum kombinieren o Beginn einer Monotherapie als Initialtherapie nach Diagnosestellung nur noch bei sehr alten und gebrechlichen Patienten oder bei niedrig Risiko Patienten mit AHT Grad 1. Eskalationsschritt bei einer unzureichenden Einstellung: o ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker + Calciumantagonist + Diuretikum Problem: Teilweise sind Fixkombinationen nicht als solche zugelassen und teuer Wenn die Dreifach-Kombination nicht hilft, handelt es sich um eine Therapierefraktäre arterielle Hypertonie. In diesem Fall wird zusätzlich ein Aldosteron-Antagonist wie Spironolacton gegeben. Hier muss eine engmaschige Kontrolle der Retentionsparameter und Elektrolyte erfolgen. Der Beta-Blocker hat keinen Stellenwert in der Initialtherapie. Nur wenn kardiale Komorbiditäten (z.B. Herzinsuffizienz oder Myokardinfarkt) vorliegen, wird auf den Beta-Blocker zurückgegriffen. Vor und während einer Schwangerschaft wird ebenfalls auf den Beta-Blocker zurückgegriffen. Hydrochlorothiazid (HCT): Ob ein kausaler Zusammenhang zwischen HCT und Hautkrebs besteht, ist noch nicht klar. Bei langfristiger Einnahme von HCT werden laut Leitlinie Hautchecks empfohlen. Es sind weitere Studien nötig, um die Thematik abschließend beurteilen zu können. Therapeutische Alternativen zu HCT wären Chlortalidon oder Indapamid. Eskalationstherapie (teilweise Kombinationen mit 5-6 Antihypertensiva): Zentrale Alpha2-Rezeptor-Agonisten (z.B. Moxonidin), Vasodilatatoren (Minoxidil), Urapidil (Ebrantil), mehrfach Diuretika-Therapie Welche Blutdruckwerte streben wir an? Primäres Ziel für alle Patienten ist ein Blutdruck <140/90mmHg Ob niedrigere Werte (<130/80mmHg) angestrebt werden sollten hängt zum einen von der Therapieverträglichkeit und zum anderen vom Alter der Patienten ab. Bei Patienten <65-Jährigen kann das Anstreben von Werten unter 130/80mmHg durchaus sinnvoll sein. Bei älteren Patienten ist es eine individuelle Entscheidung. Es gilt nicht: Je niedriger der Blutdruck, desto besser. Es wird empfohlen, den Blutdruck nicht unter 120mmHg systolisch zu senken. Der diastolische Wert sollte nicht unter 70mmHg liegen. Welchen Stellenwert haben Langzeit-Blutdruckmessungen? Die aktuellen Leitlinien heben die Stellung von Langzeit-Blutdruckmessungen deutlich hervor. Goldstandard der Messung Punktuelle Messungen unterliegen verschiedenen Störeinflüssen und Fehlinterpretationen. o Weißkittelhypertonie: Höhere Werte als im Alltag o Maskierten arteriellen Hypertonie: Niedrigere Werte als im Alltag Welche sekundären Hypertonie Erkrankungen gibt es? Ca. 10-20% der Hypertoniker haben vermutlich eine sekundäre Hypertonie Wann sollte man an eine sekundäre Hypertonie denken? o Alter der Patienten <30-Jährigen o Plötzlicher Beginn der AHT o Plötzliche Verschlechterung der AHT trotz adäquater Therapie o Non-dipper: Patienten, die nachts keine nächtliche Blutdrucksenkung vorweisen. o Rezidivierende hypertensive Krisen o Hypertonien, die trotz einer Mehrfachkombination therapierefraktär sind. o Elektrolytstörungen (Hypokaliämie) Häufige Erkrankung: Obstruktive Schlafapnoe o Gut behandelbar o Empfehlenswert, bei jedem Hypertoniker nach der Schlafqualität (Tagesmüdigkeit, Schnarchen, Atempausen) zu fragen. Insbesondere bei Hypertonikern, die auf Mehrfachkombinationen nicht gut ansprechen. Nierenerkrankungen können zu einer AHT führen. o Renoparenchymatöse Erkrankungen o Nierenarterienstenosen o Schrumpfnieren o Zystnieren Daher die renale Situation bei Erstdiagnosen und im Verlauf im Blick behalten. Endokrine Störungen o Hyperaldosteronismus o Hyperkortisolismus o Hyperthyreose o Phäochromozytom Kontrollfragen Ab welchem Blutdruckwert liegt eine Grad 1 Hypertonie vor? A) 135/85mmHg B) 130/90mmHg C) 145/90mmHg D) 140/90mmHg Welche Aussagen sind richtig? A) Die Leitlinien der USA und die der EU unterscheiden sich bezüglich der Hypertonie Klassifizierung nicht. B) Grad 1 Hypertonien werden immer medikamentös behandelt. C) Grad 2 Hypertonien werden zunächst mit Lifestylemodifikationen therapiert. D) Bei einem Blutdruckwert <140/85mmHg wird nie eine medikamentöse Therapie durchgeführt. E) Beta-Blocker werden vornehmlich bei kardialen Komorbiditäten oder vor bzw. während einer Schwangerschaft empfohlen. Welche Maßnahmen gehören zu den Lifestylemodifikationen? A) Gewichtsreduktion B) Entspannungstechniken C) Nikotinkarenz D) Alkoholkonsum reduzieren E) Bewegung Welche Therapien sind laut aktueller Leitlinie empfehlenswert? A) Initial ausschließlich Monotherapien unabhängig vom Alter B) Initial ausschließlich Kombinationstherapien unabhängig vom Alter C) Kombination: ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker D) Kombination: ACE-Hemmer und Calciumantagonist E) Kombination: AT1-Rezeptorblocker und Diuretikum Welche Aussagen sind richtig? A) Ca. 10-20% der Hypertoniker haben einen primären Hypertonus B) Bei Patienten <30 Jahren sollte an eine sekundäre Hypertonie gedacht werden C) Non-dipper sind Patienten, die nur nachts eine Blutdrucksenkung vorweisen D) Die obstruktive Schlafapnoe führt häufig zur sekundären Hypertonie E) Bei Erstdiagnosen sollten die Retentionswerte überprüft werden Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
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Nov 19, 2020 • 31min

Delirmanagement - mit Dr. Peter Nydahl * Pflegewissenschaft

Wie Du delirante Zustandsbilder im klinischen Alltag erkennst und Ihnen erfolgreich begegnest Delir und Delirmanagement Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Delir und Delirmanagement. Folgende links führen zu den Leitlinien und weiterführender Literatur: Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin (z Zt in Überarbeitung): Die 2010 publizierte S3-Leitlinie „Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin“ wurde interdisziplinär von Mandatsträgern aus 12 Fachgesellschaftenkonsentiert. Die S3-Leitlinie soll als Leitfaden zur symptomorientierten Prävention, Diagnostik und Therapie von Delir, Angst, Stress und der protokollbasierten Analgesie, Sedierung und dem Schlafmanagement in der Intensivmedizin für Erwachsene und Kinder dienen. Link: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/001-012.html The 2018 Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Management of Pain, Agitation/Sedation, Delirium, Immobility, and Sleep Disruption in Adult Patients in the ICU [Die PADIS-Richtlinien 2018 enthalten neue Empfehlungen in Bezug auf Rehabilitation, Mobilität und Schlaf.] Link: https://www.sccm.org/ICULiberation/Guidelines UK 2010/2019 Guideline Delirium: prevention, diagnosis and management. [Diese Leitlinie befasst sich mit der Diagnose und Behandlung des Delirs bei Patienten im Krankenhaus und in der Langzeitpflege. Sie befasst sich auch mit der Risikoidentifizierung und der Delirprävention.] Link: https://www.nice.org.uk/guidance/cg103
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Nov 17, 2020 • 28min

Hüft-Arthrose und Hüft-TEP: Wann und wie? - mit PD Dr. Mustafa Citak * Orthopädie

Klinische Symptomatik der Hüft-Arthrose und Ihre invasiven und nicht-invasiven Therapiemöglichkeiten Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute sprechen wir mit PD. Dr. med. Mustafa Citak über die typischen Symptome einer Coxarthrose und der daraus möglicherweise resultierenden Hüft-TEP. Es wird dabei unter anderem um die verschiedenen Prothesenarten, Zugangswege und möglichen postoperativen Komplikationen gehen. Symptome einer Coxarthrose Schmerzen: Äußern sich je nach Stadium zunächst mit einem Anlaufschmerz nach längerem Sitzen. Im Verlauf kommen Belastungsschmerzen, Ruheschmerzen und Nachtschmerzen hinzu. Der Schmerz macht sich in der Leiste oder im Gesäß bemerkbar, kann aber auch bis in das Knie ausstrahlen. Bewegungseinschränkungen: Einschränkungen bei Dreh- und Spreizbewegungen Hinkendes Gangbild Beinverkürzung Diagnostik - Anamnese Klinische Untersuchung Radiologische Untersuchung: Röntgen als Beckenübersichtsaufnahme und als axiale Aufnahme. Im Röntgen wird auf die typischen Arthrosezeichen und weiteren Zeichen geachtet: o Gelenkspaltverschmälerung o Subchondrale Geröllzysten o Osteophyten o Subchondrale Sklerose o Weitere Zeichen: z.B Gelenkkopfnekrosen in fortgeschrittenen Stadien Schnittbildgebung: Vor allem wenn die Coxarthose als Ursache der Beschwerden unwahrscheinlich ist, z.B. bei jungen Patienten, wird eine MRT durchgeführt. Kriterien für eine OP: o Ausmaß der Beschwerden und hoher Leidensdruck der Patienten trotz konservativer Therapie o Einschränkungen der Lebensqualität o Starke Schmerzen Kriterien für eine konservative Therapie: o Initialstadium (z.B. Beschwerden seit wenigen Wochen) o Risikofaktoren minimieren: Übergewicht reduzieren, Schuhwerk anpassen (Schuhe mit weichen Sohlen) o Physiotherapeutische Maßnahmen o Infiltrationstherapien: Hyaluronsäure (allerdings nur im Anfangsstadium) o Schmerztherapie zum Hinauszögern der OP: NSAR (Ibuprofen usw.) Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) Fixierung: Zementiert, unzementiert, Hybrid-Fixierung mit zementiertem Schaft und zementfreier Pfanne o Frauen: Häufig Hybrid-Variante aufgrund der geringeren Knochenqualität bei Frauen >70 Jahre. Bei ca. 1% der Frauen ist die zusätzliche Einzementierung der Pfanne notwendig. o Männer: Männer über 75 Jahre bekommen ebenfalls eine Hybrid-Fixierung. o Bei allen anderen Patienten würde man, vorausgesetzt es liegt keine Osteoporose vor, eine zementfreie Fixierung anstreben. Gleitpaarungen (Kontaktflächen Gelenkkopf und -pfanne) o Polyethylen- Keramik-Gleitpaarung: Polyethylen-Inlay der Pfanne und Keramikkopf o Polyethylen-Metall-Gleitpaarung: Patienten >80 Jahre o Keramik-Keramik-Gleitpaarung: Eher bei jüngeren Patienten. Wird seltener genutzt, da es zu Keramikbrüchen kommen kann und diese nur schwer zu beseitigen sind. Außerdem kann es bei Keramik-Keramik-Gleitpaarungen eine Geräuschentwicklung (Quietschen) beim Gehen geben. Letztlich müsste in diesem Fall eine Revisions-OP stattfinden, um das Keramik- gegen ein Polyethylen-Inlay auszutauschen. Zugangswege und Dauer einer OP Dorsaler Zugang: o Patient in Seitenlage o Bogenförmiger Hautschnitt über Trochanter major zum Gesäß. o Präparation in die Tiefe durch Auseinanderdrängen der M. gluteus maximus-Fasern o Unter Innenrotation Darstellung und Durchtrennung der kurzen Außenrotatoren (werden später refixiert) o Eröffnung des Gelenkes o Hüftluxation o Durchtrennung des Hüftkopfes. Trochanter minor als Orientierungsstruktur anhand der präoperativen digitalen Planung o Pfanne darstellen, in aufsteigender Größe die Pfanne fräsen bis die Sklerosierung durchbrochen ist. o Mit Probepfanne Passgenauigkeit prüfen und anschließend die gewünschte Pfanne in der richtigen Position einschlagen. Die Pfanne darf nicht zu steil positioniert werden, da das Luxationsrisiko dadurch erheblich steigen würde. o Inlay wird in der Pfanne positioniert. o Falls Osteophyten vorhanden sind, werden diese entfernt. o Präparation des Femurschaftes. Auch hier in aufsteigender Größe bis die passende Größe erreicht wird. o Aufsetzen eines Probekopfes und Reposition des Gelenks. o Beweglichkeit und Position der Komponenten zueinander prüfen und schauen, ob eine Luxation möglich ist und ggf. Korrekturen durchführen. o Reluxation und Implantation des gewünschten Schaftes (zementiert oder unzementiert) und Kopfes. o Pfanne spülen (es sollten sich auf keinen Fall Zement- oder Knochenrückstände in der Pfanne befinden) und Hüftkopf reponieren. o Kapsel fixieren, Hüfte verschließen Bikini-Zugang (ventraler Zugang) Lateraler Zugang Minimal-invasiver-Zugang: o Nicht für alle Patienten geeignet. Für kräftige Männer mit ausgeprägter Muskulatur sind kleine Schnitte weniger geeignet, da durch den kleinen Schnitt mehr Druck auf die Haken ausgeübt wird und es zu Traktionsschäden der Nerven kommen kann. OP-Dauer: o Zementfrei: 30-45 min o Zementiert: 45 – 60 min Postoperatives Management Erwartungen an einer OP mit dem Patienten kommunizieren Bestimmte Bewegungen müssen nach der OP vermieden werden o Z.B. keine Hüftbeugung >90° o Nicht die Beine übereinanderschlagen, sich selbst die Socken anziehen oder zu tief sitzen o Die Maßnahmen müssen 3 – 6 Monate befolgt werden Patientenschulungen durchführen Reha: o Aufnahme 1 Tag prä-OP o 4 Tage stationärer Aufenthalt o 1. Tag post-OP: Die Patienten dürfen aufstehen und schmerzadaptiert, unter der Zuhilfenahme von zwei Unterarmgehstützen, vollbelasten o 2. Tag post-OP: Auf Station mit Physiotherapeuten o 3. Tag post-OP: Treppensteigen o 4. Tag post-OP: Entlassung nach Hause oder direkt in eine Reha-Klinik (3 Wochen) Häufige Fehler 98% der Patienten sind mit ihrer Hüft-TEP zufrieden Luxation des Gelenks z.B. aufgrund von Bewegungen die vermieden werden sollen. Bei zweimaligem Vorkommen einer Luxation wird ggf. chirurgisch interveniert, in dem z.B. die Pfanne repositioniert oder ausgetauscht wird. Beinlängendifferenz Periprothetische Infektion (Risiko ca. 1%): Gefürchtete Komplikation, da bei einer chronischen Infektion ein kompletter Wechsel der Prothese notwendig wird. Femoralis- oder Ischiadicusaffektionen treten eher bei minimal-invasiven OPs auf und sind in der Regel Traktionsschäden. Kontrollfragen Welche Aussagen sind richtig? A) Ob die Prothese zementiert oder unzementiert eingesetzt wird hängt nur von der Klinik ab. B) Unzementierte Prothesen werden vor allem bei älteren Patieten >70 J. genutzt. C) Polyethylen-Metall-Gleitpaarung können quietschen. D) Bei älteren Patienten (Männer: >75J; Frauen: >70J) werden in der Regel Hybrid-Varianten verbaut. E) Keramik-Keramik-Gleitpaarungen können quietschen. Welches sind typische Arthrosezeichen im Röntgen (Mehrfachauswahl): A) Gelenkspaltvergrößerung B) Osteophyten C) Intraartikuläre Flüssigkeit D) Subchondrale Sklerose Welche drei Kriterien spielen für die OP-Entscheidung eine Rolle? A) Leidensdruck der Patienten B) Ausschließlich Wunsch des Patienten C) Einschränkungen im Alltag D) Alter: Hüft-TEP nur bei älteren Patienten. Junge werden konservativ behandelt. E) Starke Schmerzen Postoperatives Management: Welche Aussage/n ist/sind richtig? A) Patienten können in der Regel einen Monat postoperativ alle Bewegungen wieder durchführen. B) Patienten sollten zwei Wochen post-OP das Hüftgelenk maximal bewegen, um eine Versteifung zu vermeiden. C) Patienten sollen 3-6 Monate keine Hüftbeugung >90° durchführen D) Alltägliche Bewegungen, wie z.B. Socken anziehen, können nach Entlassung unproblematisch durchgeführt werden. Zu den Frühzeichen bzw. Spätzeichen einer Coxarthose gehören: A) Anlaufschmerzen B) Belastungsschmerzen C) Bewegungseinschränkungen D) Beinverkürzung E) Schmerzen im Knie

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