Klinisch Relevant Podcast

Dr. med. Kai Gruhn, Dr. med. Dietrich Sturm, Prof. Markus Wübbeler
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Apr 17, 2021 • 39min

Die neue Pflegeausbildung - mit Prof. Markus Wübbeler * Pflegewissenschaft

Was das neue Gesetz zur Reform der Pflegeberufe konkret für Dich bedeutet! Neue Pflegeausbildung Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflege- und Therapieberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema der neuen Pflegeausbildung, die Ausbildungsstruktur, Änderungen und Fragen zur Fragen zur Professionalisierung. Informationen des Gesundheitsministeriums zur Reform der Pflegeberufe: Mit dem Gesetz zur Reform der Pflegeberufe, das im Juli 2017 verkündet wurde, wird der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt. Link: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegeberufegesetz.html Praxisanleitung nach der neuen Pflegeausbildung: Im ersten Teil des Buches beschreiben die Autoren die neuen gesetzlichen Grundlagen und den daraus resultierenden Herausforderungen für die praktische Ausbildung vertraut. Die Autoren stellen Ihnen die Kompetenzprofile der neuen Pflegekräfte, wie sie in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung beschrieben sind, vor und greifen kurz die Möglichkeit zur Spezialisierung auf die Abschlüsse der Altenpflege bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege auf. Link zum Buch: https://www.buecher.de/shop/altenpflege/praxisanleitung-nach-der-neuen-pflegeausbildung/knoch-tina/products_products/detail/prod_id/55980479/ Pflegeberufegesetz Das Pflegeberufegesetz (PflBG) wurde im Juni 2017 vom Bundestag verabschiedet und tritt Anfang 2020 in Kraft. Mit dem Gesetz wird die Ausbildung für Pflegefachkräfte grundlegend reformiert, um diese an die aktuellen pflegerischen Herausforderungen anzupassen und ansprechender für den zukünftigen Nachwuchs zu gestalten. pflege.de erklärt, wie die reformierte Pflegeausbildung aussieht und was die Änderungen bedeuten. Link: https://www.pflege.de/pflegegesetz-pflegerecht/pflegeberufegesetz/ Verordnung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Gesundheit Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe soll auf der Grundlage der Ermächtigung in § 56 Absatz 1 und 2 des Pflegeberufegesetzes (PflBG) vom 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2581) erlassen werden. Link: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/A/Ausbildungs-_und_Pruefungs_Verordnung_Pflegeberufe_final.pdf
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Apr 13, 2021 • 53min

Mindful Communication - mit Carina Schmid * Querschnittsthemen

Kommunikation als zentraler "Soft-Skill" der Arbeit mit Menschen: was Du verbessern kannst und worüber Du Dir bewußt werden solltest.. Mindful Communication Willkommen zu unserer neuesten Podcastfolge von Klinisch Relevant mit Carina Schmid. Es dreht sich heute alles um Tipps und Techniken für eine gelungene Kommunikation. Carina Schmid erklärt uns, wieso die Selbst-Empathie ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Kommunikation ist, wie ein empathisch geführtes Gespräch mit einem Patienten aussehen könnte und wie man die Patienten in den verschiedenen Phasen der Verhaltensänderung unterstützen kann. Gerade im Gesundheitswesen haben wir tagtäglich belastende bzw. schwierige Situationen für Patienten und Angehörige. Daher hoffen wir, euch mit dem Podcast neue Erkenntnisse zu liefern und dadurch den Arbeitsalltag etwas zu erleichtern. Tipps um ein Gespräch (z.B mit Patienten) zu beginnen Jeder hat in seinem Alltag gewisse Tätigkeiten, die er automatisiert durchführt (z.B. Treppen steigen). Man kann diese Tätigkeiten ganz bewusst durchführen und dabei auf sich selbst und auf seine Umgebung achten. Hierbei kann man beispielsweise darüber reflektieren, wie es einem geht, wie man sich fühlt, wie man atmet und was um einen herum passiert. Im Gespräch mit einem Patienten Anker setzen. Dies kann das bewusste Wahrnehmen der eigenen Atmung, der Lage der Hände/Füße oder der Schwerkraft sein. Die Anker sorgen für ein Bewusstsein für die Situation und für den Ort, an dem man sich gerade befindet. Das erhöhte Bewusstsein führt zu mehr Flexibilität hinsichtlich unserer Reaktionen im Gespräch. Selbst-Empathie: Man sollte sich in Gesprächen bewusst mit der wahrgenommenen Kritik oder dem Lob auseinandersetzen. Beispielsweise wenn Angehörige in der Klinik Kritik darüber äußern, warum alles so lange dauern würde. Es ist wichtig sich paar Sekunden mit dem Gefühl, welches man verspürt (beispielsweise Unverständnis bzw. Ablehnung), auseinanderzusetzen und bewusst zu machen, wieso diese Reaktion kommt und wieso sie in Ordnung ist. Gleiches gilt für Lob. Hier sollte man die positiven Emotionen zulassen und bewusst wahrnehmen. Wichtig ist, nicht nur über die Gefühle nachzudenken, sondern diese auch bewusst zu fühlen. Empathie: Hier ist es wichtig wahrzunehmen, was in dem Patienten oder Angehörigen vorgeht. Es hilft, den Patienten bzw. Angehörigen mit einem Satz („Sie machen sich wirklich Sorgen um Ihre Mutter, oder? Sie wollen einfach nur, dass sie eine schnelle und gute Versorgung bekommt, stimmt das?“) zunächst abzuholen und zu zeigen, dass er gehört wird. Dann kann man den Patienten oder den Angehörigen in die Prozedur mit einbeziehen und z.B. fragen „Sind Sie bereit zu hören, was Sie gerade machen können, um uns zu helfen?“. Liegen die z.B. Chipkarte, der Medikamentenplan oder Vorbefunde vor? Wurden die nötigen Fragebögen schon ausgefüllt? Mit der investierten Zeit kann man den Patienten bzw. Angehörigen zur Kooperation bringen und das Verständnis erhöhen. Wie kann man Patienten überzeugen negative Verhältnisweisen zu ändern? Das Wissen um eine negative Verhaltensweise wird niemals ausreichen, um das Verhalten zu ändern. Genauso wird es nicht helfen, Angst dazu zu nutzen, um das Verhalten zu ändern. Transtheoretical model of change: 5 Phasen der Verhaltensänderung 1. Phase: Absichtslosigkeit. Der Patient hat nicht die Absicht, sein Verhalten zu ändern. Entweder, weil er nicht weiß, dass das Verhalten schlecht ist oder weil er beispielsweise schon einige Male erfolglos war bei der gewünschten Verhaltensänderung. Als Therapeut sollte man nicht nur die Dringlichkeit der Verhaltensänderung aufzeigen, sondern dem Patienten zuhören und erfahren, ob das Wissen fehlt oder ob fehlgeschlagene Versuche demotivieren. Es hilft, nicht nur die negativen Folgen der aktuellen Verhaltensweisen zu beleuchten, sondern auch die positiven Seiten der Verhaltensänderung zu betonen. 2. Phase: Absichtsbildung. Die Patienten haben vor, dass Verhalten in unbestimmter Zeit zu ändern. Man sollte dem Patienten zuhören und analysieren, wie, wo und in welchem Rahmen man kleine Schritte in Richtung der Verhaltensänderung einbauen könnte. Gibt es Personen, die den Patienten unterstützen könnten? Versuchen diese mit ins Boot zu holen. In dieser Phase ist es wichtig, dass der Patient merkt, dass er es schaffen kann seine Verhaltensweise zu ändern. Außerdem ist es wichtig, die Auslöser der negativen Verhaltensweisen zu erkennen und an Alternativen zu arbeiten. 3. Phase: Vorbereitung. Die Patienten planen ganz konkret, die negativen Verhaltensweisen abzulegen. 4. Phase: Aktion. Die Patienten vollziehen in diesem Stadium die Verhaltensänderung. Als Therapeut sollte man hier auf die Motivation des Patienten achten und schauen, was dem Patienten hilft und was nicht. Rückfälle oder Pausen sind in dieser Phase normal. In solchen Fällen ist eine offene Kommunikation ganz wichtig. Die Rückfälle sollten nicht verurteilt, sondern analysiert werden. Was war der Auslöser? Mit dem Patienten das Problem besprechen und gemeinsam lösen. 5. Phase: Aufrechterhaltungsstadium. Die negativen Verhaltensweisen wurden für längere Zeit abgelegt. Weitere praktische Tipps findest Du im Change Guide von Carina auf Ihrer Website: https://carinaschmid.com
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Apr 10, 2021 • 42min

Kinder, die die Sprache nicht finden - mit Regina Edlauer * Logopädie

Ein Podcast-Interview mit unseren Logopädinnen Britta Münzer und Regina Edlauer über Sprachentwicklungsstörungen und dem Therapie-Ansatz von Barbara Zollinger Kinder, die die Sprache nicht entdecken Behandlung von Sprachentwicklungsstörungen nach dem entwicklungspsychologischen Ansatz von Barbara Zollinger Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute ist Britta Münzer unsere Expertin für den Bereich Logopädie mit Ihrer Kollegin Regina Edlauer im Gespräch über die Behandlung von Kindern mit verspätetem Sprechbeginn. Ungefähr 10% der 2 bis 2,5 jährigen Kinder beginnen nicht zu sprechen. Einige von ihnen holen den Entwicklungsrückstand auf. Die anderen werden häufig mit 4 oder 5 mit Auffälligkeiten in der Entwicklung von Aussprache, Wortschatz, Sprachverständnis und Grammatik in der logopädischen Praxis vorgestellt. In diesem Alter ist es oft aufwändig und langwierig, zu dem Entwicklungsstand der Gleichaltrigen wieder aufzuschließen. Der Entwicklungspsychologische Ansatz nach Barbara Zollinger bietet die Möglichkeit, bereits im Alter von 2 bis 3 Jahren wichtige vorsprachliche Kompetenzen dieser Kinder einzuordnen. Mit einem spielorientierten Angebot wird das Kind dabei unterstützt in diesen Voraussetzungen für Sprache, wie z.B. die Entwicklung der Vorstellung und die Individuationsentwicklung, den Schritt in die nächste Entwicklungsphase zu machen. Mit der Vorstellung löst sich das Kind vom Handeln im Hier und Jetzt und bezieht sein Denken auf etwas, was in dem Moment nicht vorhanden ist, auf eine frühere Erfahrung. Individuation heißt sich als Individuum mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Fähigkeiten zu erleben. Beides sind Grundvoraussetzungen um Sprache „zu entdecken“. Hat ein Kind die Sprache entdeckt, dann kann es Worte als Symbol für etwas nicht anwesendes verwenden mit dem Wissen darüber, dass sie von dem anderen verstanden werden. Als wichtige Basis für sprachliche Kommunikation gilt der Blickkontakt und die Fähigkeit des Kindes, hiermit eine Verbindung zwischen sich, einer Bezugsperson und einem Gegenstand von Interesse herzustellen. Diese Verbindung nennt man Triangulierung. Im Behandlungsraum sind für das Kind verschiedene Spielsachen frei zugänglich, aus denen es etwas auswählen darf, was es interessiert. Dieses Interesse an dem Spiel und das Vertrauen zu der Therapeutin sind notwendig, damit das Kind hier etwas entdecken kann und die von der Therapeutin angebotenen Wörter für das Entdeckte annehmen kann. Die Therapeutin setzt Sprache so ein, dass für das Kind immer eine Verbindung zu einem Gegenstand oder einer Handlung erkennbar ist. Ein „Überschütten“ mit Sprache soll unbedingt vermieden werden. Um die Aufmerksamkeit auf die Sprache zu lenken wird die Stimme bewusst angehoben und eine etwas übertriebene Intonation angenommen. Bei einigen Kindern steht das Hinleiten zu frühen Entwicklungsschritten wie Blickkontakt oder die Loslösung von der Bezugsperson und die damit verbundene Individuationsentwicklung im Vordergrund. Sobald das Kind den Schritt in die nächste Entwicklungsphase geschafft hat, wird die Behandlung pausiert und die weitere eigenständige Entwicklung beobachtet. So entstehen Intervalle von jeweils 3 Monaten Therapie und Therapie freien Phasen nach denen überprüft wird, ob eine weitere Behandlungsphase notwendig ist. Häufig reichen wenige Behandlungsintervalle aus. Das Kind hat dann die Sprache für sich entdeckt und entwickelt Sprachverständnis, Wortschatz und Grammatik selbst weiter. Auch Verhaltensauffälligkeiten, die mit der stagnierenden Sprachentwicklung im Zusammenhang stehen, verändern sich dann meist zu einem altersgemäßen Verhalten. Die Vorsorgeuntersuchung U7 bietet die Möglichkeit, Kinder mit verzögertem Sprechbeginn frühzeitig zu erkennen und durch frühe Intervention spätere Folgen für die Sprachentwicklung zu reduzieren.
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Apr 6, 2021 • 40min

Hereditäre Tumorerkrankungen: häufiger als gedacht - mit Prof. Gabriela Möslein * Chirurgie/Onkologie

Welche Auswirkungen kann die genetische Diagnostik bei Tumorerkrankungen auf die Therapie haben? Hereditäre Tumorerkrankungen Herzlich Willkommen zu einer weiteren Podcastfolge von Klinisch Relevant. Wir melden uns nach den Osterfeiertagen zurück und sprechen mit Frau Prof. Dr. med. Möslein, Viszeralchirurgin am Bethesda-Krankenhaus in Duisburg, über hereditäre Tumorerkrankungen. Diese treten vor allem bei jüngeren Patienten auf und werden in bestimmten Fällen, je nach Mutation, unterschiedlich therapiert. Wir haben für euch in Erfahrung gebracht, wie eine genetische Testung abläuft, wieso die genetischen Testungen zunehmend an Bedeutung gewinnen werden und bei welchen Patienten man hellhörig werden sollte. Viel Spaß beim Zuhören! Warum sind spezialisierte Abteilungen wichtig? Erkenntnisgewinn ist rasant und schwer zu überblicken. Es werden nicht nur einzelne Patienten, sondern ganze Familien betreut. Es ist von Vorteil die Krankengeschichte im Ganzen überblicken und ein Vertrauensverhältnis mit den Patienten aufbauen zu können. Wie gelangen die Patienten zu Ihnen? Grundsätzlich werden Patienten überwiesen bzw. eingewiesen. Es melden sich aber auch Patienten selbstständig, die sich für genetische Testungen interessieren. Insbesondere tritt dies dann auf, wenn eine familiäre Belastung bekannt oder der Patient für die Erkrankung außergewöhnlich jung ist. In solchen Fällen melden sich junge Patienten selbstständig oder werden durch die behandelnden Ärzte weitergeleitet. Junge Patienten (<50 Jahre) mit Krebserkrankungen sollten schauen, ob in ihrer Familie diese Erkrankung häufiger vorkommt. Ein genetischer Test wäre auch ohne bekannte Krebserkrankungen in der Familie sinnvoll. Wie sicher ist die Familienanamnese zur Feststellung einer hereditären Tumorerkrankung? Bei zunehmenden Testungen zeigt sich, dass je jünger der Patient mit der Krebserkrankung ist, desto häufiger verbirgt sich hinter der Krebserkrankung eine relevante genetische Veränderung. Bei einer positiven Familienanamnese spielen für den Humangenetiker folgende Punkte eine Rolle: • Welche Krebserkrankung? • Wie viele Fälle sind aufgetreten? • In welchem Alter sind diese aufgetreten? • Mütterlicherseits oder väterlicherseits? Die Familienanamnese ist wichtig, aber das Alter des Patienten ist wichtiger. Welche Tumore sehen Sie häufig? Dickdarmtumore Brusttumore Schilddrüsenkarzinom Dünndarmtumore Magentumore Es kommt natürlich auf die Spezialisierung der Fachabteilung an, welche Krebserkrankungen häufig gesehen werden. Genetische Mutationen müssen nicht immer im selben Organ zu einer Krebserkrankung führen. Wie erfolgt die Durchführung der genetischen Untersuchung? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Wie kommunizieren Sie die Notwendigkeit der Untersuchung? Eingebettet in einer humangenetischen Beratung Krankenkassenleistung. Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten. Private Krankenversicherungen sollte man um einen Kostenvoranschlag bitten. Die Kosten werden in der Regel übernommen. Jeder Arzt kann die Aufklärung für einen Gentest übernehmen. Damit das Labor allerdings für die Testung auch bezahlt wird, ist der übliche Ablauf über die Humangenetik notwendig. Die Kosten sind in Deutschland unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu anderen Ländern. Die prädiktive Testung erfordert eine sehr gute Aufklärung, da diese eine besonders hohe psychische Belastung mit sich führen kann. Worin liegt der Vorteil der genetischen Diagnostik in der Behandlung von Tumorerkrankungen? Präventionsmöglichkeiten Lynch-Syndrom: Führt häufig zu Dickdarmkrebs und weiteren Tumorerkrankungen wie z.B. Gebärmutterkrebs. Die tägliche Einnahme von ASS kann im Langzeitverlauf die Entwicklung von etwa 50% der Karzinome verhindern. Es gibt den Patienten die Möglichkeit, sich bewusster zu entscheiden. Beispielsweise ob bei einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs eine prophylaktische Mastektomie durchgeführt werden soll, oder nicht. Kann sich das Ergebnis der genetischen Testung auf die nicht-chirurgische Therapie auswirken? Welche Bedeutung hat die genetische Testung für die Therapie? Beispiel: Li-Fraumeni-Syndrom. Eine Strahlentherapie führt hier zu mehr Krebserkrankungen. Mikrosatelliteninstabilität: Marker im Tumorgewebe, welcher leicht bestimmt werden kann. 15 – 20% der Dickdarmkarzinome weisen dieses Phänomen der Mikrosatelliteninstabilität auf. Dies führt dazu, dass sie anders auf eine Chemotherapie reagieren. Deshalb ist man hier zurückhaltend mit Chemotherapeutika. Dagegen haben sich Immuntherapien, insbesondere bei Metastasen, als sehr wirksam herausgestellt. Ein Anteil der Tumore mit Mikrosatelliteninstabilität sind erblich und dem bereits erwähnten Lynch-Syndrom (früher HNPCC (hereditäres, nicht polypöses Kolonkarzinom)) zuzuordnen. Es gibt 5 Gene, die zum Lynch-Syndrom führen. Jedes dieser Gene führt allerdings zu einer anderen Ausprägung des Syndroms. MSH6 Gen: Führt zu viel mehr Gebärmutterkrebs als Dickdarmkrebs. Was wird die Zukunft bringen? Die genetische Testung wird zunehmend verfügbar sein. Es könnte sein, dass mit histologischen Biopsien auch direkt genetische Testungen gemacht werden, die Auswirkungen auf die Therapie haben könnten. Beispielsweise könnten sehr strahlensensible Tumore des Enddarms erkannt werden und so eine aufwendige Operation vermieden werden. Die Schnelligkeit und Verfügbarkeit der Testungen werden zunehmen. Das Verständnis darüber, welche Therapien bei welchen Tumoren am besten wirken wird ebenfalls zunehmen. Kontakt: Prof. Dr. med. G. Möslein Leiterin des Zentrums für Hereditäre Tumorerkrankungen Tel.: 0203 6008-3152 g.moeslein@bethesda.de
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Apr 3, 2021 • 24min

Periprothetische Infektionen - mit PD Dr. Mustafa Citak * Orthopädie/Unfallchirurgie

Seltene aber gefürchtete Komplikation nach endoprothetischen Eingriffen Periprothetische Infektionen In unserem heutigen Klinisch Relevant Podcast widmen wir uns wieder einem orthopädischen Thema und sprechen mit Herrn PD Dr. med. Mustafa Citak über die periprothetischen Infektionen (PPI). Er erklärt uns unter anderem, wie periprothethische Infektionen definiert sind, wie sie sich klinisch präsentieren und wie man sie behandeln kann. Wir wünschen euch reichlich neue Erkenntnisse und natürlich viel Spaß beim Zuhören. Was sind periprothetische Infektionen (PPI)? Periprothetische Infektionen sind eine gefürchtete Komplikation aller endoprothetischen Operationen Es handelt sich um eine Entzündung des Gelenks mit Bakterien. Ganz selten können auch Pilzinfektionen, beispielsweise durch Candida, vorliegen. Inzidenz bei Primäroperationen: 1 – 2 % Inzidenz bei Austauschoperationen deutlich höher. Wird unterschieden in akut und chronisch: • Akut: Eine Infektion, die bis 3 Wochen nach der Operation auftritt. • Chronisch: Tritt verzögert auf Definition PPI anhand von Major- und Minor-Kriterien nach International Consensus Meeting (ICM) Eine Infektion liegt vor bei: • 1 von 2 Major-Kriterien: ​ ▪ Fistel ▪ Identischer Erreger in 2 Gewebeproben/Punktaten • bei über 6 Punkten: ▪ Histologie ▪ Singuläre positive Kultur ▪ Erhöhte Zellzahl (Punktat) ▪ Erhöhter Anteil neutrophiler Granulozyten (Punktat) ▪ CRP – und BSG-Erhöhung ▪ Alpha-Defensin ▪ Leukozytenesterase Welch Symptome haben die Patienten? Akut: Fieber, Schüttelfrost, Überwärmung und Rötung des Gelenks Chronisch: Jedes Gelenk, welches nach einem Jahr noch schmerzt, sollte an eine Infektion denken lassen. Typische Entzündungszeichen liegen nicht vor. Welche weiteren diagnostischen Schritte sind möglich? CRP: War laut einer Studie bei -84% der chronischen periprothetischen Infektionen erhöht. Bei -16% lagen normale Werte vor. Gelenkpunktion ist Mittel der Wahl. • Es werden Kulturen angelegt, die 14 Tage inkubieren müssen. • Die Zellzahl wird bestimmt. > 3000 Zellen sind Zeichen einer Infektion • Alpha-Defensin: Peptid das nachgewiesen werden kann. Der Test ist bei einem Wert ab 0.9 positiv und spricht für eine Infektion. • Leukozytenesterase: Funktioniert ähnlich wie ein Urinstreifentest. Wenn dieser 2 bis 3-fach positiv ist, spricht dies ebenfalls für eine Infektion. D-Dimer: Wurde 2018 in die ICM-Kriterien aufgenommen. PCR-Testung Next-generation-sequencing Bildgebung: Röntgenbilder sind zur Feststellung einer Infektion ungeeignet. Wird allerdings zum Ausschluss weiterer Ursachen angefertigt. Unter besonderen Umständen: • Leukozytenszintigraphie bei Patienten, die bereits eine Osteomyelitis hatten. Prävention von PPIs Beeinflussbare Risikofaktoren: • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus • Adipositas; BMI über 40 erhöht das Infektionsrisiko um das 6 bis 7-fache. Gewichtsreduktion anstreben. • Zahnstatus sollte in Ordnung sein. Infektionen an den Zähnen sollten erst saniert werden Gibt es intraoperative Strategien zur Riskoreduktion? Sterilität ist wie bei allen Operationen essentiell OP-Zeit spielt eine Rolle Bisherige Studien, die das Material der Endoprothesen als Risikofaktor untersuchen, sind noch nicht ausgereift. Therapie des PPI Akute Infektion: • Bei septischen oder präseptischen Entzündungsparametern muss unverzüglich operiert werden. • Die mobilen Teile der Prothese müssen ausgetauscht werden. • Mit 6 l Polyhexanid spülen, debridieren, Wunde verschließen • Kalkulierte Antibiose präoperativ. Postoperativ Therapie anpassen. • 3 Monate Antibiose. Initial iv. anschließend per os. • Falls die Erhaltungstherapie nicht erfolgreich ist, wird die Prothese ausgetauscht. Chronische Infektion: • Austauschoperation Einzeitiger bzw. zweizeitiger Wechsel im Rahmen der Austauschoperation. International ist der zweizeitige Wechsel der Goldstandard. Bei der zweizeitigen Operation wird zuerst die Prothese ausgebaut. Das Fremdmaterial wird vollständig entfernt und ein antibiotikabeladener Spacer eingebaut. ▪ Mobile Spacer: Das Gelenk kann bewegt werden ▪ Statische Spacer: Temporäre Arthrodese • Bei der zweiten Operation wird der Spacer aus- und die Endoprothese eingebaut. Nachteil bei dem zweizeitigen Wechsel ist, dass entsprechend zwei Operationen nötig werden und dadurch das Risiko für Komplikationen steigt. • Das Ergebnis der Sanierung ist laut Literatur bei beiden Vorgehensweisen identisch. • Der einzeitige Wechsel wird international zunehmend durchgeführt. Voraussetzung für die einzeitige OP ist u.a. der Keimnachweis. • Beim einzeitigen Wechsel erfolgen alle notwendigen Schritte, von der Sanierung bis zur Implantation einer neuen Endoprothese, in einer OP. Der Keimnachweis ist wichtig, da das richtige Antibiotikum in das Zement gemischt werden muss. • Weitere Voraussetzungen für den einzeitigen Wechsel: ▪ Wunde muss wieder verschlossen werden können. ▪ Eine kleine Fistel ist keine Kontraindikation ▪ Kontraindikation: Weichteilverschluss nicht möglich • Antibiotika Therapie unterscheidet sich von Klinik zu Klinik. • Hinsichtlich der Mobilisation gibt es keine Unterschiede zwischen den beiden Methoden.
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Mar 30, 2021 • 13min

Das CORE-Myoclonus-Syndrom bei COVID-19 - mit PD Dr. Lars Wojtecki * Neurologie

COVID-19-assoziierte Rhombencephalopathie mit Myocloni als Frühmanifestation CORE-Myoclonus-Syndrom als Frühmanifestation bei COVID-19 Sars-CoV-2 und COVID-19 sind leider ein Jahr nach dem ersten Fall in Deutschland immer noch hochaktuell. Im Zusammenhang mit der Infektion wurden mittlerweile verschiedene Begleitsymptome beschrieben und beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle festgestellt. In diesem Podcast sprechen PD Dr. med. Lars Wojtecki und Dr. med. Dietrich Sturm über das neu beschriebene CORE-Syndrom, welches parainfektiös im Rahmen einer Infektion mit Sars-CoV-2 auftreten kann und sich neurologisch manifestiert. PD Dr. med Lars Wojtecki erklärt, wofür das Akronym steht, welche Symptome zum Syndrom gehören und wie es von anderen neurologischen Erkrankungen abgegrenzt werden kann. Link zur Primärliteratur: https://movementdisorders.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ Was versteht man unter dem CORE-Syndrom? Coronavirus Rhombenzephalopathie (Cerebellum, Pons und Medulla oblongata) Entzündung des Hirnstamms Welche Symptome sind beim CORE-Syndrom feststellbar? Myoklonien: fokal und generalisiert, wobei überwiegend fokal betonte Myoklonien beobachtet wurden Kleinhirnfunktionsstörungen Dystonien Auch eine Bewusstlosigkeit konnte beobachtet werden Ist eine Abgrenzung zu den durch Corona ausgelösten Enzephalopathien möglich? Enzephalopathien sind überwiegend bei schwer erkrankten, intensivpflichtigen COVID-19-Patienten aufgetreten. Das CORE-Syndrom ist dagegen bei Patienten mit einem milden Krankheitsverlauf aufgetreten. Die neurologischen Symptome treten hierbei mit als Erstes auf. Es wurde bereits beschrieben, dass im Rahmen des Post-COVID-Syndroms Myoklonien auftreten können. Der Unterschied besteht darin, dass sich die neurologische Symptomatik beim CORE-Syndrom zu Beginn der Corona-Infektion manifestiert und nicht postinfektiös als Folgeerscheinung auftritt. Kann man ausschließen, dass es sich um epileptische Anfälle handelt? Elektroenzephalographisch gab es keine Anhaltspunkte für eine Epilepsie Die Kombination der Symptome (Dystonien, Myoklonien) sprechen eher für Funktionsstörung der Basalganglien, des Cerebellums und des Hirnstamms. Im Rahmen der COVID-19-Infektion wurde zwar auch von epileptischen Anfällen berichtet, diese seien aber unabhängig vom CORE-Syndrom aufgetreten. Wie könnten sich die autonomen Störungen äußern? Es gab kurze Bewusstseinsverluste mit schneller Reorientierung, die auf eine kurze Funktionsstörung des Hirnstamms zurückgeführt werden. Messungen im autonomen System deuten darauf hin, dass die Hirnstammfunktionsstörung auf die Parainfektion mit dem Coronavirus zurückzuführen ist und sich mit als Erstes Symptom klinisch präsentiert. Publikationen aus Paris und New York beschrieben während der ersten Welle das erhöhte Aufkommen von präsynkopalen Zuständen und Synkopen. Es wird vermutet, dass es im Rahmen der Infektion zu einer autoimmunen Reaktion im Gehirn kommt, die eine Dysregulation autonomer Funktionen zur Folge hat. Wie häufig wurde das CORE-Syndrom bereits beschrieben und wie sollte man diagnostisch vorgehen? Die Gruppe um PD Dr. Wojtecki hatte ca. fünf Fälle. In der Literatur sind zehn solcher Fälle beschrieben. Liquordiagnostik, MRT, Elektrophysiologie (EEG) Die meisten Patienten haben sich von alleine wieder erholt. Es ist ein Fall von parainfektiöser Cerebellitis aufgetreten, der erfolgreich mit Hochdosis-Kortikosteroiden behandelt wurde. Die Myoklonien müssen nicht zwangsläufig behandelt werden, sofern der Leidensdruck der Patienten nicht hoch ist.
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Mar 27, 2021 • 31min

Das Spektrum der Nuklearmedizin - mit Dr. Ellen Kozianka * Nuklearmedizin

Warum Nuklearmedizin keine Strahlentherapie ist und was der Unterschied zwischen einer Szintigrafie und einem PET-Scan ist :-) Das Spektrum der Nuklearmedizin Wir sprechen heute im Klinisch Relevant Podcast mit Dr. Ellen Kozianka, Oberärztin im Marienhospital Herne, über die Nuklearmedizin. Je nach Fachbereich der Medizin ist die Nuklearmedizin mal mehr, mal weniger präsent. Daher möchten wir euch heute die grundlegenden Prinzipien dieser spannenden Facharztrichtung näherbringen und aufzeigen, welche Erkrankungen bzw. Indikationen häufig den Gang zum Nuklearmediziner nötig machen. Außerdem haben wir für euch nachgefragt, welche verschiedenen Techniken genutzt werden und worin sie sich unterscheiden. Viel Spaß wünscht euch euer Klinisch Relevant Team! Welche Untersuchungen werden in der Nuklearmedizin durchgeführt? PET-CT Diagnostik PET-MRT (wird hauptsächlich in der Forschung genutzt) Viel Schilddrüsendiagnostik; Schilddrüsen-Szintigraphie Knochen-Szintigraphie: Metastasensuche, Differentialdiagnostik Arthritis/Arthose, okkulte Frakturen Nieren-Szintigraphie Myokard-Szintigraphie Nebenschilddrüsen-Szintigraphie Entzündungs-Szintigraphie Welches Grundprinzip liegt der Nuklearmedizin zugrunde? Es werden Radiopharmaka für die Diagnostik genutzt. Diese werden (meist) intravenös appliziert um anschließend Aufnahmen mit Hilfe einer Gammakamera bzw. eines Hybridgerätes (Gammakamera und CT) anzufertigen. Die Aufnahmen ermöglichen die Detektion der Anreicherungsorte des Radionuklids im Körper. SPECT-CT: Es werden mit der Gammakamera, wie beim CT, Schnittbilder angefertigt. Die anatomische Zuordnung gelingt durch das CT. Unterschied zur Strahlentherapie: Es wird keine externe Strahlung auf den Körper appliziert. Es können allerdings radioaktive Isotope (z.B. I-131) für die Behandlung von z.B. Schilddrüsenkrebs genutzt werden. Wie läuft eine Untersuchung ab? Beispiel Schilddrüsenuntersuchung: Technitium wird venös appliziert. Nach 15 Minuten kann mit der ca. fünfminütigen Messung begonnen werden. Knochen: Technitium ist an Phosphonat gekoppelt. 3-Phasen-Szintigraphien: Es werden Aufnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemacht. 1.Phase: Direkt nach der intravenösen Gabe der Radiopharmaka. 2. Phase: Aufnahme nach 5 Minuten zeigt die Verteilung im Blut. Bei TEP-Lockerungen würde sich beispielsweise eine erhöhte Durchblutung um die Prothese zeigen. 3. Phase: Nach 2,5 Stunden erfolgt die Aufnahme des Skelettsystems. Dies dauert ca. 40 Minuten. Ist die Untersuchung gefährlich? Ist die Untersuchung gefährlich? Da bekanntermaßen hohe Dosen an Radioaktivität schädlich sind, wird auch von den sehr geringen Dosen, die im Rahmen der Diagnostik genutzt werden, angenommen, dass sie schädlich sein können. Daher gilt das Prinzip: Patienten sollen der Radioaktivität so viel wie nötig und so wenig wie möglich ausgesetzt sein. In der Diagnostik werden deshalb sehr geringe Dosen genutzt. Eine Schilddrüsendiagnostik führt beispielsweise zu einer Strahlungsbelastung von 0,9 mSv. In Deutschland liegt die natürlich vorkommende Strahlenbelastung bei 2,1 mSV jährlich. CT Thorax-Abdomen: ca. 11 mSv Traumaspiralen: ca. 15 - 20 mSv Nieren-Szintigraphie: 0,7 mSv Knochen-Untersuchungen: 2 - 4 mSv Myokard-Szintigraphie: 7 - 8 mSv Was ist ein PET-CT bzw. DaTSCAN? PET (Positronenemissionstomographie): Schnittbilduntersuchung, die die Stoffwechselaktivität von Geweben darstellt. Häufig kommt hierfür das Radionuklid Fluordesoxyglucose (FDG) zur Anwendung. Dies beruht auf der Annahme, dass z.B. Tumorzellen einen erhöhten Stoffwechsel aufweisen und die Radionuklide sich dort anreichern. Häufige Indikation ist das Bronchialkarzinom. DaTSCAN (Dopamin-Transporter-Szintigraphie): Dopamin-Rezeptor-Dichte lässt sich darstellen. Somit können Aussagen darüber getroffen werden, ob die dopaminergen Nervenzellen degeneriert sind oder nicht. Indikation: Basalganglienerkrankungen wie Parkinson. Es kann allerdings nicht zwischen Parkinson und Parkinson-Syndromen unterschieden werden. Rotiert die Gammakamera um den Patienten? Nur bei der SPECT Untersuchung. Es werden meist planare Aufnahmen durchgeführt wie z.B. bei der Schilddrüsenuntersuchung. Bei der Knochen-Szintigraphie wird häufig eine Doppelkopfkamera genutzt, die von ventral und dorsal planare Aufnahmen anfertigen kann. Hier werden beispielsweise bei kleineren Anreicherungen im Wirbelkörper dann SPECT-Aufnahmen ergänzt. Herz-Szintigraphie: Hier beruht das Grundprinzip der Aufnahmen auf die SPECT-Methode. Wie wird die Nieren-Szintigraphie genutzt? Nierengesamtfunktion kann bestimmt werden. Seitengetrennte Nierenfunktion kann dargestellt werden. Ausscheidungsprobleme können erkannt werden. Neurogene Blasenfunktionsstörungen Vorteil: Sehr geringe Strahlenbelastung
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Mar 23, 2021 • 36min

Die Katheterkollegen: ein Podcast nicht nur für Urolog*innen

Ein Podcast-Interview mit Justus und Nadim vom Katheterkollegen-Podcast **Die Katheterkollegen Justus und Nadim im Klinisch Relevant Podcast" Wenn man mal in den medizinischen deutschen Podcasts stöbert, dann stolpert man ziemlich schnell über den "Katheterkollegen-Podcast" von Nadim und Justus. Die beiden jungen Mediziner haben sich auf einem Treffen der German Society of Residents in Urology GeSRU kennengelernt und ziemlich spontan entschlossen, einen Podcast zu machen. Nadim ist noch Student, hat aber schon viele Kontakte mit der Urologie gehabt und plant auch in dieser Fachrichtung zu arbeiten und lebt in Lübeck. Justus lebt und arbeitet in Bayern und ist auf dem Weg zum Facharzt für Urologie. Da es natürlich auch in der Urologie viele Überschneidungen mit anderen medizinischen Fachgebieten gibt, laden sich Justus und Nadim regelmäßig hochkarätige Gesprächspartner ein und sprechen zum Beispiel über Themen wie Schmerztherapie, Antibiotika-Resistenzen und das Thema Impfen. Von uns aus dem Klinisch Relevant Team eine klare Hörempfehlung! Hört unbedingt mal rein!
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Mar 20, 2021 • 32min

Orale Mucositis: Komplikation nach Chemotherapie - mit Prof. Markus Wübbeler * Pflegewissenschaft

Behandlungsmöglichkeiten der Mucositis zur Verbesserung der Lebensqualität unserer Patienten Orale Mucositis in der Tumortherapie Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflege- und Therapieberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema der Orale Mucositis durch Tumortherapie, die Risikogruppen, die Therapie und Prophylaxemaßnahmen. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen Orale Mucositis (OM) ist eine Schädung der Mucosa im Mund- und Rachenbereich, die durch eine Tumortherapie hervorgerufen wird. OM ist gekennzeichnet durch eine Atrophie des Plattenepithels, Schädigung von Gefäßen und Ulzeration. Es besteht eine Interaktion zu Veränderungen im Speichelfluss und der oralen Keimbesiedlung. Besonders in der ulzerativen Phase hat die OM häufig eine Vielzahl klinischer Konsequenzen, dazu gehören: Schmerzen, eingeschränkte orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, erhöhtes Infektionsrisiko und in der Folge eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität der Patienten. Die vorliegende Leitlinie hat zum Ziel eine flächendeckende Umsetzung der multidisziplinären, qualitätsgesicherten und sektorenübergreifenden Versorgung des onkologischen Patienten in den Bereichen der Supportiven Therapie sicherzustellen. Link: https://www.onkopedia.com/de/wissensdatenbank/wissensdatenbank/supportive-therapie/LL_Supportiv_Langversion_1.0.pdf Schleimhautentzündungen bei Krebspatienten Mukositis vorbeugen und lindern Krebsbehandlungen, wie Chemotherapie oder Bestrahlung, schädigen unerwünscht häufig auch die sich schnell teilenden Zellen der Schleimhaut. Eine Schleimhautentzündung (Mukositis) kann nicht nur im Mund- und Rachenraum, sondern auch im gesamten Verdauungstrakt auftreten. Sorgfältige und regelmäßige Mundpflege, häufige Mundspülungen sowie frühzeitige und umfassende Zahnkontrolle schützen die Mundschleimhaut. Link: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/belastende-symptome/mukositis/index.php Als Folge einer Krebsbehandlung mit Medikamenten oder durch eine Bestrahlung im Bereich von Kopf und Hals kann sich die empfindliche Schleimhaut von Mund und Rachen entzünden. Der Fachbegriff dafür lautet „orale Mukositis“. In leichten Fällen ist die Schleimhaut gerötet, fühlt sich pelzig an und schmerzt. Es kann aber auch zu Geschwüren kommen. Zusätzlich kann es leicht passieren, dass Krankheitserreger durch die entzündete Schleimhaut eindringen. Um dies zu verhindern, ist eine tägliche und sorgfälti-ge Mundpflege besonders wichtig. Die vorliegende Patientenleitlinie informiert ausführlich, wie sich folgende Nebenwirkungen vorbeugen und behandeln lassen: • Blutarmut; • Mangel an weißen Blutzellen; • Hautprobleme und Haarausfall; • Beschwerden im Mund; • Übelkeit und Erbrechen; • Darmprobleme; • Folgen für Gehirn und Nerven; • Knochenbeschwerden; • Lungenbeschwerden; • Danebenlaufen der Infusionsflüssigkeit in umliegendes Gewebe. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-054OLp_S3_Supportiv_2018-04.pdf
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Mar 16, 2021 • 60min

„Das ist dann wohl psychosomatisch“ - mit Dr. Alexander Kugelstadt * Psychosomatik

Warum die psychosomatische Medizin für unsere Patienten besser verfügbar sein sollte! Psychosomatik - mit Alexander Kugelstadt Herzlich Willkommen zu einer weiteren Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute sprechen wir mit Dr. Alexander Kugelstadt, Arzt, Podcaster und SPIEGEL-Bestseller Autor, über die Psychosomatik („Dann ist das wohl psychosomatisch!“ von Dr. Alexander Kugelstadt, erschien 2020 im Mosaik Verlag). Wir werden für euch wichtige und häufig vorkommende Begriffe definieren. Außerdem erfahrt ihr, wie die Therapie üblicherweise aufgebaut ist und wie man das Thema Psychosomatik bei den Patienten ansprechen kann. Wir wünschen euch viele neue Erkenntnisse und viel Spaß beim Podcast. Begriffsdefinitionen Psychosomatisch: Unspezifischer Begriff der häufig in der Umgangssprache genutzt wird. Soll meistens beschreiben, dass Psyche und Körper im Hinblick auf Krankheitssymptome zusammenhängen. Somatoforme Störung: Wird häufig als Diagnose gestellt. Der Patient hat Beschwerden, die sich wie ein somatisches Erkrankungsbild äußern. Es lässt sich jedoch keine körperliche/somatische Ursache hierfür finden. Patienten sind häufig bei vielen verschiedenen Fachärzten, sammeln Befunde und pochen auf eine somatische Ursache der Beschwerden. Die Patienten haben einen hohen Leidensdruck. Symptome sind beispielsweise: Tachykardie, Kreislaufstörungen, Schwindel, Verdauungsstörungen (Diarrhoe). Klinisch kann sich eine Hypochondrie ähnlich äußern. Hierbei steht allerdings nicht die somatische Symptomatik im Vordergrund, sondern die Angst vor einer schweren Diagnose. Voraussetzung für die Diagnose „Somatoforme Störung“ sind Beschwerden, die länger als 6 Monate anhalten. Die Beschwerden können nicht mit Willenskraft überwunden werden. • Bewusstseinsfern: Es gibt aus dem psychischen Binnenraum aufrechterhaltende Faktoren, die allerdings nicht bewusstseinsfähig sind. Für die Betroffenen ist es nicht zu erkennen, dass dies z.B. mit Stressbelastungen, Traumatisierungen oder körperlichen Erkrankungen zusammenhängt. • Bewusstseinsnah: Eher manipulative Krankheitsbilder wie beispielsweise das Münchhausen-Syndrom. Aggravation oder Simulation von Beschwerden. Psychogene Störung: Ein aktuell obsoleter, nicht mehr zeitgemäßer Begriff. Der Begriff suggeriert, dass eine Störung rein psychogen sei, ohne die somatogene Komponente zu berücksichtigen. Somatisierungsstörung: Liegt eine somatoforme Störung länger als zwei Jahre mit wechselnden Organsystemen vor, wird diese als Somatisierungsstörung bezeichnet. Psychosomatisches Behandlungsspektrum: Somatoforme Störungen Somatisierungsstörungen Essstörungen Depressive Erkrankungen Angststörungen Verarbeitung/Compliance somatischer Erkrankungen Wie werden die Patienten z.B. in der Praxis von Alexander behandelt? Initial 20-30 min Anamnesegespräch. Verbaler/nonverbaler Eindruck Befunde werden begutachtet Wenn Patienten schon vermuten, dass es eine psychische Ursache gibt, werden meist zwei bis drei längere diagnostische Termine (50 min) vereinbart. Hier werden die verschiedenen Lebensbereiche betrachtet (Biographie, aktuelle soziale und berufliche Situation, Lebensplanung hinsichtlich Familie und Kinder) um eine erste Hypothese erstellen zu können. Wenn der Patient beispielsweise das Gefühl hat, rheumatologisch noch nicht richtig untersucht worden zu sein, wird dies dann noch empfohlen bzw. parallel durchgeführt. Breitangelegte psychosomatische Diagnostik auf psychodynamischer Grundlage Mögliche unbewusste Faktoren werden mit einbezogen Psychologisches Testing: ICD-10-Symptom-Rating (ISR), HEALTH 49, Screening für somatoforme Störungen (SOMS) um das Syndrom Bild zu erfassen. Beobachtung des Patienten während des Kontaktes Somatoforme Störungen bzw. Somatisierungsstörungen Erkrankungen werden häufig vegetativ/psychoneuroimmunologisch vermittelt. Es handelt sich häufig um Ängste, die nicht als solche wahrgenommen werden, aber sich z.B. in Form von Diarrhoen, Schwitzen und Herzklopfen zeigen. Sie fühlen sich psychisch häufig gut, stören sich aber an den somatischen Beschwerden. Nicht erlebbare Aggressivität, Scham- und Schuldgefühle sind häufige Auslöser. Ca. 1/3 der Patienten gehen im Anschluss in eine Psychotherapie. Was sind Therapiebestandteile? Symptome ausgelöst durch innere abgewehrte Emotionalität: Im Gespräch (z.B. wöchentliche Therapiesitzungen) soll das, was nicht ausgelebt werden kann, zunehmend zugelassen werden. Traumatisierung Strukturbezogene Störungen. Theorie: Jeder Mensch hat psychische Ich-Funktionen zur Regulation von Beziehungen. Diese können durch bestimmte Einflüsse gestört werden. Wenn dann die Kompensationsmechanismen ausfallen, kommt es zu körperlichen Beschwerden. Spontanheilungsrate: 50% nach einigen Monaten. Für die anderen 50% wird eine Therapie erforderlich. Stand der Forschung Sehr komplex und schwierig zusammenzufassen, da sehr viele verschiedene Forschungsfelder (Psychotherapieforschung, Psychoneuroimmunologie, Hirnforschung) beteiligt sind. Psychotherapieforschung: Forschung zur Verbesserung der Symptomatik Psychoneuroimmunologie: Einfluss der Psyche auf das Immunsystem. Gestresste Menschen haben beispielsweise ein fünffach erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Erkältungsviren. Hirnforschung: Buchempfehlung „Wie das Gehirn die Seele macht“ von Gerhard Roth. Zwei Therapiephasen: • 1. Phase: Patienten sind froh in Behandlung zu sein. Es kommt zur Oxytocin-Ausschüttung. Dies wirkt dem Stressphänomen entgegen. • 2. Phase: Hier ist entscheidend, wie gut Arzt und Patient an dem Problem arbeiten können, um nachhaltig Umstrukturierungen zu schaffen, die sich auch an den Synapsen bemerkbar machen würden. Erfolgschancen Psychodynamische Psychotherapie: Orientiert sich an den inneren Kräften. Verhaltenstherapie: Besser untersucht. Mehr evidenzbasiert. Goldstandard bei Phobien. Eine Studie von dem Herrn Solms zeigt, dass die Hälfte der Therapien zu einem Rückgang der Symptome führen. Je länger eine Therapie durchgeführt wird, desto nachhaltiger ist das Ergebnis. Die andere Hälfte fühlt sich subjektiv besser. Die Therapie führt zu einem besseren Verständnis der Symptome und hilft diese zu Bewältigen. Für den Behandlungserfolg ist es außerdem wichtig, dass der Therapeut und der Patient „zueinander passen“. Der Patient sollte sich gut aufgehoben fühlen. Wie spricht man das Thema Psychosomatik bei Patienten, die möglicherweise an einer somatoformen Störung leiden, an? Fragen, ob der Patient sich andere Ursachen vorstellen kann. Man sollte Aussagen wie „Wir haben nichts gefunden“ vermeiden. Stattdessen könnte man sagen, dass man mit den Mitteln des Fachbereichs keine Organveränderungen feststellen konnte. Darauf hinweisen, dass es wohl keine Erkrankung aus dem z.B. neurologischen Spektrum sei, aber möglicherweise aus dem Bereich der Psychosomatik. Die verschiedenen Ebenen, die zu einer Erkrankung führen können, aufgreifen (Biopsychosoziales Modell). Parallel durchgeführte Diagnostik (z.B. Bildgebung und psychosomatische Erstvorstellung) führt später zu einer höheren Akzeptanz von psychosomatischen Erkrankungsbildern. Wenn Ihr an psychiatrischen Themen interessiert seid, hört Euch bitte unbedingt den PsychCast von Dr. Alexander Kugelstadt und Dr. Jan Dreher an! Mit Jan Dreher haben wir von Klinisch Relevant bereits einen Podcast zum Thema Alkohol-Folgeerkrankungen veröffentlicht: "Akute und Chronische Alkoholfolgeerkrankungen - mit Dr. Jan Dreher"

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