

Slow German
Annik Rubens
In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.
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Jan 6, 2026 • 10min
Rosa Luxemburg – SG 314
Heute stelle ich dir wieder eine wichtige Person aus der deutschen Geschichte vor. Es geht um eine bedeutende Frau: Rosa Luxemburg. Hast du ihren Namen schon einmal gehört?
Rosa Luxemburg war eine politische Denkerin und Aktivistin. Sie lebte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit hatten viele Menschen in Europa große soziale Probleme. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter waren arm und mussten unter schlechten Bedingungen leben. Gleichzeitig wuchsen die Industrie und die Städte sehr schnell. Rosa Luxemburg beschäftigte sich ihr ganzes Leben mit Fragen von Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden.
Rosa Luxemburg wurde 1871 im heutigen Polen geboren. Damals gehörte diese Region zum Russischen Reich. Ihre Familie war jüdisch. Schon als Kind war Rosa sehr klug und wissbegierig. Sie lernte früh lesen und schreiben. Mit etwa fünf Jahren wurde sie schwer krank. Ein Jahr lang musste sie im Bett bleiben. In dieser Zeit las sie sehr viel und lernte noch mehr. Ganz gesund wurde sie danach nicht mehr. Sie hatte ihr Leben lang Probleme beim Gehen. Trotzdem gab sie nicht auf.
Schon als junge Frau interessierte sich Rosa Luxemburg stark für Politik. Sie trat noch als Schülerin einer marxistischen Gruppe bei und las die Texte von Karl Marx. In Polen gab es damals wenig Freiheit. Menschen mit kritischen Meinungen wurden verfolgt. Deshalb musste Rosa Luxemburg das Land verlassen. Sie ging in die Schweiz, um dort zu studieren. In Zürich studierte sie mehrere Fächer, zum Beispiel Philosophie, Geschichte und Wirtschaft. Zu dieser Zeit war es für Frauen noch sehr ungewöhnlich, an einer Universität zu studieren.
In der Schweiz lernte Rosa Luxemburg viele andere Sozialisten kennen. Sie war der Meinung, dass der Kapitalismus viele Menschen benachteiligt. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihrer Ansicht nach mehr Rechte haben. Sie glaubte, dass es echte Demokratie nur geben kann, wenn es auch soziale Gerechtigkeit gibt. Wichtig war ihr, dass Menschen selbst denken und eigene Entscheidungen treffen. Sie lehnte blinden Gehorsam und Gewalt durch den Staat ab. Sie war gegen den Zarismus, gegen den Kapitalismus und gegen monarchische Herrschaftsformen in Europa.
Später zog Rosa Luxemburg nach Deutschland. Sie ging eine formale Ehe ein, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. In Deutschland arbeitete sie in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Sie schrieb viele Texte und hielt Reden vor großen Gruppen. Oft kritisierte sie dabei auch ihre eigene Partei. Sie meinte, dass kleine Reformen nicht ausreichen, um die Gesellschaft wirklich zu verändern. Gleichzeitig war sie auch gegen schnelle und gewaltsame Revolutionen. Sie glaubte an die Stärke der vielen Menschen, aber auch an Freiheit und offene Diskussionen. Wegen ihrer Reden gegen Krieg und Monarchie wurde sie mehrmals verhaftet und kam ins Gefängnis.
Der Frieden war für Rosa Luxemburg besonders wichtig. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, unterstützten viele Parteien den Krieg. Rosa Luxemburg war entschieden dagegen. Sie nannte den Krieg ein großes Verbrechen. Wegen ihrer Haltung wurde sie wiederholt ins Gefängnis gebracht. Auch dort schrieb sie Briefe und politische Texte. In ihren Briefen sieht man, wie sehr sie die Natur liebte und wie viel Mitgefühl sie für Menschen und Tiere hatte.
Während des Krieges gründete sie zusammen mit Karl Liebknecht den Spartakusbund. Diese Gruppe kämpfte gegen den Krieg und gegen die alte politische Ordnung. Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1918 veränderte sich Deutschland stark. Der Kaiser musste abdanken, und viele Menschen hofften auf mehr Demokratie und bessere soziale Rechte.
In dieser Zeit war Rosa Luxemburg an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beteiligt. Sie wollte eine sozialistische Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und freien Wahlen. Sie warnte davor, Zeitungen zu verbieten oder andere Meinungen zu unterdrücken. Für sie war klar: Freiheit muss auch für Menschen gelten, die anders denken. Ihr wohl bekanntestes Zitat ist: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.“
Im Januar 1919 kam es in Berlin zu schweren Kämpfen, heute bekannt als Spartakusaufstand. Hier entwickelten sich revolutionäre Massendemonstrationen der Linken hin zu bürgerkriegsähnlichen Straßenkämpfen mit Regierungstruppen. Viele Menschen starben. Rechte Freikorps ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919, weil sie als Anführer galten. Ihr Tod erschütterte viele Menschen in Deutschland und darüber hinaus. Eine Million Menschen sollen an Rosa Luxemburgs Beerdigung teilgenommen haben.
Rosa Luxemburg hinterließ zahlreiche Texte und Briefe. Bis heute werden ihre Schriften gelesen und diskutiert. Manche Menschen bewundern sie, andere lehnen ihre politischen Ideen ab. Sicher ist jedoch: Sie war eine der bekanntesten politischen Denkerinnen ihrer Zeit. Und jedes Jahr im Januar gedenken die Menschen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin bei einer großen LL-Demo.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg314kurz.pdf

Dec 23, 2025 • 13min
Die Justiz in Deutschland – SG 313
Mit Anfang 20 habe ich bei einer Zeitung gearbeitet. Eine meiner Aufgaben war es, über Gerichtsverfahren zu berichten. Ich bin also zum Amtsgericht gegangen, habe mich in eine Verhandlung gesetzt und zugehört. Danach habe ich darüber einen Artikel geschrieben. Ich fand diese Termine immer besonders interessant. Wieso begehen Menschen Straftaten? Was bringt sie dazu? Heute geht es also um die Justiz in Deutschland.
Die Justiz in Deutschland kümmert sich um Recht und Gerechtigkeit. Sie soll dafür sorgen, dass Konflikte friedlich gelöst werden und dass sich alle an die Gesetze halten. Trotzdem besteht die Justiz nicht nur aus strengen Richtern, sondern aus vielen verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Aufgaben.
Zunächst mal ein Blick zurück. Schon sehr früh in der Geschichte gab es in den deutschen Gebieten Regeln und Gerichte. Im Mittelalter hatten Könige, Fürsten und Städte ihre eigenen Gerichte. Oft war Recht damals nicht gleich Recht. Arme Menschen hatten schlechtere Chancen als reiche. Manchmal entschieden auch Aberglaube oder Macht über Schuld oder Unschuld. Es gab zum Beispiel Gottesurteile. Dabei musste eine Person eine schwere Prüfung bestehen, etwa über glühende Kohlen laufen. Überlebte sie, galt sie als unschuldig. Aus heutiger Sicht wirkt das sehr grausam und unfair.
Im 19. Jahrhundert änderte sich vieles. Es entstanden moderne Gesetze, und der Staat übernahm mehr Verantwortung. Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurden viele Regeln vereinheitlicht. Gerichte arbeiteten nach festen Verfahren, und Urteile sollten besser begründet sein. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Gerichte missbraucht. Viele Richter folgten der Politik und sprachen ungerechte Urteile. Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb klar: Eine neue, unabhängige Justiz ist sehr wichtig.
Heute basiert die Justiz in Deutschland auf dem Grundgesetz. Darin steht, dass alle Menschen gleich sind vor dem Gesetz. Richter sind unabhängig. Das bedeutet, sie dürfen keine Befehle von der Politik annehmen. Sie sollen nur nach dem Gesetz und nach ihrem Gewissen entscheiden. Das ist ein zentraler Gedanke des Rechtsstaates.
In einem Gerichtsverfahren gibt es verschiedene Rollen. Der Richter oder die Richterin leitet die Verhandlung und spricht am Ende das Urteil. Richter haben lange studiert und eine spezielle Ausbildung gemacht. Sie sollen ruhig bleiben und beide Seiten anhören. In manchen Verfahren sitzen neben dem Richter auch Schöffen. Schöffen sind normale Bürgerinnen und Bürger ohne Jura-Studium. Sie bringen die Sicht der Gesellschaft ein und entscheiden gemeinsam mit dem Richter. Schöffen machen das ehrenamtlich, also ohne Geld dafür zu bekommen. Sie werden für fünf Jahre gewählt. Warum es sie gibt, steht im Grundgesetz. Dort heißt es: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Also darf das Volk – in diesem Fall vertreten durch einzelne Menschen – auch mitentscheiden.
Welche Personen gibt es noch im Gerichtssaal? Der Staatsanwalt vertritt den Staat. Er ermittelt bei Verdacht auf eine Straftat und bringt den Fall vor Gericht. Oft nennt man ihn auch „Ankläger“. Er soll nicht nur belastende, sondern auch entlastende Fakten suchen. In Filmen wirkt der Staatsanwalt manchmal sehr aggressiv, aber in Wirklichkeit hat er eine sachliche Aufgabe. Er soll helfen, die Wahrheit zu finden.
Der Rechtsanwalt oder die Rechtsanwältin vertritt eine Partei. Das kann der Angeklagte sein oder auch ein Opfer. Anwälte beraten ihre Mandanten, erklären das Gesetz und sprechen vor Gericht für sie. Manchmal versuchen sie, einen guten Vergleich zu finden, damit es gar nicht zu einem langen Prozess kommt. In Deutschland darf jeder Beschuldigte einen Anwalt haben. Das ist ein wichtiges Recht. Wenn jemand kein Geld hat, kann er unter bestimmten Bedingungen Hilfe bekommen.
Dann gibt es natürlich noch Zeugen. Die Zeugen sind Menschen, die die Tat gesehen haben oder den Angeklagten gut kennen. Sie dürfen nicht lügen und müssen alle Fragen korrekt beantworten. Allerdings wurde wissenschaftlich gezeigt, dass man den Aussagen von Zeugen nicht immer vertrauen kann. Gerade was das Aussehen eines Täters angeht, spielt uns da das Gedächtnis manchmal einen Streich.
Es gibt übrigens verschiedene Arten von Gerichten. Strafgerichte beschäftigen sich mit Straftaten wie Diebstahl oder Betrug. Zivilgerichte entscheiden bei Streit über Verträge, Geld oder Nachbarschaftsprobleme. Verwaltungsgerichte befassen sich mit Konflikten zwischen Bürgern und dem Staat, zum Beispiel bei Bauprojekten.
Machen wir es noch genauer. Fangen wir an beim Zivilrecht. Das sind also Streitigkeiten unter Bürgern. Zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall oder bei einem Streit unter Nachbarn. Ich war damals bei der Zeitung wie gesagt am Amtsgericht. Das Amtsgericht ist zuständig für Streitigkeiten mit einem Wert bis 5000 Euro. Beim Landgericht geht es um Fälle über 5000 Euro Streitwert. Zwei höhere Instanzen sorgen dann für Überprüfungen oder Beschwerden. Dann gibt es noch Strafverfahren. Da geht es also nicht um Streitigkeiten, sondern zum Beispiel darum, dass die Polizei einen Täter gefasst hat. Zum Beispiel einen Einbrecher.
Die Justiz arbeitet oft langsam. Viele Menschen klagen darüber. Verfahren können Monate oder sogar Jahre dauern. Das liegt an vielen Regeln, an sorgfältiger Prüfung und an der großen Zahl von Fällen. Und es ist auch ein Problem, dass es sehr viel Bürokratie in diesem Bereich gibt.
Auch die Sprache im Gericht ist besonders. Sie ist oft kompliziert und schwer zu verstehen. Deshalb versuchen manche Gerichte heute, einfacher zu sprechen und besser zu erklären. Denn Gerechtigkeit funktioniert nur dann gut, wenn die Menschen auch verstehen, was passiert.
Noch ein Wort möchte ich dir in diesem Zusammenhang beibringen: Bewährung. Angenommen, ein Mann steht vor Gericht. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, was passiert: Es kann einen Freispruch geben, wenn das Gericht ihn für nicht schuldig hält oder es nicht genügend Beweise gegen ihn gab. Er kann auch verurteilt werden zu einer Gefängnisstrafe. Gefängnis heißt korrekt Justizvollzugsanstalt. Und dann gibt es noch die Bewährung. Wenn die Freiheitsstrafe, also die Zeit im Gefängnis, unter zwei Jahren ist, kann das Gericht sie auf Bewährung aussetzen. Der Richter muss also überlegen, wie es mit dem Täter weitergeht. War es eine Tat, die er wahrscheinlich nicht wiederholen wird? Dann kann die Strafe auf Bewährung erfolgen. Das heißt: Er kommt nicht ins Gefängnis. Er darf aber auch nicht wieder etwas ähnliches machen, sonst muss er eben doch ins Gefängnis. Wenn der Täter auf Bewährung frei lebt, muss er sich an bestimmte Regeln halten.
Mich hat besonders fasziniert, wenn Jugendliche vor Gericht standen. Die Richter waren in diesen Fällen sehr streng, aber auch verständnisvoll. Sie haben nicht versucht, zu bestrafen, sondern bei den Jugendlichen wirklich Verständnis für ihre Tat zu wecken. Damit sie es eben nicht wieder tun.
Wahrscheinlich könnte man noch viel mehr zu diesem Thema sagen – aber die Folge ist jetzt schon lang. Ich hoffe jedenfalls, dass ihr nie mit dem Gericht in Konflikt kommt.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg313kurz.pdf

Dec 9, 2025 • 9min
Vorurteile / Stereotype über Deutschland – SG 312
Wir alle haben Vorurteile oder Stereotype. Das bedeutet, dass man über andere Menschen denkt, sie seien alle gleich. Man glaubt also, etwas über eine ganze Gruppe zu wissen, obwohl man nur wenige Personen kennt. Stell dir zum Beispiel einen Franzosen vor. Was siehst du? Du siehst einen Mann in einem gestreiften Oberteil mit einer Baskenmütze auf dem Kopf und einem Baguette unter dem Arm, oder? Wenn’s geht spielt er noch Akkordeon. Das ist das typische Klischee eines Franzosen. Wobei ich sagen muss: Ich habe sehr gelacht, als ich diesen Sommer in Frankreich war. Denn dort hatten abends wirklich viele Menschen ein Baguette unter dem Arm!
Vorurteile und Stereotype gab es schon immer. Früher reisten die Menschen viel weniger. Sie kannten andere Länder vor allem aus Erzählungen, aus Büchern oder von Händlern. Wenn jemand sagte: „Die Menschen in diesem Land sind so oder so“, glaubten das viele. So entstanden einfache Bilder im Kopf. Und viele halten sich bis heute.
Überleg mal, wie für dich der typische Deutsche aussieht. Was er macht. Was er trinkt. Was er gerne isst. Na, hast du ein Bild vor Augen? Gehen wir es mal durch! Mal sehen, ob ich erraten habe, an welche Vorurteile du gerade gedacht hast.
Ein bekanntes Vorurteil ist, dass alle Deutschen pünktlich sind. Es stimmt, dass Pünktlichkeit in Deutschland wichtig ist. Viele Menschen erwarten, dass Züge, Busse oder Verabredungen genau zur richtigen Zeit beginnen. Allerdings hat diese deutsche Charaktereigenschaft ein Problem: Sie passt nicht zur Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn ist leider bekannt dafür, dass sie ein Problem mit der Pünktlichkeit hat. Im Oktober 2025 hatte jeder zweite Fernzug in Deutschland Verspätung. Grund dafür sind viele Baustellen und das marode, also kaputte, Schienennetz.
Ein weiteres Stereotyp ist, dass Deutsche sehr ernst sind und nicht viel lachen. Viele Besucher sagen, Deutsche seien höflich, aber distanziert. Auch dieses Bild stimmt nur teilweise. Es gibt Menschen, die ernst sind, aber auch viele, die gerne Witze machen oder fröhlich sind. Oft braucht man in Deutschland einfach etwas Zeit, bis man jemanden gut kennt. Danach öffnen sich viele Menschen und sind herzlich. Das heißt aber nicht, dass Deutsche unfreundlich sind. Es ist nur eine andere Art, mit neuen Personen umzugehen. Gibt es also deutschen Humor? Ich sage: Ja. Ich kann über Kabarettisten wie Jochen Malmsheimer oder Loriot wirklich Tränen lachen.
Kommen wir dazu, wie Deutsche aussehen. Denkst du an Lederhose, Dirndl und Bierkrug? Viele Touristen denken noch heute, dass alle Deutschen so aussehen und jeden Tag Bier trinken. Dabei ist die Lederhose eine Tradition aus Bayern, also aus dem Süden des Landes. In vielen anderen deutschen Regionen trägt niemand solche Kleidung. Trotzdem ist die Lederhose weltweit ein Symbol für Deutschland geworden. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein kleiner Teil eines Landes plötzlich für das ganze Land steht. Kurios ist, dass manche Menschen aus dem Ausland bei ihrem Besuch in Berlin enttäuscht sind, weil dort kaum jemand eine Lederhose trägt. Sie hatten etwas anderes erwartet. Übrigens trinken die Menschen in vielen Regionen Deutschlands auch viel lieber Wein als Bier. Das kommt einfach darauf an, wo Weinberge existieren und wo eher Hopfengärten.
Auch innerhalb Deutschlands gibt es Stereotype über bestimmte Regionen. Zum Beispiel sagt man über Menschen aus Norddeutschland, dass sie ruhig und wenig gesprächig sind. Über Menschen aus Süddeutschland sagt man, sie seien besonders gemütlich. Solche Vorurteile können unterhaltsam sein, wenn man sie nicht zu ernst nimmt. Problematisch werden sie, wenn Menschen andere nur nach solchen Bildern beurteilen.
Viele Vorurteile entstehen, wenn man etwas nicht kennt oder wenn man Angst vor Neuem hat. Deshalb ist es wichtig, andere Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Immer wieder nutzten politische Gruppen negative Stereotype, um Menschen zu trennen und zu verletzen. Heute versuchen viele Organisationen, Schulen und Projekte in Deutschland, über dieses Thema aufzuklären. Sie erklären, wie Stereotype entstehen und wie man sie erkennt.
Ich finde es seltsam zu sehen, wie Deutsche in Filmen oder Serien dargestellt werden. Eigentlich reden sie alle wie Adolf Hitler, oder? Sie sind selten freundlich, sondern meistens eher die Bösen. Ach ja, und noch ein Stereotyp muss ich hier mal aus dem Weg schaffen: Ich esse höchstens ein Mal pro Jahr Sauerkraut.
Jetzt bin ich aber vor allem gespannt, welche Vorurteile du über Deutschland hast. Oder gerne auch welche Vorurteile du früher hattest – aber jetzt nicht mehr! Schreib bitte in die Kommentare auf slowgerman.com!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg312kurz.pdf

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Nov 25, 2025 • 11min
Ode an die Freude – SG 311
Die Ode an die Freude hat ihren Ursprung in Schillers Gedicht über Freiheit und Menschlichkeit. Beethoven, fasziniert von diesen Themen, vertonte es trotz seiner Taubheit und schuf so ein Meisterwerk. Die Melodie, nun Europahymne, wird weltweit bei Veranstaltungen verwendet. Schiller, der seinen Text als pathetisch ansah, bleibt dennoch relevant, und seine Kritik an der Gesellschaft ist heute aktueller denn je. Ein Appell für Hoffnung und Zusammenhalt zieht sich durch die Gespräche. Besondere Anekdoten aus Japan runden das Thema ab.

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Nov 11, 2025 • 10min
Die Olympischen Spiele und Deutschland – SG 310
Die Olympischen Spiele sind ein faszinierendes Thema, das Annik Rubens lebhaft diskutiert. Sie beleuchtet die antiken Ursprünge in Olympia und die Bedeutung von Fairness und Völkerverständigung. Besonders spannend ist die Eröffnung in Paris sowie Deutschlands Teilnahme seit 1896, inklusive der dramatischen Spiele von 1936 und dem Attentat von 1972. Auch Münchens Bewerbung für zukünftige Spiele wird thematisiert. Annik fragt die Zuhörer, ob sie Fans der Olympischen Spiele sind!

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Oct 28, 2025 • 8min
Die Römer in Deutschland – SG 309
Annik erzählt von ihrer enttäuschenden Kindheitserinnerung an ein Römerkastell und leitet zur faszinierenden Geschichte der Römer in Deutschland über. Sie beschreibt die römische Expansion und die Bedeutung des Limes, der als Grenze diente. Hört mehr über die Gründung römischer Städte wie Trier und Köln, sowie den Einfluss der Römer auf Weinbau und Infrastruktur. Auch die Entstehung lateinischer Lehnwörter im Deutschen wird thematisiert. Annik teilt persönliche Erinnerungen an römische Badekultur und technische Innovationen wie Fußbodenheizung.

Oct 14, 2025 • 10min
Ignaz Semmelweis, Retter der Mütter – SG 308
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Ich habe letztens ein altes Familienfoto gesehen. Es zeigt Verwandte von mir vor ungefähr hundert Jahren oder mehr. Zu sehen sind ein grimmig dreinschauender Vater und eine sehr müde aussehende Mutter und viele, viele Kinder. Damals war es üblich, dass Frauen viele Kinder bekamen. Schuld war daran nicht nur die fehlende Verhütung, sondern auch die Kindersterblichkeit. Die Menschen wussten, dass viele ihrer Kinder nicht alt werden würden. Nur wenige schafften es bis ins Erwachsenenalter. Ich habe mir die Statistiken angesehen: Um das Jahr 1870 starb eines von vier Neugeborenen in seinem ersten Lebensjahr, also 25 Prozent. 1938 waren es noch 6 von 100 Lebendgeborenen, also nur noch 6 Prozent. Heute sterben nur noch etwa drei von 1.000 Kindern, also 0,3 Prozent. Das ist eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte.
Und auch bei den Frauen gab es positive Nachrichten: Während früher sehr viele Frauen im sogenannten Kindbett starben, also bei der Geburt oder kurz danach, ist das heute nur noch sehr selten. Dafür gab es viele Gründe, und über einen Grund möchte ich Dir heute mehr erzählen. In dieser wahren Geschichte geht es um einen Mann namens Ignaz Semmelweis.
Ignaz Semmelweis war ein Arzt, der im 19. Jahrhundert lebte. Er wurde 1818 in Budapest geboren. Damals gehörte Ungarn noch zum Kaiserreich Österreich. Er studierte Medizin in Wien und entschied sich als Spezialfach für die Geburtshilfe, also für die Betreuung von Frauen, die ein Kind bekommen. Nach seinem Studium begann er in Wien im Allgemeinen Krankenhaus zu arbeiten. Das war eines der größten Krankenhäuser Europas, und viele junge Ärzte wurden dort ausgebildet.
Im Krankenhaus gab es zwei Geburtsstationen. In der einen Station arbeiteten Ärzte und Medizinstudenten, in der anderen Hebammen, die dort ausgebildet wurden. Die Frauen wollten alle lieber zu den Hebammen gehen, und das hatte einen wichtigen Grund: Auf der Station der Ärzte starben viele Frauen nach der Geburt – bei den Hebammen war diese Zahl viel geringer. Niemand wusste, warum das so war. Die Ärzte dachten, es liege vielleicht an der Luft oder an der Angst der Frauen. Damals gab es viele Theorien, aber keine Beweise.
Ignaz Semmelweis wurde neugierig. Er wollte den Grund dafür herausfinden. Eines Tages starb sein Freund. Er war Pathologe gewesen und starb kurz nach einer Verletzung, die er sich bei einer Obduktion zugezogen hatte. Eine Obduktion ist die Untersuchung eines toten Menschen um herauszufinden, woran er gestorben ist. Der Freund hatte sich bei einer Untersuchung an der Hand verletzt, und kurz danach bekam er dieselben Symptome wie die Frauen, die im Krankenhaus nach der Geburt starben. Da hatte Semmelweis eine Idee: Vielleicht hatten die Ärzte etwas von den Toten auf die gebärenden Frauen übertragen. Die Ärzte machten nämlich Obduktionen, also Leichenuntersuchungen, und gingen danach ohne sich die Hände zu desinfizieren zu den Geburten. Hygiene galt als Zeitverschwendung. Manche wuschen sich nichtmal die Hände mit Wasser und Seife. Niemand fand das damals merkwürdig, es war ganz normal. Über Bakterien und andere Krankheitserreger wusste man damals noch nichts.
Semmelweis wollte herausfinden, ob seine Theorie richtig war. Er sagte den Ärzten und Studenten, dass sie sich die Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk waschen mussten, bevor sie in die Geburtsstation gingen. Und plötzlich geschah etwas Erstaunliches: Die Zahl der toten Frauen sank sehr schnell. Innerhalb weniger Monate starben fast keine Frauen mehr am sogenannten Kindbettfieber. Das war ein riesiger Erfolg.
Hat man Semmelweis dafür gefeiert und belohnt? Nein. Im Gegenteil. Die Ärzte glaubten ihm nicht. Sie fühlten sich angegriffen. Denn die Theorie sagte ja im Grunde, dass sie selbst schuld waren am Tod vieler Frauen. Das wollte natürlich kein Arzt hören. Außerdem konnte Semmelweis nicht wirklich erklären, warum das Händewaschen half – Bakterien waren noch nicht entdeckt. Erst später, durch die Arbeiten von Louis Pasteur, verstand man, dass winzige Lebewesen Krankheiten verursachen können. Doch Semmelweis hatte das Problem schon vorher gelöst, einfach durch Beobachtung und ein Experiment.
Er versuchte, seine Ideen bekannt zu machen, schrieb Briefe und Artikel, später sogar ein Buch über seine Erfahrungen. Aber viele Leute lachten über ihn. Er wurde nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass er mit allem recht hatte, doch zu seiner Zeit war er ein Außenseiter.
Nach einigen Jahren verließ Semmelweis Wien und ging zurück nach Budapest. Dort arbeitete er weiter als Arzt und führte das Händewaschen auch in der Geburtsstation seiner Heimatstadt ein. Wieder sanken die Todesfälle deutlich. Trotzdem bekam er keine Anerkennung. Viele seiner Kollegen mieden ihn, und er wurde immer einsamer. Gegen Ende seines Lebens war er sehr verbittert und krank. 1865 wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er nur wenige Wochen später starb – vermutlich an einer Blutvergiftung, also genau an der Krankheit, die er so oft verhindern wollte.
Erst Jahre nach seinem Tod erkannte die Welt, wie wichtig seine Entdeckung war. Heute gilt Ignaz Semmelweis als einer der Väter der modernen Hygiene. Händewaschen und vor allem die Hände zu desinfizieren gehört heute zu den einfachsten und wichtigsten Regeln der Medizin. Was heute selbstverständlich ist, war zu den Zeiten von Ignaz Semmelweis undenkbar. Gut, dass wir Menschen manchmal klüger werden und dazulernen.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg308kurz.pdf

Sep 30, 2025 • 10min
Arbeitslos in Deutschland – SG 307
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Warst du schon einmal arbeitslos? Ich zum Glück nicht. Bei mir geht das aber auch eigentlich nicht, denn ich bin eine sogenannte Freiberuflerin und daher selbständig. Das bedeutet, dass ich nicht angestellt bin. Ich bin meine eigene Chefin. Und ich habe immer viele Ideen für Projekte.
Arbeitslosigkeit ist aber ein Thema, das in Deutschland seit vielen Jahren wichtig ist. Immer wieder hört man in den Nachrichten Zahlen dazu. Aber was bedeutet Arbeitslosigkeit eigentlich? Ganz einfach: Wenn jemand arbeiten möchte, aber keinen Job findet, dann ist diese Person arbeitslos. In Deutschland meldet man sich dann bei der sogenannten Agentur für Arbeit. Früher hieß das Arbeitsamt. Dort bekommt man Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Und manchmal auch Geld vom Staat, damit man in dieser Zeit überleben kann.
Schauen wir mal in die Geschichte. Wie war es da mit der Arbeitslosigkeit? Besonders schlimm war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Damals war Deutschland arm und es gab sehr viele Menschen ohne Arbeit. Ab 1929 kam es dann zur Weltwirtschaftskrise. In dieser Zeit waren in Deutschland Millionen von Menschen arbeitslos. Viele Menschen standen stundenlang in Schlangen, um eine Suppe zu bekommen. Verglichen mit anderen Ländern ging es Deutschland in dieser Krise noch vergleichsweise gut. Es erreichte nach einigen Jahren als eines der ersten Länder wieder die sogenannte Vollbeschäftigung. Das bedeutet, dass alle Menschen, die Arbeit suchten, auch welche fanden. Es gab also so gut wie keine Arbeitslosigkeit. So toll war das aber gar nicht, denn die Arbeitsbedingungen waren oft schlecht und die Löhne sehr niedrig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sah die Lage zunächst auch nicht gut aus. Städte waren zerstört, Fabriken kaputt, viele Menschen auf der Flucht. Doch schon bald begann das sogenannte Wirtschaftswunder. In den 1950er-und 1960er-Jahren ging es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. Plötzlich fehlten Arbeitskräfte, weil es so viel Arbeit gab. Deswegen holte Deutschland sogenannte Gastarbeiter ins Land. Viele kamen aus Italien, Griechenland oder der Türkei. Sie halfen, die Wirtschaft aufzubauen. Dazu gibt es eine eigene Episode Slow German.
Vor der Corona-Pandemie waren die Zahlen der Arbeitslosigkeit in Deutschland sehr niedrig. Während der Corona-Zeit stiegen die Zahlen jedoch wieder an. Viele Geschäfte, Restaurants oder kleine Betriebe mussten schließen. Um die Menschen zu unterstützen, führte Deutschland das sogenannte Kurzarbeitergeld ein. Das bedeutet, dass Menschen zwar weniger arbeiten, aber einen Teil ihres Lohns trotzdem vom Staat bekommen. So verloren nicht alle sofort ihren Job.
2023 und 2024 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei ungefähr fünf bis sechs Prozent. Das bedeutet: Von hundert Menschen im Arbeitsalter sind etwa fünf bis sechs arbeitslos. Diese Quote schwankt aber, je nach Region. In Bayern oder Baden-Württemberg gibt es oft weniger Arbeitslose, weil dort viele große Firmen wie BMW, Audi oder Bosch sitzen. In anderen Regionen ist die Quote manchmal höher. Zum Beispiel sind es in Bayern nur knapp 4 Prozent, in Bremen aber fast 12 Prozent. Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass die Arbeitslosenquote im August 2025 bei 6,4 lag, bei Frauen war sie bei 6,2 und bei Männern bei 6,6. Und bei Jugendlichen unter 20 Jahren bei 5,8 Prozent. Wenn man das in absoluten Zahlen ausdrückt waren etwas mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Ich habe mal nachgesehen, wie es in anderen europäischen Ländern aussieht – in Spanien und Finnland ist es am schlimmsten, Deutschland ist eher auf den vorderen Plätzen, was Beschäftigung angeht.
Aber warum werden Menschen überhaupt arbeitslos? Manche verlieren ihren Job, weil die Firma schließen muss. Momentan wird oft die Weltwirtschaftslage als Grund angeführt, denn durch die Unsicherheit investieren viele Firmen nicht in Jobs. Manche Menschen können aber auch einfach nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, weil sich die Technik verändert hat. Ein Beispiel: Früher gab es in fast jeder Stadt Telefonzellen. Jemand musste sich um diese Telefone kümmern. Heute hat fast jeder ein Handy, und dieser Beruf ist verschwunden. Dafür entstehen aber auch neue Berufe, zum Beispiel im Bereich Computer oder erneuerbare Energien. Es kann auch passieren, dass man in seinem eigentlichen Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil man gesundheitliche Probleme hat. Auch psychische Probleme gehören natürlich dazu.
Ich erinnere mich übrigens noch an die sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, kurz ABM. Da erfand der Staat Jobs, um arbeitslosen Menschen eine Möglichkeit zu geben, einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Meistens waren das Jobs im sozialen Bereich oder auch im Umweltschutz. Kritik daran war, dass dadurch natürlich die Arbeitslosenstatistiken plötzlich viel besser aussahen. Heute ist die ABM noch ein geflügeltes Wort. Wenn jemand das Gefühl hat, eine Aufgabe erledigen zu müssen, die eigentlich nicht nötig ist, sagt er: Das ist sowieso nur eine ABM.
Heute bietet die Agentur für Arbeit viele Hilfsmöglichkeiten für Menschen, die arbeitslos werden. Zum Beispiel bietet die Agentur Kurse an, in denen Menschen lernen können, wie man Bewerbungen schreibt oder wie man sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet. Außerdem gibt es Umschulungen. Das bedeutet, dass man einen neuen Beruf lernen kann, wenn es in der alten Branche keine Jobs mehr gibt. Und unter bestimmten Bedingungen bekommt ein arbeitsloser Mensch auch Geld vom Staat. Die Bedingungen zähle ich jetzt hier aber nicht auf, das ist zu kompliziert.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg307kurz.pdf

Sep 16, 2025 • 11min
Gute deutsche Podcasts – SG 306
WERBUNG
Hast du bald eine Deutschprüfung und möchtest Dich vorbereiten? Dann bist Du hier im Podcast Slow German genau richtig. Ich habe aber noch einen Tipp für Dich: Die Prüfungstrainings DaF vom Cornelsen Verlag. Mit praktischen Tipps, Hinweisen und Modelltests kannst Du alleine üben und dann ganz entspannt in Deine Prüfung gehen! Und noch ein Tipp: Wenn du die deutsche Grammatik üben oder wiederholen möchtest, dann sind die Übungsbücher von Cornelsen perfekt, und zwar vom Level A1 bis C1. In diesen Büchern kannst Du jederzeit nachschlagen, wenn es um die deutsche Grammatik geht, und natürlich gibt es auch Hör- und Sprechübungen und Erklärvideos. Mehr zu den Grammatik aktiv Übungsbüchern und Prüfungstrainings von Cornelsen auf www.cornelsen.de und über den Link auf slowgerman.com.
Und jetzt zur Episode:
Seit 2007 mache ich diesen Podcast. Ist es also nicht höchste Zeit, dass wir hier auch mal über Podcasts sprechen? Ich erzähle dir erst etwas über die Geschichte der Podcasts und dann gebe ich dir Hörtipps, ok?
Anfang der 2000er-Jahre gab es die ersten Podcasts in den USA. Bald darauf sind wir auch hier in Deutschland gestartet. Ich bin seit 2005 dabei, damals gab es knapp 70 deutsche Podcasts. Heute sind es angeblich 70.000, das sagt zumindest Spotify.
Bei dieser Zahl ist also klar, dass es wirklich zu fast jedem Thema einen Podcast gibt. Und auch die Radiosender haben Podcasts für sich entdeckt und stellen ihre Sendungen ins Internet. Das finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie dann hören kann, wenn ich Zeit und Lust habe. Und ich finde es super, dass alle neuen Episoden meiner abonnierten Podcasts automatisch bei mir landen – ich muss sie nicht suchen. So vergesse ich auch nie, sie zu hören!
Laut Studien von 2023 hören mehr als 40 Prozent der Deutschen zumindest manchmal Podcasts. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sie regelmäßig. Ich sage dir jetzt ein paar Podcasts, die ich gut finde oder die sehr bekannt und beliebt sind. Es sind aber Podcasts, die natürlich für Muttersprachler gemacht sind – die meisten sind für dich wahrscheinlich noch zu schnell. Aber probier es einfach mal aus, vielleicht verstehst du ja doch etwas!
Wenn ich so überlege, würde ich sagen, dass vor allem zwei Formate in Deutschland sehr beliebt sind. Das eine sind die sogenannten True-Crime-Podcasts. Da wird also über wahre Kriminalfälle gesprochen, meistens über spektakuläre Mordfälle, die wirklich passiert sind. Ich persönlich mag solche Podcasts nicht. Zum einen machen sie mir Angst, zum anderen finde ich es komisch, über diese Schicksale von Menschen ein unterhaltsames Format zu machen. Aber das ist Geschmackssache. Vor allem Frauen in Deutschland lieben True-Crime-Podcasts. Wenn du mal einen solchen True-Crime-Podcast hören willst, empfehle ich dir „ZEIT Verbrechen“.
Das andere Format sind die Gesprächspodcasts. Ich nenne sie auch gerne Laberpodcasts. Labern ist ein umgangssprachliches Wort für „sprechen“. Meistens machen diese Art von Podcasts Männer. Sehr alt und sehr bekannt ist zum Beispiel „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Er gehört zu den meistgehörten Podcasts in Deutschland. Jan Böhmermann kennt man hier als Fernsehmoderator, Olli Schulz ist ein Singer-Songwriter. In ihrem wöchentlichen Podcast sprechen sie einfach über alles Mögliche, was ihnen gerade einfällt. Mit der Zeit hat man bei solchen Podcasts das Gefühl, die sprechenden Menschen zu kennen. Ebenfalls sehr bekannt ist „Baywatch Berlin“, da sprechen drei Männer. Und zwar sind das Klaas Heufer-Umlauf, Thomas Schmitt und Jakob Lundt. Klaas ist ein Fernsehmoderator, und die anderen beiden arbeiten mit ihm zusammen beim Fernsehen. Beide Podcasts sind lustig und schnell. Und in „Sträter & Streberg“ sprechen die beiden Freunde über Filme und Serien.
Wenn du dich eher für Politik interessierst, dann wäre die „Lage der Nation“ etwas für dich. Philip Banse und Ulf Buermeyer fassen in diesem Podcast jede Woche die wichtigsten Themen zusammen. Ebenfalls politisch, aber noch etwas unterhaltsamer, ist „Apokalypse & Filterkaffee“ von Micky Beisenherz und Kolleginnen und Kollegen. Dieser Podcast erscheint jeden Tag und ist ungefähr eine halbe Stunde lang.
Bei der Vielzahl an Podcasts finde ich es schwer, eine Auswahl zu treffen. Daher sage ich dir jetzt einfach, welche Podcasts ich besonders gerne höre. Die deutsche Zeitung „Die Zeit“ veröffentlicht eigentlich nur gute Podcasts. Sie sind von hoher Qualität, und man lernt eine Menge dazu. Zum Beispiel sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend in „Alles gesagt?“ mit einem bekannten Menschen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Wissenschaftlerin. Das Besondere an diesem Podcast ist, dass er so lange dauert, bis der Gast ein bestimmtes Codewort sagt. Dann ist er sofort vorbei. Manche Episoden dauern daher acht oder neun Stunden! Wenn du dich für Kunst interessierst, empfehle ich dir „Augen zu“, ebenfalls von der Zeit. Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sprechen in jeder Episode über einen Künstler oder eine Künstlerin und erzählen viel aus deren Leben.
Wenn dich eher Musik interessiert, dann hör doch mal in „Urban Pop – Musiktalk mit Peter Urban“ rein. Ausführlich wird hier über sehr bekannte Stars gesprochen, zum Beispiel über die Eagles, die Beatles oder Depeche Mode.
Es gibt auch gute deutsche Storytelling-Podcasts. Zuletzt hat mich „Legion“ sehr berührt. In sieben Episoden geht es da um die sogenannte Scamming-Industrie, also um Menschen, die anderen Menschen über das Internet Liebe vorgaukeln und sie dann dazu bringen, viel Geld zu überweisen. Dieser Podcast zeigt, was eigentlich hinter diesen Scams steckt, und es ist erschreckend. Super fand ich auch den „Seelenfänger“-Podcast, da geht es in mehreren Staffeln um verschiedene Sekten und wie diese es schaffen, Menschen zu beeinflussen. Oder „Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen“ über den bekannten Fall der Firma Wirecard. Die mittlerweile vierte Staffel dreht sich um den Chef Jan Marsalek und um die Frage, ob dieser ein russischer Spion ist oder war. Und noch ein letzter Tipp in dieser Art: „Der Germanwings-Absturz – Zehn Jahre ohne euch“. Wie kam es dazu, dass ein Pilot ein ganzes Flugzeug mit Menschen in den Tod riss?
Wenn du dich für Spione und Agenten interessierst, dann ist vielleicht „Dark Matters“ etwas für dich. Da geht es um die Geheimnisse der Geheimdienste. Und „Die Anschlags“ erzählt die wahre Geschichte eines russischen Ehepaares, das ganz normal in Deutschland gelebt hat und sich dann als Spione entpuppte.
Ich glaube, das sind jetzt genug Hörtipps, oder? Du sollst ja auch noch Zeit haben, Slow German zu hören! Was mich aber natürlich immer interessiert, ist die Frage: Welche Podcasts hörst du gerne? Schreib gerne in die Kommentare und gib uns Tipps. Es müssen nicht nur deutsche Podcasts sein!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg306kurz.pdf

Sep 2, 2025 • 8min
Die Firma SAP – SG 305
Heute erzähle ich dir etwas über eine der bekanntesten Firmen in Deutschland – und sogar auf der ganzen Welt. Sie heißt SAP. Der Name SAP steht für Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung. Die Firma stellt Software her, vor allem für andere Unternehmen. Mit dieser Software können Firmen ihre Arbeit besser organisieren – zum Beispiel bei der Buchhaltung, in der Produktion oder beim Personal. Bei meinem Arbeitgeber gibt es auch ein SAP-Portal, da kann ich zum Beispiel eintragen, wann ich in diesem Jahr Urlaub nehmen möchte. Weil ich die Firma wichtig finde, habe ich sogar Aktien von ihr gekauft – seitdem gab es aber nur Verluste. Zum Glück mache ich keinen Finanz-Podcast…
Gegründet wurde die Firma im Jahr 1972 in der Stadt Walldorf in Baden-Württemberg. Die Gründer waren fünf Männer, die vorher bei der Firma IBM gearbeitet hatten. Sie wollten ein neues System entwickeln, das alle wichtigen Bereiche wie Lohnabrechnung und Buchhaltung in einem Unternehmen verbindet. Damals war das eine neue Idee. Heute ist sie ganz normal.
Heute arbeiten weltweit über 100.000 Menschen bei SAP, in mehr als 100 Ländern. Die Firma ist also sehr groß. In Deutschland allein sind es über 30.000 Mitarbeitende. Viele arbeiten in Walldorf, wo das Unternehmen noch immer seinen Hauptsitz hat. Dort gibt es moderne Bürogebäude, viel Glas, große Kantinen – und sogar eine eigene Bushaltestelle.
Aber was genau macht SAP eigentlich? Ich habe versucht, das herauszufinden, und finde es sehr abstrakt. Die Firma entwickelt sogenannte ERP-Software. Das bedeutet: „Enterprise Resource Planning“. Mit dieser Software können Firmen viele Dinge gleichzeitig steuern – zum Beispiel Lager, Rechnungen, Bestellungen und Mitarbeiterdaten. Früher mussten Unternehmen dafür viele verschiedene Computerprogramme benutzen. Mit SAP geht alles in einem System. Große Firmen wie BMW, Lufthansa oder Coca-Cola nutzen SAP-Dienste, aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen.
Früher haben Kunden die Software gekauft und auf ihren eigenen Computern installiert. Heute läuft vieles über das Internet – du weißt sicher, dass man das Cloud nennt – auch im Deutschen. SAP bietet jetzt also viele Dienste in der Cloud an, damit Firmen flexibler arbeiten können.
Auch künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit spielen eine immer größere Rolle. Das fällt mir momentan eigentlich in jedem Bereich auf. Die KI wird häufig als Werkzeug benutzt, um Abläufe in Firmen zu beschleunigen. Oder auch um weniger Personal zu brauchen. Denn es gibt in Deutschland einen Fachkräftemangel. Aber das ist ein anderes Thema.
SAP ist jedenfalls ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland. Viele junge Menschen machen dort eine Ausbildung oder ein duales Studium. Das heißt: Sie studieren an einer Hochschule und arbeiten gleichzeitig bei SAP.
Auch sozial engagiert sich das Unternehmen stark. Ein besonderes Projekt war zum Beispiel „SAP One Billion Lives“. Ziel war es, mit digitalen Lösungen das Leben von einer Milliarde Menschen zu verbessern – zum Beispiel durch Apps für Gesundheit, Bildung oder Umweltschutz. Ich kann nicht einschätzen, ob das wirklich alles so gut ist oder ob es Greenwashing ist. Lassen wir es einfach so stehen.
Die Aktien der Firma werden jedenfalls an der Börse gehandelt und es ist sogar das wertvollste Unternehmen im DAX, also im deutschen Aktien-Index. Im Jahr 2025 gehörte es sogar zu den 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Wenn es der Firma gut geht, freuen sich die Aktionäre. Immerhin sind 83 Prozent der Aktien in sogenanntem Streubesitz. Das bedeutet, dass normale Menschen wie du und ich sie besitzen. Ich hoffe die anderen sind damit erfolgreicher als ich…
Klingt alles positiv? Schon. Aber es gab auch Kritik an der Firma. Es gab zum Beispiel einen Rechtsstreit mit der Firma Oracle. Journalisten fanden heraus, dass SAP geistiges Eigentum gestohlen haben soll. Außerdem hätten Mitarbeiter eine Forschungsgruppe ausspioniert. Und noch eine schlechte Nachricht: 2024 hat SAP bekanntgegeben, dass es weltweit bis zu 8000 Stellen streichen will. Es werden also Arbeitsplätze abgebaut. Und 2025 hat die Firma als erstes deutsches Unternehmen interne Diversitätsprogramme beendet – das hat etwas mit der Trump-Regierung zu tun. Ich will das alles nicht einordnen – ich wollte einfach nur, dass Du schonmal etwas von der Firma SAP gehört hast. Vielleicht hast Du ihre Produkte sogar schon benutzt, ohne es zu merken…
Also: Hast du schon einmal von der Firma gehört? Schreib gerne in die Kommentare!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg305kurz.pdf


