SWR Kultur lesenswert - Literatur

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Apr 27, 2025 • 11min

„Es fühlt sich oft nach einem Gefängnis an“: Slata Roschal über Aufenthaltsstipendien

Kein Bürostuhl, dafür Ungeziefer in der Wohnung. Von diesen Missständen in Schriftsteller-Residenzen schreiben Autorinnen und Autoren im Jádu Magazin, einer Online-Publikation des Goethe Instituts. Texte über Missstände bei Aufenthaltsstipendien Herausgegeben haben diese Reihe Katharina Bendixen und Slata Roschal. Wie Residenzstipendien funktionieren, erklärt Roschal im lesenswert Magazin. Konkrete Verbesserungsvorschläge Schon mit kleinen Verbesserungen könne man die Aufenthaltsstipendien für Schriftsteller und Schriftstellerinnen angenehmer gestalten, erzählt Roschal im Gespräch. Sie und Katharina Bendixen haben einige Vorschläge für Anbieter dieser Stipendien ausgearbeitet. Und auch das Bild, das viele von Autoren und Autorinnen hätten – als freie, ungebundene Genies ohne jegliche soziale Verpflichtungen - müsse verändert werden. Dafür setzt sich Roschal auch auf ihren Social Media Kanälen ein. Sie meint: „Das was wir brauchen ist einfach nur Interesse an den realen Arbeitsbedingungen der Schriftstellerei.“ Literarische Verarbeitung des Themas Gerade ist ihr neuer Gedichtband erschienen „Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt“. Hier bearbeitet sie die Themen rund um die Arbeitsbedingungen von Autoren und Autorinnen auch literarisch. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Lyrikerin hat zwei Romane veröffentlicht. Der erste - „153 Formen des Nichtseins“ - war für den Deutschen Buchpreis nominiert.
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Apr 27, 2025 • 8min

In Ann Cottens Schuhen: Die Edition Paratexte, ein Magazin für Literaturdinge

Abgelatscht und durchgestiefelt – diese Boots haben definitiv etliche Meilen auf dem Buckel: ein Paar schwarze Halbstiefel, die gesamte Fußpartie von den Zehen bis zur Ferse mit silbernem Gaffa-Tape umwickelt. Beim Anblick ihrer Schuhe, „dieser guten Kerle“, schreibt die Schriftstellerin und Lyrikerin Ann Cotten: „Vielleicht waren es meine ersten Schlüpfstiefel, ich war lange ein Schnürsenkelfascho, Klettverschluss ging wegen Ironie, aber seitliche Zippverschlüsse gingen mir nicht ein, ein No-Go. Aber das unglaublich zarte, weiche Leder dieser Stiefel, in denen ich mir wie ein verkommener Prinz vorkam, war, als schlotterten mir Alienwangen an den Knöcheln. Umso härter wurden sie rangenommen. Schon längst kein schöner Anblick mehr, aber immer noch die guten alten Handschuhe für den Fuß, wurden sie auf Reisen ad hoc geflickt, als sie auseinanderzufallen drohten, und vergnüglich so belassen.“ Der Kochtopf von Clemens Setz Jetzt liegen die Stiefel, die gut als Requisite für einen nächsten Blade-Runner-Film herhalten könnten, in einem Schuhkarton im Wohnzimmer von Richard Schumm. Der Literaturwissenschaftler hat ehemals am Deutschen Literaturarchiv in Marbach geforscht. Ebenso wie sein Kollege Martin Frank. Beide hatten immer schon viel Spaß an den Habseligkeiten berühmter Autorinnen und Autoren, die dort in so manchen grauen Archivboxen schlummern. Und dann stolperten sie plötzlich über einen Kochtopf auf dem damaligen Twitter-Account von Schriftsteller Clemens Setz, „der unterschiedlichste Dinge aus seinem Alltag fotografierte, die als Schreibanlässe gleich wirkten," erzählt Schumm. „Zum Beispiel sein Kochtopf, der auf dem Herd steht, und der auf ihn auf einmal wirkt wie ein Bär. Das notiert er im Jahr 2017. Er schreibt: mein Topf ist ein Bär – was schon wieder so klingt als hätte er das als Anfang genommen für eine Erzählung, die er schreiben könnte im Geiste Kafkas. Das haben wir gesehen und dachten: das ist eigentlich ein großer Kosmos, der gar nicht richtig bedient wird. Der findet nicht statt in der literarischen Öffentlichkeit.“ Mehr zu Clemens Setz: „Edition Paratexte“ – ein Magazin für Literaturdinge Ein Skandal! Um diese Lücke zu schließen, haben sich die beiden Literaturwissenschaftler auf ein mutiges Verlagsabenteuer eingelassen und die „Edition Paratexte“ gegründet: „Paratexte ist ein literaturwissenschaftlicher Begriff, den Gérard Genette in den 80ern geprägt hat. Eigentlich hat er damit gemeint: was um einen publizierten Text so herumsteht wie die Autorenbiographie auf der Umschlagseite, die Fotografie des Autors, der Autorin. Wir weiten den Begriff aus auf alle möglichen Dinge, die Autorinnen und Autoren rund um ihr Schreiben noch so benutzen. Der Kontext des Schreibens ist uns wichtig. Wir sind daran interessiert, die Werkstatt der Autorinnen und Autoren zu zeigen und einen Einblick zu kriegen in welchem materiellen Kontext entsteht ein Text.“ Flip Flops und getapte Boots – die „Schue“ von Ann Cotten Richard Schumm sortiert den kleinen Stapel Schuhkartons auf seinem Wohnzimmertisch: Ein paar rote Flip Flops, getragen in Westafrika, wie die Autorin vermerkt, ein Paar hellbraune Sommerschuhe aus Neuss und ein Paar fremde Schuhe aus einer Tauschbox in Wien. Auf der Suche nach einem Literaturding für ihre erste Ausgabe der „Edition Paratexte“ haben die beiden Verleger bei Ann Cotten angeklopft, die für ihre Experimentierfreudigkeit bekannt ist. Und so kam zu einer fast schon konspirativen Übergabe: „An einem U-Bahnhof in Neukölln traf ich mich mit einem Mittelsmann. Der übergab mir dann einen Aldi-Tüte. In dieser Aldi-Tüte war eine zweite Aldi-Tüte. Und in dieser Aldi-Tüte befanden sich sieben Paar Schuhe und ein einzelner Schuh.“ Profiling in der Schuhwerkstatt Schreiben und gehen sind zwei Disziplinen, die traditionell eine enge Verbindung auszeichnet. Ann Cottens Beziehung zu ihren Tretern scheint unter die Rubrik „rau, aber herzlich“ zu fallen und weckt damit durchaus das Interesse des in Stuttgart fast schon legendären Schuhmachermeisters Jaekel. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der Schuh-Collection kommt der Meister zu dem Schluss: „Ja, ich würde die gerne kennenlernen. Ich zeig ihr, wie man Schuhe putzt, wie man Schuhe pflegt, Schuhspanner benutzt. Damit sie ihre schönen Schuhe am Ende länger hat. Weil: sie liebt ihre Schuhe. Nur hat sie sie zusammengerissen. Ich würd mal sagen: Sie hat keine Zeit. Sie schiebts einfach raus. Sie weiß genau, dass es scheiße ist, was sie macht mit ihren Schuhen. Aber sie schiebts einfach raus und denkt, ja, irgendwann läuft mir ein richtiger Schuhmacher über den Weg. Und dann ist es ihr auch egal, ob sie 50 Euro mehr ausgibt für das ganze Reparaturgedöns. Sie will sie einfach wieder haben. Und das sind genau die Leute, die drei Prozent Menschen, die zum Schuhmacher gehen.“ Den Blick auf „das  Normale“  aufbrechen Der Besuch in der Werkstatt, skizziert in Dialogform gepaart mit dem trockenen Humor der beiden Verleger, die, ob der fast schon hellseherischen Fähigkeiten des Schuhmachermeisters, in Gedanken schon an einer neuen Wetten-Dass-Ausgabe basteln, ist nur einer der Highlights in diesem ersten Heft der Edition Paratexte. Der Band entpuppt sich als kleine literarische Wundertüte mit originellen Texten - geistreich, freakig – mit Gedankensplittern, Wortcollagen, Interviews und Gedichten. Es geht um Schuhe als Fetischobjekt, als persönliche Erinnerungsstücke. Der Schriftsteller Eckhart Nickel zum Beispiel steuert ein gesellschaftspolitisches Statement zum Thema Schuhe bei, der Autor und Filmemacher Alexander Kluge ein grafisches Gedicht und einen Essay über den letzten Tag des Philosophen Theodor W. Adorno: „Er fühlte sich schwach, brach Spaziergänge ab. Die NEUEN STIEFEL schienen nicht bequem. Er konnte das für sich als Grund annehmen, den „Dienst“, das heißt den ertüchtigenden Marsch ins Gebirge, für den heutigen Nachmittag hintanzusetzen. Sie bettete ihn in seinem Bett. Den Kriminalroman nahm er an. Als sie eine Stunde später nach ihm sah, war er tot.“ Mehr neue Bücher und Literaturthemen: Pfiffige Idee mit viel Entwicklungspotential Mit „Ann Cottens Schuhe“ hat die Edition Paratexte einen gelungenen Auftritt hingelegt und in der pfiffigen Idee steckt noch jede Menge spielerisches Entwicklungspotential. Verleger Richard Schumm inszeniert die Schuhe der Schriftstellerin für ein Porträtfoto, während der Parkettboden seiner Wohnung ächzt und knarrt, als wisse er um durchaus heftigen Wehen bei der Geburt der neuen Stuttgarter Edition. Denn in den Dingen, die die Autorinnen und Autoren aufgefordert sind, beizusteuern, liegt durchaus ein gewisser Sprengstoff. „Wir machen ja keine Vorgaben, was die Dinge angeht, nach denen wir fragen.  Wir sind auch darauf gefasst, irgendwann einmal alte Autoreifen zu bekommen. Die Schuhe haben uns natürlich überrascht. Der Gedanke, der uns kam, war: sind wir zu einer Art elaborierte Altkleidertonne oder ist das etwas, was man erst einmal durchdenken muss. Uns kam dann in den Sinn, dass der Schuh bei Heidegger zum Beispiel genau das Objekt ist, das an der Stelle steht zwischen Alltagsgegenstand und Kunstgegenstand. Vielleicht sind wir auch die Altkleidertonne. Das bleibt ein bisschen in der Schwebe. Aber in diesem Fall zeigt sich doch, wie das Material aus dem Schreibkontext noch einmal ganz neu einen Einblick gewährt in das Schreiben und in die Welt der Literatur.“
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Apr 27, 2025 • 8min

„Aus Schmerz entsteht oft Verbindung“ – Katja Riemann über „Nebel und Feuer“

Katja Riemann im Gespräch Nina Wolf: „Nebel und Feuer“: Im Nachwort verraten Sie, eigentlich sollte Ihr erster Roman ganz anders heißen… Katja Riemann: Das Buch ist geschrieben worden über einen relativ langen Zeitraum unter dem Arbeitstitel „Die Welt brennt“, dann haben wir uns umentschieden. Weil wir überzeugt waren, das sei nicht besonders verkaufsträchtig in Zeiten wie diesen. Und ich bin sehr glücklich mit dem neuen Titel. Nina Wolf: Die Welt brennt, das ist auch der Zustand von Johaenne. Sie steht im Mittelpunkt Ihres Romans, und ihre Welt ist auseinander gebrochen. Was ist Johaenne für eine Figur? Katja Riemann: Sie ist Musikerin. Vermutlich macht sie so etwas wie Jazz, ist Bassistin und Frontfrau einer Band, und der Mann ist aus ihrem Leben verschwunden, ohne ein Wort, als hätte es ihn niemals gegeben. Und als hätte es sie als Paar und die Liebe nie gegeben. Als hätte man quasi mit einem magischen Trick viele Jahre aus dem Leben radiert und da ist eine Leerstelle. Das, was mich interessiert, auch mit den anderen Figuren, die dann dazu stoßen, ist zu überprüfen, wie man mit dem Verlust, mit dem Kummer und dem ohnmächtigen Schmerz, wo man auf mich sich selbst zurückgeworfen ist, umgeht. Vier Frauen, die sich auch partiell gar nicht kennen, kommen in ein sogenanntes freiwilliges, digitales Detox in einem Haus auf dem Land. Sie wissen nicht, dass um sie herum die Welt tatsächlich brennt. Vier Frauen, viele Geschichten Nina Wolf: Eine Schicksalsgemeinschaft, Ayo, Jay, Shenmi, Johaenne, das sind ganz unterschiedliche Frauen, ganz unterschiedliche Lebensgeschichten, die Sie da erzählen. Sie kommen aus unterschiedlichen Milieus und Kulturen. Was hat Sie an den Perspektiven interessiert? Katja Riemann: Ayo ist in Johaennes Band. Sie ist in Nigeria geboren, und ihre Mutter hat sie mit zwölf Jahren nach Deutschland geschickt, zum Bruder der Mutter, und gesagt: ,Klassische Musik, das können die Deutschen. Darum musst du nach Deutschland, um dort zu studieren.‘ In der Recherche für Ayo interessierte mich zu schauen, wieviel POC in Deutschland in der Klassischen Musik am Klavier gibt es eigentlich. Dann gibt es Shenmi, eine Hongkong-Chinesin, gerade erst seit einem Jahr in Berlin. Sie hat Hongkong verlassen, weil die Ohnmacht über den Verlust ihrer Schwester, ihr die Luft abgeschnürt hat. Sie macht auch eine Entdeckungsreise zu ihrer eigenen Sexualität. Dann gibt es Jamal, genannt Jay. Aus Essen, eine Deutsche mit libanesischen Eltern. Sie ist verheiratet mit einem sehr aufbrausenden Mann. Wenn Sie mich fragen, warum diese Figuren, dann hat das wahrscheinlich auch immer damit zu tun, was man als Schreibende, als Autorin abbilden will. Auch, was die eigene Lebensrealität ist. Also, ich reise viel, ich fühle mich verbunden mit unterschiedlichen Kulturen, von denen ich bereichert werde. Und ich glaube, dass das eben auch eine Reflektion und Spiegelung unserer Zeit ist, die ja so angegriffen wird, in einer globalen, vielseitigen Gemeinschaft. In Deutschland, dem zweitgrößten Einwanderungsland der Welt. Ich glaube, da war ein Bedürfnis, eine Gesellschaft oder eine Gruppe zu erzählen, wo wir mal diese Narrative ändern. Eine bunte Vielfältigkeit von Leuten, die wahnsinnig in Verbindung gehen können: Über ihre eigenen Geschichten und vor allem über ihren Humor und ihre Fähigkeit, Zuneigung auszuüben. Ein dystopischer Roman? Nina Wolf: Was ist denn der Zustand der Welt im Roman? Katja Riemann: Das, was erfunden ist, ist eine globale Herausforderung: ein Nebel, der sich auf die Welt gelegt hat. Dazu passieren Feuer und Heuschreckenschwärme. Ich frage, wie umgegangen wird mit solchen Katastrophen. Wie das als feindselig betrachtet wird, aber auch ein Erkenntnisgewinn sein könnte. Oder sollte. Nina Wolf: Haben Sie eine Dystopie geschrieben? Katja Riemann: Ja, das ist eine gute Frage. Da sind Sie nicht der Erste, die mich das fragt. Ich würde sagen Nein und mich dagegen wenden, dass es eine dystopische Geschichte ist. Weil es natürlich sehr modern ist, Dystopien zu schreiben, weil, dann müssen wir uns nicht tatsächlich mit dem auseinandersetzen, was unsere Realität ist, wo uns das Wasser bis zum Halse steht. Das ist dann der schöne Grusel, quasi das Tanzen auf dem Vulkan. Der Zustand der Welt, von dem ich berichte, ist ausschließlich basierend auf Realitäten. Da hab ich nichts erfunden. Das habe ich nur verdichtet und zeitgleich spielen lassen. Freundschaften und Familien Nina Wolf: Die Frauen haben bewegte Lebensgeschichten. Sie finden Kraft in ihrer gegenseitigen Freundschaft, die aus dieser schicksalshaften Zusammenkunft entsteht. Weibliche Freundschaften, wollten Sie das erzählt? Katja Riemann: Ja, ganz sicherlich. Na ja, es muss gar nicht nur weibliche Freundschaft sein. In diesem Fall ist das jetzt halt so. Aber unser Leben ist so kurz. Wir sind alle hier gemeinsam drin in einer Gesellschaft und in einer Gemeinschaft. Es geht viel besser, wenn man das gemeinsam auch leistet. So, wie man sich interessiert für eine andere Person, so wird sich auch zurück interessiert für dich. Individualistisch zu sein ist wunderbar. Trotzdem brauchen wir die Gemeinschaft, die nicht zwingend eine Familie sein muss. Der Mikrokosmos einer Gesellschaft, das ist die Familie. Aber wenn wir ganz ehrlich sind: in der Familie, entsteht ja auch wahnsinnig viel Tumult, Trubel und Mord. Darum geht es bei mir eben: Nicht um eine Familie, sondern um Menschen, die sich füreinander interessieren.
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Apr 27, 2025 • 55min

So stehen die Sterne für die neuen Bücher von Katja Riemann, Martin Suter und Katja Kullmann

Neue Bücher von Katja Riemann, Martin Suter und Katja Kullmann
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Apr 27, 2025 • 6min

Katja Kullmanns „Stars": Über die Suche nach Ordnung in chaotischen Zeiten

Carla Mittmann liegt im Bett, als das passiert, was ihr Leben für immer verändern wird. Ein Klirren, ein Poltern und dann liegt ein Stein auf dem Holzboden ihrer Zweizimmerwohnung. Jemand hat ihn durchs Fenster geworfen. Und als Carla die Tür öffnet, steht da ein Karton, randvoll mit Dollarnoten. Auf dem Kartondeckel klebte ein Foto. Ein schlechter Computerausdruck, eine streifige Aufnahme von Pluto, dem umstrittenen Zwergplaneten. Ich erkannte ihn auf Anhieb, weil sein herzförmiger Krater deutlich zu erkennen war. Quelle: Katja Kullmann – Stars Ein Stein, ein Karton, zehn Riesen Zehntausend US-Dollar zählt Carla in dem seltsamen Karton. Sie hat keine Ahnung, wer ihr Stein und Geld geschickt hat, aber eine Vermutung: Hängt die ganze Aktion irgendwie mit „Cosmic-Charly“ zusammen? Das ist die kleine Horoskop-Website, die sie seit einigen Jahren nebenberuflich betreibt. War vielleicht einer ihrer Kunden mit dem Horoskop, das Carla verkauft hat, nicht zufrieden und hat ihr den Stein in die Wohnung geworfen? Aber warum dann der Karton mit den Dollars? Carla wird nicht schlau aus der Sache, zumal „Cosmic-Charly“ für sie eher ein Hobby war, ihr Geld verdient sie im Kundenservice einer Möbelfirma, Spezialbereich Behördenausstattung, Abteilung Reklamation und Nachbestellung - ein unaufregendes Angestelltendasein. Eine Übergangslösung hatte es einmal sein sollen, ein temporäres Notfallarrangement, und – nun ja: neun Jahre später hing ich immer noch dort, Frau Mittmann aus dem dritten Stock im Glasanbau, zweite Tür links vom Lift, Durchwahl 347. Quelle: Katja Kullmann – Stars Vom Mumpitz zur Berufung Und dabei hatte Carla mal große Pläne gehabt. Als Philosophiestudentin träumte sie von der akademischen Laufbahn, machte dann einen blöden Fehler und flog von der Uni, und nun ist sie „mittelalt“, kinderlos und nicht unglücklich, aber auch nicht glücklich. Doch der Stein und besonders der Karton mit den Dollars holen Carla aus ihrer Lethargie. Sie beschließt, ernsthaft ins Astrobusiness einzusteigen, nicht mehr als „Cosmic-Charly“, sondern als Carla Mittmann. Und das, obwohl sie gar nicht der spirituelle Typ ist. Astrologie hält sie eigentlich für Mumpitz, findet die Sterndeuterei nur aus soziologischen Gründen interessant. Ich hing daran, weil ich gerade nicht daran glaubte. Wohl glaubte ich aber, dass der Mumpitz ein Indiz war, ein Beleg für etwas, das sich nur schwer in Worte fassen ließ: ein anschaulicher Gradmesser für den alarmierenden Gemütszustand der Welt. Quelle: Katja Kullmann – Stars Carla deutet den seltsamen Geldsegen als Zeichen – und legt richtig los. Kündigt ihren Langweilerjob, stellt einen Businessplan auf und wird Vollzeitastrologin, nennt sich: Astrophilosophin – Startkapital hat sie ja jetzt. Und der Laden läuft bald hervorragend, denn Carla Mittmann ist gut in dem, was sie macht. Sie verkauft persönliche Beratungsgespräche und weil sie sich die Ängste und Hoffnungen ihrer Kundinnen und Kunden einfühlsam und mit echtem Interesse anhört, wird der Kundenstamm immer größer. Eine präzise Portion Gesellschaftsanalyse Es sind diese Stellen, an denen Katja Kullmanns in erster Linie unterhaltsamer Debütroman besonders stark ist. Katja Kullmanns Heldin hat ein feines Gespür dafür, wonach die Menschen sich sehnen in unserer chaotischen Zeit. In der Erzählung schwingt also auch immer eine gute und präzise Portion Gesellschaftsanalyse mit – Carla hat ein offenes Ohr und astrologische Tipps für alle: Sie steht der reichen Gattin bei ihrer anstehenden Scheidung bei, berät rüstige Rentner bei der Urlaubsplanung und gibt Tipps in Liebesdingen. „Sie sind dazu geschaffen, auch ohne festen Partner glücklich zu sein, liebe Linda“, sagte ich. „Wenn einer da ist, gut, wenn nicht, auch gut. „Schauen Sie“, ich zog den Ausdruck ihrer Radix aus der Tasche , „Ein prallvolles drittes Haus mit lauter schönen Platzierungen. Sie sind ganz schön beliebt, wette ich."Linda blickte auf die Grafik, blinzelte konzentriert und knetete ihre Hände. „Ja, stimmt schon. Bei der Linda ist immer was los, mit der Linda ist es nie langweilig“, sagen sie. „Und so soll es auch sein“, sagte ich. Quelle: Katja Kullmann – Stars Kosmisches Coaching und die Frage nach dem Sinn Carla Mittmann wird zur gefragten Star-Astrologin, tritt in Radio und Fernsehen auf, und ruft für ihre Dienste immer höhere Preise auf, sogar die Regierung berät sie bald in Sternendingen. Und je erfolgreicher ihr Astrobusiness wird, desto mehr glaubt auch Carla an sich, daran, dass die Sterne günstig für sie stehen, dass das Schicksal Großes für sie bereithält. Und sie nutzt ihre neuen Möglichkeiten sogar, um politisch Stellung zu nehmen, findet in ihrer Astrokolumne deutliche Worte zur Weltlage: In der zweiten Folge widmete ich mich Pluto: nach zwölf Jahren im Steinbock bewegte er sich in den Wassermann. Ein neuer Machttypus breche sich Bahn, schrieb ich, konservative Herrschaftsmodelle würden durch unkonventionelle Muster ersetzt- „siehe Elon Musk“. Quelle: Katja Kullmann – Stars Katja Kullmann erzählt mit leichter Hand, ironischer Distanz und echtem Mitgefühl von einer Frau, die sich neu erfindet und dabei viel über sich und ihre Mitmenschen lernt. Und haben wir uns nicht alle schon mal gefragt, was wohl aus uns geworden wäre, wenn wir bestimmte Abbiegungen im Leben nicht genommen hätten? Sprachlich punktet der Roman mit feinem Timing, präzisen Alltagsbeobachtung und einer Erzählerin, die gleichermaßen nüchtern wie nahbar wirkt. Am Ende offenbart sich zwar keine kosmische Wahrheit, aber vielleicht so etwas wie ein versöhnlicher Blick auf die Umwege, die das Leben manchmal nimmt.
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Apr 27, 2025 • 7min

Wenn Rotkäppchen mit dem Wolf knutscht. Angela Carter erzählt Märchen in „Die Blutige Kammer“ neu

Mit einem „Es war einmal“ beginnen die Märchen in diesem Band schon mal nicht. Nein, Angela Carter wirft uns mitten hinein in ihre dunklen, abgründigen Neuerzählungen. Mein Vater hat mich beim Kartenspielen an Das Biest verloren. Von den Kerzen tropfte heißes, beißendes Wachs auf meine nackten Schultern. Ich beobachtete das Geschehen mit dem grimmigen Zynismus von Frauen, die durch die Umstände gezwungen sind, still mit anzusehen, wie große Dummheiten begangen werden, während mein Vater, in seiner Verzweiflung durch das Höllenwasser befeuert, das sie hier »Grappa« nennen, sich Spielzug um Spielzug der letzten Reste meines Erbes entledigte. Quelle: Angela Carter – Die blutige Kammer „Die Schöne und das Biest“ neu erzählt „Die Schöne und das Biest“ – dieses Volksmärchen aus Frankreich erzählt die britische Autorin Angela Carter in zwei Versionen neu. In einer Variante verliert der Vater beim Kartenspiel nicht nur sein ganzes Geld an das Biest, sondern auch seine Tochter. Anders als in der französischen Vorlage gibt sich die Schöne bei Angela Carter nur widerwillig ihrem Schicksal hin und widersetzt sich den Forderungen des Biestes, das hier ein Tiger in einer karnevalesken Verkleidung ist. Nur einen Wunsch hat das Biest: Es möchte die Schöne nackt sehen. Ein Wunsch, über den sie nur abfällig lachen kann. „Sie geht halt genau dahin, wo es wehtut," sagt die Autorin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal. „Also, es ist tatsächlich so, die Leute damals haben das gelesen und teilweise gedacht, das können wir jetzt nicht im Radio vorlesen. Das hat sie getroffen, dieses „darf man das schreiben, darf man das sagen?“ Und ich dachte, es ist so viel Zeit vergangen, das wird kein Problem mehr sein. Und ich merke trotzdem, ich lese diese Märchen und denke, hui, das hätte ich mich jetzt nicht getraut, zu schreiben." Sanyal hat das Nachwort zur Neuausgabe von Angela Carters Märchenband „Die blutige Kammer“ geschrieben. 1979 ist es in Großbritannien erschienen und machte Carter schlagartig bekannt. Gewalt und Lust Dahin gehen, wo es wehtut, bedeutet bei ihr nicht einfach die Gewalt offenzulegen, die in Märchen steckt. Sondern auch die unterdrückte Lust der Heldinnen zu erforschen. Bei ihrer Version von „Die Schöne und das Biest“ verwandelt sich die Schöne am Ende in eine Tigerbraut, die sich lustvoll dem Biest hingibt, und zwar auf ihren eigenen Wunsch hin. Er hievte sich näher und näher an mich heran, bis ich den rauen Samt seines Hauptes an meiner Hand spürte, dann eine Zunge, spröde wie Sandpapier. Und jeder Strich seiner Zunge riss mir Hautschicht um Hautschicht ab, sämtliche Hautschichten eines irdischen Lebens, und übrig blieb eine wie neugeborene Patina glänzender Haare. Meine Ohrringe wurden wieder zu Wasser und rannen mir die Schultern hinab; ich schüttelte die Tropfen aus meinem schönen Fell. Quelle: Angela Carter – Die blutige Kammer Die Schöne entdeckt das Biest in sich „Sie wird am Ende auch zu dem Biest. Das ist ja vorgelegt in der Geschichte und das ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich das gelesen habe, dass die Schöne eben nicht ihren Märchenprinzen bekommt, sondern unter ihrer Haut, unter ihrer, wie so zivilisierten Schicht, liegt aber ihr eigenes Biest. Und das muss freigelegt werden," weiß Sanyal. Die Schichten freilegen, das tut Angela Carter in „Die blutige Kammer“. Darin greift sie Motive aus klassischen europäischen Märchen auf und deutet sie neu – manche sogar mehrfach, wie etwa das „Rotkäppchen“. „Es gibt eine Rotkäppchen-Variation, „Die Gemeinschaft der Wölfe“, wo in dem Moment, in dem das Rotkäppchen die Angst überwindet und sich mit ihrer eigenen auch animalischen Natur verbindet, gibt es eine Verbindung zu diesem Wolf und er wird sie nicht mehr auffressen, sondern sie werden Sex miteinander haben, sie werden sehr viel Spaß miteinander haben und sie werden auch ihre Wildheit gemeinsam ausleben können." Sie wird sein banges Haupt auf ihren Schoß betten, ihm die Läuse aus dem Fell klauben, vielleicht wird sie sich die Läuse auch in den Mund schieben und sie verspeisen, wenn er sie lieb darum bittet, wie in einer wilden Hochzeitszeremonie. Quelle: Angela Carter – Die blutige Kammer Mehr Mithu Sanyal: Erkunden von sexuellen Fantasien in der Literatur Die Lust an der Sexualität, aber auch die Lust an der Gewalt und Brutalität – diese Schichten legt Angela Carter frei. „Das sind eben nicht so klassische masochistische sexuelle Fantasien, sondern es ist ein sehr mutiges damit Spielen, bis wohin kann ich mit meinen sexuellen Fantasien gehen in der Literatur, bis wohin kann ich sie laut aussprechen." Angela Carter ist ihrer Zeit voraus Angela Carter sprengt damit die gesellschaftlichen und auch die literarischen Konventionen der 70er Jahre: Ästhetisch überladen, voll mit Adjektiven und durchzogen von großen Gefühlen sind ihre zehn Märchen. Diese hat Maren Kames in ihrer Neuübersetzung mitreißend ins Deutsche übertragen. Man kann die schneidende Winterkälte spüren und die Einsamkeit der Mädchen fühlen. Ein schwerer, strenger Duft nach Tieren und welken Blumen zieht sich durch den Band. Und mitten im Absatz wechselt auch mal die Erzählerstimme – aus einem „Ich“ wird ein „sie“ – aus der Verführten wird eine Täterin. Aus einem Ich, das sich rächt und befreit, wird eine Stellvertreterin für alle Frauen, die an den patriarchalen und sexistischen Verhältnissen leiden - ob im Märchen oder in der echten Welt. Angela Carter holt so die Mädchen und Prinzessinnen aus ihrer passiven Rolle und macht etwa aus dem hundert Jahre lang schlafenden Dornröschen eine hungrige, männermordende Vampirin. Das kam 1979 nicht bei allen gut an, auch nicht bei Feministinnen. Versteckt und verbannt Mithu Sanyal meint dazu: „Angela Carter macht nicht diesen Trick, Frauen mit Frauen in ein feministisches, lesbisches Paradies gehen zu lassen, sondern es geht immer um heterosexuellen Sex in allen Variationen, aber er bleibt heterosexuell. Nicht im Sinne von das ist die einzige Sexualität, sondern das ist die Sexualität, die sie in diesen vielen, vielen Märchen-Variationen erforschen möchte. Und da haben viele Feministinnen dieses Buch entweder verbannt oder mit so Stickern „Das ist Sexismus“ versehen oder tatsächlich in so braune Umschläge gepackt und nur so dann verkauft, was ich auch interessant finde. Also dieses Buch wurde als sehr potent, aber auch sehr gefährlich wahrgenommen." Feministinnen sind schockiert Märchen über Frauen, die neugierig und auf gefährliche Weise ihre entfesselte Sexualität erkunden – und welche Rolle Pornografie darin spielen kann, darüber schrieb Angela Carter später auch in einem Essayband. Mithu Sanyal erzählt: „Und darüber haben sich nochmal viel, viel mehr Menschen aufgeregt. Und gerade in den modernen Feminismen ist das ja etwas, was aufgegriffen wird, wo Leute ja sagen, genau da war sie ihrer Zeit wahnsinnig voraus. Sie war auch nicht die einzige, aber gerade in der britischen Literaturszene war sie absolut ein Stern darin." Ein Stern, der leider viel zu früh erlosch Anfang der 90er starb Angela Carter mit nur 52 Jahren an Lungenkrebs. Ihre Märchen gerieten in Vergessenheit. Ein Glück, dass sie nun wiederentdeckt werden können. Geht es heute um Märchen, so dominieren seit Jahrzehnten vor allem die Disney-Verfilmungen, erst als Zeichentrickfilme, nun in Realverfilmungen. In ihnen werden meist die klassischen Rollenverteilungen zwischen Frau und Mann zementiert, während die böse Stiefmutter in den Abgrund geschubst wird. Die schauerlichen Verhältnisse, die Angela Carter offenlegt, existieren also bis heute weiter.
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Apr 20, 2025 • 6min

Jiaming Tang – Cinema Love

Ein sehr spezielles Filmtheater im chinesischen Stadtbezirk Mawei, irgendwann in den Achtzigern. Das sogenannte „Arbeiterkino“ ist schmutzig und marode, das Programm beschränkt sich auf eine Handvoll Kriegsfilme. Aber ihretwegen kommt niemand hierher. Die nervösen Männer, die hier Abend für Abend auftauchen, sind keine Cineasten. Das Kino ist ein Ort, an dem eine bestimmte Art von Realität aussetzt. Wenn ein Mann mit der Hand die Finger eines anderen streift, ist dessen erste Reaktion, sie zu packen. Fest. (…) Im Kino spielt es keine Rolle, was die Eltern von einem erwarten. Der Vater, der will, dass der Stammbaum weitergeführt wird (wozu?), die Mutter, die unbedingt Enkelkinder will. Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love Safe Space für queere Männer Die Männer sind „Tongzhis“, was so viel wie „Kameraden“ bedeutet, ein Mandarin-Slangwort für Schwule. Und das Arbeiterkino ist der einzige Ort, wo diese Männer ihre Gefühle ausleben und sich einander anvertrauen können. Das liegt auch an der Kassiererin mit dem kaputten Fuß, Bao Mei, die liebevoll „Schwester Bao“ genannt wird, weil sie für alle ein offenes Ohr hat. Und die gegebenenfalls allzu neugierige Ehefrauen oder Polizisten abwimmelt. Mit anderen Worten: Das Maweier Arbeiterkino ist ein Safe Space, eine Wirklichkeit gewordene Utopie in einer Gesellschaft, in der Homosexuelle aus Familien verstoßen werden. Oder sich in ihrer Einsamkeit und Scham in lieblose Alibi-Ehen flüchten müssen, die meist auch noch von den Eltern arrangiert wurden. Sie alle (…) verlassen das Kino beschwingten Schrittes. Glücklich (…), wach und dem Leben zugewandt. Als hätte man ein Küchenfenster aufgedrückt, und die Kochdämpfe ziehen hinaus und eine frische Brise weht herein, süß wie Zuckerwasser. Und weil sie ihre Geschichten nicht in einer Sitzung loswerden, kommen die Männer wieder. Sie kommen wieder, um zu lieben und geliebt zu werden, um zuzuhören und gehört zu werden. Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love Einer dieser Männer ist Old Second. Der 20-Jährige – noch immer verfolgt vom angewiderten Blick seiner Mutter – findet im Arbeiterkino seine große Liebe, Shun-Er. Dass ihr Glück nur von kurzer Dauer ist, liegt an Shun-Ers Ehefrau, Yan-Hua. Letztere ist – neben Old Second und der Kassiererin Bao Mei – die dritte Hauptfigur von Jiaming Tangs eindrucksvollem Debütroman. Misstrauisch schleicht Yan-Hua ihrem Mann eines Abends nach. Erst als ihr die ihr nachhumpelnde Kassiererin aufgeregt erklärt, sie habe hier nichts verloren, geht der jungen Frau ein Licht auf. Es ist der Anfang einer Katastrophe, die alle drei für den Rest ihres Lebens traumatisieren wird. Und die sie sogar über Kontinente hinweg verfolgen soll. Denn in ihrem Zorn denunziert Yan-Hua das Kino bei Regierungsbeamten. Die warten nur auf einen Vorwand für den Bau eines prunkvollen Neubaus. Bald schon warten bezahlte Schläger auf die Kinogänger, und Shun-Er begeht Suizid. Als illegale Einwanderer in New York Jiaming Tang erzählt diese Vorgeschichte in wechselnden Perspektiven, in Rückblenden und Erinnerungen. Mit einem allwissenden Erzähler, der immer wieder kommentierend eingreift oder neuen Figuren ihren Platz zuweist wie dem „hässlichen Mulan“, einer, Zitat, „Nebenfigur im großen Ganzen“. In der Gegenwart leben seine drei Protagonisten als Einwanderer in Chinatown, New York, zum Teil illegal und ohne voneinander zu wissen: Old Second und Bao Mei führen eine berührende kameradschaftliche Zweckehe; Yan-Hua hat einen „Greencard-Ehemann“ und wird von Schuldgefühlen und Albträumen gequält. Ich weiß noch“, fing Yan Hua an, ihre Stimme klang auf einmal unerwartet weich. „Ich weiß noch, wie mein erster Mann über ihn sprechen wollte, über seinen Liebhaber. Ich konnte es ihm ansehen, da war so ein Strahlen …“ „Warum erzählst du mir das?“ „Weil mir klar geworden ist, wie einsam man sich fühlt, wenn man nicht über die Menschen sprechen kann, die man liebt.“ „Noch einsamer fühlt man sich, wenn man über die Menschen spricht, die einen nicht zurücklieben.“ Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love Jiaming Tang, der New Yorker Autor mit chinesischen Wurzeln, folgt den Lebensläufen seiner Protagonisten somit vom modernisierungswütigen China der Nach-Mao-Ära bis ins Amerika der Coronazeit – als asiatische Einwanderer auf offener Straße rassistisch angefeindet werden. Dabei beschreibt Tang die prekären Migrantenleben seiner Figuren als Küchenhilfen oder Lieferboten detailliert und mit viel Sinn für Komik. Tangs Prosa – Nicolai von Schweder-Schreiner hat sie einfühlsam übersetzt – beeindruckt vor allem durch ihre Sinnlichkeit. Gerüche spielen ebenso eine große Rolle wie prägnante Vergleiche: Die beiden haben ein Date. Den ganzen Tag schon hängen sie aneinander wie Fliegen an rohem Fleisch, ziehen vorbei an Nudelläden und Grillbuden, an Trauben von Glücksspielern und einem Betrunkenen, der irgendwas von Gott brüllt. Aus einem Radio plärrt Musik aus Hongkong. Es riecht nach Hafen, Salzwasser gemischt mit Abwasser. Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love Schmerz der ahnungslosen Ehefrauen Vielleicht etwas überraschend bei einem Roman über queere Männer, erweisen sich am Ende die weiblichen Figuren als die interessanteren. Denn „Cinema Love“ handelt nicht nur von schwulem Leid, sondern auch vom Schmerz der ahnungslosen Ehefrauen: Auch und gerade sie sind Opfer einer repressiven Sexualmoral. Dass seine gebrochenen, gealterten Protagonisten schließlich erkennen, dass das verlorene Arbeiterkino nicht nur eine Utopie war, sondern auch ein Ort des Betrugs, lässt „Cinema Love“ zu etwas Bemerkenswertem werden: zu einem eindringlichen Roman über geteilte Vergangenheit und schmerzliche Erinnerungen. Aber am Ende auch über Erlösung.
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Apr 20, 2025 • 55min

Traurige Zombies und rastlose FBI-Agentinnen: Neue Bücher von Annie Ernaux, Rachel Kushner und Anne de Marcken

Neue Bücher von Annie Ernaux, Rachel Kushner und Anne de Marcken
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Apr 20, 2025 • 8min

Zwischen Louis Vuitton und Latte Macchiato: „Daily Soap“ sprengt Klischees

Eine Bilderbuchecke in der Züricher Altstadt. Einmal abbiegen: der Bellevueplatz. Blick auf den Zürichsee, das Opernhaus. Es ist ein warmer Frühlingstag und die Straße ist belebt. Hier treffe ich Nora Osagiobare, vorm Kino Le Paris. Und genau hier beginnt auch „Daily Soap“, Nora Osagiobares Debütroman – mit einer – ich sage mal - Liebesgeschichte. Im Jahr 1998 kreuzen sich zwei verlorene Seelen an einer Zürcher Tramhaltestelle, um sich nach zwei Jahrzehnten wieder voneinander scheiden zu lassen. Quelle: Nora Osagiobare – Daily Soap Wie alles beginnt Die zukünftigen Ex-Eheleute stellt die Autorin vor. Eine weiße Schweizerin: „Das ist die Anneli Killer Osayoghoghowemwen, die ist Impf- und Abtreibungsgegnerin und eher Verschwörungstheorien zugeneigt, hat aber schon auch einen sehr präzisen Blick für Missstände.“ Und ein Nigerianer: „Thor Obioye Osayoghoghowemwen ist ein Red Bull-süchtiger, emotionsgetriebener, eher einsamer und ruhiger Mensch.“ Nora und ich biegen um die Ecke, zum Mittagessen in einem Züricher Traditionshaus. Red Bull steht hier nicht auf der Karte. Anneli und Thor bestreiten im Roman hier das erste Date. Das Resultat daraus, Tochter Toni: „Das ist nämlich die Toni Osayoghoghowemwen und die verbringt den größten Teil ihrer Zeit vor dem Fernseher und schaut sich ihre Lieblings-Opera an.“ Und ihre Zwillingsschwester Wanda. Toni ist Schwarz. Wanda kreideweiß. Hautfarbe. Herkunft. Race. Rassismus. Medienmechanismen. Das sind die Themen in „Daily Soap“. Aber auch: Kunst, Milieu. Die Schweizer Schickeria. Wiener Schnitzel im Zürcher Traditionshaus Damit zurück an den Mittagstisch. Wir bestellen Wiener Schnitzel. Eine Portion kostet 59 Schweizer Franken. Jede Figur aus „Daily Soap“ verbindet etwas mit dem Restaurant, in dem wir sitzen. Im Roman stellt ein Künstler seine homoerotischen Aktbilder an den Wänden aus. Akte junger Männer auf dem Hautfarbenspektrum zwischen Latte Macchiato, serviert in einem südafrikanischen Country Club im Jahr 1992 und Mokka eines dunklen Röstgrades, serviert auf einem Markt in Äquatorialguinea. Quelle: Nora Osagiobare – Daily Soap Heute hängen hier an den dunkel-holzgetäfelten Wänden Bilder von Miró, Picasso, Chagall. Unten liegen auf den Stühlen Handtaschen von Louis Vuitton. Und dazwischen bugsieren Restaurantgäste Einkaufstüten von Bottega Veneta durch die Gänge. Früher speisten hier regelmäßig Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. James Joyce hatte einen Lieblingstisch. Mehr Konzept als Recherche Viele Szenen von Nora Osagiobares Roman spielen zwar in diesem Restaurant, heute ist sie aber zum ersten Mal hier. Sie meint: „Ich habe auch gar nicht unbedingt immer vorgehabt, die Orte aufzusuchen, von denen ich geschrieben habe, weil es mir eigentlich gar keine große Rolle gespielt hat, schon mal dort gewesen zu sein, weil es mehr um eine Idee ging als um eine Recherche.“ Das gilt auch für das Personal des Romans. „Also, ich denke auch, dass meine Figuren mehr Ideen verkörpern als Menschen. Und auch die Geschichte mehr eine Idee verkörpert als eine realistische Darstellung von einem Geschehen. Es ist irgendwie alles sehr konzeptuell gehalten im Roman, aber es hat mich dann trotzdem Wunder genommen, das mal aufeinanderprallen zu lassen, diese Idee und die - in Anführungszeichen - Realität.“ Das Besondere am Konzept von Nora Osagiobares Debüt, das steckt schon im Titel: „Daily Soap“. Dramaturgie einer Vorabendserie Die Handlung folgt der Logik einer Soap Opera, einer Vorabendsendung. Grob zusammengefasst: Sex, Affären, Beziehungen, Kunst, Affären und noch mehr Affären – und ein tragisches Ende. Dazwischen: ein medialer Rassismusskandal eines Modeunternehmens. Die Firma „Banal und Bodeca“ möchte nach einer rassistischen Kampagne ihr Image mit einer medienwirksamen Idee aufpolieren. Die Idee, na klar: eine Soap in der sich die Familie besonders weltoffen präsentieren mag. „Es ist dann so, dass die Firma eine Sendung produzieren möchte, in der sie den Sohn, also den Erben, Paul Banal, mit einem schwarzen Partner zeigen möchte und so darlegen möchte, wie ein Familienmitglied dieser Firma ja offensichtlich über alle Konventionen hinweg mit einer POC-Person in einer homosexuellen Beziehung steht.“ Eine Soap in einer Soap Was die Familie nicht weiß: Sohn Paul führt wirklich eine On-Off-Beziehung mit einem Schwarzen Mann, nämlich Prince Okiti, Thors Bruder. Dazu spielt der Roman in einer dystopischen Schweiz. Da agiert zum Beispiel ein Bundesamt namens BARACK: Verantwortlich für die Einteilung von Schweizer Bürgern mit Hautfarben außerhalb des eidgenössischen Hautfarbenspektrums ist das Bundesamt für die Rationalisierung Andersfarbiger anhand von Cappuccino beziehungsweise Kaffee. Quelle: Nora Osagiobare – Daily Soap Dazu meint die Autorin: „Ich habe schon auch einfach die Schweiz und so ihre Ordnungssucht ein bisschen zur Schau stellen wollen und habe dann einfach ein weiteres Ministerium erfunden, das diese Ordnungssucht ein bisschen auf die Spitze treibt und auch gleichzeitig ein bisschen diese Rückschrittlichkeit in politischen Themen, wie zum Beispiel Diskriminierungserfahrungen von POCs, thematisiert.“ Dystopie und Satire liegen nah beieinander Nora Osagiobare lacht viel. Über Klischees, über die Schweizer Gesellschaft. Und über überteuerte Schnitzel. „Daily Soap“ laviert zwischen Satire und Soap, Dystopie und Gesellschaftsroman. Gewürzt mit scharfem Witz. Bei ihr ist die Soap kein Gimmick, sondern literarisches Verfahren: „Mich interessieren allgemein so popkulturelle Phänomene sehr stark. Also: was muss ein Kulturprodukt haben, dass es von einer so großen Menge an Menschen konsumiert wird. Ich habe auch so eine total perverse Lust an Reality-Formaten zum Beispiel. Andererseits hat mich auch mal interessiert, solche Formate zu gebrauchen, um politisch relevante Themen zu verhandeln.“ Der Roman ist temporeich und absurd, oft schrill, gespickt mit grotesken Handlungsverwicklungen, voll mit Fußnoten, Gegenwartsbeobachtungen und sprachlichen Doppeldeutigkeiten. Frau Bodeca hat nicht damit gerechnet, selbst einmal in die Rassismusfalle zu tappen. Denn Frau Bodeca ist keine Rassistin. Sie sieht keine Farben, es sei denn, sie sind saisonal. Quelle: Nora Osagiobare – Daily Soap Über Rassismus lachen? Geht das überhaupt? „Ich finde es inzwischen nur noch lächerlich, no pun intended, wenn man ernst über etwas schreibt, das man schon seit Jahrhunderten zu dekonstruieren versucht. Ich kann nicht ernst über Rassismus schreiben, weil es einfach auch extrem lächerlich ist und weil alles schon gesagt worden ist. Es gibt nichts, was ich dem hinzufügen kann auf ernsthafter Ebene. Also ich kann nur mit der Form spielen, mit dem Ton, aber es ist alles schon gesagt worden.“ Tragik und Komik gehen bei ihr Hand in Hand: „Das eine geht nicht ohne das andere. Also man kann wahrscheinlich eine Szene extrem tragisch formulieren über Seiten und irgendwann muss man beim Lesen oder auch beim Schreiben einfach lachen, weil es einfach so runterzieht. Unfreiwillig, und man muss gar keinen komischen Effekt drüber legen. Man muss irgendwann wahrscheinlich lachen. Bin ich überzeugt davon. Es ist eine Frage der Zeit. Manche früher, manche später.“ Rückkehr für Schnitzel? Ob die Autorin – wie ihre Romanfiguren – von nun an regelmäßig ins Restaurant kommen wird? „Nein, wahrscheinlich nicht. Also nicht mal, weil ich es nicht mag oder so. Es ist halt überhaupt nicht mein Milieu. Aber ich fand es schön, das mal zu penetrieren.“ Die Schnitzel jedenfalls sind aufgegessen. Lecker waren sie ja. Besonders, wenn wir uns vorstellen, dass sie schon Dürrenmatt, James Joyce, Max Frisch inspirierten. Und nun vielleicht auch Nora Osagiobare.
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Apr 20, 2025 • 6min

Weit entfernt von 007: Rachel Kushners neuer Roman „See der Schöpfung“

Sadie Smith – allein schon der Name. In einem deutschen Roman würde diese Frau wahrscheinlich Karin Mustermann heißen. Die Ich-Erzählerin von Rachel Kushners neuem Roman ist eine große Leerstelle. Eine Person ohne Identität, die sich chamäleonähnlich ihrer Umwelt anpassen kann, ohne aufzufallen. Jedenfalls glaubt sie selbst das. Sadie, 34 Jahre alt, ist die klassische amerikanische Schönheit mit, wie sie nicht oft genug betonen kann, sehr großen künstlichen Brüsten. Sadie ist ein destruktiver Charakter. Einen moralischen Kompass hat sie nicht; ihre Vergangenheit liegt im Dunkeln. Ihr Weltbild ist durch und durch nihilistisch: Es gibt keine Gerechtigkeit. Schlechte Menschen werden geehrt, gute bestraft. Auch das Gegenteil stimmt. Gute Menschen werden geehrt, schlechte bestraft, und manche werden das Gnade nennen oder die Hand Gottes anstatt Glück. Aber im tiefsten Inneren, selbst wenn ihnen der Mut fehlt, es zuzugeben, wissen alle, dass die Welt gesetzlos ist, chaotisch und willkürlich. Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung Sadie arbeitet, wenn es einen solchen Beruf überhaupt gibt, als freie Geheimagentin. Beim FBI ist sie nach einer misslungenen Operation in Ungnade gefallen, doch Aufträge hat sie genug. Ihr Spezialgebiet ist die Unterwanderung linker aktivistischer Gruppen mit dem Ziel, diese zu Gewalttaten anzustiften und auf diese Weise zu diskreditieren. Eine Geheimagentin in unklarer Mission Für einen anonymen Auftraggeber reist Sadie nun im Jahr 2013 nach Südfrankreich. Dort hat sich eine Kommune mit dem Namen „Le Moulin“ gebildet, die die ökologisch verheerende Landwirtschaftspolitik der französischen Regierung bekämpft. Der intellektuelle Kopf der Moulinarden, wie sie sich nennen, ist ein Phantom: Der über 80-jährige Bruno Lacombe hat sich in eine unterirdische Höhle zurückgezogen, die er nur verlässt, um kryptische E-Mails an seine Community zu versenden. Sadies Auftraggeber haben Brunos Mail-Account gehackt, so dass Sadie jederzeit Zugriff darauf hat. Seine umfassenden Weltbetrachtungen hat Rachel Kushner als Kontrapunkt zur zynischen Perspektive ihrer Ich-Erzählerin in den Roman integriert. Wir sind uns alle einig, schrieb Bruno, dass es der Homo sapiens war, der die Menschheit mit dem Kopf voran in die Landwirtschaft, das Geldwesen und die Industrie trieb. Aber das Rätsel, was mit dem Neandertaler und seinem bescheideneren Leben passiert ist, bleibt ungelöst. Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung Die Vision von einer gesellschaftlichen Veränderung Eine Geheimagentin in unklarer Mission. Ein greiser Weltendeuter, der letzte Überlebende einer im Holocaust ermordeten Familie noch dazu. Und eine in ihrer Zusammensetzung heterogene Gruppe von linken Umweltaktivisten – das klingt so abstrus, wie es sich stellenweise auch liest. Doch erstens ist Verunklarung eindeutig die Absicht der Autorin, zweitens steht dahinter die Vision von einer gesellschaftlichen Veränderung: Der Sündenfall der Menschheit, so Brunos These, war der Übergang vom sanften, kollaborativ agierenden Neandertaler hin zum eigennützigen und ausbeuterischen Homo sapiens. Den Gedanken, den Kapitalismus besiegen zu können, hat Bruno aufgegeben, darum hat er sich von der Welt verabschiedet. Hinter den Kämpfen der Aktivisten gegen die Errichtung riesiger Wasserbassins, die einer monokulturell ausgerichteten Landwirtschaft Vorschub leisten, steht die große Idee einer ökologischen Gesundschrumpfung im großen Stil. Abgesang auf die linken Heilsversprechen der 1960er-Jahre Kein Wachstum mehr, auch kein so genannter Fortschritt, sondern eine Umkehr in Form einer Entmodernisierung. „See der Schöpfung“ ist unter anderem auch ein Abgesang auf die linken Heilsversprechen der 1960er-Jahre, denen die Wortführer der Moulinarden lange gefolgt sind. Sadie hingegen, das macht sie zu einer so gegenwärtigen Figur, hat keinerlei Geschichte außerhalb ihrer früheren Operationen und auch keinen ideologischen Impetus. Sie besteht aus Decknamen, Verstellungen, Täuschungen und auch Selbsttäuschungen. Sadie schleicht sich ein in die Kommune der Moulinarden, versucht dort, Verbündete für ihren Plan einer gewalttätigen Eskalation der Proteste zu gewinnen, fängt eine Affäre an, sondiert das Gelände. Erzählerin mit Hardboiled-Tonfall Kushner hat ihrer Erzählerin einen Hardboiled-Tonfall auf den Leib geschrieben, der manchmal nur gut klingende, aber leere Nullsätze produziert... Der Škoda war ein ‚sauberer Diesel‘, ein Oxymoron, das als Metapher für irgendetwas stand, ich wusste nur nicht, wofür. Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung ... in Sadies arrogantem Blick auf die aus ihrer Sicht eher minderbemittelten Europäer aber auch durchaus komisch ist: Die Franzosen mögen bessere Romane haben (Balzac, Zola und Flaubert) und sie haben besseren Käse (Comté, Roquefort, Cabécou). Aber im Großen und Ganzen betrachtet ist das praktisch nichts. Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung Weit entfernt von 007 All diese sich widersprechenden Gedankenströme, soziologischen Überlegungen und ideologischen Clashs, eingebettet in eine rasante Story um eine Agent Provocateur, haben etwas intellektuell Produktives. Ist „See der Schöpfung“ aber nicht nur ein flirrender, sondern auch ein gelungener Roman? Meistens schon. Man hätte sich gewünscht, Rachel Kushner hätte der Mitteilungsseligkeit ihrer Erzählerin hin und wieder Grenzen gesetzt. Andererseits ist diese Ich-Erzählerin eine weitaus komplexere Figur als sie selbst es glaubt. Ihre Unerschütterlichkeit bekommt immer dann Risse, wenn jemand von außen auf sie blickt. „See der Schöpfung“ mündet in einen Showdown, der selbstverständlich nicht verraten wird. Nur so viel: Von einer strahlenden Heldenfigur à la 007 ist Kushners Agentin am Ende weiter entfernt als je zuvor.

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