

SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Apr 20, 2025 • 6min
Weit entfernt von 007: Rachel Kushners neuer Roman „See der Schöpfung“
Sadie Smith – allein schon der Name. In einem deutschen Roman würde diese Frau wahrscheinlich Karin Mustermann heißen. Die Ich-Erzählerin von Rachel Kushners neuem Roman ist eine große Leerstelle. Eine Person ohne Identität, die sich chamäleonähnlich ihrer Umwelt anpassen kann, ohne aufzufallen. Jedenfalls glaubt sie selbst das.
Sadie, 34 Jahre alt, ist die klassische amerikanische Schönheit mit, wie sie nicht oft genug betonen kann, sehr großen künstlichen Brüsten. Sadie ist ein destruktiver Charakter. Einen moralischen Kompass hat sie nicht; ihre Vergangenheit liegt im Dunkeln. Ihr Weltbild ist durch und durch nihilistisch:
Es gibt keine Gerechtigkeit. Schlechte Menschen werden geehrt, gute bestraft. Auch das Gegenteil stimmt. Gute Menschen werden geehrt, schlechte bestraft, und manche werden das Gnade nennen oder die Hand Gottes anstatt Glück. Aber im tiefsten Inneren, selbst wenn ihnen der Mut fehlt, es zuzugeben, wissen alle, dass die Welt gesetzlos ist, chaotisch und willkürlich.
Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung
Sadie arbeitet, wenn es einen solchen Beruf überhaupt gibt, als freie Geheimagentin. Beim FBI ist sie nach einer misslungenen Operation in Ungnade gefallen, doch Aufträge hat sie genug. Ihr Spezialgebiet ist die Unterwanderung linker aktivistischer Gruppen mit dem Ziel, diese zu Gewalttaten anzustiften und auf diese Weise zu diskreditieren.
Eine Geheimagentin in unklarer Mission
Für einen anonymen Auftraggeber reist Sadie nun im Jahr 2013 nach Südfrankreich. Dort hat sich eine Kommune mit dem Namen „Le Moulin“ gebildet, die die ökologisch verheerende Landwirtschaftspolitik der französischen Regierung bekämpft.
Der intellektuelle Kopf der Moulinarden, wie sie sich nennen, ist ein Phantom: Der über 80-jährige Bruno Lacombe hat sich in eine unterirdische Höhle zurückgezogen, die er nur verlässt, um kryptische E-Mails an seine Community zu versenden.
Sadies Auftraggeber haben Brunos Mail-Account gehackt, so dass Sadie jederzeit Zugriff darauf hat. Seine umfassenden Weltbetrachtungen hat Rachel Kushner als Kontrapunkt zur zynischen Perspektive ihrer Ich-Erzählerin in den Roman integriert.
Wir sind uns alle einig, schrieb Bruno, dass es der Homo sapiens war, der die Menschheit mit dem Kopf voran in die Landwirtschaft, das Geldwesen und die Industrie trieb. Aber das Rätsel, was mit dem Neandertaler und seinem bescheideneren Leben passiert ist, bleibt ungelöst.
Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung
Die Vision von einer gesellschaftlichen Veränderung
Eine Geheimagentin in unklarer Mission. Ein greiser Weltendeuter, der letzte Überlebende einer im Holocaust ermordeten Familie noch dazu. Und eine in ihrer Zusammensetzung heterogene Gruppe von linken Umweltaktivisten – das klingt so abstrus, wie es sich stellenweise auch liest.
Doch erstens ist Verunklarung eindeutig die Absicht der Autorin, zweitens steht dahinter die Vision von einer gesellschaftlichen Veränderung: Der Sündenfall der Menschheit, so Brunos These, war der Übergang vom sanften, kollaborativ agierenden Neandertaler hin zum eigennützigen und ausbeuterischen Homo sapiens.
Den Gedanken, den Kapitalismus besiegen zu können, hat Bruno aufgegeben, darum hat er sich von der Welt verabschiedet. Hinter den Kämpfen der Aktivisten gegen die Errichtung riesiger Wasserbassins, die einer monokulturell ausgerichteten Landwirtschaft Vorschub leisten, steht die große Idee einer ökologischen Gesundschrumpfung im großen Stil.
Abgesang auf die linken Heilsversprechen der 1960er-Jahre
Kein Wachstum mehr, auch kein so genannter Fortschritt, sondern eine Umkehr in Form einer Entmodernisierung. „See der Schöpfung“ ist unter anderem auch ein Abgesang auf die linken Heilsversprechen der 1960er-Jahre, denen die Wortführer der Moulinarden lange gefolgt sind.
Sadie hingegen, das macht sie zu einer so gegenwärtigen Figur, hat keinerlei Geschichte außerhalb ihrer früheren Operationen und auch keinen ideologischen Impetus. Sie besteht aus Decknamen, Verstellungen, Täuschungen und auch Selbsttäuschungen.
Sadie schleicht sich ein in die Kommune der Moulinarden, versucht dort, Verbündete für ihren Plan einer gewalttätigen Eskalation der Proteste zu gewinnen, fängt eine Affäre an, sondiert das Gelände.
Erzählerin mit Hardboiled-Tonfall
Kushner hat ihrer Erzählerin einen Hardboiled-Tonfall auf den Leib geschrieben, der manchmal nur gut klingende, aber leere Nullsätze produziert...
Der Škoda war ein ‚sauberer Diesel‘, ein Oxymoron, das als Metapher für irgendetwas stand, ich wusste nur nicht, wofür.
Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung
... in Sadies arrogantem Blick auf die aus ihrer Sicht eher minderbemittelten Europäer aber auch durchaus komisch ist:
Die Franzosen mögen bessere Romane haben (Balzac, Zola und Flaubert) und sie haben besseren Käse (Comté, Roquefort, Cabécou). Aber im Großen und Ganzen betrachtet ist das praktisch nichts.
Quelle: Rachel Kushner – See der Schöpfung
Weit entfernt von 007
All diese sich widersprechenden Gedankenströme, soziologischen Überlegungen und ideologischen Clashs, eingebettet in eine rasante Story um eine Agent Provocateur, haben etwas intellektuell Produktives.
Ist „See der Schöpfung“ aber nicht nur ein flirrender, sondern auch ein gelungener Roman? Meistens schon. Man hätte sich gewünscht, Rachel Kushner hätte der Mitteilungsseligkeit ihrer Erzählerin hin und wieder Grenzen gesetzt.
Andererseits ist diese Ich-Erzählerin eine weitaus komplexere Figur als sie selbst es glaubt. Ihre Unerschütterlichkeit bekommt immer dann Risse, wenn jemand von außen auf sie blickt. „See der Schöpfung“ mündet in einen Showdown, der selbstverständlich nicht verraten wird.
Nur so viel: Von einer strahlenden Heldenfigur à la 007 ist Kushners Agentin am Ende weiter entfernt als je zuvor.

Apr 20, 2025 • 6min
Jiaming Tang – Cinema Love
Ein sehr spezielles Filmtheater im chinesischen Stadtbezirk Mawei, irgendwann in den Achtzigern. Das sogenannte „Arbeiterkino“ ist schmutzig und marode, das Programm beschränkt sich auf eine Handvoll Kriegsfilme. Aber ihretwegen kommt niemand hierher. Die nervösen Männer, die hier Abend für Abend auftauchen, sind keine Cineasten.
Das Kino ist ein Ort, an dem eine bestimmte Art von Realität aussetzt. Wenn ein Mann mit der Hand die Finger eines anderen streift, ist dessen erste Reaktion, sie zu packen. Fest. (…) Im Kino spielt es keine Rolle, was die Eltern von einem erwarten. Der Vater, der will, dass der Stammbaum weitergeführt wird (wozu?), die Mutter, die unbedingt Enkelkinder will.
Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love
Safe Space für queere Männer
Die Männer sind „Tongzhis“, was so viel wie „Kameraden“ bedeutet, ein Mandarin-Slangwort für Schwule. Und das Arbeiterkino ist der einzige Ort, wo diese Männer ihre Gefühle ausleben und sich einander anvertrauen können.
Das liegt auch an der Kassiererin mit dem kaputten Fuß, Bao Mei, die liebevoll „Schwester Bao“ genannt wird, weil sie für alle ein offenes Ohr hat. Und die gegebenenfalls allzu neugierige Ehefrauen oder Polizisten abwimmelt.
Mit anderen Worten: Das Maweier Arbeiterkino ist ein Safe Space, eine Wirklichkeit gewordene Utopie in einer Gesellschaft, in der Homosexuelle aus Familien verstoßen werden. Oder sich in ihrer Einsamkeit und Scham in lieblose Alibi-Ehen flüchten müssen, die meist auch noch von den Eltern arrangiert wurden.
Sie alle (…) verlassen das Kino beschwingten Schrittes. Glücklich (…), wach und dem Leben zugewandt. Als hätte man ein Küchenfenster aufgedrückt, und die Kochdämpfe ziehen hinaus und eine frische Brise weht herein, süß wie Zuckerwasser. Und weil sie ihre Geschichten nicht in einer Sitzung loswerden, kommen die Männer wieder. Sie kommen wieder, um zu lieben und geliebt zu werden, um zuzuhören und gehört zu werden.
Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love
Einer dieser Männer ist Old Second. Der 20-Jährige – noch immer verfolgt vom angewiderten Blick seiner Mutter – findet im Arbeiterkino seine große Liebe, Shun-Er. Dass ihr Glück nur von kurzer Dauer ist, liegt an Shun-Ers Ehefrau, Yan-Hua.
Letztere ist – neben Old Second und der Kassiererin Bao Mei – die dritte Hauptfigur von Jiaming Tangs eindrucksvollem Debütroman. Misstrauisch schleicht Yan-Hua ihrem Mann eines Abends nach. Erst als ihr die ihr nachhumpelnde Kassiererin aufgeregt erklärt, sie habe hier nichts verloren, geht der jungen Frau ein Licht auf.
Es ist der Anfang einer Katastrophe, die alle drei für den Rest ihres Lebens traumatisieren wird. Und die sie sogar über Kontinente hinweg verfolgen soll. Denn in ihrem Zorn denunziert Yan-Hua das Kino bei Regierungsbeamten. Die warten nur auf einen Vorwand für den Bau eines prunkvollen Neubaus. Bald schon warten bezahlte Schläger auf die Kinogänger, und Shun-Er begeht Suizid.
Als illegale Einwanderer in New York
Jiaming Tang erzählt diese Vorgeschichte in wechselnden Perspektiven, in Rückblenden und Erinnerungen. Mit einem allwissenden Erzähler, der immer wieder kommentierend eingreift oder neuen Figuren ihren Platz zuweist wie dem „hässlichen Mulan“, einer, Zitat, „Nebenfigur im großen Ganzen“.
In der Gegenwart leben seine drei Protagonisten als Einwanderer in Chinatown, New York, zum Teil illegal und ohne voneinander zu wissen: Old Second und Bao Mei führen eine berührende kameradschaftliche Zweckehe; Yan-Hua hat einen „Greencard-Ehemann“ und wird von Schuldgefühlen und Albträumen gequält.
Ich weiß noch“, fing Yan Hua an, ihre Stimme klang auf einmal unerwartet weich. „Ich weiß noch, wie mein erster Mann über ihn sprechen wollte, über seinen Liebhaber. Ich konnte es ihm ansehen, da war so ein Strahlen …“ „Warum erzählst du mir das?“ „Weil mir klar geworden ist, wie einsam man sich fühlt, wenn man nicht über die Menschen sprechen kann, die man liebt.“ „Noch einsamer fühlt man sich, wenn man über die Menschen spricht, die einen nicht zurücklieben.“
Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love
Jiaming Tang, der New Yorker Autor mit chinesischen Wurzeln, folgt den Lebensläufen seiner Protagonisten somit vom modernisierungswütigen China der Nach-Mao-Ära bis ins Amerika der Coronazeit – als asiatische Einwanderer auf offener Straße rassistisch angefeindet werden.
Dabei beschreibt Tang die prekären Migrantenleben seiner Figuren als Küchenhilfen oder Lieferboten detailliert und mit viel Sinn für Komik. Tangs Prosa – Nicolai von Schweder-Schreiner hat sie einfühlsam übersetzt – beeindruckt vor allem durch ihre Sinnlichkeit. Gerüche spielen ebenso eine große Rolle wie prägnante Vergleiche:
Die beiden haben ein Date. Den ganzen Tag schon hängen sie aneinander wie Fliegen an rohem Fleisch, ziehen vorbei an Nudelläden und Grillbuden, an Trauben von Glücksspielern und einem Betrunkenen, der irgendwas von Gott brüllt. Aus einem Radio plärrt Musik aus Hongkong. Es riecht nach Hafen, Salzwasser gemischt mit Abwasser.
Quelle: Jiaming Tang – Cinema Love
Schmerz der ahnungslosen Ehefrauen
Vielleicht etwas überraschend bei einem Roman über queere Männer, erweisen sich am Ende die weiblichen Figuren als die interessanteren. Denn „Cinema Love“ handelt nicht nur von schwulem Leid, sondern auch vom Schmerz der ahnungslosen Ehefrauen: Auch und gerade sie sind Opfer einer repressiven Sexualmoral.
Dass seine gebrochenen, gealterten Protagonisten schließlich erkennen, dass das verlorene Arbeiterkino nicht nur eine Utopie war, sondern auch ein Ort des Betrugs, lässt „Cinema Love“ zu etwas Bemerkenswertem werden: zu einem eindringlichen Roman über geteilte Vergangenheit und schmerzliche Erinnerungen. Aber am Ende auch über Erlösung.

Apr 20, 2025 • 7min
Comic über Edvard Munch – Die erhabene Kunst und der neurotische Sex
Edvard Munch ist ein Künstler für den bildungsbürgerlichen Kunstgenuss und für das große Ausstellungsevent. Er gilt als begnadetes Genie, als ein Wegbereiter der Moderne, als melancholischer Malerfürst.
Faszination „Der Schrei"
Seine Bilder „Der Schrei" und „Madonna" haben nicht nur die moderne Malerei geprägt, sie weckten auch das Interesse von Kunstdieben. Die Popkultur bedient sich ebenfalls gerne an Munch-Motiven. Die Maske des Killers in der Horrorfilm-Reihe „Scream" sieht dem Schreienden von Munch sehr ähnlich.
Ein Künstlerleben gezeichnet
In seinem Comic „Munch“ bürstet der norwegische Comiczeichner Steffen Kverneland dieses Munch-Bild gegen den Strich, mit einem gezeichneten Ritt durch Munchs wildes Künstlerleben. Wer war Edvard Munch? Und warum faszinieren uns seine Bilder bis heute? Und: Kann Kverneland die Herausforderung meistern, das Leben und die Malerei des Norwegers in Comic-Bilder zu übertragen?

Apr 14, 2025 • 4min
Joachim Kalka – Peanuts
Eine unscheinbare Kleinstadt im Mittleren Westen, die jährlich sich wiederholenden Rituale und Feste, Baseball, Schlittschuhfahren, Halloween und eine Schar von Kindern: der melancholische Charlie Brown, Linus mit seiner Schmusedecke, die durchtriebene Lucy, Schroeder mit seiner bedingungslosen Beethoven-Liebe, Charlie Browns Schwester Sally und Peppermint Patty – und nicht zu vergessen, der tagträumerische Hund Snoopy.
Legendärer „Daily Strip“ in den amerikanischen Zeitungen
Charles M. Schulz hat diese Charaktere geschaffen, und mit seinen „Peanuts“ den wahrscheinlich bedeutendsten Daily Strip der Geschichte. Über Jahrzehnte gehörte diese Comic-Serie zur täglichen Ausgabe amerikanischer Zeitungen wie der Politik- oder Wirtschaftsteil.
Und bald schon eroberten die „little folks“ die ganze Welt, nicht nur auf Papier, sondern auch in Fernsehen und Kino, auf T-Shirts oder Kaffeebechern.
Joachim Kalka hat vor einigen Jahren einen schmalen Essay über Schulz‘ Geniestreich verfasst. Nun, zum 75. Geburtstag der „Peanuts“, erscheint eine überarbeitete Ausgabe, die uns in diesen Kinderkosmos führt, der das ganze Universum und alle menschlichen Abgründe zu umfassen scheint, der in bewusst einfach gehaltenen Zeichnungen von der Conditio humana erzählt, von den Versagensgewissheiten des Allerweltsmenschen Charlie Brown bis zum grenzenlosen Narzissmus Lucys.
Einmal wird diese von Linus beim Blick in die Sterne gefragt, ob sie denn glaube, dass es irgendwo da draußen intelligente Wesen gebe. Und Lucy antwortet unwiderstehlich: „Nein! Wenn es welche gäbe, dann hätten sie zweifellos versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen.“
Das grundlegende Thema der „Peanuts“ sei von Anfang an die Grausamkeit gewesen, die unter Kindern herrsche, hat Schultz einmal bekannt.
Dieser sehr liebevoll gezeichnete und von den Lesern geliebte Strip ist im Grunde von hochneurotischer Schwärze. Es handelt sich um ein düsteres Märchen vom fortwährenden Scheitern.
Quelle: Joachim Kalka – Peanuts
Groteske Einsicht ins unabänderliche Misslingen
Die Liebe – sie verläuft stets unglücklich. Das Weihnachtsfest – eine Verheißung, aber keine Erfüllung. Die Religion – eine skeptisch betrachtete Angelegenheit. Die Psychoanalyse – als Scharlatanerie enttarnt.
Erwachsene treten bei den „Peanuts“ nie in Erscheinung, und über die Jahrzehnte hinweg scheint die Zeit still zu stehen – wenn auch immer mal wieder Anspielungen auf zeitgenössische Phänomene auftauchen und das Fernsehen auch als Quell für Pointen allgegenwärtig ist.
Gerade aber die Einsicht ins unabänderliche Misslingen, rührt die Leserinnen und Leser seit Generationen, ja, sie tröstet sogar. Kalka spricht einmal von „komischer Schmerzhaftigkeit“. Das trifft es sehr gut. Etwa wenn sich Lucy von keiner noch so harschen Abfuhr ihres Angebeteten Schroeder beeindrucken lässt:
Lucy: „Du magst mich wohl nicht sehr?“ - Schroeder: „Nein. Ich habe Dich noch niemals gemocht, und ich bezweifle auch stark, dass sich Dich jemals mögen werde.“ - Lucy: „Aber das soll natürlich unserer späteren Heirat nicht im Wege stehen, gell Schröder?“
Kalkas große Kenntnis der verhandelten Themen und philosophischen Grundlagen
Was für Joachim Kalkas schmales „Peanuts“-Brevier einnimmt, ist zum einen seine große Kenntnis des Populärgenres Comic und die prägnante Abhandlung der in den Strips verhandelten Themen und philosophischen Grundlagen.
Zum anderen gelingt es ihm trotz der Kürze des Büchleins, sehr viele Szenen mit Charlie Brown, Snoopy und Co. in Erinnerung zu rufen, nachzuerzählen, pointiert zu übersetzen. So lässt sich vollkommen eintauchen in diese Welt, in der – wie Kalka schreibt – Kindheit sowohl aufgehoben wie auch restituiert wird.

Apr 11, 2025 • 30min
Gespräch mit der Peter-Huchel-Preisträgerin 2025 Olga Martynova
Der diesjährige Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht an die 1962 in Krasnojarsk geborene und in Frankfurt am Main lebende Lyrikerin Olga Martynova. Die Jury würdigte den im S. Fischer Verlag erschienenen Gedichtband "Such nach dem Namen des Windes" als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2024.
Der Peter-Huchel-Preis wurde am 3. April 2025, dem Geburtstag Huchels, in Staufen verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören u. a. Elke Erb, Ulf Stolterfoht, Marion Poschmann, Steffen Popp und Anja Utler.

Apr 6, 2025 • 16min
Andreas Maier: Der Teufel
Der zehnte von elf Bänden von Maiers Projekt „Ortsumgehung“. Stück für Stück hat Maier den Radius und den Blick geweitet. Nun geht es noch einmal um das Große und Ganze: das Gute und das Böse. Und wie es in die Menschen kommt.

Apr 6, 2025 • 18min
Christian Kracht: Air
Ein neuer Kracht ist noch immer ein Ereignis: Es beginnt in einem kleinen Haus am Meer an auf einer schottischen Insel und endet in einer Parallelwelt, in der ein rachsüchtiger Fürst die Bevölkerung einer geheimnisvollen Steinstadt unterjochen will. Ist Kracht unter die Fantasy-Autoren gegangen?

Apr 6, 2025 • 17min
Claudia Piñeiro: Die Zeit der Fliegen
Inés hat die Geliebte ihres Mannes erschossen. Nun, 15 Jahre später, kommt sie aus dem Gefängnis in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Und Geld verdienen. Sie eröffnet ein Unternehmen: Schädlingsbekämpfung und Detektivdienste.

Apr 6, 2025 • 17min
Nina Bußmann: Drei Wochen im August
Ein unbeschwerter Sommer am Atlantik. Eine vermeintliche Idylle, in die das Unbehagen einsickert. Die Wälder brennen, ein Kind verschwindet. Nina Bußmann inszeniert einen Urlaub als ein leises und bedrohliches Kammerspiel.

Apr 6, 2025 • 1h 7min
SWR Bestenliste April
Auf dem Programm standen: Claudia Piñeiros Roman „Die Zeit der Fliegen“, für den Unionsverlag von Silke Kleemann ins Deutsche übertragen. Andreas Maiers Roman „Der Teufel“ (Suhrkamp Verlag), Christian Krachts „Air“ (Kiepenheuer & Witsch Verlag) und Nina Bußmanns Sommergeschichte „Drei Wochen im August“ (Suhrkamp Verlag).
Es geht in den Büchern um Schädlingsbekämpfung und Feminismus, Fernsehen und politisch korrekten Sex, um Inneneinrichtung und das Design unserer kulturellen Erinnerung, brennende Wälder und köchelnde Beziehungen. Die ausgewählte Prosa überzeugte die Jury trotz unterschiedlicher Lesarten in den meisten Fällen und wurde dementsprechend mit viel Lob bedacht.
„Ist das abendfüllend?“ fragte Eberhard Falcke am Schluss der Veranstaltung in die Runde, weil er die Figurenführung in Bußmanns Roman unterm Strich für zu eindimensional hielt.
Warum aber gerade der Roman der Spitzenreiterin auf der April-Bestenliste in seiner inhaltlichen wie sprachlichen Uneindeutigkeit sehr zeitgemäß ist, wussten daraufhin Kirsten Voigt und Jörg Magenau zu erklären. Ein Gespräch, das nicht zuletzt zeigte, wie unterhaltsam und erhellend Literaturkritik auf der Bühne sein kann.
Aus den vier Büchern lasen Isabelle Demey und Johannes Wördemann. Durch den Abend führte Carsten Otte.


