

Literaturclub Interview
Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)
Bei uns ist die Stimme der Autorin oder des Autors zu hören! Alle zwei Wochen bitten wir einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin zum unterhaltsamen, inspirierenden Gespräch. Wir loten aus, was sie antreibt und inspiriert und unterhalten uns über ihr aktuelles Buch.
Episodes
Mentioned books

Dec 2, 2022 • 30min
Zerstörte Unschuld: «Wer hat Bambi getötet?» von Monika Fagerholm
Eine Gruppenvergewaltigung unter Jugendlichen aus gutem Haus ist Ausgangspunkt für ein berührendes Gesellschaftsporträt.
«Ein Roman über eine Vergewaltigung – will man das lesen?» fragt «Zwei mit Buch»-Co-Host Nicola Steiner. «Unbedingt», findet Franziska Hirsbrunner, der selten ein so reiches und faszinierend erzähltes Buch untergekommen ist. Es kreiert aus ambivalent schillernden Plot-Partikeln eine Welt, in der grosse gesellschaftliche und menschliche Fragen sich fast unmerklich, aber umso eindringlicher stellen.
Es geht um Gewalt gegen Frauen in der patriarchal geprägten Gesellschaft reicher Leute, um die Macht des Geldes und Verkauf und Verrat als Lebensprinzip. Es geht um den Verlust der Unschuld und versehrte Kindheitserinnerungen. Es geht um eine Schweigekultur, die auch die Täter irreparabel beschädigt. Wie mit dem Weberschiffchen umflicht Monika Fagerholm diese Themen mit Jugendslang, Musik, Film, Literatur, Social Media usw. – psychologische Marker, die mehr über die Figuren erzählen, als Worte es könnten.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Monika Fagerholm. Wer hat Bambi getötet? Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rávik Strubel. 256 Seiten. Residenz-Verlag, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Monika Fagerholm, Schriftstellerin
* Antje Rávik Strubel, Schriftstellerin und Übersetzerin
The Sex Pistols: Song/Video stiftete den Titel zu Monika Fagerholms Roman, der auch ein ausgearbeitetes Filmdrehbuch ist. Einer der Jugendlichen im Buch, selber nicht an der Vergewaltigung beteiligt, beschloss Jahre später, einen Film über das Geschehen zu drehen und ihm als Titel den rüden Song der Sex Pistols zu geben. Man brachte ihn mit Geld dazu, das Filmprojekt abzubrechen.
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Nov 18, 2022 • 29min
Wurzeln schlagen in der Fremde: Der neue Roman von Usama Al Shahmani
Ein Geflüchteter findet im Exil einen Weg aus Isolation und Verlorenheit – dank dem Wandern, der Zwiesprache mit Bäumen und der Literatur. Für «Zwei mit Buch»-Host Felix Münger ist Usama Al Shahmanis Roman «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt» ein Buch zur Stunde.
Millionen von Menschen sind derzeit auf der Flucht. Stellvertretend für sie steht die Romanfigur Dafer. Er ist aus dem Irak in die Schweiz geflüchtet, aber hat dort keine Freunde. Dann entdeckt er das Wandern: Auf langen Streifzügen durch die Wälder spürt Dafer eine tiefe Verbundenheit mit den stummen Bäumen. Als Dafer die deutsche Sprache lernt und sich der Literatur zuwendet, erlebt er das Glück, in der Fremde anzukommen.
Auf einer Herbstwanderung erzählt der Irak-Schweizer Usama Al Shahmani, wie sehr er im Roman auf eigene Erfahrungen zurückgreift. Bäume und ihre Wurzelmetaphorik sind ein verbreiteter Topos in der Exilliteratur. Dies erklärt im Podcast die Hamburger Germanistin Jasmin Centner.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Usama Al Shahmani. Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt. Limmat Verlag, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Usama Al Shahmani, Buchautor
* Jasmin Centner, Germanistin
Weitere erwähnte Bücher:
* Marcel Proust. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. 3. Auflage. Suhrkamp, 2021.
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Nov 4, 2022 • 28min
Sehnsuchtsort Insel: «Zur See» von Dörte Hansen
Dörte Hansens neues Buch «Zur See» ist zugleich Familienroman und ein Buch über Einsamkeit. Die deutsche Bestsellerautorin erzählt in ihrem dritten Roman vom Leben auf einer Nordseeinsel.
Es geht um einsame Menschen, die hin- und hergerissen sind zwischen Heimweh und Fluchtimpuls, zwischen Sehnsüchten und Angst und Kälte.«Zwei mit Buch»-Host Nicola Steiner ist fasziniert von diesem Buch über den gesellschaftlichen Wandel auf der Insel. Und vom Ton, den Dörte Hansen findet, um uns die Menschen und das Leben an der See näherzubringen. Hört Franziska Hirsbrunner Dörte Hansen von der zugleich gefährlichen und transformativen Kraft des Meers erzählen, denkt sie an das berühmte Lied vom «sea change» in Shakespeares Stück «Der Sturm».
Wie hat Dörte Hansen diesen Sound gefunden? Und warum sind die Themen Schweigen und Einsamkeit in ihren Büchern immer so präsent? Nicola Steiner hat die Autorin auf der Buchmesse in Frankfurt zum Gespräch getroffen.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Dörte Hansen. Zur See. 256 Seiten. Penguin, 2022.
Das Hörbuch ist erschienen bei Random House Audio, eingelesen von Nina Hoss.
Im Podcast zu hören ist:
Dörte Hansen, Schriftstellerin
Weitere erwähnte Bücher und Autoren:
* William Shakespeare. Der Sturm
* Theodor Storm. Der Schimmelreiter
* Hermann Melville. Moby Dick
* Dylan Thomas. Unter dem Milchwald
* Jon Fosse
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Oct 21, 2022 • 28min
Ein Pilz als Weltherrschaft? Benjamin von Wyls Roman «In einer einzigen Welt»
«In einer einzigen Welt» erzählt von einem grössenwahnsinnigen Pilz, der mit seinem Netzwerk die ganze Welt umspannen will. Dazu befällt er unter anderem die Hirne der Romanfiguren. Eine spannende Versuchsanordnung, die über die unschönen Seiten unserer Individualgesellschaft nachdenken lässt.
Wäre eine Welt, in der es keine Individuen gibt, sondern alle eins und miteinander vernetzt sind, wirklich eine bessere Welt? Das Pilzgewebe im Zentrum dieses Romans ist davon fest überzeugt. Was nach einer klassischen Internet-Dystopie klingt, entpuppt sich als dichtes Hyphengeflecht aus gesellschaftlichen Fragen, Sprachspiel und philosophischem Diskurs. «Zwei mit Buch»-Host Simon Leuthold hat sich mit Freude ins Dickicht dieses Romans gestürzt.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Benjamin von Wyl. In einer einzigen Welt. 240 Seiten. Lectorbooks, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Benjamin von Wyl, Buchautor
* Beatrice Senn-Irlet, Mykologin
Weitere erwähnte Bücher:
* Jevgenij Samjatin. Wir. Ganymed Edition 2020. (Original erschienen 1920)
* Dave Eggers. Der Circle. Kiepenheuer & Witsch 2015.
* Julia von Lucadou. Tick Tack. Hanser Berlin 2022.
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Oct 7, 2022 • 29min
Wenn Rassismus ein Leben zerstört: «Geschichte eines Kindes» von Anna Kim
Ein Baby 1953 im Mittleren Westen der USA. Die Mutter gibt es sofort nach der Geburt zur Adoption frei. Aber bald wird seine Haut dunkler. Weil die junge Frau jegliche Auskunft zum Vater verweigert, untersucht man ihr Kind nach den Regeln einer Anthropologie, die noch aus der Nazizeit stammt.
Anna Kims Roman basiert auf einer wahren Geschichte und den vielen Seiten Akten, die über das Baby angelegt wurden. Darin stehen Sätze, die «Zwei mit Buch»-Host Franziska Hirsbrunner nicht mehr aus dem Kopf gingen, zum Beispiel: «Die Merkmale des Wirtsvolks sind in seinem Fall stark ausgeprägt, das Negride schimmert aber durch.»
Was es mit einem Menschen macht, so angeschaut zu werden, diskutiert sie mit Nicola Steiner, die findet, Anna Kims Roman möge zwar teils in der Vergangenheit spielen, erzähle aber viel über die Gegenwart.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Anna Kim. Geschichte eines Kindes. 221 Seiten. Suhrkamp, 2022.
Im Podcast zu hören ist:
* Anna Kim, Schriftstellerin
Weitere erwähnte Bücher:
* Szilárd Borbély. Die Mittellosen. Ist der Messias schon weg? Aus dem Ungarischen von Heike Flemming und Lacy Kornitzer. 349 Seiten. Suhrkamp, 2013.
* Evelyna Kottmann. Kreuz Teufels Luder. 379 Seiten. Limmat, 2015.
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Links:
Zeitschrift TANGRAM der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR
TANGRAM 44. Pascal Wagner-Egger. Kategorisierung, Stereotype und Vorurteile in der Sozialpsychologie
Universität Harvard. Impliziter Assoziationstest

Sep 23, 2022 • 29min
Das verheimlichte Kind des Königs: «Sein Sohn» von Charles Lewinsky
Die Hauptfigur Louis Chabos lebt um 1800. Er kennt seine Eltern nicht - bis er die Suche aufnimmt und fündig wird: Sein Vater ist der französische König! «Zwei mit Buch»-Host Felix Münger überzeugt Charles Lewinskys neuer Roman «Sein Sohn» – sprachlich, psychologisch und historisch.
Charles Lewinsky erzählt von seiner Faszination für diesen vergessenen Königssohn. Und vom Reiz, ihm eine fiktive Geschichte zu geben. In ihr schlägt sich vieles vom Unbill der damaligen Zeit nieder. Und sie macht die universelle Frage nach der Identität zum Thema.
Im Podcast besuchen wir auch das Bündner Schloss Reichenau: Dort zeugte 1794 der spätere französische König Louis-Philippe, bekannt als «Bürgerkönig», mit einer Köchin ein Kind, das alsbald in einem Waisenhaus abgegeben wurde.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Charles Lewinsky: Sein Sohn. 368 Seiten. Diogenes 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Charles Lewinsky, Schriftsteller
* Gian-Battista von Tscharner, Schloss Reichenau
Weitere erwähnte Bücher:
* Michael van Orsouw. Blaues Blut. Royale Geschichten aus der Schweiz. HIER UND JETZT Verlag, 2019.
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Sep 9, 2022 • 29min
Eine Jugend im Kloster-Internat: Thomas Hürlimanns neuer Roman
In «Der Rote Diamant» blickt der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann auf seine Jugendjahre im Kloster Einsiedeln zurück und macht daraus grosse Literatur. «Zwei mit Buch»-Host Nicola Steiner ist fasziniert von diesem Internatsroman, der zugleich sehr viel mehr ist.
Nämlich Coming-of-Age-Geschichte, Abenteuerroman, Historienkrimi um einen verschollenen Diamanten aus dem Kronschatz der Habsburger und eine philosophische Auseinandersetzung mit den Themen Zeit und Ewigkeit. Dabei ist der harte Alltag im Klosterinternat so eindringlich geschildert, dass sich Franziska Hirsbrunner fragt, warum Eltern ihrem Kind sowas antun.
Wie erinnert sich Thomas Hürlimann an seine eigene Zeit im Kloster-Internat zurück? Und warum hat er sich dafür entschieden, so leicht, ironisch, komisch und abenteuerlustig über die Zeit in der engen und streng reglementierten Klosterwelt zu schreiben? Der begnadete Geschichten-Erzähler gibt einen Einblick in seine Gedankenwelt hinter dem Buch.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
Thomas Hürlimann: Der Rote Diamant. 320 Seiten. S. Fischer Verlag, 2022.
Im Podcast zu hören ist:
* Thomas Hürlimann, Schriftsteller
Weitere erwähnte Bücher:
* Robert Musil. Die Verwirrungen des Zöglings Törless.
* Hermann Hesse. Unterm Rad.
* Hermann Hesse. Narziss und Goldmund.
* Benedict Wells. Vom Ende der Einsamkeit. Diogenes Verlag.
* Serhij Zhadan. Internat. Suhrkamp Verlag.
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Aug 26, 2022 • 29min
Eine Stimme für die Ungehörten: Simoné Goldschmidt-Lechners Roman über Südafrika
«Messer, Zungen» erzählt eine Geschichte der südafrikanischen «Cape Coloured»-Community, von der Apartheid in Südafrika bis ins Deutschland der Gegenwart. «Zwei mit Buch»-Host Simon Leuthold ist fasziniert von diesem Roman, der Teile der südafrikanischen Geschichtsschreibung in Frage stellt.
Anhand zahlloser Erfahrungen und Geschichten von einzelnen Personen setzt sich nach und nach ein Bild der «Cape Coloured»-Community zusammen: Gewalt, rassistische Ausgrenzung, ein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit – aber auch grosser Stolz und viel Durchhaltewillen gehören dazu. Warum die bruchstückhafte Form dieses Debütromans für das Erzählen von dieser Community genau angemessen ist, und wie sich die Rolle von Überlieferungen und Erzählungen in der Geschichtsforschung verändert, dem gehen wir in dieser Episode zusammen mit der Autorin Simoné Goldschmidt-Lechner nach.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
* Simoné Goldschmidt-Lechner: Messer, Zungen. 190 Seiten. Matthes & Seitz Berlin, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Simoné Goldschmidt-Lechner, Buchautorin
* Ulrike Kistner, Professorin für Literatur und Philosophie in Südafrika
Weitere erwähnte Bücher:
* Kenneth Bonert: Der Löwensucher. 800 Seiten. Diogenes 2016.
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Aug 12, 2022 • 28min
«Von einem Sohn dieses Landes» von James Baldwin
Wer hat in den USA einen Platz? Der afroamerikanische Schriftsteller und Bürgerrechtsaktivist James Baldwin stellte die Frage 1955 in einer bahnbrechenden Essaysammlung. Als er «Von einem Sohn dieses Landes» veröffentlichte, war er gerade mal 31, und das Buch ist bis heute Kult.
Woran liegt es? An Baldwins einzigartiger Mischung aus Klugheit und Wärme, meint Franziska Hirsbrunner. An seinem Mut, Klischees anzugehen, findet Nicola Steiner. An seiner gnadenlosen Ehrlichkeit, auch mit sich selbst, schreibt die Autorin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal in ihrem berührenden Vorwort zur Neuübersetzung von «Notes of a Native Son».
Was Baldwins Analysen von Rassismus und Identitätsfragen so besonders macht und warum man ihn nicht lesen kann, ohne zu weinen – darüber sprechen wir in diesem Podcast.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
* James Baldwin. Von einem Sohn dieses Landes. Deutsch von Miriam Mandelkow. Mit einem Vorwort von Mithu Sanyal. 240 Seiten. dtv, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Mithu Sanyal, Autorin und Kulturwissenschaftlerin
* James Baldwin, Schriftsteller, in zwei kurzen Ausschnitten aus der Debatte mit dem damals führenden US-Konservativen William Buckley 1965 in Cambridge zum Thema «The American Dream: Is it at the expense of the American Negro?». Für Baldwin hatten die USA massiv von der Sklaverei profitiert. Legendär seine Aussage: «I picked the cotton, and I carried it to market, and I built the railroad under someone else's whip for nothing.»
Ausschnitt auf Youtube
Weitere erwähnte Bücher:
* Yaa Gyasi. Heimkehren. Deutsch von Annette Grube. 416 Seiten. Dumont, 2017.
* Achille Mbembe. Kritik der schwarzen Vernunft. Deutsch von Michael Bischoff. 332 Seiten. Suhrkamp, 2013.
* Mithu Sanyal. Identitti. 432 Seiten. Hanser, 2021.
* Alice Walker. Die Farbe Lila. Deutsch von Cornelia Holfelder-von der Tann. 288 Seiten. Ecco, 2021 (Neuübersetzung).
* Colson Whitehead. Z. B. Underground Railroad. Deutsch von Nikolaus Stingl. 352 Seiten. Hanser, 2017.
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Jul 29, 2022 • 29min
Der Nazi unter meinem Dach: «Der Aufgang» von Stefan Hertmans
Als der flämische Autor Stefan Hertmans erfährt, dass in seinem Haus ein SS-Mann lebte, beginnt er, zutiefst erschüttert, zu recherchieren. Und schreibt mit «Der Aufgang» einen Roman, der für «Zwei mit Buch»-Host Felix Münger einen packenden historischen Stoff gekonnt mit der Gegenwart verbindet.
Diese Podcast-Episode spürt der originellen Konstruktion des Romans nach. Sie erlaubt es, beim Lesen schwebend zwischen verschiedenen Erzählsträngen zu wechseln. Da ist zum einen die Geschichte des vormaligen Hausbesitzers mit Namen Willem Verhulst, der sich er während der deutschen Besatzung Belgiens im Zweiten Weltkrieg als skrupelloser Nazi-Kollaborateur erwies.
Und zum anderen begleiten wir Stefan Hertmans bei seiner Suche nach den Hintergründen dieser Geschichte - wie er alte Tagebücher, Fotografien und Gerichtsakten zu Verhulst studiert. Oder die Schauplätze von Verhulsts Leben aufsucht. Und je mehr sich das Bild zusammensetzt, desto deutlicher wird, wie sehr die Geschichte des längst verstorbenen SS-Mannes mit unserer Gegenwart heute zusammenhängt.
Dieses Buch steht im Zentrum der Folge:
* Stefan Hertmans. Der Aufgang. Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. 472 Seiten. Diogenes, 2022.
Im Podcast zu hören sind:
* Stefan Hertmans, Schriftsteller
* Charles Liebherr, SRF-Korrespondent in Brüssel
Weitere erwähnte Bücher:
* Sacha Batthyany. Und was hat das mit mir zu tun? Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie, Kiepenheuer und Witsch, 2016.
* Stefan Hertmans. Der Himmel meines Grossvaters. Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Hanser Berlin, 2014. (als Taschenbuch: Krieg und Terpentin. Diogenes 2018.)
* Stefan Hertmans. Die Fremde. Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Hanser Berlin, 2017.
* W.G. Sebald. Austerlitz. Fischer Taschenbuch, 2003.
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