Warum China ein Auge auf unsere Altbatterien geworfen hat
Unser heutiger Gast ist Dr. Lilian Schwich, MitbegrĂŒnderin des Batterierecycling-Startups "Cylib". Zu Beginn erklĂ€rt Lilian die grundlegenden Unterschiede zwischen pyrometallurgischen und hydrometallurgischen Recyclingprozessen: WĂ€hrend pyrometallurgische Verfahren auf hohe Temperaturen (>1.000°C) und Hochofenprozesse setzen, nutzt die Hydrometallurgie nasschemische Schritte zur selektiven RĂŒckgewinnung der wertvoller Batteriemetalle. Beide Prozesse werden heute oft in Kombination eingesetzt, um Altbatterien effektiv und kostengĂŒnstig zu rezyklieren.
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Lilian betont, dass trotz des Hochlaufs der ElektromobilitĂ€t in Europa noch viel zu wenige Altbatterien in die RecyclingkreislĂ€ufe zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Das liegt unter anderem daran, dass (1) moderne E-Auto-Batterien deutlich lĂ€nger halten als frĂŒher prognostiziert, wodurch das potenzielle Recyclingvolumen zunĂ€chst noch begrenzt bleibt. (2) Gleichzeitig wurden die PlĂ€ne fĂŒr zahlreiche europĂ€ische Batterie-Gigafabriken verworfen, sodass weniger Ausschusszellen fĂŒr die Batterierecycler zur VerfĂŒgung stehen.
Zur Wirtschaftlichkeit des Batterierecyclings: FĂŒr Batterierecycler sind vor allem die NMC-Batterien attraktiv, weil die darin enthaltenen Metalle wie Nickel, Kobalt und Kupfer wertvoll genug sind, um die Prozesse insg. zu refinanzieren â hier die aktuellen Weltmarktpreise dieser Metalle:
- Nickel: 17.500 USD pro Tonne
- Kobalt: 56.000 USD pro Tonne
- Lithium: 23.000 USD pro Tonne
- Kupfer: 13.000 USD pro Tonne
LFP-Batterien hingegen lassen sich zwar technisch ebenfalls recyceln, der Prozess ist aber wirtschaftlich unrentabel, da die enthaltenen Rohstoffe schlichtweg zu billig sind.
Mit seinem âLithium First Approachâ hat Cylib einen innovativen nasschemischen Prozess entwickelt, der die RĂŒckgewinnung von Lithium und Graphit weitaus effizienter macht. Dazu setzt das Unternehmen an entscheidenden Stellen Wasser statt SĂ€ure ein, um die Metalle freizusetzen. Technologisch geht es beim Recycling letztlich um Reinheit der zurĂŒckgewonnenen Metalle und Gesamteffizienz der Anlagen â und hier sieht Lilian bei Cylib einen technologischen Vorsprung und nachhaltige Potenziale fĂŒr die Zukunft. FĂŒr Lilian ist darĂŒber hinaus klar: Europa muss eine vollstĂ€ndige, heimische Batterie-Wertschöpfungskette aufbauen, um wirtschaftlich und geopolitisch unabhĂ€ngig zu werden.
Redaktioneller Hinweis: Dr. Lilian Schwich bat nach dem GesprÀch um eine inhaltliche Korrektur. Die EU-Batteriedirektive gibt es bereits seit dem Jahre 2006, nicht "seit 2016", wie sie im Podcast erwÀhnte.
Im Geladen-Podcast setzen sich Patrick Rosen und Daniel Messling mit ihren GĂ€sten wissenschaftlich mit den Themen Energiewende, ElektromobilitĂ€t, Elektroauto und Batterie auseinander. Der Podcast wird produziert vom Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT).
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