Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der taz und Autorin mehrerer Bücher, diskutiert die existenziellen Krisen des globalen Kapitalismus. Sie hinterfragt, ob wir aus dem Kapitalismus aussteigen sollten und welche Alternativen bestehen. Herrmann beleuchtet auch, wie Oligopole und der Wachstumswahn unsere Wirtschaft beeinflussen. Außerdem analysiert sie den deutschen Wirtschaftsmythos nach dem Krieg und die Rolle von Ökonomen. Ein spannender Dialog über die Zukunft der Banken und die Notwendigkeit ökologischer Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel!
Die Konzentration von Unternehmen in Deutschland zeigt, dass die Idee einer echten Marktwirtschaft hinterfragt werden muss, um monopolartigen Strukturen entgegenzuwirken.
Der Mythos des Wirtschaftswunders wird als ideologisches Konstrukt betrachtet, das grundlegende historische Probleme und Akteure unverändert lässt.
Nachhaltige Lösungen im aktuellen Wachstums-Kapitalismus erfordern ein Umdenken und die Unterstützung staatlicher Planung zur Förderung klimaneutraler Alternativen.
Deep dives
Wirtschaftliche Konzentration in Deutschland
Weniger als ein Prozent der Unternehmen in Deutschland kontrollieren etwa 67 Prozent des Umsatzes, was auf eine stark konzentrierte Wirtschaft hindeutet. Diese Konzentration stellt die Vorstellung in Frage, dass Deutschland in einer echten Marktwirtschaft lebt. Solche Bedingungen verlangen ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik, um den monopolartigen Strukturen entgegenzuwirken. Eine angemessene politische Beratung, insbesondere durch Ökonomen, bleibt in diesem Kontext oft aus, besonders bei Themen wie Klimaschutz.
Kritik an Ludwig Erhard und der sozialen Marktwirtschaft
Ludwig Erhard, häufig als der Vater der sozialen Marktwirtschaft gefeiert, wird als Opportunist beschrieben, der lediglich ein Talent zur Selbstdarstellung hatte. Die Wahrheit sei, dass die soziale Marktwirtschaft in Deutschland eher ein ideologisches Konstrukt der CDU war, als eine funktionierende wirtschaftliche Realität. Der Mythos des Wirtschaftswunders, der mit Erhard verbunden wird, unterschlägt, dass viele der grundlegenden Probleme und Akteure der Vergangenheit fortbestanden haben. Es besteht die Auffassung, dass die Wirtschaft von den gleichen Großkonzernen kontrolliert wurde, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg existierten.
Wachstumszwang des Kapitalismus
Der gegenwärtige Kapitalismus erfordert ununterbrochenes Wachstum, um zu funktionieren und wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Dies führt dazu, dass es kaum Raum für umweltbewusste Lösungen gibt, die nicht auf stetige Expansion angewiesen sind. Der Zusammenschluss von ökologischen und wirtschaftlichen Zielen ist daher in einem System, das auf Wachstumskapitalismus beruht, extrem schwierig. Alternativen wie eine Planwirtschaft mit einem Blick auf Umweltinteressen werden als notwendig erachtet, um eine nachhaltige Zukunft zu erreichen.
Die Herausforderungen der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie steht vor der enormen Herausforderung, sich in einer Zeit des Klimawandels und der Ressourcenknappheit zu transformieren. Es wird betont, dass es keine klimaneutralen Autos gibt, solange der benötigte Strom nicht aus erneuerbaren Quellen stammt. Die Rohstoffgewinnung für Elektroautos warnt zudem vor ähnlichen Umweltschäden wie die fossilen Brennstoffe, was die langfristige Lösung in Frage stellt. Dringend notwendig ist ein Umdenken, das zu einer reduzierten Anzahl von Autos und zu nachhaltigeren Mobilitätslösungen führt.
Die Rolle des Staates bei der Transformation
Die Überwindung des gegenwärtigen Systems könnte erfordern, dass der Staat eine aktive Rolle spielt, um die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft zu steuern. Eine staatliche Planung könnte helfen, alternative Einkommensquellen für diejenigen zu schaffen, die von der vorrangigen Industrie abhängig sind. Dies bezieht sich auf den digitalen und physischen Notfall zur Bewältigung von Beschäftigung und Sozialleistungen. Ein zentraler Aspekt ist die Verteilung von Ressourcen, um zu verhindern, dass Wohlstand und Wohlstandsgefahren ungleich gerieten.
Ökonomische Mythologien und Bildung
Die Lehrpläne der Wirtschaftswissenschaften werden als unzureichend betrachtet, da sie oft entfernen von der Realität und historischem Verständnis sind. Studierende erleben eine Struktur, die mehr auf abstrakten theoretischen Modellen beruht als auf praktischen wirtschaftlichen Herausforderungen und deren Lösungen. Die Notwendigkeit eines pluralistischen Ansatzes in der Ökonomik wird hervorgehoben, um diverses Denken und neue Lösungsansätze zu fördern. Studierende und Akademiker greifen in verschiedenen Bewegungen nach dieser Bildungsreform, um das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu erweitern.
Politik für Desinteressierte
Wir sind zu Gast bei der "taz" und treffen Ulrike Herrmann, die seit 2006 Wirtschaftskorrespondentin der Tageszeitung ist und schon seit 2000 für sie schreibt.
Ob Ulrike ursprünglich Journalistin werden wollte und warum ihre berufliche Laufbahn mit einer Banklehre begann, erklärt sie im Interview.
Ulrike hat sich mit den großen Ökonomen wie Keynes, Marx und Smith befasst und analysiert die existenzielle Krise des globalen Kapitalismus: Warum steht die kapitalische Menschheitsära vor dem Ende? Was sind die Alternativen? Wie kommen wir dahin? Lässt sich zB die deutsche Autoindustrie noch retten? Weshalb könnte es in Zukunft keine Banken und Versicherungen mehr brauchen? Wie lassen sich Monopole bekämpfen? Können wir uns vom Wachstumswahn verabschieden? Ist kein Kapitalismus vielleicht doch eine Lösung?
Im zweiten Teil geht es um den deutschen Wirtschaftsmythos der Nachkriegszeit: Sprechen wir zurecht vom "Wirtschaftswunder"? Wer hat die D-Mark eingeführt? Wer hat die "soziale Marktwirtschaft" erfunden? Und was hat Ludwig Erhard mit all dem zu tun?
Das und vieles, vieles mehr in Folge 451 - wir haben sie am 9. Januar 2020 in Berlin aufgezeichnet.
Ulrikes aktuelle Bücher:
- Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen: Warum es kein Wunder ist, dass wir reich wurden (2019, Westend Verlag)
- vorheriges Buch: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung (2016, Westend Verlag)
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