#242 Philipp Höllermann - Warum unsere Bildung im Mittelalter stecken geblieben ist
Jan 16, 2025
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Philipp Höllermann, Bildungsenthusiast und CTO der Deutschen Weiterbildungsgesellschaft, diskutiert, wie veraltet die gegenwärtigen Bildungsstrukturen sind. Er kritisiert den Fokus auf Wissensvermittlung anstelle von Kompetenzentwicklung und plädiert für individuelle Lernpläne. Der traditionelle Unterricht, geprägt von Disziplin und starren Lehrplänen, behindert kreatives Lernen. Höllermann hebt die Wichtigkeit von Motivation und Eigenverantwortung hervor und sieht Chancen in der Integration von Künstlicher Intelligenz für ein flexibleres Bildungssystem.
Lebenslanges Lernen ist essenziell, da sich die Anforderungen an Kompetenzen und Wissen in einer sich schnell verändernden Welt stetig weiterentwickeln.
Die traditionellen Bildungsstrukturen sind überholt und benötigen eine Neubewertung, um den heutigen Bedürfnissen und Motivationen der Lernenden gerecht zu werden.
Deep dives
Die Bedeutung lebenslangen Lernens
Lebenslanges Lernen ist in der heutigen Zeit von entscheidender Bedeutung, da sich die Anforderungen an Fähigkeiten und Wissen rapide ändern. In Deutschland gibt es eine zentrale Diskussion über den aktuellen Bildungsstand und die Notwendigkeit, Bildungsstrukturen an die Zukunft anzupassen. Bildung sollte nicht nur den Erwerb von Wissen umfassen, sondern auch die Entwicklung von Kompetenzen, die für das professionelle und persönliche Leben erforderlich sind. Der Podcast betont, dass viele Menschen durch informelles Lernen außerhalb traditioneller Bildungseinrichtungen wertvolle Fähigkeiten erlangen, und es wird angeführt, dass wir das Lernen neu denken müssen.
Herausforderungen und Chancen des Bildungssystems
Das Bildungssystem steht vor der Herausforderung, ob die bestehenden Strukturen und Curricula noch relevant sind. Historisch bedingte Formate, wie zum Beispiel die traditionellen Vorlesungen, sind an sich überholt und sollten überdacht werden, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Diskussion schließt auch die Frage ein, wie Bildung die gesellschaftliche und technologische Entwicklung unterstützen kann. Der Podcast hebt hervor, dass der Fokus auf Wissen immer mehr auf die Fähigkeit verlagert werden muss, mit Informationen umzugehen und sie zu nutzen.
Innovative Ansätze für Bildungseinrichtungen
Es ist notwendig, den Bildungsort neu zu gestalten, um eine effektivere Lernumgebung zu schaffen, die der Motivation und den Bedürfnissen der Lernenden gerecht wird. Individuelle Lernwege, die den Teilnehmenden Freiraum lassen, können dazu führen, dass Lernen als sinnvoller empfunden wird. Anhand von Beispielen wie innovativen Schulen oder Hochschulen wird gezeigt, wie partizipative Ansätze und praktische Anwendungen von Wissen das Lernen fördern können. Dabei wird deutlich, dass der traditionelle Unterrichtsmodus, in dem Lehrkräfte im Fokus stehen, nicht mehr zeitgemäß ist.
Zukunft der Bildung und die Rolle von Technologie
Die Zukunft der Bildung hängt stark von der Integration moderner Technologien ab, die individuelles Lernen unterstützen können. Künstliche Intelligenz, die als Lernbegleiter agieren kann, bietet Chancen, den Bildungsprozess zu revolutionieren. Das Gespräch thematisiert die Möglichkeit, dass Technologie Lernenden nicht nur beim Erwerb von Wissen helfen kann, sondern auch bei deren persönlicher und beruflicher Entwicklung. Besonders herausgestellt wird die Notwendigkeit, dass Bildungssysteme flexibler werden, um effizient auf die sich ständig ändernden Anforderungen der Arbeitswelt reagieren zu können.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite die Anforderungen an Bildung und Lernen, auf der anderen Seite unsere Gewohnheiten und Strukturen. Michael diskutiert mit dem Bildungsenthusiasten Philipp Höllermann darüber, wie wir Menschen dazu bringen können, lebenslang und mit Begeisterung zu lernen.
Philipp beschreibt, wie aus der Zeit gefallen die heutigen Bildungsstrukturen sind. Im Mittelalter waren Bücher das knappe Gut der Bildung. Also zogen die Lehrenden von einer Stadt zur nächsten und lasen aus ihren Büchern vor. Bücher sind inzwischen nicht mehr das Problem, Vorlesungen sind geblieben. Später brauchte es brave Bürger und fähige Soldaten, die an der Front verheizt werden konnten. Disziplin, Wohlverhalten, abrufbares Wissen waren gefragt - und genau dafür wurden Schulen entwickelt. Form und Struktur sind geblieben.
Der Alltag: 28 Kinder sitzen in einem engen Raum. Philipp sagt: Das Einzige, was man damit erreicht, ist eine hervorragende Petrischale, aber nicht für Bildung, sondern für Ablenkung, Lärm und im Zweifelsfall irgendwelche Viren und Läuse. Kompetenzen müssen in den Vordergrund rücken, nicht das Wissen, so Philipp. Das Wissen ist im Zweifel flüchtig, überflüssig oder nicht mehr up to date. Wer aber Kompetenzen fordert, wird mit den üblichen Lehrplänen oder gar Bewertungsmaßstäben nicht weit kommen.
Also: Individuelle Lernpläne, Abgleich mit dem eigenen Fortschritt und Tempo, Lernen an eigenen themenübergreifenden Projekten. Letztlich müssen wir eins lernen: Wie entwickele ich das Curriculum meines eigenen Lebens und setze es um?