Der Gast belmonte, ein technikaffiner Autor und Liederdichter aus Heidelberg, spricht über die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Literatur. Er erklärt, wie KI zur Charakterentwicklung und zur Aufdeckung von Handlungsinkonsistenzen eingesetzt werden kann. Belmonte betont die Vorteile der Zeitersparnis durch KI und die Verlagerung von Autorschaft hin zu Content-Creator. Trotz Bedenken hinsichtlich der Qualität der KI-generierten Texte sieht er eine positive Zukunft für kreativ-kollaboratives Schreiben mit KI als Dialogpartner.
20:08
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KI Als Kreativer Dialogpartner
Belmonte zeigt, dass KI Autoren bei Figuren-, Plot- und Setting-Entwicklung sowie Textüberarbeitung effektiv unterstützen kann.
Er betont, dass tiefergehende Charakterarbeit durch Dialog mit der KI möglich wird, erfordert aber genaue Prompts.
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Arbeite Iterativ Mit Der KI An Charakteren
Gehe in einen iterativen Dialog mit der KI, frage gezielt nach Persönlichkeit und Verhalten.
Stelle Folgefragen, um Tiefe in Charaktereigenschaften zu erreichen.
insights INSIGHT
KI Für Konsistenzprüfung Nutzen
KI erkennt Inkonsistenzen und Brüche in großen Textmengen besser als Menschen.
Sie liefert gezielte Vorschläge für Dialoge oder Rückblenden zur Behebung von Logikfehlern.
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KI kann Literatur. Das beweist der Autor belmonte in seinem neuen Buch „Was bleibt von uns, wenn das Wasser kommt. Einsatz generativer KI in erzählender Literatur“.
Auch wenn sein Künstlername anderes vermuten lassen könnte: belmonte ist ein Mensch. Er ist Autor, Liederdichter und ein Sprecher der Heidelberger Autor:innen. Trotz seiner Liebe zu altem Liedgut, das er – begleitet von einem indischen Harmonium – auch selbst vorträgt, ist er ausgesprochen technikaffin und experimentierfreudig.
In der Zukunft wird literarisches Schreiben „eine Mischung aus menschlicher Kreativität und maschineller Intelligenz“ sein, prognostiziert belmonte. „KI wird im literarischen Schreiben stärker als Partner eingesetzt werden, als Assistenz, als Dialogpartner. Nicht umsonst sind das ja auch Chatprogramme.“
Wie man KI zum Schreiben einsetzen kann
In seinem sehr anwendungspraktischen Buch erfasst und testet er aktuelle KI-Programme für Autorinnen und Autoren. Diese Sachteile werden von literarischen Texten umspielt, die belmonte mit Hilfe von KI hergestellt hat. Sein Buch ist klar strukturiert und erinnert passagenweise an ein Lehrbuch.
Es führt zunächst ein in die technischen Hintergründe von KI und bietet begriffliche Klärungen. Anschließend geht es darum, wie KI für Literatur nutzbar gemacht werden kann: Charakterentwicklung, Plotgestaltung, Dialogaufbau und Weltenbau sind wichtige Themen. Viele Beispiele ergänzen jedes Kapitel.
Die KI-generierten Kurztexte klingen allerdings noch sehr stereotyp. „Ich würde sie auch schematisch und musterhaft nennen wollen“, ergänzt belmonte im Gespräch auf SWR Kultur.
KI ist Teil der Technologieentwicklung
„Allerdings glaube ich, dass KI-generierte Texte immer besser werden“, unterstreicht er. Dann würde sich auch das Gefühl einer gewissen Leere bei der Lektüre KI-generierter Texte legen.
„Ich würde das gerne im Rahmen von Technologieentwicklung betrachten. Denn neue Technologien wurden oftmals als entleert empfunden. Telefon ersetzte einst das persönliche Gespräch, und Internet und E-Mail ersetzten wiederum den handschriftlichen Brief. Selbst nach der E-Mail sehnt man sich inzwischen schon zurück, seit sie durch WhatsApp und Messenger-Systeme zurückgedrängt wurde.“
Kommunikationstechnik ändert sich. „KI lässt sich in die Reihe dieser Medienentwicklungen einphasen“, findet belmonte.
Weniger phantasieren, mehr kontrollieren
Autorinnen und Autoren werden zunehmen KI verwenden, prognostiziert belmonte auf SWR Kultur. Dadurch wandelt sich auch die Rolle des Autors, findet er.
„Autorschaft umfasst einerseits die Tätigkeit des Schreibens und andererseits die Verantwortlichkeit für einen Text. Ich kann mir vorstellen, dass der Aspekt des Selber-Schreibens in den Hintergrund treten wird. Zugleich denke ich, dass der zweite Aspekt in der Zukunft viel, viel wichtiger wird: nämlich dass der Text mir als Autor gehört und dass ich ihn auch selbst komplett überprüfen muss, um dafür verantwortlich zu sein.“
Virtuelle Autor:innen und Neuro-Literatur
Schließlich kann KI auch selbst zur Autorin werden. „Ich glaube“, sagt belmonte, „dass wir bald in Europa die ersten komplett virtuellen Autor:innen sehen werden.
In der Popmusik gibt es sie ja bereits. In Südkorea und Japan gibt es komplett virtuelle Popstars, die riesige Hallen füllen. Denkbar ist das auch für besonders talentierte KI-Autor:innen mit besonderen Erzählweisen. Die hätten dann eigene Social Media Accounts und gäben virtuelle Interviews.“
Auch neue literarische Genres sieht belmonte kommen: „Es sind zum Beispiel Bücher denkbar, die sich je nach Standpunkt von Leser:innen komplett neu schreiben. Das heißt Neuro-Literatur. Da passt sich Literatur ad hoc an die Gedanken der Leser an.“