Sahra Wagenknecht, eine promovierte Ökonomin und Politikerin, spricht über ihre politischen Überzeugungen und die Gründung ihrer eigenen Partei. Sie reflektiert über ihre Erlebnisse in der DDR und den Verlust ihres Vaters. Im Gespräch thematisiert sie auch die geopolitische Lage, den Ukraine-Krieg und die Pandemie sowie deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Besonders interessant sind ihre Ansichten zu Migration, Menschenrechten und den Herausforderungen, die sich in der politischen Landschaft Deutschlands stellen.
Sahra Wagenknecht betont die Prägung ihrer politischen Ansichten durch persönliche Kindheitserfahrungen und sozialistische Klassiker.
Die Gründung ihrer eigenen Partei ermöglicht es Wagenknecht, eine klare politische Ausrichtung anzubieten und ungehörte Stimmen zu vertreten.
In der Diskussion über die COVID-19-Pandemie fordert sie Selbstbestimmung und warnt vor gesellschaftlicher Spaltung durch Impfpflichten.
Wagenknecht kritisiert die außenpolitischen Entscheidungen Deutschlands und fordert diplomatische Lösungen anstelle von militärischen Konflikten.
Soziale Gerechtigkeit und verantwortungsvolle Migrationspolitik sind zentrale Themen, die sie in ihren politischen Zielen verfolgt.
Deep dives
Einführung in die Biografie
Die Gästin ist Dr. Sarah Wagenknecht, eine promovierte Ökonomin, Bestsellerautorin und Politikerin, die in der deutschen Geschichte eine besondere Rolle spielt, indem sie eine Partei gegründet hat, die ihren Namen trägt. Sie diskutiert, wie sie ihren Lebensweg und ihre politischen Überzeugungen geprägt hat, und betont die Bedeutung von Solidarität und sozialen Verantwortung. Wagenknecht äußert, dass es in der DDR notwendig war, sich anpassen zu müssen, um perspektivische Chancen wie einen Studienplatz zu erhalten. Ihre Kindheitserfahrungen, wie die Abwesenheit ihres Vaters und das Aufwachsen in einem heterogenen Umfeld, haben ihre Sicht auf die Gesellschaft und die Politik nachhaltig beeinflusst.
Politische Anfänge und Überzeugungen
Wagenknecht schildert ihre frühen politischen Überzeugungen, die durch die Lektüre sozialistischer Klassiker wie Marx und Luxemburg geprägt wurden. Diese Überzeugungen führten sie dazu, in die SED einzutreten, nicht wegen einer Loyalität zum System, sondern um für eine reformierte Form des Sozialismus zu kämpfen. Sie beschreibt ihre Herausforderungen in der DDR, insbesondere die Gleichschaltung von Meinungen und den Verlust persönlicher Freiheiten. Mit der Wende sah sie die Möglichkeit, eine bessere Gesellschaft zu schaffen, die den ursprünglichen sozialistischen Idealen näher kommt.
Erfahrungen im Bundestag
Im Bundestag hat Wagenknecht die Möglichkeit, ihre politischen Ideen in die Praxis umzusetzen, wobei sie immer wieder betont, dass bedeutende Veränderungen und Verbesserungen nicht nur durch Reden, sondern durch tatsächliche politische Maßnahmen erreicht werden können. Sie ist der Meinung, dass es unerlässlich ist, die Anliegen der ärmeren Bevölkerungsteile zu adressieren und dass soziale Gerechtigkeit an oberster Stelle stehen sollte. Trotz der Herausforderungen, die eine politische Karriere mit sich bringt, empfindet sie die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, als eine erfüllende Aufgabe. Wagenknecht sieht sich als Vertreterin einer politischen Strömung, die sich für die Schwächeren in der Gesellschaft einsetzt.
Die Gründung einer neuen Partei
Wagenknecht erklärt die Gründung ihrer eigenen Partei als eine Notwendigkeit, da sie sich von der Linken entfremdet fühlte und das Gefühl hatte, dass die Partei nicht mehr die Bedürfnisse der Menschen widerspiegelt. Die neue Partei, die ihren Namen trägt, soll eine klare politische Ausrichtung bieten und sich von den bestehenden politischen Strukturen abheben. Durch diese Initiative will sie erreichen, dass auch die Stimmen der Menschen gehört werden, die sich in der gegenwärtigen politischen Lage nicht mehr vertreten fühlen. Sie ist überzeugt, dass eine frische Perspektive in der deutschen Politik zwingend erforderlich ist, um echte Veränderung zu bewirken.
Herausforderungen von Koalitionen
Wagenknecht thematisiert die Schwierigkeiten, die junge Parteien haben, wenn sie in Koalitionen eingebunden werden, da oft die innovative Kraft und frischen Ideen in den Hintergrund treten. Ihre Erfahrungen zeigen, dass es in der politischen Realität oft schwerer ist, die eigenen Überzeugungen durchzusetzen, wenn man in Koalitionen mit etablierten Parteien arbeitet. Sie behandelt auch das Thema des Kompromisses in der Politik und dessen notwendige Rolle. Gleichzeitig betont sie, dass die Wahrung der eigenen Werte nicht hinter politischen Deals zurücktreten darf.
Einfluss von sozialen Medien
Wagenknecht hebt hervor, wie wichtig soziale Medien für die Sichtbarkeit und das Erreichen von Wählern in der heutigen politischen Landschaft sind. Sie kritisiert jedoch auch, dass die sozialen Medien oft von Fehlinformationen durchzogen sind, die das Bild über die Politik verzerren können. Ihre Partei hat in der ursprünglichen Phase von der Nutzung sozialer Netzwerke profitiert, hat allerdings auch mit der Herausforderung zu kämpfen, sich von bestehenden Vorurteilen und Missverständnissen zu befreien. Diese Plattformen werden als wichtige Werkzeuge in der politischen Kommunikation wahrgenommen, die jedoch auch große Risiken bergen.
Persönliche Einstellung zur Impfpflicht
Wagenknecht diskutiert ihre Sichtweise auf die COVID-19-Pandemie und die Einführung von Impfpflichten, wobei sie sich als Befürworterin der Selbstbestimmung in Bezug auf medizinische Eingriffe positioniert. Sie sieht, dass die pandemischen Maßnahmen und die damit verbundenen Impfpflichten erhebliche soziale Spaltungen verursacht haben. Eine ihrer größten Sorgen ist die langfristige gesellschaftliche Spaltung, die durch die Ausgrenzung von Ungeimpften aus dem öffentlichen Leben entstanden ist. Sie warnt vor einem bleibenden Trauma in der Gesellschaft aufgrund der erlebten Fremdbestimmung während der Pandemie.
Kritik an der Außenpolitik
Wagenknecht äußert scharfe Kritik an der außenpolitischen Ausrichtung Deutschlands, insbesondere in Bezug auf den Ukraine-Konflikt und die Rolle der Bundeswehr. Sie betont, dass militärische Konflikte nicht durch Waffenlieferungen oder Militärpräsenz gelöst werden können und dass diplomatische Lösungen erforderlich sind. Sie sieht ein Versagen der Politik, sich für Frieden und Stabilität einzusetzen, und fordert eine kritische Betrachtung von Entscheidungen, die geostrategische Spannungen weiter verschärfen. Ihre Position wird als unabhängige Stimme für die Beendigung von gewaltsamem Aufeinandertreffen beschrieben.
Soziale Gerechtigkeit und Migration
In ihren politischen Ansichten stellt Wagenknecht soziale Gerechtigkeit als essentielle Priorität dar, insbesondere in Bezug auf Armut und prekäre Arbeitsverhältnisse. Gleichzeitig fordert sie eine differenzierte Betrachtung der Migrationspolitik und einen verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Ressourcen. Ihrer Ansicht nach sollte die Einwanderungspolitik nicht auf Kosten der einheimischen Infrastruktur oder der unteren Einkommensschichten gehen. Sie betont die Notwendigkeit einer politischen Antwort auf die Bedürfnisse derjenigen, die im Land leben, anstatt ungehindert jegliche Migration zuzulassen.
Zukunftsvisionen
Wagenknecht äußert eine klare Vorstellung von der Zukunft, in der soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Frieden Priorität haben sollten. Sie sieht die Notwendigkeit, dass die Politik nicht nur belächelt, sondern auch auf das konkrete Lebensumfeld der Bürger eingeht. Ihre Vision beinhaltet eine stärkere Umverteilung von Reichtum und Einfluss, um sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird. Die Debatten sollen sich stärker auf die Bedürfnisse und Rechte der ärmeren Schichten konzentrieren und die Politik als eine echte Vertretung für alle gestalten.
Sie ist promovierte Ökonomin und Bestsellerautorin, Politikerin und Publizistin, Bundestagsabgeordnete und Kanzlerkandidatin, Ex-Stalinistin und Ex-Kommunistin – und die einzige Person in der deutschen Geschichte, die eine Regierungspartei gegründet hat, die ihren eigenen Namen trägt: Sahra Wagenknecht ist bei "Alles gesagt?", die Vorsitzende des Bündnisses Sahra Wagenknecht. Diese Folge wurde am 12. Februar 2025 aufgezeichnet.
Sahra Wagenknecht spricht über ihr Verhältnis zu Putins Russland, zur AfD und zu ihrer früheren politischen Heimat, der Linkspartei. Sie zieht ihre ganz eigene Bilanz der Pandemie, erklärt ihre Haltung in der Migrationsdebatte und erzählt, warum sie immer wieder damit gerungen hat, ob sie wirklich Politikerin sein will.
Sahra Wagenknecht wurde 1969 in Jena als Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters geboren, der Deutschland verlassen hat, als sie drei Jahre alt war. Seitdem hat sie keinen Kontakt zu ihm. Sie wuchs zunächst bei ihren Großeltern auf, machte 1988 in Ost-Berlin Abitur und studierte anschließend in Jena, Berlin und Groningen. 1989 trat sie der SED bei und wurde 1991 erstmals in den Vorstand der Nachfolgepartei PDS gewählt. 2004 zog sie als Abgeordnete ins Europaparlament ein, 2009 in den Bundestag. Von 2015 bis 2019 war sie Co-Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. 2023 trat sie aus der Partei aus und gründete das Bündnis Sahra Wagenknecht.
Im Gespräch mit den Podcast-Gastgebern Christoph Amend und Jochen Wegner erzählt Sahra Wagenknecht von ihrer Ehe mit dem früheren Politiker Oskar Lafontaine, ihrer Leidenschaft für Mathematik – und was sie sich für ihr eigenes Leben von ihrer Mutter abgeschaut hat. Und sie sagt, dass sie aus der Politik ausscheiden will, falls das BSW bei den Bundestagswahlen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollte. Nach zwei Stunden und 42 Minuten beendet Sahra Wagenknecht das Gespräch, denn das kann bei "Alles gesagt?" nur die Gästin.
Seit dem 15.01.2025 sind Teile des Archivs von "Alles gesagt?" nur noch exklusiv mit einem Digitalabo der ZEIT zu hören – auf ZEIT ONLINE, auf Apple Podcasts und auf Spotify. Ein kostenloses Probeabo können Sie hier abschließen. Wie Sie Ihr Abo mit Spotify oder Apple Podcasts verbinden, lesen Sie hier.