Türkei in Aufruhr: Was können die Proteste bewirken?
Mar 27, 2025
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Raphael Geiger, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Istanbul, analysiert die turbulente politische Lage in der Türkei nach der Festnahme von İstanbuls Oberbürgermeister Ekrem İmamoglu. Hunderttausende Menschen protestieren gegen Erdogans autoritäre Taktiken. Geiger beleuchtet die Rolle junger Aktivisten sowie die Korruptionsvorwürfe gegen İmamoglu im Kontext bevorstehender Wahlen. Er diskutiert die Gefahren für die türkische Demokratie und ob Erdogans Herrschaft ins Wanken gerät oder das Land in eine vollständige Autokratie abrutscht.
Die Proteste in der Türkei zeigen eine breite Unzufriedenheit mit der Regierung Erdogan, die auch in konservativen Provinzen spürbar ist.
Ekrem Imamoglu wird als Symbol des Wandels wahrgenommen, was Erdogans Angst vor einem möglichen Machtverlust verstärkt hat.
Deep dives
Proteste in der Türkei
Die Proteste in der Türkei sind die größten seit über einem Jahrzehnt und haben sich auf mehrere Städte ausgeweitet, beginnend mit der Festnahme des größten Widersachers von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Ekrem Imamoglu. Diese Demonstrationen sind nicht nur auf Istanbuls Stadtzentrum beschränkt, sondern finden auch in entlegenen und konservativen Provinzen statt, was auf eine breite Unzufriedenheit mit der derzeitigen Regierung hinweist. Besonders die jüngere Generation mobilisiert sich, indem sie spontane Aktionen organisiert, die durch den direkten Widerstand gegen die staatlichen Repressionen geprägt sind. Der Druck der Demonstranten wächst täglich, während sie sich gegen die repressive Politik Erdogans und die Einschränkung der politischen Freiheiten erheben.
Die Rolle von Ekrem Imamoglu
Ekrem Imamoglu, der als potenzieller Herausforderer Erdogans gilt, hat sich durch seine charismatische Art und seine Verbindung zur kurdischen Wahlbasis einen Namen gemacht. Erdogans Angst vor ihm zeigt sich in der politischen Verfolgung, die in Form von Korruptionsvorwürfen gegen Imamoglu erfolgt, die von vielen als politisch motiviert angesehen werden. Der ehemalige Bürgermeister von Istanbul wird von den Bürgern als Symbol des Wandels und der Demokratie betrachtet, vor allem, da er die Kontrolle über die größte Stadt des Landes erlangte, die zuvor fest in Erdogans Händen war. Diese Situation hat die politischen Spannungen weiter angeheizt und lässt die Frage aufkommen, ob Erdogan unter Druck stehen kann, selbst bevor die Wahlen stattfinden.
Zukunft der türkischen Demokratie
Die künftige politische Landschaft der Türkei steht auf der Kippe, da viele vermuten, dass Erdogans Herrschaft möglicherweise an ihr Ende gelangt. Der stetige Druck der Protestbewegung könnte zu einer nachhaltigen Mobilisierung der Zivilgesellschaft führen, jedoch fehlt es derzeit an internationaler Unterstützung für diese Bewegung. Der Einfluss der Sicherheitskräfte und der aufblähte Staatsapparat machen es für die Opposition schwierig, gegen die autoritäre Kontrolle zu gewinnen. Ein mögliches Szenario ist, dass die Türkei auf eine völlig autokratische Regierungsform zusteuert, es sei denn, es kommt zu einem signifikanten politischen Wandel oder Druck von außen, der Erdogans Machtstellung herausfordert.
Letzte Woche liess der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Mann festnehmen, der sein Nachfolger werden will. Der Verhaftete, Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem İmamoglu, ist Mitglied der oppositionellen CHP. Erdogans Behörden werfen ihm Verbindungen zu Terroristen und die Veruntreuung öffentlicher Gelder vor.
Die Festnahme führt in der Türkei zu riesigem Widerstand. Seit İmamoglus Verhaftung sind Hundertausende Menschen auf die Strassen. Und bei den Vorwahlen am Wochenende haben über 15 Millionen Menschen İmamoglu zum Präsidentschaftskandidaten der oppositionellen CHP gewählt. Was passiert hier gerade? Wie gefährdet ist die türkische Demokratie angesichts dieses Vorgehens gegen die Opposition? Und ist das der Anfang vom Ende von Erdogans Herrschaft? Oder Diese Fragen beantwortet Raphael Geiger, Korrespondent in Istanbul, in einer neuen Folge des täglichen Podcast «Apropos».