Umut Özdemir, Diplom-Psychologe und Social-Media-Influencer, diskutiert mit Dr. Saskia Scholten, wie wichtig Psychotherapie wirklich ist. Erklärungen zu Mythen und Fakten rund um die Notwendigkeit von Therapie werden aufgedeckt. Die Rolle von Prävention, vor allem in Schulen, kommt zur Sprache. Özdemir betont, dass jeder unter psychischem Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Offene Gespräche über mentale Gesundheit und die Bedeutung von Selbsterfahrung werden als zentrale Themen hervorgehoben.
Die Akzeptanz für psychotherapeutische Hilfe hat während der Pandemie zugenommen, jedoch erkennen viele Menschen ihre eigene Notwendigkeit nicht.
Präventive Maßnahmen in Schulen sind entscheidend, um frühzeitig auf psychische Gesundheitsrisiken aufmerksam zu machen und Unterstützungsnetzwerke zu schaffen.
Deep dives
Zunahme von psychischen Erkrankungen und Therapien
Die Bereitschaft, Hilfe in Form von Therapie zu suchen, hat im Laufe der Jahre zugenommen, insbesondere während der Pandemie. Statistiken belegen, dass im ersten Jahr von COVID-19 die Anfragen an Psychotherapeuten um beeindruckende 40 Prozent gestiegen sind. Diese wachsende Akzeptanz zeigt sich auch in der psychischen Gesundheitskommunikation, die durch verschiedene Plattformen vorangetrieben wird. Gleichzeitig kämpfen viele Menschen jedoch weiterhin damit, dass sie eine Therapie nicht als notwendig erachten, obwohl fast ein Drittel der Deutschen an psychischen Erkrankungen leidet.
Die Rolle des Leidensdrucks
Leidensdruck fungiert als entscheidender Indikator dafür, wann eine Therapie in Betracht gezogen werden sollte. Menschen, die sich sozial isoliert fühlen oder in ihrem Alltag stark eingeschränkt sind, kommen oft zu dem Schluss, dass sie professionelle Hilfe benötigen. Es wird verdeutlicht, dass die Einschätzung der eigenen Situation und die Akzeptanz des Leidensdrucks entscheidend sind, um rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Therapeuten bieten Sprechstunden an, in denen Klienten schildern können, was sie belastet und in denen die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen eingeschätzt wird.
Vielfalt der Therapieformen und deren Wirksamkeit
Es gibt zahlreiche Therapieansätze, wobei Verhaltenstherapie besonders gut erforscht ist und hohe Wirksamkeit bei Depressionen, Angstsymptomatik und ähnlichen Problemen zeigt. Eine Studie hat gezeigt, dass fast 80 Prozent der Betroffenen nach einer zwölfwöchigen Verhaltenstherapie eine Verbesserung ihrer Symptome feststellen konnten. Neben der Verhaltenstherapie gibt es auch tiefenpsychologische Verfahren, die sich auf die Kindheit und zwischenmenschliche Beziehungen konzentrieren. Der Erfolg einer Therapie hängt jedoch nicht nur von der Methode ab, sondern häufig auch von der Beziehung zwischen Klient und Therapeut.
Prävention und gesellschaftliche Verantwortung
Präventive Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit werden als unerlässlich angesehen, besonders in Schulen, wo frühzeitig auf Risiken aufmerksam gemacht werden sollte. Die Stark-Initiative zeigt, wie Unterrichtseinheiten zur Stärkung des psychischen Wohlbefindens implementiert werden können. Diese Initiativen können dazu beitragen, Mobbing und Diskriminierung zu verringern und ein unterstützendes Lernumfeld zu schaffen. Die Diskussion über psychische Gesundheit sollte weiter vorangetrieben werden, um zu verhindern, dass Menschen lange mit ihren Problemen alleine bleiben.
Wäre diese Welt ein besserer Ort, wenn wir alle eine Psychotherapie machen würden? Viele, vor allem auf Social Media, sagen: Klar. Wir sollten dringend an unseren Päckchen arbeiten. Tun viele von uns übrigens schon – Psychotherapeut*innen bekommen in den letzten Jahren immer mehr Anfragen. Aber was sagt die Wissenschaft: Wer braucht wirklich eine Psychotherapie? Was bringt die überhaupt? Und was können wir, abgesehen von Therapie, tun, damit es unserer Psyche gut geht? Darüber sprechen wir mit Psychotherapie-Forscherin Dr. Saskia Scholten, dem Diplom-Psychologen und Psychotherapeuten Umut Özdemir, Rapper und Therapie-Fan BRKN und Lisa Bauer, die sich als Lehrerin für mehr Prävention einsetzt.
Wenn ihr Unterstützung, Beratung oder einfach ein offenes Ohr braucht, dann könnt ihr euch jederzeit, per Chat oder Telefon, kostenlos und anonym an die Telefonseelsorge wenden. Einen Termin für eine psychologische Sprechstunde könnt ihr unter der 116-117 vereinbaren. Hier findet ihr die aktuellen Zahlen und Statistiken zu psychischen Störungen in Deutschland und in dieser Studie wird die Wirksamkeit verschiedener Therapieverfahren verglichen. Umut Özdemir findet ihr hier auf Insta und hier auf TikTok. Hier geht’s lang zur STARK-Initiative und wenn euch besonders das Thema Depressionen beschäftigt, dann hört doch mal in unsere Wissen Weekly Folge dazu rein.
(00:00 - 03:46) Intro
(03:46 - 10:02) Woher weiß ich, dass ich eine Therapie brauche?
(10:02 - 21:15) Was bringt eine Psychotherapie?
(21:15 - 27:36) Wie können wir psychische Erkrankungen vorbeugen?