Mutter aller Fake-News? Die New York Sun "entdeckt" den Mond
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Aug 25, 2025
Im Jahr 1835 sorgte die New York Sun mit sensationellen Berichten über Leben auf dem Mond für Aufsehen. Die Falschmeldung von Richard Adams Locke entblößte die Anfänge des Boulevardjournalismus. Parallel dazu wird über kosmischen Pluralismus und die Suche nach Leben im Universum diskutiert. Die bizarre Geschichte um Fledermausmenschen auf dem Mond zeigt, wie leicht die Öffentlichkeit getäuscht werden konnte. Trotz der Enthüllung wurde die Zeitung noch populärer und verdeutlicht die Parallelen zu heutigen Fake News und sozialen Medien.
14:46
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Der große Mondschwindel
Die New York Sun publiziert im August 1835 eine sechsteilige Serie über angebliche Entdeckungen auf dem Mond.
Leser und andere Zeitungen glaubten die Berichte und verbreiteten sie weltweit.
insights INSIGHT
Kosmischer Pluralismus Als Hintergrund
Kosmischer Pluralismus war eine weit verbreitete Debatte über außerirdisches Leben seit der Antike.
Viele Wissenschaftler wie William Herschel hielten andere Welten für mögliche Lebensräume.
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Locke Täuscht Als Satire
Richard Adams Locke gab vor, aus einem wissenschaftlichen Journal zu zitieren, schrieb aber die Artikel selbst.
Locke verfasste die Serie bewusst als Satire gegen religiöse Astronomen.
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Die New York Sun berichtet ab 25.8.1835 über Fledermausmenschen und Tempel auf dem Mond. Als Satire gedacht, wird es die Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
wie die Satire-Idee des Journalisten Richard Adams Locke völlig nach hinten losgeht,
von der Geburt der Fledermausmenschen, die auf dem Mond fliegen, sprechen, Kunst schaffen und Tempel bauen,
was es mit dem kosmischen Pluralismus auf sich hat,
vom Konzept der "Penny Papers",
wie Zeitungen im 19. Jahrhundert Falschmeldungen einfach voneinander abschreiben.
Es ist die Sensation im Sommer 1835 - die New Yorker Morgenzeitung "The Sun" druckt einen Bericht aus dem "Edinburgh Journal of Science", wonach der renommierte Wissenschaftler Sir John Herschel mit seinem Teleskop auf der Mondoberfläche Pflanzen, Bäume und seltsame Fabelwesen entdeckt hat. Weil die Geschichte sich so gut verkauft, wird eine sechsteilige Reihen daraus.
Sun-Herausgeber Benjamin Day verdient gut mit den Artikeln. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung bringt er die ganze Sache gesammelt als illustrierten Nachdruck für einen Vierteldollar pro Exemplar heraus. Er hat kein Interesse daran, die Falschmeldung aufzudecken. Erst zwei Wochen nachdem der letzte Teil der Serie in der Sun erscheint, kommt die Wahrheit ans Licht.
Schaden erleidet die Sun durch die Enthüllung nicht, im Gegenteil: Sie wird nach dem großen Mond-Schwindel eine der meistgelesenen Zeitungen der Welt. Das Konzept der "Penny Papers" wird auch von anderen Herausgebern aufgegriffen. Es ist der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
Matthew Goodman, Autor des Buches “The Sun and The Moon”
Dr. Tobias Jogler, Astropyhsiker, Leiter des LWL-Planetariums Münster
Matthew Goodman: The Sun and the Moon. New York 2008
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