Die New York Sun berichtet ab 25.8.1835 über Fledermausmenschen und Tempel auf dem Mond. Als Satire gedacht, wird es die Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
- wie die Satire-Idee des Journalisten Richard Adams Locke völlig nach hinten losgeht,
- von der Geburt der Fledermausmenschen, die auf dem Mond fliegen, sprechen, Kunst schaffen und Tempel bauen,
- was es mit dem kosmischen Pluralismus auf sich hat,
- vom Konzept der "Penny Papers",
- wie Zeitungen im 19. Jahrhundert Falschmeldungen einfach voneinander abschreiben.
Es ist die Sensation im Sommer 1835 - die New Yorker Morgenzeitung "The Sun" druckt einen Bericht aus dem "Edinburgh Journal of Science", wonach der renommierte Wissenschaftler Sir John Herschel mit seinem Teleskop auf der Mondoberfläche Pflanzen, Bäume und seltsame Fabelwesen entdeckt hat. Weil die Geschichte sich so gut verkauft, wird eine sechsteilige Reihen daraus.
Sun-Herausgeber Benjamin Day verdient gut mit den Artikeln. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung bringt er die ganze Sache gesammelt als illustrierten Nachdruck für einen Vierteldollar pro Exemplar heraus. Er hat kein Interesse daran, die Falschmeldung aufzudecken. Erst zwei Wochen nachdem der letzte Teil der Serie in der Sun erscheint, kommt die Wahrheit ans Licht.
Schaden erleidet die Sun durch die Enthüllung nicht, im Gegenteil: Sie wird nach dem großen Mond-Schwindel eine der meistgelesenen Zeitungen der Welt. Das Konzept der "Penny Papers" wird auch von anderen Herausgebern aufgegriffen. Es ist der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:- Matthew Goodman, Autor des Buches “The Sun and The Moon”
- Dr. Tobias Jogler, Astropyhsiker, Leiter des LWL-Planetariums Münster
- Matthew Goodman: The Sun and the Moon. New York 2008
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Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: Sefa Inci Suvak