Ann-Kathrin Müller, SPIEGEL-Redakteurin und Expertin für die AfD, diskutiert über Alice Weidels neue Rhetorik auf dem Parteitag in Riesa. Sie erklärt, wie Weidel gezielt die extremen Kräfte innerhalb der Partei anspricht und sich auf junge Wähler fokussiert. Außerdem thematisiert sie die Rolle von Angst und toxischer Männlichkeit in der Ansprache der Wählerschaft. Müller gibt spannende Einblicke in die internen Konflikte der AfD und die Herausforderungen der neuen Jugendorganisation, die altbekannte Strukturen verändern soll.
Alice Weidels Wahlkampfstrategie zielt auf die Normalisierung radikaler Positionen ab, um ihre Sichtbarkeit und Einflussnahme in der Politik zu erhöhen.
Die neu strukturierte Nachwuchsorganisation der AfD zeigt, wie die Partei gezielt junge Wählergruppen ansprechen und ihre Bindung stärken will.
Deep dives
Wachstum und Einfluss der AfD
Die AfD verzeichnet bedeutendes Wachstum in den Umfragen mit über 20 Prozent, was auf ihre strategische Mobilisierung und Unterstützung durch prominente Persönlichkeiten wie Elon Musk hinweist. Diese gesteigerte Sichtbarkeit wird auch durch Alice Weidels Wahl zur alleinigen Kanzlerkandidatin geprägt, wodurch sie sich in einer stark männerdominierten Partei durchgesetzt hat. Ihr Auftritt beim Parteitag zeugte von Selbstbewusstsein, was die Delegierten einstimmig feierten, obwohl Kritik an ihrer Verbindung zu Musk laut wurde. Dies zeigt, dass die AfD gezielt zur Normalisierung ihrer Position im politischen Diskurs beiträgt, was ihnen zugutekommt, während sie weiterhin eine gefährliche Rhetorik verbreitet.
Radikale Positionen und politische Rhetorik
Alice Weidel stellte in ihrer Parteitag-Rede radikale Forderungen auf, darunter die Schließung von Grenzen und das Abrücken von erneuerbaren Energien zugunsten von Atomkraft. Ihre Ausdrucksweise, einschließlich der Bezeichnung 'Windmühlen der Schande', verdeutlicht eine bewusste Anleihe an rechtsextreme Symbolik und stürzt die Partei tiefer in die völkische Ideologie. Obwohl solche Aussagen oft unrealistisch sind, nutzt die AfD sie als Teil ihrer PR-Strategie, um Themen in den Vordergrund zu rücken und andere Parteien unter Druck zu setzen. Dies zeigt, wie die AfD versucht, ihre Kernkompetenzen in der politischen Diskussion zu festigen und gleichzeitig von anderen Parteien zu profitieren.
Zukunftsaussichten und Wahlkampfstrategien
Obwohl die AfD laut Umfragen an Boden gewinnt, gibt es eine weit verbreitete Annahme, dass sie nicht in Regierungsverantwortung kommen wird. Dennoch übt die Partei diskursive Macht aus, indem sie Ängste vor Migration schürt und andere Parteien herausfordert, sich zu positionieren. Besonders auffällig ist die Nachwuchsorganisation, die neu strukturiert wird, um eine engere Bindung zur Partei zu gewährleisten und unter Umständen Widersprüche aus dem vorherigen Jugendverband zu vermeiden. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die AfD auch für die kommenden Wahlen strategisch positioniert ist und versucht, jüngere Wählergruppen effizient anzusprechen.
Beim AfD-Parteitag wettert Alice Weidel gegen Windräder und bedient die Rechtsextremen. SPIEGEL-Redakteurin Ann-Katrin Müller erklärt, was das über die Weidels Wahlkampfstrategie aussagt.
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