Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Mar 3, 2022 • 13min

Propaganda & Demoverbote: Wie die Russen den Krieg erleben

Sie dürfen den Krieg nicht Krieg nennen. Im Fernsehen nur Propaganda. Und wer demonstriert, dem droht die Festnahme. Silke Bigalke, SZ-Korrespondentin in Russland, hat versucht herauszufinden, wie die Russinnen und Russen den Krieg wahrnehmen. Dafür ist sie nach Belgorod gereist, in eine Stadt rund 700 km südlich von Moskau an der ukrainischen Grenze. Sie sagt: "Hubschrauber und Kampfjets fliegen über die Stadt, nachts hört man das Dröhnen." Es sie völlig klar, das Krieg ist. "Die interpretieren das nur anders, als wir es interpretieren." Ausser Menschen wie Oxana, die sich trotz Propaganda einen kritischen Blick bewahrt hat. Den Text von Silke Bigalke über Oxana und andere Einwohner von Belgorod finden Sie hier. Weitere Nachrichten: Kriegshandlungen Ukraine, neuer Verhandlungsversuch Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über UN TV.
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Mar 2, 2022 • 15min

Zeitzeuge aus Kiew: “Vor dem Feind muss man nicht fliehen”

Tag sieben seit Beginn des Überfalls russischer Soldaten auf die Ukraine: Die Angriffe verschärfen sich, gerade auch auf Großstädte. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko schreibt: "Wir bereiten uns vor und werden Kiew verteidigen!" Für die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock geht es bei diesem Krieg "nicht nur um die Ukraine, nicht nur um Europa, sondern um uns alle". Das sagt auch der ukrainische sicherheitspolitische Experten und Doktor der Politikwissenschaften, Oleksiy Semeniy, aus Kiew: “Es geht nicht nur um die Ukraine. Jetzt steht viel auf der Kippe. Wenn man das nicht stoppt, dann kann sich keine Stadt und Person in Europa sicher fühlen.” Es sei deshalb “absolut richtig, dass die deutsche Regierung eine Kehrtwende vollzogen hat." Das offensichtliche Ziel, “Einschüchterung” und Kiew einzukesseln, sei bis Mittwoch noch nicht gelungen. “Vor dem Feind muss man nicht fliehen”, fügt er hinzu. Das sei “der große Vaterländische Krieg gegen die Russen” - und der sei “totgefährlich - auch für Putin selbst”. Den Transparenz-Blog zur Verifizierung von Quellen finden Sie hier. Weitere Nachrichten: Scholz in Israel, Strafgerichtshof ermittelt wegen Ukraine-Krieg, Kardinal Woelki bietet Rücktritt an. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über CNBC, Phoenix.
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Mar 1, 2022 • 13min

"Polen zeigt gerade, was man für Geflüchtete tun kann"

Tag sechs des Angriffskrieges von Putins Soldaten auf die Ukraine: Ein mehr als 60 Kilometer langer russischer Miliärkonvoi bedroht die Hauptstadt Kiew. Charkiw, die zweitgrößte Stadt, ist umzingelt. Seit Beginn der russischen Invasion sind mehr als 660 000 Menschen geflohen. Von ihnen sind bislang 400 000 nach Polen gekommen, allein 100 000 am Montag. Und die Polen zeigen praktische Solidarität und großes soziales Engagement, sagt SZ-Redakteurin Viktoria Großmann, die gerade aus der ukrainisch-polnischen Grenzregion zurückgekehrt ist. Überall zeige sich eine Welle der Hilfsbereitschaft. Allerdings seien das auch die ersten Tage, in denen so viele Geflüchtete kommen würden. Sie frage sich, sagt Großmann, warum sich das Land bei ein paar Tausenden Geflüchteten aus anderen Krisengebieten dann so sträuben würde. Weiter Nachrichten: Ex-Kanzler Schröder verliert seine Mitarbeiter, North Stream 2 entlässt Mitarbeiter, Energiepreise treiben Inflation. Unsere tägliche Fotodokumentation vom Krieg in der Ukraine finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über ABNC und Reuters.
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Feb 28, 2022 • 17min

Russland & Nato: Warum aktuell kein Nuklearkrieg droht

Die russischen Angriffe auf ukrainische Städte setzen sich am Montag fort. Mehr als 500 000 Menschen sind bereits aus der Ukraine geflohen. Der Westen beschließt harte Sanktionen, die Nato entsendet immer mehr Soldaten in die angrenzenden Mitgliedstaaten. Und inmitten der eh schon höchst explosiven Lage befiehlt der russische Präsidenten Wladimir Putin, dass die Streitkräfte der Abschreckung der russischen Armee in Alarmbereitschaft versetzt werden. Er droht also mit dem Einsatz von Atomwaffen. Warum ein Nuklearkrieg trotzdem weit entfernt ist, erklärt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München: "Es sind keine Waffen scharf gemacht worden. Es sind keine U-Boote ausgelaufen, die Nuklearwaffen tragen und es fliegen keine strategischen Bomber herum." Hier können Sie selbst Fragen an Carlo Masala einreichen, die er am 1.3. ab 10h live beantwortet. Weitere Nachrichten: Friedensverhandlungen, Sanktionen gegen Russen in der Schweiz, Klimabericht. Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Lars Langenau, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Reuters.
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Feb 27, 2022 • 17min

Deutsche Waffen für Kiew: “Das Tabu ist gebrochen”

Auch Deutschland liefert jetzt Waffen an die von Putin überfallene Ukraine. Denn “der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents" meint Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner Regierungserklärung am Sonntag im Bundestag. Für Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ist es eine "180-Grad-Wendung im richtigen Moment". Aber der Konflikt sei ja längst eskaliert, sagt Nico Fried, Leiter des Berliner SZ-Parlamentsbüros. Der Druck auf die Bundesregierung aber habe in den vergangenen Tagen innerhalb der Europäischen Union extrem zugenommen. Allerdings habe auch der Widerstand der Ukrainer zu dem Sinneswandel beigetragen, meint Fried. Die EU zeige sich bislang sehr solidarisch, selbst die Ungarn würden gerade alle Entscheidungen mittragen. Im Bundestag gebe es allerdings auch Kritik von der Linken und der AfD an der Entscheidung. Auch bei den Regierungsparteien sei das Thema noch nicht durch. Zwar bestehe Konsens über die Aufrüstung der Bundeswehr, aber keinesfalls in welchem Rahmen. Auch wenn er daran nicht glaube, sei die Gefahr eines großen Krieges inzwischen gestiegen. Schließlich sei "ein Atomkrieg das Ende der Welt". Er setze auf einen letzten Fünkchen Vernunft bei Putin und seiner Umgebung. Weitere Nachrichten: Scholz kündigt Bau von Flüssiggas-Terminals an, russische Banken ohne Swift, Deutschland sperrt Luftraum für russische Flugzeuge. Korrektur: In der Folge vom Sonntag ist uns ein Fehler unterlaufen. Dort wird davon gesprochen, dass der türkische Präsident Erdogan die Durchfahrt durch den Bosporus für russische Kriegsschiffe gesperrt hätte. Das ist falsch. Die Türkei droht bislang nur damit. Außenminister Mevlut Cavusoglu verwies am Samstag in einem Interview mit CNN Türk auf den internationalen Vertrag von Montreux, der die Zufahrt von und zum Schwarzen Meer regelt. Die Türkei könne die Durchfahrt von Kriegsschiffen in Kriegszeiten einschränken, sagt Cavusoglu wörtlich. Wir bitten um Entschuldigung. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Pegah Julia Meggendorfer, Imanuel Pedersen Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix.
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Feb 26, 2022 • 28min

Kiew im Krieg: “Die Russen haben die Ukrainer und ihren Kampfeswillen unterschätzt”

Die Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Truppen in Kiew sind in vollem Gange. Seit die russische Armee in der Nacht auf Donnerstag das Land an mehreren Stellen angegriffen haben ist klar: Das Ziel ist auch die Hauptstadt. SZ-Korrespondent Florian Hassel war selbst bis Freitag in der Ukraine vor Ort. Er hat erlebt, wie die Menschen in Kiew vom Krieg überrascht wurden. Kaum jemand habe geglaubt, dass Russland so schnell auch die Hauptstadt angreifen würde, so Hassel. Hassel beschreibt, wie er die vergangenen Tage in Kiew erlebt hat. Manche Menschen wollen in der Stadt bleiben und ihr Land verteidigen. Die ukrainischen Streitkräfte hätten den russischen Truppen bislang überraschend viel entgegenzusetzen, so Hassel. Viele Menschen fliehen trotzdem in die Nachbarländer. Hassel selbst konnte Kiew mittlerweile in Richtung Polen verlassen “Ich hatte viel Glück”, so der Korrespondent. An der Grenze spielen sich laut Hassel furchtbare Szenen ab. Väter und Brüder müssten sich von ihren Familien verabschieden. Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine hält Hassel nicht für realistisch: “Ich habe den Eindruck, dass Präsident Selenskij lieber stirbt, als einer vollständigen Kapitulation der Ukraine zuzustimmen.” Link zum SZ-Liveblog: https://www.sueddeutsche.de/politik/krieg-ukraine-russland-kiew-selenskij-angriff-live-1.5533918 Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Carlo Sarsky Produktion: Carlo Sarsky
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Feb 25, 2022 • 12min

“Da ist die geballte militärische Macht Russlands unterwegs”

Freitagmittag stehen russische Soldaten bereits vor Kiew. Für den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selensky ist klar, dass er und seine Familie das Ziel der russischen Invasion sind. Tatsächlich gehe es dem russischen Staatschef Wladimir Putin wohl darum, "die Regierung zu stürzen, Regierungsinstitutionen unter die Kontrolle Russlands zu bringen und dann dort möglicherweise eine Moskau freundliche Regierung zu installieren", sagt auch SZ-Sicherheitsexperte Paul-Anton Krüger aus dem Berliner Parlamentsbüro. Und dafür sei "die geballte militärische Macht Russlands auf dem Vormarsch". Bislang habe die ukrainische Armee diesen Vormarsch auf mehreren Fronten noch aufhalten können, aber wie lange noch? Selbst wenn sich die Ukraine jetzt noch eine Neutralität verordnen würde, ist Krüger skeptisch, ob das zu einem schnellen Ende dieses Krieges führen würde. Würde Putin in Kiew aber dauerhaft ein Besatzungsregime installieren, dann sei auch ein Partisanenkrieg nicht auszuschließen. Wir freuen uns, wenn Sie hier an unserer Podcast-Umfrage teilnehmen. Sie dauert fünf bis zehn Minuten und hilft uns, den Podcast besser zu machen. Weitere Nachrichten: Anti-Kriegs-Demonstrationen, Sanktionen gegen Putin und Lawrow, Hessen: Boris Rhein folgt Volker Bouffier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über Reuters.
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Feb 24, 2022 • 14min

Ukraine-Krieg: Wie die Nato jetzt reagiert

Am Donnerstagmorgen hat Russland einen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Kann die Nato für die Ukraine überhaupt noch etwas ausrichten? Und was bedeutet der Krieg für die östlichen Nato-Länder wie Polen oder Ungarn? Darüber spricht Hubert Wetzel, SZ-Korrespondent für die USA: "Es ist militärisch vollkommen ausgeschlossen, dass der Westen, dass die Nato oder die USA in der Ukraine eingreifen." Anders wäre das im Falle einer russischen Aggression gegen Nato-Mitglieder."Die Frage ist", sagt Wetzel, "ob Putin bereit ist, ein so hohes Risiko einzugehen, dass er tatsächlich einen Konflikt mit der Nato riskiert." Wir freuen uns, wenn Sie hier an unserer Podcast-Umfrage teilnehmen. Sie dauert fünf bis zehn Minuten und hilft uns, den Podcast besser zu machen. Weitere Nachrichten: Nato-Pläne, Reaktionen Bundesregierung Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über Reuters.
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Feb 23, 2022 • 11min

“Der Westen hat Schuld”: Wieso die Russen Putin folgen

Spätestens nach der Rede des russischen Staatschefs Wladimir Putin am Montagabend ist die Diplomatie in den Hintergrund getreten. Die Ukraine wird in weiten Teilen des Landes den Ausnahmezustand einführen und beruft Reservisten ein. USA und EU verhängen erste Sanktionen. Aber eigentlich hat Russland auch ohne diese Eskalation genug eigene Probleme. Trotzdem folge die Mehrheit der Russinnen und Russen ihrem Präsidenten, denn sie folge auch "seiner Erzählweise", sagt SZ-Moskau-Korrespondentin Silke Bigalke. Die geht so: Im Donbass geschieht ein Völkermord und Russland muss deshalb Friedenstruppen dorthin schicken. Die Mehrheit der Menschen in Russland sei deshalb der Meinung, man müsse dem Brudervolk helfen und Flüchtlinge aufnehmen, erklärt Bigalke. In Putins Erzählung sei "der Westen und vor allen Dingen die USA" für das, was in Kiew und im Donbass passiert, verantwortlich. Bigalke sagt, es gebe in Russland immer weniger unabhängige Medien und Oppositionelle, um diesem Bild zu widersprechen: "Wer Putins Propaganda folgt, der glaubt auch, dass die USA Russland schaden, klein halten, mit Sanktionen bestrafen will." Wir freuen uns, wenn Sie hier an unserer Podcast-Umfrage teilnehmen. Sie dauert fünf bis zehn Minuten und hilft uns, den Podcast besser zu machen. Weitere Nachrichten: Mindestlohn steigt, Afrikas niedrige Corona-Impfquote. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über Reuters.
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Feb 22, 2022 • 13min

"Sanktionen gegen Russland sind keine wirklichen Strafen"

Montagabend hat Putin die Russen in einer 60-minütigen Wutrede auf Krieg eingestimmt. Dann die Separatistengebiete anerkannt und “Friedenstruppen” in die Ostukraine entsendet. Für den Westen ist klar: Russland hat mit diesem Schritt gegen das Völkerrecht verstoßen und die Souveränität der Ukraine verletzt. "Krieg erlebt die Ukraine schon seit mehr als sechs, sieben Jahren", sagt SZ-Politikchef Stefan Kornelius. Täglich werde im Donbass geschossen, die Waffenstillstands-Vereinbarungen würden nicht halten. Zwar erlebe man gerade eine Eskalation, aber eine Gefahr, dass sich dieser noch regionale Konflikt in einen großen Krieg auswachsen könne, sehe er nicht. "So weit ist Putin dann doch ein rationaler Akteur, dass er weiß, dass er eine Ausdehnung des Konfliktes über die Ukraine hinaus nicht wagen würde." Stattdessen sei seine Botschaft: "Haltet Euch aus der Ukraine fern bzw. wir wollen die Kontrolle über die Ukraine bekommen." Auch Sanktionen würden ihn dabei nicht wirklich stören. "Er hat sich dagegen immun gemacht." Die von Stefan Kornelius skizzierten Szenarien finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn Sie hier an unserer Podcast-Umfrage teilnehmen. Sie dauert fünf bis zehn Minuten und hilft uns, den Podcast besser zu machen. Weitere Nachrichten: Lauterbach verspricht Pflegebonus, Auslieferung im Cum-Ex-Skandal. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Reuters, SZ und Phoenix.

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