

Auf den Punkt
Süddeutsche Zeitung
Die Nachrichten des Tages – von der Süddeutschen Zeitung als Podcast auf den Punkt gebracht. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit aktuellen Meldungen, Interviews und Hintergrundberichten. Kostenlos und immer aktuell: Jeden Tag um 17 Uhr und samstags um 7 Uhr.
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May 24, 2022 • 12min
Militärhistoriker: Auch für Putin scheint es noch Limits zu geben
Inzwischen zieht sich der Krieg in der Ukraine seit drei Monaten. Mitte Mai hat das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte geschätzt, dass auf ukrainischer Seite fast 4000 Zivilisten getötet wurden, mit einer immens hohen Dunkelziffer. Hinzu kommen Tausende Verletzte und mehr als 6,2 Millionen Menschen, die bereits aus der Ukraine geflüchtet sind.
Viele hätten sich getäuscht über die Kaltblütigkeit des russischen Staatschef Wladimir Putin, sagt Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt am Historischen Institut der Universität Potsdam. Aber man habe auch mit den "vergleichsweise überschaubaren Geländegewinnen der Russen" nicht gerechnet. Ein Ende sei nicht in Sicht, "noch sind viele Enden denkbar", fügt Neitzel hinzu. An Mariupol habe Putin "ein Exempel statuieren" wollen. Möglicherweise aber gebe es technische oder auch moralische Gründe dafür, dass "er nicht mit der gleichen Entschlossenheit gegen Kiew vorgeht". Obwohl er viele Grenzen eingerissen habe, führe er eben nicht "einen totalen Krieg", sagt der Militärhistoriker. "Auch für Putin scheint es zumindest zum jetzigen Zeitpunkt immer noch Limits zu geben".
Weitere Nachrichten: Isolation für Erkrankte an Affenpocken, Corona-Impfempfehlung für Kinder.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Jakob Arnu
Produktion: Jakob Arnu
Zusätzliches Audiomaterial über dpa

May 23, 2022 • 12min
9-Euro-Ticket: Genuss in vollen Zügen
An diesem Montag hat auch bei der Deutschen Bahn der Verkauf der 9-Euro-Monatstickets begonnen. Bereits nach ein paar Stunden waren mehr als 200 000 Tickets verkauft. Ab 1. Juni kann man mit den Sondertickets im Juni, Juli und August für neun Euro mit der Bahn und im Öffentlichen Personen-Nahverkehr fahren. Ausgenommen ist der Fernverkehr, also etwa ICEs oder ICs. Die Bahn erwartet bis zu 30 Millionen Teilnehmer.
Angesichts der Inflation werden die Bürger damit entlastet, sagt SZ-Verkehrsexperte Markus Balser. Zudem sollen viele "langfristig stärker auf den Nahverkehr umsteigen". Das aber sei längst noch nicht ausgemacht. Schließlich würden ab September wieder die weitaus teureren Tarife gültig. Auch müsse der ÖPNV auf dem Land viel attraktiver werden, "sonst wird da niemand das Auto stehen lassen", meint Balser. Dabei habe sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, den Nahverkehr bis 2030 zu verdoppeln. In Wien gebe mit einem 365-Euro-Ticket positive Erfahrungen, wie die Attraktivität des ÖPNV erhöht werden kann. Es brauche aber insgesamt neue Ideen für den Nahverkehr. Dazu gehöre sicherlich "mehr Geld", "neue Ideen" sowie "durchaus auch mal den Mut, solche solche Ideen umzusetzen".
Die wichtigsten Texte zum 9-Euro-Ticket finden Sie hier: https://www.sueddeutsche.de/politik/9-euro-ticket-fragen-und-antworten-1.5588599
https://www.sueddeutsche.de/politik/bundesrat-neun-euro-ticket-1.5589039
https://www.sueddeutsche.de/meinung/neun-euro-ticket-nahverkehr-bundesregierung-energiepreise-1.5579115
Weitere Nachrichten: Ukraine-Krieg, Corona-Schnelltests: Betrugsverdacht in Milliardenhöhe.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Tami Holderried
Produktion: Justin Patchett
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May 20, 2022 • 14min
Gerhard Schröder: Ende eines sozialdemokratischen Traums
Nach massivem Druck gibt Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) seinen Posten als Chef im Aufsichtsrat des russischen Öl-Konzerns Rosneft auf. Bundestag, seine Partei und auch die Bundesregierung fordern, er dürfe wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine nicht mehr als Lobbyist für Energie aus Russland tätig sein. Donnerstag hat ihm der Haushaltsausschuss seine Privilegien gestrichen. Der vorläufige Höhepunkt der Ächtung des Ex-Kanzlers.
Nico Fried, Leiter des SZ-Hauptstadtbüros, glaubt, dass Schröder jetzt auch nicht mehr in den Aufsichtsrat von Gazprom einziehen werde. Mit Wladimir Putin verbinde ihn eine "starke persönliche Verbundenheit". Allerdings sei es auch nicht richtig, Schröder jetzt alle Schuld in die Schuhe zu schieben. Sein Verhalten gegenüber Moskau "war Konsens in der deutschen Politik, mindestens zwischen Union und SPD". Dem Ex-Kanzler seien viele der verlorenen Ehrungen egal, meint Fried. Aber das SPD-Parteibuch werde "er aus meiner Sicht nie von sich aus abgeben". Denn Schröder verstehe "sich, seine Karriere, seinen Aufstieg als Inbegriff des sozialdemokratischen Traums".
Weitere Nachrichten: Ukraine-Krieg, Neun-Euro-Ticket, Affenpocken.
Den Artikel über das Neun-Euro-Ticket finden Sie hier.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Imanuel Pedersen
Zusätzliches Audiomaterial über dpa, Spiegel

May 19, 2022 • 13min
Wie Chinas Militär von deutscher Forschungsfreiheit profitiert
Künstliche Intelligenz, Informatik oder Kernphysik – in solchen Hochtechnologiefächern arbeiten Forschende nicht selten international zusammen. Eine Recherche von SZ und Partnermedien zeigt jetzt: Deutsche und andere europäischen Unis forschen regelmäßig ausgerechnet mit Unis in China zusammen, die dort direkt dem Militär unterstehen. Wie riskant das ist, erklärt Investigativredakteurin Nina Bovensiepen.
Expert:innen sprechen da “vom Dual Use”, sagt Bovensiepen, “das sind Produkte und Erkenntnisse, die kann man zivil nutzen. Die könnten aber auch militärisch genutzt werden.” Zum Beispiel in Bereichen wie Antriebsforschung und Raumfahrttechnik oder Künstliche Intelligenz und Informationstechnologie. “Wir haben das Gefühl gewonnen, dass die Universitäten da insgesamt ein bisschen zu blauäugig sind.”
Alle Recherche zum Projekt "China Science Investigation" lesen Sie hier.
Unser Podcast Geschichte Daily, diese Woche zur Künstlichen Intelligenz.
Weitere Nachrichten: BVerfG zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht, Sanktionen Gerhard Schröder
Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Imanuel Pedersen

May 18, 2022 • 12min
Nato-Beitritt von Finnland und Schweden: Erdogans Kalkül
Die Botschafter von Schweden und Finnland haben am Mittwoch in der Nato-Zentrale in Brüssel nun auch offiziell die Mitgliedschaft beantragt. Nun beschäftigen sich die 30 Mitglieder des Nato-Rats damit, die im Konsens eine Entscheidung treffen müssen. Doch der türkische Präsident Erdogan droht mit einem Veto.
Erdogan wolle innenpolitisch stark erscheinen, meint Matthias Kolb, EU- und Nato-Korrespondent der SZ mit Sitz in Brüssel. Und er möchte militärisches Gerät von anderen Nato-Ländern. Letztendlich aber würden alle damit rechnen, dass die Türken den Beitrittsprozess "am Ende nicht aufhalten werden". Schließlich schaue man bei der Nato auch nicht so genau bei den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hin: "Die Verteidigung steht im Vordergrund." Im Grunde sei Ankara "ein schwieriger, aber doch ein wichtiger und verlässlicher Partner.
Weitere Nachrichten: Schicksal ukrainischer Soldaten aus Mariupol, 300 EU-Milliarden für Unabhängigkeit von russischer Energie, Schröder soll Privilegien verlieren.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Jakob Arnu
Zusätzliches Audiomaterial über dpa, Guardian

May 17, 2022 • 13min
Mariupol: Was passiert mit den Männern aus dem Stahlwerk?
Mehr als 260 ukrainische Soldaten konnten das Asowstal-Stahlwerk in Mariupol verlassen. Sie haben sich russischen Truppen ergeben und wurden in russisch kontrollierte Städte in der Umgebung gebracht. Was passiert mit diesen Männern jetzt und was bedeuten die Entwicklungen für die Stadt Mariupol und den Krieg insgesamt?
Darüber spricht in dieser Folge Sonja Zekri, die seit Kriegsbeginn immer wieder für die SZ aus der Ukraine berichtet, aktuell aus Kiew. Dort hat sie eine Frau gesprochen, deren Angehörige im Asowstal-Stahlwerk sind: „Die Frau hat gesagt, ich bring doch keinen Bissen runter. Denn ich weiß, dass mein Mann da unten, mein Bruder und zwei Schwager, dass die gar nichts zu essen haben und kaum Wasser. Es gibt Berichte, dass auch bei leichten Verwundungen sofort amputiert wird, weil es keine Medikamente gibt.”
Weitere Nachrichten: Russischer Umgang mit Gefangenen, Nato-Beitritt Finnland
Hier lesen Sie das Ukrainische Tagebuch von Oxana Matiychuk. Unter dem Link finden Sie auch die Infos zum Event mit Iris Berben und Oxana Matiychuk.
Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Jakob Arnu
Zusätzliches Audiomaterial über Reuters.

May 16, 2022 • 13min
NRW-Wahl: Der Druck auf die Bundesregierung steigt
Das vorläufige Endergebnis für Nordrhein-Westfalen steht fest: Die CDU gewinnt mit 35,7 % vor der SPD mit 26,7 %. Die Grünen verdreifachen ihr Ergebnis der Wahl von 2017 – und kommen auf 18,2 Prozent. FDP und AfD schaffen knapp den Wiedereinzug in den Landtag. Aber was heißt das für die kommenden Wochen?
Auf Landesebene scheinen die Weichen für eine schwarz-grüne Koalition gestellt zu sein. Von einer Ampel in NRW sind am Montag sogar die SPD und die FDP abgerückt. Spannender ist deshalb erstmal der Blick nach Berlin auf die Bundesregierung. “Der Druck für die Koalition insgesamt wird zunehmen”, sagt Nico Fried, Leiter des Parlamentsbüros der SZ. Was das bedeutet, das erklärt er in dieser Folge.
Weitere Nachrichten: Finnland und Schweden vor Nato-Beitritt; EU-Wachstumsprognose.
Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Redaktion: Franziska von Malsen
Produktion: Justin Patchett
_Zusätzliches Audiomaterial über phoenix & FDP.

May 13, 2022 • 13min
NRW-Wahl: Warum ohne die Grünen nichts geht
Am Sonntag wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Und es sieht nach einem knappen Rennen aus: Hendrik Wüst von der CDU und Thomas Kutschaty von der SPD liegen in aktuellen Umfragen fast gleichauf. Warum sich die beiden Kandidaten auch bei vielen Dingen einig sind und wer nach der Wahl regieren könnte, das erklärt Jana Stegemann, SZ-Korrespondentin in Düsseldorf.
“Fest steht: Die Grünen werden die drittstärkste Partei in NRW nach der Landtagswahl sein,” sagt Stegemann. Sie könnten sich dann den Koalitionspartner aussuchen. Denn für schwarz-gelb wird es nicht mehr reichen: Die FDP liegt laut aktuellen Umfragen bei nur 6 Prozent. Stegemann meint: “Die Grünen werden jetzt schauen, wer macht ihnen das beste Angebot und danach werden sie entscheiden.” CDU und SPD hätten schon signalisiert, dass sie Zugeständnisse machen würden. Weitere Nachrichten: Musk legt Twitter-Übernahme auf Eis, Scholz telefoniert mit Putin.
Moderation, Redaktion: Tami Holderried
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Justin Patchett
_Zusätzliches Audiomaterial über WDR _

May 12, 2022 • 12min
Afghanistan: Wie die Taliban die Frauenrechte weiter einschränken
Durch den Krieg in der Ukraine sind andere Krisen deutlich in den Hintergrund gerückt – die in Afghanistan zum Beispiel. Aber seit sich der Westen vergangenen Sommer dort zurückgezogen hat, drehen die Taliban systematisch die Uhren zurück. Vor allem Frauen verlieren immer mehr Rechte, ganz aktuell durch ein Burka-Dekret.
Tobias Matern, SZ-Experte für Afghanistan, sagt, dass viele überrascht sind, wie schnell die Taliban wieder radikal-islamische Regeln etabliert haben. Eigentlich sei die Vereinbarung mit dem Westen klar gewesen: Menschen- und vor allem Frauenrechte müssen beachtet werden, im Gegenzug erhält Afghanistan weiterhin finanzielle Unterstützung. Diese Taktik ist seiner Meinung nach auch die einzige zielführende. Außerdem sagt Matern, dass viele Menschen in Afghanistan die Freiheit unter der westlichen Präsenz schätzen gelernt hätten. “Die Taliban stoßen da jetzt durchaus auch auf Protest,” so Matern.
Weitere Nachrichten: Finnland will Nato beitreten, Angst vor Gewalt an Essener Schulen.
Moderation, Redaktion: Tami Holderried
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Imanuel Pedersen

May 11, 2022 • 12min
EU gegen Missbrauchsdarstellungen: "We are coming for you!"
Weltweit werden laut EU-Kommission 85 Millionen Bilder und Videos mit Missbrauch-Darstellungen gemeldet, plus Dunkelziffer. Gigantischen Mengen von Darstellungen missbrauchter Kinder fluten also Teile des Netzes. Am Mittwoch hat die EU-Kommission deshalb einen Maßnahmenkatalog dagegen vorgelegt. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson spricht von einer bahnbrechenden Gesetzgebung und sagt: "And to the perpetrators. We are coming for you.”
Doch an dem Gesetzentwurf hagelt es Kritik. Denn die EU-Kommission will dazu Chat-Apps wie WhatsApp oder Facebook Messenger einspannen und die privaten Nachrichten ihrer Nutzer durchleuchten", sagt Jannis Brühl, Leiter des SZ-Digitalteams. Google, Facebook und Co sollen künftig jede Nachricht in jedem privaten Chat mit "Hashes", also digitalen Fingerabdrücken, scannen. Dabei seien diese Kriminellen vor allem im Darknet oder auf bestimmte Plattformen im Netz aktiv. Beim Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch und deren Verbreitung dürfe "nicht die demokratische Kontrolle ausgeschaltet werden", meint Brühl. Im Grund drohe da "Big Brother", die Dystopie von George Orwell.
Weitere Nachrichten: Ukraine stoppt Gas-Transit, Maskenpflicht fällt bei Flügen weg, Musk will Trump zurück bei Twitter.
Moderation, Redaktion: Lars Langenau
Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb
Produktion: Imanuel Pedersen
_Zusätzliches Audiomaterial über EU-Kommission _


