

Musik für einen Gast
Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)
«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.
Episodes
Mentioned books

Jan 18, 2026 • 1h 5min
Muris Begovic: «Mitgefühl, Empathie – darum geht es»
Wer in einem kleinen bosnischen Dorf und dann im Toggenburg aufwächst, lernt wohl früh, sich in verschiedenen Welten zu bewegen. Muris Begovic ist eine Stimme des Dialogs, des Friedens und der erste Seelsorger der Schweizer Armee mit muslimischem Hintergrund.
Als Muris Begovic zehn Jahre alt war, versteckte er sich im Stall seines Grossvaters unter dem Heuhaufen. Seine Eltern hatten entschieden, dass der Moment gekommen war, ihre Heimat zu verlassen: In Slowenien und in Kroatien herrschte bereits Krieg und sie ahnten, dass es eine Frage der Zeit war, bis die Welle der Gewalt auch Bosnien erfassen würde. Aber der kleine Junge wollte nicht weg, wollte nicht in die Schweiz. Denn er wusste: Ich will Imam werden – und dort kann ich das nicht.
Woher kam dieser frühe, tiefe Wunsch? Und wie brachte Muris Begovic den Mut und die Entschlossenheit auf, ihm als Jugendlicher tatsächlich nachzugehen, nach Bosnien zurückzukehren und dort seine Ausbildung zu absolvieren, in einem Internat, in dem die zersplitterten Fensterscheiben noch immer vom Krieg zeugten?
Heute lebt Begovic wieder in der Schweiz, ist glücklich verheiratet, Vater von zwei Söhnen, Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und Geschäftsleiter der muslimischen Seelsorge Zürich. Und er hat sich den Ruf erarbeitet, jemand zu sein, der sich für Offenheit, Toleranz und den konstruktiven Austausch zwischen den Religionen und Kulturen einsetzt. So wurde er 2018 mit dem «Dialogpreis der Schweizer Juden» ausgezeichnet, gemeinsam mit seinem Freund, dem Zürcher Rabbiner Noam Hertig.
Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Begovic von den Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von den Werten und Überzeugungen, die ihn leiten und wie es dazu kam, dass er der erste Schweizer Armeeseelsorger mit muslimischem Hintergrund wurde.
Die Musiktitel:
1. Michael Jackson – Earth Song
2. Dino Merlin – Sredinom
3. Peter Fox – Haus am See
4. Tim Bendzko – Nur noch kurz die Welt retten
5. Dino Merlin – Jedan dan, jedna noć

Jan 11, 2026 • 1h 6min
Graham F. Valentine – «Ich mache keine Pläne»
Graham F. Valentine ist Schauspieler, Sänger und Stimmkünstler und gehört seit den späten Sechzigerjahren zur Gruppe rund um den Zürcher Theatermacher Christoph Marthaler. Derzeit ist er gerade mit der Marthaler-Produktion «Le Sommet» unterwegs.
Graham F. Valentine stammt aus Dundee, einer Hafen- und Arbeiterstadt an der schottischen Ostküste. Dort wächst er als Nachzügler in einer Arbeiterfamilie auf. Die Musik am Radio und der wöchentliche Sprechunterricht, den Graham schon als Sechsjähriger besucht, bilden die Grundlage für den späteren Beruf als Sänger und Schauspieler. Doch dass er den ergreift, ist nicht geplant, sondern ein Zufall: Graham F. Valentine landet nämlich als Austauschstudent an der Universität Zürich ausgerechnet in dem Zürcher Studentenwohnheim, das von Christoph Marthalers Eltern geleitet wird. So kommt es 1969 zu einer wegweisenden Begegnung.
Von seiner Prägung in Schottland und seiner Begeisterung für die Sprache, vom Volkslied seiner Heimat und dem Kunstgesang im Beruf, von der Verwurzelung in der Vergangenheit und der Zusammenarbeit mit jungen Menschen am Theater erzählt Graham Valentine im Gespräch mit Michael Luisier.
Die Musiktitel:
1. Alexander Maria Wagner – «Sommer» aus «Käfer töten»
(Interpretation: Graham F. Valentine)
2. Friedrich Wilhelm Möller - Der fröhliche Wanderer
(Schaumburger Märchensänger)
3. Billie Grey - The Laughing Policeman
(Charles Jolly)
4. Traditional Song of Ireland - «Her Mantle So Green»
(Margaret Barry / Michael Gorman)
5. Traditional Song of Scotland - Adieu Dundee
(Live gesungen von Graham F. Valentine)
6. Maurice Ravel - Shéhérazade. 3 Lieder für Singstimme und Orchester: «L'indifférent»
(New Philharmonia Orchestra / Janet Baker, Mezzosopran / John Barbirolli, Leitung)
7. Leos Janácek - Sonate für Klavier es-Moll. 1.X.1905. Von der Strasse: «Der Tod»
(András Schiff, Klavier)

Jan 4, 2026 • 1h 10min
Diana Damrau: «Die Königin der Nacht ist ein Zustand»
Mit zwölf Jahren sieht sie Franco Zeffirellis «La Traviata» im Fernsehen. Tief beeindruckt beschliesst sie, Opernsängerin zu werden. Während des Studiums erleidet sie nach einer unsachgemässen Intubation ein Stimmbandödem.
Sie lehnt eine Operation ab und wählt den Weg der langsamen Heilung. Während anderthalb Jahren spricht und singt sie kaum.
1995 debütiert Damrau als Eliza in «My Fair Lady» in Würzburg. Bald darauf erobert sie als Königin der Nacht in Mozarts «Zauberflöte» die grossen Bühnen - von Wien bis New York. Kritiker loben ihre Technik und Bühnenpräsenz. Damrau gilt als Diva ohne Allüren.
Als sie 2013 als Violetta in Verdis «Traviata» an der Mailänder Scala auf der Bühne steht, ist ihr Mädchentraum wahr geworden. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, Damrau habe die höchste Stufe des Operngesangs erreicht: die Callas Stufe.
Wie die Mutter zweier Söhne Bühne und Familie vereint, warum die Königin der Nacht zu ihren Lieblingsrollen zählt und weshalb sie sich als Bühnentier sieht, erzählt Diana Damrau in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Die Musiktitel:
1. Giuseppe Verdi - La Traviata: 1. Act, E’strano
Maria Callas / Coro Cetra / Orchestra Sinfonica di Torina de la Rai / Gabriele Santina, Leitung
2. Edvard Grieg - Peer Gynt: 1. Morgenstimmung
Berliner Philharmoniker / Herbert von Karajan, Dirigent
3. Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte: Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.
(Königin der Nacht), Edda Moser, Sopran / Bayerisches Staatsorchester München / Wolfgang Sawallisch, Dirigent
4. Michael Jackson - Thriller
5. Richard Strauss - Der Rosenkavalier: Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding (Marschallin)
Philharmonia Orchestra / Elisabeth Schwarzkopf, Sopran / Otto Edelmann, Bass / Herbert von Karajan, Dirigent
Der Einspieler:
1. Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte: O zittre nicht, mein lieber Sohn - Zum Leiden bin ich auserkoren. Rezitativ und Arie (Königin der Nacht)
(Königin der Nacht) Diana Damrau, Sopran / Cercle de l’Harmonie / Jérémie Rhorer

Dec 28, 2025 • 1h 10min
Iryna Herasimovich: «Exil ist eine unsichtbare Arbeit»
Wie unterwandert Kunst die Diktatur in Belarus? Dazu forscht Iryna Herasimovich am Slavischen Seminar in Zürich. Als sie in die Schweiz kam, wollte sie nur einige Monate bleiben, um Literatur zu übersetzen. Doch die gewaltsame Niederschlagung der Protestbewegung verunmöglichte eine Rückkehr.
«Hier habe ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein», sagt Iryna Herasimovich, wenn sie von ihrer Arbeit am Slavischen Seminar in Zürich erzählt. Sie habe das Glück, dass ihr Umfeld sensibel auf ihre Situation reagiere. Hinter ihr liegen Jahre voller Entscheidungen, die sie nie treffen wollte: Sie musste ihre Wohnung in Minsk per Video auflösen, ihr altes Leben und vor allem geliebte Menschen für unbestimmte Zeit zurücklassen. Heute kann sie sagen: «Exil ist nicht nur Verlust, sondern auch eine Bereicherung.»
In «Musik für einen Gast» erzählt Iryna Herasimovich davon, weshalb ihr ein Lied von Mani Matter während der Revolutionswirren geholfen hat. Und sie erklärt, weshalb übersetzen für sie auch eine politische Bedeutung hat: «Es geht um die Haltung, sich auf andere einzulassen und sich zu bemühen, sie zu verstehen.»
Die Musiktitel:
1. Belarussisches Volkslied: «Lito» (Ivan Kirchuk / Siarhei Douhushau / Margarita Levchuk)
2. Uladzimier Teraŭski - «Kupalinka» (Singfrauen Winterthur / Albin Brun Quartett)
3. Erstes Wiener Heimorgelorchester (EWHO) – «Die Letten werden die ersten sein»
4. Edvard Grieg - Peer-Gynt-Suite: «Åses Tod» (Zürcher Kammerorchester / Howard Griffiths)
5. Arvo Pärt - «Salve Regina» (Estonian Philharmonic Chamber Choir / Paul Hillier)

Dec 21, 2025 • 59min
Alexander Borbély: «Der Schlaf ist und bleibt ein Geheimnis»
Alexander Borbély, ehemaliger Prorektor der Universität Zürich und führender Schlafforscher, ergründet die Geheimnisse des Schlafs. Trotz seiner umfassenden Forschung bleibt Schlaf für ihn ein ungelöstes Rätsel. Er erzählt von seiner musikalischen Leidenschaft und seiner Fluchtgeschichte aus Ungarn. Sein Zwei-Prozess-Modell, auch heute noch bedeutend, und der Einfluss von Musik auf sein Leben werden diskutiert. Borbély reflektiert philosophische Fragen über Schlaf und Tod und die Bedeutung von Liedern wie 'Göttingen' für die Versöhnung.

Dec 14, 2025 • 1h 1min
Tobias Stückelberger: «Die Magie entsteht beim Aufeinander Hören»
Tobias Stückelberger ist ein leidenschaftlicher Chorleiter. Das Hören ist ihm dabei genauso wichtig wie das Singen selbst. Die Grundlage für gute Chorarbeit, so sagt er im Gespräch, bestehe aber darin, dem Chor ein Zuhause zu bieten.
Tobias Stückelberger stammt aus einer Pfarrersfamilie und wächst in der Baselbieter Gemeinde Therwil auf. Die Predigten seiner Mutter, zu denen er als Kind mitgenommen wurden, bringen ihn früh in Berührung mit Kirchenmusik. Er schliesst sich dem Kinderchor der Gemeinde an und wechselt mit zehn Jahren zur Knabenkantorei Basel. Mittlerweile ist Tobias Stückelberger 32 Jahre alt und schaut bereits auf eine intensive Zeit als Chorleiter zurück. Nach einem Studium in Basel wird er Assistent der Leiterin des «Norwegian Soloist Choir» Grete Pedersen in Oslo, wo er wesentliche Impulse für seine Arbeit bekommt und gleichzeitig den Master macht. Und nach einer weiteren Station in Südafrika als Leiter des Chores der «Drakensberg Boys Choir School» kehrt er in die Schweiz zurück, wo er nun die vielen internationalen Einflüsse in seine Arbeit als Leiter der Solothurner Singknaben und anderer Chorprojekte im Raum Basel einfliessen lässt.
Von seiner Liebe zur Chormusik und seiner Art zu arbeiten, von einer unglaublichen Begegnung in Südafrika und einer darauffolgenden Reise nach London, von seiner aktuellen Arbeit bei den Solothurner Singknaben und einem nicht wirklich geplanten Erfolg als Dominospieler erzählt Tobias Stückelberger im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Einspieler:
1. Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn – «Es Ching gebore in Betlehem» (Norwegisches Weihnachtslied) Tobias Stückelberger, Chorleiter
2. Lebo M – The Lion King: «Busa le lizwe»
Drakensberg Boys Choir / Lebo M, Solist / Tobias Stückelberger, Leitung
Die Musiktitel:
1. Filmmusik - Ronja Rövardotter (Ronja Räubertochter): «Rövarsången» (Räubergesänge)
Komponiert: Björn Isfält / Arrangiert: Anders Berglund
2. Luciano Berio - A-Ronne für achtstimmiges Vokalensemble a cappella: «Den Den»
Swingle II (Chor)
3. Edvard Grieg - 4 Psalmen für Bariton und Chor a cappella: «Jesus Kristus er opfaren»
Norwegischer Solistenchor / Grete Pedersen, Leitung
4. Jaakko Mäntyjärvi - «Pseudo Yoik»
Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn / Tobias Stückelberger, Leitung
5. Johann Sebastian Bach – «Komm, Jesu, komm, mein Leib ist müde» Mottete BWV 229
Ensemble Allegria / Norwegischer Solistenchor / Grete Pedersen, Leitung

Dec 7, 2025 • 1h 1min
Alex Porter: «Ich kann gut so tun, als ob»
Mit seinen Zaubertricks enthüllt er, wie trügerisch unsere Wahrnehmung ist: Was wir sehen, entspricht oft nicht der Wirklichkeit.
Seit fast vierzig Jahren steht der Luzerner Alex Porter als Zauberer, Poet und Theatermacher auf der Bühne. Er verbindet Magie mit Geschichten, Gesang und Musik.
Was auf der Bühne mühelos wirkt, ist das Ergebnis jahrelanger Hingabe. Doch Porter sagt: «Ich übe nicht, ich quäle meine Hände nicht, ich lasse sie spielen.»
Wie der Sohn des berühmten Fotografen Allan Porter seine Vorgesetzten in der Rekrutenschule zur Verzweiflung brachte, warum er als Jugendlicher mit einer stinkenden Socke um den Hals in einem Luxusrestaurant für Aufsehen sorgte und weshalb seine beiden Töchter zuerst «öpis Rächts» lernen mussten, erzählt Alex Porter in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: Alex Porter improvisiert
1. David Popper - Suite für 2 Violoncelli: 3. Scherzo
Thomas Demenga / Patrick Demenga
2. Steely Dan (Ensemble) - Do it Again (Song von Walter Becker)
3. Hazel O’Connor – Writing On Wall (Film Braking Glass)
4. Boléro Magique – Alex Porter / Orchester Santa Maria / Droujelub Yanakiew, Leitung Arrangements
5. Albin Brun’s Nah Quartet – Valsakana
6. Oona Porter – Memory Lane

Nov 30, 2025 • 1h 4min
«Ich wollte nie Solistin werden» die Klarinettistin Sabine Meyer
Sie gilt als «Grande Dame der Klarinette»: Seit den frühen 1980er-Jahren prägt Sabine Meyer das internationale Konzertleben entscheidend mit, als Solistin wie als Kammermusikerin.
Mit ihrem warmen Klang und ihrem grossen Gestaltungswillen hat sie dem Instrument weltweit zu mehr Sichtbarkeit verholfen und war für viele junge MusikerInnen ein grosses Vorbild. Im Dezember beendet sie nun ihre musikalische Karriere.
Sabine Meyer hat viele Werke uraufgeführt, aber auch Mozarts Klarinettenkonzert auf der Bassettklarinette neu zum Leben erweckt, und sie hat gezeigt, welche Kraft und Vielseitigkeit in der Klarinette steckt. Gleichzeitig kennt sie den hohen Druck des Musikerinnenlebens: Disziplin, Erwartungshaltungen, die ständige Suche nach Perfektion. Umso wichtiger waren ihr Rückzugsorte abseits der Bühne – der Garten, die Pferde und vor allem ihre Familie. Diese Balance ermöglichte ihr, über so viele Jahre künstlerisch präsent zu bleiben und trotz enormem Erfolg nicht abzuheben. Sie ist ein Star ohne jegliche Allüren.
Nun verabschiedet sie sich bewusst, «solange sie noch fit ist». Auf die Zeit danach freut sie sich sehr: keine anstrengenden Konzertreisen mehr, ohne Sorge im Garten arbeiten, schwimmen gehen und unbeschwert mit den Enkeln spielen.
In «Musik für einen Gast» spricht Sabine Meyer über ihr Leben auf der Bühne, ihre Liebe zur Kammermusik, die Belastung von jährlich über hundert Konzerten – und darüber, wie befreiend es ist, sich künftig all dem widmen zu können, was neben der Klarinette immer zu kurz kam.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: W.A.Mozart – Klarinettenkonzert – Sabine Meyer, Bassklarinette / Staatskapelle Dresden / Hans Volk, Dirigent
1. Benny Goodman & His Orchestra - Clarinet À La King
2. Heinz Holliger - Marin Marais: "Folies d'espagne" aus der Suite für Viola da gamba und Basso continue, Nr.1 d-Moll - Eigenaufnahme RTS Espace 2 (Genf, 2003)
3. Wolfgang Amadeus Mozart – Adagio für Glasharmonika C Dur (Bearbeitung für 3 Bassetthörner) Trio di Clarone (Reiner Wehrle / Wolfgang Meyer / Sabine Meyer)
4. Fatma Said – El helwa di (Das ist so süss ) (Komponist: Sayed Darwish)
5. Gustav Mahler – 7. Sinfonie, e-Moll: 2. Nachtmusik
Lucerne Festival Orchestra / Riccardo Chailly, Leitung
Eigenaufnahme SRF, Eröffnungskonzert 2024

Nov 23, 2025 • 1h 7min
Viviane Chassot: «Ich verstehe mich auch als Brückenbauerin»
Viviane Chassot gehört zu den renommiertesten Akkordeonistinnen überhaupt. Sie hat mitgeholfen, ihrem Instrument auch die klassische Musik zu erschliessen. Damit macht sie die klassische Musik auch jenen Menschen zugänglich, die sonst keinen Bezug zu ihr gehabt hätten.
Geboren wird Viviane Chassot in Zürich. Sie wächst in Wollerau auf, wo das Akkordeon eine grosse Rolle spielt. Allerdings nicht im klassischen Bereich, sondern in Form eines Akkordeon-Orchesters, das es bis heute gibt. Viviane Chassot interessiert sich damals mehr fürs Ballett. Und zwar so sehr, dass es auch beruflich eine Option wird. Eine Ausbildung am Opernhaus Zürich wäre möglich. Da hört sie am Radio ein Stück von Johann Sebastian Bach. Gespielt auf einem Akkordeon. Das ändert alles. Vivianne Chassot ist Feuer und Flamme und entscheidet sich – weil in ihrer Familie nur ein Hobby erlaubt war – für das Akkordeon. Längst ist das Hobby Beruf. Viviane Chassot hat Werke von Haydn, Mozart und Rameau eingespielt und aufgeführt und so auch mit Grössen wie Simon Rattle oder Alfred Brendel zusammengearbeitet. Und sie verbindet Klassik, Jazz, neue Musik und Improvisation. Auch darin also eine Brückenbauerin.
Von ihrer Pionierarbeit für das Instrument und ihrem differenzierten Zugang zum Klang, von ihrem Weg zum Erfolg und ihren Rückschlägen und Krisen, von ihrer Arbeit mit anderen Musikerinnen und Musikern und ihrer Liebe auch zur Rockmusik erzählt Viviane Chassot im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: Josef Haydn: Klaviersonate e-Moll, HOB 16/34: Presto
Viviane Chassot, Akkordeon
1. Meat loaf – Alive
2. Joseph Haydn – Die Schöpfung: Holde Gattin, dir zur Seite. Duett (Adam, Eva)
Balthasar-Neumann-Ensemble / Thomas Hengelbrock, Leitung / Dorothee Mields, Eva / Locky Chung, Adam
3. Aimee Mann / Rush: Time stand Still
4. Stefanie Heinzmann – Good
5. Johannes Brahms - Piano Concerto no. 1, D Moll, op. 15: 3. Rondo allegro non troppo
Maurizio Pollini, Piano / Berliner Philharmoniker / Claudia Abbado, Leitung
https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-musik/video/drei-genres-ein-klang---das-srf-kultur-showcase?urn=urn:srf:video:e1e3dc7f-8af6-4474-8bd7-94add5638358

Nov 16, 2025 • 1h 5min
Christian Lutz – Zukunftsforscher (historische Reprise, 1998)
Zurück in die Zukunft! In dieser Ausgabe von «Musik für einen Gast» hören wir, wie Christian Lutz, der damalige Direktor des Gottlieb Duttweiler Instituts, sich Ende der 90er die Zukunft vorstellte. Und wir erfahren, was derselbe Christian Lutz heute, 27 Jahre später, zu diesen Szenarien sagt.
Fast zwanzig Jahre lang hat Christian Lutz das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüschlikon geleitet. Er analysierte gesellschaftlicher Trends und formulierte auf dieser Basis mögliche Zukunftsszenarien. Von dieser Arbeit erzählte er 1998 Moderatorin Ellinor von Kauffungen in «Musik für einen Gast». Sie sprachen über Veränderungen in der Arbeitswelt, über Biografien, die laut Lutz zusehends individueller und vielfältiger werden und über dieses wundersame, neue System, das damals von immer mehr Menschen im Alltag genutzt wurde: das Internet.
Heute ist Christian Lutz 85 Jahre alt und lebt in einem umgebauten Landhaus im Département Gard in Südfrankreich. Wie beurteilt er seine damaligen Analysen? Welche Voraussagen traten ein, was kam ganz anders? Und wie blickt er persönlich auf das Kapitel seines Lebens als GDI-Direktor zurück?
Die Musiktitel:
1. The King Singers – Chi la gagliarda (Vocal Version)
2. Johann Sebastian Bach – Matthäus Passion: Aria. Erbarme dich, mein Gott
Michael Chance, Countertenor / Englisch Baroque Soloists / John Eliot Gardiner, Dirigent
3. Paul Hindemith – Mathis der Maler. Sinfonie. Versuchung des heiligen Antonius
Philadelphia Orchestra / Wolfgang Sawallisch, Dirigent
4. Franz Schubert – Sinfonie Nr. 4 c-Moll. Tragische: Adagio molto – Allegro vivace
WDR Sinfonieorchester Köln / Günter Wand, Dirigent
Der neue Musikwunsch:
Antonin Dvorák - Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 «Aus der Neuen Welt»: 1. Adagio - Allegro molto
Tschechische Philharmonie / Jiri Belohlavek, Dirigent


