

AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie
Karl Urban und Franziska Konitzer
Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben. Es sind wahre Geschichten aus Astronomie und Astrophysik, Geologie und Geowissenschaften.
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Feb 12, 2025 • 1h 7min
Von Gletschern und Gestirnen: Die Entdeckung der Milanković-Zyklen
Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke!
Im Jahr 1914 wird in Dalj im Osten des heutigen Kroatiens ein Mann verhaftet. Er hatte in einem früheren Krieg als Soldat für das serbische Militär gekämpft und die Streitkräfte Österreich-Ungarns wollen ihn nun daran hindern, im kurz zuvor ausgebrochenen Weltkrieg zu kämpfen. Doch das hatte er ohnehin nicht vor: In seinem erzwungenen Exil in Budapest wird er in den kommenden vier Jahren fernab des Kriegsgeschehens eine Theorie ausarbeiten, die erstmals die Sphären des Himmels mit dem Klima der Erde verbinden wird. Er wird drei Phänomene entschlüsseln, die wir heute als Milanković-Zyklen kennen, benannt nach dem serbischen Mathematiker Milutin Milanković.
Karl erzählt in dieser Podcastfolge, welches Problem Milanković zu lösen versuchte: Schon ein Jahrhundert zuvor hatten Geologen erkannt, dass das Klima der Welt nicht immer so gewesen war wie in der Gegenwart. Im Jahr 1837 gab der Schweizer Naturforscher Louis Agassiz deshalb bekannt, dass in grauer Vorzeit eine Eiszeit geherrscht haben müsse. Riesige Gletschermassen hätten sich nicht nur über den gesamten Alpenraum ausgebreitet, sondern auch weite Teile Europas bedeckt.
In den folgenden Jahrzehnten erhärtete sich die Hypothese von Agassiz. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass es sogar mehrere Eiszeiten gegeben haben musste, die von Zeiten wärmeren Klimas unterbrochen waren, die unserer heutigen Welt glichen. Doch warum dieser Wechsel von Kalt- und Warmzeiten überhaupt stattfand, dafür gab es viele Hypothesen und nur wenig Konsens. Das Eiszeit-Problem war jahrzehntelang in der Welt, ohne dass die Wissenschaft einer Lösung näherkam.
Von Anfang an waren Unregelmäßigkeiten der Erdbahn und andere astronomische Ursachen im Gespräch, aber bei den meisten Geologen nicht hoch im Kurs. Zu fern schien der Lauf der Planeten, zu unwahrscheinlich, dass sie die Kraft der Sonnenstrahlung und damit das Klima ausreichend stark verändern würden. Erst Milutin Milanković änderte diese Sichtweise: Er nutzte genauere astronomische Daten und die bekannten physikalische Gesetze seiner Zeit, um zu berechnen, wie die Sonne auf das Klima der Erde auf unterschiedlichen Breitengraden wirkt. Hatte dieser serbische Mathematiker endlich das Eiszeit-Problem gelöst?
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 54: Als die Erde zu Eis erstarrte
Folge 86: Das Ende der Dinosaurier: Massensterben im Frühling
Weiterführende Links
WP: Milutin Milanković
WP: Milanković-Zyklen
WP: Val de Bagnes
WP: Jean-Pierre Perraudin
WP: Louis Agassiz
WP: Eiszeit
WP: William Buckland
WP: James Croll
WP: Treibhauseffekt
WP: Zyklus der Präzession
WP: Schiefe der Ekliptik
WP: Exzentrizität
Quellen
Fachbuch: John Imbrie & Katherine Palmer Imbrie: Ice Ages, Solving the Mystery, Harvard University Press (1979)
Tagungsband: Berger et al.: NATO Advanced Research Workshop on Milankovitch and Climate (1984)
Episodenbild: Gletscher Svínafellsjökull, Island; Foto: Karl Urban

Jan 29, 2025 • 55min
AstroGeoPlänkel: Titanisches Leben und freie Planetenbahnen
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Diese Folge beschäftigt sich mit eurem Feedback zu unseren Geschichten: Das AstroGeoPlänkel ist eine regelmäßige Sonderfolge, in der es um eure Fragen, Kommentare, Anmerkungen und Wünsche geht.
Dieses Mal sprechen Karl und Franzi noch einmal ausgiebig über mögliches Leben auf dem Saturnmond Titan. Denn netterweise haben sich mehrere Hörende gemeldet, die sich mit den chemischen Zutaten des Lebens auskennen. Es geht also um Methan als Lösungsmittel, polare Verbindungen, links- und rechtsdrehende Moleküle und Dreifachbindungen. Um bei alledem nicht zu sehr verloren zu gehen, erklärt uns die Chemikerin Martina Preiner, was genau mögliches Leben auf dem Titan begünstigen könnte oder auch nicht.
Danach geht es um Pluto, der seinen Planetenstatus laut Franzi zwar richtigerweise verlor, den viele unserer Hörenden aber weiter für sehr liebenswert halten – keine Sorge, wir auch! Wir sprechen darüber, was es bedeutet, wenn ein Planet seine Bahn aufgeräumt hat und warum der Neptun weiterhin als Planet gilt, obwohl Pluto seine Bahn kreuzt (Spoiler: Es kommt auf die Größe an!). Das erklärt auch, warum auf den Bahnen etlicher Planeten kleine Trojaner-Asteroiden kreisen dürfen, ohne dass Astronomen an deren Planetenstatus rütteln.
Wir sprechen auch darüber, warum die Entdeckerin des festen inneren Erdkerns Inge Lehmann (AstroGeo Folge 48) nicht bekannter ist – und warum ein populärer Roman über sie zwar auf dänisch, aber noch immer nicht auf englisch oder deutsch übersetzt wurde. Der Verlag des Buches Den inderste kerne freut sich sicher über derartige Vorschläge.
Zuletzt geht es um Hörerinnen, die sich vom AstroGeo-Podcast inspirieren haben lassen – und deshalb nebenher ein Studium angefangen haben. Es geht um Franzis Hobby namens Magic und die Freude, die das bei manchen Hörern hervorruft. Und schließlich sprechen wir darüber, wie wir uns gegenseitig unsere Geschichten zwischen Weltall und Erde erzählen – und warum.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 104: Riffsterben und Klimachaos im Devon: Sind die Bäume schuld?
Folge 107: Über den Dünen des Saturnmonds Titan: Lebt dort etwas?
Folge 108: Kein Herz für Pluto: der wohlverdiente Zwergplanet
Folge 95: Von Tümpeln zu Tiefseevulkanen: Wo entstand das Leben?
Folge 48: Der innere Kern – warum hat die Welt Inge Lehmann vergessen?
Weiterführende Links
Podcast: The Great Simplification
YouTube: Christiaan Huygens
WhatIf: What would happen if you tried to fly a normal Earth airplane above different Solar System bodies?
MPI für terrestrische Mikrobiologie: Gruppe Martina Preiner
37C3, Michael Büker: How Many Planets in Our Solar System? Glad You Asked!
Episodenbild: NASA JPL/Caltech

Jan 15, 2025 • 1h 8min
Kein Herz für Pluto: Der wohlverdiente Zwergplanet
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Wie viele Planeten hat das Sonnensystem für euch? Lange Zeit waren lediglich sechs Planeten bekannt. Im 18. Jahrhundert entdeckte dann William Herschel den siebten Planeten Uranus und das auch eher zufällig. Die etwas seltsame Umlaufbahn des Uranus um die Sonne verriet schließlich, dass da draußen noch ein achter Planet sein musste: Neptun. Und die Frage lautete: Kommt dann noch ein weiterer Planet oder ist nach Neptun endgültig Schluss?
Rund 75 Jahre lang lautete die Antwort auf diese Frage: Da kommt noch ein neunter Planet – Pluto! Zwar war nach dessen Entdeckung schnell klar, dass der nicht so recht zu den anderen Planeten im Sonnensystem passen wollte: Er ist weder ein echter Gesteinsplanet noch ein Gasriese, sondern eher eine winzige Kugel weit draußen im All, die die Sonne auf einer Umlaufbahn umrundet, die aus einigen Gründen äußerst seltsam ist. Schnell kamen Zweifel an Plutos Status als neunter Planet auf. Aber irgendwie hatte man ihn auch liebgewonnen, den einsamen Wanderer jenseits des Neptuns.
In dieser Folge hat Franzi kein Herz für Pluto – zumindest nicht als Planet. Sie erzählt die Geschichte, wie Pluto zunächst als neunter Planet im Sonnensystem gefeiert wurde, nur um schließlich in einer kontroversen Abstimmung im Jahr 2006 zum Zwergplaneten degradiert zu werden – und sie erzählt, was derjenige Astronom entdeckt hat, der auszog, um einen ganz neuen, zehnten Planeten zu entdecken und stattdessen als „Plutokiller“ bekannt wurde.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 50: Planet der Frühstücksflocken
Folge 62: Plutos Herz und vier Sorten Eis
Folge 105: Heliozentrisch: Wie wir unseren Platz im Kosmos fanden
Weiterführende Links
WP: Pluto
WP: Uranus (Planet)
WP: Neptun (Planet)
WP: Percival Lowell
WP: Clyde Tombaugh
WP: Asteroidengürtel
WP:Kuipergürtel
WP:(15760) Albion
WP: Zwergplanet
WP: Michael E. Brown
WP: Percival Lowell
WP: Transpluto
WP: (1) Ceres
WP: Jane Luu
WP: Chad Trujillo
WP: (50000) Quaoar
WP: (136199) Eris
Quellen
Buch: Mike Brown – Wie ich Pluto zur Strecke brachte
Artikel: Willy Ley – The Demotion of Pluto (1956, via archive.org)
Fachartikel: The Search for the Ninth Planet, Pluto (1946)
Episodenbild: NASA/JPL-Caltech

Dec 25, 2024 • 1h 45min
Über den Dünen des Saturnmonds Titan: Lebt dort etwas?
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Im Jahr 1655 entdeckt der niederländische Astronom Christiaan Huygens mit seinem selbstgebauten Teleskop einen Lichtpunkt, der den Planeten Saturn in 16 Tagen einmal umrundet. Er wird später Titan getauft. Es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis klar wurde, was der zweitgrößte Mond des Sonnensystems verbirgt: Erst Raumsonden lieferten Details seiner umwölkten Atmosphäre und sogar erste Fotos seiner rätselhaften Oberfläche. Gerade bereitet die NASA eine neue Forschungsreise zu ihm vor.
Karl erzählt in dieser Folge, warum der Titan so besonders ist. Zwar ist es auf ihm mit durchschnittlich -179 °C bestialisch kalt. Doch gleichzeitig gluckern auf ihm Flüsse aus flüssigem Methan, Ethan und Stickstoff. Sie graben tiefe Täler und speisen gigantische Seen. Aus der Atmosphäre, die deutlich dichter und massiver als die Erdatmosphäre ist, rieseln währenddessen organische Moleküle. Es scheinen die wichtigsten Zutaten beisammen zu sein, um auf Titan eine Form von Leben entstehen zu lassen.
Nach der Marssonde Ingeniuity ist Dragonfly erst der zweite Versuch der NASA, in einer außerirdischen Atmosphäre mit einem Helikopter zu fliegen. Doch anders als die dünne Luft auf dem Mars ist der Titan bestens dafür geeignet: Die Anziehungskraft ist gering, während die Luft auf dem Saturnmond dichter als die der Erde ist und dadurch starken Auftrieb verleiht. Die Forschungssonde kann deshalb eine Radionukludbatterie und sogar ein Massenspektrometer transportieren, um in einer mehrjährigen Mission dem möglichen fremden Leben auf die Schliche zu kommen.
Der Titan in Falschfarben im Infrarotbereich, dadurch zeigt sich ein Glitzern der nördlichen Seen
Längsdünen auf Titan
Die Region Shangri-La liegt auf Höhe des Äquators und fällt im Radar durch dunkle Kohlenwasserstoffe auf
Landschaft des Titan, aufgenommen von der ESA-Sonde Huygens im Landeanflug
Nach der Landung von Huygens: gerundete Brocken aus hart gefrorenem Wassereis
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 46: Europa – der erste Exo-Ozean
Folge 70: Mars-Musik: Eine klangliche Expedition
Folge 92: Vulkan-Wunderwelt: Wieso brodelt Jupiters Mond Io?
Folge 95: Von Tümpeln zu Tiefseevulkanen – wo entstand das Leben?
Weiterführende Links
WP: Saturn
WP: Titan
WP: Christiaan Huygens
WP: Josep Comas i Solà
WP: Randverdunkelung
WP: Gerard Kuiper
ESA: Cassini-Huygens
WP: Cassini-Huygens
NASA: Cassini Spacecraft Finds Ocean May Exist Beneath Titan’s Crust
WP: Längsdüne
WP: Lakes on Titan
MIT: Jason Soderblom
WP: Tripelpunkt
WP: Dragonfly
NASA: Dragonfly
NASA Awards Launch Services Contract for Dragonfly Mission
Quellen
Fachartikel: Sotin, Kalousová & Tobie: Titan’s Interior Structure and Dynamics After the Cassini-Huygens Mission, Annual Reviews (2021)
Fachartikel: Christopher McKay: Titan as the Abode of Life, Life (2016)
Fachartikel: MacKenzie et al.: Titan: Earth-like on the Outside, Ocean World on the Inside, The Planetary Science Journal (2021)
Fachartikel: Wolf & Toon: Fractal Organic Hazes Provided an Ultraviolet Shield for Early Earth, Science (2010)
Fachartikel: Barnes et al.: Science Goals and Objectives for the Dragonfly Titan Rotorcraft Relocatable Lander, The Planetary Science Journal (2021)
Fachartikel: Lorenz et al.: Dragonfly: A Rotorcraft Lander Concept for Scientific Exploration at Titan, Johns Hopkins APL Technical Digest (2018)
Fachvortrag: Yu et al.: Drill for Acquisition of Complex Organics for Dragonfly Mission, 51st Lunar and and Planetary Science Conference (2020)
Episodenbild: NASA/JPL-Caltech

Dec 11, 2024 • 57min
AstroGeoPlänkel: Vom Devon zur Silbernase des Tycho Brahe
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Diese Folge beschäftigt sich mit dem Feedback zu unseren Geschichten: Das AstroGeoPlänkel ist eine regelmäßige Sonderfolge, in der es um eure Fragen, Kommentare, Anmerkungen und Wünsche geht.
Dieses Mal sprechen wir noch einmal ausgiebig über das Massensterben im Devon, an dem vielleicht die Bäume schuld waren. Es geht darum, ob zu diesem erdgeschichtlichen Ereignis eigentlich zu wenig oder hierzulande sogar schon zu viel geforscht wurde. Wir sprechen auch über die Suche nach der stellaren Parallaxe, die über Jahrtausende viele Astronominnen und Astronomen beschäftigt hat. Und wir gehen intensiv auf das Feedback unserer Hörerinnen ein, das erfreulich häufig bei uns eintrifft, wenn auch tendenziell auf anderen Wegen als das unserer männlichen Hörer.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 94: Das Universum und sein Urknall – der Anfang des Anfangs
Folge 98: Das Erbe des Urknalls – wie die Materie in unser Universum kam
Folge 102: Das Ende des Anfangs – was vom Urknall übrigblieb
Folge 104: Riffsterben und Klimachaos im Devon – sind die Bäume schuld?
Folge 105: Heliozentrisch: Wie wir unseren Platz im Kosmos fanden
Weiterführende Links
Goethe-Podcast mit Thomas Schmuck und Marcus Anhäuser
WP: Flutbasalt
WP: Tiktaalik
WP: Shoemaker-Levy 9
Buch: Alan W. Hirshfeld: Parallax: The Race to Measure the Cosmos (2001)
Sternengeschichten: Eine neue Astronomie

Nov 27, 2024 • 1h 5min
Vom Mittelpunkt zum Mitläufer: Wie wir unseren Platz im Kosmos fanden
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Und sie bewegt sich doch: Diese geflügelten Worte werden Galileo Galilei zugeschrieben. Ob er sie je geäußert hat, ist zwar fraglich – doch dass er ihnen zugestimmt hätte, steht außer Zweifel. „Sie“ ist unsere Erde. Jahrtausendelang hatte das geozentrische Weltbild sie starr und unbewegt in das Zentrum des Universums gesetzt: Alle übrigen Planeten, die Sonne, der Mond und der Fixsternhimmel sollten sich um sie drehen.
Galileo Galilei hingegen hat als früher Verfechter ein heliozentrisches Weltbild vertreten: eines, dass die Erde von ihrem Ehrenplatz im Mittelpunkt des Universums schubst und an diese Stelle die Sonne setzt. Demnach würde sich die Erde um die Sonne drehen – und sich eben doch bewegen. Heutzutage wissen wir, dass Galilei und andere frühe Vertreter dieses Weltbilds Recht behalten sollten – nur: Wie konnten sie überhaupt beweisen, dass sich die Erde um die Sonne dreht?
In dieser Folge von AstroGeo erzählt Franzi die Geschichte einer Suche, die Jahrtausende gedauert hat: die nach der stellaren Parallaxe. Diese scheinbare Bewegung von Sternen im Laufe eines Erdjahres ist nicht nur ein Beleg dafür, dass sich die Erde um die Sonne dreht – sie ist bis heute die einzige Möglichkeit, die Entfernung zu Sternen direkt zu vermessen und damit die Grundlage so ziemlich all unseres Wissens über den Weltraum und unser Universum.
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Folge 38: 1,8 Milliarden Sterne
Weiterführende Links
WP: Stereoskopisches Sehen
WP: Aristarchos von Samos
WP: Planet
WP: Archimedes
WP: Geozentrisches Weltbild
WP: Aristoteles
WP: Parallaxe
WP: Claudius Ptolemäus
WP: Nikolaus Kopernikus
WP: Planetenschleife
WP: Johannes Kepler
WP: Heliozentrisches Weltbild
WP: Galileo Galilei
WP: James Bradley
WP: Aberration
WP: Friedrich Wilhelm Bessel
WP: Standardkerze
WP: Cosmic Distance Ladder (engl.)
WP: Gaia (Raumsonde)
Empfehlung: Bild der Wissenschaft Podcast
Quellen
Alan W. Hirshfeld: Parallax: The Race to Measure the Cosmos (2001)
Episodenbild: ESA/Gaia/DPAC; CC BY-SA 3.0 IGO. Acknowledgement: A. Brown, S. Jordan, T. Roegiers, X. Luria, E. Masana, T. Prusti and A. Moitinho

Nov 13, 2024 • 1h 8min
Riffsterben und Klimachaos im Devon: Sind die Bäume schuld?
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Auf einer Wanderung durch den Harz entdeckt der Geologe und Botaniker Friedrich Adolph Roemer im Jahr 1850 eine merkwürdige Gesteinsfolge. Es sind dicke graue Kalkbänke, die durch viel dünnere und schwarze Kalklagen durchbrochen sind. Kalkstein ist fast nie schwarz – und ist er es doch, spricht seine Färbung für eine Katastrophe.
Karl erzählt in dieser Folge von dem wohl merkwürdigsten Massensterben der Erdgeschichte. Bis heute haben Fachleute nur ein lückenhaftes Bild davon, was damals, vor rund 372 Millionen Jahren, begann. Sie wissen, dass damals weltweit die Meeresriffe starben und dass das Klima über viele Millionen Jahre äußerst instabil war. Viele Ursachen sind dafür im Gespräch – aber am wahrscheinlichsten scheint der Erfolg einer Gruppe von Organismen, die wir heute mit vielen Dingen in Verbindung bringen, aber nicht mit einem Weltuntergang: Es sind Pflanzen – und darunter vor allem die Bäume.
Die Geschichte rund um das Massensterben im späten Devon ist komplex, weshalb es insgesamt acht Merkwürdigkeiten zu erzählen gibt. Und obwohl uns diese Zeit fremd erscheint, hat eine Merkwürdigkeit auch mit uns zu tun.
Die Landschaft im späten Devon: Während sich an Land die Pflanzen verbreiteten, lebten im Meer urtümliche Quastenflosser (Vordergrund links) und der Raubfisch Dunkleosteus (rechts), der über acht Meter lang werden konnte (Mikhail Shekhanov).
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 101: Tödliche Sterne – wenn Explosionen ein Massensterben auslösen
Folge 86: Das Ende der Dinosaurier: Massensterben im Frühling
Folge 64: Massensterben im Treibhaus
Weiterführende Links
WP: Johann Wolfgang von Goethe
WP: Harz
WP: Pangäa
WP: Variskische Gebirgsbildung
WP: Friedrich Adolph Roemer
WP: Devon
WP: Kellwassertal
WP: Kellwasser-Ereignis
WP: Massenaussterben
WP: Hangenberg-Ereignis
WP: Wiljuiplateau
WP: Riff
WP: Stromatoporen
WP: Brachiopoden
WP: Kambrische Radiation
WP: Ordovizium
WP: Peter Ward
Hörempfehlung: Podcast „Goethe, Natur und Geist“
Quellen
Fachbuch: Michael Benton: Extinctions – How Life Survives, Adapts and Evolves, Thames & Hudson (2023)
Fachbuch: Peter Brannon: The Ends of the World, Oneworld Publications (2017)
Fachbuch: Peter Ward & Joe Kirschvink: A New History of Life, Bloomsbury (2015)
Fachartikel: Tomkins, Martin & Cawood: Evidence suggesting that earth had a ring in the Ordovician, Earth and Planetary Science Letters, 2024
Fachartikel: Algeo & Shen: Theory and classification of mass extinction causation, National Science Review (2023)
Fachartikel: Carmichael et al.: Paleogeography and paleoenvironments of the Late Devonian Kellwasser event: A review of its sedimentological and geochemical expression, Global and Planetary Change (2019)
Fachartikel: Keller: Impacts, volcanism and mass extinction: random coincidence or cause and effect?, Australian Journal of Earth Sciences (2005)
Hattenbach: Tödliches Licht explodierender Sterne, Spektrum der Wissenschaft (14.03.2024)
Episodenbild: Fiddlehead in Macro Shot Photography / Pexels

Oct 30, 2024 • 60min
AstroGeoPlänkel: Vom Urknall bis zum Ende der Menschheit
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In dieser Episode geht es wieder um euer Feedback zu den Geschichten: Das AstroGeoPlänkel ist eine regelmäßige Sonderfolge, in der es um eure Fragen, Kommentare, Anmerkungen und Wünsche geht.
Dieses Mal sprechen wir über das Ende des Urknalls und die Grenzen der Vorstellung. Wir stellen fest, dass die Raumfahrt die Atmosphäre nicht nur theoretisch, sondern messbar verunreinigt. Wir sprechen über die Unzulänglichkeiten der Nobelpreise und darüber, welche Themen wir hier lieber nicht behandeln wollen.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 99: Aluminium im Himmel – Wie Satelliten die Ozonschicht gefährden
Folge 100: AstroGeoPlänkel – Universum, Satelliten und Eichhörnchen
Folge 101: Tödliche Sterne – wenn Explosionen ein Massensterben auslösen
Folge 102: Das Ende des Anfangs – was vom Urknall übrigblieb
Weiterführende Links
Fachartikel: Murphy et al.: Metals from spacecraft reentry in stratospheric aerosol particles, PNAS (2023)
WP: Dragonfly
WP: Quantengravitation
Alles gesagt Podcast: Wie lebt es sich im All, Matthias Maurer?
WP: Ada Yonath
Buch: Friedman & Kaufmann – Universe, McMillan Learning (2019)
YouTube: Stanford Lecture Collection Cosmology
WP: Die Welt ohne uns (Buch)
WP: Voyager Golden Record
WP: Blockuniversum
Bildquelle: K. Urban / ChatGPT; ESA and the Planck Collaboration

Oct 16, 2024 • 1h
Das Ende des Anfangs: Was vom Urknall übrigblieb
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Es war einmal: der Urknall. Nachdem unser Universum wohl irgendwie entstanden war und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden hatten, dass es überhaupt einen Anfang gegeben hat, fanden sie auch heraus, dass die allerersten Elemente im Universum kurz nach dem Urknall entstanden sind, vor allem Wasserstoff und Helium. Doch wie ging es dann weiter?
Nun folgt das Ende des Anfangs: Es half dabei, dem Urknall-Modell zum wissenschaftlichen Durchbruch zu verhelfen. Dabei handelt es sich um ein Überbleibsel des Urknalls, das bis heute den ganzen Kosmos durchdringt – und dessen Entdeckung absoluter Zufall war: die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 94: Das Universum und sein Urknall – der Anfang des Anfangs
Folge 98: Das Erbe des Urknalls: Wie die Materie in unser Universum kam
Weiterführende Links
WP: Georges Lemaître
WP: Urknall
WP: Ralph Alpher
WP: Robert Herman
WP: Alpher-Bethe-Gamow-Theorie
WP: George Gamow
WP: Hintergrundstrahlung
WP: Schwarzer Körper
WP: Wiensches Strahlungsgesetz
WP: Robert Henry Dicke
WP: Arno Penzias
WP: Robert Woodrow Wilson
WP: James Peebles
spektrum.de: Das Universum, noch warm vom Urknall (2022)
Hörempfehlung: Podcast „Jetzt mal ganz in Ruhe“
Quellen
Buch: Joseph D’Agnese – The Scientist and the Sociopath (2014)
Buch: Ralph Alpher, Robert Herman – Genesis of the Big Bang (2001)
Buch: Helge Kragh – Cosmology and Controversy: The Historical Development of Two Theories of the Universe (1996)
Buch: Conceptions of Cosmos: From Myths to the Accelerating Universe: A History of Cosmology (2006)
Blog-Artikel: My Unpublished Interview with Astronomer Vera Rubin (2017)
Fachartikel: The Evolution of the Universe (1948)
Fachartikel: Evolution of the Universe (1948)
Fachartikel: Remarks on the Evolution of the Expanding Universe (1949)
Fachartikel: A Measurement of Excess Antenna Temperature at 4080 Mc/s (1965)
Fachartikel: Cosmic Black-Body Radiation (1965)
Episodenbild: ESA and the Planck Collaboration

Oct 2, 2024 • 55min
Tödliche Sterne: Wenn Explosionen ein Massensterben auslösen
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Am 9. Oktober 2022 registrieren Weltraumteleskope ein gewaltiges Ereignis tief im Kosmos: einen Gammablitz im Sternbild Pfeil, bei dem so viel hochenergetische Gammastrahlung abgegeben wird wie nie zuvor beobachtet. Dieses Ereignis war nicht nur von astronomischem Interesse, denn die ankommende Strahlung ließ kurzzeitig sogar geladene Teilchen in den obersten Schichten der Erdatmosphäre verrückt spielen. Störsignale im Radiobereich waren die Folge – und das trotz einer Entfernung von 2,4 Milliarden Lichtjahren.
Karl erzählt in dieser Folge, ob solche Ereignisse in größerer Nähe zu unserem Planetensystem das Leben auf der Erde beeinträchtigen könnten. Es geht wieder mal um Massensterben in der geologischen Geschichte – und wie neue Methoden aus Physik und Astrophysik helfen können, diese erdgeschichtlichen Kriminalfälle aufzuklären. Denn zurzeit machen solche Verfahren große Fortschritte. Die Asche vor langer Zeit explodierter Sterne wurde bereits in alten Sedimentschichten gefunden – und in einem Fall sogar einer Sternenleiche zugeordnet.
Weiterhören bei AstroGeo
Folge 82: Der hellste Gammablitz aller Zeiten
Folge 99: Aluminium im Himmel: Wie Satelliten die Ozonschicht gefährden
Weiterführende Links
WP: Montagne Noire
WP: Devon
WP: Kellwasser-Ereignis
WP: Hangenberg-Ereignis
WP: Gammablitz
WP: Ionosphäre
WP: Ozonschicht
WP: Supernova
WP: Beschleuniger-Massenspektrometrie
WP: Zeta Ophiuchi
HZDR: Hamster – Helmholtz Accelerator Mass Spectrometer Tracing Environmental Radionuclides
WP: r-Prozess
WP: Kilonova
Quellen
Hattenbach: Tödliches Licht explodierender Sterne, Spektrum der Wissenschaft (14.03.2024)
Ellis et al.: Geological Isotope Anomalies as Signatures of nearby Supernovae, Astrophysical Journal (1996)
Neuhäuser et al: A nearby recent supernova that ejected the runaway star ζ Oph, the pulsar PSR B1706−16, and 60 Fe found on Earth, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (2019)
Fields & Wallner: Deep-Sea and Lunar Radioisotopes from Nearby Astrophysical Explosions, Annual Review of Nuclear and Particle Science (2023)
Episodenbild: K. Urban / ChatGPT


