

buch|essenz
Friedrich-Ebert-Stiftung
Mit der buch|essenz stellen wir Sachbücher von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Diskurs, als Buchzusammenfassungen für dich bereit. Du musst Sachbücher mit mehreren hundert oder gar tausend Seiten nicht gänzlich lesen, um die Kernaussagen und Argumente der Autoren zu verstehen – denn genau dies decken unsere kompakten Buchessenzen ab.
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Episodes
Mentioned books

Jun 13, 2022 • 11min
Emilia Roig (2021): Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung
Roig erklärt in ihrem Buch, wie sich die Unterdrückung in unterschiedlichen Bereichen des alltäglichen Lebens, etwa in Ausbildung und Beruf, in der Medizin oder in den Medien, auswirkt. Das Konzept der Intersektionalität zeigt, dass sich Formen von Diskriminierung und Ungleichheit gegenseitig verstärken. Das bedeutet, dass neben Sexismus beispielsweise auch Homo- und Transfeindlichkeit und Klassismus bekämpft werden müssen, um effektiv dagegen vorzugehen. Der Kampf für Gleichberechtigung ist auch ein Kampf gegen die Deutungshoheit einer vermeintlichen Norm, die abweichendes Verhalten sowie andere Lebensformen und Identitäten ablehnt. Die Aufdeckung und Analyse von Diskriminierungen muss mit der Kritik an der kapitalistischen Leistungs- und Ausbeutungslogik einhergehen. Im letzten Teil des Buches skizziert Roig, wie sich diese Diskriminierungen aufbrechen ließen und wie eine Gesellschaft ohne Unterdrückung aussehen könnte.

May 30, 2022 • 17min
Anne Case, Angus Deaton (2022): Tod aus Verzweiflung
Klangkantine Studios
Der Blick auf den Zustand der USA zeigt, dass Kapitalismus nicht zwingend mehr Wohlstand für alle bedeuten muss. In den USA nehmen nicht nur Ungleichheit und Armut zu. Trotz wirtschaftlichen Wachstums fällt seit einigen Jahren die Lebenserwartung, während sie in anderen Industrienationen weiter steigt. Hohe Selbstmordraten, der Missbrauch von Medikamenten, Alkohol und Drogen sowie körperliche und seelische Probleme führten zu einer Vielzahl von Toden aus Verzweiflung. Case und Deaton räumen auf mit den einfachen Erklärungen für die negativen Auswirkungen von Kapitalismus und richten den Blick auf das Wesentliche. Tode aus Verzweiflung stellen dabei den traurigen Höhepunkt der Entwicklung dar, die ein selbstzerstörerischer Wettbewerb am Arbeitsmarkt, globale Verlagerungen von Unternehmen oder Lobbymacht in der öffentlichen Gesundheitsversorgung verursachen. Armut und Verteilungsgerechtigkeit sind nicht die Ursachen, sondern ebenfalls Auswirkungen dieser Fehlentwicklungen im Wirtschaftssystem.

May 16, 2022 • 18min
Andreas Reckwitz, Hartmut Rosa (2021): Spätmoderne in der Krise
Was leistet die Gesellschaftstheorie?
Die Analyse und Beschreibung der aktuellen Verfasstheit von Gesellschaft sind eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung von politischen Lösungsansätzen. Wer gestalten will, muss verstehen, was die Gesellschaft um- und antreibt. Im vorliegenden Band machen sich Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa daran, die theoretischen Grundannahmen ihrer Gesellschaftsanalyse zu entwickeln und Verbindendes wie auch Trennendes herauszuarbeiten. Aufgabe der Soziologie ist es, an einer umfassenden Gesellschaftstheorie zu arbeiten. Sie muss Strukturmerkmale und Strukturdynamiken von Gesellschaftsformen rekonstruieren und den Zusammenhang von wirtschaftlichem, technologischem, kulturellem, politischem und sozialem Wandel klären. Die konkreten theoretisch-analytischen Ausgangspunkte können dabei unterschiedlich sein. Vor dem Hintergrund zunehmender „Heterogenität und Pluralität der diskursiv erzeugten Wirklichkeiten“ ist zu fragen, was Gesellschaftstheorie leisten kann und mit welchen konzeptuellen Mitteln eine solche Gesellschaftstheorie arbeiten kann.

May 2, 2022 • 15min
René Cuperus (2021): 7 Mythen über Europa
Plädoyer für ein vorsichtiges Europa
Nach innen wie außen befindet sich die EU in schwerem Fahrwasser. Wie kann der weitere Weg für die Union nach Euro- und Migrationskrise, Brexit und Corona aussehen? Um diese Frage zu beantworten, räumt der niederländische Politikberater René Cuperus zunächst mit sieben zentralen Mythen rund um die Union auf. Sein Fazit: Die europäische Zusammenarbeit braucht mehr Realismus. In einem Plädoyer wirbt er für ein „vorsichtiges Europa“, für mehr Ausgewogenheit zwischen europäischer Integration und nationalstaatlicher Souveränität. Gebraucht wird ein starkes Europa nach außen, ein sanftes nach innen. Cuperus liefert eine Einschätzung der Stärken und Schwächen der EU und fordert: Die europäische Zusammenarbeit muss neugestaltet werden! Dabei bringt er die Sicht eines der kleineren EU-Länder ein, das zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft gehört. Die EU hat sich immer weiter von der ursprünglichen Idee eines vereinten Europas entfernt. Es kommt auf die richtige Balance zwischen der EU und ihren nationalen Demokratien an.

Mar 28, 2022 • 14min
Geert Mak (2020), Große Erwartungen
Auf den Spuren des europäischen Traums
Was ist beim turbulenten Start ins 21. Jahrhundert mit der europäischen Welt geschehen? Von der Euphorie des EU-Beitritts der osteuropäischen Länder über die Finanzkrise von 2008/9 bis zur Flüchtlingskrise von 2015 und dem zunehmenden Rechtspopulismus nimmt der Autor die zeitgenössischen Herausforderungen und Krisen bis zum Beginn der Corona-Pandemie in seinen Blick. Mak liefert Erklärungen für zentrale Anliegen der sozialen Demokratie oder Befürchtungen: etwa für die Gründe des wachsenden Nationalismus und offenen Antisemitismus, für die Folgen neoliberal forcierter ökonomischer und sozialer Schieflagen, für das Ressentiment gegenüber Migration und Geflohenen, aber auch für einen fanatisierten Islamismus. Schließlich, was bedeuten die fragiler werdenden Bindungen in der Wertegemeinschaft des Westens und die schwindende Kraft der Weltmacht USA für Europa? Es gelingt ihm, das fragile Wesen Europas als eine Kette von Krisenbewältigungen zu ergründen, es in zahllosen lokalen Beobachtungen und Gesprächen mit Augenzeugen sichtbar und wahrnehmbar zu machen.

Mar 21, 2022 • 11min
Linda Scott (2020): Das weibliche Kapital
Linda Scott will mit ihrem Buch "Das weibliche Kapital" die wissenschaftlichen Grundlagen liefern, um die Debatte zur gesellschaftlichen Ungleichheit um eine feministische Perspektive zu erweitern. Sie zeigt auf, dass es eine geschlechtsneutrale Ökonomie nicht gibt und das eine geschlechtsblinde Wirtschaft nicht nur den Individuen, sondern auch sich selbst schadet. Hierfür prägt sie die Begriffe „Double X-Ökonomie“ und „das weibliche Kapital“, womit sie die wirtschaftliche Rolle der Frauen umschreibt. Empirisch fundiert und mit zahlreichen Fallbeispielen belegt, erklärt Scott, wie Armutsbekämpfung und Gleichstellung zusammengedacht werden können. Die Autorin umreißt verschiedene Facetten der Zusammenhänge von sozialer Gerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit. Aus diesem Grund lässt sich dem Buch attestieren, dass es eine Lücke schließt, die andere große ökonomische Entwürfe der vergangenen Jahre offengelassen haben. Sehr spannend ist hierbei insbesondere, welches Potenzial eine Stärkung der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen in armen Ländern und Schwellenländern entfalten könnte. Sowohl Gewalt als auch Armut könnten hierdurch deutlich verringert werden.

Feb 28, 2022 • 15min
Nicole Mayer-Ahuja und Oliver Nachtwey [Hrsg.](2021): Verkannte Leistungsträger:innen
Berichte aus der Klassengesellschaft
Die Pandemie hat sie sichtbar werden lassen – diejenigen, die systemrelevante Arbeit leisten, also in den Bereichen der Sorgearbeit, der Gesundheit, der Versorgung mit Lebensmitteln und Waren, der Hygiene und Mobilität tätig sind. Systemrelevanz ist allerdings nicht automatisch mit akzeptablen Arbeitsbedingungen verknüpft – im Gegenteil: Die Autor_innen machen mit ihren Berichten und Porträts deutlich, dass Beschäftigte in diesen Bereichen großen körperlichen, mentalen und/oder emotionalen Belastungen ausgesetzt sind, finanziell meist schlecht entlohnt werden und ihre Arbeit nur wenig gesellschaftlich anerkannt ist. Daran scheint auch die Pandemie nur wenig zu verändern. Noch verdeckt das ausgeprägte Arbeitsethos und Engagement der „verkannten Leistungsträger:innen“ das wahre Ausmaß dieser Missstände, denn sie fangen (noch) viele der Probleme ab, die auch die Mittelschicht zunehmend plagen – zum Beispiel die gestiegenen Anforderungen, Erwerbs- und Sorgearbeit zu „vereinbaren“. Eher früher als später wird trotzdem ein Systemkollaps drohen.

Feb 14, 2022 • 10min
Carolin Wiedemann (2021): Zart und frei: Vom Sturz des Patriarchats
Bestehende Geschlechter- und Machtverhältnisse wurden historisch aufrechterhalten und bestimmen bis heute unseren Alltag. Carolin Wiedemann zeigt auf, welche Rolle antifeministische und rechtspopulistische Strömungen spielen und wie ein freieres und gleichberechtigtes Zusammenleben in Zukunft aussehen könnte. Gerade in einer Zeit, in der rechtskonservative bis extrem rechte Stimmen die Corona-Pandemie als Chance für eine Retraditionalisierung von Familie und Geschlechterverhältnissen sehen, ist dies eine wichtige Perspektive. Neue Formen des Miteinanders haben das Potenzial, das kategoriale Denken aufzubrechen und somit bisherige Herrschaftsverhältnisse zu überwinden. Die Debatte dreht sich um die Gegenüberstellung vom Kampf gegen Diskriminierung und dem Eintreten für soziale Gerechtigkeit.

Jan 31, 2022 • 16min
Christoph Möllers (2020): Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik
Die beste Antwort auf multiple politische Krisen der Gegenwart ist eine liberale. Das ist die These Christoph Möllers, der angesichts von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, Pandemie und Klimakatastrophe den Versuch unternimmt, den politischen Liberalismus zu verteidigen. Christoph Möllers plädiert entschieden gegen eine liberale Politik aus der Mitte heraus – eine Mitte, die Gefahr laufe, das spezifisch Politische zu entpolitisieren. Für die Soziale Demokratie bietet das Buch dahingehend provokante Denkanstöße. Gleiches gilt für die Frage, ob, in welchem Ausmaß und in welcher Form soziale Ungleichheit unter sozialliberalen Vorstellungen vertretbar oder sogar wünschenswert ist. Mit Freiheitsgrade hat Christoph Möllers eine theoretisch dichte Auseinandersetzung über den politischen Liberalismus vorgelegt, die sich an vielen Stellen an der liberalen Tradition reibt.

Jan 25, 2022 • 17min
Malte Thießen (2021): Auf Abstand. Eine Gesellschaftsgeschichte der Coronapandemie
Malte Thießen kontrastiert in seinem Buch die sozialen und politischen Folgen der Coronapandemie mit der Geschichte der Seuchen, die Deutschland und die Welt seit dem späten 19. Jahrhundert heimgesucht haben. Er fragt danach, was am Verlauf der gegenwärtigen Pandemie als besonders anzusehen ist, aber auch, welche aus der Seuchengeschichte bekannten typischen Muster zu erkennen sind. Auch wenn sich die Darstellung auf Deutschland konzentriert, wird Gesundheit dabei immer als Weltgesundheit verstanden und Thießen kritisiert zu Recht die politisch wie vermutlich auch epidemiologisch höchst fragwürdigen zwischenzeitlichen Abschottungspraktiken der Bundesrepublik gegenüber dem Ausland und selbst einiger Bundesländer innerhalb Deutschlands. Zugleich wirft das Buch erhellende Schlaglichter auf die vielen strukturellen Probleme, die in diesem Land nicht allein im Gesundheitswesen bestehen, und damit auf grundlegende Fragen des sozialen Zusammenhalts.


