

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Oct 15, 2025 • 13min
Flugzeugentführung steht in Zusammenhang mit Schleyer-Entführung | 14.10.1977
Der Moderator nennt die Flugzeugentführung "Hijacking" und fasst zusammen: In der vergangenen Nacht und am heutigen Morgen habe sich der "kleine Krisenstab" in Bonn wieder zusammengetan. Auch das Bundeskabinett spreche gerade über dieses Thema. Dann gibt der Reporter aus Bonn bekannt: "Die Zeiten der Nachrichtensperre sind zu Ende". Die Lage sei so ernst, dass Regierungssprecher Bölling nun alles mitteilen wolle, was er weiß. Seit sieben Minuten sitze der "Große Krisenstab" zusammen, vor einer halben Stunde begann Klaus Böllings Pressekonferenz.
Regierungssprecher Klaus Bölling äußert sich zu den Vorfällen
"Wir werden über die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate auf die Entführer einzuwirken versuchen", erklärt der Regierungssprecher. Das Ultimatum der Entführer sei ernst zu nehmen. Die Presse habe endlich erfahren, um wie viele Personen es gehe: um den entführten Arbeitgeberpräsidenten sowie, in der entführten Lufthansa-Maschine, um 5 Besatzungsmitglieder, 86 Fluggäste, darunter 5 Kinder. Durch den Bekennerbrief, so Bölling, sei der Zusammenhang zwischen den beiden Entführungen bewiesen.
Anschließend verliest er den Anfang des Bekennerbriefs mit dem Ultimatum: "Wir haben Helmut Schmidt jetzt genug Zeit gelassen, um sich in seiner Entscheidung zu winden. Zwischen der amerikanischen Strategie der Vernichtung von Befreiungsbewegungen in Westeuropa und der dritten Welt und dem Interesse der Bundesregierung, den zur Zeit für sie wichtigsten Wirtschaftsmagnaten eben für diese imperialistische Strategie nicht zu opfern. Das Ultimatum der Operation Kofre Kaddum, des Kommandos Martyr Halimeh und das Ultimatum des Kommandos Siegfried Hausner der RAF sind identisch. Das Ultimatum läuft am Sonntag, den 16. Okt. 1977 um 8.00 Uhr GMT ab. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt die elf geforderten Gefangenen ihr Ziel nicht erreicht haben, wird Hanns-Martin Schleyer erschossen."
Reporter fasst Bekennerbrief zusammen
Hier fasst der Reporter die restlichen Zeilen zusammen. Wörtlich lauten diese: "Nach 40 Tagen der Gefangenschaft von Schleyer wird es eine Verlängerung des Ultimatums nicht mehr geben, ebenso keine weitere Kontaktaufnahme. Jegliche Verzögerung bedeutet den Tod Schleyers.
Um zeitliche Komplikationen zu vermeiden, ist es nicht notwendig, dass Pastor Niemöller und Rechtsanwalt Payot die Gefangenen begleiten. Die Bestätigung der Ankunft der Gefangenen erhalten wir auch ohne die Bestätigung durch die Begleitperson. Nachdem wir die Bestätigung erhalten haben, wird Hanns-Martin Schleyer innerhalb von 48 Stunden freigelassen. Freiheit durch bewaffneten antiimperialistischen Kampf! Kommando Siegfried Hausner."
Chronologie der Ereignisse
Klaus Bölling, so der Reporter, habe eine ausführliche Chronologie der Ereignisse geliefert. Beim Zwischenstopp des Flugzeugs in Rom hätten die Entführer um 17 Uhr erstmals Forderungen gestellt, 17.02 Uhr habe Innenminister Maihofer die italienische Behörden gebeten, den Start zu verhindern. Das sei nicht gelungen. 17.50 Uhr sei die Maschine Richtung Zypern gestartet. Dort habe man einen PLO-Vertreter als Vermittler eingeschaltet. Zur gleichen Zeit seien Beamte des Bundesgrenzschutzes Richtung Zypern aufgebrochen. Die Verzögerungstaktik der Verhandler habe das Kommando an Bord argwöhnisch werden lassen, weshalb die Entführer um 21.57 Uhr wieder starten ließen. Ziel. Die Emirate am persischen Golf. Vor der Landung in Bahrain habe es dramatische Szenen gegeben. Ähnliches jetzt in Dubai. "Die Situation ist so gefährlich wie noch nie."
Mitschnitte des Funkverkehrs
Der Reporter in Frankfurt liefert dazu drei Tondokumente: den Sprechfunk des Piloten mit dem Tower kurz vor 6 Uhr beim Kreisen über Dubai, mit der Bitte, die Polizei fernzuhalten, sonst würde das Flugzeug gesprengt. Den Funkverkehr zwischen dieser und einer anderen Lufthansa-Maschine, mitgeschnitten in Israel. Darin zu hören, dass es sich um vier Entführer handelt: "2 Männer, zwei Frauen, bewaffnet". Schließlich die Stimme eins Entführers bei den Verhandlungen in Zypern. Zunächst spricht er Arabisch, dann Englisch.
Aus der Archivdatenbank
(O-Ton) Klaus Bölling, Regierungssprecher: Verlesung des Ultimatums der Flugzeugentführer / Zusammenhang zwischen der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansa Maschine "Landshut" // (O-Ton, engl) Flugkapitän der Lufthansa Maschine "Landshut": Funkspruch bei Anflug auf den Flughafen Dubai / Bitte das Rollfeld zu räumen und Soldaten zurückzuziehen // (O-Ton) Flugkapitän der Lufthansa Maschine "Landshut": Aufgefangener Funkverkehr zwischen der "Landshut" und einer anderen Lufthansa Maschine über die Anzahl der Entführer // (O-Ton, arab, dann engl) Kapitän Mahmud, Entführer der Lufthansa Maschine "Landshut": Funkverkehr mit dem Flughafen Larnaka auf Zypern.

Oct 7, 2025 • 33min
Endlich frei – Spätheimkehrer kommen im Lager Friedland an | 8. bis 11.10.1955
Die "Heimkehr der Zehntausend"
Im Oktober 1955 – mehr als 10 Jahre nach Kriegsende – kommen rund zehntausend Kriegsgefangene, aber auch zivilinternierte Frauen und Kinder aus sowjetischer Gefangenschaft frei und dürfen in die Bundesrepublik.
Möglich wurde das, nachdem einen Monat vorher Bundeskanzler Adenauer nach Moskau gereist war und die Bundesrepublik mit der Sowjetunion diplomatische Beziehungen aufgenommen hatte.
Ein großer Teil dieser Spätheimkehrer kommt im Grenzdurchgangslager Friedland an, südlich von Göttingen, an der Grenze zu Thüringen. Die folgenden Reportagen und Gespräche mit Spätheimkehrern und Lagerinsassen stammen alle aus den Tagen vom 8. bis 11. Oktober und zeigen, wie bedeutsam diese Heimkehr der Zehntausend damals für die junge Bundesrepublik war.
Quelle: WDR

Oct 2, 2025 • 4min
Deutschland ist kriegsschuldenfrei | 1.10.2010
Gebietsabtretungen, Demilitarisierung und vor allem: ein Riesenberg an Reparationszahlungen – das war der Preis, den Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zahlen musste.
Was die Schulden betrifft, hat es fast hundert Jahre gedauert, bis diese abgezahlt waren. Am 1. Oktober 2010 schließlich war es so weit.

Oct 2, 2025 • 3min
Der Moment der Wiedervereinigung | 3.10.1990
Es ist Mitternacht: Auf dem Platz der Republik läuten die Glocken und dann spricht Bundespräsident Richard von Weizsäcker die ersten Worte zum wiedervereinigten Deutschland.
Obwohl fast alle Rundfunkanstalten diesen Moment übertrugen, ist er nur in den wenigsten archiviert. Bemerkenswert auch: Nach der kurzen Ansprache Weizsäckers hört man ihn noch sagen "Jetzt muss die Nationalhymne kommen". Nach den ersten Tönen ermuntert ihn Hannelore Kohl noch: "Sag was zur Hymne." Doch dabei bleibt es. Nach der Nationalhymne ist dieser "offizielle Teil" erledigt.

Sep 15, 2025 • 13min
Großalarm überall – Die Rolling Stones touren erstmals durch Deutschland
Am 11. September 1965 beginnt die erste Deutschland-Tournee der Rolling Stones. Düsseldorf, München, Hamburg: Wo immer die Stones hinkommen, ist die Polizei im Großeinsatz. Auch der Rundfunk berichtet von dieser "Bedrohung der öffentlichen Ordnung", von den "Lärm-Millionären" den "langhaarigen Sängern, die keine anständige Kleidung kennen". Es sei "wie in einem Irrenhaus".
Ein Jugendpsychologe erklärt das Phänomen als Reaktion auf das städtische Leben, wo den Jugendlichen Grenzen gesetzt sind, sodass sie auch mal Dampf ablassen müssten. In der Musikgeschichte gäbe es jetzt einen Bruch, der Rhythmus habe die Führung übernommen.

Sep 14, 2025 • 34min
Adenauer in Moskau – Bundesrepublik und UdSSR nehmen diplomatische Beziehungen auf | 14.9.1955
Annäherung nach Stalins Tod 1953
Im September 1955 reist Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau. Er verhandelt dort über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion. In Bonn, auch in Adenauers CDU, ist dieser Schritt umstritten und wird mit großer Skepsis betrachtet. Diplomatische Beziehungen ausgerechnet mit der sowjetischen Diktatur, die aus Bonner Sicht den Osten Deutschlands, die DDR, vereinnahmt und so der Wiedervereinigung im Weg steht. Doch es ist, zwei Jahre nach dem Tod Stalins, in der Zeit des Tauwetters der Versuch einer Annäherung.
Am Ende des Besuchs in Moskau, am frühen Morgen des 14. Septembers 1955, lädt Adenauer zu einer kurzen Pressekonferenz, bevor er mit der Delegation zurückfliegt.
Wie außergewöhnlich der Moskauer Besuch war, wird auch in der anschließenden ausführlichen Reportage vom Abflug deutlich, wo Adenauer auf dem Flugfeld noch eine Erklärung abgibt.
Hämische Kritik aus der DDR
Am selben Tag kommentiert im DDR-Rundfunk Karl-Eduard von Schnitzler den Moskau-Besuch des Bundeskanzlers, wie üblich mit scharfer, hämischer Kritik am Bundeskanzler und unverhohlener Sympathie für Moskau.
Adenauer hat auf der Pressekonferenz in Moskau erklärt, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion nichts an der Haltung gegenüber der DDR ändert, in der die Bundesrepublik nach wie vor keinen eigenständigen Staat sieht. Moskau wieder sieht das erwartungsgemäß anders und gewährt der DDR wenige Tage später volle Souveränität – zumindest auf dem Papier.
Bundestag stimmt diplomatischen Beziehungen mit Sowjetunion zu
Am 22. September 1955 stimmt der Bundestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau zu. Adenauer bekräftigt im Bundestag noch einmal die Haltung der Bundesrepublik und formuliert das, was später die Hallstein-Doktrin heißen sollte: Demnach sieht sich die Bundesregierung als alleinige Vertretung des deutschen Volkes und wenn ein anderes Land mit Ost-Berlin diplomatische Beziehungen aufnehmen sollte, werte die Bundesregierung das als unfreundlichen Akt.

Sep 7, 2025 • 1min
Das Wrack der "Titanic" wird gefunden | 8.9.1985
1912 ist das damals größte Passagierschiff der Welt, die "Titanic", auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York. Im Nordatlantik, südlich von Neufundland, schrammt es einen Eisberg. Das Schiff läuft voll Wasser, drei Stunden später ist es gesunken. Mehr als 1.500 Passagiere kommen ums Leben.
Lange gilt der Dampfer als verschollen, doch 73 Jahre später, im September 1985, wird das Wrack gefunden.

Sep 5, 2025 • 5min
Der Gotthard-Straßentunnel wird eröffnet – die damals längste Röhre der Welt | 5.9.1980
Italien war schon immer ein begehrtes Reiseziel für die Deutschen. Mit der Eröffnung des Gotthard-Straßentunnels rückte Italien noch näher – jedenfalls dann, wenn es keinen Stau vor dem Tunnel gab. Aber auch innerhalb der Schweiz erleichterte der Tunnel den Transport und Verkehr zwischen der Zentralschweiz und dem italienischsprachigen Tessin.
Heute ist der Tunnel selbstverständlich. Am 5. September 1980 war es im wahrsten Sinne ein Durchbruch.

Aug 31, 2025 • 11min
Sonderzug mit Flüchtlingen kommt in München an – Beginn der "Flüchtlingskrise" 2015/2016 | 5. und 6.9.2015
Sommer 2015: Der Krieg in Syrien treibt Menschen in die Flucht. Über die sogenannte Balkanroute ziehen sie in die EU – zusätzlich zu vielen anderen, die schon all die Jahre regelmäßig aus Südosteuropa kommen. Die deutschen Kommunen organisieren Hilfe und Unterkünfte. Gleichzeitig stoßen die Asyl- und Ausländerbehörden bald an Grenzen bei der Bearbeitung der vielen Fälle.
Am 31. August 2015 gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Pressekonferenz, auf der ihr berühmter Satz fällt: "Wir schaffen das!" – Wie sie das genau gemeint hat, wird klar, wenn man sich das gesamte Statement anhört.
Budapest – Wien – Salzburg: Flüchtlinge kommen in München an
Dann folgen dramatische Tage. In Budapest kommen immer mehr Geflüchtete an, die Regierungschef Viktor Orbán aber nicht aufnehmen will. Österreich und Deutschland entscheiden daraufhin, ihre Grenzen offen zu lassen. Das bedeutet im Ergebnis, dass in den Folgetagen tausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die ersten von ihnen kommen am 5. September 2015 in einem Sonderzug in München an und werden teils mit Applaus willkommen geheißen.

Aug 30, 2025 • 5min
Der Einigungsvertrag | 31.8.1990
Der Wille war da, aber der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR war kein Selbstläufer. Es wurde gerungen und brauchte einige Anläufe, bis am 31. August 1990 die Wiedervereinigung schriftlich besiegelt wurde.
Die schwierigsten Verhandlungsthemen waren: Der Umgang mit den Stasi-Unterlagen und die Frage der Abtreibung.


