

Meilensteine - Alben, die Geschichte machten
SWR1 Rheinland-Pfalz
Jede Woche stellt die SWR1 Musikredaktion ein Meisterwerk der Rock- und Popmusik vor.
Queen, Ed Sheeran, Adele, die Rolling Stones, die Beatles, Tina Turner, Bob Dylan uvm. – sie alle haben mit ihren Pop- und Rock-Alben Musikgeschichte geschrieben und längst den Status „Legenden“ erreicht. Wir holen sie wieder hervor, die größten Alben aller Zeiten. Die Platten, mit denen sich Künstler wie Creedance Clearwater Revival, die Eagles oder Fleetwood Mac unsterblich gemacht haben. Jeden Montag gibt es eine neue Folge.
Dabei schaut das Team der SWR1 Musikredaktion hinter die Kulissen. Was war los in der Zeit, als dieser Meilenstein der Musikgeschichte veröffentlicht wurde – bei den Musikern und in der Welt. Was macht gerade dieses Album so besonders? Was sind die Hintergründe und wie sind sie produziert worden, die Platten, die uns immer wieder über den Weg laufen? Welche jungen Künstler haben sie beeinflusst und von wem wurden sie selbst beeinflusst? Bei uns gibt’s die Geschichten hinter den Alben, die Geschichte machten.
Haben Sie Anregungen für die nächste Folge, Fragen oder Kritik? Sie erreichen die Redaktion per E-Mail unter meilensteine@swr.de.
Queen, Ed Sheeran, Adele, die Rolling Stones, die Beatles, Tina Turner, Bob Dylan uvm. – sie alle haben mit ihren Pop- und Rock-Alben Musikgeschichte geschrieben und längst den Status „Legenden“ erreicht. Wir holen sie wieder hervor, die größten Alben aller Zeiten. Die Platten, mit denen sich Künstler wie Creedance Clearwater Revival, die Eagles oder Fleetwood Mac unsterblich gemacht haben. Jeden Montag gibt es eine neue Folge.
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Jan 1, 2024 • 35min
Das Meisterstück von Depeche Mode – "Violator"
Die bekanntesten Hits auf dem Album sind "Personal Jesus" und "Enjoy the Silence". Dass "Violator" ein Meilenstein der Musikgeschichte geworden ist, liegt auch daran, dass es viel mehr ist als "nur" Synthie-Pop.
Es ist eine geniale Fusion von elektronischer Musik und akustischen Instrumenten mit Gospel, Blues und Rock-Elementen. Mystisch, düster und melodiös und nach Meinung vieler Fans und Kritiker das Beste, was Depeche Mode geschaffen haben.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Frank König
Das Massenphänomen Depeche Mode
Anfang der 90er Jahre waren Depeche Mode bereits eine große Nummer. Das Vorgängeralbum "Music For The Masses", also Musik für die Massen, war im Prinzip eine Art Vorbote für das, was dann Wirklichkeit wurde. Depeche Mode wurden zum Massenphänomen, insbesondere durch ihre Tour in den USA. Auf ihrem legendären Abschlusskonzert der "Music For The Masses"-Tour am 18. Juni 1988 im Rose Bowl-Stadion im kalifornischen Pasadena spielten sie vor über 60.000 Zuschauern. Dort sind ein Tourfilm sowie das berühmte Live-Album "101" entstanden.
Your Personal Jesus
"Personal Jesus" ist inspiriert von Priscilla Presleys Buch "Elvis und ich", in dem sie über ihren Ex-Mann Elvis schreibt und sagt, dass er in ihrem Leben ihr persönlicher Jesus gewesen sei. Der Mensch, um den sich alles gedreht hat. Man spürt und hört in dem Song auch den Einfluss einer Musikrichtung, die auf den ersten Blick erstmal weit weg von Depeche Mode zu sein scheint: den Delta Blues aus Mississippi, der sehr stark durch die schwarze Musik geprägt ist.
Ich glaube, dass das Ding so 'n großer Hit geworden ist, weil es eben nicht nur die Synthie-Pop-Hörer bewegt hat, sondern auch andere Leute, die mit Depeche Mode bisher nichts anfangen konnten.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Dave Jörg
Ihr damaliger Produzent Flood hat Depeche Mode eine Art Freifahrtschein gegeben, sich von musikalischen Grenzen zu befreien und ihr eigenes Ding zu machen. Elektronische Musik und Gitarren oder Bluesmusik standen sich damals gar unvereinbar gegenüber, bis Depeche Mode diese sehr erfolgreiche Fusion geschaffen haben – damals ein absolutes Phänomen.
Im Vereinigten Königreich hat man zu dieser Zeit eine interessante Werbekampagne zum Song gefahren: In verschiedenen lokalen Zeitschriften gab es Anzeigen, auf denen stand "Your Personal Jesus", darunter eine Telefonnummer. Unter dieser konnte man den Song in der Leitung hören.
Einzigartiger Sound von Depeche Mode
Dieser spezielle Sound von Depeche Mode ist in die Popkultur eingegangen. Dabei sind vor allem zwei Personen maßgeblich beteiligt, zum einen der Songschreiber Martin Gore von Depeche Mode und auf der technischen Seite deren damaliger Produzent Flood. Flood produzierte unter anderem Bands wie die Nine Inch Nails, Nick Cave, Erasure oder The Innocents.
Ein Mensch, der gar keine Grenzen kennt.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Frank König über den Produzenten Flood
Flood stellt Depeche Mode all sein Wissen und technisches Können zur Verfügung. Am Mischpult findet sich der Toningenieur François Kevorkian, der auch mit Kraftwerk das Album "Electric Café" in den Achtzigern aufgenommen hat. Unfassbare Leute, die im Hintergrund von "Violator" mitgearbeitet haben gepaart mit sensationellen Songs machen die Magie dieses Albums aus.
Enjoy the Silence
"Enjoy the Silence" ist die zweite Single-Auskopplung aus dem Album "Violator" und bis heute der größte Erfolg von Depeche Mode. Songwriter Martin Gore schrieb das Stück ursprünglich als Ballade. Carla Bruni hat den Klassiker 2017 neu interpretiert und verleiht dem Song durch ihre warme Stimme besonderen Charme und macht ein klares Statement: Die Welt braucht mehr Ruhe, Stille ist heilsam. Dieser Erfolg von "Enjoy the Silence" löste einen unglaublichen Hype um Depeche Mode aus, sodass von den Journalisten damals immer wieder der Vergleich mit den Beatles gezogen wurde.
Kritik zum Album
Die Kritiker haben das Album zur damaligen Zeit durchaus eher durchwachsen bewertet.
Es gab diejenigen, die es in den höchsten Tönen gelobt haben und es gab diejenigen, die das Ganze nicht verstanden haben.
Quelle: Larissa Pitzen, Hospitantin in der SWR1 Musikredaktion und Sängerin von The Voice Of Germany 2019
Wie immer ist es eine Frage der Perspektive. Die Musikjournalisten zu der Zeit waren sehr stark im klassischen Rock'n'Roll bei den Beatles und den Stones verwurzelt, sodass sie diese elektronische Musik nicht so ernst genommen haben.
Es gibt meines Erachtens nach keinen, der elektronische Musik heute macht, der nicht in irgendeiner Form direkt oder indirekt von Depeche Mode und diesem Album "Violator" beeinflusst ist.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Dave Jörg
Halo – Die Geschichte hinter Depeche Modes Albumklassiker "Violator"
Violator blieb insgesamt 48 Wochen in den deutschen Albumcharts vertreten. Wie dieses bahnbrechende Album zustande kam, dokumentieren die beiden Super-Fans Kevin May und David McElroy ganz genau indem sie dazu mit einer Vielzahl von Mitstreitern sprachen.
"Violator" – Ein Meilenstein der Musikgeschichte
Wieso der Song "Enjoy The Silence" dafür verantwortlich ist, dass es in Amerika fast Straßenschlachten gegeben hat, welche Parallelen das Video zum Song mit dem kleinen Prinzen des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry aufzeigt und die Hintergründe zur Entwicklung des einzigartigen Sounds von Depeche Mode – darüber und mehr, wird in dieser Episode gesprochen.
Shownotes
Der Chefredakteur des Onlinemusikmagazins "Nothing But Hope And Passion" hat zum 25-jährigen Jubiläum von "Violator" einen "Liebesbrief" geschriebenReview bei allmusic.comBericht aus TTT über Depeche Mode in der ARD MediathekOffizieller YouTube-Kanal von Depeche Mode
Über diese Songs vom Album "Violator" wird im Podcast gesprochen
(03:08) – "World in My Eyes"(07:35) – "Personal Jesus"(17:10) – "Halo"(21:47) – "Enjoy the Silence"(27:24) – "Policy Of Truth"(32:18) – "Clean"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(01:10) – "The Wall" von Roger Waters(01:37) – "Verdammt, ich lieb' Dich" von Matthias Reim(01:48) – "Nothing Compares 2 U" von Sinéad O'Connor(05:14) – "Sky and Sand" von Paul Kalkbrenner(12:01) – "Personal Jesus" von Johnny Cash(16:34) – "Personal Jesus" von Marilyn Manson(33:01) – "One of These Days" von Pink Floyd(34:08) – "Autobahn" von Kraftwerk

Dec 11, 2023 • 1h 4min
50 Jahre Udo Lindenberg – "Alles klar auf der Andrea Doria"
Für Udo Lindenberg selbst war es damals unvorstellbar, dass er mit diesem Album den Grundstein für seine Karriere legen würde.
Ich habe früher gedacht, ey, was ist denn wenn du 'ne Band aufmachst – Party-Time hoch die Tassen – geil! So ein One-Hit-Wonder und dann ist es normalerweise wieder vorbei.
Quelle: Udo Lindenberg über den Start seiner Karriere mit dem Panikorchester
Doch vorbei war es für Udo und sein Panikorchester auf keinen Fall, auch wenn die Platte nach einem untergegangenen Schiff, der Andrea Doria, benannt ist. Ganz im Gegenteil: Udo wird mit dem Album berühmt. Es hat sich über hunderttausend Mal verkauft und ist sein Durchbruch.
"Alles klar auf der Andrea Doria" – der Durchbruch auf Deutsch
"Alles klar auf der Andrea Doria" ist bereits Udo Lindenbergs drittes Album. Auf dem ersten hat er noch englisch gesungen, und war noch deutlich jazziger, und seit dem zweiten Album "Daumen im Wind" singt er auf Deutsch. Mit seinem dritten Album "Alles klar auf der Andrea Doria" findet er seinen Stil mit seiner Band "irgendwo zwischen Jazz, Rock 'n' Roll und Seemannslied", so SWR1 Musikredakteurin Sondermann. Es ist textlich etwas, was vorher in Deutschland niemand so gemacht hat.
Dass jemand wirklich auf Deutsch gesungen hat, damit erfolgreich war und keinen Schlager gemacht hat, sondern jugendliche Popkultur, das hat einfach Udo in die Welt gebracht.
Quelle: SWR1 Musikredakteurin Clara Sondermann
Lindenberg erfindet und etabliert eine komplett eigene Sprache. Die Art und Weise wie er singt ist neu: "Udos Texte gelten ja auch als Schnodderlyrik". Und so hören und fühlen sich die Texte auch an – "eben schnodderisch oder frei Schnauze", so SWR1 Musikredakteurin Katharina Heinius.
Udo Lindenbergs Werdegang
Es ist 1968, Udo ist gerade mal 23 Jahre alt und macht Hamburg zu seiner Wahlheimat. Er tritt als Schlagzeuger bei den City Preachers ein, lernt Sängerin Inga Rumpf und den Pianisten Jean-Jacques Kravetz kennen und zieht in die legendäre Villa Kunterbunt. Im Haus im Rondeel 29 trifft sich die Hamburger Szene. Dort wohnen unter anderem Westernhagen, Otto, der Pianist Gottfried Böttger und er in einer WG, es ist eine Art kreatives Center. Später zieht es Udo auf Steffi Stephans Wunsch hin mit seinen zukünftigen Bandkollegen des Panikorchesters nach Münster, in die "Panik-WG", wo sie proben und sich für "Alles klar auf der Andrea Doria" zusammenfinden. Ein Album, das vollgepackt ist mit Geschichten, die von Sehnsüchten und Schicksalsschlägen, von schaurig schönen Szenarien mit dem gewissen Fünkchen Hoffnung erzählen.
Der Panikpräsident
In seiner Autobiographie "Panikpräsident" bricht Udo Lindenberg sein Schweigen. Warum das Album "Alles klar auf der Andrea Doria" sein Panik-Flaggschiff geworden ist, wie die Andrea Doria ihren Panikanker in der Udo Lindenberg Biografie ausgeworfen hat, das erzählt Udo in seiner Autobiografie.
Ich spielte damals tatsächlich eine Rolle. Ich bewegte mich nach einstudierter Choreografie in einem dunklen Seemannsmantel mit goldenen Streifen zwecks Image-Aufbau. Solange zwischen Anspruch und Realität noch eine schmale Meerenge lag, waren meine unsicheren Schritte ein torkliger Balanceakt.
Quelle: Udo Lindenberg, "Panikpräsident – Die Autobiographie"
Ein Komet, der zweimal einschlägt
Der Song "Komet" von Udo Lindenberg und dem erfolgreichen Rapper Apache 207 sollte zum größten Hit und damit auch ein Comeback in LIndenbergs Leben werden, nachdem er einige Schicksalsschläge verkraften musste und seine Karriere ins Wanken geraten ist. Doch nicht nur das: auch das Video zu "Komet" ist das bislang erfolgreichste Musikvideo 2023 auf Youtube in Deutschland mit weit über 60 Millionen Aufrufen.
"Alles klar auf der Andrea Doria" – Ein Meilenstein der Musikgeschichte
Ein Album, das vollgepackt ist mit Geschichten, die von Sehnsüchten und Schicksalsschlägen, von schaurig schönen Szenarien mit dem gewissen Fünkchen Hoffnung erzählen. Über Lindenbergs Weg von der englischen Sprache zur deutschen Sprache in der Rockmusik, woher der Name "Panikorchester" stammt und warum Udo dann plötzlich nicht mehr Udo heißen sollte, sondern Jeremias – darüber und mehr, wird in dieser Epidsode gesprochen.
Shownotes
Offizieller YouTube-Kanal von Udo LindenbergUdo Lindenberg Hesse-Lesebuch "Der Poet und der Paniker" Udo Lindenberg Biopic "Lindenberg! Mach dein Ding!"
Über diese Songs vom Album "Alles klar auf der Andrea Doria" wird im Podcast gesprochen
(12:48) – "Alles klar auf der Andrea Doria"(25:28) – "Die größte Liebe"(28:26) – "Wir wollen doch einfach nur zusammen sein"(37:21) – "Er wollte nach London"(43:28) – "Jeremias"(49:39) – "Cello"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(10:25) – Tatort-Titelmusik (Klaus Doldinger) von Udo Lindenberg (19:47) – "Blau blüht der Enzian" von Heino(20:55) – "Rauch-Haus-Song" von Ton Steine Scherben(39:36) – "Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klau'n" von Udo Lindenberg(56:38) – "Komet" von Udo Lindenberg und Apache 207(59:34) – "Cello"-Interpretation von Wolfgang Niedecken und BAP
Unser Podcast-Tipp der Woche: Interpretationssache – Der Musikpodcast

Dec 4, 2023 • 59min
Paul McCartney & Wings – "Band on the Run"
Paul McCartney hat die Band Paul McCartney & Wings im Jahr 1971 zusammen mit seiner Frau Linda McCartney gegründet — ein Jahr nach der Trennung der Beatles. Linda hat die Beatles zuvor schon als Fotografin begleitet und teilweise auch Vocals bei verschiedenen Alben hinzugesteuert. John Lennon hat einige Jahre zuvor bereits mit seiner Frau Yoko Ono die Plastic Ono Band gegründet. "Band on the Run" kann für Paul McCartney als eine Art Befreiungsschlag von seiner musikalischen Vergangenheit gesehen werden, den Beatles. Paul McCartney zeigt auf diesem Album, dass er es noch draufhat, losgelöst von seinem kongenialen Partner John Lennon als Songwriter, als Bassist und als Sänger zu arbeiten.
Er schreibt Songs, die Bestand haben und qualitativ an seine alten Zeiten herankommen. Mit "Band on the Run" steigt Paul McCartney wieder wie Phönix aus der Asche.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig
Turbulente Produktionsbedingungen
"Band on the Run" wurde in Afrika, in Nigeria, genau genommen in Lagos produziert. Für Paul McCartney klang das nach Sonne, nach Entspannung, als könnte man hier ganz entspannt in wunderschöner afrikanischer Umgebung ein tolles Album aufnehmen. McCartney hatte die Koffer bereits gepackt, Demos und Songideen im Gepäck. Gitarrist Henry McCullough und Schlagzeuger Denny Seiwell sollen schon länger nach einem Grund für den Ausstieg gesucht haben. McCartney hat sie ihrer Meinung nach zu schlecht bezahlt und sie konnten sich künstlerisch nicht in dem Maße einbringen, wie sie das gerne wollten. Bis zum Tag des Abfluges am 9. August 1973 hatten beide gekündigt.
Denny Laine war als einziger von den ursprünglichen Wings neben Paul und Linda McCartney mit nach Lagos geflogen. Was für ein Glück — er war nämlich ein Multiinstrumentalist und konnte somit McCartney kräftig unterstützen. Trotzdem konnte sich Laine nicht in dem Maß einbringen, wie er es gerne getan hätte.
Ich betrachte "Band on the Run" definitiv als ein Album von Paul und Linda McCartney — wir sind keine Gruppe mehr.
Quelle: Bandmitglied und Multiinstrumentalist Denny Laine über Paul McCartney and Wings
Dennoch — die drei waren produktiv und haben sich durchaus auch von Afrika musikalisch inspirieren lassen, zumindest rhythmisch. Ursprünglich wollte McCartney das Album sogar mit afrikanischen Musikern aufnehmen, hat sich dann aber dagegen entschieden, weil er viel Gegenwind bekommen hat.
Zurück zum Tag der Ankunft in Lagos. Paul McCartney & Wings werden auf offener Straße überfallen. Alle Tapes und Ideen, die Paul bisher in irgendeiner Form für "Band on the Run" gesammelt hatte, waren also weg. Sie standen mit leeren Händen da und mussten alles aus ihrem Gedächtnis rekonstruieren. Auch eine gewisse Angst nach dem Überfall begleitete die McCartneys, die sie versucht haben mit Gras zu bekämpfen. Paul McCartney erlitt — vermutlich infolge übermäßigem Konsums — eine Panikattacke und musste ins dortige Krankenhaus. Zu den Aufnahmen war er zurück und hat gemeinsam mit Linda im Studio gearbeitet. Seine Frau war eigentlich Fotografin und hat während der Albumaufnahmen intensiv gelernt, Instrumente zu spielen, vor allem Klavier.
"Band on the Run" ist dabei auch so 'ne One-Man-Show.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig
Unter diesen katastrophalen Produktionsbedingungen, an denen andere Musiker und Musikerinnen womöglich verzweifelt wären, erschafft McCartney in diesem Kosmos ein großartiges Album und er schafft es, wieder geliebt zu werden, so SWR Musikredakteur Stephan Fahrig.
Durchbruch von "Band on the Run"
Es war nicht leicht für Paul McCartney nach der Trennung der Beatles. Nicht nur John Lennon sondern auch George Harrison sollten ihm musikalisch ernsthafte Konkurrenz machen. Seine beiden ersten Soloalben verkaufen sich zwar gut und sind erfolgreich, doch die Kritiker lassen ihn durchfallen und das soll noch schlimmer werden bei Paul McCartney & Wings. Trotzdem gab es 1973 eine große Auftragskomposition für James Bond 007 — der Durchbruch für Paul McCartney & Wings.
"Band on the Run" ist der Welthit für Paul McCartney & Wings. Die Band auf der Flucht — textlich wie musikalisch teilt sich dieser Song auf in drei Teile. Ein dramaturgies, durchkomponiertes Meisterwerk. Diese Aufteilung und Strukturierung erinnerten stark an die Beatles-Ära, in der Paul diese Technik bereits perfektioniert hat.
Der Song "Band on the Run" klingt wie ein kleines Theaterstück mit Programmmusik.
Quelle: SWR1 Musikredakteurin Katharina Heinius
Musikalischer Scheidungskrieg zwischen McCartney und Lennon
Im Jahr 1967 haben sich Linda Eastman und Paul McCartney das erste Mal getroffen, haben sich ineinander verliebt und dann 1969 geheiratet. Noch in einer Zeit, in der Paul McCartney aktives Mitglied der Beatles war. Sie hat alle Hochs und Tiefs der Band an der Seite ihres Mannes erlebt, und da gab es einige, gerade in den Endjahren der Beatles. Nach der offiziellen Trennung im April 1970 haben Paul McCartney und John Lennon einen Art offenen musikalischen Scheidungskrieg über Songs geführt. Den Anfang macht Paul McCartney 1971, er singt in "Too Many People" darüber, dass Lennon seine Glückssträhne zerbrechen hat lassen. Dieser antwortet darauf in seinem Album "Imagine" 1971 mit dem Song "How Do You Sleep?" mit den Worten "Das einzige, was du je geschafft hast, war "Yesterday". Wie kannst du schlafen?". McCartney antwortet seinerseits in "Band on the Run" mit dem Song "Let Me Roll It". Ein Song, wie John ihn selbst schreiben könnte, so Fahrig. "Let Me Roll It" ist ursprünglich eine Textzeile aus einem George Harrison-Song "I'd Have You Anytime" aus dem Album "All Things Must Pass" von 1970.
Das ist 'ne richtige Persiflage auf John Lennon Songs.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig über "Let Me Roll It"
McCartney und Lennon haben sich bald getroffen und sich einigen können. John Lennon bezeichnete seinerseits das Album "Band on the Run" sogar als fantastisches Werk.
Paul McCartney – Lyrics
Im November 2021 erschienenen Buch von Paul McCartney "Lyrics" betrachtet er sein Leben und Werk intensiv im Prisma von 154 eigenen Songs.
"Band on the Run" – Ein Meilenstein der Musikgeschichte
Die Gruppe, die Band, die Bande auf der Flucht. Was genau hinter dem Albumtitel steckt, wieso die Band tatsächlich irgendwie auf der Flucht war und wie es Picasso auf dieses Album geschafft hat, warum Lagos vermeintlich kein guter Ort war, um eine Platte aufzunehmen und viel mehr, wird in dieser Episode besprochen.
Shownotes
Paul Mc Cartney & Wings Rockshow Live Rolling Stone: Paul McCartney & Wings veröffentlichen "Band on the Run"Musik-Sammler Release: "Band on the Run"YouTube Paul McCartney "Band on the Run" John Lennon singt das Album "Band on the Run"Paul McCartney & Wings "Band on the Run" BBC-Doku
Über diese Songs vom Album "Band on the Run" wird im Podcast gesprochen
(15:50) – "Bluebird"(25:24) – "Jet"(29:49) – "Band on the Run"(48:33) – "Let Me Roll It"(52:27) – "Picasso’s Last Words (Drink to Me)"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(47:31) – "Too Many People" von Paul McCartney und Lina McCartney(49:14) – "I'd Have You Anytime" von George Harrison

Nov 27, 2023 • 31min
Eric Clapton – "Unplugged"
Ursprünglich wollte Clapton "Unplugged" lediglich in einer limitierten Version herausbringen, da er selbst nicht von dessen Erfolg überzeugt war. Doch er sollte sich irren, es wurde zum erfolgreichsten Livealbum aller Zeiten. Die tragische Geschichte um den Tod seines Sohnes, die die Veröffentlichung überschattet, macht Clapton selbst auch ein Stück weit für den Erfolg von "Unplugged" verantwortlich. Seine Offenheit hat die Menschen sehr bewegt.
Ich finde, das ist das Große, was dieses Album auszeichnet, dass die Emotionen immer mitschwingen.
Quelle: SWR1 Musikredakteurin Deborah Shamuhn
Entstehung von "Unplugged"
"Unplugged" von Eric Clapton ist eines der ersten Unplugged-Alben, die produziert wurden und bis heute das erfolgreichste. Es wurde in einem kleinen intimen Konzert-Rahmen in Bray nahe Windsor aufgenommen und unter Reprise- und Duck Records veröffentlicht. "Unplugged" besteht zum Teil aus Eigenkompositionen von Clapton, aber auch aus einem Teil alten Blues. Die deutschen Konzertveranstalter Horst Lippmann und Fritz Rau brachten mit dem "American Blues Festival" in den 50er und 60er Jahren amerikanischen Blues nach England. Im Publikum waren von den Stones über Led Zeppelin bis hin zu Eric Clapton viele Gitarristen, die in den 60ern groß geworden sind und sich an diesem alten Blues orientiert haben.
Clapton ist ein Gitarrist, der kein Brimborium, keine Effekte braucht, er ist nämlich ein fantastischer Musiker. Und das kommt bei diesem Unplugged-Album wirklich gut raus. Es ist Clapton pur.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Werner Köhler
"Tears in Heaven"
In dem Titel "Tears in Heaven" verarbeitet Clapton den Tod seines Sohnes Connor. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ist die tragische Geschichte um dessen Tod gerade mal ein dreiviertel Jahr her. Connor ist im Alter von 4 Jahren während des Versteckspielens aus einem offenen Fenster eines Hochhauses in New York gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Eric Clapton war zu dem Zeitpunkt selbst auch vor Ort und hat die Tragödie hautnah miterlebt.
Um den Tod seines Sohnes zu verarbeiten und sich selbst zu trösten schreibt Clapton "Tears in Heaven", mit Hilfe seines Co-Autoren Will Jennings, der als einer der bedeutendsten Songschreiber der Szene gilt. Er fragt sich, ob man sich eines Tages in einem anderen Leben wiedertreffen wird. Während Clapton den Song auf der Bühne – vermutlich aus Selbstschutz – manchmal in etwas "kühlerer" Manier spielt, gelingt es ihm auf "Unplugged" all seine Gefühle zuzulassen.
Ich finde es unglaublich, dass er diesen Song überhaupt singen kann bei dem Konzert. Es gibt nichts Schlimmeres für Eltern, als der Tod ihres Kindes.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Werner Köhler
Eric Clapton – "Mein Leben"
In seiner Autobiografie berschreibt Clapton sehr eindringlich, was damals in ihm vorging und wie er allmählich wieder ins Leben zurückfand und über die Musik seine Trauer bewältigen konnte.
Ich möchte meinen ganzen Schmerz in meiner Musik ausdrücken, ich will ihn nicht unterdrücken, sondern anderen davon erzählen, die ebenfalls Schmerz erleiden, damit sie wissen, dass sie nicht alleine sind.
Quelle: Eric Clapton in seiner Autobiographie "Mein Leben"
Clapton legt Zeugnis ab von seinem bewegten Leben, lässt teilhaben an den großen Erfolgen und den zahlreichen Tragödien seines Lebens.
Ein Meilenstein der Musikgeschichte
Über Eric Claptons Leben, seine überschattete Kindheit, den Tod seines Sohnes, sein musikalisches Talent und von welchen hochkarätigen Musikern und Musikerinnen Clapton im Rahmen seines Unplugged-Konzertes begleitet wurde, darüber wird in diesem Podcast gesprochen.
Shownotes
YouTube-Channel von Eric Clapton
Über diese Songs vom Album "Unplugged" wird im Podcast gesprochen
(04:14) – "Nobody Knows You When You’re Down and Out"(09:55) – "Tears in Heaven"(15:49) – "Rollin’ and Tumblin’"(21:48) – "Layla"(27:55) – "San Francisco Bay Blues"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(01:40) – "Rhythm Is a Dancer" von Snap!(01:52) – "November Rain" von Guns n’ Roses(13:10) – "While My Guitar Gently Weeps" von The Beatles(20:51) – "My Father’s Eyes" von Eric Clapton

Nov 20, 2023 • 50min
The Kinks – "The Kinks Are the Village Green Preservation Society"
Bekannt wurden sie durch Single-Hits wie "You Really Got Me" oder "Sunny Afternoon". Auf ihrem Album "The Kinks Are the Village Green Preservation Society" sind zwar keine großen Hits, dafür umso mehr spannende Kompositionen. Die Kinks gehen deutlich weg von ihrem Image als Single-Hit-Komponisten hin zu dramaturgisch denkenden Songstrukturen. Im Erscheinungsjahr selbst war das Album ein echter Flop – mittlerweile ist es das meistverkaufte Kinks-Album überhaupt.
Bandleader Ray Davies hat das in seinem britischen Humor schön auf den Punkt gebracht:
"The Kinks Are the Village Green Preservation Society" is the most successful flop of all time.
Quelle: Ray Davies über den Erfolg des Albums "The Kinks Are the Village Green Preservation Society"
Zeitreise zurück in die wilden 60er
Uns erwartet eine kleine Zeitreise zurück in die wilden Sixties. Für die Welt war 1968 ein Jahr des Umbruchs und des Aufbruchs durch die Revolution. Der 68er Soundtrack kommt beispielsweise von Jimi Hendrix "Electric Ladyland", dem weißen Album der Beatles, "Beggars Banquet" von den Rolling Stones oder "In-A-Gadda-Da-Vida" von Iron Butterfly.
Bei den Kinks geht es – ganz anders als zu der Zeit üblich – um das einfache Leben auf dem Land im Norden von London und die britische Kultur. Es geht zurück aufs Dorf in "The Kinks Are the Village Green Preservation Society". Die Kinks selbst nehmen dabei die Rolle des Vereins zur Erhaltung des Dorfplatzes ein.
Von dem Album selbst gibt es mehrere Ausgaben, wir beziehen uns auf die britische Variante mit 15 Songtiteln. Ursprünglich gab es noch weitere Songs für das Album, da es zunächst als Doppelalbum geplant war. Einige davon finden sich auf dem 1973 erschienenen Folgealbum "The Great Lost Kinks".
Auftrittsverbot in den USA
Die Kinks haben versucht, in den USA Fuß zu fassen, bis sie ein offizielles Auftrittsverbot von der Musikergewerkschaft in den USA erhielten. Es soll Schlägereien auf der Bühne gegeben haben und sie sollen sich insgesamt danebenbenommen haben. Die Kinks waren jung und wild. Durch das erlangte Konzertverbot von 1965 bis 1969 entging ihnen die Chance, die Bands wie beispielsweise The Who bekommen haben, auf Woodstock 69 zu spielen und somit auch ein großes Karriere-Sprungbrett. Durch dieses "Verbannen" wurden sie ein Stück weit vom amerikanischen Musikmarkt abgeschnitten.
Produktion von "The Kinks Are the Village Green Preservation Society"
Ray Davies fing infolgedessen an, sich auf England konzentrieren und Songs mit Blick auf die englische Kultur und Gesellschaft zu schreiben. In dieser Zeit entstand auch der Song "Village Green", der später auf dem Album einen Platz findet. 1967/68 beginnen dann die Aufnahmen zum Album selbst, immer mal wieder unterbrochen durch kleine Tourneen innerhalb Europas. Letztlich haben sie zwei Jahre gebraucht, um das Album aufzunehmen. "The Kinks Are the Village Green Preservation Society" ist ein Konzeptalbum und dieses Konzept stammt von Ray Davies. Es geht um das Leben auf dem Land, es geht um Heimat und um Freundschaft.
Das Album zeigt einfach sehr gut, was für ein hervorragender Songschreiber Ray Davies ist. Diese Texte, die sind britisch, die sind witzig, die sind bissig, das ist einfach ziemlich gut.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Benjamin Brendebach
Ein Meilenstein der Musikgeschichte
In diesem Meilenstein wird darüber gesprochen, was es mit Walter auf sich hat, dem Schulfreund von Ray Davies, wie verrückt Annabella wirklich ist und wie wichtig so eine Dorfgemeinschaft sein kann. Außerdem geht es darum, warum das Album 1968 ein totaler Flop war und wie es im Rahmen von Popmusik und Bands wie Blair und Oasis ein echtes Revival erleben durfte, mehr noch – wie es jetzt über 50 Jahre nach Erscheinen des Albums zum meistverkauften Kinks-Album überhaupt geworden ist.
Shownotes
Doku zu The Kinks – "The Kinks Are the Village Green Preservation Society"Auftrittsverbot in den USAYouTube-Channel von The Kinks
Über diese Songs vom Album "The Kinks Are the Village Green Preservation Society" wird im Podcast gesprochen
(03:52) – "Animal Farm"(04:29) – "Sitting by the Riverside"(20:30) – "Village Green"(26:40) – "The Village Green Preservation Society"(30:27) – "Monica"(34:21) – "Wicked Annabella"(37:34) – "Walter"(42:43) – "Picture Book"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(01:32) – "You Really Got Me" von The Kinks(01:39) – "Sunny Afternoon" von The Kinks(18:50) – "Penny Lane" von The Beatles(45:23) – "Warning" von Green Day(45:55) – "Don't Look Back in Anger" von Oasis

Nov 13, 2023 • 31min
Diana Ross – "Diana"
Nile Rodgers und Bernard Edwards kennt man übrigens auch als die Gründer der Disco-Band "Chic". Der Einfluss der Band ist auch auf "Diana" nicht zu überhören.
Diana Ross' Karriere stand Kopf
Angefangen hat damals alles mit einem Gespräch zwischen Diana Ross und Nile Rodgers. Diana wollte mal was Neues ausprobieren und brauchte einen frischen Sound. Und das hat funktioniert. SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig meint, er habe sie im ersten Moment gar nicht wiedererkannt. Man merkte allein schon beim Betrachten des Albumcovers schnell, das ist nicht mehr die Diva mit den langen Haaren, die in den 1960ern bei der Girl-Band "The Supremes" gesungen hat.
Ist das Diana Ross? Das Album war einfach eine ganz neue Scheibe.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig
Rodgers und Diana dachten sich dann: Die Geschichte darüber, wie Diana Ross ihre Karriere auf den Kopf stellen will eignet sich doch schon super für einen Song! Und so entstand ihr Hit "Upside Down".
Leider stand auch bei der Produktion das ein oder andere Mal alles Kopf. Zum Beispiel war Diana unzufrieden mit dem fertigen Mix der Platte. Sie hatte das Gefühl, dass ihre Stimme nicht genug zur Geltung kommt und in der Musik versinkt. Also hat sie das Album später nochmal komplett neu mischen lassen und den Gesang noch einmal aufgenommen. Das ist auch der Grund, weshalb es alle Songs auf dem Deluxe-Album in zwei Versionen gibt.
"I’m Coming Out" ist die Hymne der LGBTQ-Community
Das Musikgenre "Disco", zu welchem "Diana" gehört, kam in den USA ursprünglich aus der schwarzen- und der LGBTQ-Community. Nile Rodgers hat sich für Dianas Hit "I’m Coming Out" auch von dieser inspirieren lassen. Rodgers ist damals zum Feiern immer gerne in die Schwulen-Clubs gegangen, weil da einfach die bessere Musik lief und die krasseren Partys stattfanden.
Diana Ross war in der Schwulenszene eine Göttin und mit dem Song hat sie sich für ewig ein Denkmal gemacht.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Dave Jörg
Diana Ross singt das Lied eher aus der Perspektive, dass sie als selbstbewusste und starke Frau erhobenen Hauptes in eine neue Lebens- und Schaffensphase eintritt. So hat sie sich auch gesanglich als große Diva gegen zwei ziemlich lange Posaunen-Soli am Anfang und am Ende des Songs durchsetzen können.
1994 hat Diana Ross mit "I’m Coming Out" sogar die Fußball-WM in den USA eröffnet. Bei ihrem Auftritt ist leider ein entscheidendes Detail danebengegangen. Um was es dabei ging und was noch alles hinter der turbulenten Produktion von "Diana" steckt, erfahren Sie in dieser Episode der SWR1 Meilensteine.
Shownotes
Review bei AllmusicWDR Stichtag zum 75. Geburtstag von Diana RossYouTube Channel von Diana RossDiana Ross verschießt Elfmeter bei der WM Eröffnung 1994Offizielle Website von Diana Ross
Über diese Songs vom Album "Diana" wird im Podcast gesprochen
(03:12) – "Upside Down"(09:16) – "Tenderness"(11:06) – "Friend to Friend"(21:00) – "I'm Coming Out"(28:04) – "My Old Piano"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(07:18) – "Le Freak" von Chic(08:08) – "Upside Down" Cover von The BossHoss(29:39) – "Meddle" von Pink Floyd

Nov 6, 2023 • 25min
Rod Stewart – "Unplugged ...and seated"
Das durften wirklich nur die ganz großen Künstler machen: Ein MTV Unplugged. Die Liste der Künstler liest sich wie ein Who is Who der Popmusikgeschichte: Udo Lindenberg, Nirvana, die Fantastischen Vier, Eric Clapton, Herbert Grönemeyer, Björk, Bruce Springsteen und noch einige mehr.
Ron Wood und Rod Stewart zusammen bei MTV Unplugged
1993 durfte dann auch der britische Rocker Rod Stewart Teil der Unplugged-Familie werden. Mitgenommen zu dem Event hat der Brite seinen langjährigen Freund und ehemaligen Bandkollegen von "The Faces", Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood. Eine besondere Herausforderung für die Band ist natürlich zum einen der ruhigere Sound einer Unplugged-Show und zum anderen der eingeschränkte Bewegungsradius. Die Band und auch Sänger Rod Stewart wurden auf Hockern platziert, was für den Briten, der auf der Bühne normalerweise seinem Bewegungsdrang nachkommt, sehr schwierig war. In seiner Biografie hat Rod Stewart dazu geschrieben:
Ein Hocker bedeutet für mich eine ähnliche Einschränkung wie eine Zwangsjacke!
Quelle: Rod Stewart in seiner Biografie über den Hocker beim Unplugged-Konzert
Das Besondere an "Unplugged ...and seated" ist auch, dass auf dem Album einige Coversongs drauf sind, wie zum Beispiel Van Morrisons "Have I Told You Lately". Für unseren ehemaligen SWR1 Musikkollegen Christian Pfarr ist das ein ganz besonderes Talent von Rod Stewart. Wenn er einen Song covert, dann wird der einfach durch seine fantastische Stimme zu seinem eigenen Song.
Er muss nicht mal viel verändern. Alleine seine Stimme genügt, dass das eine Präsenz hat, die man gar nicht beschreiben kann. Das hat etwas Magisches!
Quelle: Christian Pfarr, ehemaliger SWR1 Musikkollege über die Coversongs von Rod Stewart
Eines der besten MTV Unplugged Alben
Für unseren ehemaligen Kollegen aus der SWR1 Musikredaktion Christian Pfarr und SWR1 Musikredakteurin Katharina Heinius ist diese Ausgabe von MTV Unplugged eine der besten, die es je gegeben hat und die es jemals geben wird. Warum? Das erklären sie im SWR1 Meilensteine Podcast zum Album "Unplugged ...and seated" von Rod Stewart.

Oct 30, 2023 • 26min
Billy Joel – "Piano Man"
"Piano Man" erscheint am 9. November 1973 und ist bereits Billy Joels zweites Album, die erste blieb leider erfolglos. Ein kleine Plattenfirma, wenig Budget und ein Tontechniker, der die Platte auch noch auf der falschen Geschwindigkeit überspielt... sie war damit praktisch unverkäuflich. Doch Joel gab nicht auf und das sollte sich lohnen.
Das Album war für Billy Joel selbst wirklich ein Meilenstein, weil er damit endlich aus dieser Erfolglosigkeit rauskam.
Quelle: SWR1 Musikredakteur Niels Berkefeld
Insgesamt war das Jahr 1973 ein ziemlich guter Meilensteine Jahrgang: "The Dark Side of the Moon" von Pink Floyd, "Innervisions" von Stevie Wonder, "Quadrophenia" von The Who – und dann waren da noch die beiden Piano Männer: Elton John mit seinem Meisterwerk "Goodbye Yellow Brick Road" und Billy Joel als die amerikanische Antwort auf den englischen Musiker.
Die Geschichte hinter "Piano Man"
"Piano Man" wurde auch die allererste Single, die er rausgebracht hat. Der Song, seine Art zu singen und zu spielen und dieser spezielle Sound haben ihn als Künstler definiert und letztlich auch etabliert. Der Titel ist wie viele Songs auf dem Album autobiographisch. Er beschreibt eine Szene in einer Bar, in der die Menschen rumhängen und immer betrunkener werden, währenddessen er dafür zuständig ist sie zu unterhalten und für sie zu spielen.
Er hatte eine unglaubliche Gabe Leute zu beobachten und daraus Geschichten zu erzählen.
Quelle: SWR1 Musikchef Bernd Rosinus
Billy Joels Autobiographie
Joel stammt aus einer jüdischen Familie, er ist halb deutsch, halb englisch.1938 flieht sein jüdischer Vater unter dem Nazi-Regime nach Amerika. Dort lernt er Joels zukünftige englische Mutter kennen. In Brooklyn geboren, ging er später für einige Zeit nach Kalifornien. Dort entstand auch die Platte "Piano Man". Heute lebt er wieder in einem schönen Anwesen in Long Island.
2008 bat Billy Joel den amerikanischen Musikjournalisten Fred Schruers, ihm beim Verfassen seiner Autobiografie zu helfen. Die beiden verbrachten laut Hannibal Verlag über einhundert Stunden damit, intensiv über Joels Leben zu sprechen: Über seine Kindheit in Long Island, über seine Erfahrungen als Boxer, über seine gescheiterte Ehe mit Christie Brinkley und den Kampf gegen seine Drogensucht – und natürlich auch über seine Karriere und Songs.
"Zuhause" im Madison Square Garden
1993 veröffentlicht Joel sein letztes Album "River of Dreams". Seither schreibt er im Grunde genommen nicht mehr, komponiert Instrumentalmusik. 2007 brachte er dann seine letzte Single "All My Life" raus, die jedoch nicht an seine bisherigen großen Erfolge anknüpfen konnte.
Seit 2014 spielte er mit wenigen Ausnahmen monatlich im Madison Square Garden in New York und er sagte immer, dass er das so lange machen möchte, bis keiner mehr kommt. (Anmerkung der Redaktion: Die Location fasst etwa 20.000 Menschen). Doch nach etwa 150 Konzerten in knapp zehn Jahren und dabei mehr als 1,6 Millionen verkauften Tickets soll nun Schluss sein. 2024 will Joel seine berühmte monatliche Auftrittsserie im Madison Square Garden beenden. Ab dem 20. Oktober soll es nochmal zehn letzte monatliche Konzerte geben. (Quelle: dpa)
Shownotes
Classic Rock Review: Billy Joel – "Piano Man"Youtube-Kanal von Billy JoelReview zu "Piano Man" von Allmusic.comARD Audiothek: Billy Joel – viel mehr als der "Piano Man" (Musiktalk mit Peter Urban)
Über diese Songs vom Album "Piano Man" wird im Podcast gesprochen
(01:01) – "Piano Man"(07:11) – "Travelin' Prayer"(13:04) – "Ain't No Crime"(16:59) – "You're My Home"(18:44) – "The Ballad Of Billy The Kid"(23:00) – "Somewhere Along The Line"(24:16) – "Captain Jack"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(02:03) – "Flying Through the Air" von Oliver Onions

Oct 23, 2023 • 26min
Crosby, Stills, Nash & Young – "Déjà Vu"
Dass eine Band sofort nach ihrer Gründung erfolgreich ist, kommt nicht so oft vor. Normalerweise müssen neu gegründete Bands sich erstmal beweisen, Material schreiben und ganz viel auf Tour gehen. Bei Crosby, Stills, Nash & Young war das etwas anders.
Crosby, Stills, Nash & Young – eine echte Supergroup
Die Mitglieder der Band waren allesamt vor der Gründung der Supergroup mit anderen Bands schon sehr erfolgreich gewesen. David Crosby war Mitglied der legendären Band "The Byrds", die wir vor allem von dem Kulthit "Mr. Tambourine Man" kennen. Stephen Stills – um bei der korrekten Reihenfolge zu bleiben – war schon mit der Band "Buffalo Springfield" und dem Antikriegssong "For What It's Worth" sehr erfolgreich gewesen, bei dem auch Neil Young schon mit dabei war. Graham Nash war seit 1962 Sänger und Gitarrist der Band "The Hollies".
Darum war es auch kein Wunder, dass die vier mit ihrem ersten gemeinsamen Album "Déjà Vu" (Crosby, Stills und Nash hatten zu dritt 1969 schon ein erstes Album veröffentlicht) direkt erfolgreich waren. In Deutschland, der Schweiz und England erreichte die Platte Goldstatus, in den USA sogar siebenfach Platin.
Viel Tragik rund um das Album
Dass das Album so erfolgreich geworden ist, hat den vier Musikern mit Sicherheit auch sehr gutgetan, da einige von ihnen zu der Zeit persönlich schwere Zeiten durchgemacht haben. Für David Crosby war es "die schlimmste Zeit seines Lebens", erklärt SWR1 Musikredakteur Stephan Fahrig im Podcast, denn Crosby hatte gerade seine Freundin bei einem Autounfall verloren. Sänger Graham Nash hatte sich einigermaßen frisch von Joni Mitchell getrennt und auch Graham Nash hatte gerade eine Trennung hinter sich.
Crosby, Stills, Nash & Young – Die Zusammenarbeit der Alphatiere
Mit Crosby, Stills, Nash und Young waren vier sehr, sehr starke Charaktere zusammengekommen, bei denen großer Streit bei der Produktion und viele Spannungen schon fast vorprogrammiert waren. Aber es hat gut funktioniert, erklärt unser ehemaliger SWR1 Musikkollege Christian Pfarr im Podcast. Das lag auch daran, dass die Musiker sich einander viele Freiräume gelassen haben und nur sehr selten alle zusammen im Studio waren, um gemeinsam Songs aufzunehmen.
Die verschiedenen Musiker steuerten unterschiedliche Songs zum Album bei und holten sich für die Gesangs- oder Gitarrenparts immer nur die jeweiligen Musiker dazu, die gerade gebraucht worden sind. So ist es auch passiert, dass Neil Young zum Beispiel bei vielen Songs gar nicht zu hören ist – weder an der Gitarre, noch bei den Vocals oder am Keyboard.
Shownotes
Graham Nash im Interview bei Howard Stern über den Song "Woodstock"Interview mit Graham Nash über die Arbeit an "Déjà Vu"Youtube-Kanal von Crosby, Stills & Nash
Über diese Songs vom Album "Déjà Vu" wird im Podcast gesprochen
(04:45) – "Carry On"(08:59) – "Déjà Vu"(15:13) – "Teach Your Children"(17:01) – "Woodstock"(21:03) – "Our House"(25:40) – "Helpless"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(19:51) – "Woodstock" von Joni Mitchell

Oct 16, 2023 • 1h 8min
The Who – "Quadrophenia"
Das Album stand unter keinem guten Stern
"Quadrophenia" erschien am 19. Oktober 1973 und sollte an die vorherigen Erfolgsalben "Who's Next" und "Tommy" anknüpfen. Das Album basiert auf den Ideen und Kompositionen von Pete Townshend, dem Kopf der Band. Leider standen die Produktion, Veröffentlichung und die Tour aber unter keinem guten Stern.
Das Projekt hätte jederzeit in einem kompletten Desaster enden können.
Quelle: Frank König aus der SWR1 Musikredaktion
Probleme, vor denen die Band stand, waren zum Beispiel die Trennung vom Management und ein Streit mit dem damals sehr bekannten Produzenten Glyn Johns, der schon mit den Beatles und den Rolling Stones gearbeitet hatte. Dann mussten sich The Who ein neues Studio bauen, welches bei den Aufnahmen noch nicht ganz fertig war. Anschließend hatten sie Probleme bei der Schallplattenproduktion, denn wegen der Ölkrise 1973 wurde das Erdöl knapp, aus dem die Vinyl-Platten bestehen.
Das Album erzählt eine Geschichte
...Und zwar die des jungen Protagonisten Jimmy, der der Subkultur der "Mods" anhängt und mit den Problemen des Erwachsenwerdens und seinen vier verschiedenen Persönlichkeiten kämpft. Im Kern fragt er sich, wer er eigentlich ist und wo sein Platz in der Gesellschaft sein soll.
In den Songs der Rockoper verstecken sich immer wieder Anspielungen auf die vier Persönlichkeiten Jimmys. Vier Songs wurden so konzipiert, dass sie von den vier Bandmitgliedern repräsentiert werden. So zeigt uns "Helpless Dancer" Jimmys Teilpersönlichkeit, symbolisiert von Sänger Roger Daltrey. "Bell Boy" wird vom chaotischen Schlagzeuger Keith Moon repräsentiert, und hinter "Doctor Jimmy" verbirgt sich Bass-Gitarrist John Entwistler. Die Teilpersönlichkeit von Pete Townshend ist in "Love, Reign O'er Me" zu finden.
"Quadrophenia" ist ein großes Kunstwerk
Schnell wird klar, die Geschichte um Jimmy, die sich hinter dem Album verbirgt, ist nicht ganz einfach. Mindestens genauso komplex ist auch die Musik, die "Quadrophenia" zu so einem großartigen Kunstwerk macht. Die Hochkulturellen und mächtigen orchestralen Arrangements haben die Rockmusik auf eine ganz neue Stufe gehoben.
Das Vermächtnis des Albums ist, dass Rockmusik einen künstlerischen Anspruch hat.
Quelle: Musiker und Musikjournalist Thomas Bugert
Einige Songs, wie "I Am the Sea" zeichnen sich durch ihre filmmusikartigen Soundcollagen aus. Der Sound der Songs war teilweise so komplex, dass sie live gar nicht aufführbar waren. Trotz der virtuosen Arrangements bleibt "Quadrophenia" aber trotzdem ehrlicher Rock.
Mehr über die Aufnahmetechniken dieser komplexen Rockoper, die Geschichte rund um Mod Jimmy und was der Name "Quadrophenia" bedeutet, erfahren Sie in dieser Episode der SWR1 Meilensteine.
Shownotes
The Who: How we made Quadrophenia (Artikel auf loudersound.com)Quadrophenia Linernotes auf der Fan Site
Buchtipp
Über diese Songs vom Album "Quadrophenia" wird im Podcast gesprochen
(02:10) — "5:15"(15:33) — "I Am the Sea"(17:57) — "Quadrophenia"(25:43) — "The Punk and the Godfather"(43:54) — "Helpless Dancer"(51:51) — "Bell Boy"(57:31) — "Doctor Jimmy"(59:48) — "Love, Reign O'er Me"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
(37:16) — "Portrait in Jazz" von Bill Evans(49:04) — "Behind Blue Eyes" von The Who


