Transformation Journalism

Uwe H. Martin
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Dec 24, 2025 • 1h 16min

Niklas von Wurmb-Seibel: Begegnungen statt Sendezeit

Niklas von Wurmb-Seibel deckte als investigativer Journalist Betrug mit Krebsmedikamenten auf, recherchierte Korruption im Gesundheitswesen und arbeitete für Panorama beim NDR. Juristisch sattelfest, aber zermürbend. Er merkte, wie der misstrauische Blick seiner Arbeit auf sein Privatleben abfärbte. Überall suchte er nur noch nach Fehlern: Wo läuft es schief? Wer macht etwas falsch? Und er sah: Die großen Enthüllungen verpufften. Politiker versprachen Veränderungen, doch nichts geschah.Irgendwann stellte er sich die entscheidende Frage: Will ich das weitermachen? 24 Stunden später traf er sich mit seinem Kollegen und sagte: Ich höre auf.Zu dieser Zeit lebte Hasib bereits bei ihnen. Der junge Afghane, den Niklas und Ronja auf einer Recherche in Kabul kennengelernt hatten, war 2015 auf der Flucht nach Europa. Sie halfen ihm, aus Ungarn nach Deutschland zu kommen, und wurden seine Vormünder. Heute ist Hasib 25, lebt selbstständig in Hamburg – und ist ihr älterer Sohn. Diese Beziehung lehrte Niklas: Es gibt andere Wege, etwas zu bewirken. Echte Begegnungen verändern mehr als jede Enthüllung.Mit ihrer Produktionsfirma BROT + ZWIEBEL entwickelten Niklas und Ronja eine radikal andere Form des Journalismus. Sie verkaufen ihre Filme nicht an Sender, sondern behalten die Rechte und entscheiden selbst, wo und wie ihre Geschichten gezeigt werden. Mit ihrem Film "Wir sind jetzt hier" organisierten sie über 900 Veranstaltungen – in Polizeiakademien, Jobcentern, Ministerien. Jede moderiert. Jede anders, weil der Kontext anders ist. Ihre Filme zeigen nicht nur Probleme, sondern auch, wie Menschen damit umgehen. Konstruktiver Journalismus.Niklas erklärt, wie ein Drittel Lösungen im Film reicht, um die Wahrnehmung komplett zu verändern. Wie 22 Schulklassen an Polizeiakademien ihm Einblicke geben, die er an Polizeipräsidien weiterträgt. Wie zehn Jahre Beharrlichkeit an einem Thema mehr bewirken als hundert einzelne Geschichten.Wir sprechen über den Wendepunkt vom Investigativreporter zum Impact-Produzenten, über das Geschäftsmodell, das ihnen erlaubt, nur alle paar Jahre einen Film zu produzieren. Über Familie, Unabhängigkeit und die Frage: Wie will ich leben?
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Dec 24, 2025 • 1h 41min

Ronja von Wurmb-Seibel: Räume für gesellschaftlichen Wandel gestalten

Einen Tag nach der Bundestagswahl 2025 saß ich mit Ronja von Wurmb-Seibel in ihrem Wohnzimmer in Bayern. Ronja, SPIEGEL-Bestseller-Autorin und eine der profiliertesten Stimmen des konstruktiven Journalismus in Deutschland, spricht über widersprüchliche Gefühle: Hoffnung und Sorge, Aktivismus und Erschöpfung. Wenige Monate später kandidiert sie im konservativen Landkreis Fürstenfeldbruck für die Grünen als Landrätin - ein Schritt, der die Grenze zwischen Beobachten und Gestalten endgültig auflöst.Fast zwei Jahre lebte sie als Reporterin in Kabul. Dort lernte sie, umgeben von Krieg und Katastrophen, dass Geschichten mehr können, als nur Probleme zu beschreiben. Sie können zeigen, wie Menschen trotz allem Kraft finden, aktiv werden und Veränderung gestalten. Diese Erkenntnis prägt ihre Arbeit bis heute.Mit ihrem Partner Niklas von Wurmb-Seibel hat sie eine radikal andere Form des Journalismus entwickelt. Ihre Produktionsfirma BROT + ZWIEBEL bringt Filme nicht ins Fernsehen, sondern in Polizeiakademien, Jobcenter, Ministerien. Der Film ist Ausgangspunkt für moderierte Gespräche, die oft zu konkreten Veränderungsprozessen führen. Mit ihrem Film "Wir sind jetzt hier" haben sie mittlerweile über 900 solcher Veranstaltungen durchgeführt - jede einzelne ein Raum, in dem Menschen zusammenkommen, die sonst nie miteinander sprechen würden.In ihrem SPIEGEL-Bestseller "Zusammen" (2024) beschreibt Ronja, wie Einsamkeit zu Radikalisierung führt und warum Verbundenheit demokratische Gesellschaften stabilisiert. Ihre Analyse ist keine akademische Übung. Sie ist gelebte Praxis: Im bayerischen Dünzelbach haben sie und Niklas ein Gästehaus für Künstler*innen gegründet, einen Ort, an dem Gemeinschaft konkret wird.Wir sprechen über die Balance zwischen Hoffnung und Realismus, über Journalismus als Intervention, über die Macht des Zuhörens und darüber, wie man ein Leben gestaltet, in dem Arbeit und Werte nicht auseinanderfallen.
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Dec 23, 2025 • 5min

Ein Jahr Pause – warum Slow Journalism keinen Monatsrhythmus kennt

Ein Jahr lang blieb es still hier. Nicht, weil keine neuen Folgen bereitlagen, sondern weil mir die Publikationsarbeit – Social Media, Texte schreiben und all das Drumherum – nicht liegt. Und weil anderes Vorrang hatte: Recherchen in Kenia, Unterricht, das Leben selbst.In dieser Field Note erkläre ich, warum ich als Slow Journalist weder im Monatsrhythmus arbeiten will noch kann. Warum bei uns Arbeit und Leben untrennbar sind. Und warum die Pause kein Schlussstrich, sondern nur eine Unterbrechung war.Ab jetzt gibt es zwei Formate: Interviews mit Journalist*innen, die Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit suchen, und Field Notes, in denen ich eigene Erlebnisse und Gedanken teile, die den Ansatz des Transformation Journalism prägen.Die nächste Doppelfolge mit Ronja und Niklas von Wurmb-Seibel erscheint morgen – pünktlich zu Weihnachten.
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Dec 20, 2024 • 48min

Nikolas Migut: Kreative Wege aus der Armut

Nikolas Migut, a journalist, social impact storyteller, and founder of Straßenblues e.V., uses storytelling to tackle poverty creatively. He shares how his encounter with a homeless man named Alex transformed his life and career. The conversation dives into his innovative projects like 'Hotels-for-Homeless' and the touching Christmas initiative that connects communities. Migut emphasizes the importance of understanding the Christmas wishes of homeless individuals and champions a collective responsibility in social impact storytelling, aiming to redefine the fight against poverty.
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Dec 5, 2024 • 55min

Tim Matsui: Changing Policy around commercial sexual exploitation

Today, I am talking with the American photographer and filmmaker Tim Matsui. Tim has been documenting human trafficking in Asia and in the United States for over a decade. His documentary film "The Long Night“ won the World Press Photo and Picture of the Year Awards in 2015. He then used the contacts from his research to facilitate the development of new policies on commercial sexual exploitation.
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Nov 15, 2024 • 1h 1min

David Schraven: Transformation durch Kaffee

David Schraven, the innovative founder of Correctiv and other initiatives, discusses his transformative impact on journalism in Germany. He reveals how coffee culture can revitalize communities and foster local journalism. Schraven shares his journey of training an unconventional journalist from a truck washer and the importance of engaging youth voices in media. He emphasizes the success of local initiatives over external investments in Bottrop, and how coffee wagons may be the future of community engagement and storytelling.
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Nov 12, 2024 • 4min

Transformation Journalism - Intro

Heute stelle ich Euch meinen Podcast "Transformation Journalism“ vor und warum ich mit Journalistinnen und Journalisten rede, denen es nicht mehr reicht, nur über Probleme und potentielle Lösungen zu berichten. Ich erzähle Euch, warum wir  für das Wissen und die Kontakte, die sich aus unseren Recherchen ergeben Verantwortung übernehmen müssen und  warum gerade Journalistinnen und Journalisten optimal positioniert sind, um gesellschaftliche Transformationsprozesse anzustoßen und Lösungen zu moderieren.

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