ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Feb 15, 2022 • 29min

„PCR-Test, ja oder nein? Entscheiden Sie medizinisch!“

Dr. Andreas Bobrowski über die neue Corona-Testverordnung In der neuen SARS-CoV-2-Testverordnung gibt es, anders als geplant, keine Priorisierung für PCR-Tests. Für den Vorsitzenden des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL), Dr. Andreas Bobrowski, ist das eine gute Entscheidung. So könnten zuweisende Ärztinnen und Ärzte und ihre Kollegen im Labor weiter nach klinischen Gesichtspunkten entscheiden, sagt er im „ÄrzteTag“-Podcast. Die zuweisenden Praxen oder Kliniken sollten nach seiner Überzeugung weiter vor allem nach medizinischen Erwägungen für oder gegen einen PCR-Auftrag entscheiden. Auch die nationale Teststrategie ermöglicht das. Beim Umgang mit Genesenenzertifikaten sieht der Labormediziner große Problem. Das sei das Thema, das ihn und die Zuweiser derzeit am Meisten beschäftige. Er verlangt eine Vereinfachung der bisherigen zeitlichen Begrenzung hin zu der Möglichkeit, den Status mittels Antikörper-Bestimmung zu ermitteln. Daten gäbe es dafür genug, man müsse sich nur auf Grenzwerte einigen. Ein Problem sieht er auch darin, dass nach einem positiven PCR-Befund keine variantenspezifische PCR mehr ohne Weiteres möglich ist. Gerade angesichts der in der Regel milderen Verläufe unter Omikron sei für Infizierte klinisch relevant, ob sie mit dieser Variante infiziert sind. Diesen Anspruch müsse der Verordnungsgeber wieder einräumen, fordert Bobrowski. Keine größere Relevanz erwartet Bobrowski von den Point-of-Care-NAT-Tests. Sie seien unverändert nur für größere Einrichtungen interessant. Für Arztpraxen lohnten sie sich kaum und würden, da sie in der Regel nur eine Probe je Lauf untersuchen, kaum einen Zeitgewinn bringen.
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Feb 9, 2022 • 34min

Ist die Einzelpraxis bald verschwunden, Professor Scholz?

BÄK-Justiziar Professor Karsten Scholz über das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz „Gleichlange Spieße“ im Wettbewerb mit MVZ: Nachdem Medizinische Versorgungszentren 2003 als neue Versorgungsform zugelassen waren, suchten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in den Folgejahren nach Antworten, wie sie mit den neuen Anbietern mithalten könnten. Die Antwort waren flexiblere Möglichkeiten der Kooperation, die 2004 vom Deutschen Ärztetag in die Berufsordnung aufgenommen wurden – und das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG), das Anfang 2007 in Kraft trat. Im „ÄrzteTag“-Podcast zieht Professor Karsten Scholz, Justiziar der Bundesärztekammer, Zwischenbilanz des Strukturwandels in der ambulanten Medizin, der damals eingeläutet worden ist – und nach wie vor anhält. Vertragsärzte hätten in Folge des Gesetzes mit neuen Kooperationsformen viele Grenzen ausgetestet, manche auch überschritten, sagt Scholz. Im Gespräch erläutert er, wo aktuell Fallen für Vertragsärzte liegen könnten, etwa durch neue telemedizinische Modelle, die eine versteckte Zuweisung gegen Entgelt enthalten könnten. Aber auch neue Ansätze für Praxisvertretungen auf dem Land kann sich der Justiziar vorstellen, wenn die Gesetzeslage noch angepasst wird. Nicht zuletzt hat er auch eine klare Meinung dazu, ob die Einzelpraxis in Zukunft noch Bestand haben wird.
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Feb 8, 2022 • 36min

Wollen Sie aus Ihrem MVZ eine bundesweite Kette machen, Herr Dr. Kielstein?

Dr. Volker Kielstein über seine MVZ-Erfolgsgeschichte und Expansionspläne Die Erfolgsgeschichte des MVZ Dr. med. Kielstein GmbH ist beeindruckend: In 15 Jahren hat der Gründer Allgemeinarzt Dr. Volker Kielstein aus einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft mit zwei Standorten ein Unternehmen mit rund 30 Standorten in Thüringen und Sachsen-Anhalt und bald 100 angestellten Ärzten gemacht. Im Podcast verrät der Unternehmensgründer das Rezept für die erfolgreiche Expansion – und die Beweggründe dafür, dass er jetzt einen Trägerwechsel für sein MVZ vorgenommen hat. Künftig fungiert eine Belegklinik in Berlin als Träger. Zudem holte sich der Gründer mit der Triton-Gruppe zusätzlich einen Investor als Anteilseigner ins Unternehmen. Kielstein berichtet im Podcast weiter, warum eine Genossenschaft als alternative Unternehmensform vertragsarztrechtlich nicht möglich gewesen wäre und wieso sein MVZ trotz vieler Standorte in unterversorgten Gebieten kein Nachwuchsproblem hat. Nicht zuletzt verfolgt der Arzt und Unternehmer weiterhin Expansionspläne …
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Feb 4, 2022 • 16min

Kann Sex die Nasenatmung verbessern, Professor Bulut?

Der Ig-Nobel Prize-Träger zu Orgasmen und Atmung Im Oktober findet traditionell die Bekanntgabe der Nobelpreise statt; einen Monat früher wird dagegen ein weit weniger bekannter Preis verliehen: der Ig-Nobel Prize. Mit diesem kürt die Organisation Improbable Research jedes Jahr an der Harvard Universität kuriose Forschungsergebnisse: So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Forscher ausgezeichnet, die herausfanden, welche Nationen das am höchsten Keim-belastete Papiergeld haben oder diejenigen, die untersucht haben, ob Achterbahnfahrten Nierensteine lösen können. Was sich zuerst nach reinem Klamauk anhören mag, hat aber einen ernsten Hintergrund: Die Initiatoren wollen Forscher dazu anregen, abseits der gewohnten Bahnen zu denken, und Forschungen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, die Menschen „zuerst zum Lachen, und dann zum Nachdenken bringen“. In dieser Episode des „ÄrzteTags“ ist Professor Cem Bulut zu Gast: Der Oberarzt an den SLK Kliniken Heilbronn hat den Ig-Nobel Prize letztes Jahr erhalten, zusammen mit Kollegen: Das Forschungsfeld war, inwiefern Geschlechtsverkehr mit Orgasmus die Nasenatmung verbessern kann und ob dadurch weniger Medikamentengebrauch empfohlen werden kann (Ear, Nose & Throat J 2021; online 4. Januar), Bulut erklärt, wie er auf Idee kam, Sex und Atmung zum Forschungsthema zu machen, wieso die Autoren das Paper mit einem Augenzwinkern verfasst haben, aber von den Ergebnissen überzeugt sind – und er gibt einen Einblick, wie man an den Ig-Nobel Prize kommt. Die Ig-Nobel Prize-Gala im Stream: https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Ig-Nobelpreis-Wenn-Sex-die-Nasenatmung-verbessert-422685.html Zur Studie „Can Sex Improve Nasal Function?—An Exploration of the Link Between Sex and Nasal Function”: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0145561320981441 Zum Interview mit Dr. Mark Benecke: https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Wenn-eine-keimende-Knoblauchzehe-am-Tatort-wichtig-ist-407198.html
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Feb 2, 2022 • 19min

„Warum verschenken viele Fachärzte Honorar, Dr. Lübben?“

Ein Praxisberater gibt Tipps zur korrekten Abrechnung Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) war unter anderem dazu gedacht, Patienten einen Zugang zur Facharztebene mit möglichst geringen Wartezeiten zu ermöglichen. Im Gegenzug sollten Fachärzte mehr Leistungen ohne Budgetdeckel honoriert bekommen. Während der Coronavirus-Pandemie sind die sogenannten TSVG-Fälle – offene Sprechstunden, Neupatienten, TSS-Vermittlungsfälle, Hausarztvermittlungsfälle – teilweise in Vergessenheit geraten, wie Arzt und Praxisberater Dr. Georg Lübben aus Berlin im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet. Die Folge laut Lübben: „Viele Ärztinnen und Ärzte verschenken Honorar.“ Der Berater erklärt im Gespräch, an welchen Stellen der Abrechnung sich Fehler eingeschlichen haben und warum diese Fehler jetzt, nach Auslaufen der epidemischen Notlage, mehr Wirkung zeigen als in den ersten beiden Pandemiejahren – vor allem bei der offenen Sprechstunde. Die Summen, um die es geht, könnten durchaus erklecklich sein, bis zu gut vierstellig im Quartal, wenn eine Praxis ihr Budget klar überschreitet. Dabei wäre der Fehler schnell behoben, wenn MFA oder Arzt und Ärztin nur ein oder zwei Mausklicks zur rechten Zeit an der richtigen Stelle machen.
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Jan 28, 2022 • 30min

„Der G-BA zerstört unseren Berufsstand!“

Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat (DPR) Politik und Selbstverwaltung entscheiden über die Pflege ohne die Pflege, kritisiert die Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR) Christine Vogler. „So entstehen Gesetze, die an unserer Arbeit vorbeigehen“, sagte Vogler im Interview zum Auftakt des Kongresses Pflege 2022 von Springer Medizin. Im Interview, das wir in dieser „ÄrzteTag“-Episode ausstrahlen, verweist sie auf Pläne der Ampelkoalition, der Pflege ein Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss zu geben. „Die Macht des G-BA behindert bisher die Entwicklung der Profession.“ Die Pflege brauche neue Berufsbilder, forderte Vogler, etwa die Community Health Nurse, um autonom handeln können. Sie „könnte Wundmaterial verschreiben, Aufklärungsgespräche führen, Beratung und Familienbetreuung übernehmen“. „Und hätten wir zu Beginn der Pandemie überall ganz selbstverständlich autonom handelnde School Nurses gehabt – ein erfolgreiches Modell in Brandenburg –, hätten wir heute eine andere Ausgangslage in den Schulen.“ Der Kongress Pflege 2022 – veranstaltet von Springer Medizin mit seinem Geschäftsbereich Springer Pflege – ist der alljährliche Auftakt in das Pflegejahr für tausende teilnehmende Pflegefachkräfte und Pflegemanager*innen. Foto: Porträt: Gudrun Arndt | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com
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Jan 25, 2022 • 25min

Was Haare über den Effekt von mentalem Training aussagen

Physiologische Messmethoden bei der Forschung am Stressabbau Derzeit scheint ein neuer Lockdown im Bereich des Möglichen zu liegen; gerade vor diesem Hintergrund ist es interessant, was mentale Trainings zum Stressabbau beitragen können. Frühere Studien zu diesem Thema waren auf Selbstauskünfte angewiesen – Lara Puhlmann, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, hat das anhand des Stresshormons Cortisol in den Haaren untersucht. Auf welches psychische Krankheitsbild die Forschung um Stress und Cortisol eigentlich abzielt und welche Konsequenzen das für den Arzt der Zukunft haben kann, erfahren Sie in dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts. (Dauer: 24:07 Minuten) Puhlmann, Lara M.C. MSc; Vrtička, Pascal PhD; Linz, Roman PhD; Stalder, Tobias PhD; Kirschbaum, Clemens PhD; Engert, Veronika PhD; Singer, Tania PhD Contemplative Mental Training Reduces Hair Glucocorticoid Levels in a Randomized Clinical Trial, Psychosomatic Medicine: October 2021 - Volume 83 - Issue 8 - p 894-905; doi: 10.1097/PSY.0000000000000970
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Jan 21, 2022 • 22min

DAK-Chef: „Das Prinzip Brechstange hat bei der Digitalisierung nicht funktioniert“

DAK-Chef Andreas Storm zum Neustart bei TI, ePA, E-Rezept und Co „Der Digital-Frust bei Ärzten ist enorm“, so lässt sich der jüngste Digitalisierungsreport der DAK überschreiben, aber auch das am Freitag veröffentlichte KBV-Praxisbarometer. Für DAK-Chef Andreas Storm ist unter anderem das vom ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewählte Prinzip „Brechstange“ eine der Ursachen dafür. Und die fehlende Praxistauglichkeit mancher Anwendung, kritisiert Storm im „ÄrzteTag“-Podcast. Wie etwa das E-Rezept, das nur 42 Mal getestet wurde. Storm fordert, wie zuletzt auch der KBV-Vorstand in der „Ärzte Zeitung“, eine Bestandsaufnahme der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dazu gehört für ihn auch eine Telematikinfrastruktur, die von einer staatlichen Stelle betrieben wird und durch Steuermittel finanziert wird. Auch Vorschläge nach Steuermitteln für die Digitalisierung unterstützt er – und schlägt ein Praxis-Modernisierungsgesetz vor. Foto: Porträt: DAK-Gesundheit | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com
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Jan 19, 2022 • 12min

Wie sieht die Arbeit in einer Post-COVID-Klinik aus, Professor Gosch?

Prof. Markus Gosch über Long- und Post-COVID Das Klinikum Nürnberg hat seit einigen Tagen speziell für Patienten mit langanhaltenden Corona-Symptomen tagesklinische Plätze eingerichtet. Mit diesen soll Patienten, die auch Monate nach einer COVID-19-Erkrankung noch unter Folgebeschwerden leiden, geholfen werden. Die Tagesklinikplätze wurden an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Geriatrie eingerichtet. Dort sollen sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome der Infektion ausheilen, teilt das Klinikum Nürnberg mit. Für Professor Markus Gosch, Leiter der Klinik für Innere Medizin 2 am Klinikum Nürnberg, geht es vor allem darum, die Patienten nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren: „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, wird Gosch in der Mitteilung zitiert. „Auch wenn die Erkrankung vielleicht nicht schwerwiegend verlaufen ist, so sind viele doch sehr belastet und dauerhaft erschöpft.“ Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Gosch, wie wichtig es ist, die Krankheit ganzheitlich zu begreifen und zu behandeln. Für viele ältere Patienten ist zum Beispiel die Einsamkeit durch Quarantäne und Behandlung ein bedeutender Faktor. Für diese Patienten bietet die Tagesklinik neben den physiotherapeutischen auch ergotherapeutische und logopädische Programme an. Für Ärzte mit Patienten mit Post-COVID-Beschwerden im Raum Nürnberg gibt es die Möglichkeit der Überweisung an die Tagesklink. Kontakt: psychosomatik-Post-Covid@klinikum-nuernberg.de (Dauer: 11:44 Minuten)
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Jan 17, 2022 • 28min

Hausarzt zu Kodierhilfen: „Die Umsetzung der Dauerdiagnosen ist eine Katastrophe“

Dr. Christoph Claus zu den Kodierhilfen für die Diagnosenschlüssel Die Kodierhilfen für die Diagnosenschlüssel haben nach ihrer Einführung zu Jahresbeginn noch keine großen Schlagzeilen gemacht. Es gebe keine negativen Rückmeldungen von der Basis, meldeten in der vergangenen Woche die KBV-Vorstände Dr. Andreas Gassen und Dr. Stephan Hofmeister im Interview mit der „Ärzte Zeitung“. Also alles in Butter? Mitnichten! Wir haben beim Hausarzt Dr. Christoph Claus nachgefragt, der ein anderes Bild zeichnet, vor allem von der Dokumentation der Dauerdiagnosen. Claus, in Nordhessen in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen und berufspolitisch im Hausärzteverband Hessen aktiv, hat in seiner Software bemerkt, dass Dauerdiagnosen, die bereits länger zurückliegen, aus den behandlungsrelevanten Diagnosen entfernt werden, ohne dass er dies bemerkt. Er befürchtet, dass Ärzte, die nicht darauf achten, in eine Regressfalle laufen könnten – zum Beispiel, weil sie Medikamente aufschreiben, ohne dass dies Bezug zu einer Behandlungsdiagnose hat. Auch Chronikerpauschalen oder die P3 im Hausarztvertrag könnten in solchen Fällen gefährdet sein. Im Podcast erläutert Claus, wie er sich dagegen schützt, warum er sich über die Zusatzarbeit ärgert und was manche KVen zum Schutz ihrer Mitglieder tun könnten, um die Fehlerwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

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